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Die wahren Opfer der Vergangenheit

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Familie / P18 / Gen
Draco Malfoy Hermine Granger OC (Own Character)
23.11.2021
27.01.2022
59
193.264
15
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Dieses Kapitel
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15.01.2022 3.573
 
Teil 53 – Düstere Erinnerungen

„Okay, Leo, jetzt mal ganz langsam. Was genau ist passiert?“ Justin war soeben in der Hütte eingetroffen, hatte Draco kurz untersucht und dann entschlossen, erstmal Leo nach den genauen Begebenheiten zu befragen. Jetzt saß Hermine völlig besorgt und durchnächtigt mit einem aufgelösten und leicht abwesenden Draco auf dessen Bett und der junge Justin war mit den kleinen Brüdern auf dem Weg ins Haus, wo Cassy sie erwartete. Gut, soweit erstmal alles sortiert und alle versorgt.
„Ich weiß es nicht! Ich bin von den Schreien aufgewacht. Die anderen natürlich auch. Habe das Licht angemacht und Dad schlug um sich, schrie und weinte. Ich bin aufgestanden, zu ihm hin und habe ihn geweckt und dann…tja, dann war er so…er war zuerst völlig abwesend und dann fing er wieder an zu weinen und hat nach Mum gerufen, immer wieder… und er murmelte immer wieder etwas davon, dass er ein Monster sei…“ Leo deutete auf seinen Vater, frische Tränen rollten über seine Wange, für ihn musste das hier wirklich schockierend gewesen sein. Noch niemals hatte er seinen Vater so erlebt!
Justin legte den Arm um Leo und nickte verständnisvoll.
„Ich weiß, dass ist sehr erschreckend, seinen Dad in einer solchen Situation zu erleben. Aber du musst jetzt keine Angst haben. Dein Dad hatte wahrscheinlich einen schlimmen Alptraum, irgendwelche Erinnerungen sind hochgekommen und die haben ihn jetzt ein wenig außer Gefecht gesetzt und natürlich auch ziemlich aufgewühlt. Das wird wieder, ganz bestimmt…“ versuchte er erstmal den Jungen zu beruhigen.
„Okay…“  Dankbar nahm Leo das Taschentuch an, das Justin aus seiner Hosentasche zog.
Justin tätschelte seine Schulter und sah dann zu Hermine.
„Geh ruhig nach ihm schauen, ich komme klar…“ sagte Leo, der dich die Nase putzte.
„Ja, aber morgen reden wir auch noch mal, ja? Ich finde es wichtig, dass wir darüber sprechen, wie es dir damit geht…“ kam ernst von Justin, der sich gerade um Leo genauso viele Sorgen wie um Draco machte.
„Okay, machen wir…“ stimmte Leo zu, dann seufzte er laut.

Justin erhob sich und ließ sich neben Hermine auf den Rand von Dracos Bett sinken.
„Ich würde ihn eigentlich zur Intervention mit in die Klinik nehmen, aber wir haben ein Problem: Es ist kein Zimmer frei, nicht mal das Notzimmer, weil ich vorgestern eine Notaufnahme hatte…“ Justin raufte sich die Haare.
„Ich glaube, es geht schon wieder…“ sagte Hermine leise. Justin betrachtete Draco, der sich anscheinend wirklich wieder beruhigt hatte. Er weinte zwar noch, aber blickte nicht mehr ins Leere, sondern nickte Justin langsam zu.
„Geht wirklich schon wieder…ich…würde nur gerne reden…“ bat Draco leise.
„Aber natürlich. Ich würde nur sagen, wir gehen erstmal ins Haus, oder?“ schlug Justin vor.
„Ja…“ Draco sah etwas hilflos zu Hermine, die ihn anlächelte.
„Na komm, Schuhe und Jacke an und dann gehen wir los.“ Hermine wedelte mit Dracos Schuhen, die vor seinem Bett gestanden hatten.

xxx

Schon eine Stunde später, es war jetzt halb sechs am Morgen, saß Justin mit Draco im Therapiezimmer des Manors.
Draco war ziemlich blass, wirkte äußerst erschöpft, aber ansonsten schien er sich wieder gefasst zu haben. Justin sah ihn prüfend an, sagte aber erstmal nichts. Er war selbst sehr müde, war von Hermines Anruf um viertel vor Vier regelrecht aus dem Tiefschlaf gerissen worden.
Ein Hauself hatte gerade sehr gut duftenden Kaffee gebracht, etwas, das Justin jetzt auch wirklich gebrauchen konnte. Draco sicherlich auch, allerdings schien er erstmal andere Pläne zu haben.
„Ich muss zuerst auf die Toilette …“ war das erste was Draco sagte, dann verschwand er im angrenzenden Badezimmer. Die Tür ließ er angelehnt, Justin konnte nicht so recht erahnen, warum. Vielleicht hatte Draco einfach nur Angst vor einem weiteren Zusammenbruch. Justin machte sich da allerdings gerade eher weniger Sorgen. Es war nicht mal ein richtiger Zusammenbruch gewesen, die kannte Justin bei Draco ja zur Genüge und die waren immer weitaus schlimmer gewesen als das hier.

Draco war lediglich aus einem Alptraum hochgeschreckt und hatte seinen Kindern eine Heidenangst damit eingejagt. Er selbst war natürlich ein wenig aufgewühlt gewesen, aber wirklich gravierend schätzte Justin die Situation jetzt nicht ein. Dennoch war es wichtig, dass sie jetzt über diesen Traum redeten.
Als Draco aus dem Bad zurückkehrte, setzte er sich, nahm seinen Becher Kaffee und trank erstmal einen großen Schluck. Dann räusperte er sich.
„Justin, was ich dir jetzt erzähle bleibt für immer unter uns, ja?“ bat er leise und leicht verlegen.
„Draco, alles, was du mir hier erzählst, bleibt unter uns. NUR, wenn du mir eine Erlaubnis gibst oder Gefahr für dich oder andere besteht, dann würde ich mit jemandem darüber sprechen. Ich bin doch an die Schweigepflicht gebunden und daran halte ich mich in der Regel auch…“ sagte Justin, dann sah er Draco freundschaftlich an.
„Okay. Weil…“ Draco seufzte tief. „Ich…ich habe etwas sehr Verwerfliches getan, was…was mir wirklich…keine Ahnung…es ist…“ Draco brach dieses Stammeln ab.
„Was ist es? Sag es einfach…ich denke, es muss raus, oder?“ Justin nickte Draco mutmachend zu. Er konnte sich noch keinen rechten Reim daraus machen, warum sich Draco gerade jetzt so schwertat. War es ein weiterer Mord? Viel schlimmer konnte es ja eigentlich nicht sein, oder?
„Justin, bitte denke jetzt nichts Schlechtes von mir…“ bat Draco nun beinahe geflüstert.
„Hey, ich denke NIEMALS schlecht über dich!“ Justin schüttelte den Kopf.
„Ich habe…ich habe…“ Draco schüttelte den Kopf. Er konnte das nicht sagen!
„Draco. Nun komm, vertrau es mir an, nur so können wir daran arbeiten…“ Justin blickte Draco prüfend an, denn der hatte nun die Hände vor das Gesicht gelegt.
„Ich schäme mich so sehr…Justin, ich habe eine Frau vergewaltigt! Ich habe diese junge Frau einfach missbraucht! Sie war gefesselt und da war noch ein anderer Mann, ich weiß nicht mal, wer es war, weil er die ganze Zeit seine Maske getragen hat! Er hat sie zuerst genommen und dann…dann sollte ich, er befahl mir, mich an ihr zu vergehen! Und ich habe es getan! Sie schrie und hat sich gewehrt, aber ich habe…ich bin sogar gekommen! Ich bin gekommen und habe meinen Samen in sie hineingespritzt! ICH WAR SEXUELL ERREGT!“ Draco sah Justin angeekelt an. Angewidert von sich selbst, wie es schien.

„Draco. Du weißt, das ist dasselbe wie bei allem Anderen. DU warst völlig benebelt und wusstest nicht, was du tust! Und dass man kommt, heißt nicht, dass man von der Situation erregt war, das war sicherlich eine rein körperliche Reaktion, verursacht durch den physischen Akt…“ sagte Justin ernst. „Du MUSST dich dafür weder schämen noch dich rechtfertigen oder dich vor dir selbst ekeln…“
„ICH BIN ABER EKELHAFT! Ich habe diese wehrlose Frau zuerst vergewaltigt und sie dann getötet! Ich habe sie direkt nach dem Akt erwürgt, MIT MEINEN EIGENEN HÄNDEN! Mein halbsteifer Schwanz hing mir dabei noch aus der Hose und wurde sogar wieder härter! Ich erinnere mich wieder an ALLES! Direkt nach dem Traum kam die Erinnerung einfach so zurück! Was ich getan habe und wie sie dann da lag. Nackt, verletzt und TOD! ICH BIN EIN MONSTER, JUSTIN!“ Draco brach nun in Tränen aus und schüttelte, fassungslos über seine eigene Tat, den Kopf.
Justin stand auf, setzte sich neben Draco aufs Sofa und nahm seine linke Hand.
„Draco. Hör auf, dir Vorwürfe zu machen! DU bist kein Monster, verstanden? DU wurdest gezwungen! DU warst willenlos, völlig betäubt und hast NICHT gewusst, was du da tust! Draco! DAS ist die EINZIGE Wahrheit!“ sagte Justin laut und sehr ernst.

„Aber…“ begann Draco.
„Nein Draco, da gibt es kein aber…es ist SO wie ich es gesagt habe. PUNKT!“ unterbrach ihn Justin sofort.
Draco nahm einen weiteren Schluck Kaffee und ließ dann beinahe den Becher fallen, weil seine Hände zitterten.
„Ich weiß, das sowas sehr erschreckend sein kann. Mit SO etwas plötzlich konfrontiert zu werden. Zu wissen, dass man SO etwas getan hat. Aber Draco, du weißt doch ganz genau, dass du absolut nichts dafür kannst…“ Justin sprach nun langsamer und streichelte Dracos bebende Hand, die er immer noch hielt.
„Kann ich was zur Beruhigung bekommen?“ bat Draco. „Mein Herz rast so…weil ich mich so aufrege…“
„Aber natürlich…das wollte ich sowieso vorschlagen…“
Justin erhob sich und ging an die Tasche, die er mitgebracht hatte. Seine Notfalltasche, die er immer bei sich trug, wenn er Termine außerhalb der Klinik wahrnahm. Dort waren diverse Medikamente für seine Patienten drin, manchmal wurden sie halt benötigt, wenn eine Sitzung zu einer Krise führte. Hier hatte jetzt eine kleine Krise zu einer Sitzung geführt, aber das war ja quasi dasselbe.
Justin nahm sich Handschuhe, legte alles zurecht und gab Draco das Beruhigungsmittel in den Arm. Danach prüfte er dessen Puls.
„Oha, der rast aber wirklich…aber das wird gleich besser…“ sagte er leise. „128…versuch mal ganz ruhig zu atmen…und vielleicht lieber keinen Kaffee mehr, der hat‘s nämlich in sich…deine Elfen meinten es wohl gut mit uns…“  
„Okay, ja, die machen morgens immer starken Kaffee…“ sagte Draco, dann schloss er die Augen und versuchte, ruhig und gleichmäßig zu atmen. Justin hatte immer noch zwei Finger an seiner Halsschlagader und blickte konzentriert auf seine Uhr.
„Okay, geht runter...sehr gut…alles gut?“ Justin betrachtete Draco besorgt.
„Ja, ich glaube, es geht mir jetzt besser…muss wohl damit leben, dass ich schlimme Dinge getan habe. Und mich jetzt leider immer mal wieder an etwas davon erinnere…und dass ich schnell wieder in eine Krise gerate…“ Draco zuckte mit den Schultern und seufzte dann.
„Leider ja. So grausam das auch ist. Aber ich bin positiv überrascht, wie gut du das hier überstanden hast, so schnell haben wir eine Krise noch nie abwenden können. Allerdings müssen wir ein wenig aufpassen. Stell dir vor, du wärst mit den kleinen Jungs alleine gewesen. Das hätte schlimm enden können.“ Justin war nun wieder sehr ernst geworden.
„Ich weiß, das ging mir eben auch durch den Kopf. Oder mit dem Baby…es hätte ja auch schlimmer sein können. Ich kann das nun mal nicht beeinflussen…“ Draco verzog das Gesicht betrübt. „Ich kann es wohl vergessen, dass ich im Kindergarten arbeiten kann, oder?“ fragt er leise.
„Das müssen wir sehen. Auf keinen Fall ganz alleine. Aber wenn du eine Erzieherin einstellst, das solltest du sowieso, weil man eine ausgebildete Kraft braucht, dann wärst du ja nie alleine mit den Kindern. Aber wie gesagt, das müssen wir später klären.“ sagte Justin.
„Okay. In Ordnung. Ja, eigentlich wollte ich sogar zwei einstellen. Und ich wäre nur eine Aushilfe zum Bespaßen der Kinder und so. Ich bin ja nicht ausgebildet. Und gerade Draco braucht ja eine besondere Betreuung. Auch in der Schule…dafür werde ich auch noch eine spezielle Kraft suchen…hoffentlich finde ich jemanden…aber Jeff hat schon versprochen, dass er sich umhört…“ erzählte Draco, dann huschte ein kleines Lächeln über sein Gesicht, etwas, das Justin selbst zum Lächeln brachte.
„Er wird sicherlich jemanden finden.“ sagte Justin sehr überzeugt.
Draco nickte und musste dann so herzhaft gähnen, dass er kaum die Zeit fand, sich die Hand vor den Mund zu halten. Justin gähnte prompt ebenfalls und musste dann lachen.
„Lass das, das steckt an!“ sagte er und zwinkerte dann.
„Entschuldige. Ich bin echt saumüde…“ gab Draco zu.
„Du wirst dich jetzt auch ins Bett verziehen und erstmal ein paar Stunden ausschlafen. Ich gehe zurück in die Klinik, habe nämlich immer noch Bereitschaft. Aber zum Mittagessen komme ich wieder und danach rede ich mit Leo, dem hast du echt einen riesigen Schrecken eingejagt…“ sagte Justin, dann sah er auf die Uhr.
„Ich weiß, das tut mir auch echt leid.“ kam betroffen von Draco.
„Du kannst ja nichts dafür. Und ich denke, er wird’s überleben. Er ist ein starker junger Mann.“ Justin lächelte Draco an.
„Anders als ich…“ sagte Draco leise.
„Was für ein Quatsch!“ Justin schüttelte lachend den Kopf. „Draco, du bist sehr stark! Wenn man bedenkt, was du alles erlebt hast. Und du sitzt trotzdem noch hier!“
„Na ja, manchmal drehe ich schon ziemlich durch…“ meinte Draco.
„Ja, und du hast JEDES Recht dazu! Und das wird auch wieder besser, davon bin ich überzeugt! Schau mal, wie lange du jetzt völlig ruhig warst. Das ist grandios!“ Justin klopfte Draco auf die Schulter und der nickte.
„Ja, du hast Recht. Trotzdem habe ich das Gefühl, als würde ich auf einem Pulverfass sitzen, von dem ich nie wissen kann, wann es hochgeht…“ Draco zuckte mit den Schultern.
„Das entschärfen wir gemeinsam. Und du hast so viele schöne Pläne und vor allem auch so viele schöne Dinge vor dir. Deine Tochter kommt bald auf die Welt, du eröffnest deine eigene Schule! Das sind tolle Sachen, die da vor dir liegen!“

Diese Rede von Justin brachte Draco nun wirklich zum Lächeln.
„Ah, siehst du? Du hast allen Grund, dich zu freuen…“ sagte Justin schmunzeln. „So, nun ab in die Falle. Ich habe dir eine gute Dosis gespritzt, du wirst gleich pennen wie ein Stein…“
„Okay, ja, ich bin auch echt müde…sind die anderen alle im Bett?“ fragte Draco, irgendwie hatte er das gar nicht mitbekommen.
„Ja. Leo ist in seinem Zimmer verschwunden, die Kleinen haben schon wieder geschlafen, als wir hier ankamen und Hermine wollte sich auch wieder hinlegen.“ Berichtete Justin von dem, was er mitbekommen hatte.
„Okay, muss ich dich noch zum Kamin bringen, oder findest du selbst hinaus?“ wollte Draco wissen.
„Passt schon, ab ins Schlafzimmer…“ Justin schob Draco zur Tür hinaus und ihre Wege trennten sich an der Treppe.

xxx

„Ich weiß nicht, wie ich Sex jemals wieder genießen soll…“ war Dracos Problem am direkt folgenden Montag, während der normalen Sitzung mit Justin.
„Hast du es schon probiert?“ fragte Justin nach. Er hatte schon geahnt, dass sich Draco da jetzt ein wenig schwertun würde, aber sicherlich war die Lust eines Mannes in seinem Alter stärker als irgendwelche alten Erinnerungen, also machte er sich da eigentlich keine großen Sorgen.
„Nein…“ gab Draco zu. Heute war Hermine schon aufgestanden, als er wachgeworden war. Also war es ausnahmsweise gar nicht zu ihrem üblichen Morgensex gekommen, worüber er aber eigentlich recht froh gewesen war.
„Dann kannst du auch nicht sagen, dass du es nicht genießen wirst. Du bist ein noch recht junger Mann, hast eine gesunde Leidenschaft und eine äußerst hübsche Frau. Glaub mir, du wirst das weiterhin genießen, da sehe ich gar kein Problem…“ Justin zwinkerte Draco zu.
„Ich weiß nicht. Fühle mich auf einmal so schmutzig, wenn ich an Sex denke…“ murmelte Draco etwas verlegen.
„Ernsthaft? Junge, du hast seit 21 Jahren Sex mit dieser Frau, jetzt endlich auch mal etwas hemmungsloser und JETZT fühlst du dich schmutzig? Wegen einer alten Erinnerung? Du warst rotzbesoffen und total dicht! Was meinst du, was ich in dem Zustand schon alles getan habe!“ sagte Justin ziemlich laut.
„Sicherlich keine Frau vergewaltigt und sie danach erwürgt…“ kam trocken von Draco, dann senkte er den Blick ganz schnell.
„Draco, echt jetzt. Probiere es einfach aus und du wirst sehen, es macht genauso viel Spaß wie vorher auch. Steiger dich da jetzt nicht rein, sonst wird’s echt ein Problem…und das weißt du auch…also, keine Gedanken machen, sondern einfach geschehen lassen, okay?“ Jetzt klang Justin ganz sanft. Er hatte nicht erwartet, dass Draco damit nun so sehr haderte.

„Manchmal würde ich echt gerne wissen, was ich noch alles getan habe. SIE war sicherlich nicht die Einzige…“ Draco klang ziemlich verbittert und angelte nun nach einem Taschentuch. Auch hier stand immer eine Box auf dem Tisch bereit, genau wie in Justins Zimmer in der Klinik.
„Hör auf, darüber nachzudenken.“ verlangte Justin sofort.
„Es steht ALLES in diesem Buch! Und ich habe ein Recht darauf, die Wahrheit zu wissen!“ Draco schnaubte wütend und Justin sah ihn erschrocken an.
„Also willst du das? Willst du das Buch lesen und riskieren, dass du danach völlig ausrastest?“ kam von Justin jetzt genauso wütend zurück.
„Warum nicht? Dann ist der Scheiß endlich vorbei!“ Draco versuchte erneut zu schnauben, aber stattdessen entwich ihm ein Schluchzer. „Dann weiß ich, WIEVIELE Frauen ich noch vergewaltigt habe! Das steht doch sicher auch da drin, oder? TUT ES DAS?“ Draco begann schneller zu atmen und Justin schüttelte langsam den Kopf.
„Ehrlich? Ich weiß es nicht, denn nicht mal ICH habe es über mich gebracht, das genauer zu lesen. Wollte ich auch gar nicht. Und ich denke, Bart hat es auch schon vernichtet. Also hast du eh keine Chance mehr…“ sagte Justin, dann sah er Draco eindringlich an.
„Hat er nicht!“ warf Draco ein.
„Was? Woher weißt du das?“ Justin war jetzt wirklich erschrocken und fixierte Draco mit einem ernsten Blick.
„Weil ich ihn gefragt habe! Heute morgen! Er hat es noch und ich könnte es haben…“ Draco putzte sich die Nase und Justin schüttelte wieder den Kopf, diesmal schneller.
„NEIN, Draco, nein, nein und noch mal nein! Ich verbiete es dir!“ sagte er laut und äußerst durchdringend.
„Kannst du gar nicht! ES IST MEIN BUCH! ES IST MEINE VERGANGENHEIT! UND ICH HABE DAS RECHT, ALLES ZU WISSEN! MEIN BUCH!!!“ Draco schrie nun richtig laut, dann sprang er auf und verließ schluchzend das Zimmer, die Tür knallte und Justin sah ihm erstmal verdattert hinterher. Dann rollte er mit den Augen, seufzte kurz und sah auf seine Uhr. Er wusste ganz genau, dass Draco gleich wiederkommen würde.

Eine Minute verging, zwei Minuten, drei…
Die Tür ging wieder auf und Draco schlich herein.
„Entschuldige…“ kam sehr kleinlaut. Draco ließ sich wieder auf das Sofa sinken.
Justin legte den Kopf schief und betrachtete Draco mit einem leicht fassungslosen Blick.
„Junge, ich dachte echt, du hast schon mehr bei mir gelernt. Und ich dachte auch, dass du es verstanden hast. Dieses Buch ist GIFT für dich…pures Gift und nichts anderes…“ sagte Justin ganz ruhig. „Und sorry, aber wenn du dich echt entscheidest, dir das anzutun, dann musst du danach ohne mich auskommen. ICH mache das nicht mit…“ stellte er ernst klar.
„Es tut mir leid. Keine Ahnung, was mich da gerade geritten hat. Ist wieder vorbei, ich mache das natürlich nicht…“ Draco seufzte.
„Wirklich? Versprochen?“ bohrte Justin nach.
„Ja, versprochen…“ Draco nahm die ihm gereichte Hand und schlug ein.
„Okay, ich nehme dich beim Wort.“ sagte Justin leise. Ihn besorgte Dracos Verhalten zutiefst, aber er wollte es sich nicht anmerken lassen. So langsam war es dringend nötig, dieses beschissene Buch endlich verschwinden zu lassen! Warum hatten sie das auch noch nicht getan?

xxx

Hermine war gerade im Salon angekommen, um sich einen Tee zu gönnen, als Justin hineinschneite. Eigentlich hatte Draco noch zehn Minuten Gespräch mit ihm, weswegen sie ein wenig überrascht war.
„Justin? Ist was los?“ fragte sie leicht erschrocken und bot ihm einen Platz und einen Tee an.
„Draco musste auf die Toilette und wir haben jetzt schon Schluss gemacht…Wir beide müssen allerdings dringend reden.“ Kurz schilderte Justin, was soeben geschehen war und Hermine war nicht minder besorgt über diesen plötzlichen Ausbruch.
„Das Buch muss schnellstmöglich verbrannt werden.“ war ihr Entschluss.
„Wenn Draco das zulässt…er muss das entscheiden, die Chance, dass wir das selbst bestimmen können, haben wir vertan…“ meinte Justin leise. In dieser Situation hier konnten sie das definitiv nicht mehr über Dracos Kopf hinweg entscheiden. Denn Draco hatte Recht, es war SEIN Buch und SEINE Vergangenheit.
„Bitte bring ihn dazu, oder wir reden beide mit ihm. Ich will nicht, dass dieses Ding noch weiter existiert. Stell dir vor, er macht es doch! Stell dir vor, er liest es! Du weißt, dass Draco manchmal sehr irrational handelt und nicht mehr nachdenkt und dann…Justin, das geht nicht…ich muss Bart sofort Bescheid geben, dass er mir das Buch bringen soll. Es muss jetzt woanders hin. Und dann müssen wir Draco dazu bringen, es zu vernichten. UNGELESEN!“ Hermine war ganz aufgeregt und Justin wechselte von seinem Sofa auf den Platz neben ihr.
„Ja, das müssen wir…“ Sanft legte er den Arm um die hochschwangere Frau. „Aber jetzt beruhige dich bitte.“ verlangte er leise.
„Geht schon wieder. Ich mache mir halt große Sorgen…“ murmelte Hermine, dann seufzte sie laut.
„Ich mir auch…“ gab Justin zu.

Hermine nahm ihr Handy und wählte die Nummer von Bart.
„Hermine Malfoy, ja genau…hi Bart. Kannst du mir bitte das Buch zukommen lassen? Ja, genau das. Nein, wir wollen es endgültig loswerden. Ja, ich weiß, dass Draco danach gefragt hat und genau deswegen ist es bei dir jetzt auch nicht mehr sicher. Wir sind uns bewusst, dass du es ihm geben musst, wenn er danach verlangt. Deswegen muss ich es jetzt an mich nehmen. Ich kann es ihm am ehesten verwehren, wenn er nicht bereit ist, es zu vernichten…ja, okay, super…danke!“ Hermine legte auf, dann atmete sie erleichtert aus.
„Bart kommt heute noch vorbei und bringt es mir. Ich werde es erstmal gut verstecken und dann sehen wir weiter, nicht mehr vor Ostern, das wird einfach alles zu viel. Aber so ist es dann ja erstmal wieder sicher. Kommst du eigentlich an Ostersonntag her? Wir haben wieder eine große Eiersuche geplant.“ fragte Hermine jetzt, um auf andere Gedanken zu kommen.
„Gerne! Ich habe sogar frei. Und eure Eiersuche lasse ich mir nicht entgehen. Die sind immer sehr lustig…“ Justin grinste.
„Außerdem gibt es tolles Essen! Meine Eltern werden auch kommen. Montag gehen wir wandern, da bist du auch dabei, oder?“
„Ja klar!“ Justin lächelte. Er gehörte nun mal irgendwie zur Familie und es war schön, auch zu den Familienfesten mit eingeplant zu werden.
Und die Sache mit dem Buch würden sie auch noch geregelt bekommen, wenn Hermine es erstmal hatte, dann war die erste Gefahr auf jeden Fall schon mal gebannt.
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