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Eyda Feuersturm - Schicksal des Nordens

von Rafaela
GeschichteAbenteuer, Romance / P18 / Het
Björn Lothbrok OC (Own Character) Ragnar Lothbrok
22.11.2021
01.12.2021
5
12.808
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25.11.2021 1.820
 
Ich wurde von lautem Geschrei und einem wilden und starken Pochen an der Tür aufgeweckt und richtete mich kerzengerade in meinem Bett auf. Obwohl ich noch vom Schlaf ganz benommen war, standen mir sämtliche Haare im Nacken und an den Armen zu Berge und mein Herzschlag beschleunigte sich. Panik machte sich in mir breit, als mir klar wurde, dass Fremde in unser Haus eingebrochen waren. Aus Panik wurde blanke Angst, als ich die Schreie aus dem Nebenzimmer hörte und diese als die meiner Mutter identifizierte.

Mit einem Krachen wurde die Tür zu meinem Zimmer eingeschlagen und zwei große, dunkel gekleidete Menschen mit Fackeln in der Hand standen unmittelbar vor meinem Bett. Der eine warf die brennende Fackel achtlos in die Ecke und da nahezu alles aus Holz bestand, fingen Boden, Wände und Möbel schon gleich das Brennen an. Ehe ich es mich versah packte er mich grob an den Haaren, sodass ich laut aufschrie und zerrte mich aus dem Bett. Ich strauchelte und schlug mir das Knie auf, hatte ich doch keine Zeit, mich wirklich aufzurichten, da mich der Mann hinter sich herzog. Vor Schmerzen kamen mir die Tränen, doch was ich dann zu Gesicht bekam, ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Ich sah die blutüberströmte Leiche meines Vaters in der Türschwelle zum Schlafzimmer meiner Eltern liegen und meine Mutter halb entblößt auf dem Küchentisch, auf dem sie von einem weiteren Mann vergewaltigt und gewürgt wurde.

Ich schrie aus Leibeskräften, wand mich hin und her um zu entkommen und ihr zur Hilfe zu Eilen, doch der Mann ließ mich nicht los. Im Gegenteil. Er zog fester an meinen Haaren und zwang mich damit, weiter zu gehen, obwohl es mich innerlich fast zerriss. Die Tränen des körperlichen Schmerzes vermischten sich mit den Tränen der seelischen Schmerzen und betäubten meine Sinne. Ich nahm kaum wahr, wohin wir gingen und hatte keine Wahl, als meinem Entführer blind zu folgen. Nur aus den Augenwinkeln konnte ich sehen, dass auch andere Häuser überfallen wurden, hörte Frauenschreie, die sich gegen Vergewaltigung und Entführung wehrten und die Todesschreie der Männer, die kaltblütig abgeschlachtet wurden.

Warum ausgerechnet wir?, fragte ich mich, denn das Dorf in dem ich lebte war weder groß noch voller Reichtümer. Es war ein kleiner Küstenort namens Ylvää, relativ weit entfernt von den nächsten Ortschaften und noch viel weiter entfernt von der Stadt, in der der König seinen Sitz hatte.

Wie viele andere Frauen wurde ich auf eines der vielen Drachenboote gebracht und angekettet, während die Männer sämtliche Besitztümer der Einwohner weg schafften und die Weiterfahrt vorbereiteten. Vier andere Frauen saßen neben mir an die Reling gelingt und zitterten ebenso wie ich vor Angst, Schmerz und Kälte. Wir waren alle nur leicht bekleidet, trugen nur unser Nachtgewand und froren deshalb, aber man beachtete uns nicht. Vorerst. Mir wurde sehr schnell klar, dass wir als Sklavinnen verkauft werden würden und mir graute vor dem Gedanken, war doch allgemein hin bekannt, wie diese behandelt wurden. Ich sah jedoch im Moment keinerlei Möglichkeit zu fliehen und musste mich wohl oder übel meinem Schicksal ergeben.

Irgendwann fiel ich in eine Art Trance, war weder ganz wach, noch schlief ich wirklich. Ich fühlte mich innerlich wie äußerlich eiskalt und fragte mich, was die Götter wohl mit mir vorhaben mochten, dass sie all dies geschehen ließen. Ich legte den Kopf in den Nacken und starrte in den schwarzen, Sternen behangenen Himmel, während das Boot lautlos durch die See glitt.

Der Tag war schon lange wieder angebrochen, als wir wieder an einen Hafen anlegten. Müde blinzelte ich und versuchte mich zu orientieren. Die Umgebung war mir völlig fremd, sodass mir in den Sinn kam, dass die Männer uns in ein ganz anderes Land gebracht hatten. Ein Blick zu meiner Seite verriet mir, dass die anderen Frauen bereits lethargisch geworden waren und ins Leere starrten. Eine von ihnen hatte ihren Kopf zur Seite gelegt, als würde sie schlafen. Nachdem wir harsch an unseren Ketten auf die Beine gezogen wurden und sich die junge Frau am anderen Ende nicht rührte, wurde mir klar, dass sie tot war. Ob sie erfroren oder an ihren Verletzungen gestorben war, konnte man nicht feststellen. Ohne zu zögern hob einer der Männer ihren Körper auf und warf diesen über Bord ins Wasser.

Schockiert schaute ich der armen Frau hinterher, selbst als man mich grob weiter zerrte und wir schon von Bord gegangen waren. Ein paar Mal wurde uns auf den Rücken geschlagen, damit wir schneller liefen. Der Ort war nicht sehr groß, ich erkannte gleich, dass er mehr eine Zwischenstation war für diejenigen, die in See stachen oder weiter ins Landesinnere vordringen wollten. Es gab nur wenige Häuser, dafür aber im Kern ein paar Holzpfähle, an die man uns nun festband. Ein paar Meter weiter sah ich Ziegen und Hühner, die zusammengetrieben wurden. So wie es aussah, war heute Markttag und es wurde mit allem gehandelt, einschließlich Sklaven. Ausnahmslos Männer waren es, die hin und her liefen. Einige standen bei den Booten und nahmen notwendige Reparaturen vor, andere wiederum unterhielten sich mit den Händlern und brachten Tauschgeschäfte zustande.

Eine Handvoll fremder Männer mit langen, geflochten Haaren und Bärten näherten sich uns und nahmen uns genau ins Visier, während einer der Männer, die uns entführt hatten, das Gespräch führten.

Meine Hände wurden allmählich taub und ich sah gen Himmel in der Hoffnung auf irgendeinen Lichtblick, der uns von unserem jetzigen Los erlöste. Mir war kalt, mein Körper schmerzte und die Blicke, die man mir zuwarf, waren alles andere als angenehm. Ich hörte einige Ausrufe wie „Ungeheuer“, „Mistgeburt“, „Hexe mit zwei Gesichtern“ und viele mehr. Der Grund dafür war mir mehr als bewusst, denn seit ich zurückdenken konnte, war mein Gesicht von entsetzlichen Narben entstellt. Irgendjemand schleuderte mir dann Dreck ins Gesicht und die kleinen Steine, die mitgeflogen kamen, schürften mein Gesicht auf. Ich merkte wie mir das Blut warm über das Gesicht lief.

Die Frauen neben mir wimmerten leise vor sich hin. Eine nach der anderen wurden los gebunden und ihren neuen Herren übergeben. Allein ich blieb als einzige übrig und ich wusste nicht, ob ich darüber besorgt oder erleichtert sein sollte. Der Tag schritt fort, die Sonne stand nun kräftig am Himmel und wärmte mich, während ich vor mich hin dämmerte. Mein Hals wurde kratzig und lechzte nach etwas Wasser, welches meinen Durst stillen würde. Jemand musste bemerkt haben, wie ich meine Lippen leckte, denn ich hörte auf einmal Schritte, die sich mir näherten und als ich meine Augen öffnete, sah ich einen großen, gut gebauten Mann, der sich ganz nah vor mir gestellt hatte und mein Gesicht ernst musterte.

Seine eisblauen Augen bohrten sich in meine, während wir uns gegenseitig betrachteten. Er hatte dunkelbraunes langes Haar, welche er geflochten und am Hinterkopf zusammengebunden trug. Eine  geflochtene Strähne war mit goldenen Fäden versetzt und hing etwas seitlich, aber noch im Gesicht, und endete kurz nach dem Kinn. Über seiner Stirn trug er ein dunkelgrünes Tuch.
So lernte ich Alfi Magnusson kennen, was ich zu dem Zeitpunkt aber noch nicht wusste.

Er fuhr mit seinen Fingern über die gröbste Narbe, die quer über meinem rechten Auge verlief und hielt mir dann einen Becher voller Wasser hin. Ganz vorsichtig hob er das Gefäß an, damit ich trinken konnte, denn meine Hände waren ja über mir zusammen gebunden.

„Heda!“, rief eine Stimme hinter ihm und Alfi wandte sich dem Fremden hinter ihm zu.
„Was ist?“, fragte er gelangweilt, nicht im Geringsten eingeschüchtert von der Art und Weise, wie er angesprochen worden war.
„Weg von meiner Sklavin. Sie ist Abschaum. Sie verdient es nicht, eure Aufmerksamkeit zu bekommen.“
„Sagt wer?“ Seine Stimme hatte sich schlagartig verändert und war eisig geworden.
„Sverre. Sverre Lifsson“, antwortete der andere mit fester Stimme.
„Nun, Sverre Lifsson. So wie ich das sehe, ist diese Sklavin noch zu haben und ich will sie haben. Also kann ich machen, was ich will. Hast du mich verstanden?“ Er hatte sich nun von mir abgewandt, den leeren Becher achtlos zur Seite geworden und sich vor dem Sklavenhändler aufbaut. Der drohende Unterton schien Sverre Lifsson einzuschüchtern.
„Für 100 Goldstücke...“
„Du wagst es mit mir zu feilschen? Keinen Heller bekommst du von mir. Sieh das Mädchen an! Sie ist verletzt und versehrt, Sie sieht fürchterlich aus. Wenn ich schon etwas kaufe, will ich, dass es in tadellosem Zustand ist. Dies ist hier nicht der Fall. Ich sage dir, was ich jetzt tun werde: ich nehme mir meine Sklavin mit und du wirst mich ohne Widerstand mit ihr ziehen lassen.“
„Was ist, wenn ich das nicht zulasse?“, fragte Lifsson übermutig und dreckig grinsend, denn er hatte gemerkt, dass er Unterstützung von seinen Männern bekam, die sich den beiden näherten.

Das Grinsen verging im jedoch ziemlich schnell, als Alfi ohne Vorwarnung seine Axt zog und ihm den Schädel einschlug. Sverres treuesten Männer griffen ihn darauf hin wild schreiend an, doch er schlug sie alle beinahe mühelos und ohne Verletzungen davon zu tragen. Letztlich lagen sechs tote Männer vor ihm. Die Blutspritzer in seinem Gesicht und auf seinem Körper stammten allesamt von seinen Gegnern. Die Unbeteiligten Männern, die sich den Kampf interessiert angesehen hatten, wandten sich ab und gingen wieder ihren eigenen Geschäften nach.

Geschockt von der Gewalt und dem Zorn, zu dem er fähig war, bewunderte ich Alfi doch gleichzeitig für seine Furchtlosigkeit und Entschlossenheit. Andererseits fürchtete ich mich, als ich daran dachte, was er wohl mit mir vorhaben mochte, denn dass er zu allem fähig war, hatte ich gerade selbst erlebt.

Langsam drehte er sich zu mir um. Er war ein wenig außer Atem, grinste mich dann aber an und hob seine Axt. Mit großen Augen starrte ich zurück, während mein Herz kurzzeitig aussetzte. Wollte er mich etwa töten? Ich bekam es mit der Angst zu tun und schloss die Augen. Hoffentlich war es ein rascher, kurzer Tod, der mich ereilen würde, dachte ich bei mir.

„Nimm deine Hände so weit wie möglich auseinander und beweg dich nicht“, rief Alfi mir zu. Ich dachte kaum darüber nach, was er gesagt hatte und tat, was er verlangte. Sekunden später hörte ich das Geräusch der mir zufliegenden Axt und merkte, wie sich meine Fesseln lösten. Überrascht wie ich war verlor ich das Gleichgewicht und wäre von dem Podest gestürzt, hätte er mich nicht aufgefangen. Sein Blick hatte etwas Überhebliches, Selbstzufriedenes an sich, als er mich absetzte und seine Axt holte.

„Ich danke Euch“, sprach ich ihn an und verneigte mich leicht, was er mit einem Nicken quittierte, eher er mich etwas grob am Oberarm packte und mit sich zog.
„Danke mir nicht zu früh, Mädchen. Ich bin Alfi Magnusson. Wie ist dein Name?“
„Eyda. Einfach nur Eyda.“
„Nun Eyda. Ich bringe dich zu meinem Vater, Jarl Magnus, Herrscher über Eddasplat. Er wird entscheiden, was mit dir geschehen wird. In der Zwischenzeit...“

Wir waren mittlerweile bei seinem Pferd angekommen, das etwas außerhalb des Küstenortes auf uns wartete. Er zog sich zu sich heran, grinste mich erneut an und presse anschließend seine Lippen auf meine.
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