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Kurzbeschreibung
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P18 / Het
OC (Own Character) Thomas Schmitt
22.11.2021
24.01.2022
12
20.488
9
Alle Kapitel
10 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
14.01.2022 2.458
 
Thomas warme Lippen lagen auf meinen. Eine Hand hatte er an meiner Wange, mit der anderen hatte er geraden den Riegel der Kabinentür vorgeschoben. Bestimmt drückte mich Thomas gegen die Tür. Ich war völlig überfordert und konnte die Situation gar nicht wirklich wahrnehmen. Gerade stand ich doch noch im Gang und wollte Klaas hinterher, um ihm zu sagen, dass seine Kommentare einfach beschissen waren? Langsam löste sich Thomas von mir und ging einen Schritt zurück. Ich blickte ihn an. Als er vorsichtig den Blick hob, erkannte ich Unsicherheit in seinen Augen. "Es... Es tut mir leid. Ich hatte mich nicht unter Kontrolle... Es tut mir so leid!", stammelte er, während er sich durch die Haare fuhr. In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich seinen Kuss nicht erwidert hatte. Thomas öffnete gerade den Mund, wahrscheinlich um sich erneut zu entschuldigen, als in meinem Kopf wohl wieder ein paar Sicherungen durchbrannten. Ich zog ihn einfach an seiner Hüfte zu mir. Mit großen Augen sah er mich an. "Ähm.. Also, es gibt eigentlich einiges, was ich dir erklären will beziehungsweise sollte...", setzte er erneut an. Warum sein bevorzugter Platz dieses Gespräch zu führen hier war, war mir unklar. Doch ich wollte seine Erklärungen jetzt nicht hören. Ich wollte diesen Moment nicht verstreichen lassen. Also sagte ich einfach mitten in seinem Satz: "Ich würde dich jetzt gerne küssen." Dabei lächelte ich ihn leicht an. Er runzelte kurz die Stirn, dann schien er zu begreifen. Langsam breitete sich ein Grinsen auf seinem Gesicht aus und er fragte: "Warum tust du's nicht?" Und als wären wir wirklich wieder zurück auf den Bahamas, trafen unsere Münder erneut aufeinander. Diesmal völlig nüchtern, aber nicht weniger stürmisch. Ich merkte sofort, wie das Adrenalin durch meinen Körper schoss. Die Bewegungen unserer Lippen waren aufeinander abgestimmt. Als hätten wir das hier schon hunderte Mal gemacht. Diesmal war ich diejenige, die mit ihrer Zunge über Thomas Lippe strich. Er gewährte mir sofort Einlass und ich vertiefte unseren Kuss. Thomas umfasste mit beiden Händen mein Gesicht und ließ die Fingerspitzen vorsichtig meine Haare gleiten, die ich in einem Dutt hochgesteckt hatte. Mein ganzer Körper bekam eine Gänsehaut. Da war wieder dieses Kribbeln. Vorsichtig strich ich mit den Fingern entlang Thomas' Hüfte. Als Thomas begann meinen Kiefer zu küssen legte ich den Kopf in den Nacken und meine Finger wanderten wie automatisch unter den Saum seines Shirts. Seine Haut war weich und unfassbar warm. Vorsichtig tastete ich mich voran und schob meine gesamten Hände unter den Stoff, während Thomas' Mund weiter südlich wanderte und meinen Nacken küsste. Das Kribbeln erfüllte meinen gesamten Körper und bündelte sich an einer ganz bestimmten Stelle. Thomas leckte ganz leicht über diese eine Stelle an meinem Hals und mir entwich ein Aufstöhnen. Schnell presste Thomas wieder seinen Mund auf meinen. In meinem benebelten Kopf nahm ich nur am Rande wahr, wie er in den Kuss murmelte: "Nicht so laut, da draußen sind noch Leute." Dabei nahm ich jedoch deutlich ein Lächeln auf seiner Seite wahr. Als hätte er es prophezeit klopfte es Sekunden später an der Tür. Wir fuhren auseinander. Nicht schon wieder. Wenn das jetzt Klaas ist! Würde das jetzt genauso laufen wie auf den Bahamas? Die gleichen verletzenden Worte? Nur diesmal würde ich nicht flüchten können. "Hey Hannah. Sorry, dass ich störe. Ich wollte dir nur sagen, dass es Sandwiches gab und ich deins jetzt wirklich mitgegessen hab. Ich hoff das war okay?", hörte ich von draußen Raulis Stimme. Ich räusperte mich und brachte dann ein (wirklich sehr) raues "Ja" heraus. Ich räusperte mich erneut und sagte dann mit festerer Stimme: "Ich hab's dir nicht umsonst angeboten." Von der anderen Seite dachte ich ein erleichtertes Aufatmen zu hören. Dann sagte Rauli: "Okay, hab mir nur kurz zu viele Gedanken gemacht. Ich geh jetzt wieder und nochmal Entschuldigung für die Störung..." Kurz schien er zu zögern, dann sagte er noch: "Oh, und Thomas, deins hab ich auch gegessen. Da sag ich aber nicht Sorry für." Dann war er weg.

Geschockt sah ich in Thomas Augen. Es hatte uns schon wieder jemand überrascht, den er kannte. Gut, Toiletten waren wirklich nicht die optimalen Plätze zum Rummachen. Das wusste auch ich. Panik stieg in mir auf. Letztes Mal war Thomas so ein Vollidiot gewesen, als Klaas reinkam. Was würde er mir dieses mal an den Kopf werfen? Die Ausrede betrunken gewesen zu sein, war diesmal nicht drin. Obwohl, vielleicht hatten sie ja am Flughafen was getrunken. Dann wäre diese Situation durchaus dadurch erklärbar. Sekundenlang sahen wir uns an. Keiner sagte etwas. Dann brach Thomas in Lachen aus. Perplex starrte ich ihn an. „Sorry, aber es kann doch echt nicht sein, dass wir jedes Mal von irgendwem unterbrochen werden", brachte er zwischen mehreren Lachern hervor. Bevor ich etwas erwidern konnte, öffnete er die Tür hinter mir und drängte sich noch immer lachend an mir vorbei. Mein benebeltes Gehirn bildete sich ein, dass seine Hand dabei einen Augenblick zu lang auf meiner Hüfte liegen blieb. Als er draußen war, schloss er mir grinsend die Tür vor der Nase mit den Worten: „Du musst ja bestimmt noch, oder?" Wie ferngesteuert schloss ich ab und ging aufs Klo. Ich hatte wirklich mit vielen Reaktionen gerechnet, aber nicht mit dieser. Nie im Leben. Ob wir dieses Mal darüber reden würden? Andererseits hatte er mir ja die Tür vor der Nase zugemacht. Wahrscheinlich um sich möglichst unauffällig an seinen Platz wieder zu begeben. Das wäre für ihn am einfachsten. Einfach nicht mehr da sein, wenn ich rauskam. Wie konnte es sein, dass ich schon wieder in dieser Situation gelandet war? Schon wieder Thomas geküsst hatte? Schon wieder auf einem verdammten Klo?! Als ich die Tür wieder öffnete, sah ich verwundert einen immer noch grinsenden Thomas an der Wand gegenüber lehnen. Sein Grinsen war definitiv immer noch schelmisch. Sind wir einfach mal cool und unkompliziert. „Toiletten scheinen echt unser Ding zu sein", sagte ich zu ihm. Kurz war wieder Stille. Dann brachen wir dieses Mal beide in Lachen aus. Als wir uns wieder beruhigt hatten, sah mich Thomas leicht verlegen an: „Ich hoffe es ist okay, dass ich hier auf dich gewartet hab? Ich wollte dich fragen, ob wir vielleicht nach der Landung nochmal reden können..." Er hatte gewartet. War nicht davongerannt, wie letztes Mal. Gut, eigentlich war letztes Mal ich davongerannt. Aber er hatte mir ja den Anlass dazu gegeben. Lächelnd nickte ich: „Ich müsste noch so 'ne dreiviertel Stunde haben, bis mein Zug fährt." Thomas grinste mich wieder an. Er wirkte erleichtert. Ohne noch ein Wort zu sagen, machten wir uns auf den Weg zu unseren Plätzen. Dort angekommen ließ ich mich neben Rauli auf meinen Sitz fallen. Dieser sah mich verwirrt an: "Seid ihr schon wieder da? Das ging aber schnell." Ich verdrehte die Augen und fragte ihn grinsend: "Was denkst du denn, was wir da drin gemacht haben?" Rauli sah nervös von mir nach vorne zu Thomas und wieder zurück. "Naja... Also man geht ja jetzt nicht ohne Grund zu zweit aufs Klo." Ich lachte auf: "Alles klar, Rauli. Falls es dich beruhigt, wir haben all unsere Klamotten anbehalten." Rauli grinste nervös. "Aber jetzt nicht, weil ich euch unterbrochen habe?", fragte er, sichtlich unangenehm berührt. Ich schüttelte nur grinsend den Kopf. Tief seufzte Rauli auf und ließ sich in seinen Sitz sinken. "Woher wusstest du eigentlich, dass wir beide da drin sind?", runzelte ich die Stirn. "Ach, es war nur, dass du weg warst. Und dann kam Klaas und wollte wissen, womit ich ein Problem hätte, er hätte dich vor der Toilette getroffen. Ich hab ihm dann das nicht wirklich dringende Problem erklärt, das ich mit der MAZ habe. Er ist aber davon ausgegangen, dass es dringend gewesen sein muss, weil du ihm das gesagt hast, als du ins Klo rein wolltest. Hab das Ganze dann ein bisschen aufgebauscht. Thomas war aber, wie ich mir dachte auch auf dem Klo. Es ist zumindest in die Richtung verschwunden. War aber noch nicht wieder da und ja", er zuckte mit den Schultern, "Da hab ich halt eins und eins zusammengezählt. Außerdem dachte ich mir schon, das da irgendwas zwischen euch ist nach den Ereignissen und Reaktionen auf den Bahamas..." Ich lächelte ihn warm an und nahm ihn spontan, seitlich und unnötig kompliziert in den Arm. "Danke fürs decken! Und danke, dass du keine große Sache draus machst", flüsterte ich ihm ins Ohr. Danach steckte Rauli sich seine Kopfhörer rein und tippte wieder auf seinem Laptop herum, den er in der Zwischenzeit herausgeholt haben musste. Ich zückte mein Buch und tat den Rest des Fluges so, als würde ich es lesen. Stattdessen dachte ich über den Kuss und Thomas nach. Dachte er jetzt sei alles wieder gut zwischen uns? Nur, weil ich einen schwachen Moment gehabt hatte? Als wir landeten sprangen fast alle Passagiere panisch auf. Rauli und ich ließen uns Zeit, unterhielten uns ein bisschen und liefen schließlich mit als Letzte aus dem Flugzeug raus. Als wir auf unsere Koffer warteten, zog mich Rauli einfach mit zu seinen Kollegen. Alle freuten sich mich wieder zusehen (zumindest die, die ich noch nicht im Flieger gesehen hatte). Klaas umarmte mich nochmal. Nach und nach kamen die Koffer. Alle, die ihre bereits hatten verabschiedeten sich schonmal. Sie wünschten sich gegenseitig ein schönes Wochenende und mir alles Gute. Zum Schluss standen nur noch Rauli, Thomas und ich am Band. Thomas hievte gerade seinen Koffer vom Band und stellte sich dann wieder neben uns. Rauli sah ihn abwartend an. "Brauchst du noch was? Schönes Wochenende dir!", fragte er Thomas trocken. Dieser sah zu mir und antwortete genauso trocken: "Ich muss noch was klären." In dem Moment entdeckte ich meinen Koffer und hob ihm vom Band. Mit einem Blick auf die Uhr sagte ich: "Ich hab noch 20 Minuten bis mein Zug fährt." "Wollen wir dann schonmal los?", fragte mich Thomas. Unsicher blickte ich zu Rauli. Wir hatten uns die ganze Zeit so gut verstanden und ich wollte ihn nicht stehen lassen. "Geht ruhig schon. Mein Koffer kommt bestimmt auch gleich. Außerdem müsst ihr die Zeit, in der ihr mal miteinander redet, gut nutzen", grinste Rauli. Thomas warf ihm einen Blick zu, der mit sicher nicht nur die Hölle einfrieren ließ. Ich umarmte Rauli und merkte, wie er mir etwas in die Jackentasche steckte. "Vielleicht bleiben wir ja in Kontakt", murmelte er mir zu. Dann liefen Thomas und ich weg. Er hatte Rauli grade mal knapp zugenickt. Ich drehte mir eine Zigarette und
wir begaben uns noch schnell in den Raucherbereich. Ich war nervös. Vor allem, weil Thomas kein Wort herausbrachte. Er schwieg stur und sah mir nicht in die Augen. Als ich schon mehrere Züge meiner Zigarette genommen hatte, tat er es dann doch. "Ich weiß nicht, was ich sagen soll." Ich blickte ihn nur an. "Okay, ich hab Scheiße gebaut. Okay? Es war nicht okay, wie ich mich in der Bar verhalten habe. Es ist nur so, Klaas kann so nerven. Er hat mich die ganze Zeit aufgezogen, dass da was zwischen uns ist. Wirklich die ganze Zeit! Ab dem Moment, in dem du das Boot betreten hast. Es war furchtbar." Trotzig verschränkte ich die Arme vor der Brust: "Ja, nicht auszudenken, jemand könnte denken, da ist was zwischen uns. Schlimmer geht's definitiv nicht! Das hab ich damals in der Bar schon verstanden gehabt." Thomas fuhr sich über sein Gesicht: "Nein, so war das nicht gemeint. Das Problem war ja nicht, dass Klaas mich damit aufgezogen hat. Oder seine Kommentare. Das Problem war, dass er Recht hatte, und ich wollte ihm diese Genugtuung nicht geben." Ich schwieg. Das war nicht gut genug. Nachdem ich meine Zigarette ausgerückt hatte, schnappte ich mir meine Sachen und wollte gehen. In Thomas Gesicht arbeitete es noch immer und ich bedeutete ihm schweigend mitzukommen. Am Gleis angekommen sah nochmals auf die Uhr. In wenigen Minuten müsste mein IC einfahren. Ich suchte die planmäßige Position meines Wagens und ging in den richtigen Teil des Bahngleises. "Hör zu, das war so eine beschissene Aktion. Dir sowas zu sagen. Jemand anderem sowas über dich zu sagen. Ich versteh auch, dass das wahrscheinlich nicht zu verzeihen ist. Ich wollte eigentlich nur, dass du weißt, dass das mein angetrunkenes Ego gesagt hat. Nicht ich. Mein Ego hat sich von Klaas angegriffen gefühlt und anstatt drüber zu stehen ist das rausgekommen. Klaas weiß einfach, welche Knöpfe er bei mir drücken muss, damit ich in den Verteidigungsmodus wechsele und irgendwelche unüberlegten Übersprungshandlungen mache. Er ist der Mensch, der mich am besten kennt und manchmal nutzt er das gerne für dämliche Kommentare. Was keine ausreichende Erklärung für mein Verhalten ist, aber ich kann es leider nicht ungeschehen machen", kam in einem Schwall aus Thomas Mund. Er steckte sich die Hände in die Hosentaschen und blickte auf seinen eigenen Koffer. "IC 2174 nach Warnemünde, Achtung bei der Einfahrt" Ich zog meine Augenbraune hoch: "Das ist das, was du dir überlegt hast? In einem Monat? Beziehungsweise auf einem dreistündigen Flug?" Zerknirscht fing Thomas an mit seinem Schuh ein Kronkorken von links nach rechts zu schieben. Es geht ihm echt nah. Eigentlich hatte ich das ja schon den ganzen Tag gemerkt, wie sehr ihn das belastet. Ich sah, wie es in seinem Kopf ratterte, was er noch erklären könnte. Wahrscheinlich würde nur wieder ein 'Es tut mir leid' rauskommen. Also gab ich mir einen Ruck. "Weißt du, zum Glück hab ich dir an dem Morgen die Tür vor der Nase zugeschlagen. Nicht auszudenken, was du dir damals aus der Nase gezogen hättest, wenn mit deutlich mehr Bedenkzeit das hier rauskam. Außerdem hast du wirklich Glück, dass ich nicht allzu nachtragend bin", gegen Ende stahl sich ein Grinsen auf mein Gesicht. Thomas hob verwirrt den Kopf. Im selben Moment fuhr der Zug ein. Das Bild war seltsam filmisch. "Du.. Du vergibst mir also?", stotterte er. Schnell zog ich ihn in eine kurze Umarmung. Dann griff ich mir meinen Koffer und sagte zu ihm: "Mein Zug ist jetzt da, den darf ich nicht verpassen." Damit drehte ich mich um und stieg als letzte in den Wagen. Im Eingang stehend drehte ich mich nochmal um. Thomas Blick hatte sich die ganze Zeit in meinen Rücken gebrannt. "Natürlich vergeb dich dir, du Vollidiot!", schrie ich ihm grinsend zu. Dann drehte ich mich um und suchte meinen Sitzplatz.
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