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Abenteuer im Märchenwald

Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie / P6 / Gen
21.11.2021
21.11.2021
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1.950
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Dieses Kapitel
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21.11.2021 1.950
 
Hallo ihr Lieben,

ich habe mir ganz spontan etwas für unsere Kleinsten einfallen lassen.
Eine kleine vorweihnachtliche Geschichte,
die sich sicherlich auch gut als Gute-Nacht-Geschichte eignet.

Zurzeit ist ja draußen richtiges Schnupfenwetter
und das Naseputzen ist deshalb besonders wichtig.
Aber das will gelernt sein. Knabsi, unser Hasenkind kann es jetzt.
Doch das war nicht immer so…

Aber lest selbst!

Viel Spaß und eine schöne Vorweihnachtszeit
wünscht euch eure Jeany



*****
***
*


ABENTEUER  IM  MÄRCHENWALD


Ein kleines vorweihnachtliches Märchen
für Kinder ab fünf Jahre




Es war einmal ein kleiner Hasenjunge namens Kornelius Knabberbacke.
Er wohnte mit seinen Eltern und Geschwistern in einem kuscheligen Hasenbau hinter den drei großen Bergen, vier tiefen Tälern und fünf breiten Flüssen im geheimnisvollen Märchenwald, direkt an der sonnigen Lichtung bei den zwei dicken Eichen.

Kornelius, von allen nur „Knabsi“ genannt, war ein sehr aufgewecktes Hasenkind. Den ganzen Tag sprang er herum und wollte überall dabei sein. Am meisten aber freute sich Knabsi, wenn er in den Tierkindergarten zu Meister Eule gehen durfte. Dort konnte er den ganzen Tag mit seinen Freunden herumtollen und lernte eine Menge interessanter Sachen.

Mama Knabberbacke war sehr stolz auf ihren Jüngsten. Er war meist freundlich, hilfsbereit und bereitete ihr kaum Sorgen.
Nur eine einzige Sache gab es, die wollte einfach nicht klappen:

Knabsi putzte sich nämlich nie die Nase.

Das war natürlich kein schöner Anblick, denn deshalb war sein kleines Näschen meistens schmutzig und verklebt. Die Mama ärgerte sich jedes Mal, wenn Knabsi nur kurz mit der Pfote über die Schnuppernase wischte, anstatt sich ein frisches Taschentuch zu nehmen. Dementsprechend verschmiert sahen natürlich auch seine Pfoten aus.
Aber Knabsi machte sich nichts daraus und tat es immer wieder.

Eines Tages, als er nach einem kräftigen Nieser mal wieder mit beiden Pfoten über die Nase wischte, brachte sein Freund Dagobert, der Dachs, die Sache empört auf den Punkt:

„Pfui, Knabsi, das sieht voll eklig aus!“

„Stimmt“, schnaufte Ingo, der Igel und rümpfte sein Näschen. „Voll eklig!“

„Eklig, eklig!“, tschilpten nun auch die beiden Spatzen, die von ihrem Zweig oben auf dem Baum alles beobachtet hatten. Schimpfend flogen sie davon.

Die Mama, die Knabsi gerade vom Kindergarten abholen wollte, hörte die Worte und sah plötzlich sehr traurig aus.

„Deine Freunde haben Recht“, stimmte sie Dagobert und Ingo zu und sah ihren Jungen streng an. „Du musst endlich lernen, wie man sich richtig die Nase putzt.“

„Nö, keine Lust“, erwiderte Knabsi bockig und verschränkte eigensinnig die schmutzigen Pfötchen vor der Brust. Die Sache war ihm sehr peinlich, aber das würde er vor seinen Freunden nie zugeben.

„Dann muss ich es dem Weihnachtsmann sagen“, warnte die Mama eindringlich. „Wenn du dich nicht endlich bemühst, wird es dieses Jahr keine Geschenke für dich geben.“

Keine Geschenke zu Weihnachten? Nur wegen dem doofen Naseputzen?
Oh, jetzt war das Maß bei Knabsi voll!

„Ich will aber nicht meine olle Nase putzen!“, schrie er und stampfte wütend mit der Hinterpfote auf den Waldboden. „Niemals, hört ihr? Nie!“

Dann drehte er sich um und lief einfach davon. Er hörte zwar die Rufe der Mama, Dagobert und Ingo, aber er schaute nicht zurück. Er war tief beleidigt. Und ein bisschen schämte er sich auch.
Aber zurücklaufen?
Nein!
Wenn seine Freunde ihn eklig fanden, dann sollten sie ihn gefälligst in Ruhe lassen und allein spielen!

Er lief und lief, immer tiefer hinein in den Märchenwald. Er lief so lange, bis seine kleinen Pfoten müde wurden und er verschnaufen musste.
Als er sich umsah, bemerkte er, dass er die Gegend hier gar nicht kannte. Kein Baum, kein Strauch, nichts kam ihm bekannt vor.
Alles war total fremd!

„Hallo?“, rief er vorsichtig und stellte die langen Ohren auf. Doch er hörte kein einziges bekanntes Geräusch.

Plötzlich vernahm er ein Rascheln hinter sich im Gebüsch und duckte sich erschrocken. Aber es war nur eine kleine Maus, die sich ebenfalls erschreckt hatte und nun kurz stehenblieb und ihn mit ihren dunklen Knopfaugen verwundert anstarrte.

„Entschuldige bitte“, sprach Knabsi die Maus höflich an. „Weißt du, wie ich zu den zwei dicken Eichen am sonnigen Tal komme?“

„Dicke Eichen? Sonniges Tal?“, piepste die Maus und schüttelte dann den Kopf. „Nein, nie gehört. Aber merkst du denn nicht, dass dir die Nase läuft? Du solltest sie erst einmal putzen, bevor du mit mir sprichst!“

Eilig wischte Knabsi mit den Pfoten über sein feuchtes Näschen.
„Piiiiep!“, quietschte die Maus entsetzt und ihre Augen wurden noch ein wenig runder. „Voll eklig!“
Sie schüttelte sich angewidert und flitzte grußlos davon.

„Na so was!“ schimpfte Knabsi. „Wie unhöflich!“

Ratlos sah er sich um und erblickte kurz darauf ein Eichhörnchen, das kurz von ihm den Baumstamm einer hohen Tanne hinaufflitzte. Als es ihn entdeckte, verharrte es und sah interessiert zu ihm herunter.

„He du! Ja, du da mit den langen Ohren!“, rief es keck. „Wo willst du denn so spät noch hin?“

„Zu… meiner Mama“, erwiderte der kleine Hase und versuchte seine Stimme nicht allzu ängstlich klingen zu lassen.

„Und wo wohnt deine Mama?“, wollte das Eichhörnchen wissen.

„Na, auf der sonnigen Lichtung, bei den zwei dicken Eichen“, sagte Knabsi.

Das Eichhörnchen wedelte mit seinem feuerroten buschigen Schwanz, dachte einen Moment lang angestrengt nach und schüttelte dann den Kopf.

„Nie gehört.“

Enttäuscht schniefte Knabsi und seine Augen füllten sich mit Tränen.

„Komm doch mit hinauf zu mir“, bot ihm das Eichhörnchen bereitwillig an. „In meinem Nest ist genug Platz. Wir könnten eine Runde Karten spielen.“

Das Hasenkind schüttelte tieftraurig den Kopf.

„Ich kann nicht auf Bäume klettern, so wie du. Außerdem möchte ich jetzt wirklich gern nach Hause!“

Bevor er es verhindern konnte, kullerte auch schon die erste Träne über Knabsis Wange, und natürlich lief ihm daraufhin sofort wieder die Nase. Hastig wischte er mit den Pfoten darüber.

„Pfui, du Ferkel!“, erboste sich das Eichhörnchen, dem diese Aktion natürlich nicht entgangen war. „Schau dir bloß mal deine schmutzigen Pfoten an! Voll eklig!“

Es drehte sich angewidert um und war – schwupps – in der dichten Krone der Tanne verschwunden.

„Iiiih tirili“, zwitscherte entrüstet eine Meise, die heimlich alles mit angehört und angesehen hatte. „Der Hase mit der schmutzigen Nase! Voll eklig!“

Tieftraurig ließ Knabsi die Ohren hängen. Er war hungrig und müde, fühlte sich verspottet und die Pfoten taten ihm vom schnellen Laufen weh. Außerdem vermisste er seine Mama.
Aber sie war nicht hier. Niemand war hier.
Er war ganz allein.

Wenn er ehrlich war, hatte er bereits ein wenig Angst, denn bald würde es dunkel werden im Märchenwald. Und nachts war er noch nie allein draußen gewesen.

Mutlos setzte er sich unter einen dicken Baum, um dessen Stamm einige Glühwürmchen tanzten und ihm wie winzige Laternen etwas Licht spendeten. Ratlos schluchzte er vor sich hin.

Warum war er bloß weggelaufen?
Weil die Mama gedroht hatte, ihn an den Weihnachtsmann zu verpetzen?
Nur deshalb?
Nein, seine Freunde hatten ihn geärgert.
Und warum?
Weil… Na ja, alles nur wegen dieser dummen Nase!
Mh, vielleicht sollte er in Zukunft doch versuchen, sich das Näschen ordentlich zu putzen, wenn allen hier so viel daran lag.
Und ganz ehrlich…. Nachdenklich begutachtete er seine schmutzigen, klebrigen Pfoten. Nein, schön sahen sie wirklich nicht aus.

„Voll eklig“, hatten seine Freunde gesagt. Sogar die fremden Tiere hier im Wald hatten das selbe gemeint, als sie sahen, wie er sich mit den Pfötchen über die triefende Nase wischte.

Mit einem Mal schämte er sich fürchterlich und dicke Tränen rollten über seine Wangen.
Er merkte gar nicht, wie ein großer Schatten plötzlich das Licht der Glühwürmchen verdeckte.

„Ho ho ho“, erklang eine ihm fremde tiefe Stimme.

Erschrocken sah er auf.

Da stand ein Mann in einem dicken roten Mantel mit Kapuze und einem langen weißen Bart, der sein Gesicht wie eine riesige weiße Wolke aus Watte einhüllte. Knabsi konnte nur die Augen des Mannes sehen, und sie blickten neugierig auf ihn herab.
Wo war der Unbekannte so plötzlich hergekommen?

Neben dem Mann wartete ein merkwürdiges großes Tier mit einem mächtigen Geweih und einer Nase, die wie eine rote Lampe glühte.
Das Tier zog einen Schlitten hinter sich her, obwohl noch gar kein Schnee im Märchenwald lag.

Ängstlich zog das Hasenkind den Kopf ein.

„Wen haben wir denn da?“, fragte der Mann mit seiner tiefen Stimme und beugte sich zu Knabsi herunter. „Hast du dich verlaufen, kleiner Hasenfuß?“

„Ich… also… ja, na ja…“, stotterte das Häschen, schniefte aufgeregt und wischte sich hastig mit beiden Pfötchen über die nasse Nase.

„Oh, das war aber eben nicht schön“, brummte der Mann und schüttelte ärgerlich den Kopf. Dann griff er in seine Manteltasche, holte ein sauberes weißes Taschentuch heraus und reichte es Knabsi.

„Putz dir erst einmal deine Nase, und dann erzählst du mir, warum du hier draußen ganz allein bist.“

Knabsi nahm das Tuch, betrachtete es einen Augenblick lang und hielt es dann etwas zögernd unter sein tropfendes Schnuppernäschen. Er fasste sich ein Herz und holte tief Luft, bevor er schniefte, schnaubte und prustete, wischte und polierte und –siehe da – plötzlich war seine Nase frei und fühlte sich richtig sauber an.

Zufrieden nickte der Mann im roten Mantel.

„Das sieht schon viel besser aus. Du darfst das Taschentuch behalten. Sag der Mama, der Weihnachtsmann hat es dir geschenkt.“

Knabsis Augen wurden groß und rund.
„Du bist der Weihnachtsmann?“
Der Mann nickte lachend und das Tier neben ihm scharrte unruhig mit den Hufen.

„Richtig, ich bin der Weihnachtsmann. Und der Geselle mit der roten Nase hier neben mir ist Rudolf, mein treues Rentier. Wir sind im Märchenwald unterwegs, um die Weihnachtswünsche der Kinder einzusammeln. Hast du denn auch einen Wunsch, kleiner Hasenfuß?“

Knabsi brauchte nicht lange zu überlegen.

„Ich möchte nach Hause. Ich bin nämlich weggelaufen“, gestand er leise und erzählte dem Weihnachtsmann, wie sich alles zugetragen hatte.
Der Alte hörte aufmerksam zu und nickte dann.

„So so, du bist das also. Ich habe schon von dir gehört. Der kleine Hasenfuß, der sich nie sein Näschen putzt.“

„Nein… doch… ich…“, stotterte Knabsi aufgeregt, zog das Taschentuch noch einmal aus der Tasche seiner Latzhose und wischte damit erneut über seine Nase. „Ich kann es jetzt, glaub mir. Ich werde immer ordentlich meine Nase putzen, versprochen!“

„Nicht mehr mit den Pfoten?“, brummte der Weihnachtsmann. „Das ist nämlich…“

„…voll eklig, ich weiß“, ergänzte Knabsi und nickte. „Versprochen, lieber Weihnachtsmann!“

Der Weihnachtsmann tauschte einen bedeutungsvollen Blick mit seinem Rentier und kletterte in den Schlitten.

„Na, dann los, steig ein, kleiner Hasenfuß und halt dich gut fest.“

Das ließ sich das Häschen nicht zweimal sagen. Schnell wie der Wind hüpfte es in den Schlitten, kuschelte sich an den Weihnachtsmann und hielt sich an dessen Mantel fest.

„Ho ho ho!“, rief der Alte und das Rentier preschte los.

Sekunden später erhob sich der Schlitten in die Lüfte und flog, vom Weihnachtsmann gelenkt und von Rudolf gezogen, über den Märchenwald.
Kurz darauf landeten sie sanft auf der Sonnenlichtung, gleich neben den beiden dicken Eichen.

„Nun lauf schnell nach Hause, kleiner Hasenfuß, deine liebe Mama wartet schon auf dich. Vergiss nicht, was ich dir unterwegs gesagt habe“, erinnerte ihn der Weihnachtsmann und zwinkerte ihm gutmütig zu. „Und immer schön ordentlich die Nase putzen! Du weißt, dann klappt es an Weihnachten auch mit den Geschenken.“

„Geht klar!“, rief Knabsi fröhlich und sehr erleichtert, endlich wieder zu Hause zu sein.
Er verabschiedete sich artig vom Weihnachtsmann und streichelte Rudolf übers Fell.

Dann lief er, so schnell ihn seine kleinen Pfoten trugen, zu seinem Hasenbau.
Die Mama stand an der Tür und nahm ihren Sohn erleichtert in die Arme.

„Ich hab` dich lieb, Mama“, flüsterte Knabsi überglücklich. „Ich kann jetzt meine Nase putzen. Und ich laufe auch ganz sicher nie wieder weg!“


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©JeanyEvans 2021


Ein herzliches Dankeschön für die Likes, die Reviews, die Sternchen und vor allem auch für die Buchrücken, die ihr mir und meiner Geschichte gewidmet habt. Knabsi und ich fühlen uns sehr geehrt!
 
 
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