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Kreuzfahrt-Logbuch der Pacific Princess

von - Leela -
Kurzbeschreibung
SammlungAllgemein / P12 / Gen
Adam Bricker Ashley "Ace" Covington Evans Burl "Gopher" Smith Isaac Washington Julie McCoy
21.11.2021
21.11.2021
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21.11.2021 1.021
 
Anm. d. Aut.: Dieses Kapitel wurde für die »Wochen-Challenge« von Sira-la geschrieben. Die Vorgaben sind zur Vermeidung von Spoilern am Ende des Kapitels zu finden.
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Logbuch-Eintrag Nummer 1, von Doctor Adam Bricker, Schiffsarzt:

Im Zeichen von Corona und Fortuna

Es gibt Momente, die lassen einen denkwürdig zurück. So wie an dem Abend, als wir uns zu fünft entschlossen, etwas zu spielen. Gopher, Isaac, Julie, Ace und ich trafen uns im Aufenthaltsraum, und es war eigentlich nur noch die Frage zu klären, was wir spielen wollten.
      Julie war diejenige, die ein neues Brettspiel vorschlug. Obwohl, so neu war es gar nicht mal, es war aus 1974 aus dem Otto Maier Verlag, aber für uns war es neu, weil wir es erst seit dieser Kreuzfahrt im Repertoire hatten. Es hieß »Corona«, und war ein abstraktes Denkspiel für 2 bis 10 Spieler. Julie hatte es entdeckt und wollte es gerne ausprobieren, und da es ab 12 Jahren war, stellten wir - nicht ohne eine gewisse Belustigung - fest, daß dann wohl auch Gopher mitspielen konnte. Also war die Entscheidung schnell getroffen.
      Die Pacific Princess war längst auf hoher See, als wir uns am Tisch zusammen fanden und das Spielbrett aufbauten. Nun hieß es erst mal, sich mit den Spielregeln vertraut zu machen.
      Das Spielprinzip war eigentlich ganz einfach. Auf dem Brett waren zwölf kleine Kreise in einem größeren Kreis angeordnet, wie ein Kranz. Daher kam wohl der Name Corona. Des weiteren gab es sechs schwarze Spielsteine. Derjenige, der als Spielleiter in der Runde fungierte, positionierte die Steine beliebig in den kleinen Kreisen der Corona. Danach wurde mit sechs farbigen Würfeln gewürfelt. Jetzt hatten wir alle eine Minute Zeit, uns zu überlegen, wie man die maximalste Punktzahl erreichen konnte, um so viele Chips wie möglich zu bekommen. Dabei ging es darum, die Steine anhand der Würfelwürfe möglichst so zu ziehen, daß sie mit möglichst vielen anderen zusammen standen, denn für diese gab es Punkte, also auch Chips. Und das war gar nicht so einfach! Die Würfelwürfe mußten so optimal wie möglich den Steinen zugeordnet werden, die man entsprechend markieren konnte. Und wer das höchste Gebot abgab gewann. Beweisen mußte derjenige dann auch, daß er die Punktzahl, die er ermittelt hatte, erreichen konnte.
      Wir waren alle hochkonzentriert. So konzentriert waren Gopher und Isaac nicht mal bei der Arbeit.
      Aber es zahlte sich aus. In der ersten Runde leitete Julie das Spiel. Nachdem sie die Spielfiguren aufgestellt hatte, rechneten wir uns um Kopf und Kragen. Und Gopher erzielte das beste Ergebnis.
      Weiter ging es im Uhrzeigersinn. Im Steine aufstellen war Ace ganz gut. Es gewann in dieser Runde Isaac. Ich war als nächster dran und versuchte, die Ausgangslage so fies wie möglich zu gestalten. Mit den Würfelwürfen holte Gopher trotzdem das Maximum heraus. Anschließend durfte er die Steine aufstellen, und diesmal hatte Julie den perfekten Lauf. Als Isaac dran war, die Steine zu positionieren, hatte ich Glück. Der einzige, der nicht an Chips kam, war Ace.
      Das wurde auch in der nächsten Runde nicht besser. Wo wir anderen Chips bekamen, mußte er Chips bezahlen. Wir hatten uns darauf verständigt, daß das Spiel endete, wenn jemand sein Startkapital aufgebraucht hatte. Und das zeichnete sich hier gerade ab.
      Entsprechend war unser Schiffsphotograph auch gelaunt. Aber was hätten wir tun sollen? Gopher lag weit vorn. Er war wirklich gut in dem Spiel. Und Isaac konnte sich den Spruch nicht verkneifen, daß Corona anscheinend die erste Frau war, die unser Sonnyboy Ace nicht um den Finger wickeln konnte. Als Julie die nächste Runde für sich entschied, resignierte Ace fast vollends. Wenn er die nächste Runde nicht gewann, dann war’s das. So viel stand sicher.
      Nunja. Wir waren auf hoher See. Und während Gopher sich auf das gewinnen vorbereitete, und Ace auf’s verlieren, erfaßte eine hohe Welle das Schiff. Im Grunde war sie für ein großes Kreuzfahrtschiff nicht schlimm. Sie reichte aber aus, um das gesamte Spiel-Equipment zu Boden zu befördern. So schnell hatte keiner von uns reagieren können, wie Spielbrett, Steine, Würfel und Chips zwischen Isaac und Julie durchrutschten und zu Boden fielen.
      Damit endete das Spiel unkonventionell. Wir konnten nicht mehr rekonstruieren, wer wie viele Chips gehabt hatte. Das war natürlich ungünstig, denn daß das Spiel noch nicht zu Ende gewesen war, darüber waren wir uns ja einig, wenn, dann wollten wir es aber auch zu den Bedingungen weiterführen, die tatsächlich gewesen waren, und nicht irgend etwas, was wir uns ausgedacht hatten.
      Gopher schlug kühn vor, einfach den letzten Stand als gegeben hinzunehmen – mit dem er ja gewonnen, und Ace verloren hätte. Das fühlte sich für uns anderen aber nicht richtig an (von Ace schweige ich jetzt in diesem Moment mal, seine Aussage dazu dürfte an der Stelle am wenigsten aussagekräftig gewesen sein). Isaac argumentierte jedenfalls für uns alle Logisch dagegen. Es mochte sein, daß das Spiel zu einer bestimmen Konstellation abgebrochen worden war. Da ja aber die theoretische Chance bestanden hätte, daß Ace die Runde hätte gewinnen können, und damit der Spielverlauf noch eine ganz andere Wendung hätte nehmen können, einigten wir uns auf ein Unentschieden.
      Julie grinste und kommentierte es damit, daß Ace von Corona wohl verschmäht wurde, dafür war ihm Fortuna offenbar hold und hatte ihm geholfen. Na, so kann man das auch sehen. Die Stimmung von Ace verbesserte es auf jeden Fall. Die von Gopher nicht unbedingt…


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Die Vorgabe für Kalenderwoche 46/2021 von mir war:
      Schreibe eine Geschichte mit Corona, aber NICHT mit dem Virus, und auch nicht mit irgend einem anderen Virus! (Beispiele: Die Band namens Corona [»Rhythm of the night«], das Bier namens Corona, Corona als Frauenname…) Die Geschichte soll den Grundtenor Corona haben, aber eben in dem Zusammenhang, den ihr auswählt, und der Name soll auch im Titel vorkommen.
      Damit soll einmal daran erinnert werden, daß es auch andere, normale, schöne und vor allem ältere Dinge gibt, die man mit dem Begriff verbinden kann.
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