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Es ist so flauschig!

Kurzbeschreibung
OneshotHumor / P6 / MaleSlash
Anthony J. Crowley Erziraphael
21.11.2021
21.11.2021
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1.475
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21.11.2021 1.475
 
Dies ist meine zweite Geschichte, die im Fanzine der Ineffable Con 3 erschienen ist. Have fun!



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Aziraphale war froh, dass Crowley sein Eis endlich aufgegessen hatte. Der Ausdruck auf seinem Gesicht, während er an seinem Vanille Eiscreme Hörnchen leckte als sei das etwas ganz anderes, hatte es Aziraphale ganz warm werden lassen. Crowley hatte ihn nur angegrinst und war dann damit fortgefahren, seinem Eis quasi einen Blowjob zu verpassen. Jetzt leckte er letzte Reste Zucker von seinen Lippen und sah extrem selbstzufrieden aus. Er hatte wieder Aziraphales Hand genommen, und sie gingen weiter über den Rummel. Sie versuchten, einfach den Tag zu genießen und mit der Menge zu verschmelzen. Es war nur ein kleiner Rummel in einem der zahlreichen Londoner Stadtteile. Es gab ein paar Fahrgeschäfte für Kinder, Imbissbuden, eine kleine Bühne, auf der Musiker auftreten konnten, und einige kleine Stände, an denen Geld für verschiedene wohltätige Zwecke gesammelt wurde. Sofort nachdem er über diese Veranstaltung gelesen hatte, hatte Aziraphale den Wunsch geäußert, den Rummel besuchen zu wollen. Er hatte schon eine Portion Zuckerwatte gehabt, von der Crowley sich ein paar Bissen geklaut hatte, sowie eine Waffel am Stiel. Das war nicht sein übliches hohes Niveau, aber das hier war schließlich ein Rummel, und es ging nicht um kulinarische Höchstleistungen.

Aziraphale sprach gerade darüber, wo sie später zu Abend essen könnten, als er einen Zug an seiner Hand spürte. Er musste stehenbleiben.
„Was?“, fragte er, drehte sich um und schaute Crowley an. Der Dämon stand ganz still und schaute auf etwas, das in einer Losbude als Preis ausgestellt war.
„Crowley?“
Crowley biss sich auf die Lippe und wurde rot. Das war ja lächerlich. Und er versuchte, einen Witz daraus zu machen, damit es ihm vor Aziraphale nicht noch peinlicher wurde.
„Ha! Hast du das Einhorn da gesehen? Wer immer das gemacht hat, hat mit Sicherheit noch nie ein richtiges Einhort gesehen“, grinste er.
Aziraphale schaute hin. Auf einem der Regale in der Losbude saß ein pummeliges weißes Einhorn, seine Mähne und Schweif regenbogenfarbig, Horn und Hufe silbrig-weiß. Er lächelte.
„Nein, das ist anatomisch sicherlich nicht korrekt.“
„Und es ist viel zu flauschig.“
„Das ist es.“ Aziraphale konnte ein Lächeln kaum noch unterdrücken. Denn obwohl Crowley wie üblich eine Sonnenbrille trug, konnte Aziraphale das Funkeln in seinen Augen sehen.
„Das ist eine Beleidigung für jedes echte Einhorn“, sagte Crowley.
„Ich stimme zu.“ Aziraphale konnte nicht viel mehr sagen, wenn er nicht seine Fassung verlieren wollte. Er hoffte nur, dass Crowley das nicht auffiel. Aber glücklicherweise war der Dämon viel zu sehr damit beschäftigt, seine coole Fassade aufrecht zu halten.

„Hallo, meine Herren! Wollen Sie nicht Ihr Glück versuchen?“
Beide schauten jetzt den Losverkäufer an. Es war ein Mann in seinen Dreißigern, der sie jetzt strahlend anlächelte.
„Ein Pfund pro Los. Ist für einen guten Zweck. Wir spenden die Hälfte der Einnahmen an ein Kinderhospiz.“
Er reichte ihnen beiden einen Flyer, und Aziraphale überflog ihn kurz.
„Oh, in dem Fall… zwei, bitte.“
„Nur zwei? Kommt schon, Jungs! Ist für ’nen guten Zweck!“ Der Mann lächelte eine so ehrliches, strahlendes Lächeln, dass Aziraphale natürlich nicht Nein sagen konnte. Er zückte seine Brieftasche und reichte dem Losverkäufer eine Zehn-Pfund-Note.
„Das ist schon besser! Bitte sehr!“ Der Mann hielt ihnen einen Eimer hin, der mit Losen in allen Regenbogenfarben gefüllt war.
„Mach nur, Darling. Du suchst aus“, sagte Aziraphale.
Crowley stöhnte. Er musste schließlich so tun, als ob. „Aber nur, weil’s für einen guten Zweck und für Kinder ist.“
„Natürlich. Und nicht mogeln!“
„Mogeln? Wie sollte ich wohl mogeln? Ich kann schließlich nicht reinsehen, oder?“

Aziraphale hob eine Augenbraue, stand aber ansonsten ganz still und schaute zu, wie Crowley zehn Lose in unterschiedlichen Farben aussuchte und fünf davon dann Aziraphale weiterreichte. Aziraphale hatte genau aufgepasst, aber er hatte nichts von einem kleinen Wunder gespürt. Er nahm die Lose von Crowley entgegen, und sie begannen sie zu öffnen. Neun waren Nieten. Immerhin eine war ein Trostpreis: ein Schlüsselanhänger mit einem Flamingo. Aziraphale kicherte, als er ihn von dem Losverkäufer entgegen nahm.
„Danke schön in Namen der Kinder, meine Herren. Haben Sie noch einen schönen Tag und genießen Sie den Rummel!“
„Das werden wir. Vielen Dank.“
Aziraphale sah Crowley an, der noch einen sehnsuchtsvollen Blick auf das Einhorn warf.
„Möchtest du es nochmal versuchen? Für den guten Zweck“, fügte er hinzu, wobei er versuchte, möglichst unschuldig auszusehen.
„Nee. Wir haben unsere Pflicht erfüllt. Komm, Engel. Lass uns sehen, ob wir hier was Anständiges zu trinken bekommen.“

Sie gingen weiter, genossen das Leben um sie herum und die gut gelaunten Leute, bis sie eine Bude fanden, an der drei junge Leute farbenfrohe Cocktails mit und ohne Alkohol verkauften.
„Soll ich uns was holen, Engel?“, fragte Crowley. Aziraphale, der noch immer mit dem Schlüsselanhänger in seiner Tasche spielte, nickte.
„Das wäre wunderbar. Aber ohne Alkohol.“
„Was immer du willst. Du wartest hier, das könnte einen Moment dauern.“
Das tat es auch, denn es warteten schon etwa sechs Leute, und jeder Cocktail wurde individuell gemixt. Aziraphale überlegte einen Augenblick, schaute auf den Rücken seines Dämons, der geduldig darauf wartete, ihre Drinks bestellen zu können. Und dann schlich er sich davon. Er musste einfach. Es war unglaublich dumm, aber er wusste auch, dass Crowley überschnappen würde - auch wenn er es nicht zeigen würde.

Es brauchte etwa zehn Minuten Wartezeit, ehe Crowley endlich seine Bestellung loswerden konnte. Er drehte sich herum, um nach seinem Engel zu sehen, während er auf seine Cocktails wartete, und konnte Aziraphale nicht entdecken. Er runzelte die Stirn, aber machte sich auch keine Sorgen. Aziraphale war mehr als in der Lage, auf sich selbst aufzupassen. Die junge Frau, die ihm die Cocktails reichte, plauderte noch ein wenig mit Crowley, ehe er zahlen konnte. Endlich nahm er seine Cocktails und drehte sich um, um sich vorsichtig seinen Weg durch die anderen Wartenden zu bahnen. Und dann sah er Aziraphale ein paar Meter weiter stehen - und er hielt in seinem Arm ein riesiges, plüschiges Einhorn mit einer regenbogenfarbenen Mähne und Schweif, Mähne und Hufe silberfarben, und strahlte ihn an.

„Engel! Was?!“, rief er aus und starrte Aziraphale an. „Wo hast du das her?“
Aziraphale sah sehr selbstzufrieden aus, als er antwortete: „Ich dachte, ich versuche mein Glück nochmal und hab noch ein weiteres Los gekauft. Und du wirst es nicht glauben, es war eine Freie Auswahl!“
Crowley kam jetzt näher. „Du hast recht, ich glaub’s nicht. Freie Auswahl? Engel, es hätte schon ein kleines Wunder gebraucht, um aus hunderten Losen die Freie Auswahl zu erwischen.“
Der Engel zuckte die Achseln. „Naja, dann muss es wohl ein kleines Wunder gewesen sein. Jedenfalls hatte ich Glück.“
„Und was willst du jetzt mit einem riesigen Plüscheinhorn machen?“, fragte Crowley und blieb jetzt vor Aziraphale stehen.
„Ich gebe es meinem Ehemann. Was sonst?“

Crowley wurde knallrot. „Ich - ähm - was - du meinst -?“
Aziraphale musste lachen. „Gib mir meinen Cocktail und nimm dein Einhorn, du dumme Schlange.“
Crowleys Mund stand offen, aber er machte, was Aziraphale ihm gesagt hatte: Er reichte ihm seinen Cocktail und nahm das große Plüscheinhorn und war überwältigt, wie groß dieses Ding tatsächlich war. Er versuchte verzweifelt, nicht zu lächeln, denn das wäre wirklich sehr undämonisch. Stattdessen musterte er das Einhorn, seine blauen Augen, das silberne Horn, und seine Finger gruben sich tief in das weiche Fell. Aziraphales Geste berührte ihn sehr. Er fühlte sich geschätzt, geliebt und verwöhnt und ein bisschen verlegen. Denn da stand er jetzt: gekleidet in sein übliches Schwarz, Schlangenlederstiefel an den Füßen, eine neue, echt coole Sonnenbrille (hatte ihn ein kleines Vermögen gekostet, aber hey: so war eben Mode!), hielt einen farbenfrohen Cocktail in der einen Hand und presste mit der anderen ein riesiges Plüscheinhorn in Weiß und Regenbogenfarben an seine Brust. Seine dunklen Klamotten würden am Abend voller Flusen sein…

Aziraphale nahm einen Schluck von seinem Cocktail. Er war fruchtig, nicht zu süß, genau wie er sich das gewünscht hatte.
„Ich wollte etwas für einen guten Zweck tun“, lächelte er. Crowley nickte, versuchte, sich zusammenzureißen. Er verstand die versteckte Bedeutung hinter Aziraphales Worten.
„Yeah. Hast du wirklich. Ähm… danke.“ Crowley würde Aziraphale gerade wirklich gern umarmen, aber konnte nicht: mit dem Cocktail und dem Einhorn hatte er beide Hände voll, und er war gerade so gar nicht in seinem Element. Glücklicherweise wusste Aziraphale, was zu tun war. Er trat näher, leicht schräg zu Crowleys linker Seite, und der Dämon - wie er das immer tat - wandte ihm das Gesicht zu. Aziraphale gab ihm einen langen, liebevollen Kuss.
„Weißt du, Crowley, ich würde alles tun, um diesen Ausdruck auf deinem Gesicht zu sehen. Wenn es dazu ein Einhorn aus Plüsch braucht, dann bin ich mehr als gewillt, dir eins zu besorgen.“
„Das musst du nicht. Aber… kann ich was sagen?“
„Ja, mein Liebster, natürlich.“
Aziraphale lächelte ihn an, und endlich brach es aus Crowley heraus, während er das Einhorn an seine Brust drückte: „Es ist so flauschig!!!“
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