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Das Haus des Asmodeus

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Schmerz/Trost / P18 / MaleSlash
Blitzo Loona Millie Moxxie Stolas
20.11.2021
28.06.2022
56
276.770
6
Alle Kapitel
25 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
20.11.2021 4.459
 
Titel: Das Haus des Asmodeus
Fandom: Helluva Boss / Hazbin Hotel
Warning: m/m Slash, ??
Genre: Hurt/Comfort, Humor, Romantik ??
FSK: 16+
Disclaimer: Diese Fanfiktion wurde geschrieben, nachdem die siebte Folge erschienen ist. Alles, was danach an Canon folgt, kann entsprechend nicht berücksichtigt werden, da wenig Informationen draußen sind. Viel Spaß.






Das Haus des Asmodeus


Kapitel 1

The one and only


Ungeduldig wippte Ozzie mit dem Bein und starrte aus dem Fenster der Stretch- Limousine, die ihn durch die Straßen seiner Stadt fuhr.
Am Tage sah die Hauptstadt des Lustrings relativ fade und wenig einladend aus. All die neonfarbenen Club- und Barschilder waren ausgeschaltet, Schnapsleichen pflasterten die Wege und ein kürzlicher Regenschauer ließ den Asphalt feucht und glitschig glänzen.
Ja, definitiv wenig einladend. So wie viele Städte in den sieben Ringen der Hölle. Der wahre Charme seiner Stadt lag eben in der Nacht, wenn Scheinwerfer den violetten Himmel erstrahlen ließen und wenn Musik die Luft erfüllte. Musik und das anregende Stöhnen seiner Gäste …
Der Gedanke ließ Ozzies Mundwinkel kurz zucken, doch es reichte nicht für ein Grinsen. Dafür war der Grund seiner Fahrt viel zu unerfreulich und ja, er gestand, er, Asmodeus, Prinz und Herrscher des Lustrings und Verkörperung der Lust, hatte sogar keine Lust auf das anstehende Treffen mit Mammon, dem Prinzen des Gierrings.

Aber wie Mammon nun einmal war – keine Zeit für nichts, erst recht nicht für Genuß, bloß Geld her und dann weiter zum nächsten – hatte er ihn, IHN, in seiner eigenen Domäne, in seine eigene Fabrik zitiert, um irgendeine Vertragsklausel zu besprechen. Die pure triefende Dreistigkeit hinter dieser Vorladung versaute Ozzie schon die Laune, aber er wusste, Mammon würde nicht locker lassen, bis Ozzie sich mit ihm traf. Also hatte er nachgegeben und sich auf das Treffen eingelassen. Er ahnte worum es ging …
Erneut sah er aus den verdunkelten Fenstern und erkannte in nicht allzu weiter Ferner dicke weiße Rauchschwaden, die sich träge gen Himmel schraubten und vor einiger Zeit noch über der ganzen Stadt geschwebt hatten. Zum Glück flatterten überall Ozzies kleine treue Vögelchen umher, die ihn stets auf dem Laufendem hielten und ihm bereits von dem ‚Unfall‘ im Westen der Stadt berichtet hatten.
Unfall. Tse, am Arsch. Ozzie ahnte, dass wieder einmal irgendetwas in dem Saftladen von Zirkus schief gelaufen war, den Mammon unbedingt in seiner Stadt hatte eröffnen müssen. Der kleine Scheißer bekniete wirklich jeden, wenn es um die Expansion seiner Unterhaltungsbranche ging. Mittlerweile sprossen in jedem einzelnen der sieben Höllenringe Mammons Etablissements in die Höhe. Wie lästiger Schimmel, den man nicht los wurde und der sich ungefragt immer weiter ausbreitete. Und genau wie es sich mit Schimmel hielt, vergammelte alles drum herum, wenn man sich nicht richtig darum kümmerte.

Kein Wunder, dass viele von Mammons Zirkussen und Vergnügungsparks den Bach runtergingen. Möglichst viele eröffnen, möglichst viel Kohle machen und dann alles vernachlässigen. Wirkliche eine Schande, denn Ozzie war für jede Art des Vergnügens offen. Das lag in seiner Natur. Darum hatte er Mammons Vorschlag damals auch zugestimmt. Zumal für ihn ein nicht unerheblicher Prozentsatz dabei raussprang.
Hätte er damals gewusst, dass er nur Ärger mit dem Mistkerl haben würde, hätte er sich das zwei Mal überlegt. Aber Mammon etwas abzuschlagen, war unmöglich, zumal der kleine Giftzwerg von Jester- Dämon sehr unangenehm werden konnte. Aber nun ja, so wie es in Ozzies Natur lag, jede Art von Lust und Vergnügen zu feiern, feiert Mammon, Prinz und Herrscher des Gier Rings, eben den Profit. Es war sinnlos, sich darüber aufzuregen.
Genau darum hatte Ozzie auch keinen Bock auf dieses Treffen, denn er wusste jetzt schon, wie es ablaufen würde. Mammon würde ohne Punkt und Komma quasseln, bis Ozzie ins mentale Koma abdriftete und aus Langeweile auf seine Vorschläge und grandiosen Ideen einging. So wie immer.
Seufzend schüttelte er den Kopf und als am Ende der Straße die Dächer seiner Fabrik in Sicht kamen, entwich ihm ein genervtes Stöhnen.
Das konnte ja heiter werden …. Nicht.


***


Es war schon eine Weile her, dass Ozzie seiner Fabrik einen Besuch abgestattet hatte und als ihn der künstliche Geruch von Chemie und Plastik in die Nase stieg, erschauderte er.
Hach ja, seine gute alte Fabrik. Ein kleines aber feines Goldgrübchen, das ihn mit Stolz erfüllte.
Zu selten war er hier, meistens nur dann, wenn er ein neues Produkt absegnete, das in Produktion ging und er die letzten Details mit den Designern besprechen musste. Alles in allem war das Ganze jedoch ein Selbstläufer. Glücklicher Weise, denn sich mit Bürokratie und dem ganzen Papierkram herumzuschlagen, langweilte ihn. Für so etwas gab es Angestellte.
Angestellte, die ein riesiges Fass aufmachten, kaum da er durch die Tore seiner Fabrik schritt. Immerhin hatte er seinen Besuch vorab angekündigt und es dauerte keine Minute, bis  der Leiter der Fabrik, ein Imp, so wie fast alle Angestellten in der Fabrik, auf ihn zugelaufen kam. Er vollzog eine sinnliche formvollendete Verbeugung, ehe er Ozzie ein markantes Lächeln schenkte.
„Eure Hoheit! Was für eine Ehre, Euch heute hier begrüßen zu dürfen! Bitte, bitte! Kommt herein. Womit können wir dienen?“, bemühte er sich, Ozzies Wohlwollen zu erlangen, aber Ozzie winkte ab, hatte keinen Nerv für Spielereien. Zumindest nicht heute. Wenn er sich nur daran erinnert könnte, wie der kleine Kerl hieß. Offensichtlich hatte er keinen bleibenden Eindruck hinterlassen, sonst hätte sich Ozzie seinen Namen gemerkt. Aber er leistete gute Arbeit und das genügte.
Seufzend wedelte Ozzie mit den Händen und erinnerte sich daran, seine schlechte Laune nicht an seinen Angestellten auszulassen. Wenn er einem Prinzip folgte, dann, dass Angestellte nur  loyal blieben, wenn er sie bei Laune hielt und das setzte ein gewisses Maß an Respekt und Höflichkeit voraus. Manchmal zumindest.
„Na, wenn das keine freundliche Begrüßung ist, will ich verdammt sein! Aber so leid es mir auch tut, mein kleiner Freund, ich habe keine Zeit für Smalltalk“, sprach er mit Engelszungen und beugte sich zu dem kleinen Wesen hinab, legte ihm einen Finger unter das Kinn. „Sag mir, ist mein Gast schon eingetroffen?“
Hastig nickte der Imp, schluckte merklich, was genügte, um Ozzie ein Grinsen zu entlocken. So leicht um den Finger zu wickeln waren sie, die Imps. Was aber auch keine Kunst war. Ozzie wusste um seine Ausstrahlung, mit der er jeden in seiner Nähe um den Finger wickeln konnte. Ein Segen, aber manchmal auch ein Fluch.

Ohne weitere Worte, machten sie sich auf dem Weg zum Hauptbüro, was Ozzie nutzte, um einen kurzen Blick auf die Produktionshallen zu werfen, die sich rechts und links von einem langen Gang befanden. Etliche Imps und Sucubi arbeiteten an den Maschinen und Computern und auf den ersten Blick lief alles wie geschmiert. Der Fokus der Fabrik lag natürlich auf der Herstellung von Sexspielzeugen und allem rund um das fleischliche Vergnügen. Aber auch relativ unschuldige Dinge wurden hier hergestellt. Spielzeuge, elektronische Geräte, was das Herz begehrte. Denn Lust zeichneten sich durch vieles aus und der bloße Gedanke an das Vergnügen, das seine Kunden und die Bewohner seines Ringes mit seinen Produkten hatten, ließ ihn anrüchig grinsen.
Nach gut hundert Metern erreichten sie schließlich das Hauptbüro am Ende des Ganges, der in einem runden Raum mit vielen Türen endete – und das alles, ohne dass Ozzie auf einen der Imps getreten war – etwas, das ihm öfter passierte und was den heutigen Tag in der Firma Unfallfrei machte.
„Lord Mammon erwartet Euch bereits, Eure Hoheit!“, verkündete der Imp, der ihn in Empfang genommen hatte und verbeugte sich tief, ehe er die Tür zum Büro aufzog. Keine leichte Aufgabe für den kleinen Kerl, waren doch alle Türen in der Fabrik an Ozzies Größe angepasst worden. Immerhin war er doppelt so groß, wie normale Dämonen.
Er entschied sich, dem Knirps zu Hand zu gehen, indem er mit einem seiner schweren Stiefel gegen die Tür trat, worauf diese aufschwang. Der Imp machte einen Satz und grinste nervös.
„B-bitte. Tretet doch ein!“
Das ließ sich Ozzie nicht zwei Mal sagen. Erhobenen Hauptes marschierte er in das Hauptbüro, wo ihn ein breites, mit messerscharfen Goldzähnen besetzten Grinsen erwartete.
„Hey, hey, hey, Asmodeus! Mein Freund! Mein Homie! Mein Bruder von einem anderen Luder, wie geht es dir?“, wurde er sogleich begrüßt und eine Hand schlug ihm freundschaftlich in den Rücken. Allerdings verzog Ozzie das Gesicht. Bei dieser Begrüßung schüttelte es ihn.
„Bei Satan, verschone mich mit diesem grässlichen Gelaber. Das ist ja fürchterlich! Du klingst wie ein Vollidiot. Wie dieser Overlord aus Stolz, der den Schuss nicht gehört hat. Wie hieß die verfluchte Schlange noch mal ...?“
Sein Gegenüber verzog darauf aber keine Mine und zuckte nur mit den Schultern, breitete die Arme aus und lachte aufgesetzt.
„Wie immer gibst du die Spaßbremse. Bleib locker. Ich dachte, du bist immer für einen Spaß zu haben.“ Damit setzte sich Mammon auf das große Sofa in dem extravagant eingerichtetem Büro und machte es sich bequem, zündete sich eine Zigarre an und inhalierte tief, ehe er tief ausatmete. Der Rauch brannte in Ozzies Augen, aber eine Blöße gab er sich nicht. Es verriet nur eins: das Zeug war billig und zeigte deutlich, dass Mammon absolut keinen Geschmack und keine Klasse besaß. Etwas, auf das Ozzie großen Wert legte. Allein sein Outfit war schon ein Abturner. Ein altertümliches Narren- Outfit, in dumpfen, grünen Farben. Dieselbe Farbe, wie das Geld, das er so liebte. Gepflegt, aber weder war sexy, noch sprach es von Persönlichkeit. Pragmatisch war das Wort, nachdem Ozzie suchte. Um den Hals trug er einen schwarzen Kragen, der in Spitzen über seine Schultern fiel und an dessen Enden kleine Glocken befestigt waren, die bei jeder Bewegung klirrten. Was jedoch jedermanns Aufmerksamkeit auf sich zog, war die große Narrenkappe auf seinem Kopf, die in drei Spitzen endete. Alles an ihm schrie Hofnarr, allerdings hatte er dieses Image er lange hinter sich gelassen. Seit Äonen trat er nicht mehr auf. Sein Fokus lag voll und ganz auf dem Buisness und der Kohle, die er damit machen konnte und seine Späße konnten tödlich enden.

Unzufrieden blieb Ozzie an der Tür stehen und verschränkte die Arme, beobachtete, wie Mammon sich auf dem Sofa breit machte und die Beine überschlug. Oh, er hasste dieses dämliches Getue. Der Kerl tat so, als gehörte ihm die ganze Welt.
„Also“, begann Ozzie schließlich, wollte das Ganze nicht unnötig in die Länge ziehen. „Wieso habe ich die Ehre, von dir in meine eigene Fabrik zitiert zu werden?“, fragte er zuckersüß, worauf Mammon eine Augenbraue hob.  
„Da klingt aber jemand angepisst. Was ist los? Hat das Flittchen, oder wen auch immer du gestern Nacht flachgelegt hast, es dir nicht richtig besorgt oder wieso die miese Laune?“ Provokant grinste Mammon ihn an, was Ozzie jedoch erwiderte. Austeilen konnte er auch. Zumal Mammon ihn mit solchen Sprüchen nicht aus der Fassung brachte.
„Es war nicht ein Flittchen, es waren drei. Und genaugenommen waren es alles Kerle und sie waren vorzüglich. Was mir die Laune versaut ist ein morgendlicher Weckruf von einem Clown, der es sich in meiner Domäne breit macht und jetzt offenbar seine Zunge verschluckt hast, statt mit der Sprache herauszurücken. Ich kenne aber den ein oder anderen Trick, um sich den Würgereiz abzutrainieren, damit alles besser flutscht. Nur falls du Interesse hast.“
Nun war es Mammon, der das Gesicht verzog. Scheinbar hatte er begriffen, dass er nicht mit anzüglichen Witzen bei Ozzie landen konnte und dass seine Aktion mit dem überstürzten Meeting deutlich daneben gegangen war. Er setzte sich auf und hob beschwichtigend die Hände, schüttelte den Kopf.
„Schon gut, schon gut. Ich hab’s kapiert. Du hast Recht. War kein feiner Zug von mir. Aber du musst verstehen, Kumpel, ich hab viel zu tun. Wer so viele Geschäfte am Laufen hat ...Beschäftigt, beschäftigt, beschäftigt! Ich hatte keine Zeit, erst dein Management anzurufen, um in tausend Jahren eine Audienz zu bekommen.“
„Jetzt bist du ja hier. Also spuck’s aus.“
„Wenn du drauf stehst, bitte. Dann die schnelle Nummer.“ Damit stand Mammon auf und kam auf ihn zu. „Die Sache ist kompliziert, Kumpel. Genaugenommen will ich etwas von dir. Etwas aus deiner Fabrik, darum sind wir hier.“
Ozzie runzelte die Stirn.
„Du willst etwas von mir? Was? Etwa deine Schulden abbezahlen?“
Bei den Worten Schulden und abbezahlen, zuckten Mammons Augen und er machte einen Schritt zurück.
„Was?“
So war das also. Der Mistkerl wollte die Sache unter den Tisch fallen lassen, aber da spielte Ozzie nicht mit. Obwohl, genaugenommen tat er das. Nur, dass er Mammons Spiel spielte.
„Ich nehme an, du bist hier wegen dem Unfall in deinem Saftladen von Zirkus. Das ganze Ding ist abgefackelt, hab ich gehört. Das und ein paar Häuser und Blöcke drum herum.“

Zweifelnd öffnete Mammon den Mund, sagte jedoch nichts und blickte ertappt zur Seite. Er war wirklich ein Dummkopf, wenn er glaubte, Ozzie ließ das auf sich beruhen. Kopfschüttelnd beugte er sich zu Mammon hinab, was ihm nicht so sehr in den Rücken ging, als wenn er mit einem Imp sprach, denn Mammon war, wie jeder der Prinzen der Hölle, etwas größer als der Durchschnitt.
„Also? Das ist es doch sicher, was du von mir möchtest, nicht wahr? Kumpel? Immerhin habe ich dir den Platz in einwandfreiem Zustand verpachtet. Jetzt ist alles Schrott“, bohrte Ozzie weiter, worauf sich Mammon zu einem Lächeln zwang und den Kopf schüttelte.
„Nein. Deswegen bin ich nicht hier. Aber jetzt da du es erwähnst! Natürlich hätte ich vor, dich zu entschädigen! Hat jemand etwa etwas anderes behauptet? Wenn ja, wäre das eine Frechheit! Ich käme niemals auf die Idee, dich zu hintergehen! Bei meiner Ehre!“ Übertrieben fasste sich Mammon an die Brust, aber Ozzie kaufte ihm die Show nicht ab. Große Klappe, nichts dahinter, wie man so schön sagte. Ozzie hätte es besser wissen müssen.
„Das will ich auch hoffen. Immerhin ist der Schaden in meinem Ring passiert und jemand muss den Mist wegschaffen.“
„Natürlich, natürlich. Mach dir keine Gedanken, mein Freund! Ich … ich wollte nur warten, bis der tatsächliche Schaden berechnet wurde, um dir Fakten vorlegen zu können. Du weißt ja. Ein Vertrag ist ein Vertrag ist ein Vertrag und an die Klauseln muss man sich halten!“
Ozzie verdrehte die Augen und ersparte sich einen Kommentar. Er bezweifelte, dass Mammon nicht längst die Summe ausgerechnet hatte, die er ihm schuldete. Er schindete nur Zeit. Im Grunde war ihm der dämliche Zirkus und der bei dem Unfall entstandene Schaden relativ egal. Allerdings würden Beschwerden von den Anwohnern kommen und unzufrieden Anwohner waren unbefriedigte Anwohner und das gab es in seinem Ring nicht!
Zudem wollte er Mammon einfach nicht die Genugtuung lassen.
„Was auch immer. Warum bist du hier?“, beließ er es erst einmal dabei, was dafür sorgte, dass sich sich Mammon entspannte und wieder breit zu grinsen anfing. Er griff sich in seine Hosentasche, wobei sein halber Arm darin verschwand und keine Sekunde später holte er eine Aktentasche hervor. Er musste ein schwarzes Loch oder eine andere Dimension in seinen Taschen haben, was Ozzie auf Ideen brachte. In einer kleinen Taschendimension konnte man sicher so einiges anstellen.

Mammon hingegen lief zu dem breiten Mahagonischreibtisch und donnerte seine Tasche darauf, begann, dessen Inhalt auf dem Schreibtisch auszubreiten.
„Ich will etwas von dir kaufen. Natürlich von dir. Selbstverständlich von dir. Deswegen sind wir hier! Das ist dein Ring, hier ist deine Fabrik, also sollst du es herstellen und deine Produkte sind die besten!“
Ozzie schnaubte bei Mammons Versuch, ihm Honig ums Maul zu schmieren. Andererseits lag ein Funken Wahrheit darin. Mammon besaß ebenfalls einige Fabriken, allerdings ließ deren Qualität zu wünschen übrig.
„Schön das wir uns da einig sind“, zwitscherte Ozzie darum süffisant, worauf Mammon ihm einen vernichtenden Blick zu warf. Dann schaute er wieder auf seine Unterlagen, zog ein Dokument hervor und warf es Ozzie regelrecht ins Gesicht.
„Ich will, dass du etwas für mich herstellst. Und zwar genau das da. Bekommen deine Leute das hin?“
Hoch konzentriert schälte Ozzie die Dokumente aus seinem Gesicht und gab sich Mühe, nicht einfach auf Mammon draufzutreten und ihn platt zu machen. Desinteressiert überflog er das Dokument und runzelte die Stirn. Es waren Baupläne für eine elektronische Armprothese. Nicht sehr kompliziert, dafür höchst außergewöhnlich. Ein Blick auf die Kosten- und Materialaufstellung verriet ihm allerdings, dass das Ganze nicht funktionieren würde. Denn Mammon wollte das Billigste von Billigstem.
„Wofür brauchst du das?“
„So neugierig? Beantworte zu erst meine Frage. Bekommen deine Leute das hin oder soll ich mich an jemand anderen wenden?“
Ozzie schnaubte.
„Natürlich. Allerdings wird es nicht sehr lange halten. Ich gebe deinem Design ein paar Monate und es fällt auseinander. Daher die Frage. Wofür brauchst du es? Wenn es lange halten soll, brauchst du andere Materialien.“ Damit gab Ozzie Mammon das Dokument zurück, der mit dem Kiefer mahlte.
„Andere Materialien bedeuten mehr Geld.“
„Ja, aber auch Nachhaltigkeit.“
„Das wird überbewertet!“
„Wenn du meinst. Dann stelle ich es aber nicht her. Meine Fabrik stellt nur Qualitätsprodukte her und ich will nicht, dass das auf mich zurückfällt. Also entweder überarbeitest du das da oder gehst woanders hin, Herzchen.“
„Aber jemand anderen zu finden dauert zu lange und Zeit ist Geld.“
„Dein Pech.“
Mammon fluchte und griff nach einem Taschenrechner, der in seiner Tasche lag. Wie ein wilder begann er darauf herum zu tippen, beäugte immer wieder das Dokument und murmelte dabei vor sich hin, als würde er eine Beschwörung aufsagen.
„Na gut, na gut … Wie du willst. Dann machen wir es eben auf deine Art. Aber wehe, das Teil hält nicht, was du versprichst. Dann verklage ich dich!“
Lachend warf Ozzie den Kopf in den Nacken. Wirklich unglaublich, dieser Clown! Da wollte er etwas von ihm und drohte ihm im selben Atemzug.
„Sicher, tu das. Verrätst du mir jetzt endlich, was du damit vorhast? Bei der Produktion müssen viele Dinge berücksichtigt werden. Also, für wen ist es?“
„Das wäre dann ich.“

Erschrocken machte Ozzie einen Satz und knallte mit dem Kopf an die Zimmerdecke, als hinter ihm eine Stimme ertönte.
Zu seinem Erstaunen stand unmittelbar hinter ihm neben der Tür ein Dämon! Groß für seine Art, schlank, mit einem attraktiven Gesicht. Seinem Outfit nach zu urteilen – das Mammons nicht unähnlich war – musste er ebenfalls ein Jester- Dämon oder vielleicht auch ein Sucubus im Narrenkostüm sein.
So oder so, Ozzie hatte ihn nicht bemerkt. Wie lange stand er schon da? Und wer zur Hölle war das? Trotz seines ansehnlichem Gesichts klang er jedenfalls, als wäre er irgendwann mal überfahren worden … und in einem Versuch zu helfen, hatte der Autofahrer zurückgesetzt und ihn dabei gleich nochmal überfahren. Wie ein rostiger Sargnagel! Wenngleich auch Sexy. Eine ungewöhnliche Mischung.
Der kleine Dämon grinste Ozzie breit an, musste den Kopf dazu weit in den Nacken legen und zeigte dabei nicht einen Hauch Respekt oder Ehrfurcht. Dafür trug er dasselbe selbstgefällige Grinsen im Gesicht wie Mammon, zeigte ihm dabei seine erstaunlich spitzen Zähne. Und – und das war das Auffälligste an ihm – er besaß nur einen Arm.
Ozzie runzelte die Stirn.
„Und wer soll das sein?“, fragte er, wandte sich an Mammon. „Hast du jetzt einen Sohn oder was?“
Bevor Mammon jedoch antworten konnte, kam ein krächzendes Lachen von dem kleinen Jester- Dämon. Es war grässlich – und Ozzie fand es großartig.
„Der Wichser wünschte, er wäre cool genug, mein Vater zu sein“, kicherte er, was Ozzie tatsächlich aus der Bahn warf. Wie respektlos er über den Prinzen der Gier sprach beeindruckte ihn, ließ ihn aber auch an seinem Verstand zweifeln, denn Mammon wirkte alles andere als amüsiert.
„Du solltest dein vorlautes Maul halten. Für blöde Sprüche bist du nicht in der Position“, raunte Mammon, worauf der kleine Dämon mit den Schultern zuckte und den Kopf zur Seite drehte, Mammon demonstrativ nicht ansah und einfach weiter grinste.
„Ich bitte um Verzeihung“, meinte er wenig enthusiastisch und legte nach einer kurzen Pause noch ein: „Euer Hoheit“, nach.
Halb amüsiert, halb erstaunt beobachtete Ozzie das Schauspiel und ihm ging ein Licht auf.
„Lass mich raten. Dass ist derjenige, der die Armprothese erhalten soll. Liege ich richtig?“
„So ist es. Wenn ich vorstellen darf. Das ist Fizz. Er wird der neue Star in meinem ShowBizz. Dafür werde ich zumindest sorgen“, erklärte Mammon und verschränkte die Arme, ließ sich auf einem der Stühle vor dem Schreibtisch nieder. „Hast du noch nicht von ihm gehört? Immerhin war er der Hauptact in meinem Zirkus.“
„In deinem abgefackelten Zirkus“, korrigierte Ozzie und beugte sich tief zu dem kleinen Dämon herunter, der im Gegensatz zu Mammon sein Grinsen nicht einen Augenblick lang abschraubte. Und der sollte Mammons neuer Star werden? So wie er aussah? An der Story war doch etwas faul. Zugegeben, Ozzie hatte sich nie für Mammons dämlichen Zirkus interessiert oder für die Künstler die dort auftraten, aber von einem einarmigen Showact hätte er gehört.
„Was ist mit seinem Arm passiert?“, fragte Ozzie, worauf der kleine Dämon zu ihm hoch streckte und grinste ihm direkt ins Gesicht.
„Den hab ich weggeworfen. Den brauch ich nicht, um eine gute Show zu machen. Was will ich mit einem normalen Arm, wenn ich stattdessen eine high-tech stretch Prothese haben kann? Passt überall rein, so tief wie ich will. Damit geht der Spaß doch erst richtig los, oder? Eure Hoheit.“

Was zum ….? Vorlaut war er! Vorlaut und furchtlos, dieser Fizz. Nicht jeder Dämon würde es wagen, ihm, Asmodeus, so direkt in die Augen zu sehen und so salopp dabei zu antworten. Das gefiel Ozzie.
„Genug jetzt mit dem Gelaber! Kommen wir zur Sache!“, unterbrach ihn Mammon harsch, der wieder aufstand und zu ihnen hinüber stampfte. Er verpasste dem Dämon Fizz einen Stoß gegen die armlose Schulter. Das Grinsen blieb dabei auf dem Gesicht von Fizz, allerdings zuckten seine Augen für einen winzigen Moment. Gerade lang genug, dass Ozzie es bemerkte.
Mmh … Nachdenklich runzelte er die Stirn, während Mammon vor Ungeduld verging.
„Baust du mir jetzt diese Prothese, ja oder nein? Ich hab nicht ewig Zeit. Ich habe eine Menge zu tun!“
„Ja, ja. Wie du willst. Ich gebe es in Auftrag. Zufrieden?“, winkte Ozzie ab, konzentrierte sich dafür auf den kleinen Dämon.
Wirklich … faszinierend war er. Ozzie hatte in seinem Leben schon viele Schauspieler gesehen. Viele Auftritte und Künstler, aber dieser kleine Kerl hier zeigte eine sehr große Selbstdisziplin. Denn auch wenn ihm das Grinsen nicht verging, so lächelten seine Augen nicht ein bisschen. Stattdessen loderten sie mit einer hasserfüllten Leidenschaft, die er Mammon ungefiltert entgegenschläuderte. Er hatte Glück, dass Mammon dafür kein Auge hatte, sondern nur aufs Geschäft versessen war.
Das Ganze weckte auf jeden Fall Ozzies Interesse und die Frage kam in ihm auf, ob dieser Fizz wirklich so gut war, wie Mammon behauptete.
„Ich nehme an, die Prothese soll Teil seiner Show werden?“, murmelte er, während er mit einem Fingerschnippen einen Stift herauf beschwor. Noch unterschrieb er nicht, ließ den Stift über dem Dokument schweben und beobachtete voller Vergnügen, wie sich Mammons Augen daran festsaugten. Es kaum erwarten konnten.
„Ja, genau“, murmelte er, hörte ihm gar nicht richtig zu.
„Und er soll hier in Lust auftreten? In einem deiner anderen Clubs, nehme ich an?“
„Ja, genau.“ Mammons Augen klebten an der Feder des Stiftes, der sich langsam dem Dokument zuneigte.
„Und was, wenn ich will, dass er in einem meiner Clubs auftritt?“
„Ja, genau … Moment, was?!“ Mammons Kopf zuckte nach oben und er und Fizz glotzten ihn an wie ein Auto. Lächelnd tippte sich Ozzie ans Kinn und zeigte dann auf Fizz.
„Mir gefällt seine Attitüde. Daraus kann man was machen. Und du schuldest mir eh eine Entschädigung für den Feuerschaden. Ich nehme ihn dafür. Ich brauche eh einen neuen Host in meinem Club. Das passt mir perfekt.“

Mammons Kinnladen fiel zu Boden und mit weiten Augen wurde er angeglotzt. Ein Anblick, an dem sich Ozzie nicht sattsehen konnte. Wirklich herrlich.
„Wa-was ...? Nein! Das passt mir gar nicht, Kumpel. Wir hatten andere Pläne, ganz andere. Fizz ist ... etwas Besonderes. Ich will ihn unter meine Fittiche nehmen, kapiert?“
„Das übernehme ich. Er kann dein Protegé bleiben, wenn du das unbedingt willst. Aber wenn du sagst, er wäre der neue Star im ShowBizz, wie kann ich mir das entgehen lassen? Zumal du doch sicher darauf aus bist, deinen Zirkus wieder aufzubauen. Uuuund deine anderen Etablissements hier in Lust weiter betreiben zu dürfen. Nicht wahr?“ Vielsagend klimperte Ozzie mit seinen Augen, während Mammon die Fäuste ballte.
Sehr gut, den Wink mit dem Zaunpfahl schien er zu verstehen. Ozzie war nicht auf Mammons Clubs und Bars angewiesen. Seine Stadt kam auch ohne sie zurecht. Nur für ihn wären das gewaltige Einbußen. Es war wirklich köstlich, zu beobachten, wie es in seinem Schädel ratterte und ihm einen strich durch die Rechnung zu machen, erfüllte Ozzie mit großer Befriedigung. Geschah dem Giftzwerg ganz recht!
„Ich nehme dein Schweigen mal für ein Ja. Wie schön!“, fuhr er fort, ohne Mammon die Gelegenheit zu geben, einen weiteren Einwand zu äußern. „Ich sorge für die Prothese und dafür tritt er in meinem Club auf. Den Verdienst teilen wir nach den Standartkonditionen und voila! Wir sind quitt und alle sind zufrieden. Ist das nicht großartig? Ja, genauso machen wir es.“ Vielsagend streckte er Mammon die Hand entgegen.
Der mahlte sichtlich unzufrieden mit den Zähnen, schlug dann jedoch ein.
„Einverstanden. Aber ich werde mit ihm alles ausarbeiten. Verstanden?“
„Solange seine Show zu meinem Programm passt, von mir aus.“ Ein weiteres Mal schnippste Ozzie mit den Fingern und der Stift setzte seine Unterschrift auf das Dokument. „Und vergiss nicht: ein Vertrag ist ein Vertrag ist ein Vertrag. Ich erwarte ihn morgen früh im Ozzie’s. Dann kann er mir seine Show vorführen. Ich erwarte, dass er mich überzeugt.“
„Sicher“, grollte Mammon und packte kurzerhand seine Aktentasche wieder ein, während sich Ozzie Fizz zuwandte.
„Ich bin außerordentlich gespannt, ob du hältst, was er verspricht. Also enttäusche mich nicht, das  wäre für keinen von uns gesund“, hauchte er ihm zu und piekte ihm in die Wange.
Fizz nickte darauf. Wie er es schon die ganze Zeit im übertriebenen Maße tat. Mit hochgezogenen Augenbrauen und einem ungläubigen Grinsen im Gesicht, zuckte er mit den Schultern, ehe er seinen einen Arm ausbreitete und eine Verbeugung andeutete.
„Natürlich. Klar. Sicher. Was auch immer …  Wie Ihr wollt. Eure … Hoheiten“, plapperte er wie auswendig gelernt, was Ozzie die Stirn runzeln ließ.
Ein seltsamer kleiner Kerl war er. Was Ozzie umso neugieriger machte.
Das Ganze könnte jedoch höchst interessant werden und wenn ihm etwas heilig war, dann sein Amüsement. Und er war sich sicher, das würde durch den Dämon Fizz mehr als befriedigt werden.



TBC




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Tatsächlich scheint dies eine der wenigen Helluva Boss Geschichten im deutschen Raum zu sein ... oder es gibt einfach noch keine passende Kategorie.
Ich hoffe, jedoch sie gefällt dem ein oder anderen. Ich muss noch ein bisschen an den 'Stimmen' der Figuren feilen, hoffe aber, sie zu treffen. Wie vielleicht aufgefallen ist, spielt sie vor der Serie und da wir ja noch nichts wissen, ist alles Spekulation und eigene Theorie ;)


Wer die Serie vielleicht noch nicht kennt und neugierig geworden ist, sie ist auf Youtube grats verfügbar.

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