Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Two Sides

von -Leo-
Kurzbeschreibung
KurzgeschichteDrama, Romance / P18 / MaleSlash
18.11.2021
19.11.2021
2
4.748
2
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
18.11.2021 1.712
 
Hello Leute,

kaum hätte ich gedacht, dass ich je wieder eine Idee für eine Story entwickeln würde. Als ich dann aber vor ein paar Tagen etwas auf Instagram gelesen habe entstand die Idee wie von ganz allein in meinem Kopf. Deswegen präsentiere ich hiermit meine neue "Story" einen Two-Shot.

Das zweite Kapitel werde ich dann morgen posten, um die Spannung etwas hochzuhalten.
Ich hoffe euch gefällt, was ihr lest. Bitte lasst mir doch eine Rückmeldung in Form eines Favos oder einer Review da, ich würde mich freuen.

Viel Spaß mit dem Two-Shot.

Loves Leo <3

***

Teil 1

Eigentlich war ich glücklich mit Elina. Mit ihr hatte ich alles was ich wollte. Eine feste Beziehung, eine schöne Wohnung, einfach ein tolles Leben. Doch trotzdem reichte mir das nicht.

Wenn Elina mal wieder zwischen Turku und Tampere oder sogar dem Ausland hin und her tingelte, um irgendwelche Vorträge an Universitäten zu halten, hielt mich nichts mehr in dieser beschaulichen Stadt.

Es war November. Vor ein paar Wochen hatte ich meinen 32. Geburtstag gefeiert. Heute war Elina nach China aufgebrochen, um an einem Forschungskongress teilzunehmen. Eine Woche würde sie bleiben.

Kaum war sie zum Flughafen abgefahren, setzte auch ich mich in mein Auto und machte mich auf den rund zweistündigen Weg in die finnische Hauptstadt.

Als ich an dem Mehrfamilienhaus ankam, in dem meine Wohnung lag traf ich die alte Frau Mäkinen im Hausflur. "Ach schön Sie mal wieder zu sehen", rief sie freudig. Ich holte die Post aus dem Briefkasten. "Die jungen Leute müssen auch immer länger arbeiten", murmelte sie noch, als sie in Richtung ihrer Wohnung verschwand.

Auf dem Weg in den zweiten Stock schaute ich die Post durch. Es waren nur Rechnungen und Werbung. In meiner Wohnung angekommen kam mir direkt ein muffiger Geruch entgegen. Über acht Wochen war ich nicht hier gewesen. Auch wenn es schon dunkel war öffnete ich alle Fenster um zu lüften. Mein Blick glitt dabei durch die Räume. Die kleine Zwei-Zimmer-Wohnung war vollkommen ausgestattet. Dabei gehörte mir der meiste Kram nicht mal. Ich hatte die Wohnung möbliert von einem jungen Mann übernommen, der sein Leben in Finnland aufgab, um im Ausland sein Glück zu suchen. Ich hatte der Wohnung mit einigen Fotos und Unterlagen von der Arbeit einen persönlichen Touch verliehen. Wenn man die Wohnung betrat, trat man in das Leben eines Junggesellen mit Leidenschaft zur Musik. Auf dem Esstisch stapelten sich Noten und Musikbücher, die ich für meinen Job als Gitarrenlehrer benötigte. An der Wand hinter dem Sofa hing meine erste Gitarre, die ich mir mit 14 gekauft hatte. Viele Informationen über den Bwohner gab die Einrichtung allerdings nicht her. Das musste sie auch nicht. Die Wohnung diente nur einem ganz bestimmten Zweck.

Ich schaue auf die Uhr. 21.30 Uhr. So schnell ich die Wohnung betreten hatte, so schnell verließ ich sie auch schon wieder. Ich zog meine Jacke an und setzte mir eine Mütze auf. Auf der Tramfahrt Richtung Innenstadt starrte ich stumm aus dem Fenster und beobachtete die vorbeiziehenden Lichter der Autos und Straßenlaternen. Die Ansage meiner Wunschhaltestelle riss mich aus dem Tagtraum. Schnell drückte ich den Halteknopf und stürmte alsbald sie anhielt aus der Tram.  Die kalte Nachtluft blies mir entgegen. Ich vergrub meine Hände tief in den Jackentaschen. Bis zu meinem Ziel waren es nur noch wenige Meter Fußweg.

Mit einem Ächzen gab die schwere Holztür der Kneipe nach, als ich sie aufzog. Ich streifte meine Mütze ab und hing meine Jacke an einen der Garderobenhaken. Als ich die Kneipe betrat ließ ich meine Augen durch die Räumlichkeit schweifen. Auf der Bühne war bereits reges Treiben. Ein paar junge Männer trugen Instrumente auf die Bühne und richteten sich dort häuslich ein. Ich ließ mich auf einem der Barhocker nieder. Hinter der Theke erspähte ich Karri.

"Hey", begrüßte ich ihn. "Man, mit dir hätte ich am wenigsten gerechnet", lachte er. "Wieder im Lande?" "Sieht ganz so aus", grinste ich.

Ohne zu fragen reichte er mir einen Salmiak-Shot und ein Bier. Ich kippte den Schnaps meinen immer noch kalten Rachen hinab. Kurz brannte es, bis ich nur Momente später das wohlig-warme Gefühl des Alkohols vernahm.

"Lass mal hören, waren die Writing-Sessions erfolgreich?" Ich wollte gerade etwas sagen, als die Band die Bühne betrat und das Publikum zu klatschen begann. Ich drehte mich auf meinem Hocker, damit ich die Bühne hinter mir besser im Auge hatte.

Drei Jungs betraten die Bühne. Einer stellte sich hinter das Keyboard, ein weiterer hatte einen Bass in der Hand und der Dritte nahm das Mikrofon in Beschlag. Ich wurde stuzig. Hatte ich die nicht schon mal gesehen? Ich wandte mich an Karri. "Karri, sag mal, hatten die nicht das letzte Mal noch einen Gitarristen dabei?" Er nickte. "Ja, so wie ich das verstanden habe ist der nicht mehr dabei. Aber frag mich jetzt nicht wieso". Das wollte ich auch gar nicht fragen, eher fragte ich mich, warum sie überhaupt ohne Gitarristen auftraten. "Du kannst ja einspringen", witzelte Karri. Ich verzog das Gesicht. "Ja klar, mal eben so.“ Karri grinste und wandte sich dann dem nächsten Gast zu.

Ich lauschte der Band mit halbem Ohr. Ihre Musik interessierte mich in erster Linie nicht besonders. Vielmehr faszinierte mich der Sänger, der mich schon bei ihrem letzten Auftritt in den Bann gezogen hatte. Seine blonden Haare und die eisblauen Augen machten seine nordische Herkunft unverkennbar. Das schwarze ärmelloses Shirt ließ den Blick frei auf seine muskulösen Arme und seine Tattoos. Auf seinem rechten Oberarm hatte er das Superman-Logo tätowiert. Eine Hommage an den Superhelden oder doch eher Bon Jovi? Ich musste schmunzeln. Am Unterarm des gleichen Arms stand in großen Buchstaben "Forever yours" War das etwa eine Liebeserklärung an seine Freundin? Vielleicht. Jedenfalls besser, als sich irgendeinen Namen stechen zu lassen. Am Unterarm des anderen Arms erspähte ich ein Schriftzeichen dessen Bedeutung ich nicht kannte. Auf seinem linken Oberarm prangerte der Satz "Choose to be me". Eine wilde Mischung, dachte ich.

Er musste bemerkt haben, dass ich ihn angestarrt hatte, denn er sah mich kurz an und lächelte. Peinlich berührte schaute ich weg und wandte mich meinem Bier zu. Ich konzentrierte mich nun doch auf die Musik.

"Slowly, slowly, more away' cause'
Maybe the diamonds are not for everyone
Maybe the lie you live is really all they want
You stay silent watching all dreams around you fading
Slowly, slowly, slowly more away." *

Ich fragte mich was genau er mit dem Text meinte. Ich seufzte. Eine Frage auf die ich wohl nie eine Antwort erhalten würde. Der blonde Sänger faszinierte mich immer mehr. Ich war so sehr in Gedanken, dass ich gar nicht bemerkte, dass der Auftritt der Band längst vorbei war und bereits die Instrumente von der Bühne getragen wurden.

Schnell leerte ich mein Bier, bezahlte bei Karri und machte mich auf den Weg nach draußen. Mir war nicht danach in Gedanken zu versinken und einem Mann hinterher zu weinen, den ich sowieso nie bekommen würde.
Ohne weiter zu überlegen trugen mich meine Füße wieder zur Tram und diese dann in den Stadtteil, in dem sich das Fairytale befand. Genau der richtige Ort um jemanden zu treffen, den man abzuschleppen konnte.

Ich bestellte mir einen Gin Tonic und drängte mich auf die Tanzfläche. Es dauerte keine fünf Minuten bis ich mit einem braunhaarigen Typen eng umschlungen tanzte. Es fühlte sich gut an diese Seite weiterhin ausleben zu können. Ich brauchte das Gefühl, welches Männer mir gaben genauso wie das, was ich bei Elina fand. Ich konnte ihr die Wahrheit nicht sagen, weil ich Angst hatte sie zu verlieren. Mein Tanzpartner war inzwischen weiter gezogen, wahrscheinlich hatte ihn meine geistige Abwesenheit abgeturnt. Ich seufzte. Vielleicht war heute doch kein guter Tag für einen One-Night-Stand. Ich setzte mich in die Lounge und beobachtete das Treiben. Neben mir wurde bereits wild geknutscht, nur für mich schien heute nicht der Richtige dabei zu sein.

Als die Tür aufging und ein blonder junger Mann herein kam war ich so erstaunt, dass ich  mich an meinem Getränk verschluckte. Ich hustete so stark, dass die beiden Küssenden neben mir sogar voneinander abließen. "Bro alles gut?", fragte einer der beiden. Ich nickte schnell und trank noch etwas, um meinen gereizten Hals zu beruhigen. Es funktionierte. Ich beobachtete wie der Blonde sich an die Bar setzte und ein Bier bestellte. Ich war unsicher, ob ich zu ihm gehen sollte. Ob er sich daran erinnern konnte mich vorhin im Publikum gesehen zu haben? Ich schob den Gedanken beiseite. Was hatte ich zu verlieren? Er sah nicht so aus, als sei er gezwungen worden eine Schwulenbar zu betreten. Immerhin war er auch allein gekommen. Vielleicht wartete er auf jemanden? Nein, hier kam man nicht her, um sich mit jemandem zu treffen. Wer hier her kam wollte sich Freunde für bestimmte Hobbys suchen.

Ich atmete tief durch. Dann nahm ich mein Glas und erhob mich Richtung Bar. "Jo, viel Glück", hörte ich es hinter mir rufen.

Ich setzte mich auf einen der leeren Hocker neben den Blonden. Nicht so, dass ich direkt neben ihm saß, aber in seiner Nähe. Ich schielte zu ihm rüber. Dann drehte er sich in meine Richtung. "Du kannst dich nicht mehr verstecken, ich hab dich längst gesehen", sagte er und grinste verschmitzt. Ich hatte das Gefühl rot anzulaufen. "Ähm", stammelte ich. "Willst du was trinken?", fragte er mich als er das leere Glas in meiner Hand sah. "Gin Tonic", sagte ich. Dann bestellte er das Getränk für mich und ein weiteres Bier für sich.

"Hier bitte", schob er mir das Glas rüber. Irgendwie wirkte er schüchtern. "Bist du öfters hier?", fragte ich. "Nein und du?" "Manchmal." Ich trank einen Schluck. Die Musik pochte in meinen Ohren. Irgendwie passte der Stil dieses Kennenlernens nicht zu der Umgebung. "Wie heißt du eigentlich?", fragte ich schließlich. Manchmal erfuhr ich den Namen meines nächtlichen Gastes erst am nächsten Morgen oder gar nicht. "Samu und du?" "Taro", grinste ich.

* Diamons - Sunrise Avenue
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast