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I'm Shipping Up To Houston

von MM-CB
Kurzbeschreibung
OneshotHumor, Freundschaft / P12 / Gen
Jane Rizzoli Maura Isles
18.11.2021
18.11.2021
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18.11.2021 1.018
 
Ich versuchte es mir gerade auf meinem Hotelbett bequem zu machen, als mein Handy klingelte - mit einem Klingelton, den ich nicht erkannte. Ein Blick auf das Display verriet mir, dass mich jemand namens 'LLBFF' anrief. Wann und warum hat denn Jane ihren Klingelton in meinem Handy geändert?, wunderte ich mich, während ich den Anruf entgegennahm. "Hallo Jane."

"Hi Maura, hast du den Klingelton erkannt?"

"Nicht wirklich", musste ich zugeben. "Ich habe das Gefühl, dass ich die Melodie schon einmal gehört habe, aber mir fällt nicht ein, wo."

"Na, dann musst du sie wohl nochmal hören." Sprach's, legte auf und ließ mich verwirrt auf mein Handy blickend zurück.

Nach ein paar Sekunden gab das kleine Gerät erneut diesen mysteriösen Klingelton von sich; diesmal nahm ich den Anruf sofort an. "Und?", fragte Jane ohne weitere Einleitung.

"Und was?"

Ich sah beinahe vor mir, wie sie ihre Augen verdrehte. "Der Klingelton, Maura. Hast du ihn dieses Mal erkannt?"

"I'm Shipping Up To Boston, richtig? In einer kürzeren Version."

"Stimmt genau, Doc!"

"Danke. Aber es wäre nett, wenn du in Zukunft nichts mehr an meinem Handy verstellst."

"Spielverderber", grummelte sie, aber ich hörte ihrer Stimme an, dass sie dabei lächelte. "Sag mal, hast du eigentlich deine Designer-Highheels schon durch ein Paar Cowboystiefel ersetzt?"

"Also wirklich, Jane", schüttelte ich den Kopf. "Ja, ich bin in Texas, und manche Leute hier tragen Cowboystiefel, aber bei weitem nicht alle und ich ganz bestimmt nicht."

"Okay, aber einen Cowboyhut hast du dir schon gekauft?"

"Tatsächlich, ja- Jane?"

"Hm? Sorry, hatte mein Handy fallen lassen. Vor Überraschung wahrscheinlich, ich hätte dich nie für den Cowgirl-Typ gehalten."

"Das ist keine Frage des Typs, sondern des Sonnenschutzes. Ich hatte dummerweise keine Kopfbedeckung eingepackt und das einzige, was sie hier außer Baseball-Caps - die ich nicht mag - verkaufen, sind nun einmal Cowboyhüte."

Für ein paar Sekunden herrschte Schweigen am anderen Ende, dann hörte ich Jane leise lachen. "Weißt du was? Kauf dir die Cowboystiefel, ein kariertes Oberteil und Jeans-Hotpants, setz den Hut dazu auf, und du wirst der Star auf der nächsten BPD-Halloweenparty."

"Nur wenn du dich auch so kostümierst," forderte ich sie heraus in dem Wissen, dass Jane Rizzoli keiner Herausforderung widerstehen konnte - nachdem sie sich ein wenig darüber beschwert hatte. Drei... zwei... eins...

"Urg, muss das sein? Mit Hotpants? Ich hasse es, wenn mir Leute auf den Arsch glotzen."

"Ja, muss es", sagte ich so ernst, wie ich konnte. "Und es kommt häufiger vor, dass dir Leute auf den Hintern gucken, unabhängig davon was für eine Hose du trägst. Das ist reine Biologie-"

"Ooookay, ich will's gar nicht so genau wissen!", unterbrach sie mich hektisch und fügte dann leiser hinzu: "Maura?"

"Ja?"

"Du fehlst mir", kam die Antwort, so leise, dass ich sie kaum verstand.

"Ich vermisse dich auch", antwortete ich ebenso leise. Vielleicht mehr, als ich eine Person, die "nur" eine Freundin ist, vermissen sollte...

Bevor unser Gespräch zu emotional werden konnte, rettete sich Jane wieder in ihren üblichen Sarkasmus. "Ja, aber ich vermisse dich mehr. Ich weiß wirklich nicht, wie lange ich es noch mit diesem russischen Typen aushalte, der dich hier vertritt."

"Doktor Popov?"

"Genau. Wann kommst du nach Hause? Ich, nein das ganze BPD, will dich zurückhaben!"

"In zwei Tagen."

"Das sind zwei Tage zu viel", verkündete sie, und ich war mir nicht ganz sicher, ob in meiner Abwesenheit in Boston wirklich etwas vorgefallen war oder ob Jane die Situation dramatisch übertrieb.

"Ist etwas... Schlimmes passiert?", fragte ich vorsichtig nach.

"Dass der Typ mit einem Skalpell auf mich losgegangen ist oder so? Nein, das nicht", beruhigte sie mich. "Ich hab ihn nur aus Versehen mal 'Doktor Smirnoff' genannt, seitdem ist er sauer auf mich und murmelt immer russische Schimpfwörter vor sich hin, wenn er mich sieht."

"Jane!", ermahnte ich sie, nachdem ich zu Ende gelacht hatte. Das war zwar äußerst unhöflich, aber ich hatte es mir nicht verkneifen können.

"Freut mich, dass du das lustig findest", kam die sarkastische Antwort.

"Eigentlich wolllte ich sagen, dass ich gar nicht wusste, dass du Russisch sprichst."

"Kann ich doch gar nicht." Jane klang verwirrt.

"Woher weißt du dann, dass es Schimpfwörter sind, was Doktor Popov vor sich hin murmelt?"

"Schlussfolgerung aus der Gesamtsituation", antwortete sie trocken. "Ich hab ihm einen Spitznamen gegeben, der ihm offensichtlich nicht gefällt, da wird er wohl keine romatischen russischen Gedichte murmeln."

"Gute Schlussfolgerung, Detective." Ich konnte ein Gähnen nicht unterdrücken. "Entschuldige, heute war ein langer Tag."

"Hm-mh, hier auch. Denk dran, morgen dein Halloween-Cowgirl-Outfit zu kaufen."

"Das werde ich, und auch gleich eins für dich mitbringen."

"Oh, das ist aber nicht nötig", wehrte sie hastig ab. "Außerdem kennst du meine Schuh- und Klamottengröße nicht."

"Doch, ganz genau sogar... ist das normal für Freundinnen, die genauen Schuh- und Kleidergrößen der anderen Person zu kennen?"

"Für Freundinnen? Keine Ahnung. Für life long best friends forever? Ich würde sagen, ja."

Die Antwort brachte mich zum Lächeln. "Gute Nacht, Jane. Wir sehen uns in zwei Tagen."

"Nacht Maura, schlaf gut." Damit legte sie auf und ich drehte mich auf die Seite, um mein Handy auf dem Nachttisch zu deponieren. Allerdings nicht, bevor ich Janes neuen Klingelton auch als Weckton für den nächsten Morgen eingestellt hatte.

Mein letzter Gedanke vor dem Einschlafen war: Ich frage mich, ob es auch ein Musikstück namens 'I'm Shipping Up To Houston' gibt? Houston ist ja schließlich auch eine Hafenstadt...
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