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Tagebuch einer Magd - Resia &' Julian auf Eltzenberg

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte, Historisch / P18 / Het
18.11.2021
29.11.2021
3
9.084
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18.11.2021 2.916
 
[Bevor ihr mit dem ersten Kapitel beginnt, möchte ich noch kurz meine Gedanken schildern. Die Idee zur Geschichte entstand vor vielen Jahren, wurde allerdings nie fertiggestellt. Als ich im letzten Jahr meine Anfänge las, hat mich das direkt inspiriert und ich habe weitergeschrieben. Dadurch sind die nachfolgenden Worte entstanden.
Ich liebe das Schreiben und wenn ich es tue ist es fast, als befände ich mich selbst in der Geschichte. Es geht mir nicht darum, perfekt zu sein oder zu werden. Ich möchte mit dem Schreiben nur meiner Kreativität einen Raum geben.
Ihr könnt mir natürlich gerne Rezensionen hinterlassen. Ohne einen falschen Eindruck zu erwecken möchte ich aber im Vorhinein sagen, dass sie vermutlich keine Bedeutung für mich haben werden. In dieser manchmal doch so ernsten Erwachsenen-Welt möchte ich einen Ort, an dem ich mich frei entfalten kann und nicht das Gefühl haben muss, etwas besser machen zu müssen. ♥
Danke für euer Verständnis &' nun viel Freude mit dem Lesen von Resia's Geschichte.
xoxo
Maroon]



Es ist ein ganz üblicher Tag, wie jeder andere. Ich stehe auf und wasche mir mein Gesicht, dass noch ganz schlaftrunken ist. Danach stecke ich sorgfältig mein Haar hoch, weil der Burgherr das so am liebsten mag, und ziehe mir das Kleid an, dass auf der Stuhllehne liegt. Ich atme tief durch und verlasse das kleine Zimmer im Turm, dass ich seit einiger Zeit beziehe.
Vor der Tür stehen meine Schuhe. Ich ziehe sie an und laufe zum Speisesaal.
Der Burgherr speist bereits mit seiner Frau. An der Tür gegenüber des Speiseraumes stehen ungewöhnlich viele Wachen und Ritter beisammen. Anscheinend haben sie ihre Arbeit aber noch nicht begonnen. Sie reden ausgelassen und lachen. Seltsam...
Unser Herr würde so etwas für gewöhnlich nicht dulden. Er ist immer sehr erpicht darauf, dass seine Untertanen fleißig sind und die Zeit nicht mit Belanglosigkeiten verbringen. Als ich einen genaueren Blick auf die Männer werfe, erkenne ich keinen einzigen von ihnen. Scheinbar sind sie neu auf der Burg.
Ich setze das überzeugendste Lächeln auf, das ich habe und betrete den großen Speisesaal.
„Guten Morgen, mein Lord“, sage ich in freundlichem Ton.
Unter lauten Grunzgeräuschen und Schmatzen quetscht er ein „Guten Morgen“ hervor.
Seine bereits ergrauten Haare liegen ihm unordentlich über die Schultern und er sieht zerknirscht aus. Sein Blick ist eisern auf sein Frühstück gerichtet.  
Lord Konstantin herrscht über ein großes Stück Land und lebt hier oben in der Burg auf dem höchsten Berg in der Umgebung. Er ist sehr beschäftigt und daher oftmals bereits am Morgen gestresst. Auch wenn er ein eher gefühlskalter Mensch ist, scheint ihm etwas an mir zu liegen. Das stellt mich besser als die meisten Menschen, die mit mir auf der Burg leben. Um ehrlich zu sein, finde ich ihn furchtbar kaltherzig. Natürlich lasse ich mir das nicht anmerken.

Ich helfe den Bediensteten beim Auftischen der anderen Leckereien, die Lord Konstantin jeden Tag serviert bekommt und bin bei ihm, bis er fertig gespeist hat. Gemeinsam mit den anderen Mägden räume ich das schmutzige Geschirr ab.
In der Küche werde ich momentan nicht mehr gebraucht, deshalb bleibe ich einfach in der Nähe der Wachen stehen. Zwei von ihnen sind hoch in den Turm gegangen und die anderen drei Verbliebenen stehen stumm nebeneinander.
„Res?“, ruft der Burgherr in seinem üblichen Befehlston. Ich laufe sofort zu ihm an den Tisch und antworte: „Was kann ich für Euch tun?“
„Bitte bringe den anderen Wachen oben im Turm auch etwas zu essen. Lass dir in der Küche etwas geben.“
Er klingt außergewöhnlich freundlich und ich schreite sofort zur Tat.
In der Küche geben sie mir einen geflochtenen Korb mit frischem Brot und Fleisch. Schnell begebe ich mich die vielen Treppen aufwärts in den Turm der Wachen und Ritter.
Ich höre sie schon von Weitem, denn sie reden laut miteinander. Hinter der nächsten Ecke stehen sie, aber als ich den Namen Konstantin höre, halte ich inne und lausche.
„Als ob er es so gut mit uns meinen würde!“
„Niemals! Seht euch an was er mit Julian macht! Zu wem ist er schon freundlich und gütig?“, sagt ein anderer.
„Zu keinem! Seine Machenschaften sind....Moment mal, war da was?“
Alle werden mit einem Mal ruhig. Verdammt... Ich laufe um die Ecke und stelle Brot und Fleisch auf den Tisch.
„Das soll ich euch bringen.“
Ich sehe sie an. Ihre Helme haben sie abgesetzt, trotzdem kenne ich viele der Männer nicht. Einige wenige sind mir schon einmal begegnet, aber ich kenne noch nicht einmal ihre Namen.
„Danke“, erwidert ein schwarzhaariger junger Mann in meinem Alter.
Er mustert mich. Ich drehe mich um und bin gerade an der ersten Treppenstufe, der in sich gewundenen Steintreppe, als er mich wieder zurückruft.
„Res, warte.“
Meine Augen weiten sich. Woher kennt er meinen Namen? Ich drehe mich um und sehe ihm direkt in die Augen.
Kurz zögert er und alle scheinen unsicher zu sein, wie sie mit mir umgehen sollen. Sie sind sich nicht sicher, ob sie mir vertrauen und was sie mir sagen können.
„Richte Lord Konstantin unseren Dank aus.“
Ich nicke und laufe in schnellen Schritten nach unten. Was wollten sie mir wirklich sagen? Irgendetwas stimmt doch nicht.
Unten im Palast angekommen verrichte ich die Arbeiten, die anstehen und bekomme am Nachmittag frei, da ich alles erledigt habe.
Draußen herrscht wunderbares Wetter und ich möchte es gerne ausnutzen.

Schlendernd laufe ich über den Burghof nach draußen in das nahegelegene Dorf. Mein helles Kleid schwingt bei der leichten Briese um meine Beine.
Meine Haare trage ich nun offen. Die hellbraunen Strähnen wehen im Wind umher. Meine Gedanken gehen immer wieder zu dem Gespräch der Männer, dass ich vorhin belauscht habe.
Welchen Namen hatten die Männer vorhin erwähnt? Julian? Ich glaube, er kommt mir bekannt vor. Ich habe den Lord schon über ihn sprechen hören.

Während meine Gedanken umherschwirren, kann ich bereits die Häuser des Dorfes sehen. Ich laufe über einen schmalen Weg nach unten durch den dichten Wald aus Tannen und Fichten. Der Weg ist steil, aber ich genieße die Spaziergänge durch die Natur. Im Dorf angekommen möchte ich zuerst zu einem Bekannten gehen, der Öle aus Heilkräutern und Pflanzen herstellt. Ich interessiere mich für die Natur und deren heilende Wirkung. Daher bin ich mittlerweile fast wöchentlich im Dorf, um mich mit den Menschen auszutauschen und Öle sowie Kräuter zu besorgen.  

Weit komme ich nicht. Plötzlich werde ich aus meinen Gedanken gerissen und etwas Unerwartetes passiert.
Der Großalarm wird in der Burg ausgelöst. Ich höre die Trompeten und alle Menschen laufen schreiend durcheinander in ihre Häuser.
Verwirrt sehe ich mich um und blicke zur Burg empor. Schnell beschließe ich, mich auf den Weg zurück zur Burg zu machen und halte mein Kleid in beiden Händen.
Aber in dem Gewirr von Menschen werde ich andauernd vom Weg geschoben. Die Leute schubsen sich gegenseitig zur Seite und trampeln achtlos über andere hinweg.
Ein Mann rennt schnurstracks auf mich zu und ich kann nur mit Mühe ausweichen. Rechts und links von mir sind aufgeregte Frauen, die versuchen in ihre Häuser zu kommen. Ein anderer Mann kommt auf mich zu und bei diesem Mal schaffe ich es nicht, zur Seite zu hechten.
Mit einem lauten „Platz da!“ prallt er gegen mich. Der abrupte Schlag kommt heftig und mir bleibt die Luft weg. Taumelnd falle ich zu Boden. Ein blitzartiger Schmerz durchfährt mich. Der Mann, dem ich das alles zu verdanken habe, ist bereits aufgestanden und weitergerannt.
Kurz bevor ich von einem Pferd niedergetrampelt werde, rolle ich mich zur Seite. Doch ich komme genau einem großen Mann mit Rüstung in den Weg. Er tritt auf mich und rennt dahin.
Verärgert ziehe ich mich hoch und renne so schnell ich kann zur Burg. Den stechenden Schmerz versuche ich auszublenden.
Die Wachen sind gerade dabei, das Tor hochzuziehen. Oh nein! Ich erhöhe die Geschwindigkeit auf das Maximum, sprinte ich zu ihnen und brülle „STOP!“
Zum Glück werde ich gesehen und renne gerade noch über die Brücke.
„Danke“, keuche ich, als ich an ihnen vorbeilaufe.
Sie ziehen die Brücke hoch und verschließen sie fest.
„Was ist passiert?“ Ich sehe sie verwundert an und ringe um meinen Atem.
„Geh rein!“, ruft einer von ihnen und schubst mich grob in Richtung des Turmes, wo ich schlafe.
Ich mache mich auf den Weg zu meinem Raum im Turm und ärgere mich über die Menschen, die so achtlos miteinander umgehen. Dabei reibe ich geistesabwesend meinen schmerzenden Arm.
Auf dem dunklen Gang im Turm begegnet mir die Frau des Lords. Mit kalten Augen begegnet sie meinem Blick und reckt ihr Kinn nach oben.
„Was ist passiert?“, frage ich sie aufgeregt und hoffe, dass wenigstens sie mir etwas sagen kann.
"Mit so etwas wie dir rede ich nicht“, erwidert sie ohne mich eines weiteren Blickes zu würdigen und stolziert davon.
Kopfschüttelnd gehe ich weiter und bin froh, als ich die Tür zu meinem Raum erreiche.
Ich lege das Kleid ab und beiße die Zähne zusammen. Was ist eigentlich heute mit allen los?
Ich betrachte meinen Körper. Auf meinem unteren Rücken erstreckt sich ein großer Bluterguss. Mein Gesicht und meine Arme sind zerkratzt und auf dem Oberschenkel habe ich einen Schnitt, der noch immer blutet. Ich muss beim Sturz auf etwas spitzem aufgekommen sein.
Es schmerzt und ich überlege, mich behandeln zu lassen. Die medizinische Versorgung ist nicht die beste, aber immerhin haben wir einen Heiler in der Burg. Zumindest, sofern der Lord ihn nicht fortgejagt hat.  
Nach langem hin und herüberlegen entschließe ich mich letztendlich dazu. Es ist bereits Abend, aber der Burgherr speist um diese Zeit normalerweise noch im großen Saal. Ich ziehe mein Kleid wieder an und suche ihn auf. Mir ist mulmig zumute. Schwäche zeige ich nur ungerne vor ihm, aber ich fühle mich wirklich nicht gut und hoffe, die richtige Entscheidung zu treffen.

Im großen Saal angekommen sitzt er tatsächlich noch dort und trinkt Wein aus einem großen Krug. Seine Frau sitzt neben ihm. Ich beachte sie nicht weiter, sondern wende mich direkt an ihn.
„Mein Lord, als der Alarm ausbrach, befand ich mich in der Stadt. Alle sind wild umhergelaufen und ich wurde verletzt. Dürfte ich das bei einem Heiler behandeln lassen?“  
Er betrachtet mich. Als seine persönlich zugewiesene Magd ist es seine Entscheidung, was mit mir passiert.
Ungeniert mustert er mich und die Kratzer in meinem Gesicht. Dann lässt er seinen Blick weiter zu meinen Brüsten wandern. Das tat er leider häufig und es ist mir bei jedem Mal sehr unangenehm. Ihn scheint es auch nicht zu stören, dass seine Frau genau neben ihm sitzt. Ich lasse den Blick über mich ergehen und sehe ihn standhaft an.
„Wir haben jemanden in der Burg, der sich mit Heilkunde auskennt. Du kannst zu ihm gehen.“
„Ich danke Euch“, erwidere ich und lächele ihn an. Mein Lächeln ist gespielt, aber das ist keine Seltenheit.
Auf dem Weg zum Heiler habe ich ständig dieselben Fragen im Kopf: Weshalb wurde der Alarm ausgelöst? Und über was haben die Männer vorhin gesprochen? Wer ist Julian und was hat der Lord mit ihm gemacht?

Ich klopfe an die schwere Tür des Heilers und er bittet mich herein. Ein großer, braunhaariger junger Mann steht neben ihm. Sein Oberteil liegt auf einer Stuhllehne und der Heiler begutachtet seinen Rücken.
„Oh, bitte entschuldigt. Ich wollte nicht…“, beginne ich, aber da unterbricht der Heiler mich.
„Schon in Ordnung. Bleib hier. Ich bin gleich mit Julian fertig.“
Als ich den Namen höre bin ich kurz erschrocken. Das ist also Julian? Er wirft mir einen Blick zu - ein gequältes, kurzes Lächeln. Ich schaue seinen Rücken an und sehe das Blut und die klaffende Wunde.
„Was ist passiert?“, frage ich und mache einen Schritt auf ihn zu, obwohl mir das gar nicht zusteht.
„Unwichtig. Viel wichtiger ist, dass er morgen kämpfen kann. Wir haben schlechte Chancen“, entgegnet mir der Heiler schnell. Er lässt Julian nicht selbst antworten.
„Kämpfen? Was ist hier überhaupt los?“, frage ich.
Langsam werde ich verdammt wütend. Es ist doch nicht die Möglichkeit, dass mir keiner sagt, aus welchem Grund ein Großalarm ausgelöst worden ist.
„Wir werden bald angegriffen. Der Burgherr hat ein paar Fehler begangen“, meint der Heiler, während er mit einem Tuch über den Rücken seines Patienten wischt. Mit schmerzverzerrtem Gesicht krallt er sich an einem Stuhl fest. Ich kann das nicht länger mit ansehen. Hat dieser Mann keine Ausbildung mit Kräutern und dem richtigen Versorgen von Verletzten bekommen?
„Sie tun ihm weh! Geben sie das her!“
Ich reiße ihm das Tuch aus der Hand und der Heiler schaut mich erschrocken an. Normalerweise wird so ein Verhalten nicht gewürdigt, aber er ist sowieso nicht sehr beliebt bei Lord Konstantin, seitdem er seiner Frau die falsche Kräutersalbe gab. Mit dem befeuchteten Tuch fahre ich den Rand der Wunde nach und wasche nach und nach das getrocknete Blut ab. Der Griff von Julians Hand lockert sich etwas.
„Haben Sie Kamille da?“, frage ich.
„Ja, einen Moment.“ Er verlässt den Raum und lässt uns alleine.

Mit einem Mal ist es ganz still. Mit dem Fuß ziehe ich einen Strohsack her und sage zu Julian: „Leg dich bitte auf den Bauch. Es wird dich weniger anstrengen, als stehen zu bleiben.“
Verwundert und ohne jeden Widerspruch hört er auf meine Worte und liegt im nächsten Moment auf dem Sack.
„Wieso hilfst du mir?“, fragt er leise, fast geflüstert.
„Wieso sollte ich nicht?“, gebe ich zurück.
Er gibt mir keine Antwort mehr. Die Tür schwingt auf und der Heiler gibt mir die Kamille in einem Holzgefäß. Ich zerstampfe sie und mische Wasser dazu. Die dadurch entstandene Paste reibe ich dünn auf die Wunde. Mein Blick wandert über seinen starken Rücken.
„Ich bin fertig. Nimm' das hier mit und lass es dir jeden Tag zwei Mal auftragen, dann sollte die Wunde verheilen.“
Er richtet sich auf und dankt mir leise. Dann nimmt er die Schale und geht aus dem Raum.
„Nun zu dir. Was führt dich her?“, fragt mich der Heiler, als Julian verschwunden ist.  
Ich berichte ihm von dem, was in der Stadt geschehen ist und zeige ihm die Wunde.
Zuerst begutachtet er meinen Rücken. Mit seinen kalten Fingern öffnet er mein Kleid und fährt mit dem Finger über die schmerzende Stelle.
„Nichts Tragisches. Das verheilt wieder.“
Ich bin erleichtert und er verschließt mein Kleid wieder. Als nächstes zeige ich ihm den Schnitt auf dem Oberschenkel. Er grinst leicht, aber ich versuche, es zu ignorieren.
"Das ist zu tief, wir können die Wunde nicht offenlassen."
Mit einem Stück Stoff wirkt er Druck auf meine Wunde aus, woraufhin ich zischend die Luft zwischen meinen Zähnen einziehe. Schnell bindet er den Stoff zusammen.
"Beobachte das. Falls es nicht zuheilt, kommst du wieder."
Ich danke ihm, verabschiede mich und laufe zurück zu meinem Wohnraum.

Die Müdigkeit überkommt mich und ich lege mich auf das kleine Bett. Der Tag geht mir durch den Kopf. Julian sah so traurig aus - und er war verletzt. Wahrscheinlich war er zu der Zeit, als der Alarm ausgelöst worden war, auch nicht in der Burg.
Ich mache mir Sorgen und überlege, ob ich aufstehen und nach ihm sehen sollte.  
"Verdammtes Gewissen", fluche ich und stehe auf.
Mit dem dünnen Nachtgewand begebe mich auf den Weg zum Turm der Wachen. Ich hoffe inständig, dass mich keine andere Magd sieht.
Mit einem mulmigen Gefühl betrete ich den Gemeinschaftsraum der Männer. Ich schwinge meine langen Haare über die Schulter und versuche, stark zu klingen.
„Ihr könnt mir doch sicher sagen, wo ich Julian finde, oder?“
Sie sehen betrunken aus, aber einer von ihnen antwortet mir schließlich
„Ganz nach oben, das Zimmer links. Aber du kannst auch gerne bei uns bleiben.“
Ich nicke dankbar und laufe barfuß die steinerne Wendeltreppe nach oben. Einen weiteren Kommentar auf ihr Angebot verkneife ich mir lieber.
Als ich vor seiner Tür stehe, zögere ich. Ich spüre, wie mein Herzschlag schneller wird. Wie wird er wohl reagieren? Letztendlich klopfe ich. Zuerst passiert nichts, aber dann vernehme ich ein leises „Herein“. Ich drücke die Türklinke runter und betrete das Zimmer.
„Hallo. Ich... ich wollte nur nochmal nach dir sehen. Ich weiß, wir kennen uns nicht, aber deine Verletzung sah so schlimm aus und...“, bevor ich weiter reden kann, steht er auf und legt einen Finger auf seinen Mund.
Ich weiß nicht ganz, was das soll. Ich sehe verwundert zu ihm hoch.
„Warum folgst du mir?“, fragt er leise.
„Ich folge dir nicht. Es war nur, weil ich Sorgen hatte, dass deine Verletzung nicht gut heilt und es dir schlecht geht.“
„Geh jetzt“, bittet er mich. Sein Blick ist leer. Ich verstehe ihn nicht und fühle mich im nächsten Moment ziemlich dämlich.
„Na gut.“
Ich wende mich zum Gehen um und laufe niedergeschlagen die Treppen runter. Auf einmal tauchen vor mir drei Männer auf, wahrscheinlich Ritter. Ich versuche an ihnen vorbeizukommen, werde aber festgehalten.
„Lassen Sie mich weiter“, sage ich energisch.
„Bist du die Mätresse?“, fragen sie mich.
„Nein!“, erwidere ich wütend und reiße mich los. Sie scheinen kein Interesse zu haben, mir nachzulaufen. Schnellen Schrittes entferne ich mich.
Ich habe das Gefühl, das sie mir nachgelaufen sind und schließe deshalb vorsichtshalber ab. Den verrosteten Schlüssel lasse ich stecken.
Ich lege mich wieder in mein Bett und versuche, nicht mehr an die Begegnung mit Julian zu denken. Vermutlich habe ich mich ziemlich blamiert, aber es ist mir egal. Ich wollte ihm helfen und aus irgendeinem Grund mag ich ihn - auch wenn ich ihn noch gar nicht richtig kenne.
Nur schwer finde ich in den Schlaf, drifte aber irgendwann ab und lande in einer verwirrenden Traumwelt.
 
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