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Happy together

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Het
Alexandra Rietz Gerrit Grass Michael Naseband Robert Ritter
17.11.2021
16.05.2022
19
35.309
3
Alle Kapitel
32 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
07.02.2022 2.229
 
Guten Morgen ihr alle!
Ich hoffe ihr hattet alle ein schönes Wochenende? Meins war etwas blöd, mir hat es in der Wand Kabel zusammen geschmolzen und ich hatte den Großteil des Wochenendes keinen Strom - aber schlimmer war es Gott sei dank nicht. Also wäre es möglich, dass ich es jetzt nicht schaffe euch nächste Woche ein neues Kapitel zu präsentieren - das hier hatte ich schon fertig. Aber ich hoffe ihr versteht das ;)
Wünsche euch allen eine tolle und entspannte Woche!
LG,
Gray

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Gerrit suchte die Adressen heraus und stutzte ein wenig. Die Adresse des Mannes war nur einige Straßen von der Wohnung des Opfers entfernt. Es machte keinen Sinn, wenn Michael und Robert durch die Stadt fuhren und so rief Gerrit die beiden an und teilte ihre neue Aufgabe mit, wonach er eine Streife beauftragte Heide Berlhofer zu besuchen und sowohl den Tod ihres Opfers bekannt zu geben als auch schon eine vorab Befragung durchzuführen. Damit blieben ihm und Alex nur der Laden in der Innenstadt.

Seufzend erhob er sich aus seinem Stuhl und machte seine Kollegin auf sich aufmerksam. „Alex?“, fragte er während er sie ansah. Sie schien in irgendetwas in ihrem PC vertieft und es dauerte einen Moment bis ihr Blick zu ihm wanderte. „Hm? Ich habe nicht zugehört.“, brummte Alex und ihre Stirn kräuselte sich, während sie sich auf Gerrits Gesicht konzentrierte.

„Robert und Michael fahren zu Heiko Gebherd nach Hause, einer der häufigeren Anrufe auf dem Handy der Toten. Er wohnt beinahe um die Ecke vom Tatort. Wir müssen dagegen zu einem Ladengeschäft in der Innenstadt, ich schätze es handelt sich um die Arbeitsstätte der Toten. Vielleicht finden wir hier etwas heraus.“ Alex nickte und stand auf, bevor sie sich ihre Jacke überzog. Auch Gerrit machte sich fertig und wartete an der Tür, wo er sich noch einmal zu seiner Freundin umdrehte,  nicht imstande weiter zu schweigen.

„Und Alex, ich…“, Gerrit begann leise, doch dann kamen Max und Hanna schwatzend hinein und er verstummte wieder. Alex lächelte die beiden an, die so unauffällig wie möglich versuchten ihre Hände voneinander zu lösen, was ihnen aber gründlich misslang. „Wir lassen euch Turteltäubchen lieber mal allein!“, zwinkerte die blonde Kommissarin neckisch und schob sich an ihren drei Kollegen vorbei aus der Tür. Gerrit nickte den beiden knapp zu und folgte ihr stumm. Alex war so schnell, dass Gerrit seine liebe Mühe hatte hinter ihr her zu kommen. Er verfolgte sie und bekam das Gefühl nicht los, dass sie vermeiden wollte mit ihm zu sprechen.

Er berücksichtigte ihren offensichtlichen Wunsch und ließ sie in Ruhe, doch er konnte nicht ewig stumm bleiben und startete erneut einen Versuch, als die beiden im Auto saßen. Gerrit legte seine Hand vorsichtig auf die von Alex, während sie den ersten Gang einlegte und sah sie an. „Alex, wir sollten über gestern reden.“ Er spürte, dass seine Freundin sich unnatürlich versteifte, als hätte sie Angst. Dann sprach sie genau die Dinge aus, die Gerrit erwartet hatte,  aber nicht hören wollte.

„Nicht hier Gerrit, nicht solange wir in der Arbeit sind. Das sind private Dinge, die wir nicht hier besprechen sollten. Abends vielleicht.“ Alex‘ Tonfall war ruhig aber bestimmt und Gerrit wusste ja, dass sie recht hatte, doch ihm gefiel diese Stille zwischen ihnen nicht. Wie sollte er denn dann mit ihr sprechen?

Vorgeben, dass nichts mehr zwischen ihnen war und sie nur Kollegen waren? Das hatten sie doch schon eine lange Zeit so gemacht und langsam nervte ihn diese Heimlichtuerei sehr. Er spürte ohne Hinsehen wie Alex sich zurückzog. Sie zog ihre Hand vom Schaltknüppel und legte sie aufs Lenkrad, sodass Gerrit seine ebenfalls zurück ziehen musste, wenn er sie nicht beim Fahren stören wollte. Erneut war dieser Spalt zwischen ihnen und ungemütliche Stille breitete sich aus. Also gut, wenn sie nicht wollte, dass sie in der Arbeit ein Pärchen waren, dann würde Gerrit sich auch so verhalten und so schwieg er trotzig während das Radio im Hintergrund vor sich hin dudelte.

Doch seine Gedanken kreisten weiter um Alex und wanderten schließlich zu seinem Streit mit Michael zurück. Der schien ihm schon wieder so lange her, dabei war es erst gestern gewesen. Er hatte Robert von Alex‘ Beichte erzählt gehabt, als er im K11 angekommen war. Es war außer ihnen niemand dort gewesen und sie hatten etwas Ruhe gehabt ohne Angst haben zu müssen, belauscht zu werden. Robert war der einzige, der von Gerrit und Alex wusste und das auch nur gezwungenermaßen, da er sie einige Wochen zuvor zusammen gesehen und Gerrit darauf angesprochen hatte.

Gerrit hatte ihn für sein Schweigen zum Essen einladen müssen und er war froh, seinen besten Freund nicht weiter anlügen zu müssen. Trotzdem hatte Gerrit darauf beharrt, dass es ein Geheimnis blieb und Robert es für sich behielt, solange Alex darauf bestand. Er hatte noch ein klein wenig erzählt, was sie am Wochenende so getrieben hatten und dass er bei Alex geschlafen, aber jetzt keine Gelegenheit gehabt hatte, sie wegen ihrer Baby-Beichte zu beruhigen.

Blöderweise war Michael unbemerkt von beiden eingetreten, hatte den letzten Teil mitbekommen und war regelrecht ausgeflippt. Wie Gerrit mit Alex zusammen sein konnte ohne es ihm zu erzählen und wieso er so ein Geheimnis draus machen musste. Gerrit hatte schon immer geahnt, dass Michael tiefere Gefühle für Alex hegte, aber mit solch einem Ausbruch hatte er nicht gerechnet. Und während Gerrit noch versuchte seinem Kollegen Einhalt zu gebieten und sich zu erklären, fluchte Michael schon weiter, was er denn für ein Mann sei Alex so einfach zu verlassen und in solch einem Moment nicht für sie da zu sein. Er sei ein Feigling und hätte sie nicht verdient. Da wurde es Gerrit wirklich zu bunt und auch ihm riss der Geduldsfaden. Er brüllte Michael an, dass er still sein sollte, dass ihn das alles nichts anging und warf ihm noch ein, zwei Dinge an den Kopf, die er inzwischen bereute. Und dann war Alex zwischen ihnen gestanden. Plötzlich ohne Vorwarnung und mit Entsetzen und so verwirrten Blick, dass Gerrit sofort Gewissensbisse bekommen hatte. Und nun saß er hier und konnte weder das eine noch das andere Thema zur Sprache bringen.

Wann er wohl mit ihr reden konnte? Unauffällig schielte er zum Fahrersitz hinüber und beobachtete Alex durch die Wimpern hindurch. Das war die zweite Fahrt des Tages, die sie so schweigend verbrachten aber er wusste auch nicht was er sagen konnte, ohne Alex krumm zu kommen und so sagte er lieber nichts.  



Alex hasste sich ein wenig für ihre Antwort auf Gerrits Annäherung, aber sie konnte über das Babythema jetzt nicht mit ihm reden. Nicht während der Arbeitszeit, wo sie keine Gelegenheit hatte sich in Ruhe zurückzuziehen, wenn er sie vor vollendete Tatsachen stellte. Nicht hier in einem Auto, das sie steuerte, und in dem sie für das Leben einer anderen Person verantwortlich war. Und im K11 selbst wusste man nie, wer zuhörte und sie wollte auf keinen Fall, dass ihre Beziehung oder besser ein offensichtlicher Beziehungsstreit Gesprächsstoff im Flurfunk wurde – es reichte schon, dass Gerrits und Michaels Streit von gestern überall bekannt war. Und immer noch hielten alle den Mund, worum es bei diesem Streit überhaupt gegangen war. Aber natürlich gab es die buntesten Gerüchte – Gerrit hätte Michael um Geld betrogen, es ging um eine Frau oder natürlich das Lieblingsgerücht: ein Streit um Alex. Ein Gerücht abstruser als das andere.

Nein. Es war besser wenn sie in Ruhe über Ihre Beziehung und Kinder redeten und nicht in der Arbeit. Jedenfalls redete sich Alex das ein, wann immer ihre innere Stimme sie vom Gegenteil zu überzeugen versuchte. Alex unterdrückte einen leisen Seufzer, das würde eine lange und unangenehme Fahrt werden, da konnte nicht einmal der gutgelaunte Radiomoderator etwas dagegen tun.



Robert und Michael hingegen hatten das Wohnhaus des Mordopfers an die Spurensicherung übergeben und waren auf dem Weg zu dem Inhaber der zweiten Telefonnummer, Heiko Gebherd. Da es sich lediglich um drei Blocks handelte, hatten sie beschlossen zu laufen, doch Robert bereute diese Entscheidung ziemlich. Es mochte Michael nichts ausmachen, doch die Sonne brannte jetzt bereits auf sie herunter, obwohl es erst halb elf war. Roberts Haarpracht ließ ihn schwitzen und einmal mehr überlegte der junge Mann sich die Matte einfach abzurasieren, doch dann warf er kur einen Blick auf Michaels Platte und entschied sich erneut dagegen. Er entledigte sich seines Hemdes, welches er locker über den Unterarm schwang und war froh, dass er kein schwarzes sondern ein weißes T-Shirt trug. Michael belächelte zwar die Handlung seines Kollegen, doch auch seine Stirn begann schon ein leichtes Rot anzunehmen und es war nur eine Frage der Zeit bis er einen Sonnenbrand bekam. Doch zum Glück waren sie endlich da und traten in den schützenden Schatten des nächsten Hochhauses.

Robert ging vor und besah sich bereits die Namen an den zahlreichen Briefkästen während Michael langsam näher schlenderte und seinen Blick eher auf die Umgebung richtete. Es gab Graffiti an den Wänden, Mülleimern und einer Straßenlaterne, kleine Aufkleber der Bayern und 1860 kleben darüber, ein Logo überlebte das andere, damit ja ein Verein am Ende die Oberhand hatte. Und das wo die beiden Vereine schon lange nicht mehr in der gleichen Liga spielten. Da lobte sich Michael doch die gute alte Fortuna, das war kein so ein Kleinkinderkram sondern noch gute gesunde Rivalität. Aber auch das Aufkleber überkleben war inzwischen nichts Ungewöhnliches mehr und das Haus sah aus wie ein gewöhnliches Hochhaus in dieser Gegend. Michael wandte den Blick ab und sah zu Robert, der scheinbar immer noch nach dem richtigen Klingelschild suchte. Halb genervt halb belustigt trat Michael näher und nahm seinen Kollegen aufs Korn. „Sag mal Robert ich hab gar nicht gewusst, dass du schon so alt bist, dass du eine Brille brauchst. So viele Wohnungen gibt es hier doch auch nicht – wie wäre es denn endlich mit klingeln?“

Robert schoss ihm einen wütenden Blick zurück und beschwerte sich: „Ganz ehrlich die Klingelschilder hätten sie auch mal leserlicher anbringen können. Da erkennt ja kein Mensch irgendwas.“ Doch noch bevor Michael sich daneben stellen und Kluges von sich geben konnte, hatte Robert den Namen gefunden. „Ha!“, stieß er hervor und drückte den Knopf während er Michael angrinste. „Von wegen Brille.“, frotzelte er kurz, dann ertönte der Buzzer und Robert schob die Türe auf, um nach oben zu gehen.

Oben wurden sie schon erwartet, ein kleiner Mann mit wässrigen Augen und schlechtem Teint stand vor ihnen und bat die Kommissare in sein Wohnzimmer. Er hatte eine gedrungene Statur aber wachsam blitzende Augen, deren grün unter den tief gezogenen Augenbrauen hervorstach. Seine ganze Haltung war die eines alten Mannes und irgendwas störte Michael an dem Anblick. Warum sollte eine so hübsche Frau wie Saskia Berlhofer mit so jemandem zusammen sein? Oder waren die beiden nur befreundet gewesen? Robert ergriff das Wort und erklärte dem Mann wer sie und weshalb sie bei ihm waren. Michael blieb passiv, zog im richtigen Moment seinen Ausweis hervor und blieb sonst in der Rolle des stummen Beobachters, während sein Kollege die Befragung führte. Robert schaffte das auch allein.

Doch je länger Michael zuhörte, desto schlechter fühlte sich das hier an. Er starrte den Mann vor sich an, dessen ganze Haltung nicht mit seinen Worten und seinem Gesichtsausdruck zusammenpassen wollte. Der Mann war überraschend ruhig gewesen als sie ihm die Nachricht vom Tod der Frau, tatsächlich war sie seine Freundin gewesen, überbracht hatten. Michael konnte den Finger nicht darauf legen was genau ihn störte, aber der Mann log. Trotzdem hörte er weiter zu, wie Heiko Gebherd seine Sicht der Dinge erzählte.

„Ja, Saskia hat damals gegen Jordan ausgesagt. Das war eine schlimme Zeit für sie. Sie hatte monatelang Albträume und konnte kaum alleine sein. Es hat wirklich lange gedauert, bis sie wieder entspannt schlafen konnte. Und jetzt wurde sie wirklich ermordet! Wie konnte das passieren? Ist dieser Jordan wieder auf freiem Fuß? Ich war auf Geschäftsreise in Ingolstadt diese Woche und bin erst von ihrem Kollegen informiert worden. Ich wollte mich doch heute Abend mit Saskia treffen!“ Seine Stimme wurde brüchig und er schien den Tränen nahe.

Robert trat ungeduldig von einem auf den anderen Fuß. Er wollte dem Mann genug Zeit zum Trauern geben aber es pressierte ihm trotzdem. Es gab vermutlich einen Serienmörder zu fassen und der Mann hier kostete nur Zeit. Äußerlich so ruhig wie möglich beobachtete der Kommissar wie sich der Mann vor ihm ein Taschentuch holte und leise hinein schnüffelte. „Herr Gebherd, können Sie sich denken, wer Frau Berlhofer umbringen wollte? Hatte sie Feinde? Gab es Streit?“, fragte er sachlich.

Zu Roberts Überraschung verdächtigte sich der Mann im nächsten Augenblick selbst. „Ja, ich hatte Streit mit Saskia, gestern am Telefon. Es ging um ihre Freundin Simone, sie ist gestorben und das hat Saskia sehr mitgenommen. Ich habe versucht sie zu beruhigen, dass ihr nichts geschehen kann und dass der Mörder, der ihr so Panikattacken verschafft hat, im Gefängnis sitzt. Ihr konnte gar nichts geschehen. Aber sie ist total ausgeflippt und hatte Angst, dass ihr auch etwas zustoßen konnte. Aber leider konnte ich meine Dienstreise nicht abbrechen und jetzt ist sie auch noch tot.“

Michael musste sich sehr zusammenreißen, um nicht ungläubig zu schnauben. Das war doch alles gelogen! Wie konnte man auf einer Dienstreise bleiben, deren Ort gerade einmal eine Stunde entfernt war, während die eigene Freundin in Schwierigkeiten steckte? Und doch behielt er Wut und Argwohn für sich, verlagerte lediglich das Gewicht auf den anderen Fuß und blieb der stumme Beobachter im Hintergrund.
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