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Happy together

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Het
Alexandra Rietz Gerrit Grass Michael Naseband Robert Ritter
17.11.2021
16.05.2022
19
35.309
3
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Dieses Kapitel
1 Review
 
21.01.2022 1.605
 
Hallo zusammen,
Ich wünsche euch vorab schon einmal ein schönes Wochenende! :)

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Der Tatort in der Nürnberger Straße war bereits von den Kollegen der Streife gesichert, die den Kommissaren bei ihrem Eintreffen auch alle Informationen durchgaben. Jörg, einer ihrer Freunde bei der Streife, war so nett: „Also unser Einsatz war eigentlich häusliche Gewalt, die Nachbarin hat angerufen, da sie laute Stimmen aus der Wohnung unterhalb gehört hat. Doch als wir eintrafen war bereits alles still und wir haben erst geklopft und geklingelt aber nichts. Dann haben wir uns den Schlüssel vom Hausmeister geholt und aufgesperrt. Und leider die Frau hier gefunden, da war nichts mehr zu machen.“ Alex starrte auf die Leiche, während Michael sich daneben kniete und mit Handschuhen nach Dokumenten suchte. Er wurde nicht fündig, blieb aber in seiner Position sitzen, sinnierend über etwas, das er nicht mit Alex teilte. Die Kommissarin sah sich in der Wohnung um, ob  etwas auf die Identität der Frau hinweisen könnte. Ob sie die Bewohnerin war? Zufällig hier? Oder nur zu Besuch?

Michael unterbrach ihre Untersuchung noch bevor sie in das nächste Zimmer gehen konnte. „So eine Wunde habe ich schon einmal gesehen.“ Alex starrte ihn verwundert an, eine Messerwunde hatten sie beide schon gesehen. Was sollte also diese besondere Stimme? Michael kratzte sich an der Stirn, es war ihm anzusehen, dass er scharf nachdachte und Alex störte ihn nicht weiter dabei.

„Die Kanten der Wunde sind so merkwürdig ausgefranst, solche Wunden reißt eine spezielle Art Messer, wie ein Jagdmesser oder so. Ich hatte einen Fall vor Jahren, da habe ich in einem anderem Dezernat ausgeholfen und dort hatten wir eine Reihe von Einbrüchen mit Todesfolge. Alle Opfer hatten ähnliche Wunden wie dieses hier. Allerdings haben wir den Täter damals fassen und hinter Gitter bringen können. Mir fällt nur der Name nicht mehr ein, sonst könnte ich mir die Fallakte noch einmal herholen und sehen, ob der Täter von damals schon wieder frei ist.

Ich muss den Doc später fragen, ob er sich noch an den Namen erinnert, wenigstens von einem der Opfer. Der hat doch sonst immer so ein Elefantengedächtnis.“ Alex zuckte mit den Schultern, sie hatte keine Ahnung wovon Michael sprach aber wenn es den Fall einfacher machte, sollte es ihr recht sein. Und schaden konnte es nicht den Doc zu fragen, der müsste ja auch jeden Moment eintreffen. Sie suchte weiter nach Hinweisen auf die Identität der Toten und wurde in der Küche fündig, wo eine Handtasche auf dem Tisch lag. Alex fand Ausweis, Führerschein und Geldkarten darin, die die Tote als Simone Hermann identifizierten. Alex suchte nach dem Handy der Toten, doch sie konnte es nirgends entdecken.

Die Spurensicherung und der Doc trafen wie erwartet zwanzig Minuten später ein und Alex gab den Kollegen den Auftrag alles nach dem Handy zu durchsuchen, bevor sie dem Doc zurück zu Michael folgte.

Alex kam ins Zimmer und hörte noch die Frage ihres Kollegen: „Erinnerst du dich noch?“ Der Doc schob sich die Brille höher auf die Nase und überlegte laut denkend. „Hmm ja das kann sein, die Wunden sehen ähnlich aus. Die ausgefransten Ränder… vor zwei Jahren war das glaube ich, ich erinnere mich ganz dunkel. Die blonden Damen Mitte zwanzig, alle in ihren eigenen Wohnungen ermordet. Wie hieß der Kerl gleich. Jordan… wie der Basketballer. Vorname war etwas mit M… ja genau, Moritzberg! Moritz Jordan hieß der Kerl. Bin mir recht sicher.“

Der Doc grinste, stolz darüber, dass er sich noch erinnerte und Michael schlug ihm kameradschaftlich auf die Schulter. „Ha! Ich wusste, dass dein Elefantenhirn den Namen noch gespeichert hat! Du hast mir Stunden an Arbeit erspart!“ Christian Alsleben strahlte regelrecht über das Lob und machte sich unverzüglich daran die Leiche zu untersuchen, während Michael und Alex sich verabschiedeten und zurück ins K11 fuhren.

Robert und Gerrit schienen in die Mittagspause gegangen zu sein, denn keiner war mehr im Büro, als Alex und Michael dort ankamen. Lediglich ein Zettel an Roberts Monitor verriet, dass die beiden nicht auf einem Einsatz waren. „Im Mittag!“, verkündete das gelbe Schild, dessen Design Alex immer wieder an das eines Ortsschildes erinnerte. Also blieb es an Michael und seiner Kollegin hängen den alten Fall zu recherchieren. Alex setzte sich vor die Fallakte, während Michael im Computer nach den Bildern vom Tatort suchte und den Status ihres damaligen Verdächtigen, Moritz Jordan, prüfte. Der Doc hatte sich den Namen wirklich richtig gemerkt, Alex war schon beeindruckt.

„Die Beweise gegen ihn hier waren recht eindeutig. Er wurde quasi auf frischer Tat ertappt, wie er gerade in das Haus eines der Frauen eingestiegen ist. Sein Opfer hätte Saskia Berlhofer sein sollen, die dann gegen ihn ausgesagt hat, er hätte sie gestalkt und bedroht. Die Tatwaffe für die anderen Morde haben sie dann bei Moritz Jordan zu Hause gefunden, er hatte das Messer nicht dabei.“

Alex fasste die Informationen der Akte für ihren Kollegen zusammen, der als Antwort nur brummte. „Die Bilder hier bringen mich auch nicht weiter. Die Tatorte sind nicht auffällig zusammenhängend, kaum Ähnlichkeiten zwischen den Opfern, ich sehe es nicht. Warum würde er willkürlich Frauen in ihren Wohnungen angreifen? Und wie kam er dort hinein?“

Michael schüttelte verwirrt den Kopf, die ganzen Puzzleteile wollten noch kein ganzes Bild ergeben. „Aber immerhin sitzt er noch im Gefängnis, seine Strafe ist erst in sechs Jahren abgesessen. Vielleicht kann er sich erklären oder uns helfen herauszufinden, wer jetzt hier sein Unwesen treibt. Er hat beim Urteil nichts erklärt, richtig?“ fragte Michael halbherzig, es war ihm schon beinahe klar, dass der Mann nichts ausgesagt hatte.

Wie erwartet schüttelte Alex den Kopf. „Nein, er hat weder gestanden noch sonst irgendetwas während der Verhandlung gesagt. Erst als er abgeführt wurde und den Saal verlassen hat, sagte er ‚Aber ich bin doch unschuldig.‘ Jedenfalls haben das die anwesenden Polizisten danach ausgesagt und in die Akte aufgenommen.“ Die beiden Kommissare beschlossen, mit dem inhaftierten Verurteilten zu sprechen, um den Fall nachvollziehen zu können und Michael machte einen Termin für sie aus.



Die JVA lag still doch irgendwie bedrohlich vor ihnen und obwohl Alex wusste, dass sie niemals dort hinein kommen würde, fuhr ihr ein leichter Schauer den Rücken hinunter, während sie hinein gingen. Es war einfach kein Ort an dem sie länger verweilen wollte und wenn sie jemals doch eine Straftat beging, dann hoffte sie darauf, dass sie vorher in einem Schusswechsel starb. Sie wollte niemals dort hinein gesperrt werden.

Die beiden bekamen ein eigenes kleines Zimmer, in dem sie sich niederließen und warteten bis der Verdächtige hinein gebracht wurde. Der Wächter setzte den Mann auf den Stuhl und postierte sich dann vor der Tür zum Gefangenentrakt. Alex musste sich nicht umsehen, um zu wissen, dass hinter der Tür zu der sie herein gekommen waren ebenfalls ein Wächter stand und sie vermutlich genauestens beobachtete. Michael räusperte sich und fixierte den Mann vor sich und Alex beeilte sich ihre Aufmerksamkeit auf den Inhaftierten zu richten.

Der Mann vor ihr glich nur noch in minimalen Zügen dem, den sie auf dem Foto gesehen hatte. Seine Wangen waren eingefallen und ein Ausdruck lag in seinen Augen, den Alex nur als gehetzt beschreiben konnte. Die schwarzen, kurzen Haare waren inzwischen fast schulterlang und von grauen Strähnen durchzogen, insgesamt wirkte der Mann sehr verhärmt. Eine Folge seines schlechten Gewissens oder einfach der Lebensumstände eines Gefängnisses?

Michael stellte sie beide vor und erklärte den Grund des Besuches: „Herr Jordan, wir sehen uns mit einem ähnlichen Fall konfrontiert, wie Ihren damals. Jemand hat eine junge Frau erstochen, es spricht alles darauf hin, dass jemand ein Jagdmesser benutzt. Und da mussten wir an Sie denken. Kennen Sie jemanden der Ihnen nacheifern wollen könnte? Jemand, der von Ihren Taten gehört hat und Ihre Arbeit fortführen will? Haben Sie denn jemals jemanden von Ihren Taten erzählt? Jemand der Sie rächen wollen würde?

Und zuletzt würde mich noch etwas interessieren, worüber Sie noch nicht gesprochen haben: Warum haben Sie eigentlich all diese Frauen umgebracht?“

Die beiden Kommissare blickten den Mann vor sich genau an, doch der zuckte nicht mit einer Wimper. Keine Regung ging über sein Gesicht, er stierte geradeaus und Michael war sich nicht einmal sicher, dass er ihm zugehört hatte. „Herr Jordan, was ist damals geschehen?“, fragte er eindringlich und lehnte sich so weit vor, dass der Insasse ihn ansehen musste. Grüne Augen trafen auf graue und Michael versuchte nicht zu Blinzeln. Sie starrten sich schweigend an und Michael merkte, wie Alex neben ihm ihr Gewicht verlagerte. Die Luft war zum Zerreißen gespannt und Michael musste den Impuls unterdrücken, den Mann vor sich zu schütteln. Er wusste genau, dass wenn er Jordan anfasste der Gefängniswärter eingreifen und ihn vielleicht sogar rauswerfen würde. Dabei wollte er doch nur wissen, was passiert war! Er brauchte einen Hinweis!

Dann plötzlich atmete Moritz Jordan rasselnd ein und sprach drei kurze Worte: „Ich bin unschuldig.“ Seine Stimme klang rostig, krank, es hörte sich so an als hätte er seit seiner Inhaftierung nicht mehr geredet und Michael verstand ihn wohl nur, weil er so oft mit Rauchern sprach. Alex fragte tatsächlich auch nach: „Wie bitte?“ Ihr Gesprächspartner sah sie an, als würden sie von einem anderen Stern kommen und wiederholte sich. „Ich bin unschuldig, ich war es nicht! Ich habe keine der Frauen getötet!“ Seine Stimme wurde fester und auch ein wenig lauter und Michael lehnte sich wieder zurück. Jetzt kamen sie der Sache näher.

Eine längere Pause entstand, in denen die Kommissare erwartungsvoll zu ihrem Gegenüber blickten und darauf warteten, dass er weitersprach. Irgendwann wurde Alex dann doch ungeduldig und wollte den Mann gerade auffordern, endlich Tacheles zu reden, da begann er zu erzählen. Seine Stimme war monoton und doch irgendwie fesselnd, während er den Kommissaren seine Sicht der Dinge schilderte.
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