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Happy together

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Het
Alexandra Rietz Gerrit Grass Michael Naseband Robert Ritter
17.11.2021
16.05.2022
19
35.309
3
Alle Kapitel
32 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
17.01.2022 1.731
 
Guten Morgen meine lieben!
Jetzt ist das neue Jahr beinahe so stressig losgegangen wie das alte aufgehört hat und ich hatte kaum Zeit für euch. Aber im Hintergrund hab ich immer wieder etwas geschrieben, weswegen es jetzt mal wieder ein neues Kapitelchen gibt :)
Wünsche euch viel Spaß und DANKE! Fürs mitlesen und treu bleiben <3
LG,
Gray

___________________________________

„Alex?“, fragte Gerrit leise, während er ihr einen Kuss in den Nacken hauchte. Sie waren wieder bei Alex zu Hause, lagen schlafbereit im Bett und Gerrit hatte sich auf die Seite gelegt, um Alex ansehen zu können. Seine Freundin, die bisher auf dem Rücken gelegen hatte, drehte sich halb zu ihm um und drückte ihm einen Kuss auf die Lippen. „Hmm?“, summte sie, während sie in den Kuss hinein lächelte. Zärtlich ließ Gerrit seine Hand über ihren Rücken wandern und ließ sie schließlich in ihrem Kreuz liegen, während er kurz überlegte, wie er seine Worte formulieren sollte.

„Mir ist da heut Mittag etwas aufgefallen. Als dein Dad von Enkelkindern gesprochen hat. Was war da los mit dir? Du warst auf einmal so verschlossen und still. Es sah aus als hätte dich dein Vater unglaublich geschockt und ich hätte schwören können, du verheimlichst etwas.“ Alex setzte sich plötzlich aufrecht hin und rückte etwas von Gerrit weg.

Ihr Rückzug blieb Gerrit nicht verborgen, eine steile Falte bildete sich auf seiner Stirn und nun machte er sich doch etwas Sorgen - hatte er ins Schwarze getroffen? Alex strich sich langsam die Haare hinter die Ohren und starrte auf die Bettdecke. Natürlich war es Gerrit aufgefallen, er merkte so etwas einfach immer. Sie sah ihn an und erschrak beinahe über die Intensität seines Blickes. Stahlblaue Augen, die sie besorgt musterten und leicht geöffnete Lippen, als würde er etwas sagen wollen, aber nicht wissen was. Alex ging es genauso; sie wusste einfach nicht, wie sie es ihrem Freund sagen sollte.

Doch auch Gerrit konnte nicht länger ruhig sein, die Unwissenheit und Alex‘ Schweigen machten ihn nervös und so fragte er jedes Szenario ab, welche ihm seit heute Mittag durch den Kopf spukten.

„Bist du krank? Willst du dich von mir trennen? Bist du vielleicht schwanger? Oder…“ Alex packte beschwichtigend seine Hände und fiel ihm ins Wort. „Schatz, Schatz! Gerrit! Hey! Beruhige dich bitte!“ Alex war völlig geschockt über die Heftigkeit seines Ausbruches und die Gedanken, die er im Kopf hatte. „Es ist keines der Dinge, die du genannt hast. Es ist etwas anderes, etwas weitaus Schwierigeres.“ Alex zögerte es heraus solange die konnte, dann atmete sie aus und brachte hervor: „Ich… ich will keine Kinder.“

Kurz und schmerzlos. Das war es, sie hatte es das erste Mal laut ausgesprochen.

Vor ihrem Freund.

Sie blickte auf ihre Hände, nicht imstande Gerrit anzusehen. Sie konnte es nicht ertragen den Schmerz auf seinem Gesicht zu sehen. Sie wusste, dass Gerrit ein Kind wollte, sie hatten oft genug darüber gesprochen und ihre Witze gemacht, wann das wohl für sie beide in Frage kommen würde. Doch sie hatte es sich häufig genug überlegt und ein Kind war für sie einfach keine Option. Sie drehte sich zur Seite und wandte ihm den Rücken zu, dann schlang sie die Arme um den Körper und presste die Augen zu und hoffte, dass sie sofort einschlief. Plötzlich wackelte das Bett und Gerrit schlang seinen Arm um ihren Oberkörper, bevor er ihr einen Kuss auf den Hinterkopf gab.

„Schlaf gut, Alex.“, murmelte er, bevor er sich ohne weiteren Kommentar wieder zurückdrehte und sein Nachtlicht ausschaltete.

Alex musste einen Schluchzer unterdrücken. Ihr war kalt und sie fühlte sich alleine. Sonst hatte sie sich immer darauf verlassen können, dass Gerrit am Abend Arm in Arm mit ihr einschlief. Seine starken Arme gaben ihr das Gefühl sicher und behütet zu sein. Und jetzt hatte sie ihm ihr größtes Geheimnis verraten und schon kehrte er ihr den Rücken und ließ sie allein. Hatte sie ihn verschreckt und er würde sie nun verlassen? Sie hatte nie etwas mehr gewollt als mit Gerrit zusammen zu sein. Sie war überglücklich gewesen, als er sie zum Essen eingeladen hatte. Sie waren sich schnell näher gekommen und der Abschiedskuss hatte Alex in den siebten Himmel emporgehoben. Nach dem ersten Date folgten weitere und seit einem halben Jahr waren die beiden ein Paar.

Bislang hatten sie es ihren Kollegen nicht erzählt und Alex war an dem Punkt, dass sie sicher genug war, dass sie zusammen bleiben würden. Allerdings schien es gerade so als hätte sie sich getäuscht und irgendwie war sie froh, dass sie ihre Beziehung noch nicht publik gemacht hatten.

Alex wünschte sich sie hätte sich eine Ausrede ausgedacht.

Die Wahrheit wog zu schwer. Sie hatte so viele Argumente, um ihre Entscheidung zu begründen, doch Gerrit hatte nicht einmal gefragt. Das war der Grund, warum Alex das noch niemandem erzählt hatte. Frauen mussten Kinder wollen, so war die Annahme in der Gesellschaft und sobald man etwas anderes wollte, war man automatisch merkwürdig, absonderlich. Welche Frau war so egoistisch und würde auf Kinder verzichten wollen?

Alex‘ Herz war schwer, wie sollte sie weitermachen? Sie war sauer auf sich selbst, warum hatte sie ehrlich sein müssen? Vorsichtig zog sie die Decke höher und die Knie an, bevor sie erneut die Augen zukniff und sich zum Schlafen zwang.



Die Sonne kitzelte Alex durch die Jalousien und die blonde Frau rieb sich schläfrig die Nase. Mit der anderen Hand langte sie neben sich und erwartete, den Körper oder zumindest den Arm ihres Freundes zu berühren, doch sie stieß auf keinen Widerstand bevor sie das Laken erreichte und überrascht öffnete sie die Augen und lugte neben sich. Der Platz war leer. Gerrit war fort und Alex fragte sich, wieso. Dann fiel ihr ihre Beichte vom gestrigen Abend wieder ein. Traurig ließ sich Alex zurücksinken und starrte an die Decke.

Gerrit hatte sie alleine gelassen, weil sie ihm gesagt hatte, dass sie keine Kinder haben möchte. Ob er sie verlassen hatte? Geknickt stand sie auf und schlurfte in die Küche, um sich einen Kaffee zu holen. Sie war vor ihrem Wecker aufgewacht und hatte damit viel zu viel Zeit vor ihrer Schicht, zu der sie eigentlich mit Gerrit gemeinsam fahren wollte. Um die trüben Gedanken zu vertreiben, beschloss sie zu duschen und sah vorher aus Routine noch einmal auf ihr Handy. Zu ihrer Überraschung fand sie eine Nachricht von Gerrit darauf.

Robert braucht Unterstützung, bin schon im K11. Lass uns später reden. xxx G

Die Nachricht war bereits zwei Stunden alt und Alex schüttelte den Kopf ob ihrer Schwarzseherei, obwohl ihr gerade ein tonnenschwerer Stein vom Herzen gefallen war. Gerrit hatte sie nicht verlassen, sondern war nur schon zur Arbeit. Mit stark verbesserter Laune schaltete sie das Radio ein und sprang unter der Dusche, wo sie vergnügt und zusammen mit dem Radio „Walking on Sunshine“ vor sich hin trällerte. Ihre gute Laune hielt an während sie sich anzog und auch noch bis sie schließlich vor den Türen des K11 ankam.

Leise summte sie das Lied vor sich hin, die Melodie war ihr im Ohr geblieben und gut gelaunt grüßte sie überschwänglich alle Kollegen an denen sie vorbei kam. Die meisten blickten sie skeptisch an, denn Menschen die Montags mit solch guter Laune ins Büro kamen waren den meisten suspekt. Allerdings störte sich Alex heute nicht an den blöden Blicken, denn sie hatte ein tolles Wochenende hinter sich, würde Gerrit gleich sehen und er hatte sie nicht verlassen. Doch noch bevor sie die Bürotür öffnete, hörte sie schon die lauten Stimmen und schnell riss Alex die Tür auf.

Im Büro standen sich Gerrit und Michael gegenüber, die Mienen böse und ihre Augen blitzten wütend. Zwischen ihnen stand Robert in einem relativ kläglichen Versuch die beiden zu trennen. Alex stellte sich zu ihm und fuhr die beiden Jungs geschockt an: „Sagt mal spinnt ihr? Was ist denn los bei euch, dass ihr so einen Radau macht?“ Robert schien erleichtert, dass Alex da war, denn er entspannte sich sichtlich. Doch weder er noch einer der beiden anderen rückte mit der Sprache raus, was denn nun der Grund für diese Auseinandersetzung war.

Stattdessen setzte sich Gerrit schweigend an seinen Platz und Michael holte sich wortlos eine neue Tasse Kaffee. Robert verließ das Büro, um auf die Toilette zu gehen – vermutlich musste er schon eine Weile doch hatte sich nicht getraut Michael und Gerrit allein zu lassen. Alex wartete noch eine Weile, dass jemand den Mund aufmachte, doch alle männlichen Wesen schwiegen sich aus. Alex war verärgert, ihre ganze gute Laune war verpufft und ihr motivierender Ohrwurm hatte ebenfalls aufgegeben. Sie versuchte noch ein Gespräch mit Michael zu beginnen und zu erfahren, wie sein Wochenende gewesen war, doch ihr Kollege war unüblich abweisend. Wieder fragte sich Alex, was wohl das Streitthema gewesen war. Sie holte sich nun selbst einen Kaffee und wartete, ob jemand das Thema noch einmal Anschnitt.

Doch niemand der Anwesenden wollte etwas preisgeben, Robert, der von der Toilette zurück kam, griff das Thema ebenfalls nicht mehr auf und Alex gab es auf sich darüber Gedanken zu machen.

Wenn der testosterongesteuerte Teil ihres Teams darüber schweigen wollte, würde sie nicht nachfragen, das hatte sie in den letzten Jahren hier gelernt. So einfach war das. Sie tippte ihren letzten Bericht weiter und warf nur hin und wieder verstohlene Blicke zu ihren Kollegen.

Robert schien nervös und sah immer wieder von seinem PC auf, während Michael angestrengt einen Bericht las und die Augen kaum vom Bildschirm abwandte. Gerrit lümmelte am Schreibtisch, doch es war ersichtlich, dass er nicht arbeitete, denn er drehte den Bleistift in seiner Hand hin und her und ab und zu kaute er auf dem Ende herum. Alex seufzte kaum hörbar. Sogar ein Blinder mit Krückstock konnte erkennen, dass hier der Haussegen schief hing. Hielten sie alle für bescheuert?

Es war beinahe ein Segen als die Leitstelle an und sie zu einem Fall rief. Alex sprang auf und wollte schon Robert mitnehmen, doch sie konnte Michael und Gerrit nicht guten Gewissens alleine lassen, nicht während ihr das Bild der beiden von vorhin im Kopf blieb. Sie wollte nichts mehr als mit Gerrit über ihre Beichte gestern Abend sprechen, doch das gehörte nicht auf die Arbeit. Stattdessen jagte sie Michael aus seinem Stuhl hoch und nahm ihn mit. Seine frostige Stimmung besserte sich kaum und Alex wusste nicht, womit sie ihn aus der Reserve locken konnte. Sie ließ das Radio im Hintergrund leise eine Melodie dudeln und fuhr schweigend mit dem Auto auf die geschäftige Straße.
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