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Happy together

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Het
Alexandra Rietz Gerrit Grass Michael Naseband Robert Ritter
17.11.2021
16.05.2022
19
35.309
3
Alle Kapitel
32 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
16.05.2022 2.243
 
Hallöchen ihr lieben, ich habe eure Reviews gelesen aber leider kaum Zeit gehabt sie zu beantworten. Und ja Jenny, hier der Epilog - ich bin einfach ein Fan davon. Man könnte es zwar auch einfach ein Kapitel taufen, aber irgendwie schimpft sich Epilog schöner :)
Das war es für den Moment auch wieder von mir, danke für eure Teilnahme auch an dieser Story, vielleicht hab ich ja bald wieder was neues - wenn es die Zeit denn zulässt.
Wünsche euch einen tollen Start in die Woche, danke und bis bald!
LG,
Gray
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Alex stand vor ihrem Schrank und konnte sich nicht entscheiden was sie anziehen sollte. Gerrit hatte sie heute um sieben zu sich nach Hause eingeladen und sie würden nun endlich über das Thema Baby sprechen. Es war Alex nicht klar, was sie heute erwarten würde und genauso unentschlossen war sie im Bezug auf ihre Garderobe. Daher stand sie nun hier vor dem Schrank, frisch geduscht, mit einem Handtuch um den Körper sowie einem um den Kopf geschlungen. Sie wusste nicht wie sie sich verhalten sollte, sie hatte mit Gerrit in den letzten Tagen kaum mehr als eine Handvoll Sätze privat gesprochen, ihre Unterhaltungen waren mehr beruflicher Natur mit unverfänglichen Themen und auch nur sehr kurz gewesen. Und auch seine Nachricht mit der heutigen Einladung war sehr knapp und steril gehalten.

//Hi Alex, wir haben noch ein Gespräch ausstehen und ich möchte dir etwas sagen. Würdest du bitte um 19 Uhr zu mir in die WG kommen? X G//

Was sollte sie nur davon halten?! Das war weder positiv noch negativ, aber Alex hatte den ganzen Tag schon darüber nachgedacht. Es klang wie:

„Wir müssen reden.“

Das war ungefähr der schlimmste Satz, den man hören konnte. Natürlich hatte Gerrit nichts dergleichen geschrieben und Alex war es ja auch eigentlich, der das Thema auf dem Herzen lastete und die ihn mit Schweigen und Kontaktabbruch gestraft hatte. Trotzdem interpretierte Alex schon die abstrusesten Dinge in diese kurzen Zeilen. Sie wollte mit Gerrit zusammen sein, mit ihm ihr leben führen aber hatte sie ihn vergrault? Erst mit ihrer Eröffnung keine Kinder haben zu wollen und dann mit ihrem Schweigen?

Zum dritten Mal zog Alex Kleidung aus dem Schrank, hielt sie prüfend vor sich und warf sie dann achtlos aufs Bett, während ihr Hirn arbeitete. Was war nur los mit ihr? Warum überließ sie überhaupt Gerrit die Entscheidung und entschied nicht selber, ob eine Beziehung noch Sinn machte?

Weil du Kuh ihn vor die Wahl gestellt hast. Kinder oder du! Dann hast du ihn unfair behandelt und ignoriert. Und weil du ihn liebst.

Ihr Unterbewusstsein meldete sich empört und in diesem Moment hätte Alex gut und gerne auf ihre innere Stimme verzichten mögen. Es war ja richtig. Die Einzige, die an ihrer aktuellen Situation schuld war, war sie selbst.

Seufzend ließ Alex sich auf ihr Bett fallen und ihr Blick wanderte über ihre Kommode auf der sich ein Bild von ihr und Gerrit befand. Sie standen im englischen Garten und Gerrit hatte sie von hinten umarmt und grinste fröhlich in die Kamera während Alex ihn verträumt ansah. Ein Bild aus glücklichen Zeiten. Ihr Blick glitt zur Uhr und Alex zuckte zusammen. Sie musste sich endlich anziehen, sonst würde sie zu spät kommen und sie hasste es andere warten zu lassen. Sie verdrängte all die negativen und wirren Gedanken und griff sich nur schnell Unterwäsche, bevor sie wie der Blitz ins Bad verschwand und sich fertig machte.

Der Spiegel war immer noch beschlagen, als Alex gute zehn Minuten später davor trat. Die Kommissarin wischte mit einem Handtuch darüber und nun starrte ihr ihr eigenes verschwommenes Gesicht entgegen, rote Wangen und wilde Haare. Gegen die Haare bewaffnete sich Alex mit einem Föhn und einer Bürste und machte sich an die Arbeit ihre Mähne zu zähmen. Wobei sie nicht wirklich von Mähne sprechen konnte, immerhin waren ihre Haare nicht wirklich lang. Sorgfältig stylte Alex ihre Frisur bis sie zufrieden war und klatschte sich eine Creme ins Gesicht, bis es nur so strahlte. Etwas Mascara und brauner Lidschatten rundeten das Bild ab und Alex war zufrieden. Nichts zu extravagantes oder aufgetakeltes aber auch nicht ungeschminkt. Dezent eben. Jetzt blieb nur noch das Problem was sie anziehen sollte.

Alex stand erneut vor ihrem Schrank, doch diesmal ging ihr die Zeit aus. Kurz überlegte sie die Augen zu schließen und wahllos hinein zu greifen, entschied sich aber dagegen. Stattdessen wählte sie ein grünes Top und eine schwarze Jeans, während sie den Look mit einem dünnen grauen Cardigan abrundete. Erneut nichts extravagantes aber auch nichts zu lockeres. Jetzt fühlte sie sich gut in ihrer Haut und hatte schon eher das Gefühl, dass sie mit jeder Möglichkeit, wie der Abend enden könnte, leben konnte.

Alex warf noch einen prüfenden Blick in den Spiegel und befand sich für fertig. Sie schnappte sich Handtasche und Schlüssel und ihr letzter Gedanke bevor sie die Haustür hinter sich zuzog war, ob sie heute Abend wohl wieder alleine hierher zurückkehren würde.



Pünktlich um sieben klingelte Alex an der Tür zu Gerrits WG. Sie musste tatsächlich einige Zeit warten und so klingelte sie erneut. War Gerrit etwa noch nicht da? Ein Poltern hinter der Türe verriet ihr, dass sehr wohl jemand zu Hause war und keine zehn Sekunden später schwang die Türe auf.

Alex hatte Gerrit erwartet, doch es war Falk, der ihr die Türe öffnete und sie schuldbewusst ansah. „Hi Alex, tut mir leid, dass ich dich so lange warten lassen habe aber ich war mit meinem Erscheinungsbild noch nicht zufrieden.“ Alex lächelte ihn an, Falk hatte sich wirklich herausgeputzt: er trug ein rotes Sakko über einem weißen T-Shirt mit schwarzer Anzughose und einer schwarzen Fliege. Alex wollte gerade fragen, wer denn der Glückliche war, da gab ihr Falk schon die Antwort und klang eher wie ein sechzehnjähriger Schulbub als ein gestandener Mann um die vierzig. „Julian hat mich in die Oper eingeladen. Ich bin ja so gespannt!“

Falks Gesicht leuchtete regelrecht und Alex konnte nicht anders als ebenfalls zu lächeln. „Viel Spaß Falk, ich hoffe es wird ein toller Abend!“, wünschte ihm Alex und Falk dankte ihr, dann zog er die Stirn kurz in Falten. „Ach ja, Gerrit wartet auf dich in seinem Zimmer soll ich ausrichten, du kannst einfach rein gehen. Und ich muss jetzt, habt ihr auch einen schönen Abend!“, mit diesen Worten hauchte er ihr einen Luftkuss entgegen, schlüpfte an Alex vorbei und zog kurz darauf die Tür ins Schloss.

Alex seufzte innerlich, versuchte aber gar nicht erst Falk aufzuhalten um ihre Situation zu erklären. Das würde zu lange dauern und immerhin hatten sie beide etwas vor. Alex zog ihre Jacke und Schuhe aus und zog sich die Handtasche wieder über die Schultern bevor sie den Gang zu Gerrits Zimmer hinter tappte. Es schien ihr komisch, dass Gerrit sie nicht an der Tür abholen kam, doch was wusste sie schon. Vielleicht wollte er den Kontakt auf ein Minimum reduzieren, damit der Abschied nicht zu schwer fiel.

Vor seiner Türe angekommen hielt Alex kurz inne, um sich zu sammeln. So viele Gedanken hatte sie die letzten Stunden gewälzt, hatte verschiedenste Szenarien durchgespielt doch jetzt war die Stunde null. Jetzt war der Moment in dem sie erfahren würde ob Gerrit weiterhin mit ihr zusammen sein wollte. Alex wappnete sich innerlich, dann nahm sie allen Mut zusammen, klopfte und betrat das Zimmer.

Im ersten Moment drang zuerst die rote und weiße Farbe auf sie ein, Gerrits Zimmer sah aus wie von einem Clown angemalt, der Boden war übersät mit weißen, roten und grünen Flecken. Und dann registrierte sie Gerrit, der inmitten dieser roten und weißen Tupfer stand. Beim zweiten Mal hinsehen erkannte sie, dass alles hinter und um Gerrit herum keine Punkte waren, sondern Rosen. Gerrits ganzes Zimmer war mit diesen Blumen bedeckt, deren grüne Stängel mit roten Köpfen überall verteilt waren. Die weißen Punkte waren kleine Teelichter, die munter ihre Flammen hin und her züngeln ließen. Und inmitten dieser Blumenpracht stand Gerrit und sah sie intensiv an, er selbst trug einen schwarzen Anzug, der passgenau geschnitten war und an genau den richtigen Stellen seine Muskeln definierte. Ihr Lieblingslächeln trat auf sein Gesicht, dieses kleine Lächeln bei dem seine Mundwinkel nur leicht nach oben gezogen waren, aber doch sein ganzes Gesicht mitlachte, die Lachfältchen, die seine Augen umrahmten während seine Lippen sich teilten und seine weißen Zähne zum Vorschein kamen. All das sah Alex und der Anblick überwältigte sie schier.

Was ging hier vor?

Gerrit dagegen stand in der Mitte des Raumes  und sah Alex an, wie ihre Wangen leicht erröteten und ihre Augen zwischen ihm und dem Blumenteppich hin und her wanderten. Er sah die Tränen in ihren Augen schwimmen und wie ihre Hand sich um ihre Kette klammerte, als könnte sie umfallen und er fragte sich kurz ob das der richtige Schritt gewesen war, oder ob er Alex damit überwältigte. Aber jetzt war er schon so weit, jetzt konnte er es auch durchziehen und würde das Ergebnis gleich sehen. Langsam und mit gemessenen Schritten ging er auf seine Freundin zu, nahm ihre kleine Hand in seine und strich sanft darüber.

„Ich weiß, dass wir in den letzten Tagen unsere Schwierigkeiten hatten und dass ich nicht der beste Freund gewesen bin. Doch die letzten Tage waren wie ein Weckruf für mich und du verdienst es die Wahrheit zu erfahren. Ich will immer für dich da sein und zu dir stehen.

Alex, du bist die schönste, klügste und außergewöhnlichste Frau, die ich jemals kennenlernen durfte. Du hast mir mein Herz geklaut und mein Leben in jedem Sinne bereichert. Ohne dich wüsste ich nicht, was es heißt jemanden bedingungslos zu lieben. Ohne deine Stärke wüsste ich nicht was es heißt schwach sein zu können. Ohne deinen Mut wüsste ich nicht was es heißt zur richtigen Zeit den richtigen Schritt zu tun.

Du bist diejenige, die mir in dunklen Zeiten Trost und Rat spendet, diejenige die mir vor Augen führt, was wirklich wichtig ist und mich ständig in die richtige Richtung schubst, wenn ich wieder einmal zu starrköpfig bin, um es selbst einzusehen. Du bist die, der ich am Abend von meinem Tag erzählen und der ich mein Herz ausschütten möchte. Die, neben der ich den Rest meines Lebens einschlafen und wieder aufwachen möchte.“

Gerrit machte eine kurze Pause, dann holte er tief Luft, ging vor ihr in die Knie und klappte die Ringschatulle auf.

„Alexandra Rietz, ich liebe dich wie du bist, mit all deinen Fehlern und mit deinen unglaublichen Eigenschaften. Ich habe meine Entscheidung getroffen und möchte nicht ohne dich leben - egal ob mit Kindern oder ohne. Und ich hoffe sehr, dass du in mir jemanden siehst, denn du zum Mann nehmen könntest. Also frage ich dich nur noch eines: Willst du mich heiraten?“

Alex sah ihn mit weit aufgerissenen Augen an; er sah die Tränen und die Fassungslosigkeit in ihrem Gesicht. Und er betete innerlich, dass sie sich nicht anders entschieden hatte, dass die letzten Tage für sie nichts an ihrer Beziehung geändert hatte. Er hatte jedes Wort auch so gemeint, er wusste nun aus tiefstem Herzen, dass Alex diejenige war für die er jeden Morgen aufstand. Kinder konnte er auch bei Freunden und Bekannten aufwachsen sehen, das war nicht sein Lebensinhalt. Er hatte einen tollen Job, tolle Freunde und er hätte gerne Alex und nur Alex zur Frau.

Sie schwieg nicht länger als eine halbe Minute doch die Zeit kam Gerrit schier endlos vor in der er am Boden inmitten all der Rosen und Kerzen kniete und sie anstarrte. Er fühlte sich um Jahre gealtert bis Alex ihm schließlich antwortete und er sie zuerst nicht verstand und sie nur verwirrt ansah.

„Ja.“, flüsterte sie erneut und diesmal verstand er. Endlich löste sich Gerrit aus seiner Starre und steckte ihr mit zitternden Fingern den Ring an den Finger. Er stand auf und legte ihr die Hand an die Wange, Erleichterung durchströmte ihn, sie hatte ihn mit diesem Wörtchen so unbeschreiblich glücklich gemacht. Seine Welt lag in ihren Händen und sie würde seine Frau werden. Zärtlich, als wäre es ihr erster Kuss, nahm er ihr Gesicht in seine Hände und küsste sie gefühlvoll. All die Liebe die er in diesem Moment für sie fühlte, legte er in diesen Kuss. Er würde ihr die ganze Welt zu Füßen legen, das versprach er sich und ihr in diesem Moment.

Alex selbst war während des Kusses überfordert von allen Gefühlen, die in ihr tobten und es fiel ihr schwer einen klaren Gedanken zu fassen. Sie hatte so viel Angst vor diesem Gespräch, seiner Reaktion gehabt, hatte schon damit gerechnet, dass ihre Beziehung heute enden würde und Gerrit fragte sie stattdessen einfach, ob sie seine Frau werden würde. Und nicht nur das, ihre erste Antwort war ja gewesen und sie wusste instinktiv, dass sie das nicht bereuen würde. Sie hatten schon so viele Schwierigkeiten zusammen überstanden, sie würden das weitere Leben auch meistern – und das immer zusammen. Ein glückliches Lächeln huschte über ihr Gesicht, während sie einmal mehr ihre Hände um seinen Hals legte und mit einer Hand in seine Haare griff. Er gehörte ihr und sie gehörte ihm. Sie würde ihn lieben und er würde sie lieben, so einfach war die Welt.

Sie lösten sich voneinander und Alex lächelte scheu, bevor sie ihre Stirn gegen seine legte und ihm tief in die Augen sah, bevor sie ihre Antwort klar und deutlich wiederholte, denn alle Vorbehalte und Unsicherheiten,  die sie gehabt hatte waren ausgeräumt und eine selten dagewesene Klarheit hatte von ihr Besitz ergriffen.

„Ja, Gerrit Grass, ich will dich heiraten.“
 
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