Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Happy together

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Het
Alexandra Rietz Gerrit Grass Michael Naseband Robert Ritter
17.11.2021
16.05.2022
19
35.309
3
Alle Kapitel
32 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
09.05.2022 1.567
 
Soo ihr lieben, nun ist es also soweit, das letzte richtige Kapitel ist hier oben und die Geschichte ist quasi vorbei. Es hat mir wieder sehr viel Spaß mit euch zusammen die neue Richtung auszuprobieren und auch mal neue Charaktere mit einzubauen. Vielleicht kommt der ein oder andere wieder :)
Danke für das fleißige Mitlesen, eure vielen Kommentare und die vielen Favos, ihr seid toll!
Ich weiß noch nicht wann ich die nächste Story beginnen kann, Ideen habe ich schon noch aber dieses zeitliche ist das Problem. Aber jetzt erstmal viel Spaß beim lesen!
LG,
Gray
__________________________________________________________________________




Gerrit Grass stand schon seit einigen Minuten vor einem zweistöckigen kleinen Haus in der Moosacher Straße und seine Finger verharrten einen Zentimeter vor der Klingel.

Sollte er wirklich klingeln? War er bereit für das, was jeder weitere Schritt beinhaltete? Er haderte noch mit sich aber die Entscheidung wurde ihm abgenommen als sich plötzlich die Tür öffnete und eine kleinere Frau mit braunen zu einem Zopf gebundenen Haaren ihn verwirrt anstarrte. Gerrit erkannte eine Mülltüte in ihren Händen und ein zerknirschtes Lächeln wanderte über sein Gesicht und er kratzte sich nervös im Nacken, weil er sich wieder wie ein kleiner Junge fühlte, der bei einem Freund klingelte, um mit ihm zum spielen raus gehen zu können.

„Hi, ich bin Gerrit. Und ich wollte gern Justus besuchen. Lassen Sie mich das machen.“ Er nahm der Frau die Mülltüte ab und ging die zwei kleinen Stufen wieder hinunter, um den Müll in die dortige Tonne zu werfen, was ihm etwas Zeit verschaffte deine Nervosität in den Griff zu bekommen.

Die Frau beobachtete ihn dabei und als er wieder oben bei ihr ankam ließ ein warmes Lächeln ihr Gesicht erstrahlen. „Hi, ich bin Tatjana, Justus‘ Frau. Schön dich kennen zu lernen, Gerrit. Komm doch rein.“ Und mit einer einladenden Geste machte sie Platz und Gerrit trat an ihr vorbei über die Schwelle. Der Eingangsbereich war schlicht gehalten aber doch schön, eine dunkle Holzkommode und ein gleichfarbig umrandeter Spiegel zierten die beige Wand vor ihm und zu seiner linken hingen Garderobenhaken auf die Gerrit seine Hacke hängte. Er hörte Gequietsche und Gegiggel aus einem Nebenzimmer und nachdem er seine Schuhe ausgezogen hatte und Tatjana ihn nicht zurückhielt, ging er den Geräuschen folgen.

Seine Schritte trugen ihn in ein geräumiges, warm eingerichtetes Wohnzimmer und er fand Justus auf dem Boden sitzend mit einem ungefähr zweijährigen Kind spielend. Das Kind hatte dunkelbraune kinnlange Haare und hüpfte auf seinem Vater herum, als wäre er eine Hüpfburg, was beide mit Gelächter kommentierten. Lächelnd sah Gerrit den beiden zu, bis Justus ihn schließlich entdeckte, als er sich mit Schwing aufrichtete und das lachende Kind auf den Boden stellte. „Gerrit!“, rief er aus und ein breites Lächeln wanderte über sein Gesicht, während sich das Mädchen überrascht an sein Bein klammerte.
Justus stand auf und Gerrit kam die paar Schritte näher, um ihn mit einem Handschlag zu begrüßen, doch Justus zog ihn schnell in seine Arme und nach einer halben Denksekunde erwiderte Gerrit die Geste. Als Justus die Umarmung löste und die Kleine vorstellte, kam das Kind überraschend hinter seinen Beinen hervorgehuscht. „Wer bis tu?“, fragte sie und Gerrit ging in die Hocke, um ihr zumindest fast auf Augenhöhe zu begegnen, was ihm doch irgendwie schwerer fiel als gedacht. „Hi, ich bin Gerrit und wer bist du?“, fragte er und sah in kleine, aufgeweckte blaue Augen, die seinen so ähnlich waren. Das Mädchen grinste schelmisch und krähte: „Is bin die Johanna und das is mein Papa. Warum heis tu Geri?“ Sie verschlang ein paar Buchstaben und trotzdem verstand Gerrit sie gut, eine Tatsache, die ihn überraschte, er sprach eigentlich kein Kleinkind. Lächelnd antwortete er, während er das kleine Wesen vor sich belustigt ansah. „Ich heiße Gerrit weil meine Mama und mein Papa mich so genannt haben. Aber Johanna ist ein schöner Name!“ Johanna lachte wie es nur Kleinkinder tun können, drehte sich abrupt weg und watschelte in die Küche um ihrer Mutter zu berichten, was der Besuch gesagt hatte.

Gerrit stand wieder auf und sah zu Justus, der ihn freundlich und etwas belustigt ansah. „Sie mag dich. Was recht ungewöhnlich ist beim ersten Besuch.“ Er zog die linke Augenbraue hoch, machte eine kleine Pause und schien zu überlegen. „Ich würde mich freuen, wenn du sie öfter sehen könntest. Also ich meine wenn du das auch möchtest. Immerhin fällt jetzt der Opa weg und außer dir habe ich keine Geschwister mehr. Und ja tut mir leid, ich weiß wir sind nur Halbgeschwister.“

Gerrit meinte, etwas Verbitterung in der Stimme seines Halbbruders zu hören und legte ihm freundlich die Hand auf die Schulter, während sich ein warmes Gefühl in seiner Magengegend ausbreitete. Es war nicht richtig Justus für die Fehler seines Vaters verantwortlich zu machen, er war ein eigenständiger und vor allem netter Mensch. Vielleicht würden sie doch Freunde werden. „Das Wort Geschwister ist wohl ausreichend. Und ja, ich würde die Kleine gern häufiger besuchen kommen. Wenn ich darf mit Alex. Wäre das für euch okay?“, fragte Gerrit leise auch wenn er nicht sicher war, ob Alex überhaupt mit ihm mit kommen wollen würde. Das hing alles von ihrem Gespräch heute Abend ab.

Doch im Moment war es nur Justus‘ Antwort, die ihn interessierte und sein Bruder freute sich sichtlich über seine Antwort, doch er druckste ein wenig herum als er auf einmal vorschlug: „Öhm naja, was hältst du von Sonntag Mittagessen? Um 13 Uhr hier?“

Gerrit war ganz verdattert.

„S…Sonntag?“, stammelte er während er im Kopf blitzschnell den Dienstplan durchging. „Also ich kann am Sonntag, weiß aber nicht ob Alex dann mitkommt.“, grinste er, erfreut über die zeitnahe Einladung. Justus winkte ab und meinte nur: „Ach was, wenn du uns bis morgen Mittag Bescheid gibst reicht das locker. Ich freue mich auf jeden Fall. Bleibst du heute zum Abendessen?“ Gerrit überlegte kurz, er hatte noch Zeit bevor er nach Hause musste und so nahm er das Angebot an.
Als Justus‘ Tochter wiederkam erklärte ihr Vater ihr, dass der Besuch ihr Onkel war und sie sich jetzt häufiger sehen würden. Die kleine Johanna zeigte kaum Scheu sondern bombardierte ihn regelrecht mit Fragen über so ziemlich alles. Warum er eine Jacke trug, warum seine Socken blau waren, weshalb seine Haare kurz waren, was sein Lieblingsgemüse war. Und als letztes fragte sie etwas, womit er bei so einem jungen Kind nicht gerechnet hatte: „Komms tu auch, wenn wir Opa auf den Friedhof legen?“ Die Frage erwischte ihn wirklich kalt, für alle anderen Fragen hatte er eine lockere, kindgerechte Antwort gehabt, nur nicht für diese. Hilfesuchend sah er zu Justus, dessen Gesichtsausdruck ebenfalls leichte Überraschung zeigte, allerdings hatte er sich wohl eine ähnliche Frage gestellt, denn er sah Gerrit genauso erwartend an wie seine Tochter. „Ähm ich weiß nicht einmal, wann ihr zum Friedhof geht. Kannst du mir das sagen?“, fragte er mit ruhiger Stimme obwohl er innerlich zitterte, weil er nicht wusste, was er antworten sollte.

Glücklicherweise wusste die Kleine die Antwort auf seine Frage nicht und so gewann er etwas Zeit, in der sie darüber nachdachte. Sollte er zu der Beerdigung seines Vaters gehen? Er wollte dort nicht als Sohn hin. Aber wäre es falsch nicht hin zu gehen? Er hatte beschlossen seinem Vater zu verzeihen, aber hieß das er musste sich an das Grab stellen und den trauernden Sohn spielen? Das war er nicht. Er trauerte ja nicht einmal richtig. Es war eher so ein Gefühl des Verlustes, der einen Tag später wieder vorbei war, weil man sich schon dran gewöhnt hatte. Es war nur ein Abschied zwischen zwei Erwachsenen gewesen, die sich kaum gekannt hatten, da war keine bedeutende Verbindung gewesen. Aber wie sollte er das nur Justus erklären? Würde der überhaupt wollen, dass Gerrit kam?

Während Gerrit sich überstürzt Gedanken machte, war Justus‘ Tochter auf die Idee gekommen ihren Papa nach dem richtigen Datum zu fragen. So deutlich und einfach wie möglich sprach er es aus: „Am Montag Vormittag gehen wir zum Friedhof. Und wenn wir uns von Opa verabschiedet haben gehen wir etwas essen. Nur die engste Familie.“ Justus wandte sich direkt an Gerrit, vielleicht hatte er dessen inneren Konflikt gespürt, denn er antworte genau auf die Frage, die sich Gerrit selbst gestellt hatte. „Ich hätte dich gerne dabei. Wir sind eigentlich Geschwister und ich habe das Gefühl, dass wir viel zu viel Zeit vergehen lassen mussten, bevor wir uns endlich kennenlernen durften. Ich möchte nicht mehr warten. Ich hätte dich gern dabei und du musst dich auch nicht zu uns stellen und irgendwelche Bekundungen annehmen, ich weis ja wie wenig du mit Papa zu tun hattest. Aber es wäre eine große Erleichterung zu wissen, dass du da bist. Ich würde mich jedenfalls etwas besser fühlen glaube ich.“, endete Justus und sah Gerrit unsicher an. Dieses doch ehrliche Eingeständnis nahm Gerrit die letzten Hemmungen. „Okay ich werde kommen. Wir können die Details ja am Sonntag besprechen.“ Johanna freute sich genauso wie ihr Papa, bevor sie lautstark forderte, dass Gerrit ihr eine Geschichte vorlesen sollte, was dieser dann mit einem Lächeln auch tat.

Glücklicherweise hatte Robert zugestimmt mit ihm die Schicht zu tauschen und so hatte Gerrit den Abend frei und endlich Zeit für sein Gespräch mit Alex. Deshalb blieb Gerrit nur noch so lange bei Justus‘ Familie bis die kleine Johanna ins Bett musste und dann beeilte er sich nach Hause zu kommen. Er hatte noch weniger als zwei Stunden bis Alex kam und seine Vorbereitungen waren noch längst nicht abgeschlossen.
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast