Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Happy together

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Het
Alexandra Rietz Gerrit Grass Michael Naseband Robert Ritter
17.11.2021
16.05.2022
19
35.309
3
Alle Kapitel
32 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
02.05.2022 2.339
 
Guten Morgen ihr Lieben!
Jetzt habe letzte Woche glatt ein Kapitel unterschlagen. Und jetzt ist es so weit, das hier ist schon das vorletzte Kapitel. Meine Geschichte ist zwar so gut wie vorbei aber ich Feile noch an einer Idee für andere, vielleicht kann ich die ja schon beginnen wenn die andere aufhört. Wie dem auch sei, ich wünsche euch einen tollen Wochenstart und viel Spaß beim Lesen!
Eure Gray
_______________________

Robert jagte dem mutmaßlichen Verbrecher hinterher so schnell er konnte. Robert war bei Gott nicht langsam, doch er tat sich schwer die Gestalt vor sich einzuholen, obwohl sie recht grobschlächtig gebaut war. Da endlich wurde der Angreifer vor ihm langsamer, um die Treppen hinunterzurennen und der Kommissar sah seine Chance. „Hände hoch und stehen bleiben!“, brüllte Robert und richtete die gezogene Waffe auf die vermummte Gestalt in der Treppenecke zwischen den Stockwerken, die sich langsam umdrehte. Doch in ihren Händen, die die vermummte Gestalt ganz langsam hochnahm, tauchte eine Waffe auf und entgegen der Anweisung richtete sich das Metall auf den Kommissar. „Waffe fallen lassen!“, brüllte Robert ein letztes Mal zur Warnung und legte den Finger an den Abzug, bereit abzudrücken.

Da plötzlich knallte es hell und laut. Robert zuckte zusammen, zog automatisch den Finger vom Abzug und machte einen Schritt zur Seite, um wenig Angriffsfläche zu bieten. Er hatte nicht geschossen! Was war passiert? War er getroffen? Diese Gedanken jagten in sekundenschnelle durch seinen Kopf und Adrenalin fokussierte sein Fühlen, sodass er seinen Puls stetig schlagen hörte.

Keine dreißig Meter weiter sicherten Alex und Michael noch die Wohnung. Leise schoben sie sich von Raum zu Raum, bis sie ein Wimmern aus einem der Zimmer vernahmen und beide nacheinander in diese Richtung steuerten. Sie fanden ihren Verdächtigen zusammengesunken in der Küche, die linke Hand auf eine lange Wunde am Unterarm gepresst und das Gesicht bleich wie eine Leinwand. Sorgsam darauf bedacht im Falle eines Angriffs bereit zu sein ging Alex um den Mann herum und suchte die Waffe, die ihn verletzt hatte. Michael stand an der Tür, weiterhin die Waffe erhoben und auf den Verdächtigen gerichtet. Er würde bei dem geringsten Anzeichen eines Angriffs auf Alex sofort schießen, um Gebherd unschädlich zu machen. Doch es sah nicht danach aus, als würde Gebherd irgendetwas versuchen, er würdigte die Kommissare keines Blickes sondern starrte geschockt auf den Boden. Ein Schuss drang zu den Kommissaren hinein und besorgt sahen sich die beiden an, hoffentlich ging es Robert gut. Alex fand die Waffe, ein Messer, endlich in der Ecke und sie steckte ihre Dienstwaffe weg.

Robert Ritter atmete flach, fühlte in sich hinein doch konnte keinen Schmerz spüren und auch bei einem kurzen Blick, den er an sich hinab riskierte, sah er keine Wunde. Doch im nächsten Moment brüllte die schwarz angezogene Gestalt vor ihm laut auf, ließ die Waffe klackernd zu Boden fallen und hielt sich den Arm, aus dem Blut drang und die braune Jacke färbte sich stetig rot. Wild sah sich Robert nach dem anderen Angreifer um und hielt die Waffe aufmerksam im Anschlag. Der Schießende hatte ihm zwar das Leben gerettet, aber man wusste nie, ob noch mehr unbekannte Ganoven beteiligt waren, also blieb er auf der Hut.

Doch noch während er sorgsam die Umgebung betrachtete und langsam die Stufen hinablief, tauchte von links unten plötzlich Gerrit an der Treppe auf, die Waffe hoch erhoben und auf den stöhnenden Mann im Eck gerichtet. Robert war erleichtert seinen Kollegen zu sehen, es war ihm sofort klar, dass Gerrit geschossen hatte und sein Kollege war wohl auch der Grund, dass ihm selbst nichts passiert war. Doch der Blick auf Gerrits Gesicht machte ihm Angst. So schnell er konnte packte Robert seine Waffe an den Gürtel zurück und eilte nach vorn, um vor seinem Kollegen bei dem Ganoven zu sein. Robert riss diesem die Kapuze vom Kopf und zum Vorschein kam kein geringerer als ihr Kollege Steffen Henger. „Sie!“, entfuhr es Robert erstaunt, wohingegen Gerrit nicht im Geringsten überrascht schien. Mit angeekeltem Gesicht trat er Hengers Waffe zur Seite und hinter ihm trat ein desillusionierter Kommissar Mayer die letzten Treppenstufen hinauf.

Robert musterte die beiden und konnte genau die gleiche Wut und Abscheu in ihren Augen lesen, die er auch spürte. Kurz besah er sich die Wunde, Gerrit hatte den Oberarm nur zu gut getroffen und die Kugel war komplett durch den Muskel gedrungen, um schließlich in der Wand dahinter einzuschlagen. Solch eine Wunde musste höllisch schmerzen, doch irgendwie war ihm nicht danach Steffen Henger zu bemitleiden. Robert nahm es auf sich, dem Mann Handschellen anzulegen, allein um keinen seiner Kollegen zu nah an den Mann heranzulassen. Gerrits Gesichtsausdruck war nicht zu deuten, doch Kommissar Mayer schien sich von einem traurigen Mann in einen lebenden Vulkan verwandelt zu haben. Sein Gesicht war rot und eine Ader pulsierte deutlich sichtbar an seiner Schläfe. Der Mann sah fuchsteufelswütend aus und Robert hatte langsam den Eindruck, dass er der einzige war, der hier objektiv bleiben konnte und daher beschloss er die Befragung zu führen. „Was wollten Sie in Gebherds Wohnung? Sie haben keinen Grund hier zu sein, das ist unser Fall.“, fragte er mit gerunzelter Stirn, doch die Antwort kam nicht von Henger.

Kommissar Mayer hatte sich an die Wand gelehnt, um sich zu beruhigen, was ihm auch gelungen zu sein schien, denn seine Gesichtsfarbe hatte sich wieder etwas normalisiert, doch sein Ton war eiskalt. „Der Kollege hier steckt in den Morden drin, Herr Ritter. Ich habe eine Box mit Zeitungsausschnitten über die Morde damals bei ihm gefunden, ebenso wie ein Mini-Jagdmesser und ein Handy. Ein Handy dessen Nummer von den beiden ermordeten Frauen angerufen wurde genauso wie von Heiko Gebherd. Die beiden kennen sich scheinbar schon länger und ich bin mir sicher, dass Steffen der Grund dafür ist, dass wir damals einen Falschen ins Gefängnis gebracht haben.“

Die Kommissare blickten ihren abtrünnigen Kollegen erwartend an, doch Heger war keinesfalls zu einem Geständnis bereit. „Ich weiß gar nicht was ihr von mir wollt. Ihr könnt mir doch nichts nachweisen, das Handy in meinem Schreibtisch habe ich damals konfisziert. Das gehört nicht mir. Und ich war nur bei Heiko Gebherd weil er bedroht wurde und ich ihn schon lange kenne. Versteht ihr? Ich wollte ihm helfen! Und warum sollte ich etwas mit Morden zu tun haben, ich bin schließlich Polizist! Bringt mich in ein Krankenhaus, mein Arm muss versorgt werden.“, forderte er stattdessen und sah die Kommissare wütend an.

In der Wohnung legte Alex Heiko Gebherd endlich die Handschellen an und Michael wandte sich an ihren Schuldigen: „Wollen Sie uns nicht endlich erzählen was hier passiert ist? Was für eine Entschuldigung haben Sie für all das? Wir wissen inzwischen, dass Sie für die Morde an Simone Hermann und Saskia Berlhofer verantwortlich sind. Die Hautfetzen, die wir an den Leichen gefunden haben, sind eindeutig ihrem DNA-Profil zuzuordnen, also versuchen Sie bitte nicht zu leugnen.“

Heiko Gebherd blickte zu Boden, sein Gesicht zeigte immer noch Spuren der Angst und der Verzweiflung, die er in der letzten halben Stunde durchlebt hatte. Seine Stimme klang rau und kratzig, als wäre er den Tränen nah: „Steffen hat mir geholfen die Sache zu vertuschen. Ich habe ihn nach meinem Besuch bei Simone panisch angerufen und ihn gebeten mir wieder zu helfen, so wie damals.

Er hat mir vor Jahren geholfen Beweise zu fabrizieren und er war es auch, der die Idee hatte Saskia damals als Opfer darzustellen. Sie hat ihren Exfreund Jordan auf mein Anraten hin in ihre Wohnung gebeten, um ihm ein paar seiner Sachen zurückzugeben. Ich habe dann in einem ruhigen Augenblick heimlich das Messer in seine Jacke getan und die Wohnung verlassen. Als er dann nach einem kurzen Streit mit Saskia wieder ging und die Jacke anziehen wollte, hat er das Messer gefunden und aus der Tasche gezogen. Saskia hatte so viel Angst und sofort die Polizei gerufen. Natürlich hat es geholfen, dass der Kerl sie für Wochen gestalkt hat.“

Gebherd lies ein Hüsteln hören, bevor er weitersprach. „Steffen war mit seinem Kollegen schon unterwegs zu ihrer Wohnung. Also konnte er unauffällig der erste am Tatort sein und das Messer verschwinden lassen, um es wieder in der Wohnung von Jordan zu deponieren, wo es von den Kollegen dann gefunden wurde. Das alles hat er eingefädelt und ich habe mitgespielt. Niemand ist darauf gekommen, dass das alles inszeniert war. Sie haben Moritz Jordan verhaftet und ich habe aufgehört wildfremde Frauen zu überfallen. Bis mit jetzt die Hutschnur gerissen ist. Simone hat mich immer abblitzen lassen, hat über mich gelacht und mich als schäbig bezeichnet egal wie sehr ich versucht habe nett und freundlich zu sein. Also habe ich ihr zeigen müssen wie schäbig ich wirklich bin. Ich habe erneut Steffens Hilfe in Anspruch genommen. Aber es war nicht sein Kommissariat, dass den Fall bearbeitet hat und so konnte er mir nicht so effektiv helfen, sondern er befahl mir ruhig zu bleiben und hat mir auch die Story mit meiner Dienstreise gestrickt.

Aber als Saskia tot war habe ich gesehen wie kaputt das alles ist. Ich habe das Schweigen nicht mehr ausgehalten, ich war doch schuld daran! Ich wollte mich heute stellen, Ihnen die Wahrheit sagen und das habe ich auch Steffen gesagt, habe ihm versprochen, dass ich seinen Namen aus allem heraushalten würde. Und trotzdem hat er mir gedroht, dass ich die Klappe halten soll. Und als ich das nicht tat stand er auf einmal vor der Tür. Ich habe ihn nicht hinein gelassen sondern direkt bei Ihnen angerufen. Ich dachte die Polizeisirenen würden ihn von seinem Vorhaben abhalten, aber er hat trotzdem die Tür geknackt und stand auf einmal mit einem Messer vor mir.“

Alex runzelte die Stirn und fragte: „Wenn Frau Hermanns Tod Absicht war und nur ein Wiederaufleben Ihres alten Musters, weshalb musste dann ihre Freundin sterben? Wusste sie von Ihrer Vergangenheit und hat ebenfalls die Nerven verloren?“ Der Verbrecher sah die beiden Kommissare auf einmal recht kläglich an und seine Stimme war brüchig. „Saskia wusste von nichts. Sie war völlig ahnungslos aber sie hat mich erwischt, wie ich das Messer nach meinem Besuch bei Simone sauber gemacht habe und sie war total von der Rolle als sie erfahren hat, dass Simone tot war. Sie ist völlig ausgeflippt, hat gebrüllt was ich für ein Psychopath sei, dass sie es nicht mehr aushält und dass sie zur Polizei gehen würde. Ich wollte doch nur, dass sie still ist und mich nicht verrät. Ich wollte sie nicht umbringen. Ich liebe sie doch!“

Michael sah den Mann stirnrunzelnd an und konnte seine Entrüstung über diese Rechtfertigung nicht zurückhalten: „Dann hätten Sie sie nicht erstochen. Sie haben kein Recht sich an einem anderen Menschen zu vergreifen und zu entscheiden, wann er stirbt. Das hat auch nichts mehr mit Liebe zu tun. Sie haben Menschenleben auf dem Gewissen und dazu noch einen Unschuldigen hinter Gitter gebracht, dass es mich wundert, dass ihre Freundin es so lange mit Ihnen ausgehalten hat. Aber Sie werden in Haft noch genug Zeit haben über ihre Taten nachzudenken. Kommen Sie mit.“

Michael führte den Mann ab und Alex stand noch ein wenig im Zimmer und sah sich nachdenklich die Bilder an den Wänden an. So viele fröhliche und glückliche Momente, so viel Liebe war auf ihnen zu erkennen und doch war diese Liebe in sekundenschnelle ausgelöscht gewesen. Ein Streit und die Beziehung lag in Scherben. Hatte ihr Streit mit Gerrit ähnliche Konsequenzen? War sie mit ihrer Versöhnung zu spät dran? Alex ging nicht davon aus, dass er sie umbringen würde, aber war ihre Zeit zusammen vorbei? Würde sie am Ende auch nicht mehr haben als schöne Bilder, die sie an glückliche Zeiten erinnerten?

Alex seufzte leise und wandte sich zum Gehen, um Michael einzuholen, der gerade vor dem Auto stand und am Telefon die Kollegen über Gebherds Geständnis informierte. Als er unaufmerksam war entriss sie ihm schnell den Autoschlüssel, damit sie fahren konnte – natürlich nicht ohne ihm frech die Zunge zu blecken.



Gerrit bedankte sich bei Michael, legte auf und fuhr Henger, der immer noch auf unschuldig tat und auf Robert einredete, wütend an, um ihn zu unterbrechen: „Blödsinn! Sie und Gebherd haben doch zusammen alle an der Nase herumgeführt! Die ganze Zeit haben Sie mit uns Katz und Maus gespielt, ihren Status bei der Polizei ausgenutzt und damit die Tatsachen verdreht! Ihr Freund Gebherd hat alles gestanden, Sie sind der Mastermind hinter all dem! Wie kommen Sie dazu diese ganzen Menschenleben zerstören zu lassen und dabei noch die Polizeiehre zu beschmutzen indem sie wegschauen? Sie haben einen Eid geschworen, Menschen zu beschützen und stattdessen machen Sie es möglich, dass viele Frauen zu Schaden, nein sogar zu Tode kommen und der Mörder frei herumläuft! Sie sollten im letzten Loch verrotten! Kommt, bringt ihn weg.“ Jens, einer der Streifenpolizisten, der vom Schuss angelockt worden war, kam der Aufforderung nur zu gerne nach und sein Gesichtsausdruck sprach Bände, was er von dem jungen Mann hielt. Auch Kommissar Mayer sah angewidert aus und packte seinem ehemaligen Kollegen am anderen Arm und stellte sicher, dass es keine Möglichkeit zur Flucht gab.

Gerrit versicherte sich zu allererst, dass es Robert gut ging. Er war sich sicher, dass die anderen Kollegen mit Gebherd alleine klarkamen, jetzt wo die Gefahr durch Steffen Henger gebannt war. Robert würde in die Wohnung zurückkehren und auf die Spurensicherung warten. Sie verständigten sich kurz über den weiteren Verlauf des Tages und Gerrit erzählte ihm, jetzt wo sie alleine waren, endlich von seinem Plan. Robert war beinahe sprachlos und er konnte auch das dümmliche Grinsen nicht vom Gesicht bekommen, doch er sagte nichts weiter zu Gerrits Vorhaben, sondern warf seinem Kollegen lediglich den Autoschlüssel zu: „Danke, dass du mal wieder verhindert hast, dass ich erschossen werde.“, grinste er und Gerrit hob die Hand zum High five. „Immer wieder gern, Kollege. Aber schau mal zur Abwechslung, dass du auch ein bisschen Selbsterhaltungstrieb an den Tag lebst. Was machst du denn, wenn ich mal nicht da bin.“ Gerrit blinzelte ihm zu und Robert fand keine passende Entgegnung. Also beschloss er lediglich einzuschlagen und seinem Kollegen viel Spaß bei seinem Ausflug zu wünschen. „Und viel Erfolg mit Alex später.“
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast