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Happy together

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Het
Alexandra Rietz Gerrit Grass Michael Naseband Robert Ritter
17.11.2021
16.05.2022
19
35.309
3
Alle Kapitel
32 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
04.04.2022 1.731
 
Guten Morgen ihr lieben!
Seid ihr heute auch so müde? Z.z ich könnte sofort wieder schlafen. Aber hilft ja nix, die Arbeit ruft ;)
Ich wünsche euch einen tollen Wochenstart und viel Spaß beim Lesen!
LG,
Gray

„Du hättest ihnen keinen Honig ums Maul schmieren müssen. Da ist doch irgendetwas faul, die sind mir beide komisch vorgekommen. Das musst du doch auch spüren, das kann nicht nur ich sein!“, grummelte Gerrit auf dem Weg zum Auto. Michael seufzte, seine Stimme blieb allerdings ruhig, während er seinen Kollegen belehrte. „Hör mal ich habe auch nicht erwartet, dass du direkt verstehst was ich vorhabe. Aber wie du schon gesagt hast, irgendwas ist da spanisch und wir werden mit den beiden keinen Meter weit kommen, wenn wir sie von Anfang an darüber informieren, dass wir sie verdächtigen. Und dazu gehört nun mal auch, dass wir überfreundlich sind. Oder ich wenigstens und dass du deine wütende Zunge im Zaum hältst. Was mir nur nicht klar ist, was hätten die beiden mit den Morden zu tun, warum wurden sie so defensiv?“

Gerrit verarbeitete noch den kleinen Seitenhieb während Michael wirklich angestrengt überlegte, welchen Grund die beiden Kommissare hatten so defensiv zu antworten. Er versuchte sich in ihre Schuhe zu begeben. Was würde er tun, wenn jemand käme und einen alten Fall von ihm aufrollen und behaupten würde, dass Fehler gemacht wurden? Er würde natürlich mithelfen, die Fehler auszugleichen und sich kooperativ zeigen. Und alles tun, damit der Täter gefasst würde. Aber wenn er ganz ehrlich zu sich war, würde er im ersten Moment vermutlich auch verärgert und abweisend reagieren. Michael seufzte leise, immerhin war es nie schön, wenn man selbst Fehler bei sich entdeckte, aber er musste sich die Wahrheit eingestehen.

Leise teilte er seine Erkenntnisse mit Gerrit. „Ich glaube sehr, dass wir die beiden mit unserem plötzlichen Auftauchen einfach überfahren haben. Würde uns jemand Fehler vorwerfen, würden wir auch erst einmal alle Mauern hochziehen, schließlich geht es um unsere Berufsehre und jemand der unser Team kritisiert wäre erst einmal nicht willkommen. Und nein, auch du bist kein Engel, der einfach alles akzeptiert, das hast du heute wieder bewiesen. Nicht einmal Alex würde so einen Vorwurf im ersten Moment ohne Widerstand hinnehmen. Wir lassen den beiden einfach bis morgen Zeit sich daran zu gewöhnen, dass wir uns mit dem Fall beschäftigen. Und dann sehen wir ja wie kooperativ sie sind. Wenn uns dann immer noch etwas komisch kommt, werden wir uns darum kümmern. So und jetzt lass uns ins Büro zurückfahren und Übergabe machen, ich brauch Feierabend.“

Gerrit wollte zwar noch etwas erwidern aber es war ihm klar, dass das nichts brachte, für Michael war das Thema heute erledigt. Und so sehr es ihn auch wurmte, sein Kollege hatte einfach recht. Sie konnten nicht einfach aus dem ersten Besuch heraus Annahmen treffen, schon gar nicht bei Kollegen. Hatte er sich nicht selbst häufig gewünscht, dass Kollegen untereinander zuerst zusammen hielten? Im Zweifel für die Kollegen. Er würde weiter beobachten und wenn doch noch ein Moment des Zweifels bestünde, würde er sich zu einem anderen Zeitpunkt darum kümmern.

Als die beiden vor dem K11 ankamen, trafen auch gerade die Kollegen der Nachtschicht ein und so konnten die beiden Kommissare überpünktlich gehen. Michael erbot sich Gerrit heimzufahren und sein Freund nahm das Angebot gerne an, ihre Meinungsverschiedenheit wegen Alex schwiegen sie beide tot. Noch im Auto versuchte Gerrit Alex zu erreichen, doch sie ging nicht ans Telefon. Als er daheim ankam hinterließ er ihr eine Nachricht, in der er fragte, ob er noch vorbei kommen könne, doch er bekam keine Antwort mehr darauf. Kurz überlegte er, einfach noch bei ihr vorbei zu fahren, doch verwarf die Idee schnell wieder. Vermutlich war sie schon zu Bett gegangen, da sie am nächsten Tag Frühschicht schieben musste, während er morgen tagsüber Bereitschaft hatte und dann offiziell noch die Nachtschicht arbeiten musste. Es war großer Krankenstand im Büro und bei dem Wetter könnte sich Gerrit wirklich schöneres vorstellen als zu Arbeiten oder Krank zu sein. Gerrit hasste diese Tage mit den verschiedenen Schichten normalerweise schon, aber diesmal hatten er und Alex so viele Dinge zu klären und die Arbeit behinderte ihre Kommunikation. Mehr als kurze fünf Minuten Überschneidung in der früh um sieben gab es in der Regel nicht – und die auch nur, wenn sie in der selben Wohnung schliefen, was sie aktuell nicht taten, weil er nichts von ihr hörte. Aber alles Murren half nichts, sie hatten immer mal wieder Tage in denen sie nicht beieinander sein konnten, das war eben nur einer von diesen Tagen und die musste er einfach überstehen.



Alex hingegen hatte pünktlich um 13 Uhr Feierabend gemacht und endlich einmal wieder ein Treffen mit ihrer besten Freundin Marie arrangieren können. Marie war eine ihrer ältesten Freundinnen, sie kannten sich seit der Schulzeit aber sie sahen sich kaum. Zum einen lag das an Alex‘ Job, zum anderen an der Tatsache, dass Marie nur die Hälfte des Jahres überhaupt in Deutschland war. Ihr langjähriger Freund war Italiener und so wohnten sie ein halbes Jahr in Italien und ein halbes Jahr in Deutschland. Ein halbes Jahr Sonne pur und im Winter dann zum Skifahren in die Berge. Für Marie war das ein super Arrangement, Alex graute es ein wenig bei der Vorstellung sie müsste so leben. Das wäre ihr zu viel hin und her, zu wenig Flexibilität. Andererseits war Italien ein schönes Land.

Alex genoss es einfach sehr Marie über ihre zweite Heimat reden zu hören, so auch heute. Marie erzählte ihr gerade von einem Ausflug, den sie gemeinsam ans Meer gemacht hatten. Es war ein herrlicher Tag gewesen und plötzlich zog Philipo einen Korb voller Snacks und Getränke zusammen mit einer Picknickdecke hervor und lud sie zu einem Picknick mit Meerblick ein. Marie sprach ganz aufgeregt, es war ihr anzusehen, dass sie Alex unbedingt etwas erzählen wollte: „Und dann drehe ich mich kurz um, um die restlichen Getränke aus dem Korb zu fischen und als ich mich wieder zu ihm zurück drehe, kniet er hinter mir und hält mir einen Ring hin!“ – „Nein! Hat er nicht wirklich?!“, stieß Alex hervor und packte aufgeregt Maries Hand. „Und was hast du gesagt? Ja komm, Spann mich doch nicht so auf die Folter!!“ Zur Antwort hielt Marie ihr strahlend die Hand vor das Gesicht. Ein Ring, den Alex bislang nicht bemerkt hatte, funkelte daran. Ein kleiner silberner Ring mit einem kleinen weißen Stein in einer zierlichen Fassung eingelassen und zwei noch kleineren blauen Steinen direkt neben dem weißen. Er war schlicht aber hübsch. Alex quiekte ein klein wenig als sie Marie in die Arme schlang und sie fest drückte. Einige Freudentränen rollten ihr über die Wangen, sie freute sich so für ihre Freundin!

Doch ihre Tränen wollten einfach nicht stoppen und Alex merkte, dass all ihre zurückgehaltenen Gefühle an die Oberfläche treten wollten. Aber das war nicht der Moment. Es ging um Marie, um ihre Verlobung verdammt! Diesen Moment beanspruchte man nicht für sich und seine Probleme. Und so riss sich Alex zusammen und versuchte ihre Tränen zurückzudrängen. Allerdings wollte das nicht gut genug gelingen und so konnte sie nicht verhindern, dass Marie die Spuren auf ihren Wangen entdeckte, als sie die Umarmung beendeten. Sofort trat Sorge auf deren Gesicht. „Was ist los, Süße? Alles okay bei dir?“, fragte sie eindringlich und Alex war kurz davor zusammenzubrechen. Trotzdem schaffte sie es zu schniefen und ein „Nein, alles gut. Ich freue mich nur so für dich.“, hervor zu bringen. Doch schon im nächsten Moment war ihr klar, dass ihre Lüge keinen Bestand hatte.

Marie sah sie mit einem Blick an, der ihr nur zu vertraut war, egal wie selten sie sich sahen. Ihr erzähl-keinen-Mist-sondern-die-Wahrheit-Blick hatte eine Erfolgsquote von hundert Prozent, aber diesmal wollte Alex nicht, es war nicht ihr Moment, es war Marie, die verlobt war. Doch als hätte ihre Freundin das erraten sagte sie: „Komm schon Alex, ich bin morgen auch noch verlobt. Ich kann mich erst wirklich drüber freuen, wenn ich weiß, dass es dir gut geht. Und das tut es ja augenscheinlich nicht. Also komm, mach den Mund auf.“

Alex schaffte es zu Beginn weiterhin die Tränen zurück zu halten, doch irgendwann verlor sie den Kampf erneut. Sie erzählte Marie alles, jedes Gefühl, alles war passiert war und wie es ihr dabei ging und zum ersten Mal war sie wirklich ehrlich auch zu sich selbst. Marie war eine aufmerksame Zuhörerin und setzte an genau den richtigen Stellen eine entrüstete Miene auf, einmal entfuhr ihr sogar ein Schimpfwort über Gerrits Verhalten, was Alex ein kleines Lächeln entlockte. Und mit jeder Minute die Alex erzählte, wurde der dicke Knoten in ihrer Brust kleiner und das alles schien Alex nicht mehr so wahnsinnig kompliziert. Es hatte ihr geholfen einfach nur alles von der Seele zu reden. Marie und sie lagen sich schweigend in den Armen, lange nachdem sie geendet hatte und Alex‘ Gedanken kreisten um Gerrit.

Hatte sie ihn zu Unrecht auf Abstand gehalten? Hatte sie nur wieder den Teufel an die Wand gemalt und Gerrit hätte sie am Tag darauf nur beruhigen wollen? Hatte sie einen Fehler gemacht? Würde er ihr ihren abrupten Kontaktabbruch verzeihen können?  Wie es ihm wohl ging? Sie hatte ihn komplett alleine gelassen und wusste auch nicht wie sein Besuch im Krankenhaus abgelaufen war. Ob er sich wohl mit seinem Vater vertragen hatte? Würden sie sich sogar wiedersehen? Oder war es ganz fürchterlich schief gegangen, weil er an seinem Hass für seinen Vater festgehalten hatte? Sie hatte keine Antworten und es beunruhigte sie, dass sie nichts wusste. Es war als hätten sie sich schon getrennt, jedenfalls stellte sich Alex das so vor.

Sie musste ihre Beziehung kitten und das so schnell wie möglich. Sie musste sich mit Gerrit einfach nur normal unterhalten und ihm klar machen, warum sie keine Kinder wollte. Und was dann kam, kam. Als sie Marie von ihrem Plan erzählte stimmte ihre Freundin ihr zu und beobachtete wie Alex die SMS schrieb. Doch dann legte Alex das Handy außer Sichtweite und konzentrierte sich auf Marie. Gemeinsam kochten und redeten sie wie früher und als Marie in den späten Abendstunden schließlich von ihrem Freund abgeholt wurde, lag Alex ihr noch einmal lange in den Armen. „Danke Marie. Ich freue mich so für euch zwei!“, flüsterte sie ihr noch zum Abschied zu und mit einem verschwörerischen Zwinkern verabschiedete sich ihre Freundin. „Dir viel Erfolg mit Gerrit! Daumen sind gedrückt!“
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