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Die Eingliederungsmaßnahme - (2) Überleben und Leben

von Feerja
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P16 / MaleSlash
Draco Malfoy Harry Potter
16.11.2021
29.11.2021
9
19.884
8
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25.11.2021 2.343
 
Nachdenklich blickte er sich um.
Auch wenn er durch das Liegen wieder ein wenig Energie zurückgewonnen hatte, musste er seine Kräfte gut einteilen, denn er hatte keine Ahnung, wo er sich genau befand.
Die jüngste Weasley hatte ihn eine Weile hinter sich her gezerrt.
Wenn er jetzt in die falsche Richtung ging, oder kroch, könnte es ihn das letzte bisschen Energie kosten, dass noch in ihm steckte.

Hm. Hier unten war es dunkel. Die Gänge wurden nur mäßig von Fackeln beleuchtet.
Er war sich ziemlich sicher, sie hatten das Stockwerk nicht verlassen.
Es gab für ihn auch nicht viele Möglichkeiten.
Entweder er ging nach rechts oder links.
Leider war er vorhin nicht in der Verfassung gewesen, sich den Weg zu merken.
Eigentlich hatte er prinzipiell noch Schwierigkeiten mit seiner Merkfähigkeit und Konzentration.

Er wischte sich den Schweiß von der Stirn.
Selbst mit den Tränken würde es ein paar Wochen dauern, bis er seine Vitamin- und Mineralienmängel ausgeglichen hatte.

Welche Möglichkeiten hatte er noch?
Sein Zauberstab war bei Harry. In dieser Box.
Apparieren, ging nicht hier unten.
Schreien. Hm, ja, besser als nichts. Er könnte es versuchen.
Also schrie er.

Er hörte erst auf, als er heiser wurde.

Waren da Schritte?
Er lauschte.
Seufzte.
Nein.

Und wenn er doch noch einmal nachdachte?
Als Ginny Weasley ihn hierher gezerrt hatte, hatte er zu Boden geblickt.
Ja, genau!
Er erinnerte sich an das Muster auf dem Boden. Es hatte sich hier verändert.
Vielleicht, wenn er Glück hatte...

Suchend sah er sich um. Musterte den Boden
Und atmete erleichtert aus.
Er hatte den Weg gefunden.

Mit einem tiefen Atemzug stemmte er sich hoch.
Puh. Das war echt anstrengend!
Seine Finger kratzten an den Steinwänden entlang, als er sich an ihnen abstützte und vorwärts wankte.
Stück für Stück.
Schritt um Schritt.

Irgendwann verlor er sein Zeitgefühl. War sich sicher, schon seit Ewigkeiten unterwegs zu sein.
Schweiß rann seinen Körper hinab.
Seine Kleidung klebte unangenehm.
Er keuchte.

Schließlich wurde die Anstrengung zu groß. Er taumelte.
Fiel.

Doch jetzt würde er bestimmt nicht aufgeben!
Jetzt nicht mehr!
Auf allen Vieren krabbelte er vorwärts.

Ganz vertieft in seinen Bemühungen, hörte er die Schritte nicht.
Daher erschreckte ihn das diskrete Räuspern fast zu Tode.
Er zuckte zusammen und hob den Kopf.
Ein Fremder stand vor ihm.

„Verzeihen Sie. Kann ich Ihnen helfen?“ fragte der Mann höflich.

Draco errötete.
Schluckte dann aber seine Würde hinunter.
Dafür, hatte er keine Zeit!
Er setzte sich auf den Boden und nickte.
„Ja, das wäre sehr freundlich. Könnten Sie bitte Mister Potter informieren? Ich suche ihn.“

Ein Lächeln zeigte sich auf dem Gesicht des Mannes.
„Aber natürlich. Sie sind Mister Malfoy. Er hat Sie schon überall gesucht!“

Sofort machte Dracos Herz einen freudigen Satz.
Harry hatte ihn gesucht? Also hatte er ihn auch vermisst!?
Er lächelte glücklich.
„Vielen Dank!“

Der Fremde hob ein kleines Gerät hoch und tat etwas damit.
Kurz darauf piepste das Ding.
Der Mann wand sich wieder Draco zu.
„Er kommt gleich.“

Überrascht blickte Draco ihn an. „Woher -,“ dann dämmerte es ihm, „Ist das ein kleines „MagSpeak“?“

Ein Grinsen, huschte über das Gesicht des Fremden.
„Genau. Eine neue, kleinere Version. Das Ministerium darf sie als Erstes testen.“

„Interessant. Und, wie finden Sie es?“

Der Andere kam nicht mehr dazu, zu antworten.

Harry schoss um eine Ecke und rannte direkt auf Draco zu.
„Beim Barte des Merlin! Ich schwöre dir Draco, wenn das so weitergeht, bin ich in ein paar Wochen ein alter Mann mit schneeweißem Haar!“
Knapp vor Draco hielt er an, beugte sich herab und schlang die Arme um ihn.

Draco schloss die Augen.
Genoss die Nähe.
Fühlte.
War einfach nur glücklich.

Ginny Weasley, konnte ihm gestohlen bleiben!

Erst nach einer Weile lösten sie sich von einander.
Langsam öffnete Draco die Augen.
Blickte den Anderen ruhig an.
„Harry?“
„Ja?“ fragte er, den Blick erwidernd.
Er sah ihm tief in die Augen. „Gibst du mir bitte den Stärkungstrank?“
Ein Schmunzeln huschte über Harrys Gesicht, doch er brach den Augenkontakt nicht ab. „Natürlich,“ antwortete er und wühlte in seinen Taschen.
Drückte ihm wortlos den Trank in die Hand.
„Danke!“ Draco öffnete ihn und trank, während er den Anderen  weiterhin anblickte.
„Wir sollten nach Hause gehen,“ murmelte Harry.
„Mhm,“ antwortete Draco, beugte sich vor und küsste ihn.
Harry hatte nichts dagegen einzuwenden.


Kurze Zeit später landeten sie mit einem Portschlüssel bei Harrys Haus.
Trotz des Stärkungstranks, war Draco sehr erschöpft und legte sich ein wenig hin.
Bevor er seine Augen schloss, warf er noch einen letzten Blick auf Harry, welcher neben ihm saß und seine Hand hielt.


Langsam erwachte er.
Hielt die Augen geschlossen und genoss es, liegen zu bleiben.
Sein Körper war so entspannt.
Die Bettwäsche weich und warm.
Und der Geruch.
Es roch nach Harry.

Er seufzte leise und öffnete die Augen.
Zu seiner Freude stellte er fest, dass der Andere immer noch da war.
Interessiert beobachtete er, wie Harry sich in einem ungesagten Zauber übte.
Immer wieder ließ er eine kleine Drachenstatue lebendig werden und erstarren.

„Du bist schon ziemlich gut,“ flüsterte er und räusperte sich.
Seine Stimme wollte ihm nicht so ganz gehorchen, aber Harry hatte ihn trotzdem gehört.
Er hob den Kopf und sprang auf, als er bemerkte, dass Draco wach war.

Der kleine Drache schlug heftig mit den Flügeln, flog spiralförmig nach oben und setzte sich auf Harrys linke Schulter.
Dieser achtete jedoch nicht weiter auf ihn, sondern lächelte erleichtert.

Schnell kam er auf Draco zu und setzte sich zu ihm aufs Bett.
„Wie hast du geschlafen? Wie geht es dir?“ fragte er und griff nach Dracos Hand.
„Ganz gut,“ flüsterte der und konnte nicht widerstehen, seinen Kopf an Harrys Arm zu schmiegen.
Er hätte ihn auch sehr gerne wieder geküsst, nur musste er gerade an Ginny Weasley denken. Ihm wurde klar, dass er das Thema jetzt ansprechen musste. Je länger er es hinauszögerte, desto schlimmer würde es sonst für ihn werden.

Er griff nach einem Wasserglas, welches neben seinem Bett stand und trank es in wenigen Zügen leer.
Danach holte er tief Luft und sagte die drei Worte, die in Beziehungen jeglicher Art, für eine gewisse Anspannung oder sogar Angst, sorgen.
„Wir müssen reden.“

Ein kurzes Zucken in Harrys Arm, war die erste Reaktion.
„Ookay,“ meinte er dann und wand sich ganz Draco zu.
„Was ist los?“ aufmerksam musterte er ihn.

„Es geht um das, was nach der Anhörung passiert ist.“

„Ah,“ für einen kurzen Moment schien Harry erleichtert, aber kurz darauf wurde seine Mine wieder ernst.
„Ich habe gehofft, du würdest es mir erzählen!“

Bei den nächsten Worten beobachtete Draco ihn genau, „Ich habe Ginny Weasley getroffen.“

Harry runzelte die Augenbrauen. „Okay. Hm, komisch.“ Nachdenklich legte er die Stirn in Falten. „Ich hätte nicht gedacht, dass sie zu Gerichtsverhandlungen geht. So etwas interessiert sie normalerweise nicht.“

„Keine Ahnung, ob sie wirklich drin war. Aber sie hat mich danach weggezerrt und mir einige Dinge erzählt,“ auch jetzt beobachtete er Harrys Gesicht.

„Was?“ empört starrte der Andere ihn an.
„Ist Sie etwa Schuld daran, dass du in diesem abgelegenen Gang warst? Das wird ein Nachspiel für sie haben!“ Seine Augen funkelten gefährlich.

Draco musste Lächeln.
Harry war sein Ritter in schimmernder Rüstung.
Dabei hatte er nie viel von Heldenverehrung gehalten, doch Harrys Empörung klang so aufrichtig, da schmolz sein Herz einfach dahin.
Fast hätte er es da unterlassen, ihn mit Ginnys Geschichte zu konfrontieren.
Fast.
Aber er wollte vollständige Gewissheit, selbst, wenn es ihm das Herz brechen könnte.

„Willst du nicht wissen, was sie mir erzählt hat?“ fragte er betont gelassen.

Wieder runzelte Harry die Stirn. „Äh, doch?“

„Sie meinte, ihr währt verlobt und würdet bald heiraten. Außerdem, sagte sie, hätte sie kein Problem damit, wenn du ein bisschen Spaß mit Männern hast.“

„Oh,“ überrascht sah Harry ihn an.
Sein Gesicht zeigte Verwirrung, Ärger und, Dracos Herz wurde schwer, ein Hauch von schlechtem Gewissen.

„Es ist wahr?“ fragte er leise.

„Was?“ schreckte Harry hoch, der gerade noch gedankenverloren dagesessen hatte.
„Nein,“ sagte er schnell und beugte sich zu Draco hinab.
Er verzog das Gesicht. „Nicht so richtig.“

Ärger stieg in Draco auf. Was sollte das heißen?
Er legte den Kopf schief und verengte die Augen. „Was meinst du mit nicht so richtig? Entweder man ist verlobt, oder man ist es nicht!“

„Äh, ja. Schon,“ Harry kratzte sich am Kopf.
„Meiner Meinung nach sind wir es nicht! Die Verlobung war kurz nach dem Krieg. Ich habe Ginny dann aber gesagt, dass ich doch eher auf Männer stehe und denke, die Beziehung hätte keine Zukunft.“

„Und danach?“

Der Andere zuckte die Achseln.
„Ich hatte One-Night-Stands. Und diese Beziehung mit meinem verrückten Ex. Das wars.“

„Hm,“ nachdenklich musterte Draco ihn.
„Das klingt ja alles ganz vernünftig. Warum hast du dann ein schlechtes Gewissen?“

Harry wurde rot. „Naja, wie soll ich es sagen. Einer der One-Night-Stands war mit Ginny.“ Er kratzte sich am Kopf.
„Es war kurz nachdem ich mit meinem Ex Schluss gemacht habe. Sie kam vorbei, wir haben einiges getrunken und eines führte zum anderen.“ Harry seufzte.
„Ich habs gleich danach bereut. Sie fing sofort damit an, dass wir es doch nochmal zusammen versuchen könnten und wie schön sie in ihrem Hochzeitskleid aussehen würde.“
Jetzt zuckte er mit den Achseln.
„Ich war müde und bin eingeschlafen. Am nächsten Morgen war sie weg. Also dachte ich, sie hat das nur so dahin gesagt.“
Er schwieg kurz.
„Wir haben uns seitdem nicht mehr gesehen. Das ist Monate her!“

„Hm,“ nachdenklich blickte Draco ihn an.
„Und du hast wirklich nichts von Heirat, zu ihr gesagt?“
Harry hielt zwei Finger hoch, „Nein, ich schwöre es!“
„Du musst auf jeden Fall mit ihr ein klärendes Gespräch führen!“ sagte Draco energisch und stupste ihn an.
Der Andere lächelte, legte sich neben ihn und spielte mit einer seiner Haarsträhnen.
„Ist jetzt alles geklärt?“ fragte er neckisch.
Draco schnappte seine Hand und hielt sie fest.

Er drehte den Kopf, atmete einmal tief ein und aus und sah Harry schlussendlich in die Augen. Hielt seinen Blick fest.
„Was genau ist das zwischen uns? Ich will nämlich kein One-Night-Stand sein. Und ich will der Einzige für dich sein. Keine anderen Männer, Frauen oder sonst was!“
Er beobachtete, wie sich diese wundervollen, grünen Augen vor Überraschungen weiteten.
Schließlich begannen sie zu funkeln.
Bevor Draco es sich versah, packte Harry ihn und rollte mit ihm herum, bis Draco unter ihm lag.
Stürmisch presste sich Harry an ihn und küsste ihn leidenschaftlich.
Nachdem Draco sich von der Überraschung erholt hatte, erwiderte er die Küsse voller Hingabe.

Eine ganze Weile später meinte Harry, „Nur um das absolut klarzustellen, ich denke wir sind Freunde -“
Sofort versteifte sich Draco unter ihm.
Daraufhin beugte sich Harry zu ihm hinunter und küsste ihn wieder.
„Ich hoffe aber, wir steuern auf eine Beziehung zu.“
Wieder ein Kuss.
„Und ja, ganz exklusiv, klingt gut! Nur du und ich.“
Er strich Draco durchs Haar, fuhr dann zärtlich über seine Wange, verweilte kurz am Kinn und strich dann über seine Unterlippe.

Dracos Herz trommelte jetzt wie verrückt.
Sein Blut schien regelrecht zu kochen.
Nun konnte und wollte er sich nicht mehr zurückhalten.
Voller Verlangen griff er in Harrys Haar und zog seinen Kopf zu ihm herab, um ihn erneut zu küssen.
Harry reagierte sofort und intensivierte den Kuss, presste sich dabei fest an Draco und strich seinen Nacken entlang.
Draco stöhnte auf.
Er ließ seine Hand Harrys muskulöse Schulter hinabgleiten, küsste ihn noch leidenschaftlicher und schmiegte sich enger an ihn.
Für einen Augenblick fühlte er nur.
Sein Herz, das wie verrückt pochte.
Sein Blut, welches in seinen Adern wallte.
Seine Lippen, seine Haut, die so empfindlich auf die kleinste Berührung reagierten.
Sein -

Jäh schrak er auf, als Harrys Hand unter sein Shirt glitt.
Panik machte sich in ihm breit.
So weit war er noch nicht!
Er aß erst seit eine Woche wieder etwas und auch die Tränke konnten ihm nicht so schnell seine alte Figur zurück geben.
Außerdem hatte er bisher nur zweimal mit jemandem geschlafen.
Es war ewig her!

„Draco, alles okay?“ fragte Harry heiser und küsste sich an seinem Wangenknochen entlang.

„I -Ich,“ stammelte er atemlos.
Was, wenn Harry es sich anders überlegte?
Was, wenn er ihn nicht verstand?
Was, wenn -

„Hey Draco, was ist los?“

Er war so mit seiner Panik beschäftigt gewesen, dass er gar nicht bemerkt hatte, wie Harry sein Gesicht umfasste und ihm in die Augen blickte.
Mühsam versuchte er seine Gefühle zu verstecken.
Bis jetzt hatte Harry keine Ahnung.
Noch könnte er ablenken und es einfach durchziehen.
Danach würde es einfacher sein.
Er konnte das. Bestimmt konnte er das! Er war sich fast sicher.
Sein Körper begann plötzlich unkonzentriert zu zittern.
So ein verfluchter §€%&!
Elender Verräter!

Harry schien zu begreifen und Draco zitterte noch stärker.
Er schloss die Augen.
Scham überkam ihn.

Da legte Harry die Arme locker um ihn und rollte mit ihm so herum, dass sie beide auf der Seite lagen.
„Entschuldige, ich bin ein Idiot,“ flüsterte Harry und hauchte ihm einen schnellen Kuss auf die Schläfe. „Ich bin ein wenig zu schnell vorgeprescht und habe dich erschreckt. Das tut mir leid. Es kommt nicht wieder vor! Ich habe mich ein bisschen hinreißen lassen.“ Verlegen kratzte er sich am Ohr.
„Du gibst einfach Bescheid, wenn du soweit bist. Okay?“

Draco wurde ruhiger und beschloss nun, seine Sorgen auszusprechen.
„Und was, wenn es Monate dauert?“

„Was soll,“ Harry zuckte mit den Achseln und lächelte. „Wir sind einfach kreativ.“

Voller Erleichterung atmete Draco laut aus. „Harry Potter, habe ich dir schon mal gesagt, wie sehr ich dich mag?!“ Stürmisch schmiegte er sich an ihn und küsste ihn wieder.

Harry lachte leise und sagte, „Das höre ich gerne. Ich mag dich auch. Sehr sogar!“





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Eine kleine Info. Ursprünglich war dieses Kapitel sehr viel länger, aber ich habe beschlossen, es zu teilen. Das bedeutet, Euch erwarten noch zwei Kapitel, bis die Geschichte beendet ist.

LG, Feerja
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