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Das gestohlene Ich

von Rafaela
GeschichteFantasy / P18 / Het
Kobolde & Feen Ritter & Krieger Zauberer & Hexen
15.11.2021
25.11.2021
6
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25.11.2021 2.701
 
„Stella! Stella, wach auf!“

Die Gerufene wachte auf, als es laut und unnachgiebig an der Tür zu ihrem Zimmer klopfte. Müde richtete sie sich auf und gähnte ausgiebig. Es musste noch Nacht sein, denn keine Sonnenstrahlen schienen durchs Fenster in den Raum. Es klopfte weiterhin und Stella vernahm die aufgeregte Stimme von Maisie.

„Komm herein, ich bin wach“, rief sie ihr freundlich zu und sogleich wurde die Tür geöffnet. Maisie kam mit strahlenden Augen herein und konnte es anscheinend kaum abwarten, bis sie aufgestanden und sich fertig gemacht hatte.
„Los, beeil dich. Der Tag fängt früh an. Wir müssen die Hühner füttern und die Kühe melken und anschließend mit den Kühen auf die Weide. Ich muss dir so viel zeigen.“
„Schon gut, ich komme gleich. Ich mache mich nur frisch und ziehe mich an und dann bin ich bei dir“, erwiderte Stella lachend.
„Ist gut, ich warte draußen.“

Nachdem Stella sich frisch gemacht und sich angezogen hatte (das braune mit der Schürze), verließ sie ihre Unterkunft und trat hinaus auf den Hof. Der Morgen war in der Tat bereits angebrochen, wenngleich die Sonne gerade erst begonnen hatte, aufzugehen. Es war noch kühl, aber die Luft war gut und für einen Moment stand sie einfach nur da, um tief ein- und auszuatmen. Ruhig war es auf dem Hof. Es schien, als wären sie und Maisie die einzigen, die bereits auf den Beinen waren.

Das jüngste McLaren Familienmitglied erwartete sie bereits.

„Wie hast du geschlafen? Ich hoffe, gut?“, wollte sie neugierig wissen und sah sie von der Seite her an.
„Ja, vielen Dank. Ich habe hervorragend geschlafen“, antwortete Stella wahrheitsgemäß und lächelte dem Mädchen zu. „Du hoffentlich auch? Wie kommt es, dass du schon wach bist?“
„Ich hab auch gut geschlafen und naja, ich muss doch die Tiere füttern.“
„Und du wachst ganz von allein auf?“
„Mhm, so gut wie immer. Ich hab das irgendwie in mir drin, dass ich genau rechtzeitig aufwache. Sollen wir zuerst zu den Hühnern gehen?“
„Gerne. Geh nur voran.“

Zusammen liefen sie zum Hühnerstall, der zu ihrer Linken lag. Haupthaus, Wohnhäuser und Schuppen lagen jeweils zur rechten und linken Seite neben dem großen Tor, der zu beziehungsweise von ihrem Grundstück (weg)führte. Auf der anderen Seite, gegenüber des Tors, befanden sich die Ställe. Ganz routiniert und zielstrebig führte Maisie sie zu den Hühnern, die – sobald sie sich näherten – laut gackerten und aufgeregt in ihrem Stall herumliefen. Der Stall bot zwölf Hühnern Platz, die jeweils ihr eigenes Legenest besaßen, ansonsten aber viel Platz hatten, um sich frei bewegen zu können. Es gab sogar im hinteren Bereich zwei kleine Öffnungen, durch die die Tiere ins Freie gelangten. Stella stellte nämlich fest, dass es hinter dem Haus noch einen abgezäunten Bereich gab, sodass die Hühner sich auch draußen aufhalten konnten. Das Futter befand sich in mehreren Säcken, die links neben dem Eingang standen und verschnürt waren. Darüber hinaus gab es noch ein Regal, auf dem weitere Utensilien lagen. Unter anderem eine Schaufel, um das Futter aus den Säcken bis zu den Futtertrögen der Hühner zu transportieren. Außerdem befanden sich noch Besen und Rechen im Raum.

„Das sind unsere Hühner“, erzählte Maisie stolz. „Jede von ihnen hat einen Namen. Soll ich sie dir sagen?“
„Gerne. Ich befürchte nur, ich werde sie mir nicht gleich alle merken können.“
„Das macht  nichts. Mit der Zeit kannst du sie alle auseinander halten. Also, das hier vorne ist Cap, der Anführer. Wie man sieht, ist er der Hahn im Korb, sozusagen. Dann hätten wir hier Gigi, Lola, Silli, Calla, Nora, Tami, Zola, Sisi, Rocca, Coco und Hatty. Wir müssen den Stall erst einmal sauber machen. Ich werde das dreckige Stroh mit dem Rechen entfernen, danach kannst du mit dem Besen herausfegen und zum Schluss holen wir frischen Stroh.“

Stella war höchst beeindruckt von Maisies Engagement und Gewissenhaftigkeit. Auch hatte sie etwas Bestimmendes in der Stimme, dem man sich nicht entziehen konnte. Sie sah sich gerade noch nach dem Besen, als das junge Mädchen mit einem Schubkarren wieder kam, den sie von draußen geholt hatte, sich den Rechen schnappte und zügig ihrer Arbeit nachging. In dieser Zeit sagte sie kein Wort, sodass es nicht lange dauerte, bis der gesamte Dreck entfernt war. Die Hühner ließen sich davon nicht stören. Manche flohen nach draußen, manche gingen ihr einfach nur aus dem Weg. Dann war Stella an der Reihe. Während Maisie den Dreck wegfuhr, kehrte sie mit dem Besen die letzten Schmutzreste zusammen. Sie bewegte sich längst nicht so schnell wie das Mädchen – zunächst einmal machte sie das zum ersten Mal, zum anderen wollte sie die Tiere nicht verletzen und achtete daher besonders darauf, wo sie kehrte. Die jedoch kümmerten sich nicht großartig um sie. Das ein oder andere Huhn pickte ein, zweimal nach ihr, aber sonst kümmerten sie sich um ihren eigenen Kram.

Nach einer Weile kam Maisie wieder – dieses Mal mit einem mit frischen Stroh gefüllten Schubkarren.

„Super, du bist schon fertig“, lobte sie Stella begeistert. „Dann können wir jetzt zusammen das frische Stroh im Stall verteilen.“

So machten sie es. Stellas Respekt vor Maisie wuchs von Minute zu Minute. Sie war noch so jung, trug aber schon eine große Verantwortung und erledigte ihre Arbeiten schnell und zuverlässig.

„Ich finde das großartig, was du hier tust und wie du es machst“, sprach sie ihre Gedanken laut aus und sah Maisie bewundernd an, was diese zum Erröten brachte. „Da kann so manch einer wirklich eine Scheibe von dir abschneiden. Ich habe das Gefühl, ich kann so viel von dir lernen.“
„Das ist lieb von dir, Stella. Es macht mir wirklich großen Spaß und ich helfe meiner Familie. Das ist das wichtigste.“ Gedankenverloren betrachtete sie ihre Hühner. „Magst du sie füttern? Ja? Komm, die Futtersäcke stehen hier. Wir füllen jetzt erstmal die Futter- und Wassertröge und dann gehen wir nach draußen und füttern ein paar von ihnen mit der Hand.“

Eifrig ging sie zu Werke, unterstützt von Stella, die sich nützlich machen und dazulernen wollte. Nachdem alles erledigt war, schüttete Maisie etwas von dem Futter, welches hauptsächlich aus Maiskörnern bestand, in die offenen Handflächen von Stella, nahm sich selbst eine Handvoll und bedeutete ihr dann, ihr nach draußen zu folgen.

Die Sonne stand nun schon etwas höher und warf bereits etwas mehr Licht auf den Hof. Dennoch war es nach wie vor überraschend still, wie Stella fand. Hinter dem Hühnerstall befand sich das Freigehege, welches unmittelbar mit dem Stall verbunden war. Sie stiegen über den Zaun und knieten sich auf den Boden – eine schönes, saftig grüne Wiese, auf der auch Pflanzen wie Löwenzahn wuchsen. Maisie begann nach ihren Hühnern zu rufen und tatsächlich – nicht lange darauf kamen sieben der zwölf Tiere nach draußen gelaufern.

„Du musst deine Handfläche flach ausstrecken und nach unten halten“, erklärte sie ihr und machte es vor. „Und schön ruhig bleiben, dann kommen sie von allein.“ Sie sollte Recht behalten.

Erstaunt und voller Freude stellte Stella fest, wie nach und nach die Hühner auch auf sie zukamen und nach kurzem Zögern anfingen, die Körner von ihrer Hand zu picken. Freudig sah sie auf ihre Nachbarin, die ihr Lächeln erwiderte.

„Du bist ein Naturtalent, Stella“, sagte Maisie. „Sie vertrauen dir.“
„Meinst du wirklich? Wer ist denn gerade bei mir?“
„Das sind Coco, Sisi und Hatty. Bei mir sind Zola, Rocca, Tami und Nora. Die restlichen Hühner sind richtige Faulpelze. Die sind auch selten draußen. Außer Cap, er muss ja schließlich auch den Überblick behalten.“ Maisie lachte laut auf.
„Na, da hat ja jemand schon jetzt großen Spaß“, sagte eine Stimme hinter ihnen amüsiert. Beide drehten sich grinsend um und blickten Nathan ins Gesicht.
„Ja und wir waren auch schon fleißig“, berichtete Stella stolz. „Wir haben den Stall ausgemistet, neues Stroh ausgelegt, die Futtertröge gefüllt und jetzt sind wir hier.“ Ihre leuchtenden Augen trafen die seinen.
Ich bin beeindruckt.“ Sein Lächeln wurde breiter. „Du hast offensichtlich viel Freude dabei, das ist schön zu sehen.“
„Das stimmt. Maisie wollte mir gleich eure Kühe vorstellen und zeigen, wie man sie melkt.“
„Na, das lass ich mir nicht entgehen. Ich komme mit.“

Er reichte ihr seine Hand und half ihr aufzustehen. Durch den Schwung verlor sie den Halt und musste sich an seiner Brust abstützen. Für einen winzigen Moment verharrten sie so in dieser Position und sahen sich in die Augen – solange, bis Stella errötete und sich von ihm löste. Verlegen räusperte sie sich.

Maisie indessen hatte sich selbst erhoben und stapfte grinsend an den beiden vorbei und bedeutete ihnen mit einem Handwink, ihr zu folgen. Es ging in den Kuhstall, in dem sich sechs Tiere in voneinander abgetrennten und abgeschlossen Separees befanden. Drei davon waren komplett braun gefärbt, zwei Kühe waren weiß-braun gefleckt und eines war schwarz. Die Tiere hatten jeweils ein Separee für sich, das mit Stroh ausgelegt war, sowie einen eigenen Futter- und Wassertrog.

„Sie sind nur des Nachts hier drin“, erklärte Maisie McLaren belehrend. „Tagsüber sind sie draußen auf der Weide. Die Schwarze hier heißt Nemesis. Die Braunen heißen Naomi, Nana und Nita Und die Fleckigen heißen Tara und Trina. Wir füllen die Wasser- und Futtervorräte auf, melken sie dann und bringen sie dann auf die Weide. Erst später machen wir dann den Stall sauber.“

Gewissenhaft machte sich Nathans Schwester daran, die notwendigen Sachen zusammen zu schaffen, ohne dass er und Stella sich um etwas bemühen mussten.

„Deine Schwester ist ganz schön fleißig und zielstrebig“, meinte sie zu Nathan. „Sie ist nicht zu bremsen.“
„Oh ja, da hast du recht. Maisie ist ein kleiner Wirbelwind. Sie hält uns alle auf Trab, aber sie kümmert sich sehr sorgfältig und rührend um ihre Tiere, ebenso wie sie es mit ihren Geschwistern tut. Dabei ist sie die jüngste von uns.“
„Sie hat zweifelsfrei einen tollen Charakter. Und eine großartige Familie, die hinter ihr steht.“ Stella betrachtete Nathan von der Seite und bemerkte den warmen, liebevollen Blick, den er seiner kleinen Schwester schenkte.

„So, ich bin fertig. Wir können nun mit dem Melken beginnen.“ Maisie war nicht einmal außer Atem, als sie zu ihnen zurück kehrte. Nur ihre Wangen waren etwas gerötet und ihre Augen strahlten. Sie nahm Stella bei der Hand und führte sie zu der schwarzen Kuh namens Nemesis, um sie miteinander bekannt und vertraut zu machen. Sie legte ihr die Hand sachte auf den Rücken der Kuh, die sich nur wenig rührte. Nemesis war mit Trinken und Essen beschäftigt.
Stella fuhr sanft über das Fell von Nemesis. Es fühlte sich warm und weich an. Unterhalb der Euter hatte Maisie einen Eimer bereitgestellt, etwas weiter daneben befand sich ein Schemel, auf den Stella sich nun setzen sollte. Das Mädchen selbst kniete sich neben sie.

„Ich zeige dir jetzt, was du machen musst und wie du es machen musst. Wichtig ist, dass du gleichmäßig Druck ausübst, nicht zu stark, aber auch nicht zu sachte.“

Aufmerksam schaute Stella zu, wie Maisie die Euter der Kuh in die Hand nahm und kurz darauf in gleichmäßigem Rhythmus die Milch aus den Eutern in den Eimern schoss. Das machte sie eine Weile, ehe sie losließ und Stella an der Reihe war.

Dieses war anfangs sehr zögerlich und musste sich einige Male helfen lassen. Mit der Zeit gewann sie aber an Routine und Sicherheit, hatte einen guten Griff und konnte den Rest alleine machen. Die andern beiden schauten ihr schweigend dabei zu. Erst als nach und nach kaum noch Milch aus den Drüsen kam, meldete sich Maisie wieder zu Wort.

„Das reicht jetzt erst einmal. Das hast du sehr gut gemacht, Stella. Die Milch kannst du mitnehmen und vor der Scheunentür abstellen. Jetzt kommen die anderen dran. Wir können uns wunderbar aufteilen und sind dann umso schneller fertig.“ Sie lächelte ihren Bruder und Stella freudig an und lief schon zum nächsten Tier.
„Ich sagte ja, ein Wirbelwind“, lachte Nathan und nahm Stella den Eimer frischer Milch entgegen. Sie selbst nahm den Schemel und suchte sich ebenfalls die nächste Kuh.

Die Zeit verging wie im Flug. Konzentriert ging jeder seiner Arbeit nach und Stella fand so langsam Gefallen daran. Die Tiere verhielten sich alle ruhig und wirkten sehr entspannt, was ihr wiederum die Anspannung nahm. Das einzige, was sie merkte war, wie schwer ihre Hände langsam wurden. Auch ihr Nacken verspannte sich immer mehr, da sie nicht gerade auf dem Schemel saß, sondern sich vorbeugte. Das kam aber sicher daher, dass sie diese Arbeit nicht gewohnt war. Von den beiden anderen hörten sie keine Klagen.

Als sie fertig war, streichelte Stella der Kuh über den Kopf, stellte den Schemel beiseite und nahm den Eimer, um ihn vor die Tür zu stellen. Sie stellte fest, dass Nathan und Maisie so schnell arbeiteten, dass sie die anderen vier Kühe auch schon gemolken hatten. Vor der Stalltür standen sechs volle Eimer.

„Hier“, sagte Nathan und reichte ihr einen Becher voll mit frischer Milch. „Es gibt nichts Besseres als frische Milch.“

Stella nahm einen Schluck und stellte fest, dass er recht hatte. Die Milch war noch warm und schmeckte süß.

„Wirklich sehr gut. Dann bringen wir sie jetzt auf die Weide, oder?“
„Ja, genau“, meldete sich Maisie wieder zu Wort und nahm sie an die Hand. „Aber das schaffen wir Mädchen allein, Nathan. Wir sehen uns dann später beim Essen.“

Schon zog das junge Mädchen sie mit und zeigte ihr die Wege, die sie gleich gehen mussten. Es war nicht weit bis zur Weide, dennoch brauchten sie eine halbe Stunde, ehe sie die Tiere dorthin gebracht hatten.

Die junge Frau stellte fest, dass die McLarens ziemlich abgeschottet lebten. Sie hatten ein großes Grundstück zu dem ein großer Hof, einige Häuser und Ställe gehörten sowie eine großzügige Wald- und Wiesenfläche. Weit und breit war sonst nichts weiter zu sehen. ImWald, der an das Grundstück grenzte, hatte man sie wohl gefunden, auch wenn Stella keinen blassen Schimmer hatte, wo genau. Sie würde sich dies beizeiten von Nathan berichten lassen.

Nur halbherzig hörte sie Maisie zu, die ihr enthusiastisch alles über die Viehzucht ihrer Familie erzählte. Ihre Gedanken weilten woanders. Das Gefühl von Einsamkeit, das sie seit dem „Erwachen“ wie sie es nannte, begleitete, trat wieder stärker zutage. Sie spürte, dass etwas in ihr schlummerte – ein Geheimnis, eine Wahrheit, die sich ihr noch nicht erschlossen wollte. Sie fühlte, dass es etwas Wichtiges war und dass sie herausfinden musste, was es war. Sie musste herausfinden, was mit ihr geschehen war.

Man sagte ja, dass Erinnerungen manchmal wieder zurückkehrten, wenn man an den Ort zurück kehrte, an den man sich als letztes erinnerte. Stellas Blick wanderte wieder zum dicht bewachsenen Wald. Sie würde Nathan bitte sie zu begleiten. Alleine – das war ihr klar – würde sie sich doch wieder verlaufen und nicht wieder hinausfinden. Mit ihm an ihrer Seite fühlte sie sich sicher und der Herausforderung gewachsen.

Je länger sie die Bäume betrachtete, die unterschiedlich hoch und breit waren, jedoch dicht an dicht standen und niemandem Einblick gewährten, erschien es ihr auf einmal, als würden sie immer näher in ihre Richtung rücken. Sie schüttelte den Kopf, ließ ihren Blick kurzzeitig woandershin schweifen und blickte anschließend wieder auf die Bäume. Nichts hatte sich verändert. Die Bäume kamen immer näher, während die übrige Umgebung blieb wie sie sein sollte. Alles andere wurde ausgeblendet – die Wiesen, die Tiere, Maisie. Stella war in einer Art Starre gefangen, die noch dadurch verstärkt wurde, dass auf einmal etwas im Wald aufzuleuchten schien. Ganz kurz nur, aber regelmäßig wiederkehrend.

Ihr war, als würde sie gerufen werden. Sie konnte nicht genau sagen, woher dieses Gefühl kam. Sie wusste nur, dass sie diesem Gefühl, diesem Ruf folgen musste. Wie in Trance wandte sie sich also an Maisie, die immer noch in ihrem Redefluss war und die Veränderung ihrer Gefährtin gar nicht bemerkt hatte.

„Hast du das Leuchten dort drüben gesehen?“, unterbrach Stella das junge Mädchen und weckte erstmals deren Aufmerksamkeit. „Ich möchte mir das einmal kurz ansehen. Bleib du nur bei den Tieren, ich bin nicht lange fort.“
„Aber Stella“, protestierte Maisie erschrocken. „Was ist, wenn du dich verirrst? Lass mich dich begleiten. Wir holen Nathan und er soll auf die Kühe achtgeben.“
„Nein, Maisie!“ Der Befehlston in ihrer Stimme war unmissverständlich. „Ich werde alleine gehen. Mach dir keine Sorgen, ich bin gleich wieder da.“

Damit ließ sie das jüngste Familienmitglied der McLarens stehen und folgte ihrer Intuition, die sie immer näher an den Wald heranbrachte – dem leuchtenden Etwas entgegen.
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