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Somewhere somehow in between

von Cobra666
GeschichteRomance, Schmerz/Trost / P16 / Het
Alex "Tig" Trager Filip "Chibs" Telford Gemma Teller-Morrow Happy Lowman Juan Carlos "Juice" Ortiz OC (Own Character)
15.11.2021
29.11.2021
4
4.899
3
Alle Kapitel
7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.11.2021 1.628
 
Camilla war über die unbekannte Nummer nicht überrascht, sicher wieder jemand, der bezüglich Personaltraining anrief.
„Parker“, meldete sie sich. „ - Ja. - Oh, das tut mir leid! - Wann genau? - Ich werde da sein. Danke!“
Wie in Zeitlupe legte sie das Handy auf den Tisch zurück und konnte irgendwie doch nicht so wirklich glauben, was sie da gerade gehört hatte. Maria war vor kurzem gestorben, ihr Sohn war am Telefon gewesen, er hatte Camillas Nummer auf einem Zettel in Marias Telefonschränkchen gefunden, sie hatte sie ihr irgendwann gegeben.
Man hatte ihr die Krankheit kaum angemerkt, als Camilla das letzte Mal bei ihr gewesen war und jetzt sollte sie tot sein?!
Trotz dass sie sie im Grunde kaum gekannt hatte, schossen ihr jetzt doch Tränen in die Augen und
sie sah in ihrem Kleiderschrank nach, ob sie für die Beerdigung morgen überhaupt etwas passendes anzuziehen hatte. Schwarze Sachen hatte sie zwar genug aber halbwegs anlassgemäß sollte es ja schon sein.

Ein Top, eine halbwegs elegante langärmelige Bluse und dazu entweder Lederjacke und -hose oder Jeans. Mehr besaß sie nicht an geeigneten schwarzen Klamotten, der Rest war entweder zu sportlich, in der Wäsche oder zu sexy. Wobei letzteres  nur ein Bruchteil war, wann hatte sie schon mal Grund, sich so zurechtzumachen?
Wie auch immer.
Sie entschied sich schließlich für Jeans und Bluse, zumal sie keine Ahnung hatte, was da noch für Leute kamen und sie wollte ja niemanden mit ihren Tattoos verschrecken.
Diesmal zumindest nicht.
Vom Wetter her sollte es auch angenehm bleiben und sie musste nicht befürchten, irgendwann regelrecht zu zerfließen.


Sie hatte vorher noch zwei Personal-Trainings und machte sich anschließend direkt im Gym zurecht. Nicht, dass sie lange brauchte – ihre kurzen Haare waren mit wenigen Handgriffen und evtl. ein bisschen Gel oder Wachs gestylt und groß schminken konnte sie sich im Grunde sparen. Ohne Tränen würde das wohl nicht ablaufen und auch wenn es wasserfeste Schminke war … egal, sie würde sonst zu spät kommen.

Wie immer unterschätzte sie sowohl den Verkehr als auch die Parkplatzsuche und kam erst auf den Friedhof geeilt, als der Priester gerade anfangen wollte.
Sie war überrascht, doch nur so wenige Leute anzutreffen. Überwiegend ältere, das waren wohl Nachbarn oder Freunde und sie erkannte zumindest eine Mitarbeiterin vom Sozialen Dienst, der sie mal im Treppenhaus begegnet war.
Ein Kerl mit kahlgeschorenem tätowiertem Kopf wandte sich zu ihr um, als sie herankam und einige Meter von ihm entfernt stehen blieb und nickte ihr kurz grüßend zu, ehe er seine Aufmerksamkeit dem Priester zuwandte, der jetzt mit der Trauerzeremonie begann.
Camilla erwiderte den kurzen Gruß und musterte den Typen genauer. Das konnte nur Marias Sohn sein, vom Alter her passte sonst niemand der hier Anwesenden. Auf den ersten Blick hatte sie ihn auf etwa gleichaltrig geschätzt, er schien aber wohl doch einige Jahre älter zu sein, als sie.
Und er war attraktiv!
'Reiß dich zusammen', mahnte sie sich in Gedanken und konzentrierte sich auf den Priester. 'Vergiss nicht, wo du hier bist, das ist eine Beerdigung und keine Partnerbörse.'
Nicht, dass sie auf der Suche war aber für gutaussehende Männer hatte sie immer einen Blick.
Rein objektiv.

Schließlich gab der Priester das Wort an die Trauergäste ab und ein, zwei Nachbarn oder Freunde sowie besagte Sozialarbeiterin erzählten ein wenig über die Verstorbene, ehe ihr Sohn ans Rednerpult trat.
Camilla wusste nicht recht, was sie erwartet hatte aber das, nach seinem Erscheinungsbild, nicht.
Er redete, mit Tränen in den Augen, so gefühl- und liebevoll von seiner Mutter und was er alles erzählte war so ergreifend, dass Camilla die Tränen nicht länger zurückhalten konnte und irgendwann hemmungslos heulte.
Sie war immernoch dabei, sich halbwegs wieder herzurichten, als sich die Trauergäste zerstreuten und dieser Kerl auf sie zutrat.
„Alles okay?“
„Ja“, versicherte sie, ehe sie sich erneut geräuschvoll die Nase schneuzte und das Taschentuch in ihrer Hosentasche verschwinden ließ. „Entschuldigung aber das war schon sehr mitreißend.“
„Ja, ich hatte mich selbst übertroffen“, antwortete er und musterte sie. „Du bist wohl Camilla oder?“
„Cam reicht. Und du bist Marias Sohn? Tut mir übrigens leid“, fügte sie hinzu. „Also dass … du weißt schon. Herzliches Beileid klingt so blöd!“
„Danke. Find ich auch. Ich bin übrigens Happy“, stellte er sich dann vor und sie sah ihn perplex an.
„Du hast gerade deine Mutter beerdigt!“
Er grinste schief, scheinbar war er diese Missverständnisse gewohnt. „Das ist mein Name.“
„Wirklich? Du heißt Happy?“
„Ja, meine Eltern, vor allem meine Mutter hatte Humor! Vielleicht hätte ich das in meiner Rede noch einbauen sollen aber egal.“
Camilla schüttelte ehrlich amüsiert den Kopf. Ihr waren ja schon so einige verrückte und aburde Namen untergekommen aber das jemand nach einer Gemütsverfassung benannt war …?!
„Sachen gibt’s … Sie hat zwar ein paar Mal kurz von dir erzählt aber deinen Namen nie erwähnt. Oder ich hatte es schlicht nicht kapiert, was so gesehen sehr gut möglich ist.“
„Ich bins gewöhnt“, meinte Happy leichthin und sah sich kurz um. „Sind alle weg aber ich hatte anschließend trauerfeiermäßig eh nichts mehr geplant. Mum wollte das so schlicht und einfach wie möglich.“
„Kann ich verstehen.“
Die beiden standen ein wenig unschlüssig voreinander und wussten im ersten Moment nicht, was sie jetzt tun sollten. Sich so abrupt verabschieden wollte wohl weder sie noch er.
„Um die Ecke kann man Kaffee trinken, kommst du mit?“ schlug Happy schließlich vor. „Ich lade dich ein.“
„Okay“, war Camilla einverstanden. Zum einen hatte sie ohnehin nichts wichtiges mehr und zum anderen war sie doch ein wenig neugierig.

Ein paar Minuten später standen sie an einem dieser Stehtische am Fenster, jeder einen großen Becher schwarzen Kaffees vor sich.
„Und jetzt?“ wollte Camilla wissen. „Was hast du jetzt vor?“
Happy zuckte die Achseln. „Die Wohnung auflösen und dann wieder nach Hause. Ich mag diese Stadt nicht.“
„Ich auch nicht.“ Sie sah kurz aus dem Fenster, ehe sie ihre Aufmerksamkeit wieder ihm zuwandte. „Und doch wohne ich schon länger hier, als ich eigentlich wollte. Wo wohnst du?“
„Tacoma.“
„Wow, das ist echt nicht gerade um die Ecke!“ Umso mehr war Camilla beeindruckt, dass er sich trotz der großen Enfernung so gut wie möglich um seine Mutter gekümmert hatte und das sagte sie ihm jetzt auch.
„Die letzten paar Wochen war ich durchgehend hier“, antwortete er. „Es ging dann doch ziemlich schnell.“
„Ganz plötzlich oder?“ hakte Camilla nach. „Vor etwa zwei Monaten war sie noch den Umständen entsprechend topfit.“
Happy nickte. „Sie hatte einen Schlaganfall, kurz darauf noch einen Schub und dann ging es rapide bergab.“
„Jetzt hab ich echt ein schlechtes Gewissen“, murmelte sie betreten und er legte kurz seine Hand auf ihre, ließ jedoch gleich wieder los.
„Musst du echt nicht haben“, versicherte er lächlend. „Du bist doch der Engel, der ihre Tasche vor einem Dieb gerettet hat.“
„Ein Engel?“ Sie schüttelte schmunzelnd den Kopf. „Ich bin alles andere als das.“
„Für sie warst du einer. Aber das hätte ich jetzt auch nicht gedacht.“ Er warf einen bezeichnenden Blick auf ihren tätowierten rechten Handrücken, so viel man davon bis zum Saum ihres Blusenärmels sehen konnte, während sie mit beiden Händen ihren Kaffebecher festhielt. „Nettes Tattoo. Sieht aus wie Giger-Biomechanik?“
„Du kennst dich aus“, lächelte sie und nickte zustimmend. „Ist es.“
„Sieht gut aus. Wie weit geht das rauf?“
„Weit!“
Und das hier ging wohl allmählich auch ein bisschen zu weit.
„Sorry, ich bin neugierig. Tätowierte Leute sind mir sympathisch“, meinte er augenzwinkernd.
„Mir auch. Du bist ja auch einer davon. Was machst du so?“ Es war wohl doch besser, ihr Gespräch wieder ein bisschen allgemein smalltalk-mäßiger zu halten, fand Camilla. Zum einen kamen sie, wie gesagt, gerade von einer Beerdigung und da war wie auch immer geartete Flirterei wirklich unpassend und zum anderen – ja, das Timing war einfach falsch.
„Ich bin in einem Motorradclub“, antwortete er und sie musterte ihn erneut.
„Solltest du da nicht eine entsprechende Kutte tragen?“
„Normalerweise ja. Aber meine Mutter hatte sich gewünscht, dass ich ohne dieses Ding, wie sie sagte, zu ihrer Beerdigung komme und das hab ich natürlich respekiert. Und du? Warum bist du noch hier in dieser Stadt, obwohl du gar nicht willst?“
„Die Umstände“, meinte Camilla achselzuckend. „Ich arbeite momentan als Personal-Trainerin, mache noch eine Fortbildung und wenn ich die demnächst fertig habe, sehe ich wirklich zu, dass ich hier wegkomme.“
Happy war drauf und dran, zu fragen, um welche Art von Personal-Training es sich denn handelte, da würde er sie eventuell auch mal buchen aber wäre gut möglich, dass es jetzt gerade auch wieder falsch rüberkommen würde. Allmählich fragte er sich auch, was mit ihm los war. Seine Mutter war kaum unter der Erde und er flirtete mehr oder weniger subtil mit dieser attraktiven Frau, die ihm hier gegenüber saß?!
Zwar ließ er normalerweise nichts groß anbrennen aber – nein. Falsche Situation, ganz falsch!
Sie redeten noch eine Weile belangloses, ehe Happy schließlich zahlte und sie das Deli verließen.

„Danke für den Kaffee“, sagte Camilla, als sie draußen auf dem Gehweg standen und Happy lächelte.
„Gern geschehen. Kannst dich ja mal melden, wenn du weißt, wo es dich hin verschlagen hat.“
„Mach ich. Nach Osten und Süden bleibt ja nicht viel, wird wohl irgendwo nordwestlich sein. Oder du fragst irgendwann mal, wie es mir geht, wir haben ja unsere Nummern“, fügte sie augenzwinkernd hinzu.
„Stimmt! Also dann.“
Wieder standen sie unschlüssig voreinander und diesmal war es Camilla, die zuerst reagierte.
„Ach, jetzt komm her!“ Sie machte eine entsprechend auffordernde Geste und und sie umarmten einander kurz.
„Happy, ich wünsch dir was!“
„Ich dir auch!“
Sie gingen in entgegengesetzer Richtung davon und Camilla widerstand dem Impuls, sich nochmal umzudrehen. Hätte sie es getan, hätte sie bemerkt, dass er ihr sehr wohl nachsah.
Aber wie hieß es doch so schön? Man begegnete sich immer zweimal im Leben.

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Ich bedanke mich herzlich für die ersten drei Sternchen!! :-)
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