Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Sonnenwind

von LordZissa
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Freundschaft / P16 / Mix
14.11.2021
11.09.2022
14
14.557
1
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
14.11.2021 1.997
 
Vorwort: Ich arbeite schon ziemlich lange an dieser Geschichte beziehungsweise eher an diesen Charakteren und jetzt habe ich mich dazu entschieden sie mal hochzuladen.

Es gibt bei den Zwillingen Chester und Colin ein paar Übereinstimmungen von Charakteren aus einer Anderen Geschichte, ich recycle gerne mal Nebencharaktere. Nur falls sich jemand wundern sollte :)
Nun aber viel Spaß beim Lesen!
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

ROANS SICHT

Armin, Chester, Ed und ich waren gerade im Wohnwagen. Das hieß auch das Einige fehlten, irgendwie wusste aber Keiner was von denen. Louis und Clari hingen wahrscheinlich gemeinsam ab, Chey war vermutlich arbeiten und Calvin, könnte ich Chester fragen. Mit dem hatte ich aber zurzeit ein paar Probleme. Deshalb konnte ich mir die Frage auch verkneifen. Saskia und Olly waren für alle ein Rätsel, da würde keiner irgendwas wissen. So wie eigentlich auch Ed ein sehr großes Rätsel war. Dieser war aber sowieso hier. „Wo ist Calvin?“, nahm mir jetzt Armin die Frage ab. „Krankenhaus, die müssen irgendwas an seiner Sauerstoffflasche nochmal einstellen.“ Gab Chester zurück. Er und Colin waren Zwillinge, einzig und allein daran zu unterscheiden das es dem Einen besser ging als dem anderen. Sie waren beide attraktiv, aber das war auch der Grund wieso Chester und ich zurzeit Probleme hatten. Eines Abends, das war noch im August, haben wir miteinander rumgemacht. Ich fand es unglaublich gut, ich war begeistert von den Lippen des Schwarzhaarigen. Wir haben damals den ganzen Abend geküsst und es war wirklich göttlich. Nur sah er das am nächsten Morgen anders. Er meinte wir sollten das Beide wieder vergessen. Und nun waren wir hier, irgendwie immer noch Freunde aber seltsam distanziert. Lieber keine Worte als die Falschen, lieber gar keine Blicke als zu intensive und lieber gar keine Berührungen als zu vertraute. Die anderen fanden unser Verhalten ebenfalls unglaublich komisch, aber keiner hinterfragte es.
Ich wollte gerade Armin nach seiner Lederjacke Fragen als mein Vater mich anrief. Der telefonierte sonst nie mit mir. Ich hob also ab und fragte verwirrt: „Ja?“ „Komm bitte nach Hause, Roan. Es ist wichtig.“ Verlangte er von mir. „Ist es nicht. Du willst nur, dass ich mich um die Göre kümmere. Kommen die heute, oder was?“ maulte ich ihn an. „Ja, Elisabeth und Mora kommen heute. Und du wirst dich um Mora kümmern. Wehe dir du nimmst sie zum Wohnwagen mit.“ „Werden wir ja sehen.“, ich legte einfach auf und sah dann zu Armin. „Lust ein komisches Mädchen zu verstören?“ grinste ich. „Kommt deine Stiefschwester?“, Fragte Ed. „Nenn sie nicht so aber Ja. Ich bring die hier her, dann muss ich nie wieder Zeit mit ihr verbringen.“, beschloss ich nun einfach. Die anderen grinsten nur als Antwort und Armin stand auf, um mitzukommen.

Armin war der einzige meiner Freunde, der mich auch besuchen konnte, wenn mein Vater anwesend war. Ihn kannte ich auch schon seit Kindertagen. Wir waren im selben Kindergarten gewesen und seitdem auch beste Freunde. Armin war auch der Einzige, vor dem ich offiziell geoutet war. Chester konnte es sich zwar denken aber selbst ausgesprochen hatte ich das nie vor ihm. Meiner Mutter hätte ich das sicher auch anvertrauen können. Leider war sie verstorben, bevor ich es überhaupt selbst gewusst hatte. Ich war auch nie über ihren Tod hinweggekommen, ich fraß immer noch alles in mich rein. Ich war nicht der Typ, der über sowas gerne redete. Zuhause schloss ich dann die Tür auf und ging rein. „Wo ist sie denn?“, wollte ich dann auch direkt wissen. „Ich bin im Wohnzimmer. Maik ist schon gegangen.“, teilte sie mir mit. Ich grinste, dass machte die ganze Sache ja noch viel einfacher. „Gut, dann sag mal an. Was soll ich mit dir?“, ich stellte mich vor sie. Ich musste sie nicht mal groß einschüchtern, sie sah mich jetzt schon unglaublich verängstigt an. „Dein Vater meinte du solltest mir zuerst die Räume hier zeigen und die Gegend. Und ich sollte dich nochmal daran erinnern mich nicht mit zum Wohnwagen zu nehmen.“ Ich schnaubte nur belustigt: „Wird er dann schon sehen. Steh auf. Wir gehen hoch.“, forderte ich sie dann auf. Sie folgte mir brav, ebenso wie Armin. Er sagte nichts aber sah so schon nicht sehr einladend oder freundlich aus.
Ich deutete oben dann auf jedes einzelne Zimmer: „Badezimmer, mein Zimmer, Schlafzimmer meines Vaters und wahrscheinlich pennt deine Mutter dort auch. Dein Zimmer ist da und dieses Zimmer dahinten ist tabu. Geh da bloß nicht rein. Unten sind Wohnzimmer, Küche, ein weiteres Bad und Vorratskammer. Findest du dann schon.“ „Wieso darf ich nicht in den einen Raum? Was ist da?“, wollte sie wissen. „Geht dich nichts an. Er ist einfach tabu.“, fauchte ich sie an: „Und jetzt komm. Wir gehen zum Wohnwagen.“ „Du sollst mich nicht mit zum Wohnwagen nehmen.“, murmelte sie. „Ist mir egal. Komm jetzt und der Typ da ist übrigens Armin. Wirst du wohl öfter hier sehen.“, ich ging wieder nach unten, ich hatte weder meine Schuhe noch meine Jacke ausgezogen. Mora folgte aber ziemlich langsam, sie war verunsichert. Gut so.

Wir waren schnell wieder beim Wohnwagen, es waren tatsächlich noch ein paar Leute aufgetaucht. Vor allem Olly kam mir gerade Recht. Olly war knappe 2 Meter groß, voll tätowiert und gepierct. Die meisten davon hatte er sich selbst gemacht. Er war von fremden Menschen nie begeistert und generell kalt, sobald ihm jemand nicht in den Kram passte. Mora ging zögerlich auf das Ganze zu. „Wer ist das denn?“, fragte auch direkt Saskia. „Mora. Sie ist die Tochter der Freundin meines Vaters. Der zwingt mich sie mitzuschleppen.“, antwortete ich. „Hallo.“, murmelte Mora. „Ach du scheiße.“, kommentierte Olly das nur und verzog sich ins Innere des Wohnwagens. „Wer ist denn hier?“, wollte ich wissen. „Alle außer Chey und Calvin. Der wird aber wahrscheinlich nicht mehr kommen außer jemand kann ihn holen.“, gab Saskia zurück. „Sag es Ed. Der fährt doch gerne ohne Führerschein rum.“, zuckte ich mit den Schultern. „Ne, der hat schon gesoffen. Außerdem sind er und Olly beschäftigt.“, Saskia deutete hinter sich. „Was macht ihr da?“, wollte ich wissen. „Stick and poke.“, gab Olly zurück und konzentrierte sich dann wieder auf Ed. „Ich dachte du hast eine Tattoo Maschine.“, kam es von Armin. „Habe ich auch, aber Edward will es lieber so.“, grinste Olly. „Ich heiße auch nicht Edward.“, maulte Ed. Niemand kannte Eds vollen Namen und seitdem war es zum Running Gag geworden diesen zu erraten. Bisher lagen wir entweder nie richtig oder er sagte einfach zu allem „Nein“.

„Ich möchte hier weg.“, kam es nun von der kleinen Blonden hinter mir. „Dann geh doch. Du kennst den Weg zurück. Kommst du genauso hin, wie wir hierhergekommen sind.“, zuckte ich mit den Schultern. „Gib ihr deine Nummer, falls sie sich verläuft.“, grinste Clari. „Von mir aus.“, ich nahm Mora einfach ihr Handy aus der Hand und tippte meine Nummer ein: „Da, aber wirklich nur wenn du keine Ahnung hast, wo du bist. Ansonsten lass mich in Ruhe.“ Sie sah mich undefinierbar an, sie kniff ihren Mund zusammen und war wohl absolut nicht begeistert. Sie ging aber tatsächlich los. „Man, was eine Komische und dein Vater denkt echt du würdest dich mit ihr verstehen?“, fragte nun Louis. „Ja… anscheinend. Er denkt wahrscheinlich einfach sie wäre der bessere Umgang für mich, dass kann er aber vergessen.“, murmelte ich nur angepisst. „Sie wird dich verpetzen, definitiv.“, stellte Armin überflüssigerweise fest. Das war mir aber sowas von egal, mein Vater hatte sich noch nie dafür interessiert was ich tat, also brauchte er jetzt auch nicht so tun als ob.
„Roan? Willst du auch ein Tattoo? Auf dem Arm?“, rief mir nun Olly zu. Er war anscheinend mit Ed fertig. „Nein danke.“, wich ich nur aus. Ich trug immer Pullover, selbst im Hochsommer. Bisher hatte das zum Glück noch niemand direkt hinterfragt. Ich versteckte darunter einige Narben, ich wusste mir oft selbst nicht zu helfen. Dann griff ich zu Rasierklingen. Auf der einen Seite wusste ich, dass ich tieferliegende Probleme hatte, aber auf der anderen Seite müsste ich mit jemanden reden um Hilfe zu bekommen. Ich hatte noch nie über Gefühle geredet. Ich konnte das nicht, diese Methode war viel einfacher und effektiver für mich. Nicht mal Armin wusste davon und der wusste eine ganze Menge an Dingen über mich.

Nicht mal mein damaliger fester Freund hatte etwas mitbekommen. Wir waren nur heimlich zusammen, er war nicht geoutet und ich ebenfalls nicht. Wir trafen uns immer nur heimlich. Er hieß Kai. Eines Tages hörten aber die Nachrichten und die Treffen auf, er hatte nichts beendet. Seinen Namen fand ich aber in einer Zeitung wieder, er wurde als vermisst gemeldet. Niemand wusste, wo er abgeblieben war. Ich hatte aber um ehrlich zu sein eine Vermutung, die hatte ich aber nie der Polizei oder irgendjemanden gegenüber geäußert. Das hatte mir damals trotzdem meinen ersten Nervenzusammenbruch beschert, den hatte aber zum Glück auch niemand mitbekommen. Bis heute weiß ich nicht was mit ihm geschehen ist, er ist seit einem Jahr weg. Mittlerweile glaubt auch niemand mehr daran ihn wiederzusehen. Kai war verschwunden und das würde wohl auch so bleiben. Er war schon für tot erklärt. Natürlich arbeitete das ebenfalls in mir, ich hasste diese ganze Ungewissheit, aber reden konnte ich darüber auch mit niemanden. So griff ich auch bei dem Thema lieber darauf zurück mich selbst zu verletzen als mit jemanden zu Reden.
Ich setzte mich nun in den Wohnwagen und sah erstmal den anderen ein wenig zu. Es war noch ruhig, bisher hatte anscheinend nur Ed gesoffen. War mir auch recht, so musste man nicht darauf achten das es irgendeiner übertrieb oder das einer kotzte. „Roan? Kann ich Sonntag auf Montag bei dir pennen?“, fragte mich nun Armin. „Schon. Du musst halt die Couch nehmen. Warum?“, antwortete ich ihm. „Mein Alter macht wieder Stress, ich kann da nicht hin zurzeit.“, Armin hatte es zuhause echt nicht leicht. Ich wusste genau, was dort ab ging und alle anderen konnten es nur vermuten. So richtig rosig war es aber bei niemanden zuhause.
Chester und Colin hatten nur ihre Mutter, diese war aber alles andere als eine gute Mutter. Chester befürchtete auch schon, dass sie ihn mit achtzehn rauswerfen würde. Bei Colin war sie vielleicht noch etwas toleranter. Bei Clari sah es ähnlich aus, ihre Mutter kümmerte sich zwar einigermaßen um ihre Kinder, aber sobald etwas nicht so lief wie sie das will, gab es unglaublich strenge und ungerechtfertigte Strafen. Über Ed wussten wir nicht mal, ob er ein Zuhause hatte, aber wir gingen nicht davon aus. Er war zu oft im Wohnwagen anzutreffen. Ollys und Louis‘ Eltern waren ganz in Ordnung. Olly durfte fast alles, bekam dabei auch noch Unterstützung von seiner Mutter. Freunde mitbringen war auch kein Problem und Saskia verbrachte sowieso sehr viel Zeit dort. Louis‘ Eltern waren auch ziemlich entspannt, man konnte nur in der Nacht nicht mehr zu laut sein. Das lag aber einzig und allein daran, dass Louis‘ noch zwei kleine Geschwister hatte, die schlafen mussten. Freunde durften trotzdem zu ihm kommen. Und zu mir durfte wie gesagt nur Armin, nach dem Tod meiner Mutter hatte mein Vater mir verboten andere Freunde ins Haus zu lassen. Ich tat es aber natürlich trotzdem, wenn er außer Haus war.

Tatsächlich meldete sich Mora bei mir aber nicht, weil sie sich verlaufen hatte, sondern weil sie gut angekommen war. Ich ließ sie einfach aufgelesen. Komisches Mädchen. „Roan! Komm her und halt meine Hand! Olly macht mir eine Sonne aufs Handgelenk.“, rief nun Saskia nach mir. „Handgelenk ist eine ziemlich schmerzhafte Stelle. Kippt sie da nicht um?“, wandte ich mich an Olly, während ich die Hand der Braunhaarigen schon nahm. „Ich pass schon auf und selbst wenn, können wir uns ja drum kümmern.“, zuckte er mit den Schultern. Ich ließ ihn also einfach machen. Ich starrte währenddessen auch die Tattoo Nadel an, der Schmerz wäre schon auch echt schön. Vor allem gerade merkte ich, dass meine Stimmung wieder in den Keller ging. Ich hatte jedoch auch keine Nerven dafür jedem hier zu erklären, wieso ich die ganzen Narben am Arm hatte. Das konnte und wollte ich schlichtweg nicht.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast