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Reise in die Vergangenheit

GeschichteLiebesgeschichte / P6 / Gen
Fran Fine Maxwell Sheffield
11.11.2021
04.12.2021
4
5.025
 
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25.11.2021 1.545
 
Maxwell verlor jegliches Gefühl für Zeit und Raum. Er konnte nicht fassen, mit wieviel Liebe und Sorgfalt Fran alle diese Erinnerungsstücke gesammelt und aufbewahrt hatte. Mit jedem Gegenstand den er betrachtete, verliebte er sich erneut in seine Frau.

Er durchstöberte den Koffer aufs neue. Er fand ein kleines Tütchen, in dem sich schwarze Haare befanden. Hey das waren doch seine Haare. Wie kam Fran an diese? Dann fiel es ihm wieder ein, Fran hatte ihm mal in der Küche die Haare geschnitten, da musste sie heimlich welche aufgehoben haben. Er wusste, sie liebte seine Haare, insbesondere seine graue Strähne. Er behauptete immer, diese sei zeitgleich mit ihr aufgetaucht. Wie wütend war sie gewesen als er in seiner Midlife Krise seine Haare gefärbt hatte. Als nächstes fiel sein Blick auf ein Farbband für Schreibmaschinen. Er erinnerte sich, wie sie damit und einem bauchfreien Top in sein Büro stolziert kam, mit der Absicht ihn zu verführen. Wie weit wären sie wohl gegangen, wenn nicht plötzlich Niles, sein Vater und Joan in der Tür gestanden hätten? Zu dieser Zeit war er bereits unsterblich in sie verliebt gewesen, war jedoch gleichzeitig voller Selbstzweifel. Damals beschlich ihn das Gefühl, Sara zu verraten und er wollte anders als sein Vater sich als ehrenvoller Gentleman benehmen. Fast sein ganzes Leben hatte er seinen Vater für seine Affäre mit Joan, seiner Sekretärin, verurteilt und ihm nie verziehen, daß er ihretwegen seine Familie verließ. In seinen kruden Gedankengängen hatte sich die Idee verstrickt, wenn er sich auf Fran einlassen würde, wäre dies moralisch genauso verwerflich. Mittlerweile war ihm klar, wie sehr er sich damals geirrt hatte. Sara war leider verstorben und während ihre Ehe und Jahre darüber hinaus, war er ihr immer treu gewesen und sie würde immer einen Platz in seinem Herzen haben. Aber jetzt war Fran die Frau in seinem Leben. Außerdem verriet er seine Familie durch seine Liebe zu ihr nicht. Ganz im Gegenteil, mit Fran waren er und die Kinder wieder eine Familie geworden und seine Kinder hatten neben Sara eine weitere Mutter hinzubekommen.

Er entdeckte einen Pingpong Ball. Ach ja ihre legendäres Tischtennisspiel. Eigentlich wollten sie schwimmen gehen und er brannte darauf ihr Tattoo zu sehen. Im letzten Moment hatte sie damals einen Rückzieher gemacht. Wieder zuhause ließ sie die Tätowierung entfernen, bevor er sie zu sehen bekam. Insgeheim war er immer noch ein klein wenig enttäuscht darüber. Aber immerhin wusste er heute wo sie gewesen ist, denn an dieser Stelle war jetzt eine kleine Narbe. Er kramte aufs neue im Koffer, da fischte er eine kleine Plakette mit ihrem Namen heraus. Er betrachtete sie eine Weile. Ach ja, das war ihr Namensschild wo sie kurzzeitig in der Kosmetikabteilung im Einkaufszentrum gejobbt hatte. Damals war sie so wütend auf ihn gewesen, da er nicht bereit war seine Liebe zu ihr in die Welt hinaus zu posaunen. Er hingegen hatte sich von der ganzen Welt unverstanden gefühlt. Erst Frans Kündigung aus heiterem Himmel, dann war da noch Niles, der völlig außer sich war als er aus Versehen "die Sache" verraten hatte und die Kinder. Die hatten ihm ebenfalls ganz schön zugesetzt und von ihm verlangt, er möge Fran sofort wieder zurückholen. Mittlerweile war ihm bewusst, wie belastbar das ewige Hin und Her für Fran gewesen war. Zum Glück war sie am Schluss zu ihm zurückgekommen. Grinsend dachte er, wie sie ihn damals reingelegt hatte und er durch die Lautsprecheranlage verkündigte, mit welchen Worten er seine Gefühle zu ihr in seinem Testament niedergeschrieben hatte. Als nächstes stieß er auf ein Kartenspiel. Wieso hebte Fran gewöhnliche Spielkarten in diesem Koffer auf? Er grübelte lange, sicher sie spielte oft mit den Kindern Karten vor allem Rommé mit Gracie, aber das konnte doch nicht alles sein?! Er sah sich die Karten erneut an, da flammte eine Szene vor seinem inneren Auge auf. Als Fran den Männern entsagt hatte, war sie einmal furchtbar deprimiert abends nach Hause gekommen. Val und CC vergnügten sich an jenem Abend bei einem Doppeldate und sie war sich schrecklich überflüssig vorgekommen. Um sie aufzumuntern, hatte er ihr gezeigt, wie man Solitär spielt. Bis weit nach Mitternacht hatten sie anschließend in der Küche zusammen gesessen und unheimlich viel herumgealbert. Er liebte Fran dafür. Kein Mensch brachte ihn so zum Lachen.

Sein Blick fiel auf eine Kassette. Auf der einen Seite klebte ein Etikett darauf stand in Frans Handschrift "Mein Song" Nanu Fran hatte doch kein Lied geschrieben oder?.... Doch natürlich! Jetzt fiel es ihm wieder ein. Fran dachte damals sie sei Tascha's Muse. Fran war echt schräg drauf gewesen. Allein dieses Rock/Punk Outfit in dem sie erschienen war, am Ende des Tages war ihr Traum zerplatzt und sie war in seine Arme geflohen. Des Weiteren fand er Gesichtsmasken von Prinz Charles und Lady Diana. Diese Pappvorlagen hatten sie in London entdeckt und sich königlich damit amüsiert. "Achjaaa London", seufzte Maxwell. Dieses Kapitel in ihrem Leben verdrängte er nur allzu gerne, doch Fran würde ihm diese Episode vermutlich noch vorhalten, wenn sie beide alt und grau waren.

Inzwischen war der Koffer fast leer und nur noch wenige Gegenstände lagen auf dem Boden verstreut. Eine handsignierte CD von Brian Setzer. Die hatte Fran sich wohl ergaunert, als dieser sein Musikvideo bei ihnen gedreht hatte. Das war am Ende eine tolle Sache gewesen, die sie alle Brighton zu verdanken hatten. Selbst Maggie war begeistert gewesen, dabei kamen ihr bei Brighton eher selten Worte der Anerkennung über ihre Lippen. Alles war eigentlich perfekt, nur Fran hatte die Geschichte mit Bobbi Flekman vermasselt. Bobbi wollte ihm helfen Mick Jagger für seine Show zu engagieren, doch nachdem sie dank Fran und ihre Mutter stundenlang eingesperrt gewesen war, war sie am Ende nur wütend abgerauscht. Fran selbst war ihm die Tage danach so gut es ging aus dem Weg gegangen, bis seine Wut verraucht war.

Er dachte an all die Möglichkeiten, die Fran ihm letztes Jahr vermasselt hatte. Nicht nur Mick Jagger sondern davor auch Elton John. Irgendwie gelang es ihr immer sich in die unmöglichsten Situationen zu bringen. Zugegeben mit zeitlichem Abstand waren ihre Ausrutscher schon recht lustig. Er lachte, Fran als Oma Yetta sah wirklich albern aus. Und ganz unschuldig war er auch nicht gewesen, bei Chevy Chase war seine Eifersucht mit ihm durchgegangen. Aber Fran gehörte nunmal zu ihm und nicht zu diesem "Mr. Chase" und dann seine Plapperei bei Margo Lane. Das war echt dumm von ihm gewesen. Erst hielt er Fran einen Vortrag, weil sie unbeabsichtigt ausgerechnet Cindy Adams die Sache mit dem falschen Muttermal verraten hatte und dann verplapperte er sich selbst und reinfach inierte ihre Geschäftsidee. Die Krönung war sein idiotischer Heiratsantrag. Kein Wunder, daß Fran diesen Antrag abgelehnt hatte. Insgeheim wollte er sie damals natürlich heiraten und nicht nur als Wiedergutmachung, aber dies war wirklich kein Antrag von dem eine Frau träumte.

Sein Blick fiel wieder auf den Koffer und auf eine kleine Schmuckschachtel von 'Cartier'. Er öffnete sie und ein Lächeln machte sich auf seinem Gesicht breit. Dort lag der Dosenverschluss mit dem er um ihre Hand angehalten hatte. Er erinnerte sich wie er damals benommen und ausgeraubt in dem Müll lag, bis sie plötzlich aufgetaucht war. Gott er war nie so glücklich gewesen ihre Stimme zu hören. Aus lauter Überschwang hatte er ihr dann in diesem dunklen Hinterhof inmitten des Mülls den Antrag gemacht, er konnte einfach nicht anders. Seine Liebe zu ihr war in diesem Moment übermächtig. Er sah sie vor sich, wie unfassbar schön sie ausgesehen hatte und wie ihr vor Freude Tränen über ihre Wangen gelaufen waren. Einige Augenblicke verharrte er in der Erinnerung, bis er sich wieder fasste und nach dem nächsten Gegenstand griff. Dort war der Untersetzer aus dem weißen Haus, den er für sie gemopst hatte.

Schlussendlich lag im Koffer nur noch ein Kästchen. Dort drin befanden sich weiße Blüten die wie Sterne aussahen und ein Bändchen zusammengeknotet aus Geäst und Blütenzweigen. Er streichelte behutsam darüber. Die Blüten und das Band hatte Fran auf der Insel getragen. Die Blumen hatte sie sich irgendwie ins Haar gesteckt und das Bändchen entweder am Arm oder Fuß getragen. Mhhh die Insel. Sicherlich waren dies die verrücktesten Flitterwochen, die man erleben konnte. Erst ihr Glück über die Tatsache, daß sie beide nicht untergegangen waren und dann diese Tragödie mit dem Biss. Er war heute noch unglaublich stolz auf Fran, wie sie die Situation bewältigt hatte. Da war keine Quengelei und Nörgelei mehr, sondern Tag und Nacht war sie bemüht ihn zu umsorgen und ihr Überleben zu sichern. Ganz allein hatte sie sich um ihre Nahrung gekümmert, Kokosnüsse zum Trinken organisiert und das Feuer bewacht. Ohne sie wäre er nicht lebend von der Insel weggekommen. Wäre sie nicht schon seine Frau gewesen, hätte er sie sofort geheiratet. Träumerisch schweiften seine Gedanken zu dem Moment, wie sie sich im Sand  zum ersten Mal geliebt hatten. Es war so romantisch und unbeschreiblich gewesen. Niemals würde er diesen Augenblick vergessen.

Auf dem Bett waren nun all die Habseligkeiten verstreut, mit denen er die letzten fünf Jahre Revue passieren ließ. Erst jetzt bemerkte er die Seitentasche, die in den Deckel des Koffers eingenäht war. Er zog ein Fotoalbum heraus und einen prall gefüllten Ordner. Er setzte sich gemütlich im Bett zurecht und klappte den Ordner auf.
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