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Serendipity

von Jadeherz
GeschichteFreundschaft, Liebesgeschichte / P16 / Het
Dean Thomas OC (Own Character)
10.11.2021
25.11.2021
6
12.025
2
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25.11.2021 2.344
 
06. Philophobia
= fear of emotional attachment; fear of being in, or falling in love

Dean bereute es, dass er das Treffen mit Erica als Date bezeichnet hatte. Seamus warf ihm den ganzen Tag über Blicke mit wackelnden Augenbrauen zu, bis Dean ihm einen gezielten Schubs gab, als sie im Korridor Vicky Frobisher über den Weg liefen und Seamus ihr förmlich in die Arme stolperte. Danach war zumindest von seiner Seite Stille, doch Dean hatte nicht damit gerechnet, dass diese vertrauliche Information auch an die Patil-Zwillinge und Lavender durchsickerte.

Parvati und Lavender nahmen Dean in der Mittagspause gleich in Beschlag. Sie setzten sich rechts und links von ihm hin, verdrängten damit den noch immer schmollenden Seamus, und blickten mit unheilvoll funkelnden Augen zu Dean auf.

»Du hast also ein Date?« Lavender zog das Wort abstrakt in die Länge und spielte mit einer ihrer blonden Locken.

»Mit einer Hufflepuff?« Parvati grinste verschwörerisch. »Erzähl‘ uns von ihr.«

Dean widerstand dem Drang sich zu schütteln und begann, sein Steak in mundgerechte Stücke zu schneiden. »Erstens ist es kein Date, wir treffen uns einfach nur«, stellte er richtig. »Zweitens wüsste ich nicht, was euch das angeht. Sie ist einfach ein Mädchen, das ich nett finde und mit dem ich mich treffe.«

Die Mädchen seufzten synchron und Dean warf Seamus einen anklagenden Blick zu – immerhin war er Schuld daran, dass die beiden Klatschtanten Bescheid wussten. Seamus zog die Schultern hoch und widmete sich mit hoher Konzentration seinem Essen. Wer so einen Freund hatte … Dean dachte den Satz nicht zuende, weil er Seamus als Freund schätzte, auch wenn er ihn im Moment zu dem Kraken in den See werfen könnte.

»Wenn es kein Date ist, warum trefft ihr euch dann am Abend in den Kellerfluren?«, fragte Lavender, wobei sie die Nase leicht rümpfte. »Ich könnte mir zwar einen romantischeren Ort vorstellen, aber ...« Sie warf einen hilfesuchenden Blick zu Parvati, die sofort einsprang.

»Naja, die kalten Keller können schon romantisch sein. Wenn man sich wegen der kühlen Luft aneinanderkuschelt, unter einer Decke und mit Kerzenlicht … und bestimmt gibt es irgendwo ein Fenster, durch das man in den See schauen kann oder … Lisa Turpin hat erzählt, dass Blaise Zabini ihr einen Raum gezeigt hat, in dem man den Sternenhimmel sehen kann und der warm und kuschelig ist. Das klingt doch romantisch.« Parvatis Augen glitzerten eigentümlich und starrte sehnsüchtig über den Tisch hinweg, als würde sie sich vorstellen, wie sie dorthin eingeladen wurde.


»Oh ja.« Lavender seufzte entzückt.

Dean verdrehte die Augen und beschloss, ihr Geschnatter auszublenden. Es war schwerer als gedacht, denn sie verlangten immer wieder Antworten auf ihre schier unendliche Menge an Fragen - »Habt ihr euch schon geküsst?« und »Was ist ihre Lieblingsfarbe?« und »Hat sie einen großen Bruder? Vor denen musst du dich in Acht nehmen« und »Ist sie ein Celestina Warbeck-Fan?« - und Dean flüchtete vom Tisch, noch ehe er den Nachtisch essen konnte. Zum Glück gab es nichts auf der Welt, was Lavender und Parvati davon überzeugen konnte, ihren heißgeliebten Schokopudding stehen zu lassen.

Er schlug sich die Zeit mit Hausaufgabenmachen und aus-dem-Fenster-starren tot, bis er sich einen frischen Pullunder aus dem Schrank holte, eine gebügelte Hose nahm, die er selten anzog, weil ihn die Bügelfalten an seinen Großvater erinnerten, der Pfeife rauchte und den lieben langen Tag über die Nachbarn schimpfte. Im nächsten Moment kam es ihm albern vor und er tauschte sie gegen eine Jeans. Die Krawatte ließ er ganz weg, ließ die ersten Knöpfe des Hemdes auf, das er unter dem Pullunder trug und überprüfte im Spiegel, ob seine Haare saßen.

Seamus wünschte ihm viel Spaß, als er eine Viertelstunde vor der vereinbarten Zeit aus dem Portraitloch kletterte, und er spürte Lavenders und Parvatis neugierige Blicke im Rücken, bis die Fette Dame hinter ihm zu klappte und ihm etwas von »Bald ist Schlafenszeit, Junge!« nachrief.

Den Korridor von letzten Mal zu finden war schwieriger als gedacht. Dean hastete durch das untere Stockwerk und fluchte leise, weil er die Nische nicht wiederfand, in der er das erste Mal über Erica gestolpert war. Ohne den markanten Deckenhaufen hatte er keinen Anhaltspunkt, weshalb es mehr ein glücklicher Zufall war, als er um eine Ecke bog und Erica dort stehen sah. Sie trug über ihren Hemd ebenfalls einen Pullunder, allerdings in einem sanften Gelbton statt grau, und über der schwarzen Strumpfhose umschmeichelte ein karierter Rock ihre Beine.

»Hey.« Dean lächelte und wollte sie zur Begrüßung umarmen, doch Erica wich rasch einen Schritt zurück und lächelte scheu.


»Hi. Entschuldige, Umarmungen sind ...«


»Schon okay«, unterbrach Dean sie und tätschelte kurz ihre Schulter. »Also, zu welchem wunderbaren Ort willst du mich entführen?«

Erica zögerte kurz, dann griff sie nach Deans Hand, was ihn überraschte, aber freute, und zog ihn mit sich. Zielstrebig führte sie ihn tiefer in das Kellergewölbe und Dean stellte fest, dass es tatsächlich kühl war, aber weil sein Puls raste, war ihm warm genug, dass er nicht fror.
Über die Schulter hinweg sagte Erica: »Nur wenige Schüler kennen diesen Ort, eigentlich nur Hufflepuffs, weil er in der Nähe unseres Gemeinschaftsraumes ist. Du darfst niemandem davon erzählen, okay?«

»Okay.« Dean wurde langsam echt neugierig, besonders als sie vor einem Portrait stehen blieben auf dem eine Obstschale abgebildet war. Verwirrt sah Dean zu Erica, die verschwörerisch lächelte, einen Schritt nach vorne trat und den Zeigefinger an die Banane legte – und sie kitzelte. Staunend beobachtete Dean, wie das Obst anfing zu kichern und bald darauf erschien eine Türklinke an der Stelle, an der Erica die Banane gekitzelt hatte.

»Darf ich vorstellen – die Küche von Hogwarts.« Erica öffnete die Tür und ein Crescendo an Gerüchen schlug auf Dean ein, weshalb er erst einmal stehen bleiben und die Situation aufnehmen musste. Mehrere Reihen langer Tische nahmen den Großteil des Raumes ein – ähnlich wie die vier Haustische. Darum herum köchelten und dampften dutzende riesiger Kochtöpfe, in Pfannen brutzelten Speck und Eier und dazwischen wuselten unzählige Hauselfen herum. Ein paar von ihnen kamen ihm und Erica entgegen, verbeugten sich und fragten: »Sir, Miss, was können wir für sie tun?«

Dean war zu überwältigt, um zu antworten, doch Erica lächelte und fragte höflich nach ein bisschen Kuchen und heißer Schokolade. Die Hauselfen nickten eifrig und wuselten davon. Erica, die immer noch seine Hand hielt, zog ihn zu einem kleinen Tisch in der Ecke, wo sie sich gegenüber setzten. Zu Deans Bedauern ließ sie seine Hand los und fuhr sich stattdessen durch die Haare.

»Also ...« Dean fuhr sich über den Nacken und suchte Ericas Blick. »Wie geht es dir?«

»Gut. Mir geht‘s gut.« Erica lächelte. »Und dir?«

»Auch. Ähm … ich wollte nur sagen, danke. Ich wusste gar nicht, dass Hauselfen unser Essen kochen.« Dean schaute sich noch einmal um, überwältigt von dem ganzen Essen, der Vielfalt und den Hauselfen, die fleißig kochten.

»Ja, das wissen die wenigsten.« Erica hob die Schultern. »Viele denken, dass das Essen aus dem Nichts kommt – oder dass Dumbledore es herzaubert – und würdigen die Arbeit der Elfen gar nicht. Sie sind auch lebende, fühlende Wesen. Es ist schade, dass die wenigsten bei Grangers B.ELFE.R mitmachen, um etwas zu verändern.«

Dean hob überrascht eine Augenbraue. »Du hast von Belfer gehört?« Er selbst hatte Hermine nur mit halbem Ohr zugehört, als sie sich vor zwei Jahren – oder waren es drei gewesen? - das erste Mal über Elfenrechte echauffiert und Spenden gesammelt hatte. Er war der Meinung gewesen, das Projekt wäre irgendwann eingeschlafen.

»Klar«, nickte Erica. »Ich habe mich damals mit ihr unterhalten, aber sie hat die Treffen irgendwann nicht mehr angesetzt und naja.« Sie zuckte mit den Schultern. »Ich habe nicht mehr nachgefragt, weil sie mir manchmal ein wenig Angst macht, um ehrlich zu sein.«

»Warum das?«

»Sie ist … ehrgeizig. Und in der Lerngruppe kann sie echt fies sein«, sagte Erica. »Ich habe zwar gute Noten, aber mir ist das nicht so wichtig, dass ich meinen Schlafrhythmus deswegen durcheinander bringe.«

Dean lachte auf. Er kannte Hermines Lernwut nur zu gut und war zum Glück immer darum herum gekommen, aber Ron und Harry beschwerten sich genug darüber, dass er ein gutes Bild von Hermines eiserner Faust in Sachen Unterrichtsstoff wiederholen bekommen hatte. Er steuerte eine Anekdote bei, sie lachten und der Kuchen und die heiße Schokolade wurden ihnen serviert.

Dean genoss die Süße in seinem Mund und konnte nicht anders als zu lächeln, als er Erica beobachtete, die unfassbar entspannt wirkte und ihre Abwehrhaltung komplett fallen gelassen hatte. Sie war wirklich sehr hübsch und Dean konnte nichts anders, als ihr das zu sagen.

Erica starrte ihn an, ihre Wangen liefen rot an und sie ließ die Kuchengabel sinken. »Das ist … sehr nett von dir«, murmelte sie. »Aber … also, du … siehst auch sehr gut aus, aber ich … weiß nicht, ob ...« Sie stammelte vor sich hin und Dean beschloss, dem ein Ende zu machen, weil Erica so aussah, als würde sie sonst vor Scham im Boden versinken.

»Schon okay, das kam mir gerade nur in den Sinn«, entschuldigte er sich. »Ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen, tut mir leid.«

Erica entspannte sich ein wenig, doch die roten Wangen blieben. »Ist okay. Es ist nur …« Sie seufzte tief und richtete sich ein wenig auf. »Da gibt es eine Sache, die mich ein bisschen fertig macht und die du gerade ziemlich in Frage stellst und das verunsichert mich.« Ihre Finger spielten nervös mit der Gabel. »Das ist auch der Grund, warum Emily mich einen Freak schimpft. Wahrhscheinlich bin ich das auch, wenn man es so sieht.«

»Hey.« Dean legte seine eigene Gabel weg und griff über den Tisch hinweg nach Ericas Händen. Sanft fing er ihre nervösen Finger ein und streichelte über ihre Knöchel. Sein Puls beschleunigte sich erneut und ein kaum spürbares Zittern breitete sich von seinen Händen über seine Arme und seinen ganzen Körper aus – vielleicht kam es aber auch von Erica, deren Augen unsicher mal hierhin, mal dorthin huschten. »Ich glaube, nichts, was du zu erzählen hast, macht dich zum Freak«, versuchte er sie zu beruhigen. »Außer du bist ein Todesser mit einer Vorliebe fürs Töten, das wäre schon echt freakig.«

Der Witz war schlecht, das wusste Dean, noch bevor er ihn ausgesprochen hatte, aber Ericas Mundwinkel zuckten kurz und ihre Finger schlossen sich ein wenig fester um seine.
»Okay«, sagte sie und suchte für einen Moment seine Augen. »Aber versprich mir eins. Du darfst es niemandem erzählen und mich bitte nicht auslachen.« Dass es zwei Dinge waren, ließen sie beide unkommentiert und Dean nickte bekräftigend.

Erica atmete tief durch. »Ich mag Mädchen.«


Dean nickte langsam. »Okay.«

»Damit meine ich nicht, Mädchen als Freundinnen, sondern … ich mag Mädchen so, wie ich Jungs mögen sollte.« Ihr Blick schien ihn herauszufordern. Sag was, schrien ihre Augen, beschimpf mich, nenn mich Freak.

Aber Dean nickte abermals. »Okay.« Und weil ihm das irgendwie zu wenig schien, fügte er hinzu: »Das ist cool. Ich meine, empfehlen kann ich es nicht, Mädchen können echt gemein sein, aber Jungs sind oft ziemliche Idioten, also was das angeht, ist beides wohl nicht empfehlenswert.«

Damit schien das Eis gebrochen. Erica starrte ihn für einen Augenblick ungläubig an, dann fingen ihre Schultern an zu zucken und sie begann zu lachen. Laut. Und befreit. Sie lachte und Dean stimmte leise mit ein, fasziniert, was für eine Last ihr von den Schultern zu fallen schien. Erica umklammerte immer noch seine Hände, als hinge ihr Leben davon ab, und noch immer glucksend sagte sie: »Du bist echt ein toller Kerl, Dean.«

»Danke«, grinste er und Erica schüttelte amüsiert den Kopf. »Aber du sagtest eben was von wegen, dass ich es in Frage stelle. Magst du mir das erklären?«

»Naja, du bist so lieb zu mir und wenn du meine Hand so festhältst ...«, Erica nickte auf ihre ineinander verschlungenen Finger, »bekomme ich ein wenig Herzklopfen. Ich bin mir eigentlich sicher, dass ich Mädchen lieber mag, aber du bist … anders.«

Von ihren Worten beflügelt traute Dean sich zu sagen: »Was hältst du dann von einem Experiment?«

Fragend legte Erica den Kopf schief.

Dean erläuterte: »Du bringst mein Herz auch oft dazu, höher zu schlagen und auch, wenn ich nach dem, was du gerade erzählt hast, vermutlich keine Chance bei dir habe, könnten wir uns doch zumindest einmal küssen, um … zu schauen, was da ist. Einfach nur so. Und wenn da nichts ist, können wir ja Freunde sein. Was meinst du?« Die Bitte war sehr gewagt, aber Dean wollte verflucht sein, wenn er sie nicht wenigstens einmal geküsst hätte. Sie war hübsch, sie war sympathisch, sie war auf ihre verdrehte Art ganz cool und auch, wenn sie wirklich nur Freunde bleiben würden, wäre es eine Tragödie, wenn er sie nicht wenigstens einmal geküsst hätte.

Erica überlegte. Und nickte. »In Ordnung.«

Deans Herz blieb beinahe stehen, als sie sich gleichzeitig über den Tisch beugten, Schokoladenduft in der Nase und die Hände verschlungen. Kurz bevor ihre Lippen sich berührten, hielt Erica inne und suchte noch einmal Deans Blick. Was auch immer sie in seinen Augen sah, es schien sie zufrieden zu machen, denn sie schloss daraufhin die Augen und Dean tat es ihr gleich.

Erica schmeckte nach dem Kuchen, den sie gerade gegessen hatten, ihre Lippen waren weich und brachten seinen Magen dazu, Saltos zu schlagen. Sie roch auch noch gut und Dean streckte sich ein bisschen, um mehr von ihr zu bekommen, mehr von Erica. Ihm wurde schwindelig, es exisitierte nichts anderes als ihre verschmolzenen Lippen und sein Herzklopfen in seinen Ohren.

Viel zu schnell war der Moment vorbei und Erica lächelte versonnen, als sie wieder auf ihre Plätze gesunken waren. Dean versuchte, sich nicht ansehen zu lassen, wie sehr ihm der Kuss gefallen hatte, und strich mit dem Daumen über ihren Handrücken. »Und … ?«

»Du küsst gut«, sagte Erica und biss sich auf die Unterlippe. »Ich glaube, ich würde dich nochmal küssen. Aber … vielleicht nur als Freunde.«

Dean sah sie an. »Vielleicht?«

»Ich will nicht übermütig oder vorschnell werden«, entgegnete sie und tippte auf seinen Zeigefinger. »Ich meine … vielleicht bin ich ja doch nur ein Freak.«

»Du bist kein Freak«, sagte Dean mit einem Brustton der Überzeugung. »Egal auf welche Art.«

Für das strahlende Lächeln, das Erica ihm schenkte, hätte er alles gesagt. »Danke, Dean.«
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