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Zwischen den Welten

von Funnygana
Kurzbeschreibung
GeschichteFamilie, Freundschaft / P12 / Gen
Nitsas-Ini OC (Own Character) Old Shatterhand Schi-So Winnetou
09.11.2021
24.11.2022
60
88.679
9
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
4 Reviews
 
16.11.2022 606
 
1896

Ich war erneut mit Pida zusammengetroffen.
Die Zwillinge hatten beschlossen, die heiligen Steinbrüche aufzusuchen, um den roten Ton für ihre Pfeifenköpfe zu holen. Diese Steinbrüche liegen ganz in der Nähe des Reservates, in dem die Kiowas zur Zeit lebten und ich beschloss, die Kinder zu begleiten, um Pida zu besuchen.  
Łáaʼii und Ak´is hatten ihre selbstgewählte Aufgabe schnell erledigt und waren neugierig darauf, wie andere Indianerstämme lebten. Sie kannten ja nur uns Diné. Lediglich Ak´is hatte auf seiner Flucht aus Deutschland in Los Angeles einige sogenannten Stadtindianer kennengelernt.
Da ich nun offiziell Indianeragent war, besaß ich Papiere, die es mir erlaubten, andere Stämme in den Reservaten aufzusuchen und obwohl uns, je näher wir uns der Zivilisation näherten, einige Soldaten begegneten, blieben wir unbehelligt.
Das Dorf Tanguas war schnell gefunden und Vater und Sohn begrüßten uns freundlich.
Der alte Griesgram von Tangua war in den letzten Jahren still geworden. Nachdem er einsehen musste, dass auch er dem Druck der Weißen nicht gewachsen war, hatte er sich weitestgehend zurückgezogen und seinem Sohn die Führung überlassen.
Pida bat uns in sein Zelt und auch die Zwillinge durften eintreten. Nachdem Kiáco uns mit dem Nötigsten versorgt hatte, berichtete uns Pida, wie es ihm und seinem Stamm ergangen war. Dann berichtete er uns stolz, dass eine seiner Töchter nun in eine Schule der Weißen gehen würde, damit sie Wissen erlangen würde, wie es den Kiowas gelingen könnte, in der neuen Zeit zu bestehen.
Ich muss blass geworden sein, den Pida schaute mich überrascht an.
„Pida, nicht in eine Schule der Weißen! Anáá´ war in einer, sie hat dort Schreckliches erlebt! Weißt du, wo sie ist?“
Nun erblasste auch Pida.
„Zhoo (Perle) wollte so gerne Wissen erlangen! Und in den nächsten Monden werden einige Männer kommen, die auch den anderen Kindern die Möglichkeit geben, zur Schule zu gehen.“
Ich erzählte Pida dann, was meine Frau erlebt hatte. Wir haben die halbe Nacht gesprochen und überlegt, wie wir es schaffen, Zhoo aus der Schule zu befreien und die anderen davor zu schützen, von den Weißen vereinnahmt zu werden.
Ich riet Pida, den Weißen zu erzählen, dass seine Kinder schon abgeholt worden seien. Wenn sie es schafften, sich für einige Zeit zu verstecken und vom Dorf fern zu bleiben, könnten die Bleichgesichter auf diese List hereinfallen.
Was Zhoo anging, kam uns keine Idee – bis die Zwillinge sich meldeten.
Sie wollten sich auf den Weg machen und die Tochter Pidas befreien.
Auf abenteuerliche Weise haben sie das Mädchen aus der Schule holen und sicher zurückbringen können.

1898

Gestern kam meine Frau zu mir und fragte, ob ich weiterhin in meine Tagebücher schreibe.
Leider habe ich diese in den letzten Jahren vernachlässigt und vergessen.
Das Leben ist ruhig und beschaulich und ich genieße jeden Tag, den ich erleben darf.
Natürlich ist einiges geschehen in den letzten Jahren, viele meiner alten Freunde sind gestorben, neues Leben wurde geboren und unsere Kinder sind erwachsen geworden und haben unseren Hogan verlassen. Entgegen der Gepflogenheit der Dine wohnt keine der neuen Familien bei uns. Ich habe es damals genossen, mit meiner Frau alleine eine Hütte zu bewohnen und dies auch meinen Töchtern geraten zu tun. Die Jungs wohnen bei ihren Frauen, der eine hoch im Norden, der andere bei den Kiowas, verheiratet mit einer Tochter Pidas.
Ich bin mehrfacher Großvater, reise weiterhin als Schamane und Seelenheiler durch unser Territorium und Anáá’ hilft in der Dorfschule mit.
Um Mama und Papa ist es ruhig geworden.

In meiner Jugend war es für mich wichtig, täglich zu schreiben, alles Neue zu notieren und die Wunder der Welt schriftlich festzuhalten. Doch jetzt, im Alter, ist das Einzelne nicht mehr so wichtig.
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