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Under these Scars

von Scatach
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Angst / P18 / Mix
Genma Shiranui Kakashi Hatake Neji Hyuga OC (Own Character) Shikaku Nara Shikamaru Nara
09.11.2021
29.01.2023
103
590.938
21
Alle Kapitel
356 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
09.11.2021 7.869
 
Es ist soweit…

Willkommen, alle meine lieben Leser/innen zu
Under these Scars

Unfassbar, dass jetzt schon der vierte – und letzte – Teil der ‚Break to Breathe‘-Serie beginnt.
Ich bin so aufgeregt und freu mich wahnsinnig darauf, auch wenn ich tatsächlich etwas Muffensausen habe. Ich hoffe sehr, dass dir die Geschichte gefallen wird.
Wie immer will ich hier auf die Anmerkungen und Disclaimer von BtB hinweisen, die für alle Teile der Serie gelten.

Dann, weiterhin ganz normal und wie bei den bisherigen Teilen der Serie: Solltest du die ersten drei Teile der Serie nicht gelesen haben, dann rate ich dir hier, das unbedingt nachzuholen, bevor du dich auf Under these Scars stürzt.
Sie sind absolut essentiell für ein umfassendes Verständnis der Geschehnisse in diesem Teil!

An jeden, der/die die ersten Teile bereits vollständig gelesen hat:
Danke, dass du Shikamaru, Neji und mich bereits so lange auf dieser wilden Reise begleitest!
Und Danke, dass du dich entschieden hast, auch hier auf diesem letzten Teil des Weges an unserer Seite zu sein!

Wie du sicher schon bei Requiem gemerkt hast, wird es immer ernster, immer verschachtelter, immer düsterer…

Under these Scars wird unübertrieben die größte Herausforderung, der ich mich bisher in meinem Leben gestellt habe.
Nicht nur ist dieser Teil der längste der ganzen Serie (ich gehe davon aus, dass es mindestens doppelt so viele Kapitel werden wie bei ‚Break to Breathe‘), nein, es wird auch der psychisch und emotional herausforderndste werden. Ich hoffe sehr, dass ich dem gerecht werden kann!

Auf jeden Fall stelle ich wie auch schon bei Requiem eine große Schüssel mit Keksen und eine riesige Box Tempos hin!

Bitte die Anmerkungen zu ‚Under these Scars‘ lesen!!!

Noch ein paar Informationen zur Geschichte an sich.
Es kommen in dieser Geschichte mehrere neue Erzählperspektiven hinzu, wie z. B. die von Kiba, Ino und Ibiki.

Alle wichtigen Protagonisten aufgelistet sind:
Hyūga Neji, Nara Shikamaru, Hatake Kakashi, Shiranui Genma, Yamanaka Ino, Akimichi Chōji, Inuzuka Kiba, Hyūga Hiashi, Nara Shikaku, Morino Ibiki, OC (Yamanaka Naoki, Dr. Mushi, Mizugumo, Shuken, etc. – Alle Rechte vorbehalten!)

Zeitliche Einordnung
Shikamaru 17 Jahre alt, Neji 18 Jahre alt, Shikaku 41 Jahre alt
Nach dem Handlungsstrang von Hidan und Kakuzu und vor der Invasion durch Pain.
Eine Woche nach den Ereignissen von ‚Requiem‘

Pairings
Neji x Shikamaru/Shikamaru x Neji, Kakashi x Genma/Genma x Kakashi, Kiba x Ino

Hier bei ‚Under these Scars‘ will ich eine ausdrückliche Triggerwarnung aussprechen!!

In dieser Geschichte wird tief in die Psyche vor allem von Shikamaru eingedrungen und es gibt andere Aspekte, aus denen ich diese Triggerwarnung aussprechen will und zwar zu folgenden Themen:
- Explizite Gewaltdarstellung
- Dissoziative Identitätsstörung
- Posttraumatische Belastungsstörung
- Psychosen
- Wachkoma
- Missbrauch (nicht explizit beschrieben!)
- Extreme Gewaltausübung von und gegenüber Kindern
- Drogenmissbrauch
- Euthanasie (Definitiv NEIN – nicht im Sinne des durch die Nationalsozialisten geprägten Tarnbegriffes zur systematischen Ermordung von Behinderten oder psychisch Kranken!!! Allerdings passt der Begriff einer ‚aktiven Sterbehilfe‘ auch nicht wirklich)
- Charaktertod

Dazu möchte ich klarstellen, dass nichts davon innerhalb dieser Geschichte oder von mir gut geheißen, rechtfertigt oder als Bagatelle angesehen wird!

Okay, ich hoffe, ich habe dich jetzt nicht verschreckt, aber ich will lieber etwas zu deutlich sagen, was genau in dieser Geschichte passiert, ich will aber auch klarstellen, dass das bei weitem nicht ALLES ist, was in Under these Scars passiert! ;)
Es wird auch wieder helle und humorvolle und wunderschöne Momente geben, fest versprochen!! ;)

Ich hoffe auf jeden Fall sehr, dass du mich auf dieser Reise begleiten wirst und würde mich unglaublich über deine Meinung zu der Geschichte freuen und natürlich auch über ein Sternchen, sollte sie dir gefallen!
Es kann sein, dass es gerade, was zeitliche Einordnungen angeht (Da es doch ziemlich viele Rückblicke geben wird) zu Verwirrungen kommen kann.
Deshalb die eindringliche Bitte an dich: Schreib mir, sollte dir auch nur das allerkleinste Unverständnis oder die allerkleinste Frage in den Sinn kommen!! Keine Frage ist dumm, oder unnötig, genauso wenig wie eine Meinung oder Anmerkung.
Wenn du nicht in die Kommentare schreiben willst, dann schreib mir gerne privat, aber TU es, denn es wäre schade, wenn du irgendwann nicht mehr durchblicken solltest!

Okay, ich glaube, jetzt habe ich wirklich genug geschwafelt :D
Ich wünsche euch ganz ganz viel Spaß bei

Under these Scars



~❃~




Was zur Hölle habe ich mir nur dabei gedacht?

Es war nicht das erste Mal, dass sich Shikamaru diese Frage stellte. Und auch nicht das erste Mal, dass sie unbeantwortet blieb. Doch kein Zweifel; es war auch nicht Denken, das ihn in der vergangenen Woche immer wieder in den Wald geführt hatte. Es war nicht Denken, das ihn von seinen Freunden und seiner Familie fort gelenkt hatte…und ihn zu einem Grab gebracht hatte, das einem Monster gehörte, statt zu dem Grab, das seinem Sensei gehörte.

Ich kann damit nicht zu dir kommen, Asuma…

Nicht damals, als es wichtig gewesen wäre und ganz sicher nicht jetzt, wenn es bereits viel zu spät war. Shikamaru wusste, zu was ihn das machte, sowohl damals als auch jetzt…aber er würde lieber riskieren, ein Feigling zu sein, statt zu riskieren, verrückt zu sein.

Oder zu riskieren, etwas Schlimmeres als beides zu sein…und wenn mich das zu einem rückgratlosen Bastard macht, dann ist das für mich in Ordnung. Das muss es für mich sein.

Sicher. Er konnte das nur nicht zugeben, während er an Asumas Grabstein stand.

Seufzend griff Shikamaru in seine Tasche. Ein metallisches klick einer Kippfeder und ein kurzes Aufflackern von Hitze. Rauch wirbelte nach oben und ein schnappender Deckel erstickte die Flamme. Shikamaru strich mit dem Daumen über eine kleine Kerbe, die das Feuerzeug seines Senseis eindellte. Ein beruhigendes und vertrautes Gewicht…das sich noch niemals so schwer in seiner Hand angefühlt hatte…

‚Ich zähl auf dich, Shikamaru…‘

„Ich weiß…“, murmelte er und Rauch rollte auf den Worten von seinen Lippen.

Doch Asuma war nicht der einzige Geist, der durch die Korridore in seinem Verstand schritt. Und in der dröhnenden Leere des Augenblicks – nur erfüllt von dem leisen Morgengezwitscher von Vögeln und dem routinemäßigen Schnuppern von Hirschen, die sich über den Lehmboden bewegten – stieg die Stimme einer Frau aus Shikamarus Erinnerungen empor. Ihre Worte waren jetzt viel heimsuchender als damals; damals, als er sie zum ersten Mal gehört hatte.

‚Mir ist klar geworden, dass wir so lange im Licht stehen können, wie wir wollen…darauf hoffend, dass es all die Fehler, die wir begangen haben, bereinigt und verbrennt…Aber die Wahrheit ist, dass wir nur dann, wenn wir im Licht stehen, unseren dunkelsten Schatten werfen. Wir sind dazu gezwungen, uns ihm zu stellen…und diese Finsternis ist ebenso unentrinnbar wie die Wahrheit darüber, wer oder was wir sind.‘

Tsubasa Kitori, Hanegakure. Neji. Die Prioritäten und Menschen, die ihn zehn Schritte zurück gezerrt hatten, als er in einem nie endenden Rennen des Vergessens nur einen einzigen Schritt voraus gewesen war.

Um zu vergessen, woran ich mich nicht einmal erinnern kann…

Ironie. Sie war bitter wie immer und versäuerte rasch in Shikamarus Eingeweiden.

‚Wenn es vorüber und erledigt ist, warum hast du dann immer noch solche Angst?‘

Shikamaru versteifte sich, hörte Asumas tiefe Töne, die hinab fielen unter die sich erhebende weibliche Stimme.

‚Unser Schicksal ist genauso festgelegt wie unsere Schatten. Es kann nicht von uns gelöst werden, völlig egal, unter was für ein Licht wir uns selbst stellen. Der Schatten bleibt.‘

Langsam schob Shikamaru das Feuerzeug in seine Tasche zurück und presste aufgesprungene Lippen um das Ende der Zigarette, die zwischen seinen Fingern klemmte, bevor er einen langsamen Zug nahm und die Augen schloss. Wenn er daran dachte, dass er Kitoris Worte als fatalistisches Gebrabbel abgetan hatte – das Geschwätz eines Opfers, das zu schwach war, um sich für eine Zukunft einzusetzen, die nicht von der Vergangenheit diktiert wurde.

Ich werde nicht so leben. Diese Entscheidung habe ich vor zwei Jahren getroffen, oder nicht?

Oder nicht?

Noch mehr Stille anstelle einer Antwort. Shikamaru spürte dieses scharfe Rucken in seinem Brustbein; ein Übelkeit erregendes Fragezeichen, das sich in seinen Rippen verhakt hatte. Es zerrte ihn fast an Land, aber diesmal schnappte er rasch danach. Fühlte sich dank dieses traurigen, winzigen Sieges etwas stärker. Er atmete aus und sah zu, wie der Rauch wie von einem Räucherstäbchen spiralförmig über Hidans Grab glitt. Der Gedanke an ein Erinnern oder ein Gebet ließ ihn kalt.

Hn. Eher friert die Hölle ein…

Hölle. Der Ort, an dem Hidan eines Tages brennen würde, wenn sein langsam sterbender Körper letztendlich aufgeben würde. Aber nicht heute. Und auch nicht innerhalb einer geringen Anzahl von ‚Morgen‘. Shikamaru hatte es so geplant. Dieses Akatsuki Monster würde sich nicht einfach so verabschieden können. Er hatte nicht die schnelle Gnade erwiesen bekommen, diese Welt verlassen zu dürfen. Er hatte die Strafe erhalten, darin verweilen zu müssen. Sollte der Bastard lernen, seine teufelsgegebene Unsterblichkeit zu hassen. Sollte er in diesem qualvollen und grenzenlosen Ende verrotten; wissend, dass er auf nichts hoffen konnte, außer auf einen langgezogenen Tod und zunehmenden Verfall…

Du wirst langsam gehen…leidend…stumm schreiend…

Ein warmes Kribbeln angesichts dieses rachsüchtigen Gedankens, gefolgt von einem kalten Huschen von Gewissen. Shikamarus Schultern versteiften sich gegen das Frösteln und seine Augen zogen sich zusammen.

Nein. Es tut mir nicht leid.

Niemals leidtun. Für Scham war hier kein Platz. Was zur Hölle sollte das auch für einen Zweck erfüllen? Überhaupt keinen. Komisch, wie ihn diese Logik nur noch kälter werden ließ.

„Shit“, knurrte Shikamaru.

Auf den Füßen verlagerte er das Gewicht und schnippte die zum Großteil von Asche aufgefressene Zigarette auf das Grab. Graue Schuppen und sterbende Glut besprenkelten die Trümmer. Er war nicht hierher gekommen, um über Hidans Schicksal nachzudenken. Er war hierher gekommen, um die Teile seines Selbst auszugraben, die er genutzt hatte, um diesen Bastard zu vernichten…und um die Teile seines Selbst zu begraben, die Neji nur wenige Tage zuvor herum geschoben hatte.

Und NOCHMAL…was zur Hölle habe ich mir nur dabei gedacht?

Shikamaru presste die Lider aufeinander.

Verrückt; wie Neji ihn immer noch auf diese Weise neu anordnen konnte. Gottverdammt grausam, wie es der Hyūga noch immer schaffte, so tief unter seine Haut zu gelangen, seine Sinne zu unterwandern und Gefühle auszugraben, die besser vergessen und begraben blieben…sodass er nicht von einer gefährlichen und rücksichtslosen Leidenschaft besessen wurde, die ihn vollkommen schutzlos zurückließ; machtlos und zum Opfer gemacht für verfickt nochmal was auch immer, wenn er Neji es hätte tun lassen…

Ja, Neji was tun lassen?

Shikamarus Augen flogen auf, als sich sein Verstand bei diesem Gedanken abriegelte.

Verrückt…verrückt…

Und noch viel verrückter, wie diese tödlichen Hyūga Augen so gut darin geworden waren, Narbengewebe und Schatten zu durchdringen, um sich direkt bis zu dem rohen blutigen Magma von allem zu bohren, was Shikamaru unter eiskalter Logik und verstärkten Schichten besseren Wissens  begraben halten musste.

Achja? Wo war denn dieses bessere Wissen in dieser Nacht?

Mal im Ernst, er hatte es das letzte Mal begonnen. Hatte zugelassen, dass er von diesem Erdrutsch aus Lust und Sehnsucht ergriffen wurde, bevor sein Hirn und besseres Wissen überhaupt Fuß fassen konnten. Und was Neji betraf? Der hatte überhaupt keinen Plan gehabt. Zugedrogt und vermutlich in dem Glauben, er würde träumen, war er unter den Erdrutsch geraten, weil er zu diesem Zeitpunkt oben nicht von unten hatte unterscheiden können.

Gott…

Shikamarus Kopf fiel nach vorn und er presste seine Handballen in die Augenhöhlen; drückte so hart zu, dass Farben in der Schwärze explodierten. Kopfschüttelnd stieß er ein bitteres Lachen aus. Scheiße, was für ein Chaos. Ein massives Chaos, das er unter einen massiven Teppich der Verleugnung hatte kehren wollen. Und es hätte vielleicht sogar funktioniert, wenn Nejis Worte über seinen Vater ihm besagten Teppich nicht unter den Füßen weggerissen hätten.

‚Mein Vater?‘

‚Er weiß es.‘

‚Weiß was?‘

‚Was ich dir angetan habe.‘

Furcht kroch durch Shikamaru und hastig packte er sie, bevor sie noch weiter kriechen konnte; konnte geradezu fühlen, wie sie sich in seinen mentalen Fingern wand. Und er kämpfte mit dieser dämlichen Emotion und schlug sie mit Logik zurück; Nejis Worte waren nichts weiter als unlogisches Geschwafel – an die Oberfläche gebracht von opiuminduzierter Paranoia. Shikamarus Vater hatte niemals irgendetwas gesagt oder getan, das darauf hingedeutet hätte, dass er über das Bescheid wusste, was in dieser Nacht geschehen war. Und rein theoretisch, selbst wenn sein alter Herr davon wusste – was aber nicht der Fall war – dann war es immer noch besser, wenn er dachte, sein Sohn und Hyūga Neji hätten ernsthaft gegeneinander gekämpft und würden sich hassen, anstatt…

Anstatt was? Anstatt dass er über diese…diese SACHE zwischen uns Bescheid weiß…diese Sache, die ich einfach nicht…

Nicht was? Vor der er nicht wegrennen konnte? Von der er nicht fort laufen konnte? Nicht fort bleiben konnte? Shikamaru fuhr mit den Fingern über seine Kopfhaut und schloss schon wieder die Augen.

Nur ein einziger verfickter Kuss…und du machst mich komplett fertig, Hyūga

Keiner von ihnen konnte dieses Spiel gewinnen. Und wenn sie weiterspielen würden, dann brauchte es keine zwei vermeintlichen Genies, um den dämlich simplen Ausgang zu erraten. Shikamaru wusste es so sicher, wie er es schon immer gewusst hatte…direkt von diesem ersten Kuss an…und immer seit dem letzten…

Sie beide waren dazu bestimmt, gegen den jeweils anderen zu verlieren.

Gott, ich weiß es. Ich weiß es in meinem Innersten…

Was Hyūga Neji viel gefährlicher für Shikamarus Welt machte als die Verleugnung, die er genutzt hatte, um sie zu errichten.

Und das über dich zu wissen…zu wissen, was du mit mir machst…zerreißt mich noch immer…

‚Dann sind wir gleichauf, Shikamaru. Denn für dich zu empfinden, wie ich es tue, zerbricht mich noch immer.‘

Shikamarus Atem geriet heftig ins Stocken und seine Beine knickten unter dem Gewicht dieser Worte ein. Gerade noch so schaffte er es, in eine Hocke zu sinken, um sich davon abhalten zu können, auf die Knie zu gehen. Gut. Sollte seine Schwäche ihn näher an seine Stärke bringen. Sollte ihn sein Fall mit Neji näher an den Boden bringen, näher an das Grab, in dem er alles begraben musste und näher an ein Spiel, von dem er zumindest die Hoffnung hatte, es zu gewinnen…nicht um seiner willen, sondern für die Versprechen und Menschen, die zu kostbar waren, um sie zu verlieren.

‚Ich zähl auf dich…Shikamaru…‘

„Ich weiß…“, raunte er noch einmal. „Ich weiß…“

Ja. Er wusste es. Er wusste, wie er das tun musste. Wusste, dass er die Gelassenheit und kalkulierten Teile finden konnte, die er in sich selbst angeordnet hatte, als er sich damals mit Kakashi und seinem Team zusammengesetzt hatte, um das Spiel zu spielen und es zu gewinnen – trotz der Trauer, trotz der Schuldgefühle, trotz des gottverlassenen Gefühls, das verloren zu haben, was am meisten von Bedeutung war.

Niemals wieder…

Shikamarus Augen wurden hart und sein Herzschlag schwer.

Ich mag ja vielleicht ein Feigling sein und vielleicht bin ich kurz davor, verrückt zu sein…aber ich werde meine Kameraden beschützen…und die Kinder dieses Dorfes…egal zu welchem Preis…

Stärke kam. Shikamaru fühlte es. Sie füllte ihn von den Füßen aufwärts, als wäre das Blut des Mörders seines Senseis Wasser für seine Wurzeln, als hätte seine Rache, seine kalte, rationale Rache, ein Reservoir der Kraft entstehen lassen, aus dem er schöpfen konnte.

Diese Klarheit, diese neue Perspektive…war, weswegen er gekommen war.

Tief und langsam durchatmend erhob sich Shikamaru mit einer Leichtigkeit, die die Anstrengung verspottete, die es nur wenige Momente zuvor gebraucht hatte, nicht zu zerbrechen. Es lag eine Totenstille um ihn, als er eine weitere Zigarette anzündete und sich Zeit nahm, um dem Tanz der Flamme zuzusehen, bevor er sie auslöschte. Er ließ den Rauch hoch aufsteigen, bevor er daran zog; das Glühen der Zigarettenglut brannte tief in seinen Augen.

Ich werde nicht noch einmal jemanden so im Stich lassen wie dich. Das verspreche ich.

Keine voraussagenden Strategien mehr. Kein Vertrauen mehr auf Impuls und Instinkt. Das hatte er vor einer Woche versucht, indem er sich kopfüber in eine äußerst kritische Situation mit diesen verfickt gefährlichen Chimären gestürzt hatte.

Dämlicher Zug.

Und das aus weit mehr Gründen, als die offensichtlichen; zumindest was Neji betraf. Komisch, dass sich Shikamaru jetzt umso törichter vorkam, da er wusste, dass er gar nicht so weit suchen oder so tief hatte graben müssen, um die Bestätigung zu finden, nach der er Ausschau gehalten hatte. Dieses Grab, dieser unheilige Boden unter seinen Füßen, war all die Versicherung und all die Bestätigung, die er jemals gebraucht hatte, um zu wissen, dass er tun konnte, was getan werden musste. Es war genau so, wie Neji es gesagt hatte, dämlich simpel und subtil wie ein Messer.

‚…und um der Mission willen vertraue ich darauf, dass du tun wirst, was auch immer notwendig ist.‘

Shikamarus Kiefer zuckte und ein Strom aus Rauch verließ seine Nase. „Es geht niemals nur um die Mission.“

Er hatte einen weit tiefer gehenden Ansporn. Ein Motiv, das dringlicher war als alle Befehle und Verpflichtungen. Er hatte einen Eid. Her hatte einen Schwur geleistet…und Asuma zu verlieren hatte ihn auf ewig in seinem Herzen besiegelt.

Und ich werde alles begraben, was diesem Versprechen im Weg steht.

Was die Vergangenheit und all ihre unbenannten Phantome einschloss. Phantome wie das, das er vor zwei Jahren umgebracht hatte; ein verblasstes Gesicht in den hintersten Winkeln seines Verstandes – noch viel tiefer verscharrt als die Sterbenden und Toten.

~❃~


„Ist es tot?“

„Riecht tot. Sieht tot aus.“

„Bist du sicher?“

„Naja, der Kopf ist nicht mehr mit dem Körper verbunden. Aber andererseits frage ich mich das bei dir auch manchmal, Turteltaube.“

„Halt’s Maul!“

„Kiba“, warnte Neji und seine tiefe Stimme erstickte eine verbale Prügelei im Keim. „Lagebericht. Jetzt.“

Kiba grinste nur über Narutos gestikulierte Beleidigung und strich mit einer Handfläche über seine blutige Jacke, wobei er an seiner Schulter inne hielt. Er packte das Gelenk und rollte es mit knirschenden Muskeln. „Ich hab diese komisch riechende Wurzel, die Ino wollte. Die Dinovögel sind erledigt. Enthaupten funktioniert bei denen ziemlich gut. Aber, uh…“ Er machte eine Pause und linste hinüber zu dem riesigen Insektenkopf, den Naruto zwischen den Füßen hin und her kickte. Die massiven kompakten Augen funkelten wie Obsidianscheiben im Sonnenlicht. Angeekelt rümpfte Kiba die Nase, als die gigantischen Mandibeln zuckten und klickten. „Keine Ahnung, wohin dieses Kakerlakending gekrabbelt ist; aber seinen großen hässlichen Kopf hat es auf jeden Fall hier gelassen.“

„Shino und Sai sind da dran“, wies Neji die Angelegenheit ab. „Deine Schulter?“

Kiba hob eine Braue und spähte seitwärts in Richtung seines rechten Ohrs, als wäre das Funksignal falsch eingestellt. „Machst dir etwa Sorgen um mich, Hoheit? Meine Güte, mir wird ganz warm.“

Eine eisige Stille in der Leitung.

Währenddessen hörte Naruto auf, Fußball mit dem Insektenkopf zu spielen und sah auf, als er gleichzeitig an dem Blut kratzte, das seinen Kiefer verkrustete. „Neji, wo ist Sakura? Ist sie okay?“

„Besser als das“, flötete Sakura in ihre Ohren. „Tenten hat Shikamarus Theorie getestet. Und er hatte recht. Das Gift der Stachelkatze ist zähflüssig genug, um Waffen damit bestreichen zu können. Und Inos Antidot funktioniert hervorragend.“

„Wie ein Wunder“, sagte Tenten. „Ich treff mich am Nachmittag noch mit Chōji. Ich möchte sehen, ob sein Clan herausgefunden hat, wie man diese Skorpionpanzer in eine Rüstung umwandeln kann.“

Kiba pfiff durch die Zähne. „Krasser Scheiß. Team 10 lässt uns mal so richtig alt aussehen.“

„Dann mach dich bereit, zu ihnen aufzuholen, Inuzuka“, kam Nejis knappe Erwiderung. „Alle Einheiten; verlasst das Trainingsgelände und lasst euch auf jeden Fall von Shino durchchecken, auch wenn es euch gut geht. Das letzte, was wir jetzt brauchen, ist eine Infektion.“

„Ugh“, grummelte Naruto und kratzte sich in reflexiver Paranoia am Hals. „Vampirflöhe…das ist so abgefuckt…“

„Unterschätze die Brillanz dieser Insekten lieber nicht“, knackte Shinos Stimme durch die Leitung und trug ein verärgertes Summen über diese himmelschreiende Respektlosigkeit in sich. „Nimm zum Beispiel mal diesen Kakerlakenhybriden, den du und Kiba so gedankenlos geköpft habt. Er wird länger als eine weitere Woche überleben, auch ohne Kopf."

Gedankenlos geköpft?“, schnaubte Kiba spottend und ließ diese Information vollkommen wirkungslos über sich hinweg rollen – aber nicht die Beleidigung. „Mann, wir haben da echt eine ziemliche Strategie ausgearbeitet. Shikamaru wär stolz gewesen.“

„Shikamaru…“, stieß Shino den Namen aus. Ebenso selektiv wie seine Hundeninja Kamerad stürzte sich der Käfer-Nutzer direkt auf jede wahrgenommene Beleidigung. „Shikamaru hätte zu mir kommen sollen, um die Parasiten zu entfernen. Warum? Weil die sterilisierten Exemplare, die im Krankenhaus gesammelt wurden, schon kurz nachdem sie entfernt wurden, gestorben sind. Wieder einmal wurde ich übergangen.“

„Ein Fehler, der durch deine Zuweisung zu dieser Mission wieder gut gemacht wurde, Shino“, schaltete sich Neji ein und schnitt die Diskussion damit ohne viel Federlesen ab. „Jetzt sammelt euch wie geplant. Außer du, Kiba.“

Der Hundeninja hielt in einem Fleck aus Sonnenlicht inne und kam sich vor, als wäre er gerade auf eine Landmine getreten. Ein belästigtes Seufzen pfiff aus seiner Nase, aber er versuchte sich an einem Scherz. „Was? Muss ich jetzt für eine Strafauszeit in die stille Ecke?“

„Ino“, sagte Neji nur.

„Was ist mir ihr?“

„Bring diese Wurzel sofort zu ihr und klär sie außerdem über den neuesten Stand bezüglich des Antivenins auf.“

Kibas Belustigung erstarb zu einem Grollen. „Ich bin nicht dein Schoßhund, Neji.“

Ein spöttisch-nachdenkliches Summen rumpelte in Kibas Ohr, bevor Nejis Stimme einen Tonfall subtiler Unschuld annahm, der einfach viel zu herablassend war, um auch nur ansatzweise glaubhaft sein zu können. „Ich würde ja jemand anderen schicken, um sie zu erschnuppern, aber wie ich mich entsinne, hast du einen exzellenten Griff an ihrem Geruch.“

Kiba wurde stocksteif. Sein Blick schnitt hinüber zu Naruto. Der Uzumaki schien vollkommen ahnungslos zu sein und seine Aufmerksamkeit hatte sich wieder auf den zuckenden Kakerlakenkopf gerichtet. Scheinbar hatte Neji den Kanal des Transmitters so eingestellt, dass nur Kiba ihn hören konnte.

Dreckskerl.

Ein leichter Schweißfilm tropfte Kibas Schläfe hinunter. Mit einem Schnauben erholte er sich und rollte ein paarmal mit der Schulter. „Du weißt, dass ich auch einen ziemlich guten Griff an deinem Geruch habe, Hoheit. Rangiert in der säuerlichen Abteilung.“

„Und sag ihr, dass sie sich deine Schulter anschauen soll“, fuhr Neji unbeeindruckt fort, während seine Stimme in ihre ‚Kein Nonsens‘-Manier zurück fiel. „Du hast deine Schulterstütze nicht getragen und bist nicht zu deinen Terminen für die Nachbehandlung erschienen.“

„Was zum-? Hast du mir hinter her geschnüffelt, oder-?“

„Sieh zu, dass das gerichtet wird, Kiba. Und mach es zügig.“

Mit gebleckten Zähnen schnupperte Kiba in die Luft und scannte die Baumgrenze; ihm gefiel es überhaupt nicht, dass er außerhalb des Schlachtfeldes zur Beute des Byakugan wurde. Es ging hart gegen den Strich seines Raubtier/Beute Paradigmas und der Rolle, die er darin einnahm. „Tz. Erspar mir deine falsche Sorge. Ist nicht so, als hätte es dich davon abgehalten, mich für diesen kleinen Testlauf zum verfickten Tagesanbruch einzuschreiben, oder?“

Du bist auch nicht meine Sorge, Inuzuka. Sondern die Mission. Und dazu gehört nunmal auch standardmäßig deine Fähigkeit, auf maximalem Level zu funktionieren.“

„Erzähl das den zwei toten Dinovögeln und der kopflosen Bettwanze. Oh und dieser riesigen Stiefmütterchenpflanze. Ich hab dieses Scheißzeug mit Stumpf und Stiel rausgerissen. Und ich war am Ende nicht total stoned von Blumensaft und habe zugedröhnt im Krankenhaus randaliert.“

Keine Erwiderung außer dem Knacken und Knistern von Statik. Ein Geräusch, das so mit Spannung aufgeladen war, wie Eis, das Risse bekam. Kiba feixte, versuchte, sich den Ausdruck auf Nejis Gesicht vorzustellen und entschloss sich gleich darauf, dass er ein wenig mehr Resonanz brauchte, um phantasievoll werden zu können. Der Hundeninja atmete ein; bereit dazu, ein bisschen Öl ins Feuer zu gießen – aber Neji kam ihm zuvor. Und zwar mit einem nassen Lappen der Gleichgültigkeit direkt ins Gesicht.

„Werde nicht überhebliche“, warnte Neji und klang dabei so weit davon entfernt, sich beleidigt oder herabgewürdigt zu fühlen, dass Kibas Mund vor Enttäuschung ein wenig aufklappte. „Unsere Informationen zu diesen Kreaturen sind vage und unzureichend. Sieh diese Trainingseinheit also lieber nicht als einen Hinweis auf das an, mit dem wir es zu tun bekommen werden.“

„Whoa. Das ist mal so richtig ermutigend, Neji. Du und Shikamaru, ihr zwei könntet echt ein Buch über Motivationsreden schreiben und wie man sie nicht hält.“

Nejis Missbilligung wisperte wie eine kühle Brise durch die Leitung, doch auch diesmal kam der erwartete Konflikt nicht. „Wie ich es verstanden habe, wurde Akamaru geprüft und aus der Quarantäne entlassen. Ist das korrekt?“

Während jede andere Evasion Kiba vermutlich zum Zähneknirschen gebracht hätte, hob die Erwähnung von Akamaru seine Stimmung und er setzte ein Lächeln auf. „Jäh. Ich kann ihn später abholen. Bring Akamaru wieder ins Spiel und du bekommst eine optimale Leistung.“

„Ich hätte nichts anderes erwartet.“

So weit Erwartungen auch gingen; das hatte Kiba ganz sicher nicht erwartet. Schon wieder schielte der Hundeninja zu seinem Augenwinkel, als könnte er den kleinen Ohrstöpsel mit einem argwöhnischen Blinzeln aufspießen, während er in Nejis Worten nach verstecktem Sarkasmus suchte. Doch er konnte keinen feststellen. Und er war sich nicht sicher, was er deswegen verspürte – wusste nur, dass es sich nicht warm oder kribbelig anfühlte. Die ganze Zeit, seit der Hyūga diese 180 Grad Wende hingelegt hatte, befand sich Kibas Inneres in einem Tauziehen zwischen Irritation und Unsicherheit.

Ich hasse das…

Hasste es umso mehr wegen der Tatsache, dass Nejis Verhaltensänderung nichts war, worüber er gerechtfertigter Weise angepisst sein könnte. Jeder andere hätte es einfach als eine Entwicklung angesehen. Eine gute Sache. Vielleicht sogar als eine großartige Sache. Jeder andere hätte sie willkommen geheißen. Aber dieser seltsame Untergrund auf den Nejis Verhalten sie beide geschubst hatte, fühlte sich unbehaglich an. Falsch. Unecht. Nicht gut. Nicht großartig. Und in keiner Weise willkommen.

Stinkt meiner Meinung nach…

Und scheiß auf das, was jeder andere dachte. Kiba hatte nichts getan oder gesagt, das darauf schließen ließ, er wäre bereit oder willens, ihre lange bestehenden Animositäten, die sie gegen den jeweils anderen hegten, einfach so aufzugeben. Und selbst wenn er in naher Zukunft einen Waffenstillstand vorgesehen hätte, dann hatte er mit Sicherheit nicht damit gerechnet, dass dieser Waffenstillstand vollkommen ohne seine Beteiligung erfolgen würde – oder seine Erlaubnis. Und nie im Leben hatte er erwartet, dass er einfach so über Nacht erfolgen würde.

Diese Nacht. Shikamarus Geburtstag…

Das war der Zeitpunkt gewesen, als der Teppich aus Konflikt, der sich zwischen Kiba und Neji erstreckt hatte, dem Hundeninja unter den Füßen entrissen worden war. Und Scheiße verdammt, er hatte diesen Teppich gemocht. Dieser Teppich hatte eine vertraute Darstellung von Aggression und Muster von Defensiven gehabt, die Nejis seidenglattes und sittenstrenges Bild zum Gespött gemacht hatten.

Du hast dich nicht so beisammen, Hyūga. Niemand hat das.

Neji konnte es verstecken, so sehr er es wollte, aber Kiba wusste, dass da ein Tier in ihm war, das hinter der kühlen Mauer aus Zivilisiertheit lauerte. Er hatte gesehen, wie es Hinata angriff. Hatte gesehen, wie es Shikamaru angriff. Vertraute diesem Tier nicht. Und er würde ihm auch nicht trauen, bis er es in die Ecke getrieben und konfrontiert hatte. Während Hanegakure waren sie kurz davor gewesen, aber es war nicht nah genug gewesen. Und Nejis schwachsinniger Versuch, der ‚bessere Mensch‘ zu sein, täuschte den Hundeninja nicht. Nicht für eine einzige Sekunde. Dieser juckende Argwohn war unter seiner Haut und das schon seit einer Weile. Doch Neji zog ihm jedes Mal die Krallen, wenn er versuchte, daran zu kratzen und den Grund dafür zu finden.

Tz. Ich bin nicht so leicht aus dem Konzept zu bringen.

Doch offensichtlich war Neji das auch nicht.

Kibas Stirnrunzeln wurde tiefer und seine Lippen wurden zu einer schmalen Linie, während sich sein Kiefer anspannte. Seine Tattoostreifen höhlten sich aus und verhärteten seine Züge zu einer selten gesehenen Miene der Grübelei.

„Kiba?“, rief Naruto mit zusammengezogenen Brauen. „Bist du okay?“

Kibas Kopf hob sich. Wenn es nicht so verfickt weh getan hätte, dann hätte er mit den Achseln gezuckt. Doch stattdessen dehnte er den Nacken knackend von Seite zu Seite, fand darin etwas Erleichterung und schnaubte. „Jo, ich warte nur auf eine Runde Applaus, die ich nicht kriege.“

Naruto tätschelte sich den Bauch. „Hey, Abendessen geht auf Neji, erinnerst du dich? Das ist Dank genug.“

„Jo, ich werd das teuerste Steak bestellen, das ich finden kann. Werde ein verficktes Loch in Hyūgas Geldbeutel brennen.“

Wenn Neji der Unterhaltung zugehört hatte, dann erwiderte er nichts darauf.

Doch da er sich bewusst war, dass er beobachtet wurde, zuckte Kibas Blick unter seinen Wimpern zur Baumgrenze, bevor er zu Naruto wanderte. Und Unruhe folgte direkt auf dem Fuße.

Verdammt.

Knurrend zog er seine blutverschmierte Jacke aus und versuchte das Jucken unter seiner Haut zu ignorieren. Er wusste, dass es nicht von den Vampirflöhen des Dinovogels kam…nicht einmal diese gruseligen kleinen Viecher gruben sich so tief. Oder juckten so schlimm.

Schätze, es ist einfach ein Gefühl…

Und das hatte er noch nie in Frage gestellt. Er hatte nur keine nützlichen Antworten – was in etwa so nervig war wie Botenjunge zu spielen. Bei dem Gedanken an seinen nächsten Zielort wurden seine Schritte schleppend. Energisch suchte er nach einer Ablenkung, fand aber keine, die unterhaltsam genug wäre, um seine Aufmerksamkeit halten zu können und krähte deswegen einfach so ins Mikrofon, was ihm als nächstes in den Sinn kam: „Hey, Neji, du und Shikamaru, werdet ihr bei diesem kleinen Abendessen Stelldichein heute dabei sein, oder was?“

Neji schwieg für einen Moment. „Nein.“

„Na sieh sich das einer an. Ihr habt ganze drei Sekunden gebraucht, eure Untergebenen im Stich zu lassen.“

„Ich kann nicht für Shikamaru sprechen.“

Kibas Augen verengten sich ein wenig. „Du sprichst auch nicht für dich selbst, aber hey, schätze mal, das machst du nie.“

„Rang ist eine wunderbare Sache, Inuzuka.“

„Jo, eine Kette um meinen Hals. Könnte allerdings darauf wetten, dass du diese Kette magst. Ich kann mir echt nicht vorstellen, dass du jemals die Sau rauslässt.“

„Ich werde diese Leitung jetzt kappen, Kiba.“

Der Hundeninja drehte sich in spöttischem Entsetzen um und lief rückwärts, um Naruto weiterhin zu folgen, während er die Augen auf die Baumlinie gerichtet hielt. Er schüttelte den Kopf. „Das Einzige, was du schneidest, sind Kurven. Bei jeder Gelegenheit, die sich dir bietet. Du tauchst auf, wenn es dir in den Kram passt, um den ‚angemessenen‘ gesellschaftlichen Part zu spielen und dann verpisst du dich ins Blaue.“

„Wie bitte?“

„Sogar bei Shikamarus und Inos Geburtstagsparty. Und jetzt diese kleine Sache, die du geplant hast. Für den Scheiß zu bezahlen ist nicht dasselbe, wie anwesend zu sein, Neji.“

„Ich hätte gedacht du wärst froh über meine Abwesenheit, Inuzuka.“

„Das ist nicht der springende Punkt.“

„Du hast einen Punkt?“

„Leck mich! Du kapierst es einfach nicht.“

„Und du auch nicht. Meine Zeit gehört momentan nicht mir.“

„Was? Hast du dein Sozialleben weggegeben, als du es zum Jōnin geschafft hast?“

„Hn. Wer weiß.“

Vielleicht war es die angespannte Art und Weise, auf die Neji das sagte, oder vielleicht war es auch nur ein weiteres Gefühl, doch Kiba stichelte nicht noch mehr. Er wollte es. Tat es aber nicht.

„Achja?“, schnaubte der Hundeninja und wandte den weißen Augen den Rücken zu. „Na bist du nicht durch und durch mysteriös mit Mantel und Dolch?“

„Wenn es notwendig ist“, erwiderte Neji und kappte die Leitung.

„Jo“, murmelte Kiba in das statische Knistern, bevor er sich den Stöpsel aus dem Ohr riss. „Ich kapier’s.“

~❃~


Kusagakure

Die grelle topographische Karte, die auf Tsunades Schreibtisch ausgebreitet lag, brachte eine andere Karte in den Sinn; größer, vom Alter vergilbt und sich von der Wand schälend. Der verknitterte Körper nur noch an Fäden schmutzigen Klebebands hängend – und dem rasiermesserscharfen Stahl eines Senbons.

Genma.

Im Inneren seufzte Kakashi.

Lass es los.

Das hatte er. Naja, wenn loslassen ruhen lassen ließ.

Wie einen schlafenden Hund.

Hatte es Asuma nicht so formuliert? Und war der plötzliche dumpfe Schmerz in seiner Brust nicht Warnung genug, eben nicht über diese Wege nachzudenken; geschweige denn, anzufangen, sie auch zu beschreiten? Kakashis rechte Hand schob sich in seine Tasche und seine Finger strichen über das Senbon, das dort verstaut war, bis er spürte, wie sich die scharfe Spitze in die Wirbel seines Daumens schnitt. Ein kaltes Stechen und ein warmes Sickern.

Tsunades Stimme brachte ihn wieder zurück. „Erklär es mir nochmal, Kakashi. Wieso Hyūga Neji?“

Kakashis graues Auge hob sich zusammen mit seinen Schultern. „Ich kann mir niemand besseren vorstellen, der meinen Platz in dieser Mission einnehmen könnte.“

Das unverbindliche Achselzucken – und die unverbindlichen Worte – ließen Tsunades Blick nach oben schnellen. Und dieser Blick enthielt einen höllischen Schlag. Auch wenn es vorzuziehen war, von der Musterung der Hokage, statt von ihrer Faust getroffen zu werden, fühlte sich Kakashi dennoch etwas kurzatmig. Was das Ganze nur noch idiotischer machte, war, dass Kakashi eigentlich wusste, diese Schläge so zu nehmen, wie sie kamen – oder eher noch besser, er wusste, wie man es vermied, überhaupt getroffen zu werden.

Aber in letzter Zeit…

Aber in letzter Zeit hämmerte eine seltsame und unsichtbare Faust auf seine Brust und prügelte ihm die Luft aus den Lungen. Wenn man dieser Faust nun auch noch Tsunades Wildheit hinzufügte, dann war es, als würde man mit Rasengans Völkerball spielen. Doch lobenswerter Weise und dank seiner hart erarbeiteten Erfahrung, hielt Kakashi ihrer Musterung stand, bis er spürte, wie sich ihr Argwohn in ein tiefes, nachdenkliches Schweigen verwandelte. Sie legte sich bleischwer über die Leichtigkeit seiner Antwort. Wartete sie denn auf eine bessere?

Ah…

Kakashi zog leicht den Kopf zurück und seine Brauen hoben sich in einer unschuldigen Frage. „Du bist anderer Meinung, Hokage-sama?“

Ein schwaches Schmunzeln zupfte an einem von Tsunades Mundwinkeln, aber ihre Bernsteinaugen blieben ernst. „Ich bin nicht anderer Meinung. Und ich bezweifle keineswegs Hyūga Nejis Fähigkeiten soweit es diese Mission betrifft.“

„Soweit es diese Mission betrifft…“, echote Kakashi und zog dabei das ‚diese‘ lang. Er war kein Hellseher, aber er war auch nicht dumm – nur ohne Glück. Es gab nur einen einzigen anderen Weg, auf den Tsunade hätte anspielen können, der auch irgendeine Verbindung oder Relevanz für Kakashi und seine widerwillige Involvierung in die Angelegenheiten von Hyūga Neji aufwies. „Du hast immer noch Zweifel wegen seiner Aufnahme bei ANBU?“, schloss er, da er genau wusste, dass sie das von ihm wollte.

Mit zusammengezogenen Brauen legte Tsunade ihre Finger ineinander und stellte die Ellbogen auf der Karte ab. „Ich habe bisher noch nicht mit Ibiki oder Shikaku gesprochen.“ Ihr Blick wanderte durch den Raum, aus dem Fenster und über die sonnengebadeten Dächer des Dorfes. „Hyūga Politik ist eine chaotische Angelegenheit. Als der Sandaime ANBU zu einem Mittel des Ausweges aus der Zweigfamilie gemacht hat, hat das nicht einfach alles bereinigt…nur unter den Teppich gekehrt…“

Kakashi erwiderte nichts und entschied sich eher für die weisere Taktik des Beobachtens und Wartens…während er sich ganz leicht fragte, ob er mit dem Senbon vielleicht ein bisschen zu tief geschnitten hatte. Er zog seinen Daumen gegen die Handfläche, sodass das Blut glitschig zwischen seine Finger floss.

Seufzend legte Tsunade ihre Zeigefinger aneinander und tippte sich damit gegen die Lippen. „Neji kann es wirklich kaum noch erwarten. Nicht einmal all die A-Rang Missionen, an denen er teilgenommen hat, konnten ihm auch nur ansatzweise den Biss nehmen; auch nicht seinem…“ Sie suchte nach einem passenden Wort. „…Enthusiasmus.

Kakashis Braue hob sich bei dieser Aussage. „Und es widerstrebt dir, diesem ‚Enthusiasmus‘ zu begegnen“, erwiderte er und stellte damit das Offensichtliche klar, um die Dinge etwas zu beschleunigen.

Tsunade zögerte und suchte nach Antworten in seinem maskierten Gesicht. „Und?“, drängte sie weiter. „Alles in allem, was denkst du darüber?“

„Alles in allem denke ich, dass es mich nichts angeht.“

Tsunades Brauen flogen zu ihrer Haarlinie und krachten dann über aufflammenden Bernsteinaugen nach unten. Auf einem Ellbogen lehnte sie sich nach vorn. „Es geht dich etwas an, seit ich dir anvertraut habe, zu was ich Shikamaru in Hanegakure angewiesen habe. Es geht dich etwas an, seit ich dich gebeten habe, Neji im Auge zu behalten. Und es geht dich jetzt etwas an, wenn du mir sagen sollst, ob du der Meinung bist, dass er unwiderlegbar für ANBU geeignet ist, oder ob ich Shikaku sagen soll, seine Aufnahme komplett zu beenden."

Stille fiel schwer über den Raum und hinterließ eine Delle, die groß genug war, um sämtliche Luft zu schlucken.

Kakashi musterte seine überschäumende Vorgesetzte unter seiner geneigten Stirn und die silbernen Flecken in seinem grauen Auge schimmerten wie winzige Nadeln. Und seine Stimme war ebenso kühl und hölzern wie seine Miene.

„Ich denke, dass Hyūga Neji ein ausgezeichneter ANBU Agent wäre, Tsunade-sama.“

Diese äußerst flache Aussprache sorgte dafür, dass sich Tsunades Gesicht vor Missbilligung anspannte, was Kakashi sich fragen ließ, was zur Hölle sie eigentlich von ihm wollte, wenn es um diesen Hyūga Jungen ging. Gott. Der Gedanke ließ ihn ein wenig frösteln.

Ich bin trotzdem der Falsche, um das zu fragen…

Vielleicht sogar der Schlimmste, wenn es ANBU betraf. Er hatte sich vor sehr langer Zeit aus diesem Zirkel ausgeklinkt. Wie Genma es so passend ausgedrückt hatte; er hatte sich aus dem Staub gemacht. Und irgendwie erschien im Hyūga Neji nicht als die Art, die sich einfach so mit einer Verbeugung daraus verabschiedete.

Oder dort hinaus kriecht…

Wie es Kakashi getan hatte, als er sich selbst durch die Schützengräben von Papierkrieg und Reue gezerrt hatte…

Jo…und Genma zurück gelassen habe…

In seiner Tasche drehte er das Senbon und zog eine weitere stechende und nasse Linie über seine Haut.

„Du sagst, du denkst, er wäre bereit“, sagte Tsunade. „Und dennoch ermutigst du ihn bei jeder Gelegenheit, Aufträge außerhalb des Dorfes anzunehmen, statt darauf zu warten, dass Ibiki oder Shikaku an ihn heran treten.“

Kakashi ließ sich auf ein Glücksspiel ein und spielte die Idiotenkarte aus, indem er Tsunade in einer Demonstration kunstloser Verwirrung anblinzelte. „Wie ich es bereits damals gesagt habe, hat er Punkte und Anerkennung gesammelt. Ich habe keinerlei Grund gesehen, ihn dabei nicht zu ermutigen. ANBU hat eine Quote in der A- und S-Rang Abteilung. Es haben sich Gelegenheiten eröffnet. Ihn darauf aufmerksam zu machen, schien nur sinnvoll zu sein.“

„Hn. Witzig, dass du das sagst, wenn man bedenkt, dass ich ihm gesagt habe, dass es eine Gelegenheit ist, die ich in seinen Weg lege und kein Hindernis. Aber die Wahrheit ist, dass ich nicht einmal daran gedacht hätte, ihm diese Mission zuzuteilen, wenn du es nicht vorgeschlagen hättest…“ Ihr Satz lief unvollendet aus, bevor er eine neue Richtung einschlug. „Was mich fragen lässt…“

„Fragen?“

„Ich habe dich gebeten, ihn im Auge zu behalten, nicht, ihn zu ermutigen. Wenn das überhaupt das ist, was du wirklich tust.“

„Was sollte ich denn sonst tun, Hokage-sama?“

Tsunade schnaubte leise und lehnte sich in ihrem Stuhl zurück, um ihn kritisch zu mustern – als würde Abstand ihr eine klarere Perspektive eröffnen. „Ihn ablenken? Ihn aufhalten? Vielleicht versuchst du sogar, ihm eine andere Richtung zu weisen?“

Für einen langen Moment beäugte Kakashi sie. „Willst du, dass ich das tue?“

Tsunades Gesichtsausdruck zuckte, als wäre sie ertappt worden. Doch sie gab Kakashi keine Zeit, ihre Reaktion zu analysieren, sondern fuhr schnaubend mit ihrer Handfläche über die Karte auf ihrem Tisch. „Wenn ich daran denke, dass du diesmal sogar so weit gegangen bist, ihm deinen Platz in der Kusagakure Mission zuzuteilen.“

Bei der Erwähnung seines Rückzuges aus dieser Mission, vollführte die unsichtbare Faust einen bösartigen Aufwärtshaken und halbierte damit sämtliche Luft in Kakashis Lungen. Und wie aus dem Nichts – oder zumindest wagte er es nicht, dieses Nichts zu erkunden – sprang ein unentrinnbarer Drang, sich zu rechtfertigen, an die Oberfläche.

Kakashis Schultern verkrampften sich und seine Stimme wurde leicht rau. „Du weißt, weshalb ich nicht gehen kann…“ Tsunades Augen wurden bei diesen Worten etwas weicher und der Rest von Kakashis Satz verfing sich in seiner Kehle. Er konnte ihn nicht hervor würgen, oder hinunter schlucken. Klasse. Kopfschüttelnd wandte er den Kopf ab; angewidert von dem plötzlichen Versagen seines Hirns, ein Schauspiel weiter zu führen, das bereits eine ganze Woche andauerte.

Auf der anderen Seite des Raumes knarzte Tsunades Stuhl. „Kakashi“, hauchte sie seinen Namen auf einem Seufzen und ihre Stimme war dabei so nah dran an beruhigend, dass sich Kakashi innerlich gegen diese drohende Geborgenheit darin versteifte. „Ich verstehe sehr gut, warum du darum gebeten hast, von dieser Mission abgezogen zu werden.“ Eine schuldbewusste Pause. „Jetzt im Nachhinein wird mir klar, dass es gedankenlos von mir war, sie dir zuzuweisen. Ganz zu schweigen, dass es politisch gesehen mehr als töricht war…“ Und dann, so leise und sanft, dass es beinahe ungehört blieb: „Und viel zu persönlich.“

Kakashi hielt seine Aufmerksamkeit auf das Fenster fixiert und stierte seine Reflexion an. Langsam blinzelnd tat er so, als hätte er sie nicht gehört.

Tsunade wandte den Kopf, um mit schwingenden blonden Strähnen seinem Blick zu folgen. „Vielleicht habe ich denselben Fehler begangen, als ich dich in diese ANBU Angelegenheit mit Neji mit hinein gezogen habe.“

Vielleicht…  

Und wie aufschlussreich das war…sowohl über den Mann, der er geworden war, als auch über den Mann, der einst gewesen war. Als er den silberhaarigen Shinobi betrachtete, der durch das Glas zu ihm zurück starrte, fragte er sich, ob diese beiden Facetten – diese beiden Gesichter – seines Selbst gar nicht so weit voneinander entfernt worden waren, wie er es gerne gehabt hätte…trotz all der Jahre, des Abstands…

Der Tode…

Es brauchte eine erschreckende Menge an Anstrengung, um seine Miene von der Spannung unberührt zu halten, die in ihm aufstieg. Kami, aber in letzter Zeit kam sie in Wellen. Ständig seit Asumas Begräbnis. Ständig seit dieser waghalsigen Nacht mit Genma. Ständig seit Kakashi realisiert hatte, dass er nichts tun konnte, um sie abzufangen.

Nichts, hmn? Nichts mehr zu verlieren. Nichts und niemanden aufzugeben…

Ah, aber war das nicht die Crux an allem? War das nicht exakt der Grund, warum er sich vor all den Jahren von ANBU aus dem Staub gemacht hatte? Er war nie in der Lage gewesen, nach diesen Regeln zu leben – was für eine Schande, dass es immer den Tod eines Freundes oder die Finsternis eines Kameraden brauchte, um ihn daran zu erinnern, warum das so war.

„Du bist von dem Befehl entbunden, Hyūga Neji im Auge zu behalten“, informierte Tsunade ihn und zerrte seinen Blick damit von dem Fenster fort. „Obwohl ich immer noch davon ausgehe, dass du Hintergedanken hattest, als du ihn als Leiter dieser Mission vorgeschlagen hast."

Rasch erlangte Kakashi alle Werkzeuge seines Schwachsinns-Gehabe wieder und neigte den Kopf in einem verlegenen Winkel, bevor er ein Lächeln zustande brachte, das den Winkel seines sichtbaren Auges kaum in Falten legte. „Ist das Beste, ihn die Bratpfanne austesten zu lassen, bevor er sich ins Feuer stürzt, hmn?“

Tsunade schürzte die Lippen und ließ knallrot lackierte Nägel in einem meditativen Tippen gegen die Teetasse klacken. „Nun, irgendetwas kocht definitiv in Kusagakure vor sich hin. Und es riecht nicht gut. Nicht mal annähernd.“ Sie runzelte die Stirn über den haarfeinen Riss in ihrer Teetasse und hob scharf den Blick. „Wurden die Chimären auf dem vierundvierzigsten Trainingsgelände inzwischen unter Kontrolle gebracht?“

Kakashi nickte bestätigend. „Nara Shikaku hat angeordnet, dass einige zu Forschungszwecken unter Quarantäne gestellt werden. Dasselbe gilt für die Hybridpflanzen. Ich habe zwar noch nicht direkt mit Inoichi gesprochen, aber wie ich höre, übernehmen die Yamanaka den botanischen Teil dieses Chaos. Alle verbliebenen Chimären wurden entweder vernichtet oder für Nejis Trainingseinheiten eingesperrt.“

„Gut. Je eher wir diese Sache mit Kusagakure abschließen, desto schneller können wir unsere Anstrengungen darauf konzentrieren, Akatsuki zu eliminieren und den Feuertempel wieder aufzubauen. Tsunade schob die Karten in die dafür vorgesehenen Tragetaschen und stierte finster auf den wachsenden Papierstapel, der sich wie ein willkürlicher Jenga Turm auf der Seite ihres Schreibtisches aufbaute. „Das wäre alles, Kakashi.“

Kakashi fühlte sich mehr befreit, als entlassen und neigte rasch den Kopf, während sich sein Körper bereits drehte, um das Büro zu verlassen. Hinter ihm fiel die Tür ins Schloss und das leise ‚klick‘ des Riegels ließ seine Härchen aufstellen wie der Auslöser einer Tretmine. Doch er blieb nicht für die vorgestellte Detonation und beschleunigte seine Schritte durch die breite Kurve des Ganges, während er auf den kleinen Blutfleck spähte, der seine Tasche beschmutzte. Silberne Brauen zogen sich zusammen.

Und du steckst dir diese Dinger echt in den Mund, Shiranui?

Naja, es war nicht so, dass Genmas masochistische Tendenzen ihn jemals überrascht hätten. Einst, vor einer lange verlorenen Zeit, hatte er den Shiranui insbesondere wegen seiner seltsamen und ungesunden Vorlieben aufgesucht.

Abhängigkeiten…

Getrieben von diesem Gedanken, nahm Kakashi den Notausgang an der Seite des Korridors und sprang hinauf auf das Geländer, das sich um die enge Treppe schlängelte. Ein flüchtiger Blick himmelwärts und mit einem Rückwärtssprung katapultierte er sich ein ganzes Stück hoch in die Luft, um in einer ordentlichen Hocke auf dem großen offenen Dach der Hokage Residenz zu landen, wobei er einen Schwarm Tauben aufschreckte.

Federn segelten auf der Brise und schimmerten silbrig-golden im Sonnenlicht.

Rasch prüfte Kakashi die offene Umgebung, um sich zu versichern, dass er allein war, bevor er einen Schritt zurück sprang und seine blutige Hand aus der Tasche zog, mit der er fünf Zeichen formte und  seine Handfläche auf den warmen Beton klatschte. „Kuchiyose no Jutsu!

Ein Wirbeln von schwarzen Schriftzeichen.

Ein Puffen von Chakra.

Ein Mops.

Pakkun schnaubte und sah stirnrunzelnd unter den Rollen pelziger Falten zu Kakashi auf. Und als das bei dem Kopierninja überhaupt nichts auslöste außer eine erhobene Braue, schnaufte Pakkun, ließ sich prompt auf seinen Hintern fallen – und leckte sich die Eier.

Kakashi seufzte. „Herzallerliebst.“

„Das ist alles an Liebe, was du dafür bekommst, mich an meinem freien Tag hierher zu zitieren.“

„Warum einen Hund haben und dann doch selber bellen?“, witzelte Kakashi und legte den Kopf in spöttischer Nachdenklichkeit schief.

„Warum so viel Blut?“

Kakashi blinzelte. „Was?“

Der Hund stand auf und musterte den blutigen Handabdruck, auf dem er gesessen war, bevor er den Kopf zu Kakashi hob und dieses entzückende Kopfschieflegen vollführte, das die Herzen der Menschheit seit den Zeiten der Domestizierung zerschmelzen ließ. Oder zumindest wäre es entzückend gewesen, wäre da nicht dieses begleitende Stirnrunzeln gewesen, das wie ein Gewitter über die zuckende Nase des Mopses rollte.

„Kakashi…“, grummelte Pakkun und Sorge spielte irgendwo unter seinem Knurren.

Kakashi versteifte sich gegen diesen Klang. Es brachte ihm das rumpelnde Winseln und Jammern in den Sinn, die ihn in der Nacht umgeben hatten, als er den Mond niedergeheult hatte und mit der Wildheit eines tollwütigen Wolfes nach seinen Ninken geschlagen hatte.

Seitdem waren sie in seiner Nähe äußerst wachsam.

Leicht zog Kakashi die Brauen zusammen und streckte seine unblutige Hand aus, um Pakkun mit solch ungeschützter Zuneigung hinter dem Ohr zu kraulen, dass der Hund überrascht ein bisschen nach hinten wackelte. Als er seinen Ausrutscher bemerkte, zog Kakashi seine Hand zurück und richtete seine Defensiven rasch wieder auf, während er sich etwas nach hinten setzte.

Pakkun machte Anstalten, wieder nach vorn zu kommen, doch Kakashis kühler Blick ließ ihn inne halten.

Der Augenblick war vorbei.

Mit geducktem Kopf setzte sich der Hund wieder auf die Hinterpfoten und wartete mit plötzlicher Unterwürfigkeit ab.

Kakashi griff in seine Flakjacke und zog eine kleine fuchsienpinke Pille hervor, die er nur wenige Zentimeter von Pakkuns Pfoten entfernt ablegte. Neugierig schnupperte der Mops daran und seine pinke Zunge huschte für ein vorsichtiges Lecken hervor – und eine Sekunde später ruckte der kleine Kopf zurück und die dunklen Augen unter dem tiefer werdenden Stirnrunzeln wurden sehr ernst.

„Das ist harter Stoff, Kakashi.“

Der Kopierninja nickte langsam. „Finde den Dealer.“

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Ich habe das Kapitel jetzt noch schnell vor der Arbeit hochgeladen, deswegen kein geistreiches Nachwort, nur sorry für etwaige Formatierungsfehler, die werden nach Feierabend behoben und ich hoffe, das erste Kapitel hat euch gefallen! Lasst mir doch ein paar Worte da! <3
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