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How I met your father

GeschichteRomance, Freundschaft / P16 / Gen
James "Krone" Potter Lily Potter Peter "Wurmschwanz" Pettigrew Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
09.11.2021
03.12.2021
8
29.733
14
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19 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
25.11.2021 5.316
 
Hallo!

Ja, ihr seht richtig, es geht schon wieder weiter :D Ich weiß auch nicht, woran es liegt, aber momentan flutschen die Kapitel nur so aus mir raus. Es macht ziemlichen Spaß sich in die Geschichten der Rumtreiber zu vertiefen. Auch, wenn dieses Kapitel jetzt nicht zu den spaßigen, sondern eher den nachdenklichen gehört. Es ist aber extrem wichtig für viele weitere Entwicklungen.

Ich hoffe, es wird euch wieder gefallen!

Eure Kriegsdrache

PS: Das nächste Kapitel ist quasi ebenfalls schon fertig... also, wenn ihr das bald haben wollt oder noch bis nächste Woche warten wollt... sagt mir gern, was euch lieber wäre in den Reviews ;) :P

Die Halloweennacht ging rasch vorüber, viel zu rasch leider. Der November trat an seine Stelle mit einer Menge Arbeit für uns Fünftklässler und neuen Herausforderungen. Dass die Rumtreiber ausgerechnet zu Halloween unauffindbar gewesen waren, beschäftigte mich nicht mehr allzu lange. Ich hatte mir vorgenommen mich nicht so sehr auf sie zu versteifen und mich stattdessen wichtigeren Sachen zuzuwenden. Was mir allerdings schwer fiel, denn, dass etwas im Gange war, war unübersehbar.
Als in der Woche nach Halloween ein unerwarteter Nebel über die Ländereien fiel, wurde ich von McGonagall angewiesen als Vertrauensschülerin den Erstklässlern zu helfen den Weg von den Gewächshäusern ins Schloss zu finden. Natürlich kam ich dem nach und wartete noch eine Weile vergebens auf Lupins Unterstützung.
„Kommt, nicht trödeln“, sagte ich zu den jungen Schülern und leuchtete ihnen den Weg über das dunkle Gelände.
Derweil fragte ich mich, wo Remus nur blieb. Es sah ihm nicht wirklich ähnlich seine Pflichten zu vernachlässigen. Mit Sicherheit hielten ihn die anderen davon ab. Das konnten sie ja ziemlich gut.
„Hör jetzt damit auf und lass mich in Ruhe“, kam es plötzlich von den Gewächshäusern und ich erkannte zwei Gestalten auf uns zu laufen.
„Komm schon, wir sind doch fast fertig!“, sagte die andere Stimme und schnell drehte ich mich weg.
In der Hoffnung, dass James mich gar nicht erkennen würde in der Dunkelheit.
„Ich sagte nein, James!“, kam es plötzlich heftig von Remus und die beiden blieben unerwartet stehen.
Ich wagte einen raschen Blick zurück. Ich konnte nicht sagen, ob sie mich schon gesehen hatten. Ein junges Mädchen aus Gryffindor zupfte mir aufgeregt am Ärmel, aber ich beachtete sie gar nicht.
Der Ton, den Remus anschlug, machte mich hellhörig. Remus war der vernünftige von den vieren, aber seine Stimme hatte etwas Kaltes in sich, das nicht zu ihm passte.
„Moony…“, sagte James ungewohnt sanft und ich erkannte flüchtig im Schein der Fackeln sein flehentliches Gesicht.
„Das ist es nicht wert“, erwiderte Remus eisern. „Belassen wir es dabei.“
Er wandte sich ab und stapfte zornig über den Rasen. Meine Augen flogen von ihm zu James, der seinem Freund deprimiert nachsah. Unsere Blicke trafen sich für den Bruchteil einer Sekunde. Doch James zog keine Grimasse oder warf sich in Pose wie ich es sonst von ihm gewohnt war. Die Traurigkeit auf seinem Gesicht war ernst. Als er sich umdrehte, glaubte ich jedoch wieder sein rebellische Entschlossenheit aufblitzen zu sehen.
„Alles in Ordnung?“, fragte ich beiläufig, als Remus sich mir anschloss.
„Klar. Entschuldige meine Verspätung“, sagte er gereizt und zog ebenfalls den Zauberstab.
Ich musterte ihn irritiert. Er hatte die Kapuze seines Umhangs übergezogen, die ihm bis zu den Haarspitzen ins Gesicht fiel. Er drehte den Kopf weg, wann immer er mir zu nah kam.
Schweigend brachten wir die Kinder ins Schloss. Derweil quälten mich die Fragen, was mit Remus los war. Ich wusste, er hatte es nicht besonders leicht. Mehrfach während eines Schuljahres lag er im Krankenflügel wegen gebrochenen Knochen und oberflächlichen Verletzungen. Die Gryffindors erzählten sich, dass er eine schwere Krankheit seit seiner Kindheit hatte, aber was es genau war, darüber wurde geschwiegen. Wenn die Rumtreiber auch oft laute Quälgeister waren über Remus Zustand schwiegen sie konstant. Und viele von uns wussten, dass wir sie auch nicht darauf ansprechen sollten.
Im zweiten Jahr hatte ein Slytherin Sirius immer wieder gepiesackt und ausgefragt bis der schließlich seinen Umhang in Brand gesetzt hatte. James war auch nicht gerade ein Unschuldslamm. Im dritten Jahr hatte er sich mit einem vorlauten Ravenclaw geprügelt, weil der über Remus zerschnittenes Gesicht hergezogen war. Selbst Peter, der mehr Pazifist war als alles andere, hatte mal eine Hufflepuff angeschrien, weil sie hinter vorgehaltener Hand über Remus gelacht hatte.
Diese Vorfälle waren Abschreckung genug, was natürlich dennoch nicht bedeutete, dass sich alle an das Tabu hielten. Ich hatte nie das Bedürfnis gehabt Remus mit meinen Fragen zu quälen und hatte stets so getan, als würde ich etwaige Verletzungen gar nicht bemerken. Aber jetzt, wo wir so eng zusammenarbeiteten, fiel es mir deutlich schwerer.
„So, geschafft“, sagte Remus erleichtert, als die Erstklässler plaudernd in die Große Halle strömten.
Er selbst wollte sich der Großen Treppe zu wenden. Ich biss mir auf die Lippe und spürte in mir das Bedürfnis aufsteigen ihn zu einem Abendessen bei meinen Freunden einzuladen. Auch, wenn er sicher ablehnen würde.
„Remus“
Er drehte sich herum und stieß prompt mit einem Slytherin Mädchen zusammen, das vor Schreck die Bücher fallen ließ. Sie ging in die Knie und blickte dann zu Remus auf.
Ich sah wie sich ihr Gesicht weitete und sie aufschrie. Remus war wie erstarrt und zog seine Kapuze wieder tiefer herunter. Er fuhr herum, drängte sich an den Schülern vorbei und rannte die Treppen der Großen Treppe herunter.
Minutenlang stand ich nur da und kämpfte mit mir selbst. Sollte ich ihm nachgehen? Technisch gesehen, waren wir keine Freunde und ich wollte mich doch eigentlich aus Fremder Sachen raushalten…
„Hast du sein Gesicht gesehen?“, sagte das Slytherin Mädchen und bückte sich nach ihren Büchern.
„Oh ja, grässlich“, stimmte ihre Freundin zu und schüttelte sich. „Er sieht aus wie ein Monster. Dass sie sowas hier rumlaufen lassen… wirklich unglaublich…“
Mein Gesicht verzog sich und ich schmeckte den Geschmack von Essig im Mund.
„Fünf Punkte Abzug für Slytherin“, sagte ich laut und die beiden Mädchen schraken zusammen. „Für euren Mangel an Empathie und Feingefühl. Und er ist kein – !“
Ich biss mir auf die Lippe und kämpfte mit der Beherrschung.
„Ihr wisst nicht, was wahre Monster sind!“, zischte ich und wirbelte herum.
Ich rannte die Treppe herunter und spürte wie mein Herz mir wild in der Brust schlug. Wo war er nur hin? Manchmal schienen diese Rumtreiber aber auch einfach mir nichts dir nichts zu verschwinden.
Ich rannte in die Kerker, die still und leise vor mir lagen. Kurz blieb ich stehen und lauschte in die Stille. Die Fackeln flackerten leise, doch da war auch noch ein anderes Geräusch. Ich folgte ihm bis ich um eine Ecke herum kam in einen Nebengang. In einer Nische unter der Wendeltreppe, die zum Viadukt führte, fand ich ihn kauern.
„Remus?“, flüsterte ich leise und das Weinen stoppte abrupt.
„Verschwinde“, schniefte er und presste das Gesicht gegen die Steinmauer. Als würde er hoffen darin verschwinden zu können.
Ich ging nicht. Ich suchte in meiner Jackentasche nach einem Taschentuch, ich fand jedoch keines. Seufzend lehnte ich mich an die Wand und starrte in die Finsternis.
„Es ist… schlimm, wenn man dich so nennt“, sagte ich leise. „Monster… Missgeburt… Höllenvieh… Jedes Wort ist schlimmer als das erste…“
Remus schniefte leicht und er drehte den Kopf leicht.
„Wer sollte dich denn so nennen? Du bist… perfekt und wunderschön“, sagte er verachtend.
Ich verzog das Gesicht schmerzhaft und nahm eine meiner roten Haarspitzen zwischen die Finger.
„Nicht für diejenige, die mich von Natur aus lieben sollte“, erwiderte ich. „Es gab eine Zeit, da mochten wir uns… Sie war meine beste Freundin… Aber in ihren Augen sind meine Fähigkeiten eine Schande… Und das macht auch mich… zu Abschaum.“
Ich schniefte leicht und wischte mir die Träne weg, die mir über die Wange gerollt war.
„Eine Hexe zu sein, hat nichts mit Schande zu tun“, murmelte Remus. „Sie mag das vielleicht nicht erkennen, aber du bist es von Geburt an… du konntest es dir nicht aussuchen. Und hier in Hogwarts… gibt es so viele, die dich als Hexe achten…“
„Ich weiß“, sagte ich und rutschte an der Wand zu Boden. „Ist doch albern, oder? Dass mir ausgerechnet die Meinung eines Menschen, der mich so sehr verachtet, mehr bedeutet als die von hundert anderen, die nur Gutes über mich sagen.“
Schweigen breitete sich zwischen uns aus und Remus Schultern zuckten.
„Gut gespielt, Evans, aber du kannst uns beide nicht vergleichen“, sagte er mit brüchiger Stimme.
„Ich glaube kaum, dass du dir deine Krankheit selbst ausgesucht hast. Ebenso wenig wie ich mir ausgesucht habe eine Hexe zu sein“, sagte ich und sah ihn von der Seite her an. „Ist doch egal, was so eine dumme Slytherin sagt.“
„Es ist nicht das, was sie sagen, was mich trifft“, flüsterte Remus und zog die Kapuze zurecht, damit ich auch ja keinen Blick erhaschen konnte. „Es ist ihre unmittelbare Reaktion. Wenn sie mich nur ansehen und ihr Instinkt ihnen zuschreit, dass sie vor mir fliehen müssen. Dann weiß ich… ich bin wirklich ein Monster.“
„Das bist du nicht“, sagte ich rasch und drehte mich ihm zu.
„Lily, du weißt nicht alles“
„Ich weiß genug!“, erwiderte ich beherzt und zog meinen Zauberstab. „Und ich weiß, dass ich nicht fliehen werde, wenn ich dein Gesicht sehe.“
„Nein, nicht“, wiedersprach er, doch die Spitze meines Zauberstabs leuchtete auf und ich streckte behutsam die Hand aus. „Ich will nicht, dass du das siehst…“
„Es gibt nichts, dessen du dich schämen müsstest“, sagte ich deutlich und zog vorsichtig die Kapuze herunter.
Remus atmete flach und blickte zu Boden. Sein braunes zerzaustes Haar kam zum Vorschein und mit ihm ein Gesicht, das aussah, als hätte jemand darauf Messer scharf geschliffen. Seine Augen flogen zu mir, die Augen, die dunkel in ihren Höhlen lagen und blutunterlaufen waren. Der Anblick war schlimmer als ich es erwartet hätte, doch ich zwang mich ruhig zu bleiben.
Ich sah ihn an und spürte wie die Angst langsam von mir wich. Stattdessen breitete sich ein anderes Gefühl in meiner Brust aus.
„Was ist denn nur mit dir passiert?“, fragte ich und meine Stimme zitterte. „G-Gibt es denn keine Heilung für dich?“
Remus schüttelte den Kopf und der Schmerz in seinen Augen zerriss mir beinah das Herz.
„Es ist schlimm, nicht wahr? Ein echtes Monster…“
„Nein“, sagte ich rasch und streckte die Hand aus.
Mit den Fingerspitzen berührte ich seine Wange, die aufgeschnitten und rot verkrustet war. Ich fragte mich wie schmerzhaft das gewesen sein musste. Und welche Krankheit ihn verletzte wie es nur ein wildes Tier konnte…
Ich sah wieder in seine Augen und lächelte zaghaft.
„Du bist kein Monster“, sagte ich. „Du bist schön. So wie du bist.“
Remus verzog das Gesicht voller Widerstreben. Tränen füllten seine Augen.
„Du musst kein Mitleid mit mir haben…“
„Ich entscheide wohl selbst, ob ich Mitleid mit dir habe, oder nicht, Remus“, sagte ich und sah erfreut, dass seine Augen kurz aufleuchteten. „Komm, lass uns diese deprimierenden Kerker verlassen.“
Remus wollte wiedersprechen, doch er ließ sich von mir auf die Füße ziehen. Bevor wir ins Licht traten, verhüllte er sich selbst wieder in der Kapuze. Ich betrachtete ihn traurig. Und wünschte mir, dass er es irgendwann nicht mehr tun müsste.

In den nächsten Wochen nahm ich mir vor, wann immer ich Remus in den Gängen oder im Unterricht sah, ihn zu grüßen. Um ihn wissen zu lassen, dass ich meinem Wort treu blieb.
Nach etwa zwei Wochen waren seine Wunden allmählich verheilt, sodass er wieder sein Gesicht zeigen konnte. Und je öfter ich ihn grüßte oder auch nur zulächelte, desto ehrlicher wurde seine Erwiderung.
Dass sich etwas zwischen mir und Remus geändert hatte, blieb auch anderen nicht verborgen. Die Rumtreiber wirkten zunächst irritiert, doch Sirius und Peter verloren schnell das Interesse an derlei Details. James war da nicht so leicht abzuschütteln und manchmal sah ich ein verärgertes Stirnrunzeln zwischen seinen dichten Augenbrauen auftauchen.
Ein Ausdruck, den er sich überraschenderweise mit Severus teilte. Der meine neue Innigkeit mit Remus ebenfalls nicht gutzuheißen schien.
„Warum willst du mir nicht erzählen, was zwischen euch war?“, fragte er irgendwann, als wir über die Ländereien spazierten, um einen womöglich letzten warmen Herbsttag zu genießen.
„Weil es eine Sache zwischen ihm und mir ist“, erklärte ich ruhig, aber bestimmt.
„Ja, aber was ist es für eine Sache?!“, drängte Severus und wischte sich die langen schwarzen Haarsträhnen aus dem fahlen Gesicht. „Ich dachte, wir sind beste Freunde. Früher hättest du es mir erzählt.“
„Hätte ich nicht“, stellte ich klar und blieb am Seeufer stehen. „Sev, du bist mein bester Freund, aber wenn mir jemand etwas anvertraut, dann behalte ich das für mich. Ich bin keine Tratschtante.“
„Also war es das? Er hat dir ein Geheimnis anvertraut?“, bohrte er weiter und schielte finster zum Schloss hinauf. „Ich wusste, der verheimlicht irgendwas… Niemand normales muss so oft in den Krankenflügel wie er. Und ist dir schon mal aufgefallen, dass die vier Spacken manchmal zur selben Zeit unauffindbar sind? Es muss mit Lupin zu tun haben, das weiß ich genau…“
„Er hat eine Krankheit“, sagte ich verärgert. „Er ist krank, aber nicht abnormal oder etwas Dergleichen. Und seine Freunde sind in solchen Zeiten für ihn da, ist das nicht verständlich?“
Doch Severus ließ sich nicht erweichen. Er verschränkte die Arme vor der Brust, ganz vertieft in seine Grübelei.
„Nichts, was die vier tun, ist verständlich oder regelkonform. Ich finde schon noch raus, was da nicht stimmt“, sagte er und mir war so, als hätte er ganz vergessen, dass ich auch noch anwesend war.
„Und dann?“, fragte ich. „Sev, du musst aufhören dich so auf sie zu versteifen“
„Ach, du meinst, ganz anders als du!“, zischte er und seine schwarzen Augen glitten zu mir. „Wieso beschützt du Lupin auf einmal? Findest du den jetzt plötzlich toll oder was?“
Ich blickte ihn gelassen an.
„Ich mag Remus, weil er vernünftig und freundlich ist“, sagte ich mit Nachdruck.
„Oh, du magst ihn also! Ich wusste es!“
„Himmel, Sev!“, entfuhr es mir ungehalten. „Was ist denn nur mit dir los? Darf ich denn keinen Jungen außer dir mögen? Wir sind nur befreundet, nichts weiter. Du musst nicht gleich eifersüchtig werden!“
Severus lachte, doch es klang eher wie ein entsetztes Keuchen. Er schaute auf mich herunter.
„Warum sollte ich denn eifersüchtig werden?“, sagte er.
Ich starrte in seine schwarzen Augen und versuchte in ihnen die einstige Vertrautheit zwischen uns wiederzufinden.
„Ja. Warum nur?“, wiederholte ich und spürte mein Herz schmerzen, als würde sich eine eiserne Faust um sie herum legen.
Irgendwie wünschte ich mir, dass er wenigstens zugeben würde, dass er rasend vor Eifersucht war. Aber ich wusste, das würde er nicht.
„Snape!“
Severus fuhr herum, halb in Lauerstellung, doch es waren nicht die Rumtreiber, die ihn heute aufs Korn nehmen wollten. Ich erkannte bereits von Weitem die grünen Slytherin Krawatten. Sofort wich Severus einen Schritt von mir weg. Es fühlte sich an, als hätte er mich in die bodenlose Tiefe des Sees gestoßen.
„Snape, hier steckst du!“, rief ein Junge und eilte der Gruppe voraus.
„Ich komme sofort, Avery“, sagte Severus gedehnt und kam ihm ein paar Schritte entgegen.
Der Blick von Avery glitt über mich und mir wurde kalt. Seine Augen blieben an meiner Brust hängen, doch ein spöttisches Glitzern funkelte auf seinem Gesicht. Ich wusste ganz genau, was er dachte.
Severus ging zu ihm, ohne mich noch eines Blickes zu würdigen. Avery schlang den großen Arm um seinen Nacken.
„Alter, was hängst du ständig mit dem Schlammblut ab? Ist ja peinlich…“, sagte er für mich immer noch gut hörbar, während sie davon gingen.
Mein Herz zitterte leicht.
Bitte, sag etwas… Lass ihn mich nicht so nennen…
Doch Severus Mund blieb stumm. Avery lachte laut auf und warf einen anzüglichen Blick auf mich zurück.
„Ich hoffe, du vögelst sie wenigstens richtig“, raunte er meinem besten Freund zu.
Ich drehte mich weg und starrte auf die schimmernde Oberfläche des Sees. In der Ferne wurde Sev von seinen Freunden lautstark in Empfang genommen. Immer wieder redete ich mir ein, dass es mir nicht ausmachte.
Auch ich hatte Freunde, die Severus nicht ausstehen konnte. Ich gab mein Bestes zu akzeptieren, dass seine Freunde aus seinem Haus halt anders waren. Aber wie sie mit mir umgingen… Früher war es noch nicht so schlimm gewesen. Jetzt warfen sie immer häufiger mit diesem Wort um sich.
Schlammblut…
Ich war zwölf gewesen, als ein älterer Schüler es mir zum ersten Mal gesagt hatte. Ich hatte ihn ahnungslos angeschaut, denn das Wort hatte keine Bedeutung für mich. Severus hatte es mir nicht erklären wollen.
„Schmutziges, unreines Blut. Das bedeutet es“, hatte Sirius damals im Gemeinschaftsraum gesagt, als ich die anderen Schüler danach gefragt hatte.
Er hatte mich belauscht und das erste Mal, seitdem James bessere Hälfte mir über den Weg gelaufen war, hatte er nicht gelacht und Scherze gemacht. Ich erinnerte mich gut an den angewiderten Ausdruck auf seinem jungen Gesicht. Gefolgt von etwas, das wie Schuld aussah. Als würde er sich schämen, dass es seine Spezies der Reinblüter gewesen war, die dieses Wort erfunden hatte.
Seit diesem einen Tag hatte ich es wieder und wieder gehört. Manchmal nur als flüchtiges Raunen, wenn ich bei den Slytherins vorbeiging. Doch mit den Jahren waren wir alle älter geworden. Und hatten wir uns früher noch als Idioten und Zicken bezeichnet, so waren nun auch die Beleidigungen gewachsen.
Für jemanden mit meiner Abstammung war Schlammblut das Schlimmste, was man mir sagen konnte. Die Slytherins gebrauchten es nur zu gern. Sie musterten mich dann abfällig mit diesen Blicken, so wie Avery es getan hatte. Als wäre sie etwas Besseres…
Severus hatte das Wort nie in den Mund genommen. Er wusste, das Wort war ein Tabu für mich. Wir sprachen darüber nicht, aber ich hatte ihm bereits mehrfach vorgeworfen, dass er es zuließ wie seine Freunde mich betitelten. Meistens hatte er darauf nur geschwiegen. Als wäre er machtlos.
Und vermutlich war er das auch. Es waren seine Freunde. Ich konnte verstehen, dass er keinen Streit mit ihnen anfangen wollte. Doch andererseits konnte ich spüren wie jedes Mal, wenn es über ihre Lippen kam und er schwieg, ein kleiner Teil von mir in meiner Brust starb…

Schon bald war auch der letzte warme Herbsttag vorüber gezogen. Es wurde kälter und Weihnachten rückte bedrohlich näher. Während die anderen beim Packen erzählten, was sie alles herrliches mit ihrer Familie machen würden, schwieg ich lieber. Und versuchte nicht daran zu denken, welche Einsamkeit mich in Cokeworth erwarten würde…
„Ihr könnt euch nicht vorstellen wie sehr ich mich auf Mums Plumpudding freue!“, sagte Marleen quietschvergnügt und ließ die Schnallen ihres Koffers zuschnappen.
„Iss nur nicht zu viel davon, sonst passt dein Rock nächstes Jahr nicht mehr!“, witzelte Alice und bekam ein Kissen von Marleen ins Gesicht gedonnert.
„Du hast leicht reden, du dürre Ziege!“, sagte Marleen verärgert und richtete das rote Weihnachtsblättchen, das in ihren dunklen Haaren glänzte.
Aisling und ich lachten. Zumindest bis die Irin seufzte.
„Ich hoffe nur, meine Onkel prügeln sich nicht wieder unter dem Weihnachtsbaum. Das war letztes Jahr peinlich genug“, sagte sie augenrollend.
Ich schmunzelte.
„Klingt nach einem turbulenten Weihnachten. Da wäre ich gern dabei.“
Unmittelbar richteten sich die Blicke auf mich. Alice fuhr sich über das unordentliche kurze Haar.
„Wie wird’s denn bei den Evans dieses Jahr aussehen?“, fragte sie.
„Gut, aber ruhig“, erwiderte ich ausweichend und zog den Zopf um meine Haare fester. „Ich sollte mich jetzt mal beeilen. Ich will den Zug nicht verpassen.“
Betont fröhlich ging ich hinaus, den Koffer in meiner Hand. Ich wusste nicht, ob ich die Mädels getäuscht hatte. Die Wahrheit konnte ich ihnen leider nicht anvertrauen. Das würde nur ihre weihnachtliche Stimmung trüben…
Der Gemeinschaftsraum war bereits schön geschmückt und tatsächlich ging das Rot-Gold der Gryffindors unter im festlichen Rot-Grün. Sogar ein kleiner Baum brachte ein wenig Atmosphäre in den ohnehin behaglichen Raum. Jedoch betrachtete ich ihn kritisch. Er, sowie die roten Socken am Kamin, waren dem prasselnden Feuer ziemlich nah.
„Nanu, die Rumtreiber bleiben also in Hogwarts?“, fragte Marleen erstaunt und schaute flüchtig zu Sirius hinüber, der in einem Sessel fläzte und emsig auf einem Stück Pergament kritzelte.
„So sieht´s aus“, sagte James strahlend und drehte sich am Kamin herum.
Er steckte in einem Weihnachtspullunder, der ein grässliches Strickmuster offenbarte.
„Eure Eltern wollen Weihnachten nicht mit euch verbringen?“, sagte ich erstaunt und mustere James. „Wobei mich das bei dir nicht überrascht. Du setzt ja vermutlich jedes Jahr das Haus in Brand, schätze ich.“
„Hast du unsere Nachbarn ausgefragt? Es war doch nur ein klitzekleiner Brand“, erwiderte James schnaubend. „Ne, meine Eltern sind dieses Jahr zu Weihnachten auf den Kanaren.“
„Wie gut, dass sie so einfache Leute sind“, sagte ich spitz.
„Mein Dad musste zu einer Geschäftsreise“, warf Remus betrübt ein.
„Und meine kümmert es eh nicht, ob ich da bin oder gerade verrecke“, sagte Sirius gewohnt humorvoll, jedoch mit einem harten Unterton.
Ich schwenkte zu Peter, der auf dem Boden vor dem Kamin saß und ein Schneeflocken Muster aus Papier schnitt.
„Und du? Wirst du hier gegen deinen Willen festgehalten? Zwinker zweimal, wenn es zutrifft“, sagte ich zu ihm, doch der blonde Junge lachte nur schallend.
„Ach, nein. Meine Eltern hätten mich zwar gern zu Weihnachten da gehabt, aber als sie gehört haben, dass ich bei meinen Freunden feiern möchten, haben sie das verstanden. Sie sagen immer, nichts ist so wichtig wie unsere Freunde.“
Er strahlte über das ganze rundliche Gesicht und ich fragte mich nicht zum ersten Mal, warum er eigentlich mit diesen Tunichtguten rumhing. Er schien viel zu gut für sie.
„Jetzt werd mal nicht rührselig, Peter“, sagte Sirius und seine Feder stach unerwartet heftig auf das Pergament ein. Offenbar angetrieben von der Wut, dass Peter sehr wohl willkommen war in seinem eigenen zu Hause. Anders als Sirius.
„Nun ja, dann tut mir den Gefallen und lasst den Turm ganz, während meiner Abwesenheit“, sagte ich und verrückte mit dem Schwenk meines Zauberstabs die zu tief hängenden Socken vor dem Kamin. „Peter, Remus – euch wünsche ich ein schönes Weihnachten!“
Ich lächelte die Angesprochenen an und strafte James und Sirius mit Ignorieren. Was die beiden aber nicht zu stören schien.
„Dir auch, Lily!“, rief Peter mir vergnügt nach und zeigte den anderen seine fertige Schneeflocke. Die Sirius im nächsten Moment mürrisch in Flammen aufgehen ließ.

Wenige Stunden später glitt der Hogwarts Express nahezu geräuschlos durch die Landschaft. Der Klang lachender Kinder war längst verhallt. Schnee bedeckte die Welt vor dem kalten Fenster, aber ich konnte mich nicht über diese Schönheit freuen. In meinem Inneren fühlte ich dieselbe Kälte, die das Glas der Fenster hochkroch und Eiskristalle erblühen ließ.
„Es wird schnell vorüber sein“, sagte Severus leise, aber ich blickte ihn nicht an.
Mein Kopf ruhte gegen die Scheibe.
„Nein, wird es nicht…“, flüsterte ich mit brüchiger Stimme. „Jede Minute wird sich hinziehen und mich foltern… Und mit jedem Weihnachtstag, der vorüber geht, werde ich mir wünschen, dass das alles endlich ein Ende hat…“
„Ich weiß wie es ist…“, erwiderte Severus und setzte sich neben mich. „Aber es geht immer vorüber. Auch, wenn es aussichtlos erscheint.“
Zögerlich legte sich seine Hand auf meine, die kraftlos auf dem Polster der Sitzbank ruhte.
„Und wenn du es nicht aushältst, kommst du in den Wald. Zu unserem See. Ich werde da sein“, flüsterte er mir leise zu.
Ich schloss die Augen und meine Finger verschränkten sich mit den seinen. Ein Flämmchen Hoffnung erglühte in meiner eisigen Brust. Doch ich drehte den Kopf weg. Damit er meine verzweifelten Tränen nicht sah.

Dumpf dröhnte die Weihnachtsmusik aus dem Lautsprecher des ramponierten Radios in der Ecke. Eine schwere drückende Dunkelheit hing über unserem Haus und in dem Wohnzimmer, in dem wir uns gegenseitig mit unserer Anwesenheit quälten.
Petunia hatte ihr Bestes gegeben das Haus festlich zu schmücken. Wie üblich hatte ich nicht helfen dürfen. Petunia hatte stets ihre eigenen Regeln. Dad hatte sie machen lassen. Ebenfalls wie üblich.
Das Weihnachtsessen hatte aus einer verkohlten Ente und matschigen Kartoffeln bestanden. Dad hatte sich wirklich Mühe gegeben, aber kochen lag ihm nicht. Schlussendlich hatte er die Pfanne in die Spüle gedonnert und irgendwelches Zeug in der Mikrowelle warm gemacht.
Ich hatte versucht ihn aufzumuntern und ihm das Gefühl zu geben, dass es nicht schlimm war, wenn es nicht perfekt war. Aber jedes Mal, wenn mein Vater mich angesehen hatte, hatte er seine Flasche Bier neu angesetzt und einen kräftigen Schluck genommen. Als Petunia und ich abräumten, türmten sich bereits drei Flaschen auf dem Tisch.
„Lass es stehen, ich kümmere mich um den Abwasch“, sagte Petunia, schob die Ärmel ihres beigen Pullovers hoch und begann das Spülbecken mit Wasser zu füllen.
„Ich kann dir doch helfen. Ich könnte abtrocknen“, erwiderte ich und griff zögerlich nach dem Handtuch.
„Ich habe nicht um deine Hilfe gebeten“, fuhr Petunia mich scharf an und entriss mir das Tuch. „Geh auf dein Zimmer oder sonst wohin. Aber lass mich und Dad bloß in Frieden.“
Ich fühlte den messerscharfen Schmerz, während ihre Worte in mich eindrangen. Die Kälte in ihren Augen entsetzte mich jedes Mal aufs Neue. Ich wollte etwas sagen, meine Schwester anflehen mich doch bitte nicht mehr als grässliches Monster anzusehen, das ihr Leben ruinierte, aber ich wusste aus der Vergangenheit, dass alles Bitten vergebens war.
Ich ließ sie machen und wandte der Küche den Rücken. In mein Zimmer wollte ich mich allerdings auch nicht vertreiben lassen. Also ging ich ins Wohnzimmer, wo Dad bereits in seinem ausgebeulten Sessel saß und stumpf auf den Fernseher starrte. Das klobige Gerät flackerte immer wieder und der Ton zerriss, aber es schien ihm nicht mal aufzufallen.
Neben dem Sessel stand ein neues Sixpack Bier, von dem er bereits das zweite leerte. Seine Augen waren starr auf die flimmernde Glotze gerichtet. Es lief irgendeine Verkaufssendung.
Ich setzte mich zögerlich auf das alte Sofa. In den letzten Monaten hatte sich nicht viel im Haus getan. Manchmal stellte Petunia die Möbel um, wenn ich in Hogwarts war. Ich bemerkte einen Katalog auf dem Sofatisch und schlug ihn lustlos auf.
An verschiedene Stellen waren Klebezettel angeheftet und Angebote eingekreist. Ein Sofa, die dazu passende Wohnwand, eine Schlafzimmergarnitur. Alles in beige und Holztönen. Ich wusste, dass das Petunias Art war zu träumen. Von einem besseren Leben. In dem sie sich solche Dinge würde leisten können. Doch momentan war sie noch genau wie ich an die Schule gebunden. Und an das Haus unserer Kindheit.
Ich legte den Katalog sorgfältig zurück und schaute mit einem Kloß im Hals zu der zusammengesunkenen Gestalt meines Vaters.
„Hey Dad… wie läuft der Blumenladen?“, fragte ich.
Ich musste die Frage dreimal wiederholen bis er den Kopf leicht drehte und reagierte.
„Oh… gut“, sagte er tonlos. „Wir… führen jetzt ein neues Regal nur mit Stiefmütterchen. Wirklich schön.“
„Das hört sich gut an“, sagte ich und verschlang die Hände fest ineinander.
Dad nickte und blinzelte ein wenig benommen.
„Und wie… wie läufts in der Schule? Hast du noch gute Noten?“
Mein Herz schlug schneller.
„Es läuft sehr gut, Dad“, sagte ich rasch, bevor er das Interesse verlor. „Meine Noten sind ziemlich gut. Naja, vielleicht außer in Geschichte der Zauberei. Aber dafür bekomme ich erstklassige Noten in Zaubertränke. Professor Slughorn lobt mich fast jede Stunde!“
„Zaubertränke… was für ein Fach ist das nochmal? Was lernt ihr da?“, fragte Dad stirnrunzelnd.
Ich stand vom Sofa auf und kam zu seinem Sessel. Der Geruch, der mir entgegen schlug, war ekelerregend, aber ich versuchte ihn zu ignorieren. Ich lehnte mich gegen den Sessel und blickte ebenfalls Richtung Fernseher.
„In Zaubertränke lernen wir wie wir Zaubertränke mischen und herstellen. Zaubertränke können Krankheiten heilen, weißt du? Sie können machen, dass du dich besser fühlst“, erklärte ich.
Dad lächelte flüchtig.
„Klingt ja fantastisch…“
„Das ist es auch“, sagte ich lächelnd. „Ich habe neulich einen nahezu perfekten Aufpäppeltrank hergestellt. Wenn du den nach einer Erkältung nimmst, fühlst du dich sofort wie neugeboren. Als wärst du gar nicht krank gewesen.“
„Aber diese Tränke… die wirken nur bei… bei deinesgleichen?“, fragte er und schaute mich zum ersten Mal richtig an.
„Ich bin mir nicht sicher“, erwiderte ich. „Möglicherweise gibt es auch Tränke, die bei Muggeln wirken.“
Mein Vater nickte und seine Augen glitten über mein rotes Haar.
„Du bist ihr so ähnlich… Alles, was Laura wollte, war anderen zu helfen…“
Das Lächeln entglitt mir und Traurigkeit schwappte über uns beide hinüber. Die Hand meines Vater tastete nach meiner.
„Glaubst du… glaubst du, es hätte einen Trank für sie gegeben? Einen Trank, der den Krebs hätte zerstören können?“, fragte er und seine Augen quollen hervor.
„Ich weiß es nicht, Daddy“, flüsterte ich und kämpfte mit den Tränen.
Enttäuschung flammte auf seinem Gesicht auf und er warf sich zurück in den Sessel.
„Wie kann es sein, dass ihr so viel Magie besitzt… aber keiner von euch wollte meiner Laura helfen…“, krächzte er und setzte zu einem weiteren Schluck an.
„So sind Zauberer nun mal“, kam es plötzlich von der Tür.
Der Geruch nach Putzmittel begleitete meine Schwester, als sie hereinrauschte.
„Daddy, ich bringe dir deinen abendlichen Tee“, sagte sie mit einem liebevollen Lächeln und stellte den Tee auf der Kommode neben dem Sessel ab.
Mit geübter Hand nahm sie ihm die Flasche ab und sammelte sofort die bereits leeren ein.
„Lily, nimm die restlichen“, sagte sie forsch.
Ich folgte ihr stumm hinaus und nahm so viele Flaschen wie ich tragen konnte. Wir entsorgten sie draußen bei den Müllcontainern. Das Glas zerbrach dumpf in den stinkenden Containern.
„Du hast mir nicht gesagt, dass er inzwischen so viel trinkt“, sagte ich leise und starrte über unseren verwahrlosten Garten.
„Wozu?“, erwiderte Petunia und putzte sich die Hände an einem Taschentuch ab. „Ich kümmere mich um Dad. Mach du nur deine wichtigen Sachen in deiner Zauberschule.“
Sie drehte sich um und wollte gehen, doch ich ergriff ihren Unterarm und hielt sie fest.
„Er ist auch mein Vater!“, sagte ich mit Nachdruck. „Und wenn du dich so gut um ihn kümmerst, dann sorg dafür, dass er endlich aufhört zu trinken!“
„Ich tue, was ich kann!“, schrie Petunia und entriss mir ihren Arm.
Rote Flecken bedeckten ihre fahlen Wangen. Schmerz und Enttäuschung brannten in ihren Augen.
„Was glaubst du eigentlich, wer du bist, dir sowas rauszunehmen? Jede Woche entleere ich die Flaschen, schmeiße sie weg, gebe sie an die Nachbarn weiter. Ein paar Tage später kommt er mit den nächsten heim. Und wenn er sie zu Hause nicht hat, dann hat er sie im Laden! Ich kann nicht verhindern, dass er sie kauft! Himmel, ich bin siebzehn!“
Sie schnaubte und schaute mich abfällig an.
„Aber du, du würdest das alles natürlich sehr viel besser machen! Ein Abrakadabra und die großartige Lily löst alle Probleme! Weißt du eigentlich wie das ist? Dem eigenen Vater die Flasche wegnehmen zu müssen und sich dann anhören zu müssen, dass er Lily ja viel lieber hat? Dass er sich wünscht, du wärst hier, anstatt mir? Nein, du weißt es nicht!“
Tränen sprangen aus Petunias Augen und sie wirbelte herum.
„Tunia, warte bitte!“, schrie ich ihr nach, aber sie stapfte bereits zornig ins Haus und warf die Tür hinter sich zu.
Ich hörte wie mein Dad gegen den Krach protestierte und wie Petunia eine wütende Antwort schrie. War es immer so, wenn ich nicht da war? Der kalte Dezemberwind ließ mich erschaudern in meinem dünnen Pullover.
Die Wahrheit war, dass ich oft die Augen verschloss wie schlimm es meiner Familie wirklich ging. Es war einfacher weg zu sehen. Mich den normalen Problemen in Hogwarts zu widmen, anstatt denen hier. Aber das ließ sie nicht auf wundersame Weise verschwinden. Und zu Weihnachten spürte ich das, was unsere Familie verloren hatte, mehr denn je.
Es war nicht nur Mum, die von uns gegangen war. Es gab keine Freude, kein Lachen mehr bei den Evans. Mein Dad und Petunia waren nicht dafür gemacht zusammengesperrt zu sein. Und ich war ja wirklich so gut wie nie da…
Ich stand neben den Mülltonnen und blickte über die Straßen von Cokeworth, während es langsam anfing über mir zu schneien. Zum ersten Mal fragte ich mich wie wohl alles gekommen wäre, wäre ich keine Hexe geworden. Ich malte mir eine andere Welt aus. Eine friedlichere. Ohne zu wissen, ob sie jemals Realität geworden wäre.
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