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How I met your father

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Freundschaft / P16 / Het
James "Krone" Potter Lily Potter Peter "Wurmschwanz" Pettigrew Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
09.11.2021
01.02.2023
53
266.579
37
Alle Kapitel
186 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
25.01.2023 5.456
 
Hey, ihr Lieben!

Diesmal geht es direkt pünktlich weiter. Momentan läuft es gut, aber ich muss schauen, ob ich direkt am Freitag das nächste posten kann. Ich halte es nicht für ausgeschlossen, da ich die nächsten Tage auch viele Zugfahrten habe, aber ich verspreche es mal lieber nicht.

Das letzte Kapitel habt ihr sehr gut aufgenommen, was mich nicht gewundert hat. Die Reviews werden heute noch beantwortet, keine Sorge ;) Das aktuelle Kapitel ist ein kompletter Kontrast zum letzten. Diesmal wird es ein Wechselbad der Gefühle und es wird auch wieder dramatisch. Wie gesagt, die Halloweennacht hat vieles in der Geschichte verändert und so einiges angestoßen, wenngleich die Konsequenzen nicht immer sofort eintreten.

Ich hoffe, euch wird auch das gefallen ;)

Liebe Grüße

Kriegsdrache

PS: Im Übrigen, nur mal als Hinweis: Ich habe absolut keine medizinischen Erfahrungen. Also wenn Lily oder Madam Pomfrey irgendwas sagen, was völliger Humbug ist, entweder mich lieb korrigieren oder darüber hinwegsehen ;)

Die Nacht schlich sich still und heimlich nach Hogwarts. An Schlaf war jedoch nicht zu denken. Auch, wenn mir regelmäßig die Augen zufielen. Ich hatte die anderen ins Bett geschickt. Nur Marleen und James waren geblieben. Einer hielt Wache, während die anderen beiden ein Nickerchen machten.
Es war um vier, als mich Marleen weckte und unsanft aus dem Schlaf riss. Ich brauchte einige Sekunden, um zu realisieren, wo ich war. In einer Ecke des Kerkers hatte ich mir ein Schlafquartier gesucht und versucht es mir so gemütlich wie möglich zu machen. Dass James sich irgendwann neben mich gesetzt hatte, wusste ich nicht mehr. Umso überraschter war ich, als ich aufwachte und meinen Kopf auf seiner Schulter wiederfand. Ich erschrak, was ihn ebenfalls weckte.
„Entschuldigt, wenn ich euch wecke, aber eine Wunde von Sirius eitert komisch. Sieh dir das lieber mal an“, sagte Marleen nervös.
Ich seufzte und stand rasch auf, bevor ich mich ausgiebig streckte. Dann ging ich zum Lehrerpult vor und beugte mich über den Verwundeten. Sirius träumte sehr unruhig, sein Kopf kullerte von einer zur anderen Seite. Er brabbelte etwas Unverständliches im Schlaf.
„Nein, das ist normal, das soll sogar so sein“, sagte ich zu der besorgten Marleen. „Der Eiter sorgt dafür, dass die Bakterien aus der Wunde können. Dann heilt es besser.“
Marleen nickte. Weniger, als würde sie verstehen, sondern eher beruhigt, dass sie sich umsonst Sorgen gemacht hatte.
„Leg dich schlafen. Ich übernehme die nächste Wache“, sagte ich zu ihr und streichelte ihr über den Arm.
Sie nickte müde, blieb aber noch eine Weile unschlüssig neben Sirius stehen. Ich wusste genau, was sie dachte. Am liebsten wollte sie sich zu ihm legen. Ihn ganz dicht bei sich spüren, um sicherzugehen, dass ihm nichts geschehen würde. Das Gefühl kannte ich nur zu gut.
Schließlich ging Marleen aber zu einem der vordersten Tische und kauerte sich auf einen Stuhl. Mit dem Kopf auf den Armen schlief sie nahezu sofort ein. Schmutz knirschte unter den Schuhen, als James aufstand und rüberkam.
„Und? War was?“, fragte er.
„Nein, alles in Ordnung. Aber ich will nochmal nach seinen Verbänden sehen“, sagte ich und strich mir das Haar aus dem Gesicht.
Mein Zopf war schon lange eine Katastrophe, meine Hände verklebt von Blut, Schmutz und anderen undefinierbaren Substanzen. Wie ich aussah, mochte ich mir gar nicht vorstellen. Aber das war im Schein der einzelnen Kerze im Raum auch nicht besonders relevant.
James sah zu, während ich den Verband vorsichtig anhob und einen Blick auf die Wunde warf. Nach meinem ungeschulten Auge zu urteilen, sah alles unauffällig aus und ich steckte den Verband wieder ordentlich fest. Ich seufzte und fuhr mir über die Stirn, als ich bemerkte, dass James mich beobachtete.
„Was ist?“, fragte ich.
„Du verziehst nicht mal die Miene“, sagte er und seine Stimme schwankte zwischen Ungläubigkeit und Erschöpfung. „Beim letzten Mal war ich der Patient. Diesmal konnte ich alles von außen sehen. Sirius hat damals gesagt, es war unbeschreiblich. Atemberaubend. Ich weiß jetzt, er hatte Recht.“
Ich senkte den Blick und spürte wie ich leicht errötete.
„Ich mache nur meinen Job.“
„Ja, aber das ist es ja. Das ist nicht dein Job. Aber du machst das so souverän, als hättest du nie etwas anderes gemacht“, sagte er und nun konnte ich die Bewunderung tatsächlich in seiner Stimme ausmachen. „Du wirst mal eine großartige Heilerin.“
Ich lächelte und wagte nur einen flüchtigen Blick in sein Gesicht.
„Danke…“
Ich wanderte an dem Lehrerpult hinunter und gelangte zu Sirius Bein, das unter der Decke hervorschaute, die wir ihm notdürftig übergelegt hatten.
„Morgen müssen wir Madam Pomfrey holen“, sagte ich und sah James an. „Ich weiß, wir dürften nicht, sie wird sofort erkennen, dass die Wunden von einem wilden Tier stammen. Aber ich habe nichts, um seinen Knochen zu heilen. Und ich werde Madam Pomfrey nicht bestehlen. Slughorn kann ich die Zutaten ersetzen, aber sie bildet mich aus, das wäre“
„Ich weiß“, unterbrach er mich sanft und runzelte die Stirn. „Wir werden uns eine Geschichte überlegen müssen. Wie es zu der Wunde kam.“
„Ich weiß nicht, ob wir sie täuschen können“, sagte ich zweifelnd und doch erleichtert.
James musste ich nicht erklären, was es bedeuten würde, Remus als Werwolf zu outen. Er wusste, dass wir ihn um jeden Preis schützen mussten.
„Wir werden es versuchen und auf ihre Nachsichtigkeit setzen. So wie immer“, sagte James.
Ich nickte und schlang die Arme um die Mitte. Sorgenvoll blickte ich aus dem schmalen Fenster des Kerkers. Blitze zuckten über den Horizont und verdunkelten den Himmel.
„Es gefällt mir nicht, dass er ganz allein da draußen ist“, sagte ich leise. „Wann verwandelt er sich zurück?“
„Wenn die Nacht vorüber ist. Oder konkreter, wenn die Sonne aufgeht“, sagte James und trat neben mich. „Wir werden ihn mit der Karte finden. Das haben wir immer.“
„Wir sollten ihn morgen suchen“, sagte ich und fröstelte. „Ich kann mir nicht vorstellen, wie es sein muss im Nirgendwo aufzuwachen und zu wissen“
„Dass er seinen Freund schwer verwundet hat?“, sagte James leise. „Ja, wenn er sich erinnert, wird ihn das hart treffen. Und er wird sich und jeden, der ihn zwingt dieses Leben mit all den Schmerzen zu führen, verdammen…“
Seine Stimme verhallte in der Stille und ich hörte das leise gleichmäßige Schnarchen von Marleen in der Ecke. Ich sah James von der Seite her an. Ich wusste, dass er nicht mehr von Remus sprach.
„Es tut mir leid, dass ich dir das antun musste… ich wollte nicht so hart zu dir sein“
„Hör auf, Evans. Du hast das Richtige getan“, unterbrach er mich. „Ihr habt mich gebraucht.“
Ich wandte mich wieder nach vorne und wir starrten beide schweigend in den Regen.
„Weißt du… es hat sich angefühlt wie früher. Du und ich als Team…“, sagte ich leise.
„Wir waren schon immer ein Team. Es hat nur gedauert, bis du es eingesehen hast“, sagte er und ich sah ihn verblüfft an.
Ich öffnete den Mund und war hin und hergerissen. James seufzte, als hätte er meine Gedanken gelesen.
„Nicht heute Nacht, Evans. Heute hat Sirius Priorität.“
Ich nickte und schwieg. Er hatte Recht und ich wollte ihn nicht länger bedrängen. Auch, weil ich wusste, dass ich, so müde wie ich war, nicht mehr fähig wäre dieses Gespräch ordentlich zu führen.

Der nächste Morgen war zum Glück der eines Samstages. Andernfalls hätten sich Professor Slughorn und seine zweite Klasse doch sehr wundern müssen, wären sie in das Klassenzimmer gekommen. Ich wäre auf jeden Fall die längste zeit Schulsprecherin gewesen.
Doch so konnte der Tag einigermaßen ruhig beginnen. Wir ließen Sirius schlafen bis Mittag. Bis ich mir sicher war, dass es ihm gut ging und wir es nicht noch länger rausschieben konnten. Sein Bein schwoll langsam an und ich wusste er brauchte richtige Hilfe.
Marleen war nicht begeistert von dem Vorschlag Madam Pomfrey einzuweihen, aber sie hatte keine Wahl. Sie sah ein, dass es notwendig war. Die Geschichte, die James und ich uns über die Nacht hinweg ausgedacht hatten, war schnell besprochen, doch sie war dünn und notdürftig. Keiner von uns rechnete damit, dass sie uns Glauben schenken würde. Aber verzweifelte Situationen erforderten verzweifelte Maßnahmen.
Und so ging Peter Madam Pomfrey holen, jedoch mit einem beklommenen Gesichtsausdruck, als würden wir ihn zum Henker schicken. Die Zeit, bevor die Krankenschwester kam, war unerträglich. Ich hatte mich in einem angrenzenden Bad ein wenig gewaschen, doch ich wusste, es würde nicht viel nützen.
Unruhig ging ich im Kerker auf und ab. Meine Schuhe, die von getrocknetem Schlamm ganz braun geworden waren, klackten mit der Ferse bei jedem Schritt.
„Um Himmels Willen, Evans, du machst uns noch alle ganz nervös“, sagte Sirius irgendwann und versuchte ein halbherziges Grinsen aufzusetzen.
Er lag immer noch auf dem Pult, den Kopf aufgebahrt auf den wenigen Handtüchern, die trocken geblieben waren. Marleen stand neben ihm und hielt seine Hand fest umklammert. Ihr Gesicht war leichenblass. James lehnte bei der Tafel und sprach mit niemandem. Ich konnte praktisch hören, wie er scharf über alles nachdachte.
„Da kommen sie“, sagte Alice leise, die eine Weile ebenfalls mit mir auf und ab gelaufen war und jetzt die Fingernägel in die Hüfte krallte.
Ihr Gehör war exzellent, denn wenige Sekunden später öffnete sich die Tür. Peter schlüpfte herein und deutete schweigend auf Sirius. Madam Pomfrey trat herein und ihre grauen Augen flogen über uns alle. An Sirius blieben sie ein wenig länger hängen. Sie erkannte das getrocknete Blut auf dem Boden und dem Lehrerpult, die benutzten Kessel, die dreckigen Handtücher und ihr entglitten die Gesichtszüge. Sofort sprangen ihre Augen zu mir herüber.
„So ist das also“, flüsterte sie und ihre Stimme bebte vor Zorn. „Sie geben vor lernen zu wollen, derweil führen Sie verbotene Behandlungen an Ihren Freunden durch. Ist das ein Scherz für Sie?“
„N-Nein, keineswegs!“, stammelte ich und wich angstvoll einen Schritt zurück. „Sirius war in großer Not, ich musste ihm helfen“
Die Krankenschwester stieß einen schnaubenden empörten Laut aus.
„So und Ihnen ist nicht eingefallen zuerst zu mir zu kommen, bevor Sie an ihm herumstümpern? Ich bin enttäuscht von Ihnen, Miss Evans. Ich hatte Sie für intelligenter gehalten“
„Es blieb keine Zeit, ich musste schnell Entscheidungen treffen“, wiedersprach ich und spürte mein Herz bis zur Kehle hochschlagen. „Sie haben selbst gesagt, dass Heiler das manchmal tun müssen“
„Sie sind keine Heilerin!“, keifte sie erbost. „Eine wahre Heilerin würde erkennen, dass sie nicht behandeln kann, während sie noch lernt. Eine wahre Heilerin würde um Hilfe bitten und einsehen, dass sowas ihre Kräfte übersteigt. Ist Ihnen eigentlich klar, dass Sie Mr Black hätten töten können?!“
„Ja, das ist mir bewusst!“, rief ich und Blut schoss mir in die Wangen.
Keiner der Anwesenden wagte es etwas zu sagen oder gar zu atmen.
„Ich bin mir bewusst, dass alles hätte schief gehen können“, sagte ich gemäßigter und mit festem Blick in ihre Augen. „Aber dann hätte ich die Konsequenzen getragen. Ich habe getan, was ich mir selbst zugetraut habe, ohne Sirius zu gefährden. Sehen Sie selbst und sagen Sie mir, dass ich nicht richtig gehandelt habe.“
Ich hob die Augenbrauen provozierend und deutete zum Lehrerpult hinüber. Madam Pomfrey musterte mich mit geweiteten Nasenflügeln, zog dann verärgert ihre Schürze zurecht und marschierte zum Pult. Sirius schaute sie erschrocken an, als würde er sie mehr fürchten, als alles, was letzte Nacht geschehen war.
Mit geübtem Blick studierte sie meine Verbände und die Wundversorgung.
„Ich nehme an, Sie haben einen Gerinnungstrank verwendet?“
„Ja, Ma´am“, antwortete ich und trat neben sie.
„Und Murtlap Essenz… selbst hergestellt?“
„Nein, von Professor Slughorns Beständen“
„Ah ja. Diebstahl also auch noch. Aber ich denke, das hat Mr Black gerettet. Murtlap Essenz richtig herzustellen, übersteigt das Wissen einer ungeübten Siebtklässlerin bei Weitem“, sagte sie naserümpfend.
Sie betrachtete das geschiente Bein.
„Ich sehe, hier hat Sie also die Vernunft eingeholt. Knochenheilung bedarf es einer sehr erprobten Hand“, sagte sie und ließ die Decke wieder über das Bein gleiten.
„Ich hätte es nicht gewagt, das selbst zu tun“, sagte ich unterwürfig.
„Zumal Ihnen ebenfalls das Skele-Wachs fehlen dürfte“, erwiderte sie und wandte sich wieder mir zu.
Sie blickte über mich und Sirius hinaus zu den anderen Schweigenden.
„Ich nehme an, es gibt einen Grund für Ihr aller Vorgehen. Glauben Sie nicht, dass ich den Verursacher der Wunden nicht identifizieren könnte.“
Wieder sagte keiner was darauf, doch Sirius rutschte unruhig auf dem Pult umher.
„Sie werden Sie doch nicht verraten, oder? Ich dachte, wir wären Freunde“, sagte er mit einem nervösen Grinsen.
„Ich unterhalte keinerlei Freundschaften zu Schülern“, herrschte sie ihn an. „Seit Jahren kommen Sie mit Verletzungen zu mir mit den wildesten Geschichten und Ausflüchten. Ich habe Sie jahrelang gedeckt, weil ich Sie für jung und naiv hielt. Doch nun sind Sie alle erwachsen, sie wollten gelernt haben Verantwortung zu übernehmen.“
Sie blickte uns alle der Reihe nach streng an. Sirius, James und Peter am längsten und eindringlichsten.
„Ich möchte nur eines wissen“, fuhr sie fort und ihr Blick ruhte auf James. „Ist der Werwolf in Gewahrsam? Denn, wenn er eine Gefahr darstellt für diese Schule und die Schüler werde ich nicht zögern Professor Dumbledore einzuschalten. Ich werde meine Pflichten nicht vernachlässigen für ein paar dumme Jungenabenteuer.“
Marleen und Alice horchten auf und tauschten einen erschrockenen Blick, aber darüber konnten wir uns gerade keine Gedanken machen. James schaute Madam Pomfrey finster an und nickte entschieden.
„Die Sonne ist schon aufgegangen, er ist jetzt keine Gefahr mehr“, sagte er.
„Sorgen Sie dafür, dass es auch bei den nächsten Vollmonden dabei bleibt“, antwortete sie. „Und wenn er… sollte er verletzt sein, bringen Sie ihn umgehend zu mir. Keine weiteren Selbstbehandlungen.“
Damit schaute sie mich vernichtend an.
„Gut, Mr Black gehört in ein Krankenzimmer. In diesen eisigen Kerkern wird er sich den Tod holen und die ganze Aufregung wäre umsonst gewesen“, sagte die Krankenschwester, zückte ihren Zauberstab und beschwor eine Trage aus dem Nichts hervor.
James und Peter halfen Sirius vom Tisch hinüber und an der Seite von Madam Pomfrey schwebte er ein wenig bedröppelt dreinblickend hinaus. Marleen ging raschen Schrittes hinterher, doch sie warf mir einen merkwürdigen Blick zu. Eine Hand schloss sich um meinen Arm und als nächstes spürte ich Alices Stimme in meinem Ohr kitzeln.
„Ich glaube, du hast uns allen einiges zu erklären“, flüsterte sie und ich erkannte wie müde und gereizt sie klang.
Ich biss mir auf die Lippe. Ja, das hatte ich wirklich… Doch zunächst musste ich einen Werwolf aufspüren.

Das warme Wasser prasselte von oben auf mich herab. Ich nahm mir eine Sekunde, obwohl ich bereits fertig war und schloss die Augen. Ich versuchte die Wärme des Wassers in mich eindringen zu lassen und meine verkrampften Muskeln zu entspannen. Nichts zu fühlen und zu denken… Aber dann –
Erinnerungsfetzen sprangen vor meinen Augen. Wild und durcheinander wie in einem Film. Da war all das Blut, das über meine Hände quoll. Sirius stumme Schreie. Marleen, die weinte und sich an seine Hand klammerte. Das Winseln des Hundes. James angespannte Miene. Die Panik, die durch meinen Körper jagte und dann: „Ist Ihnen klar, dass Sie Mr Black hätten töten können?!“
Ich keuchte und riss die Augen wieder auf. Hilfesuchend presste ich eine Hand gegen die Fliesen. Der Atem stieß hektisch aus meinem Mund.
Es war alles gut gegangen. Sirius hatte überlebt und ich hatte keine folgenschweren Fehler gemacht. Aber ich hatte Glück gehabt. Wenn nur eine Sache schief gegangen wäre, wäre ich jetzt vielleicht auf dem Weg nach Askaban… Ich hätte Marleen den Freund genommen, die Freundschaft der Rumtreiber vielleicht für immer zerstört und James den nächsten Menschen genommen, der ihm wichtig war. Was das Band zwischen uns für immer irreparabel beschädigt hätte.  
Mein Magen wand sich unangenehm und ich unterdrückte den Drang mich zu erbrechen. Leben und Tod, Sieg und Niederlage waren so nah beieinander gewesen, nur ein Fingerschnippchen trennten sie…
Hatte ich meine Fähigkeiten überschätzt? Würde mich Madam Pomfrey weiter unterrichten? Die Fragen quälten mich, doch was mich am meisten wurmte, war meine eigene Verunsicherung. Wenn ich wenigstens wüsste, ob ich richtig gehandelt hatte. War es meisterhaft und atemberaubend gewesen wie James gesagt hatte? Oder war es pure Arroganz und Glück gewesen? Ich wusste, dass ich für mich eine Entscheidung treffen musste. Für das nächste Mal und für meine Bitte weiter unterrichtet zu werden. Denn, wenn ich mir nicht klar darüber war, ob ich meine Handlung auch vertreten konnte, würde ich sie auch nicht verteidigen können.
Ich drehte den Wasserhahn zu und horchte für eine Sekunde in die Stille, die nur durchdrungen wurde von dem Plopp der letzten Tropfen, die sich aus dem Hahn quälten. Dann griff ich nach meinem bereitliegenden Handtuch und vergrub das Gesicht darin.
Ich versuchte die vergangene Nacht von meiner aufgeweichten Haut zu rubbeln und mich auf das zu konzentrieren, was mir noch bevorstand. James und ich würden gemeinsam in den Wald gehen, um Remus zu suchen. Wir wussten einfach, dass wir das diesmal tun mussten. Nachdem Remus mich damals angegriffen hatte, hatte er sich wochenlang versteckt vor der Welt. Nun hatte er seinen besten Freund verletzt und wir konnten uns kaum ausmalen, wie es ihm damit gehen mochte.
Der Gedanke in den Wald zurückzukehren, behagte mir nicht. Zumindest würde es diesmal am Tage und hell sein. Doch auch die Vorstellung, was uns vielleicht erwarten würde, in was für einer Verfassung Remus sein würde, ängstigte mich.
Ein Klopfen an der Badezimmertür durchbrach die Stille, als ich mir gerade die Haare trocknete. Ich beachtete es zuerst nicht, doch dann wiederholte es sich. Diesmal energischer und aufdringlicher.
Ich verdrehte genervt die Augen und schlang mir das Handtuch um die Brust. In meinen Badeschuhen tappte ich zur Tür und zog sie auf.
„Was ist? Wenn ihr duschen wollt, dann kommt einfach rein, so schwer ist das“
Ich stoppte abrupt, denn es war kein schüchternes Mädchen, das sich nicht getraut hatte einfach das Badezimmer zu betreten, das mir gegenüberstand.
James wich einen halben Schritt zurück und seine angespannte Miene entglitt ihm für eine Sekunde.
„Ähm… nein, ich will nicht duschen. Auch, wenn das ein verlockendes Angebot wäre“, sagte er und bemühte sich mir in die Augen zu sehen.
Ein wenig verlegen zog ich das Handtuch fester um die Brust. War er rot geworden oder strahlte sein roter Pullover einfach nur bis auf sein Gesicht?
„Entschuldige, dich habe ich nicht erwartet“, sagte ich.
Er nickte nur und seine Augen blieben an meinem nassen Haar hängen, das sich dunkelrot im aufsteigenden Dampf kräuselte.
„Wir sollten bald aufbrechen“, sagte er brüsk und seine Nasenflügel weiteten sich irritiert. „Ist das… Parfüm?“
Ich blinzelte verwundert und schüttelte den Kopf.
„Ich verwende keins“, sagte ich arglos.
Er sah mir wieder in die Augen und ich fragte mich, was er gerade dachte. Wieso fragte er nach meinem Geruch? So wie er mich musterte, überlief es mich wieder prickelnd.
„Okay!“, sagten wir beide gleichzeitig.
„Ich warte vor dem Turm“
„Ich beeile mich“
Rasch schlüpfte ich wieder ins Innere des Badezimmers und lehnte mich für einen Augenblick gegen die Tür. Ich klammerte mich an das Handtuch, als wäre es mein rettender Anker. Irgendwie wusste ich, dass er auf der anderen Seite der Tür noch nicht gegangen war. Und ebenfalls mit wiederstreitenden Gefühlen zu kämpfen hatte wie ich…

Wenig später hatten wir das Schloss hinter uns gelassen und steuerten auf den Wald zu. Seitdem wir aufgebrochen waren, hatte keiner von uns ein Wort gesagt. Irgendwie hing die komische Situation vor dem Badezimmer noch in der herbstlichen Luft, während wir über matschige Blätter und weichem Boden dahingingen.
Ich konnte das Geschehene nur schlecht einordnen. So viel war in der vergangenen Nacht passiert. Noch immer war nicht alles überstanden. Aber wir waren ein Team gewesen. James war zur Stelle gewesen, als wir ihn gebraucht hatten. Als ich ihn gebraucht hatte.
Vielleicht war doch nicht alles verloren. James liebte Sirius, er hatte seine eigene Trauer hintenangestellt und dann dieser vertraute Moment zwischen den beiden… Dieses Lächeln. Er war noch fähig dazu. Und ich verwettete die wenigen Galeonen, die ich hatte, darauf, dass es ein schönes Gefühl gewesen war, zu wissen, dass Sirius überleben würde.
Der alte James existierte noch. Er war nur verborgen gewesen. Doch ich stellte mir auch die Frage, wie es nach heute weitergehen würde. War diese Nacht sein Befreiungsschlag gewesen? Oder würde die Trauer mit aller Macht zurückkehren und ihn wieder vollkommen verschlingen?
Ich wusste, dass ich das aufhalten musste. Auch, wenn ich ihn wieder anschreien oder ihm unverzeihliche Dinge an den Kopf werfen musste. James durfte nicht erneut verschwinden. Auch, wenn ich damit meine eigenen Chancen ruinieren würde.
„Lass uns nicht zu nah bei Hagrid vorbeigehen. Er ist daheim“, sagte James und wies auf den rauchenden Schornstein auf Hagrids Dach, das unregelmäßig mit nicht zusammenpassenden Dachziegeln gedeckt war.
„Ist gut“, sagte ich lediglich und wir machten vom Steinkreis einen Umweg, der uns direkt näher an den Verbotenen Wald führte.
Hier war der Abstieg beschwerlicher, doch meine Gedanken waren eher auf den Wald gerichtet. Was sich als Fehler erwies, als der Boden unter meinen Füßen plötzlich nachgab und ich wegrutschte.
Mit den Reflexen eines Jägers griff James noch nach mir, aber der Boden war tückisch und mein Gewicht zog ihn ruckartig nach unten. Er landete neben mir im Matsch. Seine Hand hatte meinen Arm immer noch fest gepackt.
„Also, wenn das ein Rettungsversuch war, dann war das wirklich“, fing ich an, aber er blickte mich genervt von der Seite her an.
„Ich drück dich tiefer in den Matsch, wenn du weitersprichst, Evans“
„Das ist wohl kaum möglich!“, erwiderte ich und hob meine dreckigen Hände. Ich verdrehte die Augen und blickte gen Himmel. „Wozu hab ich eigentlich geduscht?“
„Das ist die richtige Frage“, erwiderte James und stand auf. „Jetzt komm schon oder wir werden hier festfrieren.“
Gentlemanlike bot er mir seine Hand dar. Ich sah ihn ebenfalls genervt an und reichte ihm meine schlammbespritzte. Mit einem Ruck zog er mich empor und lachte dann.
„Nichts für ungut, aber du siehst aus wie ein sich im Dreck wälzendes Schweinchen, Evans“, sagte er und musterte mich.
Wie vor den Kopf gestoßen, ließ ich ihn los und starrte ihn unfreiwillig an.
„Was ist?“, fragte er verwirrt.
„Das ist… das erste Mal, dass ich dich wieder lachen höre“, sagte ich leise und vergaß den Matsch und den Wald völlig.
„Quatsch, du übertreibst“
„Tu ich nicht“, sagte ich ehrlich. „Dein Lachen würde ich aus hunderten heraushören. Ich hab dich seit Juni nicht mehr lachen gehört. Nicht mehr richtig. Ernstgemeint. Einfach… so wie du früher gelacht hast.“
Er schaute mich an, unsicher, wie er das jetzt finden sollte. Schließlich zuckte er nur mit den Schultern.
„Gab ja auch nicht so viel zu lachen für mich in letzter Zeit, oder?“
„Nein, nicht wirklich“, sagte ich und lächelte zaghaft zu ihm hoch. „Aber ich bin froh darüber, dass du es jetzt wieder kannst. Auch, wenn ich dafür in den Matsch fallen musste.“
Seine Mundwinkel zuckten.
„Man könnte meinen, du hast das extra gemacht.“
„Ich bin geschmeichelt, dass du mir so viel Heimtücke zutraust“, sagte ich grinsend.
„Dir immer“, schnaubte er und erwiderte mein Lächeln dann ganz unerwartet.
„Lass uns jetzt aber beeilen. Es wird bald dunkel“, sagte ich, auch wenn ich viel lieber dieses Gespräch fortgeführt hätte, als den Wald mit all seinen grausigen Erinnerungen zu betreten.
Ich kämpfte meine Schuhe aus dem Matsch und machte einen Schritt auf James zu, der auf einem Fleck Rasen stand. Er hielt mich davon ab weiter zu gehen.
„Warte, dein Gesicht ist ganz verschmiert. Du willst Remus nicht gleich den nächsten Schrecken einjagen, oder?“
Er zerrte ein zerfleddertes Taschentuch aus seiner Jackentasche und wischte mir damit vorsichtig über die rechte Wange. Ich hielt still, aber mein Herz klopfte wie verrückt. Das Taschentuch verrutschte zwischen seinen Fingern und ich spürte seinen Daumen über meine Wange streichen.
Ich hielt den Atem an und es fühlte sich an, als würde die Welt um uns herum das Gleiche tun. Sein Geruch hing in meiner Nase. Ich erkannte Schlamm in seinen Haaren, schmutzige Flecken auf seiner Brille, in einer Ecke einen Blutspritzer. Seine Lippen waren leicht geöffnet und er betrachtete mich, als würde er mich studieren. Als würde er versuchen zu begreifen, einzuordnen…
Mein Herz verlangte danach die Situation auszunutzen, mir zu nehmen, was ich wollte. Ihn zu packen und zu küssen. Aber mein Instinkt riet mir davon ab. Ich durfte nichts falsch machen. Wenn ich ihn überrumpelte und er noch nicht so weit war… das würde alles kaputt machen.
Und tatsächlich ließ er die Hand sinken und blickte widerstrebend zum Wald rüber. Der Moment war vorüber, aber als James voran ging und auf mich wartete, dass ich ihm folgte, war ich nicht traurig darüber. Der Moment war da gewesen. Sein Lachen. Unsere Neckereien. Die Art und Weise, wie er mich ansah und meine Nähe suchte…
Der alte James war noch da. Mein James existierte noch. Und diese Erkenntnis beflügelte mich mehr als ein verwirrender Kuss es vielleicht getan hätte.

Der Wald empfing uns mit nahezu kahlen Bäumen und unebenen Wegen. Wieder schwiegen wir, während James mit der Karte voranging. Diesmal waren wir wegen etwas anderem angespannt. Ich folgte James Schritten, doch meine Gedanken eilten mir voraus und wurden chaotischer, je weiter wir in den Wald eindrangen.
Wo war Remus? Wie ging es ihm? Ich war froh, dass James mit der Karte ausmachen konnte, wo er sich befand. Andernfalls hätten wir ewig ziellos nach ihm gesucht.
Mit einem Mal hielt James inne und mir schlug das Herz bis zum Hals. Hatte er ihn entdeckt? Doch James wies auf die Bäume auf unserem Weg. Die Rinde war an mehreren Stellen gebrochen. Lange Striemen fraßen sich in das Herz der Bäume. Sie waren mit Blut besprenkelt.
James und ich sahen einander an. Der Werwolf war hier vorbeigekommen und so wie es wirkte, hatte er schrecklich im Wald gewütet.
Nur wenige Minuten später fand unsere Suche ihr Ende. Die Bäume öffneten sich ein wenig und gaben den Blick frei auf eine kleine Lichtung. Hier waren die Äste der Bäume nackt, die Blätter lagen tot am Boden. Die Sonne kam hinter den düsteren Wolken hervor und tauchte die Szene in ein unpassendes warmes Licht.
Ich erschrak und presste die Hand gegen den Mund. In der Mitte der Lichtung lag ein Rehkitz. Der Hals war zerbissen und offenbarte eine klaffende Wunde. Das Tier war in grauenvoller Verrenkung und unter Todesqualen gestorben. Vielleicht nach der Mutter quiekend. Während der Wolf unbarmherzig sein Blut getrunken hatte.
Und dort, einen halben Meter entfernt, an einem Baumstamm im schützenden Schatten lehnend, saß Remus. Seine Kleidung war zerfetzt, nur die Reste einer langen schwarzen Hose trug er noch am Leib. Schmutz und Blut vereinigten sich auf seiner blassen Haut, das Haar fiel ihm wild um das abgekämpfte Gesicht. Seine Augen waren finster und voller Hass auf das Rehkitz gerichtet.
Wie ich ihn so betrachtete, lange bevor er uns bemerkt hatte, kam mir der Gedanke, dass er aussah, wie ein Überlebender eines Werwolfangriffs. Als würde er bedauern sich selbst gerettet zu haben. Das arme Reh aber leider nicht.
Die Realität sah anders aus. Aber mein Kopf sträubte sich dagegen mir auszumalen wie Remus in diesem Wolfkörper gesteckt hatte und das Tierkind gejagt und gemeuchelt hatte. Wie er sich voller Hass auf den Hund gestürzt hatte, der in menschlicher Form sein bester Freund war und ihn zum Sterben zurückgelassen hatte…
James machte einen Schritt nach vorne und ein Ast unter seinen Schuhen zerbrach. Wie ein wildes Tier zuckte Remus Kopf hoch und er riss automatisch den Mund auf. Als wollte er die Reißzähne, die er bis vor wenigen Stunden noch besessen hatte, fletschen.
„Bleib zurück“, flüsterte mir James zu und ging vorsichtig ins Licht der Sonne, damit sein Freund ihn sehen konnte. „Remus, wir sind es. James und Lily. Weißt du noch, wer wir sind?“
Ich blieb am Rand der Lichtung, wenn auch wiederwillig. James Verhalten gefiel mir nicht. Remus war wieder ein Mensch, er war nicht mehr gefährlich. Oder etwa doch?
Mit gebeugten Knien ging James auf ihn zu, die Hände erhoben zum Zeichen, dass er in Frieden kam. Remus Augen huschten von ihm zu mir und dann zum Rehkitz.
„Verschwindet!“, krächzte er und seine Stimme war rau und verbraucht.
„Wir sind hier, um uns um dich zu kümmern. Evans wird deine Wunden versorgen“, sagte James behutsam.
Remus Nasenflügel weiteten sich zornig. Doch dann glitten seine Augen zu mir und ich erkannte den Schatten des alten Remus. Den, den ich kannte.
„Ist er am Leben?“, flüsterte er und seine Stimme brach beim letzten Wort.
„Es geht ihm gut“, antwortete ich und ging zu James.
Dabei blickte ich Remus fest in die Augen.
„Gut…“, wiederholte Remus mit hohler Stimme. „Du lügst. Ich habe ihn zerfleischt, ihn für immer entstellt. Er hat Glück, dass er die Nacht überlebt hat, nicht wahr? Ist es nicht so?!“
Seine Stimme gellte über die Lichtung und ich machte reflexartig einen Schritt zurück. James Hand zuckte zu seinem Zauberstab. Ein Fehler. Remus registrierte beide Handbewegungen und Tränen stiegen in seine roten Augen.
„Geht wieder…“, murmelte er und sank an den Baumstamm zurück.
Ich sah wie Blut aus einer Wunde an seinem Hals sickerte. Ich erkannte die Abdrücke des Hundegebisses.
„Wir lassen dich nicht zurück. Komm mit uns, ich kümmere mich um dich und du… du wirst sehen, es geht Sirius gut. Er macht sich Sorgen um dich“, sagte ich und versuchte dabei aufmunternd zu klingen. Zuversichtlich. Ihn mit einem Lächeln an unsere Freundschaft zu erinnern, die auch diese Nacht nicht brechen würde.
„Ihr sollt verschwinden, hab ich gesagt!“, schrie Remus und sprang auf.
James zerrte den Zauberstab hervor und drängte mich hinter sich. Mit angespannter Miene starrte er Remus an. Der wiederum stierte ihn mit vor Wut bebender Brust an. Zorn und Erschöpfung vermischten sich zu einem wahnsinnigen Ausdruck auf seinem vor Narben verzerrten Gesicht.
„Los, tu es schon! Erlös uns alle von dieser Scharade!“, rief Remus und nickte zu James Zauberstab hin, der auf ihn deutete.
„Nein, lasst das doch! James, nimm den Zauberstab runter!“, rief ich dazwischen und wollte an ihm vorbei. Doch James hob den linken Arm, um mich abzuschirmen.
„Beruhige dich und ich muss nichts tun“, sagte James mit beherrschter Stimme. „Du kennst das Prozedere. Du kommst mit ins Schloss, wir verarzten dich und du wirst sehen, es geht alles weiter. Evans hat Recht. Sirius ist am Leben und du weißt, er wird dir verzeihen“
„Aber ich werde mir nicht verzeihen, verstehst du nicht?“, entgegnete Remus und schüttelte den Kopf. „Ich kann das nicht länger. Diesmal hat er überlebt, aber was ist beim nächsten Vollmond? Was ist, wenn ich Peter in der Luft zerreiße? Wenn ich dich verletze?“
„Wir haben immer einen Ausweg gefunden“
Er schnaubte und trat einen Schritt näher auf James zu. Die Zauberstabspitze bohrte sich in seine Halsschlagader, aber Remus schien den Schmerz nicht zu spüren.
„Was ist, wenn ich Lily nochmal verletze? Wenn niemand sie heilen kann? Wirst du mir dann auch verzeihen können? Du hast dieses Jahr schon deine Familie verloren. Was ist, wenn ich sie dir auch noch nehme?“
Seine Stimme war zu einem eindringlichen Flüstern geworden und ich sah James Gedanken auf seinem Gesicht ausgebreitet. Schmerz und Angst vermischten sich in seinen Augen. Seine Hand, die den Zauberstab umklammerte, zitterte. Mit der linken versuchte er immer noch mich abzuhalten. Mich zu beschützen.
„James, bitte tu mir den Gefallen, um den ich dich gebeten habe…“, flüsterte Remus flehentlich. „Ich will das alles nicht mehr… Dieses Mal ist es glimpflich ausgegangen, aber ich ertrage es nicht… zu wissen, wie knapp es war. Zu hoffen, dass das Biest auch beim nächsten Mal scheitert. Mit jedem Jahr werde ich stärker… es ist nur eine Frage der Zeit bis ich etwas tue, was mir niemals vergeben werden kann.“
James schüttelte langsam den Kopf.
„Verlang das nicht von mir…“, flüsterte er bebend.
„Du hast es versprochen“, erwiderte Remus. „Du musst es tun. Andernfalls werde ich es selbst tun müssen…“
Seine Augen waren entschlossen und Angst überkroch mich. Das Gespräch im Gang, kurz nach Tobias Snapes Tat, kam mir wieder in den Sinn.
„Remus“
Ich wusste nicht, was ich sagen wollte, nur, dass ich nicht stumm bleiben konnte. Ich sagte seinen Namen so voller Verzweiflung, voller Flehen, aber wie konnte ich ihn bitten weiterzuleben, wenn er solche Qualen litt?
Er blickte an James vorbei zu mir und ich sah in seinen Augen die Antwort auf meine Fragen. Ich konnte es nicht. Nichts, was ich sagen würde, würde ihn umstimmen können.
„Lasst mich gehen“, flüsterte Remus flehentlich. „Ich verdiene es nicht weiterzuleben.“
„In diesem Punkt stimmen wir zu.“
Erschrocken blickte ich auf, James wirbelte herum, doch sein Zauberstab hing nutzlos zwischen seinen Fingern. Die Lichtung war umstellt. Die Zentauren Horde stand zwischen den Bäumen. Ihre Bögen waren gespannt, die todbringenden Pfeile auf Remus gerichtet.
Remus hob die Hände zum Zeichen, dass er sich nicht verteidigen würde. Ein Ausdruck der Erleichterung auf seinem Gesicht. Als wäre seine fleischgewordene Erlösung soeben erschienen.
Der vorderste dunkle Zentaur von letzter Nacht blickte uns finster an. Sein Pfeil zielte auf Remus Herz, doch seine Augen fixierten James.
„Wir hatten euch gewarnt…“
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