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How I met your father

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Freundschaft / P16 / Gen
James "Krone" Potter Lily Potter Peter "Wurmschwanz" Pettigrew Remus "Moony" Lupin Sirius "Tatze" Black
09.11.2021
04.01.2022
9
35.200
16
Alle Kapitel
32 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
23.11.2021 4.243
 
Hey, meine Lieben!

Danke für eure Rückmeldungen ^^

Ich habe mich auch beeilt euch ein neues Kapitel zu zaubern. Ich hoffe, es wird euch gefallen :)

Liebe Grüße

Kriegsdrache

Die Genesung von James Potter erfolgte so rasch und stürmisch wie der Wetterumschwung pünktlich zum Oktoberende. Halb Hogwarts schien erleichtert, dass er wieder der alte aufsässige Potter war, den sie alle offenbar so liebten. Vor allem Hawthorne zeigte sich erleichtert, dass er seinen Lieblingssjäger nicht verlor für das bevorstehende Spiel.
Ich hatte kurz sogar überlegt, ob ich hingehen würde. Doch die Liebe zu meinem Haus war größer als meine Verachtung für ihn. Das sagte ich mir zumindest beständig. Ich feuerte ihn jedoch unter keinen Umständen an. Nicht, dass er meinen Jubel nötig gehabt hätte.
Sirius, Remus und Peter leiteten James Fangemeinde, die wild Banner schwenkten und die Schlachtrufe der Gryffindors leiteten. Ich wurde fast taub von ihren Gesängen.
Als James schließlich zum fünften Mal den Quaffel bei den Hufflepuffs versenkte, preschte er nah an die Tribüne ran, um im Jubel der Menge zu baden. Seine Augen suchten die Sitzplätze ab und er grinste, als er mich erkannte. Er zwinkerte mir verschmitzt zu und warf dann übermütig ein paar Luftküsse zu den Gryffindors.
„Wir lieben dich, James!“, schrie ein Mädchen aus dem dritten Jahr und verfiel dann zusammen mit ihren Freundinnen in albernes Gekicher.
„Es scheint wohl so, dass nicht alle Mädchen angeekelt sind von ihm“, sagte Marleen neben mir grinsend und zog ihren Gryffindor Schal enger.
Ich schnaubte und betrachtete die Drittklässlerinnen abfällig, die sich weit über das Geländer beugten, um James im Auge zu behalten.
„Die lassen sich nur blenden von seinem Grinsen und dem Macho-Getue!“, erwiderte ich kopfschüttelnd.
„Sein Grinsen hat aber auch etwas“, bemerkte Alice und strich sich das blonde Haar aus dem Gesicht, als der Wind über unsere Tribüne hinweg fegte.
„Was soll denn das bedeuten?“, fragte ich entsetzt. „Wenn du mir eröffnest, dass du auf ihn stehen solltest, muss ich mich leider die Tribüne hinunterstürzen, so leid wie es mir auch tut.“
Alice lachte laut und hell.
„Ach, nein. Er gehört ganz dir. Ich sage nur, dass die Vier nicht halb so schlimm sind wie du meinst“
„Da ist was dran“, stimmte Marleen zu und klatschte, als ein weiteres Tor fiel. „Remus hat mir neulich in der Bibliothek geholfen das Buch für Verwandlung zu finden, über ihn kann man wirklich nichts Schlechtes sagen. Naja, außer, dass seine Freundeswahl vielleicht bedenklich ist. Und Sirius-“
„Oh, wir wissen alle, was du über Sirius denkst!“, lachte Alice. „Sirius, mein Herz, du strahlst hell wie der Stern, nachdem du benannt bist!
„Das war im zweiten Jahr!“, rief Marleen und ihre Wangen wurden rosa. „Und außerdem habe ich im Schlaf geredet, als ich das gesagt habe!“
Schnell warf sie einen Blick zu der Jungsgruppe und wurde womöglich noch ein wenig röter. Sirius hatte Alices helle Stimme natürlich genau gehört und grinste selbstzufrieden herüber.
„Schrei doch beim nächsten Mal bitte noch ein bisschen lauter!“, zischte Marleen und ließ fast die Flagge fallen.
„Als ob er das nicht wüsste“, erwiderte Alice und verdrehte die Augen.
„Können wir nochmal ein paar Schritte zurückgehen?“, mischte ich mich jetzt ein und wandte mich an die kleine zierliche Alice. „Wie meintest du das mit; James gehört mir?“
„Ich meinte, dass du dir keine Sorgen zu machen brauchst. Er gehört dir“, wiederholte Alice ruhig.
„Ich will ihn doch aber gar nicht!“, empörte ich mich lautstark. Das konnten Sirius und seine Kumpanen gerne hören. „Wie kommst du auf die Idee-“
„Dass du ihn doch magst und zu sehr auf ihn fokussiert bist?“, fiel mir Alice ins Wort und hob die Augenbrauen. „Ja, wie komme ich darauf nur? Sieh mal, es läuft ein spannendes Quidditch-Spiel, du bist hier mit deinen Freundinnen und trotzdem hast du nichts besseres zu tun, als dich über James aufzuregen.“
„Da hat sie nicht Unrecht“, bestätigte Marleen kleinlaut.
„Ich… also, das liegt nur daran“, stammelte ich ein wenig aus der Fassung gebracht. „Natürlich will ich die Zeit mit euch genießen! Er ist mir total egal!“
Alice seufzte und verdrehte die Augen.
„Kann sein, dass du das echt denkst… Naja, du wirst es schon noch früh genug herausfinden“, sagte sie und wandte sich wieder dem Spiel zu.
„Was herausfinden?“, fragte ich verwirrt und schaute Marleen an, da Alice mir nicht mehr antwortete.
Doch sie schluckte und schüttelte ahnungslos den Kopf. Ich fragte die beiden noch an die hundert Male an diesem Tag, aber keiner der beiden wollte mir antworten. Was vermutlich auch besser so war. Andernfalls hätte es womöglich Tote bei diesem Quidditchspiel gegeben.

Die Party, die auf den Sieg der Gryffindors gefeiert wurde, war wie üblich ausladend und chaotisch. Ich freute mich zwar für Gryffindor, aber als Sirius und Peter irgendwann eine Essensschlacht begannen und das halbe Haus miteinstieg, wurde es mir dann doch zu bunt. Erst wollte ich mich genervt verziehen, dann fiel mir ein, dass es ja mittlerweile leider meine Aufgabe war solche Dinge zu unterbinden.
„Aufhören! Kommt schon, das muss doch nicht sein!“, rief ich über das Gelächter und Gedröhne des Radios hinweg.
Natürlich hörte niemand auf mich. Ich wurde das Gefühl nicht los, dass ich eher belächelt wurde von den anderen. Verzweifelt suchte ich in der Menge nach Remus, der vergeblich versuchte mit dem rot goldenen Wandteppich zu verschmelzen.
„Mir war so, als wärst du ebenfalls Vertrauensschüler!“, fuhr ich ihn an und wich einer Karamellschnitte aus, die durch die Luft flog. „Wie wär´s, wenn du mir mal hilfst?“
Remus öffnete zuerst den Mund, schloss ihn jedoch rasch, als sich Sirius am Butterbier bediente und es durch die Gegend spritzte wie eine Spinkleranlage. Offensichtlich kämpfte er mit dem schlechten Gewissen und sah mich flehentlich an.
„Ähm… also…“
„Du bist Vertrauensschüler!“, sagte ich anklagend und war versucht ihn kräftig durchzuschütteln.
Verdammt, Remus war doch der Vernünftige von den Vieren und er wusste um der Wichtigkeit seiner Aufgabe! Doch Remus war offenbar nicht im Stande sich gegen seine Freunde zu behaupten.
Kurz wurde Remus kreidebleich, was mir rückblickend Warnung genug hätte sein müssen. Doch ich reagierte dennoch zu langsam, als die Sahnetorte auf mich zu raste. Der Aufprall gegen den Hinterkopf ließ mich kurz straucheln.
Die Gryffindors schienen innezuhalten und Marleen bei der Wendeltreppe schlug erschrocken die Hände vor den Mund. Mit einem eklig glitschigen Gefühl glitt die Torte über meine Schulter und tröpfelte dann leise auf den Teppichboden.
Ich wusste wie ich aussehen musste. Ich konnte es nicht mal den wenigen verdenken, die lachend die Mundwinkel verzogen, während ich mich umdrehte. Die Füße dick in Kuchenmatsch begraben.
Meine Augen fanden ihn sofort. Die Hand hing noch schlaff vom Wurf herunter und seine Mundwinkel zuckten zwischen Belustigung und Entgeisterung hin und her gerissen. Er entschied sich schlussendlich für Belustigung.
„Du hast da ein bisschen Torte, Evans“, stieß er hervor und ich konnte in seinen Augen die kindische Begeisterung sehen.
Ich schluckte und versuchte mich zu beherrschen. Ich fühlte mich wie die einzig Erwachsene in einem Raum voller Kleinkinder. Und vor mir stand der größte Clown auf dieser Welt. Der mich mit Torte bewarf.
„Ich… hasse Sahnetorte“, presste ich zwischen zusammengepressten Zähnen hervor und fischte das Stück, das soeben meine Schultern verlassen wollte, aus meinem Schal.
Ich pfefferte es ihm vor die Füße und endlich sah er mal ein wenig betreten aus. Vielleicht spürte er nun doch, dass er zu weit gegangen war.
„Das war das letzte Mal, dass du mich lächerlich gemacht hast“, sagte ich und dabei blickte ich nur ihn an.
Es war mir gleich, dass wir beobachtet wurden. Es war mir gleich, dass sie mich in fünf Minuten alle hassen würden. Ich war es so leid bloßgestellt zu werden.
„Ich ziehe Gryffindor 200 Punkte ab. Augenblicklich“, sagte ich mit lauter Stimme und ein entsetztes Aufkeuchen schoss durch die Reihen.
James wurde noch blasser und das lächerliche Grinsen schwand endlich.
„Komm schon, Evans, das war nur ein Spaß“
„Du würdest doch deinem eigenen Haus nicht so viele Punkte abziehen!“, warf Sirius flehentlich ein.
„Ich liebe Gryffindor mehr als alles andere“, sagte ich und spürte wie mein Herz sich verkrampfte. „Aber ich bin es so leid. Und ich bin dich leid, Potter.“
Ich wirbelte herum. Sahne spritzte an die Wände und die Umstehenden. Alice sprang mir aus dem Weg, als ich zum Turm hinaus rauschte. Schritte eilten mir nach, doch es war mir gleich, wer mir folgte.
Während ich rannte, stiegen mir die Tränen in die Augen. Gelächter folgte mir, als ich die Stufen herunter flog wie ein Vogel auf der Flucht. Vor mir sah ich Petunia, die mir die Butter in die Haare warf und dabei hämisch lachte.
„Evans, warte“
„Scher dich zum Teufel!“, rief ich und rutschte fast weg, als ich scharf kehrt machte und zum Mädchenbadezimmer rannte.
„Evans, bitte, das kannst du Gryffindor nicht antun! Ernsthaft, ich wollte dich nicht treffen“
Ich lachte hysterisch und verschluckte mich beinah.
„Oh ja, sicher! Der große Jäger trifft nur rein zufällig! Erzähl das jemanden, der es dir glaubt!“
Ich riss die Tür auf und stürzte in das zum Glück verlassene Badezimmer. Ich hoffte ihn endlich abgeschüttelt zu haben, aber die Schritte folgten mir weiterhin.
Die Schluchzer schüttelten mich inzwischen ungehindert. Ich wollte, dass er verschwand. Dass sie alle verschwanden und mich ertrinken ließen…
Das Wasser sprang in das Waschbecken und ich sah ihm zu wie es fröhlich vor sich hin plätscherte. Meine Finger klammerten sich hilfesuchend an den Marmorrand. Ich wollte versinken, verschwinden… Mich in den gurgelnden Abfluss stürzen und davon treiben…
„Evans, ich…“
Wieso war er immer noch da? Wieso ging er nicht endlich?
„Geh. Schrickst du nicht mal vor einer Mädchentoilette zurück?“, krächzte ich und presste die schmerzenden Augenlider fest aufeinander.
Zögerlich legte sich eine warme Hand auf meine Schulter.
„Hab ich dich verletzt?“, fragte er und seine Stimme klang plötzlich verändert.
Ich öffnete die Augen und blickte über die Schulter. Sofort ließ er die Hand sinken. Mein Anblick schien ihm Warnung genug zu sein.
„Du verstehst es wirklich nicht, oder?“, sagte ich mit brüchiger Stimme. „Es braucht kein Blut, um verletzt zu sein. Wieder einmal bin ich die Lachnummer des Tages. Alles nur dank James Potter. Alles nur, damit du deinen Spaß hast. Bravo. Und jetzt lass mich endlich in Ruhe.“
Ich schniefte und suchte verzweifelt in meiner von Torte verklebten Jacke nach einem Taschentuch. Er räusperte sich und hielt mir ein Taschentuch wortlos hin. Ich betrachtete es abschätzig.
„Und, ist es voller Rotz oder Schleim? Oder gefüllt mit Stinkbomben?“
„Es ist nur ein Taschentuch“, sagte er, ohne mich anzusehen und ich nahm es entgegen.
Ich wandte mich ab und wischte mir zuerst über das tränennasse Gesicht und schnäuzte mich dann leise. Trostlos sah ich in den Spiegel. Ich sah grauenvoll aus.
„Vielleicht hattest du doch recht und ich bin nur ein hirnloser Clown“, sagte James plötzlich in die Stille hinein und ich sah sein reuevolles Gesicht in den anderen Spiegeln. Sein Blick traf den meinen.
„Aber ich wollte dich nicht verletzen. Ich wollte nur…“
Er schüttelte den Kopf.
„Ach, ist auch egal. Jedenfalls, wenn du mich bestrafen willst, tu das ruhig. Aber bestraf nicht Gryffindor für meine dummen Fehler.“
Wir sahen uns durch den Spiegel an und ich hatte vielleicht zum ersten Mal das Gefühl, dass mir James gegenüberstand. Und nicht das Abziehbild des großen Rumtreibers James Potter.
Die Tür des Badezimmers wurde aufgerissen und ein Mädchen kreischte entsetzt auf.
„Potter, verzieh dich gefälligst!“, schrie Amelia Bones angewidert und James verdrehte die Augen.
„Beruhigt euch, Ladys, ich bin so gut wie weg“, sagte er gelassen und machte kehrt.
Er schenkte Amelia Bones und ihrer Freundin Jenny Greystone ein durchtriebenes Lächeln, das zumindest Jenny bis an die Haarspitzen erröten ließ. Als die Tür hinter ihm zuschnappte, senkte ich den Blick.
„Unmöglich, dieser Junge!“, empörte sich Amelia und schüttelte den Kopf.
Dann schaute sie mich jedoch an und James war augenblicklich vergessen.
„Oh, Lily! Was ist denn mit dir passiert?“, fragte sie bestürzt und kam sofort näher.
Jenny tat es ihr nach und die beiden musterten mich entsetzt.
„Sollen wir dir helfen das auszuwaschen?“, fragte Jenny und nahm eine meiner verklebten Haarsträhnen zwischen die Finger.
„Mit ein bisschen Seife sollte sich das leicht beheben lassen“, sagte Amelia zuversichtlich und nahm sich bereits die Kernseife vom Waschbeckenrand.
„Ich komme schon klar“, erwiderte ich erschöpft und fühlte mich bedrängt.
„Wenn wir dir helfen, geht es aber schneller“, sagte Jenny munter und ich entriss ihr genervt meine Haare.
„Ich habe aber nicht um eure Hilfe gebeten!“, fuhr ich sie zornig an.
Jenny schrak zurück. Sie war einen ganzen Kopf kleiner als ich und nah am Wasser gebaut, weshalb ich direkt ihre tiefblauen Augen in Tränen schwimmen sah.
„Vielleicht sollten wir gehen“, sagte Amelia und die Seife rutschte zurück in ihre Schale. „Wenn du unsere Hilfe doch willst“
„Dann würde ich schon darum fragen“, sagte ich klar und deutlich und blickte in die dunklen Augen der Hufflepuff.
Im Gegensatz zu Jenny war Amelia nicht leicht einzuschüchtern. Wir waren im selben Jahr und eigentlich hatte ich sie gern. Sie war zielstrebig, manchmal ein bisschen zu forsch, aber man wusste immer, woran man bei ihr war. Doch in diesem Moment wollte ich sie nicht um mich haben. Ich wollte niemanden bei mir haben.
Amelia schien zu begreifen und winkte Jenny ihr zu folgen. Gemeinsam gingen die Freundinnen und augenblicklich fühlte ich mich noch schlechter. Ich wollte doch allein sein. Wenn man allein war, war vieles einfacher. Niemand fragte mich aus, niemand verlangte Antworten auf Fragen, die ich nicht hören wollte…
Die Schluchzer schüttelten mich erneut und ich drehte das Wasser voll auf. Es war eiskalt, doch ich wollte nicht warten bis es warm gelaufen war. Ich fuhr mir durch die Haare, sah zu wie das Rot sich in ein dunkles Braun verwandelte und legte das Taschentuch beiseite. Das Taschentuch, bei dem ich erst jetzt die Insignien bemerkte.
JS…
An den Rändern des Taschentuchs waren goldene Stickereien und Muster. Der Stoff wirkte irgendwie edel. Wie aus einer anderen Zeit. In der man sich noch die Mühe gemacht hatte Taschentücher zu besticken und individuell zu gestalten.
Ich betrachtete die Muster und spürte wie zugleich Neugier und auch Abscheu in mir aufstieg. Ob James wusste wie gut er es eigentlich hatte? Im Vergleich zu anderen Familien, die so viel weniger hatten? Dennoch fragte ich mich, ob die Potter Familie wohl eine freundliche war. Ob sie ihren Quälgeist wohl gern hatten? Oder verfluchten sie ihn, weil sie ständig Briefe von Dumbledore über ihn bekamen? Ob sie sich jemals wünschten, ihr Kind wäre anders geworden…
Das Taschentuch erbebte in meiner Hand und ich presste es eng in meine Faust.
Du bist eine Mistgeburt, Lily… Du bist nichts wert…
Petunias schrille Stimme klingelte wieder in meinen Ohren bis es schmerzte.
Wenigstens bringe ich Daddy nicht zum Weinen so wie du… Eine feine Tochter bist du…
Ich hatte doch nie gewollt, dass er wegen mir weinte… Weil ich kaum noch zu Hause war… weil ich Mommy so ähnlich sah, dass es ihn schmerzte, jedes Mal, wenn er mich nur ansehen musste…
Ich konnte fühlen wie der Schmerz in meiner Brust größer wurde. So wie jedes Jahr in diesem einen Monat. Ich wollte doch nur frei sein. Von diesem Schmerz und dem Pflichtgefühl, das mich plagte, wohin ich auch ging.
Sei ein braves, Mädchen, Lily… Mir zu Liebe…
Ich habe es dir doch versprochen, Mommy… Ich wollte doch lieb und brav sein. Mich an die Regeln halten. Aber bisher hatte mich mein Eifer nicht glücklich gemacht. Und mit einem Blick auf das bestickte Taschentuch wusste ich, dass der Grund dafür nicht nur James war.

Nach dem großen Spiel und der seltsamen Siegesfeier war es ruhiger im Hause Gryffindor geworden. Ich hatte meinem Haus nicht alle Punkte zurückgeben können, das hätte inkonsequent gewirkt. Somit betrachteten mich meine eigenen Leute des Öfteren abschätzig, doch es kümmerte mich nicht sonderlich.
Denn es führte dazu, dass James und ich zumindest zu einer stillen Übereinkunft kamen. Zu einer Art Waffenstillstand.
Er ließ mich in Ruhe und unterließ sogar seine dummen Scherze, wenn ich im Raum war. Offenbar hatte die Unterredung im Badezimmer etwas in ihm gerührt. Nichtsdestotrotz war ich mir sicher, dass dieser Zustand nicht lange anhalten würde. James war immer noch James und sobald sich die Gelegenheit bieten würde, würde er wieder in alte Muster verfallen. Auch, wenn er mich weinen gesehen hatte, hatte das nicht alles grundlegend zwischen uns geändert.
Als Halloween schließlich näher rückte, fühlte ich wie meine innere Anspannung langsam von mir wich. Halloween war schon immer eines meiner liebsten Feste gewesen. Besonders, seit ich es in Hogwarts erleben durfte.
Am Abend des Festbanketts war ich gut gelaunt und lief die Stufen der Großen Treppe herunter, eingehakt bei Marleen und Alice.
„Vorsicht, nicht so schnell, sonst falle ich!“, rief ich und kämpfte mit dem Gleichgewicht.
„Dann musst du wohl was riskieren!“, rief Alice und schubste eine Bande Viertklässler aus dem Weg, die alle protestierten.
Ich schaute betreten, aber Marleen stieß mich augenrollend in die Seite.
„Jetzt vergiss einen Abend mal deine Pflichten“, flüsterte sie mir zu.
Ich schaute in das übertriebene Grinsen meiner Freundin und fühlte mein Herz leicht wie eine Feder werden. Ich nickte und die beiden jubilierten.
Die Große Halle war mal wieder prächtig geschmückt mit hunderten fliegenden Fledermäusen unter der dunklen glitzernden Sternendecke. Kürbisse glitten schwerelos an uns vorüber. Einer schauriger als der andere.
Alice jauchzte begeistert, als wir uns an das Festessen setzten, das uns bereits erwartete. Vor mir ragte ein Berg aus Zuckerlinsen aus, der haargenau wie eine Kopie von Hogwarts aussah.
„Erstaunlich!“, sagte ich ehrfürchtig und betrachtete die Details.
Alice vergrub ihren Löffel in der Schüssel und das Kunstwerk fiel in sich zusammen. Vorwurfsvoll blickte ich sie an.
„Dass war eh zu schade um es nift zu essen“, sagte sie schulterzuckend und ließ sich die Zuckerlinsen auf der Zungen zergehen.
„Das war ja klar, dass das von dir kommt“, sagte Aisling, die sich soeben zu uns gesellte.
Unsere Gryffindor Zimmergenossin tauschte ein Zwinkern mit Alice und schaute dann plötzlich aufgeregt auf.
„Oh, seht mal! Er wurde aus dem Krankenflügel entlassen!“, flüsterte sie und fuhr sich errötend durch die braunen Locken.
Synchron fuhren unsere Köpfe herum und ich schmunzelte unterdrückt.
„Wie unauffällig, Mädels.“
Dennoch konnte auch ich mir einen Blick nicht entgehen lassen. Natürlich erkannte ich ihn sofort. Große Statur, ein breites Kreuz, das sich unter seinem wallenden Umhang deutlich abzeichnete. Das Kinn war leicht erhoben, aber gerade noch an der Grenze, bevor es hochnäsig wirkte. Sein blondes Haar erstrahlte im Licht der Kürbisse und ein neckisches Zwinkern blitzte durch die strahlenden Augen.
Sofort schienen zahlreiche Augen jedem seiner Schritte zu folgen. Er bemerkte es und winkte selbstsicher in die Menge. Als wäre er ein Filmstar, der soeben eine Party betreten hätte, die nur für ihn ausgerichtet worden wäre.
„Wie gut, dass sein Arm wieder nachgewachsen ist“, sagte Marleen und sie lächelte verklärt. „Wäre auch zu schade, wenn so ein schöner Junge entstellt werden würde…“
„Ich hätte ihn auch mit nur einem Arm toll gefunden“, meinte Alice grinsend.
„Ist es nicht unmenschlich so perfekt zu sein?“, hauchte Aisling hingerissen.
Sofort richteten sich die Blicke meiner Freundinnen auf mich. Ich räusperte mich verlegen.
„Naja, ich finde ihn ja auch toll“, sagte ich und schielte rüber zu ihm. Er ließ sich gerade am Hufflepuff Tisch nieder. „Und, dass er diesen Erstklässler vor den Slytherins gerettet hat, war mehr als nur ehrenhaft.“
Alice verdrehte lachend die Augen.
„Oh, klar. Für Evans ist es egal, wie toll er aussieht. Hauptsache, er ist nur ehrenhaft!“
Marleen kicherte und ich streckte Alice die Zunge raus.
„Ich hab nicht gesagt, dass er nicht toll aussieht“, stellte ich klar. „Aber Aussehen ist halt nicht alles. Was nützt es mir denn, wenn ein Kerl fantastisch aussieht, aber dumm wie Brot ist oder ein Feigling?“
Ich lehnte mich leicht zur Seite und seufzte.
„Aber zum Glück für Hogwarts ist Edgar nichts dergleichen…“
Die anderen Mädchen sahen ebenfalls herüber und man konnte praktisch das gemeinsame Aufseufzen über unseren Köpfen hören. Edgar Bones hatte inzwischen neben seiner Schwester Amelia Platz genommen und bediente sich reichlich an dem Festbankett. Sein strahlendes Lächeln war das hellste am Hufflepuff Tisch.
Doch der Sechstklässler war für unsereins nahezu unerreichbar. Er war lediglich ein Traum, einer, der dazu verdammt war, auf ewig unerfüllbar zu sein.
Mein Blick schweifte verträumt durch die Halle und plötzlich fingen mich zwei Augen ein. Mein Magen trudelte ein wenig ziellos umher. Ein wohliges Kribbeln erfüllte mich.
„Sagt mal, hat jemand von euch heute eigentlich die Rumtreiber gesehen?“, fragte Marleen plötzlich und riss mich ein wenig aus meinen Gedanken.
„Wieso, hältst du nach Sirius Ausschau?“, wollte Alice wissen und biss einem Schokofrosch den Kopf ab.
„Haha“, erwiderte Marleen trocken. „Nein, aber ernsthaft. Ihr wisst doch, die vier lassen sich niemals einen Halloweenstreich entgehen. Ist es nicht seltsam, dass sie die einzigen sind, die hier fehlen?“
Ich runzelte die Stirn. Das weckte nun doch meine Aufmerksamkeit. Ich sah den Gryffindor Tisch runter und stellte fest, dass Marleen Recht hatte. Alle waren versammelt, nur die vier Tunichtgute waren nirgends zu finden… Sehr verdächtig.
„Wir sollten das im Auge behalten“, sagte ich und stand auf. „Falls was sein sollte, könnte ihr es mir ja melden.“
„Wo willst du hin?“, fragte Aisling verwundert.
„Es wird Zeit für das jährliche Ritual“, sagte Alice und vertiefte sich in ihren Wackelpudding. „Grüß ihn von uns – ach warte, er hasst uns ja.“
„Severus hasst euch nicht“, erwiderte ich angespannt und nahm mir ein paar Schokolinsen.
„Nein, er findet uns nur albern und kleingeistig“, sagte Marleen leise und schaute mich dabei nicht an.
„Das hat er damals nur im Spaß gesagt“, sagte ich hastig, doch die skeptischen Blicke meiner Freundinnen straften mich Lügen.
Schnell ging ich durch die Große Halle. Dabei begleiteten mich stetig die Blicke meiner Freundinnen und ihre vorwurfsvollen Worte. Ich verdammte Severus, dass er nicht einfach seinen Mund gehalten hatte. Sie würden mich nie vergessen lassen, was er in der dritten Klasse über sie gesagt hatte.
Doch, als ich die Große Halle mit ihrem Lärm und Trubel hinter mich ließ, fühlte ich wie die Sorgen wieder von mir wichen. Ich wartete in der Eingangshalle und sah wie sich die Schatten teilten.
„Hey!“, sagte ich erfreut. „Happy Halloween!“
„Ich weiß nicht, ob man sich ein fröhliches Halloween wünschen kann“, erwiderte Severus und trat aus den Schatten. „Immerhin ist es die Nacht der Geistervertreibung.“
„Wenn es Geister wie die von Hogwarts sind, kann es sehr wohl eine fröhliche Geistervertreibung sein, denke ich“, sagte ich mit einem Zwinkern und wir gingen gemeinsam in den Innenhof.
Severus grinste unterdrückt. Was ziemlich selten vorkam und mir wie ein Lichtstreif am Horizont vorkam. Die laue Oktobernacht empfing uns und schnell fanden wir unseren althergebrachten Weg zu den Ländereien herunter. Unsere Zauberstabspitze erleuchteten den Weg, als es die Laternen nicht mehr taten, bis wir unseren Ahornbaum fanden.
Der See rauschte in der Nähe und wenn ich die Augen schloss, war es für einen Moment wie zu Hause. Nur, dass dieser Ort neben all seinem Glück auch mit viel Schmerz verbunden war.
„Hast du die Linsen dabei?“, fragte Severus und ich öffnete die Augen.
Ich nickte und holte sie aus meiner Tasche hervor. Den Zauberstab legte ich zu seinem in die Mitte ins Gras. Damit wir ein wenig Licht hatten. In meiner ausgestreckten Hand offenbarten sich sieben gleichaussehende Schokolinsen. Ebenso wie in seiner.
„Okay, ich fange an“, sagte ich und griff mir eine Linse aus seiner Hand. „Ich bin froh darüber, dass ich nach Hogwarts gekommen bin.“
Die Linse verschwand in meinem Mund und Severus nahm sich eine aus meiner Hand.
„Ich bin froh, dass ich Spinner´s End entkommen konnte. Nun, zumindest zehn Monate im Jahr“, sagte er mit einem Zucken der schmalen Mundwinkel.
Mitfühlend sah ich ihn an und nahm dann die nächste.
„Ich bin froh, dass ich hier Freunde gefunden habe. Und, dass ich den besten Freund überhaupt habe“, sagte ich und lächelte zu ihm herüber.
Severus erwiderte das Lächeln und die Oktobernacht erschien plötzlich so warm wie der wärmste Sommertag.
„Ich bin froh, dass ich dich kennen darf, Lily“, sagte er leise und etwas funkelte in seinen dunklen Augen auf. „Und… dass du mit mir befreundet bist, obwohl ich… bin wie ich bin…“
„Sev… ich bin doch mit dir befreundet, gerade weil du so bist wie du bist“, sagte ich und schaute zurück zu dem Schloss, das schemenhaft in der Ferne aufragte. „Natürlich wünschte ich mir manchmal, du wärst freundlicher zu meinen Freunden und dass andere dich sehen würden wie ich dich sehe… Aber wenn es uns beide hier unter dem Ahorn gibt… dann ist es mir doch gleich, was die anderen denken.“
„Wirklich?“, flüsterte Severus ungläubig und er schien mit einem Mal sehr nervös zu werden.
Ich schaute ihn wieder an und da war es wieder, das warme Gefühl, das mein Innerstes erfüllte. Ein Gefühl von… zu Hause.
„Lily…“, stieß er hervor.
„Ja?“
Er schluckte und schien nach Worten zu suchen. Seine Hände erzitterten und er ließ die Linsen fallen. Sie kullerten ins Gras auf und davon.
„Verflucht!“
Ich lachte.
„Das macht doch nichts“, sagte ich und gab ihm die Hälfte meiner übriggebliebenen Linsen.
Ich schob mir zwei Linsen gleichzeitig in den Mund und erfreute mich an dem süßen Aroma, das sich auf meiner Zunge ausbreitete. Seufzend legte ich meinen Kopf auf seine Schulter. Severus schien zu erstarren, aber ich bemerkte es nicht.
„Du bist mein bester Freund, Sev… Bitte bleib immer bei mir“, sagte ich in die Dunkelheit und er entspannte sich ein wenig.
„Immer“, sagte er leise und kurz glaubte ich, er wollte den Arm um mich legen.
Aber dann tat er es doch nicht.
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