Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Tau auf den Blättern

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P18 / MaleSlash
Gaara Kankuro Shikamaru Nara
09.11.2021
14.01.2022
4
6.474
3
Alle Kapitel
2 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
 
14.01.2022 1.785
 
Etwa ein Monat verging, ohne dass Shikamaru etwas aus Sunagakure hörte und irgendwie wusste er nicht, ob das gut oder schlecht war. Natürlich wäre er am liebsten sofort losgezogen, notfalls eben auch ohne den Marionettenspieler. Er wollte endlich abschließen können, Gerechtigkeit für Temari einfordern. Auf der anderen Seite war es doch irgendwie schön, zu Hause zu sein. Und wer wusste schon, wann Kankuro von seiner Mission wieder kam?
Mittlerweile schob er Torwache. Irgendeine Beschäftigung brauchte er und er wollte das Dorf wirklich nur ungern verlassen. Und hier am Haupttor konnte er einfach sitzen, den Himmel beobachten und nachdenken. Meistens saß Neji an seiner Seite. Dieser hatte im Krieg doch einige Verletzungen davongetragen und wirklich aktiver Shinobi-Dienst schien ihm schwer zu fallen – auch wenn der Hyuuga das natürlich niemals zugegeben hätte. Und doch war er immer wieder erleichtert, wenn er Torwache oder leichte Missionen bekam.
Neji war eine wirklich angenehme Gesellschaft, wie Shikamaru feststellte. Er war ruhig und bedacht, intelligent und er hielt auch einfach mal die Klappe. Oft meditierte er stundenlang neben ihm und der Nara konnte in Gedanken einfach seine Pläne schmieden. Kurz, er nervte nicht.
Shikamaru sah auf, als eine junge Kunoichi auf sie zukam. Mito, wenn er sich richtig erinnerte. Sie war auf der Akademie zwei Jahrgänge unter ihnen gewesen. „Hey ihr beiden. Tsunade schickt mich, ich soll die Berichte abholen.“ Meinte sie und sah dabei Neji an. Shikamaru seufzte. Sie sabberte schon fast.
Neji öffnete die Augen und sah ihn an „Normalerweise geben wir die selbst ab. Warum sollte Tsunade sie haben wollen, wir haben gestern Abend abgeliefert und heute hat noch keiner das Tor passiert.“ Meinte er gelangweilt. Mito wurde rot.
„Naja, ich hatte es ihr angeboten und ich dachte… naja.“ Stammelte sie und sah in den Boden. Neji hob eine Augenbraue. „Ich dachte, so hätte ich eine Gelegenheit mit dir zu sprechen, Neji.“ Murmelte sie.
Shikamaru grinste in sich hinein. Scheinbar hatte sie sich den falschen Ausgesucht. Er sah in den Himmel, während der Hyuuga das Mädchen vor Ihnen von oben bis unten musterte. Er wollte gerade etwas sagen, als über Ihnen ein Vogel zu singen begann – die Melodie war Shikamaru nur allzu bekannt. Neji folgte dem Blick des Naras in den Himmel. „Der kommt aus Suna.“ Stellte er fest und Shikamaru nickte.
Würde es nun endlich losgehen? War das die Nachricht, auf die er gewartet hatte? War Kankuro nun endlich unterwegs nach Konoha? In Shikamarus Kopf begann alles zu rattern. So sehr er auch die Ruhe in Person war, jetzt wurde er tatsächlich etwas hibbelig. Und das Gefühl war nervig, denn selbst wenn der Vogel die lang erwartete Botschaft brachte, so würde Kankuro immer noch 3 Tage bis Konoha benötigen.
„Hallo, Shikamaru!“ Der Rempler, den Neji dem Nara gab brachte diesen zurück in die Realität.
„Au! Hey!“ Shikamaru rieb sich die Schulter und sah sich irritiert um. Mito war weg, er hatte gar nicht mitbekommen wann sie gegangen war. Dafür standen Izumo und Kotetsu vor Ihnen. „Na sowas, was macht ihr denn hier?“
„Zum dritten Mal.“ Knurrte Kotetsu. „Der Hokage wartet auf dich. Wir lösen euch ab.“ Shikamaru sah die beiden an.
„Dann sollte ich da wohl hin.“ Meinte er entspannter als er war, kratzte sich am Hinterkopf. „Man, ist das nervig.“ Murmelte er, verabschiedete die drei Shinobi und sprang dann über die Dächer Konohas zum Hokage-Turm. Nie kam ihm dieser Weg länger vor und er war ziemlich außer Atem, als er sein Ziel erreichte. Er sammelte sich kurz, bevor er eintrat, die Shinobi mit einem Nicken grüßte, die an ihm vorbeikamen. Kurz darauf klopfte er an Kakashi’s Büro. Der grauhaarige war nun seit zwei Wochen im Amt und Shikamaru hatte sich an den Gedanken schon beinahe gewöhnt. Trotzdem war der Anblick immer noch lustig, denn der Kopierninja schien zwischen den gefühlt Hunderten Papierstapeln heillos überfordert.
„Hallo, Kakashi.“ Grüßte der Nara ihn lässig, schloss die Tür hinter sich.
„Oh, Shikamaru. Du bist schon da.“ Überflüssig zu erwähnen, dachte sich Shikamaru, zuckte aber nur mit den Schultern. „Ich habe eine Nachricht vom Kazekage erhalten.“ Begann er und sah sich suchend nach dem Schriftstück um.
Augenblicklich raste Shikamarus Puls wieder. Also doch. Er schob die Hände in seine Taschen, drückte sie gegen seine Oberschenkel. Bei Kami, wenn er nicht sofort diesen Zettel fand…
„Ach, hier ist es.“ Kakashi sah den Nara an. „Alles okay? Du wirkst gestresst.“
„Mir geht’s gut. Also? Was schreibt Gaara?“
„Hmm. Achja. Kankuro ist wohl mit seiner Einheit zurück in Sunagakure. Er wird aber noch ein paar Tage brauchen, er muss sich erholen. Wurde wohl im Einsatz verwundet. Gaara schickt ihn nach Konoha, sobald er Genesen ist.“ Kakashi überflog den Brief. „Sunagakure will den Fall nun endlich zu einer offiziellen Mission machen. Ich unterstütze das Ganze. Dann könnten wir ein Team…“
„Kakashi…“ unterbrach Shikamaru ihn. „Bei allem Respekt, Hokage. Kankuro und ich kommen damit allein zurecht. Wenn wir Unterstützung brauchen, fordern wir welche an.“ Shikamarus Blick wurde hart. Es ging also endlich bald los. Jetzt konnte er nur noch hoffen, dass der Puppenspieler keine Memme und bald wieder auf den Beinen war.
„Na schön… Aber Shikamaru. Mach das ganze nicht noch länger zu deinem Persönlichem Rachefeldzug. Wir haben eindrucksvoll bei Sasuke gesehen, wo Rache hinführt. Und ich könnte hier ehrlich gesagt ganz gut deine Hilfe gebrauchen.“ Kakashi kratzte sich verlegen am Hinterkopf. „Nachdem dein Vater nun kürzer treten will… dachte ich, du wärst als Berater doch ein toller Nachfolger.“
Der Nara sah Kakashi an und musste einfach grinsen. „Soso, der Kopierninja, der über 1000 Jutsus kopiert hat benötigt also Hilfe bei ein paar Formularen.“
Kakashi stützte die Ellenbogen auf seinen Schreibtisch, klatschte seine Hände zusammen und hielt sie gefaltet vor seinem Gesicht. „Ja, bitte.“
Shikamaru lachte auf. „Ich überleg es mir mal. Jetzt werde ich erst einmal für Gerechtigkeit sorgen.“ Meinte er und wandte sich zum Gehen.
„Shikamaru?“ Der Nara legte die Hand auf den Türknauf, wartete aber noch auf Kakashi’s Worte.  „Ich hoffe du findest, wonach du suchst. Und du kannst endlich deinen Frieden damit machen.“


Shikamaru saß vor allem die nächsten Stunden auf heißen Kohlen. Auch wenn es noch Tage dauern würde, so überlegte er doch Fieberhaft, wo sie mit der Suche starten könnten. Leider mussten sie sich auf seine Erinnerung verlassen, Spuren gab es nicht viele. Lediglich ein paar Kunai und Shuriken. Nichts Besonderes.
Seufzend ließ er sich ins Gras zurückfallen. Er kam gerne zu diesen Hügeln beim Trainingsplatz, wenn er nachdenken wollte. Hier war es ruhig und er konnte einfach die Wolken beobachten. In der Regel beruhigte ihn das und er konnte sich sortieren, aber heute wollte diese Anspannung einfach nicht von ihm abfallen. Er spielte mit ein paar abgerupften Grashalmen, während er verbissen nach oben starrte.
Nicht nur die Aufregung über die bevorstehende Mission beschäftigte ihn, er würde auch das erste Mal seit Temaris Tod auf Kankuro treffen. Irgendwie war er bei Gaara nicht so nervös gewesen. Er hatte die Entwicklung des Kazekage vom Angreifer Konohas bis hin zum Kazekage verfolgt, Gaara war durch und durch ein Freund Konohas geworden. Aber bei Kankuro…
Wenn er an den großen braunhaarigen dachte, mit seinen schwarzen Klamotten, der Kapuze und der Lila Gesichtsbemalung, der auch noch mit Puppen spielte, … was sollte er davon halten? Was sollte er von ihm halten? Zweifelsohne war er ein Meister der Geheimkunst der Marionettenspieler, auf den Fernkampf spezialisiert war er sicher eine Bereicherung für jedes Team. Aber was er rein menschlich von ihm halten sollte, das wusste er nun wirklich nicht.
„Hier steckst du.“ Shikamaru sah auf.
„Oh, Neji. Hi.“ Der Nara stützte sich auf seine Ellenbogen.
„Du bist ziemlich aufgeregt. Geht’s bald los?“ Neji setzte sich zu ihm.
„Ja. Kankuro wird bald unterwegs sein.“ Shikamaru sah auf seine Füße. „Ich habe ihn seit Jahren nicht gesehen.“
„Er wird dir nicht die Schuld geben.“ Shikamaru sah auf. „Das ist es doch, worum du dir sorgen machst, oder nicht. Dein Chakra ist total aufgewühlt, das habe ich aus hundert Meter Entfernung gespürt.“ Neji sah ihn an. „Du solltest auch aufhören, dir die Schuld zu geben. Du hast keine.“
„Woher willst du das wissen. Du warst nicht da.“ Knurrte Shikamaru. „Du hast keine Ahnung. Wenn ich nur schneller bemerkt hätte, dass etwas nicht stimmt…. Oder schneller reagiert hätte. Dann wäre Temari noch hier.“
„Das weißt du nicht. Temari war eine unglaubliche Kunoichi. Ihr Windversteck war stark, sie war eine großartige Frau und ein guter Ninja. Sie hat doch auch nichts gemerkt. Selbst wenn du es schneller geschnallt hättest, das hätte ihr noch lange nicht das Leben gerettet.“ Meinte Neji nüchtern.
Shikamaru zitterte vor Wut. Auf sich selbst. Auf Neji. Auf die ganze Welt. Er war kaum in der Lage etwas zu erwidern und Neji spürte das genau. Er legte sanft eine Hand auf Shikamarus Oberschenkel. „Komm runter. Du musst einen kühlen Kopf bewahren, wenn du wirklich noch einmal losziehen willst“
Shikamaru schüttelte die Hand des anderen ab. „Was soll das? Sag mal spinnst du? Du hast keine Ahnung, bilde dir nicht ein zu wissen, was an der Situation zu ändern gewesen wäre!“ Er stand auf und schob die Hände in seine Taschen. „Deswegen spreche ich nicht darüber. Jeder will es immer besser wissen, aber weißt du was? Nur ich war dabei. Es nervt, dass jeder immer seinen Senf dazu geben will!“
Neji sah ihn völlig ruhig an. „Ich habe bis jetzt die Klappe gehalten. Ich versuch nur, dich auf den Teppich zu holen. Das ist nicht mein Senf, das ist eine Tatsache, Shikamaru. Du solltest langsam mal wieder durchatmen. Du bist einer der Intelligentesten, wenn nicht der intelligenteste Shinobi des Dorfes. Lass dir deinen Geist nicht durch Schuldgefühle oder Wut vernebeln. Atme durch. Und finde die Stärke, die du brauchst, um Temaris Mörder zur Rechenschaft zu ziehen.“
Shikamaru sah den Byakuganträger an. „Und wie zur Hölle denkst du, soll ich das machen?“ knurrte er. Auf das Schweigen des anderen seufzte Shikamaru nur.  „War ja klar. Große Töne spucken und dann keine Lösungen parat haben.“ Er verschränkte die Arme hinter dem Kopf und ging Richtung Trainingsplatz davon. Der Gefühlssturm in ihm tobte immer noch. Zu dem Chaos, das er schon hatte, mischte sich nun noch Neji. Was der sich einbildete.
Shikamaru konnte gar nicht so schnell reagieren, wie Neji ihn plötzlich gegen einen der Bäume drückte, den Unterarm gegen seine Brust drückte und ihn so fixierte. „Sagmal, spinnst du?“ Shikamaru wollte sich befreien, aber Neji hielt ihn fest.
„Ich sagte, du sollst runterkommen.“ Neji war völlig ruhig und sah den Nara einfach an.
Shikamaru wurde richtig wütend. „Bring mich doch dazu!“ zischte er und wollte sich losreißen…
Plötzlich waren die Lippen des Hyuuga fest auf seine gepresst, seine Hand schob sich in seine Haare. Shikamaru riss erschrocken die Augen auf.

Was.

Zur.

Hölle.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast