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Ohne dich

von Marlene69
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P18 / Het
Christian "Flake" Lorenz Christoph "Doom" Schneider OC (Own Character) Paul Landers Richard Kruspe Till Lindemann
08.11.2021
30.06.2022
34
69.716
2
Alle Kapitel
22 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
23.06.2022 2.904
 
Hallo, ihr Lieben,

und hier ein neues Kapitelchen für euch - genießt die Sonne und viel Spaß beim Lesen.

Danke für dein Review, liebe Everdream :)

Liebe Grüße
Kati



Kapitel 33 – Die Hauptstadt hat uns wieder!



„Sach ma, kannste jetze ma hinnemachn? Ick brauch doch ooch nie so lange!“, kam es von einem genervten Paul. Er war der Letzte, der seine Sachen in dem Tourbus verstauen konnte, weil Richard quasi mit gefühlt 100 Koffern unterwegs war. Sie waren beschissene drei Wochen unterwegs, da brauchte man als Kerl doch nicht so viel Kram. Richard war aber auch manchmal eine Diva, unglaublich.

Richard guckte ebenso genervt und ließ sich von Udo, ihrem Busfahrer, helfen. Dieser grinste nur vor sich hin. Er wußte genau, wie Richard manchmal drauf war. Aber genauso liebevoll war er auch.

„Haste deine Süße angerufen und ihr Bescheid gegeben, dass wir ab heute on tour sind?“, fragte Richard auch sogleich.

„Jep. Man Scholle, ick hab jestern als wa anjekomm sind, glei anjerufn. Ick gloob, ick kann nich mehr ohne meene Süße. Ick hab ma echt valiebt, ehrlich.“ Paul grinste jetzt über das ganze Gesicht. „Und du?“

„Ich war gestern so fertig, dass ich mich erstmal hingepackt habe. Und natürlich hatte ich vergessen, mich zu melden. Das hab ich dann mitten in der Nacht nachgeholt.“ Richard griente wie ein Honigkuchenpferd. Paul guckte ihn an und fing an zu lachen.

„Mitten inne Nacht? Also, ick hätt ma beschwert. Du hast se doch ni mehr alle.“ Paul schüttelte ungläubig den Kopf.

„Fand Sylvie gar nicht.“ Richard wackelte versaut grinsend mit den Augenbrauen und Paul verstand.

„Ahaaa, also Telefonsex. Du kannst es echt ni lassn, oda? Du bist sexsüchtig, Mr. Knusprig, aba echt!“

„Ich bin was?“ Richard war von den Socken und versuchte, Pauls Arm zu erwischen, als dieser schnell in den Bus sprang und Richards Weg von Till gebremst wurde.

„Jetzt ist aber mal gut mit den Kindereien. Ich komme mir vor, wie beim Wanderzirkus Pflaume!“, brummte er in seinem sonoren Bariton. Paul schmiss sich auf das Sofa und Richard neben ihm. Beide lachten.

„Alle drin? Na, dann kanns ja endlich losgehen!“ Udo trabte gemütlich Richtung Fahrersitz und schmiss den Bus an. Alle, bis auf Schneider, saßen in gemütlicher Runde auf der Couch im Loungebereich und quatschten.

„Wo issn Schneider?“, fragte auch sogleich Paul bei Till an. Till tat erst so, als hätte er Paul nicht gehört, als dieser ihn dann aber am Ärmel zupfte, konnte er ihn nicht mehr ignorieren. Paul schaute Till fragend an.

„Ähm, dem geht’s nicht so gut, glaube ich!“, fing Till drucksend an. „Er hat sich schon hingelegt.“, kam von ihm und dabei zuckte er mit den Schultern.

Das sah dem meistens gutgelaunten Drummer gar nicht ähnlich und Paul war sofort alarmiert, weil er an die kleine Szene denken musste vor einer Woche, als es Schneider auch nicht so gutging. Was war da nur los? Hatte Ulrike jetzt doch wirklich Schluss gemacht? Hörte sich zumindest letzte Woche ganz danach an.
Paul ging leise in den hintersten Teil des Busses. Langsam zog er den Vorhang beiseite.

Da lag er, nicht schlafend, sondern starrte an die Decke und Tränen liefen ihm aus den Augen in das Kopfkissen hinein. Als er Paul sah, versuchte er sich aufzusetzen, was bei der kleinen Koje und dem großen Schneider gar nicht so einfach war, ohne sich den Kopf zu stossen.
Fahrig wischte er sich über seine Augen.

„Mensch, Schneider, wat is denn los mit dir?“, fing Paul an. Dabei strich er ihm leicht über den Arm.

„Ach weißte doch, Paule, an der Situation von letzter Woche hat sich leider nichts geändert. Ich habe sogar jetzt die Bestätigung von Ulrike. Ich weiß gar nicht, wie ich damit umgehen soll. Wir waren so ein eingeschweißtes Team, da passte nicht mal ein Blatt Papier zwischen uns. Und jetzt? Soll das alles komplett vorbei sein? Ich fühle mich, als hätte man mir etwas amputiert.“

Er seufzte und man merkte, dass er am liebsten gleich wieder losheulen würde. Paul verstand ihn leider nur zu gut, er hatte das auch gerade hinter sich. Glücklicherweise gab es Jenny für ihn, das machte es auf jeden Fall erträglicher, obwohl er immer noch nicht wußte, warum Arielle ihn verlassen hatte. Herr Müller müsste sich auch mal melden.

„Ach Christoph...“, versuchte er es. Immer, wenn was schieflief und sie wirklich nur Privatpersonen waren, ließ Schneider es zu, dass seine Freunde und Kollegen ihn beim Vornamen ansprachen. „… ick hab die janze Scheiße grad hinter mir. Ick weeß ooch noch imma nich, warum Ari wech is.“
Er streichelte ihm weiter über den Arm. „Ick hab über Till een Privatdetektiv beufftragt, vielleicht kriegt der ja raus, wat da jelofn is.“

Schneider guckte ihn erschrocken an. Davon wußte er nichts. „Echt? Davon weiß ich ja gar nichts.“

„Nee, kannste ooch nich, nur Till und Richard wissen drüber Bescheid. Ick wollte dit ooch nich so anne große Glock häng‘, vastehste?“ Paul sah auf seine Hände, die jetzt in seinem Schoß lagen.

„Ach, und deswegen seid ihr beiden nochmal nach Hamburg gefahren?“, fragte Schneider jetzt weiter.

„Nee, dit hatte andre Gründe.“ Er grinste. Und entlockte Schneider, trotz der verfahrenen Kiste, ein kleines Lächeln. Paul rutschte wieder mal aufgeregt auf seinem Hintern rum, was ein kleines Ächzen der Koje verursachte.

„Nun lass dir nicht alles aus der Nase ziehen, Paulchen. Was ist in Hamburg passiert, hm?“ Paul verschränkte verlegen seine Hände ineinander und druckste rum.

„Nu ja, ne Frau is passiert.“ Er guckte Schneider offen an.

„Oh… Und?“ Schneiders Augen wurden immer größer.

„Ja, ick hab ma valiebt, in de Jenny. Sie is Kellnerin in ner kleenen Kneipe uffm Hamburger Kiez.“

Schneider hob beide Daumen nach oben. „So schnell? Also, das sieht dir doch gar nicht ähnlich.“, wunderte sich Schneider und Paul nickte. „Und weiter?“

„Ja, irjendwie hats mir echt erwüscht. Aus heeterem Himmel.“ Er sah wieder auf seine Hände. Doch als er schwieg, löcherte ihn Schneider weiter.

„Das is ja n Ding. Und was ist dann passiert?“

Paul zog die Augen nach oben. „Na nüscht weita!“

„Wie nüscht weiter? Erzähl schon!“

Paul merkte, dass Schneider nach Ablenkung suchte. Also erzählte er ihm die ganze Geschichte, auch von ihrem Ausflug nach Heiligenhafen.

„Und warum war jetzt Richard mit?“

„Der Jutste hat sich ooch valiebt. Aba wat fürn Theater ooch wieda. Man, man, man.“ Paul schüttelte wieder mit dem Kopf, als er an die verfahrene Situation dachte zwischen Richard und Sylvie.

„Richard hat sich auch verknallt? Mal wieder? Man, ihr zwei wieder. Unglaublich!“ Schneider schüttelte grinsend den Kopf. „Aber wieso Theater?“

„Na, da der jute Herr Kruspe seen Schwanz nich im Griff hat, hatter fremdjevöjelt und seine Sylvie hat‘s leider mitbekomm.“

„Waaaas?“ Schneider wurde jetzt doch etwas lauter und hielt sich erschrocken den Mund zu. Aber im vorderen Teil des Busses waren die anderen so laut am quatschen, dass keiner von denen etwas mitbekommen hatte.

„Pscht, nich so laut! Dit müssn nich alle mitbekomm!“ Schneider sah ihn erschrocken an. Dann erzählte Paul auch noch Richards Story von vorne bis hinten. Schneider wäre auf seinen Allerwertesten geplumpst, hätte er nicht schon gesessen. Er war baff und sah auch so aus.

„Da lässt man euch einmal alleine was unternehmen und dann sowas? Das ist ja alles nicht zu fassen! Da kann ich mit meiner Geschichte ja gar nicht mithalten.“, kam es dann wieder traurig von ihm.

„Hör bloß uff, ick hätte ma ooch wat anderet jewünscht. Aba Sylvie hat ihm Jottseidank verziehn. Hoffentlich lässt Scholle seene Hände und vor allem seen Schwanz uff Tour bei sich. Ick gloobe, nochma son Ding und dit wars dann mit de ernsthafte Beziehung mit de süßen Sylvie!“

Schneider nickte. „Das glaube ich aber auch. Paule, wir müssen ein bisschen auf Scholle aufpassen, ist dir klar, oder? Hat er sich denn auch richtig verliebt, so wie du in deine… wie hieß sie? Jenny?“

„Jap, dit hatter. Aba leida hat er sich auf beede Mädels uffm Kiez mit ner Pille einjelassn und war echt noch danach stolz, dat er et glei mit zwee Weibsen jetriebn hat. Scholle is echt unmöglich. Wenn bei ihm der Verstand aussetzt und er nur noch mit de untere Etage denkt, kannste allet vajessn.“

Paul grinste und wurde aber auch gleich wieder ernst. „Aba Christoph, wat is mit dir? Kann ick dir irjendwie helfn?“

Schneider schüttelte traurig den Kopf.
„Leider nicht, Paulchen. Ich hab‘s echt versucht, nochmal mit Ulrike zu reden. Ich bin fast auf Knien vor ihr rumgerutscht. Aber sie ist eiskalt geblieben, hat sich unsere Jungs geschnappt und sich von einem piekfeinen Karren abholen lassen. Keine Ahnung, wo sie jetzt ist. Sie geht nicht ans Telefon, es kommen auch keine Antworten auf meine WhatsApps. Ich weiß echt nicht mehr, was ich noch machen soll! Vor allem fehlen mir die Kleinen, die wissen doch noch gar nicht, was da los ist.“
Er schniefte wieder, als sich eine Träne den Weg nach draußen bahnen wollte.

„Hm, so ähnlich war dit bei ma ooch. Bis ick se dann in Hamburch in jenau de Kneipe jesehn hab und se mir diese Szene jemacht hat. Se war ooch eiskalt. Ick kann‘s bis heute nich vastehn, det se so kalt sein kann. Ick hab nie wat bemerkt, se war imma liebevoll – und mit eemal so. Selbst zu Lilly war se reserviert, als wäre dit nich ihr Kind, sondern ne fremde Person.“ Er nickte beschämend dazu. „Ick bin so jespannt, wat diesa Herr Müller da noch rausfinden tut.“

Schneider nickte wieder. „Ach, was willste jetzt auch machen? Lass uns zu den anderen nach vorne gehen, da werden wir ein bisschen abgelenkt.“ Dabei ließ er sich aus der Koje gleiten und zog Paul mit sich.

Die anderen waren natürlich mal wieder am pokern. Diesmal hatte Till sein Pokergesicht aufgesetzt und zockte gerade Richard aber richtig ab. Paul und Schneider setzten sich zu den anderen und schauten erstmal nur zu.

Bis Pauls Handy klingelte…. Er guckte auf das Display… Herr Müller! Gerade hatten sie noch von ihm gesprochen und schon rief er an. Jetzt wurde es interessant. Gehetzt sprang er auf und ging zum Telefonieren in den hinteren Teil des Busses zurück. Die anderen schauten ihm ungläubig hinterher.

„Landers?“, meldete er sich und merkte, wie sein Herz anfing zu stolpern.
„Hallo, Herr Landers. Hier ist Müller. Sie erinnern sich?“, fragte Herr Müller höflich am Telefon.

„Na kla erinner ick ma. Wat jibbet Neuet?“, versuchte er ein wenig lockerer zu klingen, was ihm aber nicht wirklich gelang.

„Nun ja, ich hoffe, Sie sitzen, Herr Landers…“, begann Herr Müller nun. Paul riss seine Augen auf und sah im Augenwinkel, dass Schneider sich leise zu ihm gesellte. Paul stellte das Handy auf laut, damit Schneider mithören konnte. Die anderen waren zu weit weg, von denen bekam es keiner mit.

„Jetze sitz ick. Schießn se los!“ Paul straffte sich und hörte aufmerksam zu. Schneider hatte sich an seinen Arm gekrallt und verfolgte das Ganze aufmerksam.

„Also, wie wir schon vermutet hatten, hat Ihre Exfrau anscheinend über diesen Geschäftsmann Betäubungsmittel verabreicht bekommen. Sie wissen, wie Scientology funktioniert?“

Paul nickte mit dem Kopf, dann erst begriff er, dass Herr Müller das ja gar nicht sehen konnte. „Ja, weeß ick.“ Mit großen Augen sah er zu Schneider.

„Gut, Ihre Exfrau hat wohl eine sogenannte Gehirnwäsche bekommen. Da dies anscheinend über eine längere Zeit schon geht, also weit bevor sie Sie verließ, können wir davon ausgehen, dass ihr gesamtes Vermögen in die dunklen Kanäle dieses Geschäftsmannes geflossen ist, denn ohne Geld machen diese sogenannten Gurus gar nichts.“ Er machte eine Pause.

„Und nu? Dit Jeld is erstma ejal, aba wat is mitm Zustand meener Ex?“, fragte Paul nach.

„Herr Landers, so lange sie nicht selbst von diesem Verein Abstand nehmen WILL, kann man da gar nicht viel machen. Sie muss schon selbst wollen. Dann könnte man versuchen, einen Undercover-Agenten da einzuschleusen.“ Herr Müller blieb wie immer ruhig.

„Aba könn se nich schon jetze jemanden da rinpackn? Ick meene, ooch wennse jarantiert nich weeß, wat allet so passiert is, wennse de janze Zeit unter Drojen jesetzt wurde. Vielleicht weeß se ooch nich, dat se ma valassn hat oda de Szene in Hamburch. Ne kleene Chance besteht doch imma, oder?“

Paul redete sich in Rage und gestikulierte wild, auch wenn er jetzt auf dem Punkt war, dass er Arielle nicht mehr zurückwollte, aber er wollte auch nicht, dass sie an dem ganzen Scheiß zugrunde ging. Er konnte das nicht mit seinem guten Herzen vereinbaren, dazu hatte er diese Frau mal viel zu sehr geliebt.

Schneider versuchte ihn zu beruhigen, indem er ihn auf einen Stuhl drückte, der vor den Kojen stand. Er kniete sich vor ihm hin und merkte, dass Paul fast am Weinen war und seine Hand, in der er das Telefon hielt, immer stärker zitterte. „Shhh, alles wird gut.“, flüsterte Schneider und strich Paul über seinen Kopf.

„Herr Landers, bitte beruhigen Sie sich! Wir werden jemanden da einschleusen, versprochen! Ihrer Exfrau wird nichts passieren, aber Sie können im Moment nichts tun als leider wieder abwarten. Diese Leute sind gerissen, sie lassen sich nicht in die Karten gucken. Es wird schwer, sich deren Vertrauen zu erschleichen.“, redete Herr Müller weiter.

„Sachn se mir, wat dit kostet. Is ma ejal, wat. Ick will nur, dat se meene Ex da irjendwie rauskriegn, un zwar lebendig.“

Herr Müller sicherte ihm zu, dass sie alles tun werden, um Arielle da rauszubekommen. Von Geld wurde nicht gesprochen, aber das war Paul in dem Moment sowas von egal.

„Danke, det se ma Bescheid jesacht ham.“

„Kein Problem. Wie ich von Herrn Lindemann gehört habe, sind Sie jetzt die nächsten Wochen bis Ende November auf Tour. Mal sehen, ob wir bis dahin positivere Nachrichten verkünden können. Und bitte versuchen Sie sich abzulenken. Sie können im Moment sowieso nichts tun.“

Paul nickte wieder – und dann fiel ihm siedendheiß etwas ein… Oh Gott, bitte nicht! Er wischte sich den Schweiß von der Stirn. Stotternd fing er an zu reden, seine Stimme versagte, aber er riss sich zusammen.

„Ick hab da nochma ne Fraje. Ick hab in Hamburch ne Frau kennenjelernt. Ick hoffe nich, dat se ooch in Jefahr is, oda? Weil, Arielle war in jenau de Kneipe, wo meene Süße arbeetet. Dit kann doch sein, oda?“ Paul wurde immer aufgeregter.

„Herr Landers, wir haben unsere Leute auch in Hamburg stationiert. Wir wissen genau, wo Sie in der letzten Woche waren. Machen Sie sich bitte nicht so viele Sorgen! Wir haben öfter mit solchen Organisationen oder im schlimmsten Falle mit dem Establishment zu tun. Wir wissen, wie die arbeiten!“

Paul machte noch größere Augen. Er fühlte sich schon etwas beobachtet. Das war ja noch schlimmer als damals bei der Stasi. Was für eine Scheiße alles.
Schneider streichelte weiter über Pauls Kopf.

„Okay, denn meldn se sich, wenn’s wat Neuet jibt?“, fragte Paul noch einmal mit zitternder Stimme nach.

„Sicher, Herr Landers. Viel Spaß erstmal auf der Tour und lenken Sie sich bitte ab! Keinem ist gedient, wenn Sie sich fertig machen! Auf Wiederhören!“ Damit hatte er aufgelegt und Paul fiel das Handy aus der Hand.

„So eine gequirlte Scheiße ey!“, fing er jetzt an zu schimpfen. „Dit darf doch ni wahr sein. Meene Arielle mit Drojen und Jehirnwäsche. Wie is se bloss zu sowat jekomm? Ick kann dit eefach nich vastehn.“ Er schüttelte wieder den Kopf.

„Komm, mein Kleiner, jetzt beruhige dich mal. Hier, trink erstmal einen.“ Wo Schneider plötzlich ne ganze Flasche Tequila herhatte, wußte Paul auch nicht, aber er riss sie ihm förmlich aus der Hand und setzte an. Und natürlich verschluckte er sich und hustete, bis ihm Schneider auf den Rücken klopfte.

„Sachte, sachte.“ Er genehmigte sich selbst einen großen Schluck und stand langsam von seinen Knien auf. „Vielleicht ist es besser, wenn du dich auch hinlegst, Paulchen, es ist schon spät und morgen sieht die Welt ein bisschen besser aus. Ich versuche auch, mich etwas abzulenken.“ Damit zog er Paul auf die Füße, dieser stand etwas wackelig.

„Okay, hast recht. Ick weeß jar nich, wo wa morjen ufftretn, Christoph, ick bin so durch, ick hoffe, det ick spieln kann.“ Er versuchte, sich an ihren Tourplan zu erinnern, doch Schneider wußte es mal wieder. „Wir sind morgen und übermorgen in Prag, Paulchen.“

„Ach guck, wie schön. Ick mag de joldene Stadt. Wenigstens wat.“ Er versuchte ein kleines Lächeln.

„Und klar kannste spielen, Paulchen, das verlernt man doch nicht so schnell.“, beruhigte ihn der Drummer und zog ihn in seine Arme.

„Dit weeß ick, aba bei de janzen Neuigkeeten würd‘s ma ni wundern, wenn ick ma häufig verspiele oda meen Einsatz verpasse. Oh man, hoffentlich klappt dit allet. Sonst reißt ma Till wirklich den Kopp ab.“

„Quatsch, Till weiß doch, wie es dir geht. Und du musst es morgen wirklich allen anderen erzählen, sonst wissen die immer noch nicht, was mit dir los ist. Okay?“, antwortete ihm Schneider.

Paul nickte. „Du aba ooch, bis jetze weeß nur icke, dat deene Frau Schluß jemacht hat.“

Daraufhin nickte auch Schneider bestätigend.
Sie klatschten sich ab und Paul verzog sich in die Koje neben Schneider mitsamt seinen Klamotten, er hatte keine Lust, diese jetzt noch auszuziehen. Doch er war leider zu aufgewühlt, um schlafen zu können. Er merkte, dass jetzt die verdammten Tränen wiederkamen. Und leider ließen sie sich auch nicht wegblinzeln. Wenn er diese ganze Scheiße endlich hinter sich hatte, dann würde er sich so dermaßen betrinken und mit den anderen feiern, das wußte er ganz genau…

Doch jetzt weinte er still vor sich hin und merkte, dass Schneider ebenso am Weinen war.

Irgendwann schlief er erschöpft ein.
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