Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Die grüne Bärin

Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Fantasy / P12 / Gen
OC (Own Character)
08.11.2021
09.05.2022
6
7.016
 
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
09.11.2021 723
 
"Meine Damen, Herren und alle dazwischen und jenseites dessen! Heute Abend für euch, live im Iglu-Tanztheater! Die allseits bekannte und beliebte Solotänzerin Gryzela! Ihre Eleganz verzaubert, ihr grünes Fell ist einmalig wie ihre Performance! Freut euch auf ihre bekannte Tanzeinlage zum Stücke Akureyri! Viel Vergnügen und Verzauberung!"
Gryzela war unter der euphorischen Ankündigung und dem anschwellenden Applaus auf die Bühne getänzelt. In ihren Ballettschuhen hatte sie lange ziehende Schritte machen müssen, um nicht über die langen harten Fußspitzen zu stolpern. Dabei hielt sie ihren Rücken aufrecht, ihre Brust und ihre Beine angespannt und den Blick schweifend in die Ferne gerichtet.
Seit dem Zusammentreffen mit dem schwarzen Bären waren bereits Tage vergangen, in den sie geprobt und getanzt hatte und sich immer wieder dafür verfluchte, dass sie damals nicht geblieben war, um seinen Namen zu erfragen. Er wollte ihr nicht mehr aus dem Kopf. Nicht, dass er ein Buntbär war wie sie, es war auch sein forschender Blick und sein eleganter Mantel gewesen, die ihr sympathisch und anziehend erschienen erschienen waren. Ganz abgesehen von der Tatsache, dass er sie an diesem Tag vor einem Unfall bewahrt hatte und sie sich lediglich mit Worten und einer Verbeugung bedankt hatte.
Auf der Bühne angekommen nahm sie ihre typische Startposition ein. Dritte Position, die Arme einen schrägen Halbkreis formend, den Kopf geneigt wie beim Walzer, den Rücken etwas nach hinten gebeugt. Dann begann die Musik, der Lärm des Publikums beruhigte sich und alles Weltliche rückte in den Hintergrund. Akureyri war ein Stück voller Klang und Zug, zu dem sich Gryzelas Körper wie verselbstständigte. Sie hob sich auf ihre Spitzen und machte die ersten sprunghaften Schritte, unter denen die Spitzen ihrer Schuhe auf dem hölzernen Boden ermunternd klopften. Es war ein Genuss, wie ihn nicht der süßeste Honig in ihr auslösen konnte.
"Ich sehe es in deinem Lächeln; Du löst dich langsam auf; Du schwebst in Richtung Himmel; Verdampfend..." Die Verse des Liedes waren reale Worte. Die Musik war nicht ihr geliebter Gefühlskubismus. Sie entstammte aus dem Genre des Pop, von den meisten ihr Tanzkolleginnen verspottet, doch Gryzela wusste, sich die Diamanten, die zu ihrem Tanz passten, herauszupicken.
Sie ließ ihre Arme über dem Kopf kreisen, während sie ihre Anspannung zusammenraffte und sich in die ersten Figuren hochstreckte. Ein paar Sekunden still halten, dann ein paar Bewegungen in die nächste Figur hinein.
Gryzela hielt ihre Augen geschlossen oder in die Ferne konzentriert. So bemerkte sie kaum die dunkle Gestalt in den hinteren Reihen, dunkler als viele der anderen dunkel angezogenen Besucher. Ihr Blick folgte ihren Bewegungen, und jede von diesen verzauberten die dunklen Augen, in denen sich der grüne Wiederschein samt rosafarbenem Body und Tutu spiegelte, welcher über die Bühne tänzelte wie die Lichter aus jenem Traum...

"Das war super Arbeit!" lobten die anderen Tänzerinnen, als Gryzela nach ihrem Auftritt ins Backstage kam. Die nächste Solotänzerin war bereits auf die Bühne geschwebt und legte zu aggressiven Geigen einen schnellen von Sprüngen gezeichneten Tanz hin.
"Findet ihr?" fragte Gryzela beschämt. "Ich war wie im Rausch. Ich habe überhaupt nichts mitbekommen."
"Du warst großartig!" versicherte Mila, eine Menschendame mit hohen Wangenknochen. "Deine Posen während des Refrains waren wirklich kraftvoll! Du bist eine große Inspiration für die meisten hier."
Gryzela wurde rot und hielt sich die Tatzen vor's Gesicht. "Oh, Mila, das ist zu viel des Lobes!"
"Na, na, wer wird denn da beschämt sein? Im nächsten Stück wird dir eine große Rolle sicher sein. Hey, hast du vielleicht Lust, später zu Zakob Yoa zu gehen?"
"Nein, danke, ich glaube ich esse zu Hause. Bin ganz schön geschafft."
"Hast dich da oben ja auch ordentlich verausgabt. Naja, wie du magst."
Mila wandte sich ab. Gryzela fühlte sich unter den kleineren, schmächtigeren Balletttänzerinnen ihrer Kompanie immer ein wenig plump. Mit einem Blick aus dem Fenster lenkte sie sich schnell von diesem Gedanken ab. Die Sonne stand tief unten und ließ die Fenster der Häuser und die Eisbauten um das Ballett herum aufblitzen. Schade war nur, dass man von hier aus nicht den ganzen Sonnenuntergang erblicken konnte. Von Atlantis hatte man nur vom Rand aus Sicht auf den Horizont, da die Insel ja im Himmel schwebte. Gryzela nahm sich vor, mal wieder ein Sonnenuntergangswatching zu machen...
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast