Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

The Guest

von Eisteufel
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
07.11.2021
06.01.2022
19
34.298
12
Alle Kapitel
4 Reviews
Dieses Kapitel
noch keine Reviews
 
19.11.2021 2.592
 
Kapitel 7
Katzenjammer


Zielstrebig steuerte Alex auf die Rezeption zu, welche an diesem Morgen von einer anderen, aber nicht weniger steif lächelnden Rezeptionistin besetzt war als am Tag zuvor.

„Wie kann ich Ihnen helfen?“, fragte sie und das Lächeln wurde noch künstlicher als sie von ihrem Bildschirm aufsah.

„Ich würde gerne mit Mr. Nikolaidis sprechen. Wo kann ich ihn finden?“, fragte Alex und zwang sich ebenfalls zu einem Lächeln.

Sie blickte ihn einen Moment lang verständnislos an. Die Frage kam wohl nicht so häufig vor.

Herrje… also musste er doch seine Trumpfkarte ziehen.

„Mein Name ist Alexander Lloyd, Zimmer 551. Vielleicht rufen Sie ihn kurz an, ob es Ihm genehm ist“, fuhr Alex im freundlichsten Plauderton fort und lehnte seinen Ellenbogen leger auf den Tresen.

Sie nickte langsam, griff zum Hörer und drückte die Kurzwahl. Nach wenigen Sekunden meldete sich jemand am anderen Ende der Leitung.

„Guten Morgen, Mr. Nikolaidis. Entschuldigen Sie die Störung, aber ein Mr. Lloyd aus Zimmer 551 würde Sie gerne sprechen und-“

Sie brach ab und nickte kurz.

„Selbstverständlich. Ich schicke ihn zu Ihnen.“

Alex grinste in sich hinein. Das ging ja erfreulich schnell. Sie legte den Hörer auf und strahlte ihn an.

„Mr. Nikolaidis freut sich darauf, Sie zu sehen. Gehen Sie bitte dort den Flur entlang, bis Sie zu einem Aufzug kommen. Siebte Etage, das Büro des Managers befindet sich am Ende des Ganges.“

Alex ruckte zufrieden mit dem Kinn.

„Vielen Dank.“

Schon machte er einen großen Bogen um den ausladenden Tresen und steuerte den Flur an, welchen ihm die Rezeptionistin gewiesen hatte. Sein Bick glitt über die verkleideten Wände und er biss sich auf die Unterlippe.

Schon wieder Marmor. So langsam wurde das langweilig.

Mit einem leisen Pling öffneten sich die auf Hochglanz polierten Metalltüren des Aufzugs und Alex trat ein. In erstaunlicher Geschwindigkeit verfrachtete ihn der Lift in die siebte Etage und gab mit einem erneuten Pling den Blick auf einen langen, recht dunklen Flur preis.

Immerhin kein Marmor, schloss Alex und trat aus dem Lift auf einen weichen Teppich, der sich unter seinen Füßen anfühlte wie feuchter Waldboden. Er fraß einen jeden seiner Schritte.

Die dunkle Tür am Ende des Ganges konnte man kaum übersehen. Mit einem resoluten Klopfen wartete Alex auf Einlass.

„Komm herein!“, ertönte auch schon die Stimme des Managers auf der anderen Seite.

„Guten Morgen, Dimitrios“, hörte Alex sich sagen, noch ehe er die Tür zur Gänze geöffnet hatte. Sie gab den Blick frei auf ein mehr als großzügig geschnittenes Büro mit einer herrlichen Aussicht auf das Meer. Vor der Glasfront saß Dimitrios an einem massiven Holzschreibtisch und ließ soeben seinen Stift sinken. Er trug denselben mausgrauen Anzug wie am Vortag.

„Alexander!“ Dimitrios sprang von seinem opulenten Schreibtisch auf und kam mit einer ausladenden Geste auf Ihn zu.

„Wie war deine erste Nacht im Resort?“, fragte er unumwunden und bedeutete Alex nach einem kräftigen Händedruck, es sich auf einem Chesterfieldsofa in der Ecke des geräumigen Zimmers gemütlich zu machen. Alex verkniff sich bei dieser Frage ein Grinsen.

Interessant war die Beschreibung, die ihm als erstes zu den Vorkommnissen in den Sinn kam. Aber er würde sich hüten, dies laut auszusprechen.

„Sehr erholsam, Dimitrios. Danke der Nachfrage“, entgegnete er stattdessen und überschlug die Beine. Dimitrios nickte zufrieden und ließ sich Alex gegenüber in den zur Couch passenden Sessel fallen.

„Was führt dich zu mir?“, fragte er und überschlug ebenfalls die Beine, welche er mit seinen langen Fingern umgriff.

„Zuallererst mal der Innenarchitekt“, lachte Alex und legte seinen Arm auf die Rückenlehne. „Er scheint ein Faible für Marmor gehabt zu haben“, fuhr er fort. Dimitrios blinzelte einmal kurz, fing dann aber an zu lachen.

„Ah, du meinst unseren OP-Saal.“

Nun war es an Alex zu blinzeln, ehe er sich ein Lachen nicht mehr verkneifen konnte.

„So kann man das Foyer auch bezeichnen“, gluckste er. „Mir kam eher eine Zahnarztpraxis in den Sinn.“

Dimitrios neigte wissend den Kopf.

„Ich müsste in meinen Unterlagen nachsehen, welcher Innenarchitekt sich dafür verantwortlich zeichnet. Aber so, wie ich das verstehe, möchtest du ihn für keine weiteren Aufträge engagieren?“

Alex schüttelte entschieden mit dem Kopf.

„Eher weniger. Es ist schon sehr-“

„Kühl?“, vollendete Dimitrios seinen Satz und deutete mit fragendem Gesichtsausdruck auf ein weiteres Modell der Kaffeemaschine, die Alex auch in seiner Suite vorgefunden hatte.

„Nein, vielen Dank.“ Alex schüttelte ablehnend den Kopf. „Ich hatte eben Tee zum Frühstück.“

Naja, zumindest einen Schluck. Von so etwas ähnlichem wie Tee. Mit ganz viel Fantasie…

„Du kannst gerne einen neuen Innenarchitekten engagieren und umdekorieren lassen“, sagte Dimitrios, während er aufstand und sich an der Maschine zu schaffen machte. „Ich wäre dir nicht böse drum.“

Der bekannte Duft nach Kaffee erfüllte den Raum.

„Dann bin ich ja beruhigt“, nickte Alex und überlegte nun, wie er nach dem eher unverfänglichen Einstieg auf das doch recht heikle Thema Personal und Arbeitszeiten kommen konnte.

„Woher rekrutiert ihr eigentlich euer Personal?“, entschied er sich schließlich für einen Anfang und blickte auf den in grau gekleideten Rücken.

„Auf den üblichen Wegen. Stellenausschreibungen, Abwerbungen über Head Hunter…“, erklärte es Dimitrios Richtung laufender Kaffeemaschine. „Wir haben auch viele Absolventen der einschlägigen Hotelfachschulen angeheuert.“

Aha. Alex zog die Augenbrauen hoch. Er würde seine Hand dafür ins Feuer legen, dass Sotirios zur letzteren Kategorie gehörte.

„Wieso fragst du?“

Dimitrios drehte sich mit seiner Tasse in der Hand zu ihm um. „Bist du mit dem Service unzufrieden?“

Alex erhob in einer abwehrenden Geste die Hände.

„Nein, nein. Ganz im Gegenteil, der Service ist vorzüglich, daher die Frage.“

Dimitrios quittierte seine Aussage mit einem zufriedenen Lächeln auf den hageren Zügen.

Alex biss sich einen Moment lang auf die Unterlippe und hoffte, dass Dimitrios es nicht mitbekam.

„Der junge Kellner, der mich heute früh bediente, sah nur fürchterlich müde aus. Er war gestern Abend schon beim Dinner und es wurde doch recht spät“, setzte er erneut vorsichtig an und beobachtete die Regungen auf dem Gesicht des Managers. Dieser blickte ausdruckslos in seine Tasse und rührte mit dem Löffel den Kaffee um.

Wie von Zauberhand waren bei seinen Worten die erhitzten Wangen und der erschrockene Blick aus blauen Augen zurück in Alex‘ Geist geflutet. Er musste sich zusammenreißen eine neutrale Miene an den Tag zu legen und sich seine… interessanten Gedanken nicht anmerken zu lassen.

Dimitrios nickte erneut langsam und ließ den Löffel auf die Untertasse sinken, ehe er aufsah:

„Wir halten uns selbstverständlich an die gesetzlichen Vorgaben“, entgegnete er gedehnt und blickte über den Tassenrand zu Alex herüber. „Aber ich denke, ich weiß, worauf du hinauswillst. HR ist bereits dabei, weiteres Personal zu rekrutieren. Wir hatten nicht mit der vollen Auslastung in der ersten Saison gerechnet.“

Alex zog verwundert die Augenbraue hoch.

Wer hätte denn auch damit rechnen können, dass ein exklusives Hotel gerne gebucht wurde?

„Das sollte doch machbar sein. Schließlich ist das hier ein hervorragendes Hotel“. Alex zwinkerte ihm zu. Dimitrios grinste.

„Natürlich. Und wir zahlen überdurchschnittlich. Leider sind wir nicht das einzige Hotel, das in der Hochsaison dringend professionelle Verstärkung sucht.“ Er seufzte leise. „Aber ich denke, es wird sich bis zur kommenden Saison eingependelt haben. Bisher erreichten uns noch keine Klagen.“

Alex blickte aus dem Fenster. Er verbiss sich den Kommentar, dass frisch von der Hotelfachschule kommende, hübsche Kellner eher bis zur Erschöpfung Bestellungen aufnehmen würden, als sich zu beschweren. Professionalität hin oder her, der Arbeitsmarkt in Griechenland war nach wie vor ein Schlachtfeld.

Dimitrios räusperte sich leise.

„Mir ist schon klar, dass du mit den Hufen scharrst, dir alles einmal genau anzusehen“, gestand er und pustete in seine Tasse.

Alex wandte den Kopf und sah ihn fragend an.

„Ich habe Mr. Pappos, den Servicemanager der Gastronomie, darüber in Kenntnis gesetzt, dass er sich gut um dich zu kümmern hat“, fuhr Dimitrios unbeeindruckt fort.

Alex entglitten für einen Moment die Gesichtszüge.

Kümmern?“, fragte er mit schneidendem Unterton in der Stimme. Der Manager grinste.

„Er wird dir mit Sicherheit gerne die Anlage zeigen – auch die Bereiche, zu denen Gäste normalerweise keinen Zutritt haben. Dort kannst du dich persönlich vom Wohlergehen der Mitarbeiter überzeugen. Kann ich dich damit ein wenig besänftigen?“

Alex nickte bedächtig.

„Sag ihm aber bitte, dass er nicht ein solches Aufheben um mich machen soll. Das ist ja schrecklich. Dieser Special Guest Status mag mir so überhaupt nicht gefallen“, gestand Alex und verschränkte die Arme vor der Brust. Dimitrios lächelte milde in seinen Kaffee hinein.

„Sei unbesorgt, er wird sich am Riemen reißen. Es wissen sowieso nur eine Handvoll Mitarbeiter. Und weswegen du wirklich hier bist, weiß niemand außer mir.“

Und dabei sollte es auch bleiben, schoss es Alex durch den Kopf.

Dimitrios sah von seiner Tasse auf, herüber zur Uhr über der Tür.

„Kurz nach Elf, das Frühstücksbuffet sollte beendet sein. Soll ich Mr. Pappos rufen lassen, dass ihr gleich loslegen könnt, oder hast du andere Pläne?“

Alex sah überrascht auf. Nun ja, warum nicht.

„Nein, keinerlei Pläne für heute. Ruf ihn ruhig her.“

Viel lieber hätte er sich von dem hübschen Lockenschopf durch die Anlage führen lassen, aber das behielt er wohlweißlich für sich.


*



„Das sind die Unterkünfte der Servicekräfte“, erklärte Mr. Pappos gönnerhaft, während sie gemächlichen Schrittes durch die Blumenrabatten gingen. In einer Geschwindigkeit, die er niemals von dem dicklichen Mann erwartet hätte, war dieser nach Dimitrios‘ Anruf im Büro des Managers erschienen und hatte sich schier überschlagen vor Freude, Alex die Anlage zeigen zu dürfen. Falls das überhaupt noch möglich gewesen war, war seine Laune noch mehr gestiegen, als Alex ihm anbot, sich auf Griechisch zu unterhalten. Zum einen machte es das mit Sicherheit angenehmer für ihn und Alex bekam Gelegenheit, seine doch etwas eingerosteten Sprachkenntnisse vor seinem Kundentermin noch ein wenig aufzufrischen.

Interessiert besah sich Alex das längliche Gebäude mit einer Vielzahl an Türen, welche allesamt zu einem kleinen Appartement führten.

„Die Unterkünfte der Mitarbeiter sind voll ausgestattet mit Küche, Nasszelle, Schlafmöglichkeit“, schwadronierte Mr. Pappos weiter. „Sie können stets direkt einziehen.“

Alex kam nicht umhin sich zu fragen, hinter welcher der vielen Türen Sotirios grade wohl hoffentlich den Schlaf der Gerechten schlief. Er hoffte inständig, dass sich der Junge für den restlichen Tag die Ruhe antat.

Beinahe am Ende der üppigen Blumenbeete angekommen, blieben sie stehen.

„Vielen Dank Mr. Pappos, ich denke, ich bin nun hinreichend im Bilde“, gestand Alex und ihm schwirrte mittlerweile der Schädel von all den Informationen, die in den letzten zwei Stunden auf ihn herniedergeprasselt waren.

Kurzgefasst: er hatte sich ein gutes Hotel ausgesucht. Die Langfassung hatte ihn durch Küche, Wäscherei, Wellnessbereich, Sportanlage, IT und letztlich zu den Unterkünften der Servicekräfte geführt.

Ioannis wollte grade etwas erwidern, als ihn etwas verärgert die Augenbrauen zusammenziehen ließ.

Alex folgte seinem Blick.

Aus dem Blumenbeet war eine kleine getigerte Katze gehüpft, die sich nun gemütlichen Schrittes und mit hocherhobenem Schwanz auf sie zubewegte.

„Ach herrje, ja. Diese Katzen. Eine Plage, sage ich Ihnen. Wir werden sie einfach nicht los“, stöhnte der Serviceleiter und trat einen Schritt zurück als die Katze sich grade an seinem Hosenbein mit der messerscharfen Bügelfalte reiben wollte. Alex besah sich das kleine Tierchen, das nun interessiert zu ihm aufblickte. In den Schnurrhaaren fanden sich noch einige Perlen weißer Flüssigkeit, die Alex bei genauerem Hinsehen als Milch identifizierte.

„Das wird auch schwierig werden, wenn jemand sie in der Anlage füttert“, lachte Alex und ging vor dem Tier in die Hocke.

„Die Kleine hat ja noch Milchreste um die Schnauze kleben.“

Sein Gegenüber stöhnte erneut. Diesmal kehliger.

„Ja, die Gäste meinen sie würden damit ein gutes Werk tun…“ Er zog die breiten Schultern hoch.

Alex hatte grade seine Hand ausgestreckt und wollte der Katze über den Kopf fahren, als ein lautes Knallen – wahrscheinlich das Zuschlagen einer Tür – ihr durch alle Glieder fuhr. Verschreckt sprang sie zurück in die Blumenrabatten und war nicht mehr gesehen. Enttäuscht richtete Alex sich wieder auf und blinzelte gegen die grelle Mittagssonne an.

Nicht nur Mr. Pappos stand der Schweiß auf der Stirn.

„Ich bedanke mich herzlich für die ausgiebige Führung.“ Er nickte ihm zu. „Aber ich glaube, so langsam brauche ich eine Dusche.“

Mr. Pappos nickte verständnisvoll. „Ich werde mich auch wieder zurück zum Restaurant begeben. Sollten Sie noch Fragen haben, scheuen Sie sich bitte nicht, mich anzusprechen.“

Alex lächelte verbindlich und machte innerlich drei Kreuzzeichen als sich Mr. Pappos zum Gehen wandte. Er blickte dem Rücken in dem definitiv eine Nummer zu kleinem Anzug einen Moment lang hinterher, ehe er sich in die entgegengesetzte Richtung umwandte.

Er war noch keine drei Schritte den Weg entlanggelaufen, als die kleine Tigerkatze mit einem großen Satz erneut direkt vor seine Füße sprang und ihn verlangend mit einem hohen Stimmchen anmaunzte.

„Du solltest dich hier nicht so offensichtlich blicken lassen“, flüsterte Alex und ging vor der ihn mit großen Augen ansehenden Katze in die Hocke. Er hatte vorsichtig seine Hand ausgestreckt, gegen die sie sogleich ihren Kopf stupste. Mit einem zufriedenen Lächeln auf dem Gesicht streichelte Alex das Tierchen unter dem Kinn. Ein leises Schnurren drang an seine Ohren.

„Dir geht’s gut, was?“, lächelte er und wischte ihr mit dem Handrücken die Milchreste aus dem Schnurrbart. Sie schnurrte noch ein wenig lauter und warf sich auf den warmen Beton des Gehwegs.

„Ach je…“, lachte Alex und begann den flauschigen Bauch zu kraulen. „Mäuschen, ich werde hier aber langsam gebraten… wie hältst du das denn aus?“

Sie blinzelte ihn müde an als habe sie ihn verstanden, wüsste aber auch keine Antwort auf seine Frage.

„Katze müsste man sein“, murmelte Alex und stand nach einem letzten Tätscheln ihres Kopfes auf. Sie blieb liegen und sah ihm träge hinterher.

Eilig machte sich Alex an den Rückweg zu seiner Suite.

Er brauchte jetzt eine Abkühlung. Dringend.

Alex hatte die Tür zu seiner Suite noch nicht ganz hinter sich ins Schloss gezogen, da zerrte er sich auch schon das Hemd von den Schultern und schlüpfte aus der Hose. Federnden Schrittes ging er die Wendeltreppe hinab ins Wohnzimmer und sprang splitternackt kopfüber in den einladenden Pool.

Das Wasser war leider wärmer als gedacht aber trotzdem ein willkommener Kontrast zur sengenden Mittagshitze. Er blieb so lange unter Wasser, bis seine Lungen zu schmerzen begannen und nach Sauerstoff schrien. Mit einem tiefen Atemzug platzte Alex an die Wasseroberfläche und strich sich mit beiden Händen die nassen Haare hinter die Ohren.

Eine gute Sache hatte so ein Privatpool: man musste sich definitiv keine Gedanken um andere Leute oder um Anstand machen. Er konnte so nackt schwimmen, wie er wollte. Was er durchaus genoss. Allerdings, und das merkte Alex schneller als ihm lieb war, war der Pool wohl tatsächlich eher für eine kurze Abkühlung oder entspannte Stündchen konzipiert worden, als dass man wirklich Bahnen in ihm ziehen konnte. Nach fünf beherzten Zügen hatte Alex das andere Ende des Pools erreicht und ließ sich leicht verstimmt gegen die geflieste Wand sinken. Nachdenklich verschränkte er die Arme vor der Brust und besah sich den Pool, als habe dieser ihn persönlich beleidigt.

Das war irgendwie unbefriedigend.

Mh… so wie er das sah, gab es nur zwei Alternativen: sich entweder mit seinem Pool zufriedenzugeben und die Privatsphäre zu genießen oder aber in die Badehose zu hüpfen und einen der zwei öffentlichen Hotelpools aufzusuchen. Er neigte leicht den Kopf zur Seite, entschied sich dann aber kurzerhand aus dem Bauch heraus für die letztere Option. Er hatte sich schließlich vorgenommen, sich das Hotel genau anzusehen, also zählten auch die öffentlichen Pools dazu. Eine feine Spur aus Wassertropfen hinter sich herziehend, ging Alex zurück ins Wohnzimmer und trocknete sich halbherzig ab, ehe er sich daranmachte, seine Badehose aus den Tiefen des Koffers zur fischen. Im Hinausgehen griff er sich nebst Handtuch noch den Reiseführer vom Schreibtisch. Vielleicht lenkte ihn die Lektüre ja von den immer wiederkehrenden Gedanken an marineblaue Augen ab.
Review schreiben
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast