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The Guest

von Eisteufel
Kurzbeschreibung
GeschichteRomance, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
07.11.2021
06.01.2022
19
34.298
11
Alle Kapitel
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28.11.2021 2.360
 
Kapitel 10
Stromausfall


Der Blick, den Sotirios Alex nach diesen Worten zuwarf, war eine bunte Mischung aus allen möglichen und unmöglichen Gefühlsregungen, die auf dem schmalen Gesicht um die Vorherrschaft rangen. Das Ergebnis war eine ziemlich entgleiste Mimik, die Alex ein resigniertes Seufzen abrang.

„Meine Güte, so schrecklich ist das Angebot nun auch wieder nicht“, kommentierte er trocken die Reaktion des Jungen. Er konnte spüren, wie seine Augenbraue in die Höhe schnellte, noch ehe er es verhindern konnte.

Herrje, das war auch eine Angewohnheit von ihm.

Immerhin, sein Kommentar riss Sotirios aus seiner apathischen Starre. Als seien alle Lebensgeister auf einmal zurück in seinen Körper gefahren, zuckte er zusammen und riss die Augen auf.

„Das… nein, so meine ich das nicht, das Angebot ist großartig, wirklich großartig, nur… das… das kann ich nicht annehmen!“ Sotirios haspelte die Worte so schnell herunter,  dass Alex Probleme hatte, gedanklich hinterherzukommen.

„Wenn mich jemand vom Hotelpersonal sehen würde…“, setzte Sotirios noch einen Tick schneller hinterher und sah Alex hilflos an.

„Undenkbar.“

Alex sah ihn überrascht an.

Ach, daher wehte der Wind.

So langsam verstand er. Es ging ihm nur darum, dass sie niemand dabei sehen würde, wie sie…

Alex begann unweigerlich zu grinsen. Das machte natürlich Sinn und erklärte so einiges an Sotirios‘ seltsamen Verhalten. Wobei er die Vorsichtsmaßnahmen, die Sotirios allem Anschein nach ergriff, doch ein wenig überzogen fand. In seinem privaten Pool, fernab von allen Blicken, würde doch niemand Sotirios sehen können.

Außer ihm natürlich.

Alex wollte grade seinen Einwand anbringen, als Sotirios nach einer kurzen Atempause erneut ansetzte:

„Abgesehen davon, habe ich überhaupt nichts zum Schwimmen dabei.“

Er blickte bei diesen Worten wie ein kleiner, begossener Pudel herab zu seinen Füßen. Der feine Rotfilm auf den Wangenknochen war einem satten Glühen gewichen.

Herrje… dann kam zu allem Überfluss auch noch die Schüchternheit dazu. Da musste er sich wohl oder übel doch ein wenig klarer zu verstehen geben, damit Sotirios endgültig verstand.

„Als würde mich das stören“, entgegnete er daher mit einem Augenzwinkern, ehe er sich herumdrehte und mit dem unverrückbaren Grinsen kopfüber in das glitzernde Wasser sprang. Er konnte die perplexen Blicke aus wunderschönen, blauen Augen wie feine Nadelstiche auf seinem Rücken spüren. Das Wasser war noch genauso kühl, wie er es in Erinnerung hatte. Mit zwei kräftigen Zügen schwamm er herüber zum Beckenrand, tauchte auf und lehnte sich mit dem Rücken gegen die geflieste Wand.

„Sehr erfrischend“, lachte er und stützte sich mit den Ellenbogen am Rand ab. Sotirios‘ Blick klebte förmlich an ihm, folgte den einzelnen Wassertropfen, wie sie seine Brust herabrannen.

„Das Angebot steht noch“, setzte Alex daher lachend hinterher und deutete einladend mit dem Kinn in Richtung Pool. Unschlüssig hielt Sotirios sein Weinglas umklammert, drehte es hibbelig in seinen Händen hin und her.

„Vielleicht können wir uns auf einen Kompromiss einigen“, flüsterte er schließlich und machte einen vorsichtigen Schritt auf den Pool zu. Schweigend beobachtete Alex, wie Sotirios sich Schuhe und Socken von den Füßen zog, die Hosenbeine der schwarzen Stoffhose bis zum Knie hochkrempelte und sich – noch immer mit dem Glas bewaffnet, als würde es ihm in irgendeiner Art und Weise Rettung versprechen – an den Rand des Pools setzte. Prüfend streckte er seine Füße ins Wasser.

Zwar nicht das, was Alex sich erhofft hatte, aber immerhin lief er schon einmal nicht mit hochrotem Kopf weg. Das wertete Alex durchaus als Erfolg.

„Das ist ja wirklich erfrischend“, stellte Sotirios überrascht klingend fest als das Wasser über seinen Fußknöcheln zusammenschlug. Alex legte leicht verwundert den Kopf schief.

„Dachtest du, ich lüge dich an, nur um dich in den Pool zu locken?“

Sotirios lächelte verlegen, antwortete jedoch nicht. Stattdessen hob er den Blick und sah fasziniert auf zu den kleinen LED-Lichtern, die die Pergola über ihren Köpfen erhellten, wie ein künstliches Sternenzelt. Die kleinen Lämpchen malten zarte Muster auf das feingeschnittene Gesicht.

Alex beließ es dabei.

In den Pool locken? -  Ja, definitiv.

Aber dafür brauchte er keine Lügen.

„An was denkst du?“, fragte er schließlich, nachdem sich Sotirios nicht von den Lichtpunkten losreißen konnte und schwamm langsam zu seiner Seite des Pools herüber. Abwartend verschränkte er die Arme auf dem Poolrand und sah zu dem schmalen Jungen neben sich auf.

Herrje, was hatte er da eigentlich vor?

Sotirios sah in dem indirekten Licht so jung aus, dass er sich beinah schlecht dabei fühlte, ihn so ungemein anziehend zu finden.

Der schlanke Körper begann sich neben ihm zu regen und Alex sah interessiert zu ihm auf.

„Daran, wie anstrengend die letzten Tage waren.“ Seine Stimme klang müde.

Endlich ließ Sotirios den lockigen Kopf sinken und blickte stattdessen zu dem halbleeren Glas in seinem Schoß herab. Der Wein musste mittlerweile warm sein. Alex machte sich die mentale Notiz, definitiv keinen Merlot mehr für ihn zu ordern. Tapfer nahm Sotirios einen weiteren großen Schluck und beäugte Alex mit skeptisch zusammengezogenen Augenbrauen über den dünnen Glasrand hinweg.

Was kam denn jetzt?

Sotirios schluckte unter sichtlichem Widerwillen den Wein herunter.

„Und für einen Großteil der Anstrengung bist du verantwortlich.“

Von dieser unerwarteten Aussage vollends überrascht, zog Alex verdattert die Augenbrauen in die Höhe.

Bitte?

„Ja, du“, fuhr Sotirios auch schon unbeirrt fort, als habe er seine Gedanken lesen können. „Die vielen Extrawünsche, der Merlot, der Anzug – was eigentlich nur passiert ist, weil du einfach nicht in die Bar gehen wolltest - der seltsame Tee, den sonst keiner mag-“

„Zu meiner Ehrenrettung: ich bin Brite“, unterbrach ihn Alex verlegen lachend und hielt die Arme in einer gespielt abwehrenden Geste vor sich. „Und mir war nicht bewusst, dass ich unbedingt hätte in die Bar gehen sollen. Das klang gestern Abend ganz anders.“

Und wie das anders geklungen hatte!

Aber dann hatte er mit seiner Vermutung doch richtig gelegen, dass er elegant aus dem Restaurant hinauskomplementiert werden sollte…

Alex seufzte leise und ließ die Arme stockend sinken.

„Was du mir da durch die Blume zu verstehen geben möchtest, ist: alles in allem bin ich ein verdammt anstrengender Gast.“

Sotirios verschluckte sich beinah an dem letzten Schluck Wein, den er herunterwürgen wollte. Er riss die blauen Augen weit auf.

„Oh Gott nein, da gibt es noch viel-“

„Schlimmere“, vollendete Alex deprimiert seinen Satz und ging gedanklich ein jedes ihrer Treffen im Schnelldurchlauf durch. Hatte er sich wirklich so danebenbenommen? Woraus konnte man ihm denn einen Strick drehen? Hatte er ihn mit irgendetwas beleidigt?

Er konnte die nagenden Fragen nicht beantworten. Und er bezweifelte, dass Sotirios ihm eine ehrliche Antwort darauf geben würde, selbst wenn er ihn fragte. Soviel verstand er mittlerweile von dem schweigsamen Kellner. Selbst dieser letzte Kommentar war mit Sicherheit mehr dem Wein, als allem anderen geschuldet. Seine Wangen waren nach wie vor feuerrot. Vielleicht konnte er es anders aufziehen.

„Arbeitest du gern hier?“, fragte Alex nun die etwas unverfänglichere Variante der Frage, die er ihm viel lieber gestellt hätte. Doch selbst diese Frage schien für den jungen Kellner schon zu persönlich zu sein. Abwehrend zog er die schmalen Schultern hoch, sein Blick wurde kühl.

„Warum fragst du?“, beantwortete er Alex‘ Frage mit einer spitzen Gegenfrage. Alex entschied sich für ein kurzes, falsches Lachen, da er nicht wusste, was er sonst tun sollte und versuchte ihm einen aufmunternden Blick zuzuwerfen.

„Weil ich von der Antwort abhängig machen werde, ob ich die letzte Aussage von dir persönlich nehme, oder nicht.“

Die Schultern sanken so schnell wieder nach unten, wie er sie hochgezogen hatte. Für einen Moment sah es so aus, als wolle sich Sotirios einfach nur kopfüber in der Neige seines Glases ertränken.

Das leise Platschen von Wasser drang an Alex‘ Ohren, als Sotirios begann, langsam seine Füße auf und ab zu bewegen.

„Es ist ein guter Job“, setzte er schließlich an und seine Stimme klang seltsam belegt. „Die wachsen in Griechenland nicht grade auf Bäumen, weißt du? Und das Gianna Resort ist ein sehr gutes Hotel.“

Abwartend legte Alex seinen Kopf auf seine verschränkten Arme. Die Wirtschaftskrise hatte tiefe Spuren in Griechenland hinterlassen. Dessen war er sich mehr als bewusst. Die Arbeitslosenrate bei jungen Erwachsenen war immens. So wie sich das anhörte, war dies definitiv nicht Sotirios‘ Traumjob.

„Das beantwortet meine Frage nicht“, entgegnete Alex sanft.

„Magst du deinen Job denn?“ Sotirios riss den Kopf herum und sah ihm das erste Mal an diesem Abend direkt in die Augen. Das Blau war kaum mehr zu erkennen, so sehr waren seine Pupillen geweitet.

Wieder so eine kluge Gegenfrage. Alex überlegte kurz.

Mochte er seinen Job?

Immobilieninvestor… tja… was konnte man daran mögen?

Er mochte das Reisen, soviel stand fest. Nicht für den Rest seines Lebens im schäbigen Manchester bei seiner engstirnigen Familie festzusitzen, hatte definitiv seinen Reiz. Aber an und für sich… hatte er seinen Job bisher nicht wirklich gemocht. Es war ein notwendiges Übel – das Familiengeschäft. Wobei er sich ja nun endlich mit der Hotellerie – wie sein Vater es so schön nannte – versuchte auf andere Pfade zu begeben. Der Hauch eines Lächelns schlich sich bei diesem Gedanken auf seine Lippen. Schon seltsam, wie das Schicksal manchmal spielte. Ohne diesen neuen Pfad, wäre ihm Sotirios wahrscheinlich nie über den Weg gelaufen.

„Ob du es glaubst, oder nicht, ich mochte meinen Job eine ganze Zeit lang überhaupt nicht“, beantworte Alex die Frage daher ehrlich und spürte, wie bei diesen Worten sein Lächeln immer breiter wurde. „Aber im Moment scheint es endlich bergauf zu gehen.“ - Dank eines gewissen, schweigsamen Kellners.

Eben jener Kellner nickte kaum merklich und wandte den Kopf erneut ab. Der Ausdruck auf seinem Gesicht wollte Alex jedoch überhaupt nicht gefallen. Hatte er ihn mit seiner Aussage jetzt beschämt?

„Jetzt schau nicht so, Sotirios. Ich lasse deine Antwort mal gelten und nehme die Sache nicht persönlich.“

„Nenn mich bitte nicht Sotirios, ich-“

Er kam nicht mehr dazu auszusprechen. Mit einem lauten Knall wurde es schlagartig pechschwarz um sie herum. Die kleinen Lämpchen über ihren Köpfen verloschen urplötzlich und auch der Pool versank in Dunkelheit. Verwirrt blickte sich Alex um, doch er konnte absolut nichts erkennen. Sein Herz pochte ihm bis in die Kehle hinauf.

Was war das denn grade?

Doch das leise, seltsam resigniert klingende Seufzen neben ihm, ließ ihn ein wenig ruhiger werden. Erwartungsvoll, obwohl er wusste, dass Sotirios ihn ebenso wenig sehen konnte, wie er ihn, blickte er in seine Richtung.

„Das Gewitter“, erklärte Sotirios mit von Gewohnheit zeugender Gelassenheit in der Stimme. Ein leises Klirren erklang, er musste sein Glas neben sich auf den Poolrand abgestellt haben. „Das passiert hier öfter, ein Blitz ist wahrscheinlich bei Rhodos Stadt in das Umspannwerk eingeschlagen. In ein paar Minuten setzen die Dieselgeneratoren des Hotels ein.“

Alex blinzelte gegen die Dunkelheit an. Er konnte sein Glück kaum fassen.

In seinem Inneren hüpfte und jubilierte alles.

Ein Stromausfall! Nein, wie passend!

„Das bedeutet, bis dahin hat das ganze Hotel keinen Strom?“, hakte er so unauffällig wie nur möglich klingend nach und rutschte geräuschlos ein wenig näher an Sotirios heran.

„Genau, für die paar Minuten herrscht finsterste Nacht.“ Sotirios lachte leise.

Das löste mit einem Schlag all seine Probleme.

Sotirios wollte nicht gesehen werden?

In dieser Dunkelheit war es unmöglich irgendetwas zu sehen. Erst recht keine hübschen Kellner, die sich im Pool vergnügten. Er konnte das Grinsen nicht mehr zurückhalten. Und eine Frage brannte ihm wie siedendes Eisen unter den Fingernägeln.

Nenn mich nicht Sotirios. – Wie sollte er ihn denn dann nennen?

Mit einem großen Zug schwamm Alex näher an Sotirios heran, bis er sich direkt vor ihm wähnte.

„Dann habe ich immerhin ein paar Minuten“, flüsterte er mit rauer Stimme und streckte vorsichtig in der Dunkelheit tastend die Hände nach ihm aus.

„Minuten wofür de-“

Seine Finger bekamen seine Unterarme zu fassen, der dünne Stoff des Hemdes kitzelte ihn unter den Fingerkuppen und mit einem beherzten Ruck zog Alex Sotirios zu sich in den Pool. Ein lautes Platschen erklang, Wasser spritzte auf und endlich hatte Alex Sotirios bei sich im Pool.

Laut prustend platzte Sotirios an die Wasseroberfläche.

„Was zur Hölle-“ Seine Stimme schnappte über. Er stockte einen Moment, als er den Griff um seine Arme bemerkte. Sotirios zog und zerrte an seinen Unterarmen, versuchte sich krampfhaft aus der Umklammerung zu lösen, doch führte dies nur dazu, dass er hinterrücks gegen die Poolwand prallte.

Oh verdammt, er sollte sich nicht wehtun.

Mit einem großen Schritt trat er näher an ihn heran, bis seine Brust die seine berührte und er ihn mit dem Gewicht seines Oberkörpers an Ort und Stelle halten konnte. Endlich beruhigte sich Sotirios und die Gegenwehr erstarb.

Alex konnte seinen Pulsschlag unter seinen Handflächen spüren und die Wärme, die der Körper so nah an dem seinen ausstrahlte.

„Um den Faden wieder aufzunehmen…“, flüsterte er in Sotirios‘ Ohr und ein heißes Ziehen zuckte bis in seinen Schoß, als er spürte, wie Sotirios unter seinen Fingern zu beben begann. Langsam ließ Alex Sotirios‘ Handgelenke los und wanderte seine Schultern hinauf. Er konnte sie problemlos mit seinen Händen umschließen. Herrje, der Junge war wirklich schmächtig.

„Wie soll man dich denn nennen?“

Es war nicht viel mehr als ein Raunen, das seiner Kehle entkam. Auf die Antwort war er mehr als gespannt.

Alex intensivierte sacht den Druck auf die schmalen Schultern und lehnte sich weiter nach vorne. Er konnte spüren, wie Sotirios hart schlucken musste.

„Soti“, wisperte er und zuckte zusammen als Alex‘ Hände die nackte Haut seines Halses erreichten.

Soti?

Alex musste lächeln.

Ein interessanter Name. Und sehr passend. Langsam ließ Alex seine Hand weiter an Sotis Hals hinaufwandern. Mit Daumen und Zeigefinger zwang er ihn mit sanfter Gewalt den Kopf in den Nacken zu legen. Er musste sich zusammenreißen, um jetzt nicht auf den letzten Metern die Beherrschung zu verlieren.

„Freut mich sehr, Soti. Wie ich bereits sagte: ich bin Alex.“

Und mit diesen Worten überbrückte er den minimalen noch verbliebenen Abstand zwischen ihnen und gab dem inneren Drang nach, den schüchternen Jungen einfach nur noch küssen zu wollen. Mit Nachdruck presste er seine Lippen auf die Sotis. Er war dabei auf alles gefasst.

Treten, Schreien, brachiales von sich Wegschubsen. Doch nichts von dem geschah. Mit flatternden Lidern schloss Alex die Augen. In seinem Magen zog sich alles vor Freude zusammen.

Er hatte es sich nicht eingebildet.

Der Körper unter seinen Fingern entspannte sich langsam und Soti gewährte seiner Zunge Einlass. Ein leises Stöhnen, das Alex augenblicklich hart werden ließ, entkam den geöffneten Lippen.
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