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Abenteuerliche Kurzgeschichten in der Welt von WoW

Kurzbeschreibung
SammlungAbenteuer / P12 / Gen
07.11.2021
19.12.2021
3
7.190
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19.12.2021 2.635
 
Angelerlebnisse

Unruhig schaute sich die Worgin Talida Weißmähne um. Es behagte ihr überhaupt nicht, dass sie ausgerechnet hier Seeskorpione angeln sollte. Rüstmeisterin Jolie hatte was gefaselt von „Notlage“ und dass Südhafen dringend mehr Nahrungsmittel braucht. Es sollte einen Schwarm geben, der frisch auf sie warten würde, da schon lange niemand mehr geangelt hatte. Sie würde eine so reiche Ausbeute haben, dass sie ein Festessen für alle geben konnten. Einer der Burschen aus dem Dorf hatte ihr sogar ein Floß gezimmert und ein kleines Fass darauf gestellt, in das sie den frischen Fang hineinwerfen konnte.
Talida war davon überzeugt, dass das alles nur eine rachsüchtige Art der Strafe war, weil der Worg Jacob Anders sich als Verräter an Sturmwind erwiesen hatte. Er hatte wichtige Informationen an die Orcs weitergegeben. Eine Schande für alle Worgen! Wenn er schon spionierte, dann hätte er sich nicht erwischen lassen dürfen!
Da stand sie nun auf einem Floß westlich von Südhafen und gar nicht so weit entfernt vom Lager der Blutmähnen. Die waren so gefährlich, dass eine junge Druidin wie sie niemals alleine dorthin gehen sollte. Doch wenn ihr Blick zum offenen Meer fiel, dann glitt ein Schauer über sie hinweg. Ihre Nackenhaare sträubten sich unwillig. Sie taugte einfach nicht zum Angeln. Da schienen ihr die Blutmähnen ein geringeres Übel zu sein. Doch ihr Ausbilder behauptete, dass Angeln eine gute Form der Meditation für sie sein könnte, um eins zu werden mit der Natur. Für jeden gefangenen Seeskorpion sollte sie danken. Außerdem sollte sie um reiche Beute bitten. Jedes Mal, wenn sie ihre Angel ins Meer warf, sollte sie auf die sanften Wellen achten. Sie sollte die Bewegungen des Meeres unter den Füßen spüren. Die Geräusche des Meeres wahrnehmen und sich bewusst machen, dass alles irgendwie zusammen gehörte. Jede Bewegung jedes Atmen: alles gespeist durch die gleiche Kraft.
Talida verzog ihr Gesicht. Das hatte sie nun davon, dass sie einen Pandaren als Lehrmeister bekommen hatte. Allmählich wurde ihr diese ganze Verbrüderung unter den Völkern zu viel. Ausgerechnet ein Pandare, der von Druiden keine Ahnung hatte. Da war ein Nachtelf noch besser! Warum nicht gleich jemanden von der Horde holen? Druidische Tauren waren sicherlich bessere Lehrmeister als schamanische Pandaren.
Warum hatte man ihr nicht einen Worgen als Druidenlehrer gegeben, der klar im Kopf war und sie niemals aufs Wasser geschickt hätte? Zumindest nicht so lange, bis sie ihre Schwimmgestalt erlangt hätte. Auf die konnte sie gerne verzichten. Sie wollte nicht schwimmen und schon gar nicht im Wasser jagen oder angeln! Wenn sie zu sehr an diese Wellenbewegung unter ihren Pfoten dachte, wurde es ihrem Magen ganz übel. Sie war doch kein Fisch, der im Wasser schwamm und Eins mit dem Ozean werden wollte! Sie war eine Worgin, die festen Boden unter den Füßen spüren wollte. Außerdem hatte sie entschieden, Kürschnerei zu erlernen. Da irgendein vorwitziger Gesell behauptet hatte, dass Bücher aus Tierhaut hergestellt wurden, hatte sie zunächst als zweite Berufswahl Inschriftenkunde gewählt. Da hatte sie aber schnell gemerkt, dass das eine absolute Fehlentscheidung gewesen war, und hatte darum entschieden, dass sie lieber Lederverarbeitung erlernen wollte.
Während sie die Angel erneut ins Wasser warf, knurrte sie verärgert. Was hatte Kürschnerei und Lederverarbeitung mit Fischerei zu tun? Sie hatte noch niemanden kennengelernt, der einen Fisch gekürschnert hatte. Die Tiere, die sie erlegte und häutete, tummelten sich an Land. Da hatte sie festen Boden unter den Füßen, nicht dieses unruhige, wackelige Floß! Da war ja sogar Kochen am Lagerfeuer spannender und sicherlich auch meditativer als dieses furchtbare Angeln.
Talida kam mehr und mehr zur Überzeugung, dass ihr Lehrer diese ganze Meditation Geschichte nur genannt hatte, weil er selber keine Lust hatte zu angeln. Da sie aber die nächsten Wochen in diesem Gebiet unter dem Schutz der Soldaten von Sturmwind sein würden, mussten sie sich irgendwie erkenntlich zeigen bei den Bewohnern. Und die waren leider keine Fleischesser, sondern vernarrt in Seeskorpione.
Vielleicht hatten die Einwohner sogar recht. Das Fleisch der Rylaks der Spaltzungen, die um Südhafen herumflogen und ihre Nester ganz in der Nähe hatten, schmeckte ziemlich ... bitterherb, ja, das traf es ganz gut. Es war nicht saftig und herrlich blutig, sondern zäh und auch nach langem Einweichen in Flüssigkeit einfach nur trocken und widerlich. Selbst die Eier waren schon von dem bitteren Geschmack durchdrungen. Vielleicht war das die Überlebensstrategie dieser Flugwesen. Niemand jagte ein so übelschmeckendes Tier.
Aber es gab ja noch andere Tiere in den umliegenden Bergen. Die Spitzen von Arak beherbergten Reviergeiferzähne, deren Haut ein sehr gutes Leder hergab, die riesigen, gebogenen Zähne konnten zu Trinkhörnern verarbeitet werden und das Fleisch ... mmh, eine Köstlichkeit! Wenn man nicht gerade ein altes Exemplar erjagte, schmeckte es würzig und herrlich wild, da brauchte man nicht einmal Kräuter, um den Geschmack zu verbessern! Allerdings musste man durch das Nistgebiet der Rylaks wandern, ehe man zu den Reviergreiferzähnen gelangte.
Talida war so sehr in ihrem Selbstmitleid und den Gedanken an eine gute Jagd versunken, dass sie viel zu spät das Untier bemerkte, das sich neugierig ihrem Floß genähert hatte. Vielleicht hatte auch das Auswerfen der Angel das Meerestier angelockt. Letzten Endes war es egal. Eine riesige Welle stieß gegen sie und das Floß wurde vom Wasser überspült. Mit einem Schrei sprang Talida in die Luft, als sie die Nässe an ihren Pfoten spürte.
Verdammt, das hätte sie besser nicht tun sollen! Das ohnehin schon kippelige Gefährt schwankte wild, als sie wieder auftraf. Dazu die imposanten Wellen des riesigen Fisches ... das Fass kullerte ins Wasser und alle gefangenen Seeskorpione entflohen. Doch das kümmerte Talida in dem Moment überhaupt nicht, denn sie fiel ins Wasser. Ihr Fell sog sich mit dem salzigen Nass voll. Das abscheuliche Zeug drang ihr in die Schnauze und sie musste niesen. Wild strampelte sie umher und hoffte, dass sie in die richtige Richtung strampelte. Im Moment sah sie nur Wasser um sich herum und wusste nicht, wo die Felsen waren, von denen sie aus gestartet war. Dafür spritzte es viel zu stark.
Ehe sie sich orientieren konnte, bemerkte sie das nächste Unglück. Der riesige Fisch kam direkt auf sie zu. Wie hatten die Anwohner dieses Seemonster genannt? Blutgierige Klingenflosse. Eigentlich sollten die nur mannsgroß sein. Aber das Exemplar dort vor ihr war mindestens zweimal so groß wie sie! Elende Menschen, dass sie immer so untertreiben mussten! Seemannsgarn erzählten wohl nur die Zwerge. Das auch noch! Während sie hilflos im salzigen Meerwasser herumplatschte, würde dieses elende Monster sie mit einem Happs verschlingen. Das durfte nicht sein! Sie war eine Worgin. Die starben im Kampf an Land, aber nicht im Magen eines Meeresungeheuers!
Talida Weißmähne wurde bewusst, dass sie mit der rechten Pfote noch immer diese unselige Angel umklammerte. Kein Wunder, dass sie nicht wirklich von der Stelle kam. Sie ließ los und griff an ihren Gürtel. Schon ertastete sie die Messerscheide. Ob das tatsächlich helfen konnte, wusste sie nicht, aber ein Messer war besser als gar nichts. Mit ihren Pfoten würde sie dieses glitschige, riesige Monstrum niemals besiegen. Jetzt riss das Vieh sein Maul auf und präsentierte lange scharfe Zähne. Entsetzt wurde Talida bewusst, dass jeder einzelne Zahn länger war als das Messer, das sie in Händen hielt. Außerdem wurde ihr bewusst, dass sie unter Wasser war und allmählich keinen Sauerstoff mehr in ihren Lungen hatte. Verdammt! Sie war Worgin und kein Fisch. Sie gehörte an Land und nicht ins Wasser.
Mit kräftigen Fuß- und Armbewegungen paddelte sie sich zur Oberfläche hoch. Dort holte sie tief Luft, um anschließend todesmutig wieder zu dem Ungeheuer hinab zu tauchen. Das Tier war viel zu groß, um ihm schwimmend zu entkommen. Es würde sie blitzschnell einholen. Sie musste sich dem ungleichen Kampf stellen. Dann würde sie wenigstens heroisch im Kampf sterben. Das war immer noch ehrenhafter, als von Magensäften tödlich zersetzt zu werden. Talida wartete gar nicht mehr darauf, dass das Wesen zu ihr kam. Sie paddelte auf das Tier zu und griff an.
Bei allen tapferen Helden der Welt, dieses Monster war furchteinflößender als jedes Landtier, das ihr jemals unters Messer gekommen war. Sie holte aus und merkte, dass nicht einmal das klappte. Das Wasser verlangsamte ihre Bewegung. Von wegen Ausholen! Sie würde sich eine andere Taktik überlegen müssen. Missmutig wurde ihr bewusst, dass sie nicht einmal ein Kampfgeheul ausstoßen konnte!
Talida entschloss sich, so dicht wie möglich an der Oberfläche entlang zu schwimmen. Sicher würde ihr das Ungetüm folgen und sie könnte jederzeit mit dem Kopf hochtauchen, um wertvollen Sauerstoff in ihre Lungen zu pumpen.
Gerade als sie nach oben paddelte, wurde ihr bewusst, dass dieses Riesenvieh offenbar angehalten hatte. Es näherte sich ihr gar nicht mehr. Konnte es sein, dass es von ihrem Hin- und Hergezappel derart verwirrt war, dass es erst einmal beobachten wollte, ehe es angriff? Ihr konnte es recht sein. Noch ein kräftiger Schwimmstoß und ihr Kopf gelangte wieder über Wasser. Sie holte tief Luft, dann tauchte sie erneut, dieses Mal nur knapp unter die Oberfläche, und schwamm auf das Monster zu. Dem hatte diese Beobachtungsphase wohl ausgereicht, denn jetzt kam es mit gefletschten Zähnen erneut herangeschwommen.
Schon wollte Talida wieder ausholen, um dann mit Schwung zuzustechen, als ihr die Sinnlosigkeit dieser Bewegung rechtzeitig bewusst wurde. Hastig fuhr sie mit dem Arm nach vorne. Sie musste kurze Stichbewegungen machen. Nur so hatte sie eine Chance, das Untier zu besiegen. Noch eine Paddelbewegung, dann war sie nah genug. Ihre Hand stieß nach vorn. Nur noch die Füße machten kräftige Schwimmbewegungen. Jetzt würde sie es diesem Monster zeigen! Auch unter Wasser waren Worgen mächtige Kämpfer! Zumindest redete Talida sich das so lange ein, bis ihr Messer an der dicken Haut einfach vorbeischrabbte ...
Fassungslos starrte sie auf die unverletzte Haut. Doch nicht sehr lange. Denn schon rammte das Wasserungeheuer gegen ihren Körper und schleuderte sie wie einen Spielball vor sich her. Das Monster kam direkt hinterher geschwommen. Mit seinem mächtigen Maul packte es Talida. Fauliger Atem drang ihr entgegen, als sich das Riesenmaul über ihren Kopf schloss. Jetzt war so weit. Wenn sie nicht am Gestank starb, den dieses Meeresungeheuer verströmte, dann aber durch diesen Biss. Sie wäre die erste in ihrer Familie, die nicht als ehrenhafte Kriegerin im Kampf starb, sondern wie ein nasses, hilfloses Bündel von einem Fisch verspeist wurde.
Talida spürte einen kräftigen Schmerz in ihren Schultern, danach wurde sie durchgeschüttelt. Statt eine allumfassende Schwärze zu sehen, nach der sie ins Reich der Toten hinüber gehen durfte, spürte sie frische Luft an ihrem Körper. Sie atmete hektisch ein. Ehe sie begreifen konnte, dass das Meeresungeheuer sie spielerisch hoch in die Luft warf, platschte sie schon zurück ins Wasser. Erneut gruben sich die messerscharfen Zähne in ihre Schultern. Wieder wurde sie hin und her geschleudert, bevor das Monster sie hoch schleuderte.
Was für ein erbärmlicher Tod, dachte Talida Weißmähne. Statt dass sich das Meeresungeheuer erbarmte und sie mit einem Biss erlöste, wollte es sie offenbar zu Tode schütteln.
Wieder platschte sie ins Wasser zurück. Doch diesmal konzentrierte sie sich auf ihre rechte Pfote, in der sie sonderbarerweise noch immer ihr Messer hielt. Außerdem erwachte ihr Instinkt. Sie war eine Worgin! Statt sich beißen und herumschleudern zu lassen, sollte sie ihre langen Krallen benutzen!
Als die Blutgierige Klingenflosse erneut angeschwommen kam, ließ sich Talida nicht hilflos beißen und durch die Luft wirbeln. Hastig strampelte sie sich etwas nach oben, drehte sich dann im Wasser, bis sie unter sich den glitschigen, glatten Körper sah. Sie holte aus. Die Krallen ihrer linken Pfote schlug sie so tief wie möglich in die dicke Haut. Mit der rechten Pfote stieß sie das Messer hinein ins Fleisch. Talida versuchte erst gar nicht, mit dem Messer längs an der Haut entlang zu schneiden. Es würde dort nur wieder abgleiten. Doch tief hineingestoßen, verschwand es bis zum Heft. So hatte sie gleich zwei Vorteile. Mit den Krallen und dem Messer war sie jetzt fest am Fischkörper fixiert. Es konnte sie nicht mehr so einfach packen und hochschleudern. Außerdem hatte Talida so viel Halt, dass sie sich Stück für Stück den Körper entlang hangeln konnte. Als Ziel hatte sie sich die Kiemen herausgesucht. So viel hatte sie schon von Fischen gelernt. Wenn sie nicht mehr atmen konnten, dann starben sie. Und Luft bekam sie über ihre Kiemen. Nur stellte sich ihr jetzt die Frage, wie viel Luft hatte sie selbst noch und wo waren diese Kiemen?
Das Meeresungeheuer schüttelte den mächtigen Kopf. Entweder wollte es sie abwerfen, oder es wand sich vor Schmerzen. Talida zog die Knie an und grub die Krallen ihrer Füße ebenfalls in die Fischhaut. Leider waren die nicht besonders lang und konnten ihr nicht wirklich Halt geben. Außerdem ging ihr allmählich der Sauerstoff aus. Es war Unsinn, wenn sie weiterhin nach Kiemen suchte. Sie hatte viel zu wenig Ahnung vom Aufbau eines Fisches, besonders eines so riesigen Fisches.
Vielleicht hatte sie eine Chance zu entkommen, wenn sie das Monster überraschte. Warum hatte sie nicht schon früher daran gedacht? Als Worgin konnte sie sich verwandeln. Eine Raubkatze kam vielleicht besser mit dem Wasser zurecht als sie selbst. Außerdem war sie in ihrer Katzengestalt schneller und wendiger. Mit letzter Konzentration löste sie das Messer und die Krallen aus dem Fisch. Der zuckte nach oben, kaum dass sie losgelassen hatte. Dadurch bekam sie einen mächtigen Stoß und wieder einmal flog sie durch die Luft. Allerdings fiel sie dieses Mal nicht in ihrer Worgengestalt zurück ins Wasser, sondern sie plumpste als mächtige Raubkatze in das Nass. Ihre scharfen Krallen hieb sie direkt in den Fischkörper und schlug ihre Zähne in das Fleisch. „Fleisch“ war der absolut falsche Ausdruck. Es schmeckte irgendwie ... Nein, dafür gab es keine Beschreibung! Das hatte absolut nicht mit Fleisch zu tun.
Sie riss ihren Kopf zurück, öffnete das Maul und entließ das widerliche Stück Was-auch-immer. Erneut biss sie zu. Der Fisch zuckte und bebte. Er schwamm hoch und runter, hin und her. Hätte Talida nicht alle Krallen in ihn hineingeschlagen, wäre sie längst davon geschleudert worden. So aber kämpfte sie nur mit einer Welle von Übelkeit an, die das Durchschütteln bei ihr auslöste. Verdammtes Wassermonster!
Sie riss das nächste Stück Fischfleisch heraus. Jetzt gab es eine richtige Sauerei. Sie hatte sich so tief durch die dicken Hautschichten gebissen, dass sie an eine Blutbahn gekommen war. Das schien auch der Fisch zu spüren, denn er tauchte ab! Mit einer wahnsinnigen Geschwindigkeit schoss er Richtung Meeresgrund. Talida zog panisch die Krallen ein und paddelte hektisch gegen den Sog an. Doch der riesige Fisch riss sie noch ein Stückchen mit sich. Da war so viel Blut! Wo war unten, wo war oben? Sie paddelte hektischer. Ihre Lungen brauchten Sauerstoff. Auf gar keinen Fall durfte sie so ins andere Reich hinübergehen. Die Ahnen würden über sie spotten. Ertrunken! Eine Kürschnerin im Meereswasser ertrunken!
Vor ihren Augen tauchten Blitze auf. Der Druck in der Brust wurde immer größer. Hektischer paddelte sie. Sie nahm kaum noch wahr, dass das Wasser wieder klarer wurde. Weiter paddeln. Nur nicht aufhören. Immerzu hoffen, dass es der Weg nach oben war. Und dann durchbrach ihr Kopf die Wasseroberfläche. Sie riss die Schnauze auf und ihre Lungen fühlten sich mit herrlicher, wunderbarer, klarer Luft. Köstlich. Das Flimmern vor ihren Augen ließ nach. Sie schaute umher und entdeckte ziemlich weit entfernt die Felsen. Taumelte da nicht sogar ihr Floß im Wasser hin und her? Es war egal. Sie paddelte mit allen vier Pfoten und hoffte, bald festen Boden unter sich zu haben.
Als sie sich nach einer scheinbaren Endlosigkeit vollkommen erschöpft den Felsen hochzog, zitterte sie am ganzen Körper. Sie war durchnässt, ihre Schultern rasten vor Schmerz und ihre Krallen fühlten sich an, als ob sie auch nicht mehr alle vorhanden wären. Vom widerwärtigen Geschmack in ihrer Schnauze gar nicht zu reden! Aber sie hatte überlebt. Sie war nicht gestorben, sondern hatte die Chance erhalten, zur Ehre ihres Volkes noch großartige Taten zu vollbringen. Und ihre erste großartige Tat würde sein, dass sie ihrem Ausbilder erklären würde, dass sie nie wieder auf einem Floß angeln würde!
*** ENDE ***
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