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Once Upon in November

Kurzbeschreibung
KurzgeschichteHorror / P16 / Gen
06.11.2021
06.11.2021
1
905
 
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Once Upon in November

Ich hasste den November schon immer. Der goldene Herbst war vorbei und auch die Weihnachtsstimmung lies noch einen ganzen Monat auf einen warten. Der November war kalt, trist und nahm alle Freude, die der Sommer da gelassen hatte. Zugegeben, dieser Sommer war eine Enttäuschung, doch hatte er ein paar schöbe Tage gehabt.
Der Nebel waberte über die Straßen und es war bereits stock dunkel. Ich hatte ein merkwürdiges Gefühl, schon als ich die Tür verlies. Obwohl es noch recht früh am Abend war, war kaum eine Menschenseele auf der Straße und man hatte bereits das Gefühl man sollte als Frau nicht allein umherwandern. Ich überquerte die Straße und der Nebel glitzerte in den Scheinwerfern der Auto, die an mir vorbeifuhren. Die Straße in die ich bog war ich schon zig mal entlang gegangen, so wohnte ich doch bereits seit einiger Zeit in dieser Stadt.
Eine Frau mit Hund lief an mit vorbei und der kleine blieb stehen um mich neugierig zu mustern.
Die dickliche Frau bekam ein sanftes Lächeln von mir und ich bog in die nächste Straße ein. Dieser Nebel und der kalte Atem den ich ausstieß ließen mir einen Schauer über den Rücken laufen. Heute war etwas anders und das spüret ich. Ich nahm alles so bewusst war, die Haustür links neben mir, die beschlagen war vom Dunst, der Mini der schief in der Parklücke stand und die Kirchturmuhr, die kaum zu erkennen war. Ich kam an zwei Autos vorbei und streitenden Männern, der eine war dem anderen beim ausparken wohl in die Rücklichter gebrettert, als er unaufmerksam auf sein Handy schaute. Ich lief an den lauten Männern vorbei und kam der kleinen Brücke näher, die über den Bach dieser Stadt verlief.
Rechts konnte ich den Marktplatz hinter der Kirche erkennen, die Laternen, die in einem sanften orange vom Nebel ummanteln leuchteten.

Dahinter lag eine stärker befahrene Straße, denn auch wenn unsere Stadt nicht groß war, so verband sie zwei durch diese Straße zwei größere Städte miteinander. Ich zog an meiner Zigarette und ließ den Rauch zusammen mit der kühlen Luft meine Lunge entweichen. Meine Finger waren eiskalt, als ich sie danach in meine Jackentasche steckte und meinen Kopf weiter in meinem Schal vergrub. Endlich kam ich in meiner Lieblingsstrasse an. Mich empfing das bekannte Kopfsteinpflaster, die dumpfe Musik der Bar auf der rechten Seite und ein älteres Ehepaar, die gerade ihre Masken aufsetzten, um in das Vietnamesische Restaurant, das auch ich schon einige male aufgesucht hatte, zu betreten.
Ich liebe diese Straße, sie hatte etwas von Italien, auch wenn ich selbst noch nie dort gewesen war. Alte Fachwerkhäuser die mit Rankenpflanze behangen waren, Laternen aus dem 19. Jahrhundert, das Pflaster das so uneben war, dass man immer auf den Boden sehen musste um nicht zu stolpern. Ich war fast am Ziel. Ich fing an ein Lied zu summen und langsam machte sich ein Gefühl der Unbeschwertheit in mir breit. Hinter mir tauchte ein Scheinwerfer auf, doch verschwand auch genauso schnell wieder, als er in die parallel Straße einbog. Ich war in Gedanken, bald wäre ich in Sicherheit, dieser Nebel gab mir das Gefühl in einem schlechten Schwarzweiß Horrorstreifen zu sein, bei dem das schöne junge Ding immer zuerst starb. Die öffnenden knarzende Tür hinter mir, nahm ich nur halb wahr, zu sehr freute ich mich auf die warme Badewanne, die ich mir vorgenommen hatte. Leider konnte ich das angenehme und geborgene Gefühl des warmen Wassers nie wieder auf meiner Haut spüren.

Ich sah auf meinen Körper herab. Er war völlig entstellt, nachdem was der Mann mit mir getan hatte. Ich war froh, dass es vorbei war und doch musste ich dabei zusehen, was er mit meinen Überresten danach tat. Meine blutigen Haare klebten wirr am Boden, die Augen fast ins Weiße verdreht starrten nach oben während meine Gliedmaßen unnatürlich in alle Richtungen abstanden. Die Klamotten hingen wie von einem Tier zerfetzt an mit herab und waren ebenfalls in Blut getränkt. Ich hatte das kalte Gefühl des Steinbodens noch immer an meiner Haut, obwohl die Verbindung zu meinem Körper bereits getrennt war. Der Mann leckte sich über die Lippen, streifte das nasse lange Messer an seiner bereits verschmierten Hose ab und und gab einen Laut der Anstrengung von sich.
Er packte mich unter den Achseln und zog mich weiter in den Hof, in dem er mich verschleppt hatte. Er wickelte meinen Körper in eine Folie, befestigte diese mit Klebeband und hievte mich ins Auto. Er sah angestrengt aus, als hätte er damit keine Erfahrung. Er war schlampig, meine rechte Hand hing noch aus dem Sack. Der dunkle Pick-up fuhr los und kam ganz in der Nähe wieder zum stehen. Er war an die kleine Brücke gefahren, unter der der Bach verlief.
So wollte er also eine Leiche loswerden? Mir war es recht, man würde mich schnell entdecken und genug DNA spuren von ihm an mir finden. Er zerrte meinen Körper aus dem Auto und schliff mich über das Pflaster. Er hatte deutliche Probleme damit, mich über das Geländer zu hieven und wäre dies nicht mein Körper gewesen, wäre es fast etwas lustig gewesen. Ich hörte einen Aufprall und der Mann stieg wieder in seinen Wagen und fuhr davon.

Ich sah ihm hinterher, wie sein Auto die Nebelschwaden aufwirbelte, bis die Rückscheinwerfer verschwunden waren. Ich blickte „mir“ hinterher. In das tiefe Schwarz in das er mich geworfen hatte.

Ich hasste den November und nun wusste ich auch wieso.
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