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Sturmtief Robert

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Liebesgeschichte / P16 / Mix
Annalena Baerbock
05.11.2021
02.02.2022
10
11.582
17
Alle Kapitel
61 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
05.11.2021 809
 
Ihr Lieben, lasst mich einleitend nur eines sagen: Es ist Zeit. Zeit für diese Fiktion. Und immer schön daran denken: Die Personen dieser Geschichte ≠ die realen Personen.


Robert schmiss seine aus feinstem Leder gefertigte Geisteswissenschaftlertasche achtlos in die Ecke des penibel eingerichteten Zimmers der Ferienwohnung. Er hätte nicht gedacht, dass diese Reise ihn zu Beginn bereits so dermaßen aggressiv machen würde. Seit dieser verdammte Mist-Urlaub geplant war, freute er sich darauf, mit Annalena in einem Doppelbett einzuschlafen und ein paar Tage lang jeden Morgen neben ihr aufzuwachen. Er hatte sich sämtliche Szenarien immer wieder vorgestellt. Wie er ihr morgens die dunklen Haarsträhnen aus dem Gesicht strich, ihr sanft einen Kuss auf die weiche Stirn gab, ihr dann einen Kaffee kochte, der so scheußlich schmeckte, dass er zum nächsten Bäcker laufen musste und ihr einen frisch gebrühten Bäckerei-Kaffee und Croissants ans Bett brachte, dazu leicht angebranntes Rührei herstellte und ihr schließlich die Marmelade von den Lippen küsste. Doch daraus wurde nun nichts. Und Schuld war: Christian Lindner.

Christian Lindner hatte ihnen diese Ferienwohnung durch irgendwelche Kontakte besorgt und dabei scheinbar darauf geachtet, dass jede mitreisende Person ihr eigenes Zimmer bekam. Dass Christian und Volker nicht zusammen in einem Zimmer nächtigen wollten, konnte er verstehen; wenigstens ein Doppelzimmer hätte diese blöde Bude aber doch wohl haben können! Jetzt war er dazu verdammt, alleine in diesem blau-weiß-gestreiften Kajüten-Verschnitt zu dösen. Leider war es absolut gar nicht garantiert, dass Annalena so ohne weiteres zu ihm ins Bett schlüpfte, jetzt, wo sie ein Zimmer ganz für sich hatte.

Roberts Plan, diesen Urlaub zu nutzen, um ihr näher zu kommen, war zum Scheitern verurteilt. Am liebsten hätte er den viel zu kleinen Spiegel, in dem er sich nur zur Hälfte ansehen und bewundern konnte, mit der bloßen Faust vom Haken geschlagen, so wütend war beim Gedanken daran, dass Annalena nun jeden Abend mit ihrem Mann facetimen oder telefonieren würde. Dabei wollte doch er das Gesicht sein, das sie vor dem Einschlafen als letztes sah. 'Reiß dich zusammen, Robert!', ermahnte er sich selbst und klopfte sich mit beiden Händen auf die Wangen, die daraufhin leicht erröteten.

"WollnwirnochnWattwanderungmachenLeude?"

Robert musste lächeln, als er das süße Nuscheln seiner Kollegin durch das Haus hallen hörte. 'Natürlich möchte ich eine Wattwanderung mit dir machen, mein Schatz. Nur mit dir...', dachte er und erschrak im selben Augenblick, als Annalena bei ihm im Türrahmen stand. Hoffentlich hatte er den Satz wirklich nur gedacht und nicht, wie es ihm manchmal leider passierte, laut ausgesprochen.

"Na, Wattwanderung, Robert?", fragte sie ihn nun direkt. Oh man, dieses Lächeln.
- "Sehr gerne würde ich die dreihundertvierzigste Wattwanderung meines Lebens machen!"
"Du Spinner!"

Annalena stupste ihn leicht an und ihm wurde direkt wieder ganz warm. Diese Frau strahlte so viel Wärme und so viel Freude aus, nur mit sehr viel Anstrengung konnte Robert sein Grinsen etwas runterschrauben. Sie machte ihn so glücklich.

- "Und die anderen beiden wollen nicht?"
Robert deutete mit einer Geste in den Flur. Volker und Christian hatten noch nicht auf Annalenas Frage geantwortet.
"Anscheinend nicht!", meinte Annalena schulterzuckend.
"Doooooooohoooooch", rief es aus dem hinteren Teil der Wohnung. "Volker und ich haben uns nur schon einmal für heute Abend ein Restaurant und einen Tesla gemietet!"

Robert verdrehte die Augen. Warum musste es immer gleich so ein abgehobener high-class Urlaub sein? Warum gab Christian Lindner sich nicht einfach mal mit 'nem gemieteten Fahrrad und Pommes essen auf dem Bürgersteig zufrieden? Annalena sah ihn schmunzelnd an. Sie beide dachten wohl dasselbe. Vielleicht würde dieser Urlaub sie ja trotz separater Zimmer doch noch näher zusammen bringen....

Immerhin wollten Volker und Christian mit auf die Wattwanderung kommen. Sie zeigten also durchaus Kooperationswillen und Kompromissbereitschaft. Was generell schon einmal ziemlich gut war; vor allem, wenn man bedachte, dass sie planten, gemeinsam eine Regierung zu bilden. Annalena zog sich ihren Mantel an und Robert ertappte sich dabei, wie er tief ihren Duft einatmete. Ihr "Kommt, Jungs!", würden die meisten unter Umständen wahrscheinlich nicht einmal besonders sexy finden, Robert allerdings fand ihren Kommandoton ziemlich heiß. Er folgte ihr nach draußen in die klare und frische Nordseeluft; Christian und Volker, beide ebenfalls im Mantel, taten es ihm gleich.

"Schau dir mal den Wattwurm an!", rief Volker wenig später, als sie knöcheltief im Schlick standen und sich vor lauter Wind kaum verstanden.

Volker hatte sich zu Annalena gewandt, war dicht an sie herangetreten. Viel zu dicht. In Robert kochte es. Was fiel dem ein? Was sollte das werden, eine Anmache? Ungläubig starrte er in ihre Richtung. Annalena kicherte. Und er versuchte sich nichts anmerken zu lassen. Doch als Volker Annalenas Hand nahm, um ihr den Wattwurm weiterzureichen, riss Roberts Geduldsfaden endgültig.

Plötzlich hörte er sich nur noch: "NEEEEIN!" brüllen.
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