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Gedankenverlorenes

Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
05.11.2021
05.11.2021
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Mein bester Freund...
nennen wir ihn Mal Elefant.
Ich kenne ihn nun seit etwa 3 Jahren.
Wir haben uns bei einem P&P kennengelernt im Sommer 2018.
Meine beste Freundin (nennen wir sie Zuckerfee) hatte gefragt, ob ich dazu Lust hätte, bei der Truppe dabei zu sein.
4 Mädels, 2 Kerle. Ansich kein Problem, das Charaktere erstellen lief auch ohne Probleme und alle waren ganz nett.
Das erste (und letzte) Treffen zum Spielen aber war... schwierig.
Wolf (der Charakter Name) war sehr aufdringlich gegenüber den anderen Mädels - vor allem, weil die im Vergleich zu mir den Sommertemperaturen entsprechend kurze Hose und Top trugen.
Dementsprechend schwierig war das Spiel, wenn 3 Spieler sich sexuell genötigt fühlen, von Wolf diese Nötigung ausgeht und die anderen (Elefant und ich) versuchen zu besänftigen bzw. das zu unterbinden.
Haben danach nichts mehr mit der Gruppe unternommen, bis zu dem Geburtstag von Elefant. Da waren viele Leute eingeladen, auch aus der Gruppe - nur Wolf konnte nicht.
Ursprünglich war nur Zuckerfee eingeladen, hatte jedoch gefragt ob ich als "Begleitung" mitkommen dürfte.
"Begleitung" deshalb, weil sie sich durch ihre Depression und Ängste nicht gerne in unbekannten Menschenmengen befindet. Und ich mehr oder weniger zu ihrem "emotionalem Therapiehund" bei sowas wurde, aber das ist ein eigenes Kapitel.(wenn ich möchte)
Bei dem Geburtstag stellte ich fest, dass er nur 50 Meter von meinen Großeltern entfernt wohnte, allerdings den Berg hinauf, wo wir nie waren.
An sich war der Geburtstag nett, nur war ich schnell betrunken und musste abgeholt werden - das war mir sehr lange peinlich.
Danach hab ich Elefant erst im Herbst wiedergetroffen, bei einer Busfahrt nach Hause.
Ich hatte ihn erst nicht richtig erkannt, aber die kleine Schwester von Zuckerfee kannte ihn, wodurch das Gespräch nicht zu unangenehm war. Dabei stellte sich heraus, dass wir beide zu dem Zeitpunkt studiert, er in der Informatik und ich Stadtplanung. Sogar an der selben Hochschule, nur an unterschiedliche Standorten.
Und wir beide haben erzählt, dass wir das Studium demnächst schmeißen und dann schauen müssen, was wir mit unserem Leben anfangen.
Dann waren wir schon an meiner Haltestelle und dachte mir nichts weiter dabei.

Bis zum Sommer 2019.
Ich hatte in der Zwischenzeit einen Ausbildungsplatz gefunden und nebenbei gearbeitet. Und der erste Kennenlerntag stand an.
Meine Eltern mussten mich hin bringen, da ich noch keinen Führerschein hatte.
Ich gehe in das Gebäude, wo ich demnächst lernen würde, und sah als erstes eine Wand mit ca. 60 Namensschildern und aneben stand ein Riese, der mir bekannt vorkam.
Als ich ihn an der Schulter antippte und er sich umdrehte sah ich in das Gesicht von Elefant. Er war ebenso überrascht wie ich, vor allem als ich sein Schild sah und ich mir meines von der Wand nahm.
Beide ein bisschen erleichtert, nicht jeden neu kennen lernen zu müssen.
Bei der Rede der Leitung haben wir beieinander gesessen und unsere Pokémon Go Daten ausgetauscht und das gespielt, da wir in Reichweite einen PokéStop hatten.
Die restlichen Führungen hatte wir getrennte Gruppen, aber haben uns beim Abschluss Grillen nochmal kurz gesehen, bis ich mit meinen Eltern nach Hause gefahren bin.

Als es dann darum ging, wie ich zur Ausbildung komme, habe ich mich schon auf 3 Stunden Busfahrt eingestellt, während meine Eltern meinten, ich könnte auch einfach Elefant anschreiben. Mit Fahrtgeld würde er mich sicher mitnehmen meinten sie. Aber ich wollte mich nicht aufdrängen und hab bis 2 Tage vor Ausbildungsbeginn gewartet, bis ich mich endlich überwunden hatte, ihm zu schreiben.
Und natürlich hatten meine Eltern Recht.

Die erste Zeit war seltsam, da ich mich schlecht fühlte, dass er mich extra mitnehmen müsste, doch ihm machte das wenig aus.
Wir saßen nebeneinander im Unterricht und haben uns mit den anderen angefreundet.
Nach Feierabend hat er mich bei mir abgesetzt, ab der 2. Woche hatte ich ihn auch Mal (auf drängen meiner Mutter weil es höflich ist) ihn auch Mal ins Haus gebeten.
Seitdem haben wir immer Mal wieder Mario Kart oder Mario Party auf meiner seitch gespielt, aber wirklich "Freunde" waren wir nicht, eher Bekannte.

Wirklich geändert hat sich das erst im Oktober 2019.
Irgendwie kamen wir auf das Thema Tod und was das mit uns und den Hinterbliebenen macht.
Er, der sonst viel Diskussionsfreude gepaart mit Lautstärke an den Tag legte war sehr still geworden. Nach einigen Minuten ist er einfach aufgestanden und hat den Raum verlassen.
Alle wunderten sich, so wie ich selbst.
Wir haben erstmal den Unterricht fortgeführt. Nach 10 Minuten bin ich ihm dann doch hinterher, da ich mir Sorgen machte. Ich fand ihn im nahegelegenen Park auf einer Bank, die Hände vor Gesicht gehalten. Er wirkte fast schon klein und verloren auf der Bank, wobei er sonst mit seinen fast 2m und großem Selbstbewusstsein strotzte.
Ich war sehr unsicher, was ich jetzt tun sollte, und hab einfach angefangen mit ihm etwas zu blödeln und ihn abzulenken.
Zum Glück ging er darauf ein.
Nach einiger Zeit erzählte er dann, was ihn da so durch den Kopf ging; von seinem totem Großvater und dem Autounfall seines Vaters.
Das ihm jemand zuhörte, wirkte für ihn erleichternd, da er dies nun nicht mehr in sich hinein fressen musste.

Das dürfte der Punkt gewesen sein, wo wir wirklich Freunde wurden und wussten, dass wir uns auf den anderen verlassen können.

Nur ca. 2 Wochen später verstarb mein Onkel, was für meine Familie der "Startpunkt" war, an dem alles Bergab ging.
Mein Onkel war 49, im Dezember wäre er 50 geworden, doch eine Blutvergiftung kam dem zuvor.
Ich hatte dies meinen besten Freundinnen geschrieben und habe lange Zeit darüber nachgedacht, es auch ihm zu schreiben. Ich ging jedoch davon aus, dass er es eh im Dorfgespräch erfahren würde.
Nach den Ferien, zum ersten Schultag, holte er mich erstaunlich pünktlich ab und umarmte mich als er sein Beileid aussprach.
Bis dahin bin ich ganz gut damit zurecht gekommen, doch dieses Mitgefühl war fast schon zu viel für mich, und ich wäzam liebsten wieder umgedreht und ins Bett gegangen. Doch Schule muss sein.
Auch die anderen bemerkten schnell, dass ich müder und noch ruhiger als gewöhnlich war, doch Elefant hat für mich übernommen und sagte ihnen, ich wäre einfach nur müde und dass die Ferien für mich zu kurz waren, was auch stimmte, aber eben nicht die ganze Wahrheit darstellte.
Erst bei einer Lehrerin meldete ich schon Mal an, dass ich in der folgenden Woche wegen der Beerdigung fehlen würde.
Ich müsste vorher trotzdem in den Unterricht, aber den Nachmittag hatte ich dann komplett frei bekommen.

Nach der Beerdigung, als auch die Trauerfeier vorbei war, schrieb ich ihn an und fragte ihn, ob wir gemeinsam nach mecces fahren könnten. Er antwortete schnell und wir konnten los.
Damit war unsere Freundschaft definitiv "stärker" geworden.
Uuund damit kamen die ersten Fragen und Gerüchte auf, ob wir nicht ein Paar wären.
Bei unserem klaren und synchronen "nein" war die Verwirrung groß.

Verübeln konnten wir es ihnen nicht, wir hatten ab den Herbstferien auch zwischen den Stunden mehr Zeit miteinander verbracht und waren auch so mehr gemeinsam unterwegs. Auch manche Eigenarten, wie unsere Umarmunngen, war für viele ein Zeichen einer romantischen und nicht freundschaftlichen Beziehung.
Auch unter unseren Freunden und Verwandten kamen solche Fragen auf, und für die war es noch unverständlicher.

Irgendwann haben wir uns beim Filme und Serien schauen auch sehr aneinander gekuschelt, aber wenn einer von uns sich mehr einkuschekn wollte wurde der andere erst gefragt.
Auch beiläufiges Händchenhalten war irgendwann normal geworden.

Viele unserer Marotten sprechen für das, was ein Pärchen tun würde, doch so waren und sind wir nicht.

Wir haben es mehrfach angesprochen und sind uns einig: unsere Freundschaft ist gut so, wie sie ist.
Den Begriff "Beziehung Minus" gestatten wir.
Meine beste Freundin Tweetie kam darauf, nachdem sie von ihrer Freundschaft Plus mit einem Jungen erzählte. Sie meinte, wir wären genau das Gegenteil von ihr:
Eine vertrauliche und enge Bindung, ohne den sexuellen Teil einer Beziehung. Händchenhalten und Kuscheln sowie "Dates" bzw. Treffen sind bei uns üblich, doch mehr Körperkontakt gibt es dann auch nicht.
Auch Sprüche wie "ihr habt die Beziehung übersprungen und seit schon ein vertrautes altes Ehepaar" gestatten wir, machen selbst oft Scherze in denen wir und als Ehemann und Ehefrau betiteln.

Und genau so ist es gut.
Ich hätte bestimmt noch mehr Punkte aufschreiben können, doch das habe ich nicht mehr nötig.
Ich hab schon lange genug von der Seele geschrieben.
Und warum?
Weil er mich Mal wieder in all meiner Seltsamkeit erträgt und einfach nur antwortet "na da kickt dein ADHS Mal wieder hart, aber schon süß ❤️"
Einfach nur glücklich macht.
Und unsere Freundschaft so passt.
Mit Komplimenten, Schleimerei und Beleidigungen.

Aber es einfach gut ist, so wie es ist.
Einfach Unkompliziert.
Zumindest für uns.
 
 
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