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Wenn alles passt

von Mujuchu
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi, Liebesgeschichte / P12 / Het
Dr. Anja Licht Franz Hubert Martin Riedl
05.11.2021
25.11.2021
10
14.778
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05.11.2021 1.395
 
Lena Winter saß auf ihrem Platz in der Bahn und sah aus dem Fenster. Ein letztes Mal winkte sie ihrem Freund und warf ihm eine Kusshand zu. Tränen glitzerten in ihren Augen, als der Zug ihre Heimatstadt Hamburg verließ. Vor einem halben Jahr hatte sie sich auf eine Stelle als Polizeimeisterin nach Wolfratshausen beworben. Sie wollte einfach mal weg aus Norddeutschland und das aus purer Abenteuerlust. Doch vor vier Monaten hatte sie dann Valentin kennen gelernt und plötzlich fiel ihr der Abschied schwer. Einerseits freute sie sich auf die neue Herausforderung, aber sie vermisste jetzt schon sein liebes Lächeln und die Art, wie er sie ansah. Lena seufzte und lehnte sich in ihrem Sitz zurück. Nachdenklich betrachtete sie die vorbeirauschende Landschaft und döste etwas ein. Als sie wieder aufwachte, hielt der Zug gerade in Hannover.

Hungrig öffnete sie ihre Brotbox. Neben dem belegten Brot lag ein herzförmiger Zettel. Lena faltete ihn auf und las: “Ich liebe dich und bin in Gedanken immer bei dir. Dein Valentin”. Die Polizeimeisterin war gerührt und wieder wurden ihre Augen feucht. Sie machte schnell ein Foto mit Brot und Zettel und schickte es mit vielen Herzchen per Nachricht an Valentin. Dann biss sie lächelnd in ihr Brot. Kurz nach Augsburg zog sie den Versetzungsbrief heraus. Sie sollte sich auf dem Revier in Wolfratshausen morgen früh um 9 Uhr bei einem Polizeirat Girwdiz melden. Girwidz, was für ein seltsamer Name, dachte sie.

Kurz nach vier kam Lena an ihrem neuen Wohnort an. Mithilfe ihrer Freundin Tanja, die in München lebte, hatte sie hier eine kleine Wohnung im Ort gemietet. Von der S-Bahn-Station sah sie schon ihren neuen Arbeitsplatz und auch zu ihrer Wohnung war es nicht weit. Tanja erwartete sie schon und umarmte sie stürmisch. “Schee, dass du da bist!”, freute sich Tanja und zog sie in die Wohnung. Sie beide kannten sich schon lange, denn als Kinder hatte sie sich auf einer Sprachreise nach England angefreundet. Tanja hatte ihre Kindheit in Starnberg verbrachte und studierte inzwischen in München auf Lehramt. Die beiden jungen Frauen hatten sich viel zu erzählen und so verging der Sonntagabend wie im Flug. Am späten Abend holte Tanjas Freund Sebastian sie ab und die beiden fuhren zurück nach München. Lena blieb alleine in der Wohnung zurück, die ihr recht gut gefiel. Sie hatte eine Wohnküche, über die man durch einen kleinen Flur in ein separates Schlafzimmer gelangte, an das ein Badezimmer angrenzte. Müde packte sie nur das Nötigste aus und rief Valentin an. Nach einem langen Telefongespräch mit ihm, legte sich früh schlafen.

Am Montag früh war Lena aufgeregt. Da Tanja ihren Kühlschrank gefüllt hatte, genoss sie zuerst einen Kaffee und aß dann ihr Müsli. Schließlich zog sie ihre frisch gewaschene und gebügelte Uniform an und machte sich dienstfertig. Etwas nervös betrat sie kurze Zeit später das Revier. Die Tür war offen, doch am Empfang saß niemand, denn das sollte wohl ab sofort ihr Platz sein. Mutig rief sie “Guten Morgen!” und da steckte ein älterer Kollege den Kopf aus einer der Türen, die vom Flur abgingen. Er war groß gewachsen und hatte struppige, schwarze Haare, die unter seiner Dienstmütze hervorschauten. “Guten Morgen”, wiederholte sie und ging mit ausgetreckter Hand auf ihn zu. Mit dem breitesten Grinsen, das sie je gesehen hatte, stellte sich der Polizist vor: “Hallo, i bin der Hansi, Johannes Staller. Sie müssen Lena Winter sein, die für die Sonja kommen ist. Des i unser Kollege der Hubsi, also eigentlich Franz Hubert.” Der schlaksige Mann deutete auf einen zweiten Polizisten, der am Schreibtisch saß. Er nickte ihr mürrisch zu und wandte sich dann wieder seiner Computertastatur zu, auf der er ungelenk herumtippte. “Soll i Eahne des Revier zeigen?”, fragte der Kollege Staller immer noch grinsend. “Gerne”, antwortete sie fröhlich und folgte ihm durch die einzelnen Räume. “Des is dann ihr Ressort”, erklärte der Polizeiobermeister, als sie am Empfang angekommen waren und da klingelte auch schon das Telefon. Sie nahm ab und meldete sich zum ersten Mal mit: “Polizei Wofratshausen, Lena Winter am Apparat!” Eine aufgeregte Stimme stammelte etwas von einem Wasserrohbruch. Sie schaltete das Telefon auf laut und fragte nach der Adresse. “Des is was für uns”, meinte Staller und nahm ihr den Zettel mit der Adresse aus der Hand. Dann verschwanden die beiden Polizisten und fuhren mit dem Streifenwagen davon.  

Seufzend setzte sich Lena an ihren Schreibtisch und richtete sich ein. Sie wollte sich gerade einen Kaffee holen, als sie hörte, wie die Tür geöffnet wurde und ein korpulenter Mann hereinkam, der lautstark ins Telefon sprach: “Mit der Bratpfanne? Das können Sie mir auch erzählen, wenn Sie auf die Wache kommen. Ich bin ja hier alleine. Was? Die ist schon da?” Es war Polizeirat Girwidz, der sie nun auf dem Revier begrüßte.Der vierte Kollege auf dem Revier war ein Mann in ihrem Alter. Er war ihr auf Anhieb sympathisch und sogleich kamen die beiden jungen Polizeibeamten ins Gespräch. Lena hatte irgendwie das Gefühl, ihn schon ewig zu kennen. “Riedl!”, tönte es bald darauf aus dem Büro des Polizeirats, “Fahrn Sie mal zur Hansen und holen Sie mir ein Sandwich!” Während sich Lena noch wunderte, dass das auch zu den Aufgaben des jungen Polizisten gehört, schwang sich dieser schon dienstbeflissen aufs Rad.  

Am Abend war Lena geschafft. Der Tag hatte es wirklich in sich gehabt. Eine Frau war ermordet worden und der Tatverdächtige hatte eine zweite Frau als Geisel genommen. Auch für Riedl war es ein besonderer Tag gewesen. Die neue Kollegin gefiel ihm sehr. Natürlich vermisste er Sonja, die wie eine ältere Schwester für ihn gewesen war und er hoffte, dass sie nach ihrer Fortbildung wieder zurück auf das Revier kommen würde. Doch Lena war sehr nett und außerdem war sie jünger als er und auch sehr hübsch. Selig grinste Riedl in sich hinein. Sie nannte ihn Martin und nicht Riedl wie die anderen. Es fühlte sich gar nicht so an, als ob er sie erst heute kennen gelernt hätte, denn sie behandelte ihn wie einen Freund und nicht wie einen Fußabtreter, wie es oft die anderen Kollegen taten. Er freute sich schon auf den morgigen Arbeitstag mit Lena und schlief mit einem zufriedenen Lächeln ein.

Müde, aber auch froh kam Lena am Abend in ihrem neuen Zuhause an. Ein langer Tag ging zu Ende und als Valentin anrief, fiel ihr verdutzt ein, dass sie heute nicht einen Moment an ihn gedacht hatte. Trotzdem freute sie sich natürlich über seinen Anruf und erzählte ihm von ihrem ersten Arbeitstag in Wolfratshausen. “Hallo Schnuckel”, hörte sie seine Stimme, “wie war denn dein erster Tag?” Wie aufmerksam von ihm, dachte Lena und begann zu erzählen: “Also Vale, von wegen, in der Provinz ist nichts los! Es gab gleich einen Mordfall mit Geiselnahme!” “Ach du meine Güte”, rief Valentin besorgt, “aber bei dir ist alles klar?” “Natürlich”, beruhigte sie ihn, “ich bin ja immer auf dem Revier und für die Recherchen zuständig.” In Gedanken erinnerte sie sich daran, wie Martin ein Auto beobachtet und versucht hatte sich an das Nummernschild zu erinnern. Sein mangelndes Erinnerungsvermögen war echt lustig gewesen und sie hatte alle seine Vorschläge in den Computer eingetippt, bis es endlich einen Treffer gab. Irgendwie fand sie das süß und sie fühlte sich zu ihm hingezogen.

“Der Chef ist etwas gewöhnungsbedürftig und dann gibt es noch die beiden Chef-Ermittler Hubert und Staller. Hubert ist wohl eher der mürrische Typ, während Staller mich gleich offen willkommen geheißen hat”, fuhr sie fort. “Hoffentlich nicht zu offen”, fragte Valentin misstrauisch. Lena lachte: “Da brauchst du dir keine Sorgen machen. Der Mann könnte locker mein Vater sein. Hubert übrigens auch.” “Dann ist ja gut”, atmete Valentin auf, “gibt’s noch mehr Kollegen?” “Nur den Martin Riedl”, erwiderte Lena. Valentin ging davon aus, dass auch er älter war und er begann von seinem Tag zu erzählen. Doch Lena dachte noch immer über Martin nach und hörte ihm gar nicht richtig zu. Seine Stellung im Revier war ihr noch nicht ganz klar. Eigentlich war er ja ein Polizeimeister wie sie, aber wurde von den anderen eher wie ein Praktikant behandelt. “Was meinst du dazu? Soll ich das machen?”, hörte sie plötzlich Valentins Stimme aus dem Hörer. Den hatte sie ja ganz vergessen! “Du, ich bin müde”, stammelte sie”, danke, dass du angerufen hast. Es tat gut, deine Stimme zu hören! Ich liebe dich!” Sie wünschten sich gegenseitig eine gute Nacht und beendeten das Gespräch.
 
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