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BURNING AIM - Feather & Flame (Devil's of Mayhem MC 2)

GeschichteDrama, Schmerz/Trost / P18 / Het
04.11.2021
06.12.2021
15
42.342
7
Alle Kapitel
15 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
25.11.2021 4.217
 
Wir sind vierstellig ☆*: .。. o(≧▽≦)o .。.:*☆
Naja, zumindest die Zahl der Aufrufe ist es xD


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~ Amita ~


Sie war noch völlig fertig von dem vergangenen Höhepunkt und atmete wie nach einem Marathon, als Flame sich vom Bett erhob. Sie beobachtete ihn dabei, wie er das Kondom entfernte, zusammen knotete und im Müll entsorgte. Doch anstatt sich wieder zu ihr zu legen, wie sie es irgendwie gehofft hatte, setzte er sich auf die Bettkante und vergrub sein Gesicht in seinen Händen, die Unterarme auf den Oberschenkeln abgestützt. Irritiert betrachtete sie seinen muskulösen und sehr ansehnlichen, tätowierten Rücken. Was war denn auf einmal mit ihm los? Gerade vögelte er sie noch ins Nirwana und jetzt saß er da wie ein Häufchen Elend.
„Flame? Was ist los?“ fragte sie vorsichtig, doch zunächst rührte er sich gar nicht. Es vergingen mehrere quälend lange Minuten bis er endlich etwas sagte – zumindest kam es Amita so vor. „Ich habe dich ans Bett gefesselt und bin dann einfach über dich hergefallen. Das ist los“ antwortete er in einem so wütenden Tonfall, dass sie tatsächlich leicht erschrocken zusammenzuckte. Ihr war jedoch bewusst, dass er nicht auf sie sauer war, sondern auf sich selbst. Völlig unberechtigt wie sie fand. Oder hatte er gerade einen anderen Film gesehen als sie?
„Flame“ sagte sie in einem sanftem, aber tadelnden Tonfall, doch er reagierte gar nicht darauf. „Verdammt. Flame“ herrschte sie ihn schließlich an, woraufhin er tatsächlich widerwillig in ihre Richtung sah. „Es ist alles in Ordnung“ versuchter sie ihm, doch er drehte sich wieder weg. Ertrug er noch nicht einmal mehr ihren Anblick oder was? „Nichts ist in Ordnung, Feather“ gab er knurrend von sich „Ich habe deine Reaktion doch bemerkt und dennoch...“
„Du hast mir doch die Wahl gelassen es abzubrechen. Hast du das schon wieder vergessen?“ fragte sie leicht fassungslos und stupste dabei mit ihrem Fuß sanft seinen Rücken an. Der Typ war doch echt die Krönung... eigentlich war es ja schon beinahe süß, wenn es nicht so idiotisch wäre. „Hat es für dich vielleicht so ausgesehen, als hätte es mir nicht gefallen?“ Er brummte irgendetwas unverständliches und allmählich platzte ihr der Geduldsfaden.
„Flame“ rief sie aus und trat ihm dabei so fest gegen den Rücken, das er vom Bett fiel. Erschrocken riss sie die Augen auf. Fuck! Das wollte sie eigentlich nicht. Sie rechnete schon damit, dass er aufspringen und sich wütend auf sie stürzen würde um sie zu bestrafen, doch als er sich auf dem Boden aufsetzte wirkte er genauso überrascht wie sie.
„Das wollte ich nicht“ stieß sie hervor und starrte ihn weiterhin mit großen Augen an. Als sein Blick schließlich auf sie fiel, brach er plötzlich in schallendes Gelächter aus. Für einige Sekunden blinzelte sie irritiert, doch dann begann auch sie zu lachen. Die beiden brauchten einige Minuten um sich wieder zu beruhigen. Mit einem leisen Ächzen erhob Flame sich wieder vom Boden und Amita musste sich zusammenreißen um ihn nicht direkt auf den Schwanz zu starren. Dieser Mann war wirklich von oben bis unten pure Sünde.

„Könntest du mich vielleicht kurz losmachen?“ fragte sie vorsichtig, woraufhin er skeptisch zu ihr hinabsah. „Wieso?“ „Ich müsste mal kurz wohin“ antwortete sie mit einem erzwungenen Grinsen. Ein Seufzen verließ seine Lippen. „Mach aber keine Dummheiten“ warte er sie und fischte einen Schlüssel auf der Nachttischschublade. Kurz darauf war sie wieder frei. „Ich bin nackt Flame. Wo soll ich schon hin?“ wollte sie von ihm wissen und befreite sich dabei aus ihren verbleibenden Kleidungsstücken. „Verzweifelte Menschen tun manchmal die verrücktesten Dinge“ murmelte er und betrachtete dabei wohlwollend ihren nackten Körper.
Ihr wurde schon wieder heiß unter seinem sengenden Blick. Sie sollte sich jedoch zusammenreißen. Diese eine Nummer hätte schon nicht passieren dürfen. „Das Bad findest du gegenüber“ hörte sie ihn sagen, als sie sich von der weichen Matratze erhob. Sie zwang sich zu einem Lächeln und nickte ihm kurz zu bevor sie den Raum verließ. Die Tür des Zimmers ließ sie offenstehen. Die Tür des Badezimmers schloss sie zwar, drehte den Schlüssel jedoch nicht herum. Sie wollte ihn nicht misstrauischer machen als er ohnehin schon war. Neugierig sah sie sich in dem Raum um.
Auf der Ablage über dem Waschbecken lagen zwei blaue Zahnbürsten. Er wohnte also nicht alleine hier. Eine Freundin? Nein, unwahrscheinlich. Dann hätte er sie nicht mit hierher genommen. Eine Biker-WG vielleicht? Ein unangenehmer Schauer fuhr durch ihren Körper bei dem Gedanken. Sollte sie vielleicht doch besser abschließen? Schließlich ließ sie es und beeilte sich stattdessen damit auf die Toilette zu gehen. Danach wusch sie sich die Hände und reinigte mit einem Waschlappen die Innenseite ihrer Oberschenkel.
Als sie fertig war kehrte sie wieder zurück. Flame saß wieder auf der Kante der Matratze und betrachtete sie nachdenklich. Sie konnte seinen Blick nicht deuten und irgendwie war es ihr lieber wenn er sie so gierig und verlangend ansah wie vorhin.
Unsicher warf sie einen kurzen Blick auf den Tisch neben der Tür, doch ihre Tasche mit dem Gewehr und die Pistole waren verschwunden. „Tut mir leid, Feather“ sagte Flame als er ihren Blick bemerkte „Aber ich kann dir leider nicht vertrauen, auch wen ich das gerne würde.“ „Es ist besser, wenn du das nicht tust Großer“ murmelte sie mit einem Kopfschütteln und lehnte sich dann mit verschränkten Armen gegen den Tisch. Sie war sich ihrer Nacktheit durchaus bewusst, doch genauso egal war es ihr in diesem Moment auch.
„Wie lange machst du das schon?“ fragte er sie nach einiger Stille „Menschen zu töten?“ „Das willst du wissen?“ erwiderte sie und konnte einen spöttischen Tonfall dabei nicht unterdrücken. Er erwiderte nichts, nickte lediglich. Seufzend drehte sie ihren Kopf zur Seite. Das er ausgerechnet über dieses dunkle Kapitel ihres Lebens reden wollte...
„Seit fast sechzehn Jahren“ antwortete sie schließlich „Also mein halbes Leben.“ „Hast du schon mal darüber nachgedacht damit aufzuhören?“ fragte er weiter und nun sah sie ihn doch wieder direkt an. In seinem Blick konnte sie nicht sehen was er dachte. Verurteilte er sie? Sah er sie jetzt anders? „An jedem verdammten Tag“ antwortete sie ehrlich. „Warum tust du es dann nicht?“ „Weil ich nicht kann“ seufzte sie, stieß sich von dem Tisch ab und ging langsam wieder auf ihn zu „Bitte lass uns nicht darüber sprechen, Flame. Okay?“
„Nicht dein Lieblingsthema was?“ erwiderte er schmunzelnd, nahm ihre Hand und zog sie sanft auf seinen Schoß. Amita war etwas überrascht, ließ es aber geschehen und setzte sich rittlings auf seine muskulösen Oberschenkel. „Ich wünschte es wäre gar kein Thema“ murmelte sie mit einem leichten Kopfschütteln und legte ihre Hände in seinen Nacken. Eindringlich sah er sie mit seinen dunkelbraunen Augen an, doch er sagte nichts weiter dazu. Sie fragte sich was er wohl in diesem Moment von ihr dachte. Der beste Sniper des Landes war eine Frau, die nicht über ihre Tätigkeit sprechen wollte, der es offensichtlich unangenehm war darüber zu reden... Er hielt sie sicherlich für eine Spinnerin. Und für gemeingefährlich.
Im Grunde hätte er damit Recht, doch er hatte sie entwaffnet. Ohne ihr Gewehr war sie nichts. Zwar hatte sie einige Selbstverteidigungskurse besucht, doch im Ernstfall hat ihr das noch nie geholfen. Sie war ein leichtes Opfer, wenn sie jemanden nicht durch die Zielvorrichtung beobachten konnte.
Seufzend lehnte sie ihre Stirn gegen seine Schulter und genoss es als er begann sanft ihren Nacken zu kraulen. „Was wird das hier Flame?“ wollte sie leise wissen, fürchtete sich insgeheim jedoch vor der Antwort. „Ich weiß es nicht Feather“ antwortete er ebenso leise „ Ich weiß es wirklich nicht“.

~


Es war keine gute Idee gewesen mit ihm zu schlafen. Es war keine gute Idee gewesen, sich noch einmal von ihm nehmen zu lassen ehe sie in seinen Armen eingeschlafen war. Zwar hatte er sie vorher wieder angekettet, doch nur mit einer Hand und das war das einzige was sie noch daran erinnerte, dass sie eigentlich eine Gefangene war. Als sie am Morgen dicht an seine Brust gekuschelt aufgewacht war, hatte sie für einen kurzen Moment gedacht, dass sie sich das alles nur eingebildet hatte und das sie einfach nur zu viel Getrunken und mit irgendjemandem nach Hause gegangen war.
Doch es war alles passiert.
Sie hatte den Befehl ihres Onkels missachtet und ihr Ziel am Leben gelassen. Anschließend hatte sie sich von ihm verschleppen lassen und auch noch mit ihm geschlafen. Schon wieder war der Sex mit dem Biker weltbewegenden gewesen. So etwas war ihr wirklich noch nie passiert...
Gerade stand sie unter der Dusche und wusch sich die Spuren der letzten Nacht von der Haut. Noch so eine schlechte Idee. Aber wenn sie schon im Clubhaus der Devil's antanzen musste, dann wollte sie das wenigstens sauber tun. Schlimm genug, dass sie es in ihren Klamotten vom Vortag tun musste. Die lagen sauber aufgenommen auf dem kleinen Schrank neben dem Waschbecken. Die Tür hatte Flame von außen abgeschlossen und war gegangen. Er wollte ebenfalls duschen hatte er gesagt. Kurz war sie versucht gewesen ihm zu sagen, dass er ihr gerne Gesellschaft leisten könnte, doch sie konnte sich gerade noch zusammenreißen.
Als sie fertig war, trocknete sie sich ab und schlüpfte in ihre Kleidung. Sie roch nach Männer-Shampoo, aber immerhin war sie sauber. Sie war gerade dabei ihre langen Haare zu föhnen, als die Tür geöffnet wurde. Ohne damit aufzuhören drehte sie sich ein wenig in Richtung Tür. Dort lehnte Flame entspannt am Türrahmen und beobachtete sie. Obwohl er keine Anstalten machte etwas sagen zu wollen, schaltete sie den Föhn auf eine niedrigere Stufe.
„Ich habe uns Frühstück gemacht. Komm runter wenn du fertig bist“ sagte er und wandte sich dann auch schon wieder von ihr ab. Sprachlos sah sie ihm hinterher, denn er hatte sie nicht wieder eingeschlossen. Doch wenn sie sich richtig erinnerte lag die Küche gegenüber der Treppe, das hatte sie in der Nacht gerade so erkennen können. Er würde es also auf jeden Fall mitbekommen wenn sie herunterging. Kurz schüttelte sie den Kopf und schaltete die Stufe des Föhns wieder hoch.
Sie versuchte sich zu beeilen, doch das war bei ihren dicken langen Haaren gar nicht so einfach. So föhnte sie es nur grob trocken und band es dann zu einem hohen Zopf zusammen. Das musste reichen.
Tatsächlich fand sie die Tür direkt gegenüber der Treppe. Flame saß bereits am gedeckten Küchentisch, stand jedoch auf als er sie sah. „Kaffee?“ fragte er, woraufhin sie jedoch das Gesicht verzog. „Ich hasse Kaffee“ antwortete sie „Und alles was auch nur ansatzweise danach riecht oder schmeckt.“ Kurz sah er sie völlig fassungslos an, begann dann aber tatsächlich zu lachen. „Idiot“ brummte sie genickt und verschränkte die Arme vor der Brust. Doch wenn sie ehrlich war, war er nicht der erste der so reagierte. Sogar in ihrer Famile wurde sie immer wieder komisch angesehen, da sie keinen Kaffee mochte.
„Einen Tee?“ fragte er schließlich, als er sich wieder beruhigt hatte. Bestätigend nickte sie, bei Tee war sie nicht sonderlich wählerisch. Während der Biker sich daran machte ihr einen Tee zuzubereiten, setzte sie sich an den gedeckten Tisch. „Bedien dich ruhig schon mal, Feather“ wies er sie an „Wir sollten nicht mehr Zeit als nötig verschwenden.“
Henkersmahlzeit.
Seufzend griff sie nach einer Scheibe Brot und begann sie mit Butter zu bestreichen. Bei all der... Normalität hier, hatte sie beinahe vergessen weshalb sie überhaupt in seinem Haus war. Und was ihr noch bevorstand. Es würde kein Spaziergang werden...


~ Flame ~


Vorsichtig sah er zu Feather herüber, die regungslos neben ihm auf dem Beifahrersitz des Lieferwagens verharrte. Ihre Hände hatte er wieder hinter ihrem Rücken zusammengebunden. Zwar hatte sie sich sehr kooperativ verhalten, dennoch konnte er sie nicht einfach so mitnehmen. Zu groß war die Gefahr, dass sie ihre Kooperation doch noch aufgeben würde. Noch immer gefiel ihm der Gedanke nicht, sie an den Club übergeben zu müssen, doch ihm blieb nichts anderes übrig.
Beim Clubhaus angekommen parkte er das Fahrzeug mitten im Weg und stieg aus. Es waren einige Bikes zu sehen, aber keine dazugehörigen Fahrer. Vermutlich waren es Brüder, die am Vorabend den Weg nach Hause nicht mehr gefunden hatten und daher im Clubhaus geblieben waren. Auch Fires Bike war darunter.
Ihm war es ganz recht, dass draußen noch niemand war, der dumme Kommentare reißen konnte. Er wagte es jedoch zu bezweifeln, dass er ungesehen mit Feather bis in Lords Büro kommen würde. Er öffnete die Beifahrertür und lehnte sich über sie hinweg um den Anschnallgurt zu öffnen. „Alles okay?“ fragte er leise, erntete zunächst nur ein spöttisches Schnauben. „Frag mich das nochmal, wenn dein Präsident mit mir fertig ist“ erwiderte sie schließlich angefressen und er musste ein Seufzen unterdrücken. Er wusste inzwischen jedoch, dass sich unter der Kratzbürstigkeit nur zunehmende Unsicherheit, vielleicht sogar Angst verbarg.
Flame beschloss nichts weiter zu sagen um die Situation für sie nicht noch schlimmer zu machen. Er half ihr beim Aussteigen, schlug die Tür zu und umfasste dann mit einer Hand ihren Ellenbogen um sie ins Clubhaus zu führen. Er bezweifelte allerdings, dass sie noch einen Fluchtversuch starten würde. Das Tor war schon wieder geschlossen, sie konnte also nicht entkommen. Das dürfte ihr genauso klar sein wie ihm.
Flame atmete noch einmal tief durch bevor er die Tür zum Clubhaus öffnete und Feather mit sich hineinzog. Im Schankraum saßen nur wenige Biker, allesamt über ihr Frühstück gebeugt, doch sie alle hoben ihren Blick als sie den Raum betraten. Schnell ließ Flame seinen Blick durch den Raum wandern, zu seiner Erleichterung konnte er seinen Sohn jedoch nicht entdecken.
Zügig durchquerte er den Raum und zog Feather einfach mit sich. „Hey Flame. Ich wusste gar nicht, dass du aus Fesselspiele stehst“ hörte er jemanden rufen, doch er ignorierte es einfach. Feather an seine Seite zuckte jedoch leicht zusammen, ging aber weiter. Er ließ ihr auch gar keine andere Wahl. Zielstrebig ging er in den hinteren Bereich und stoppte erst vor der Tür von Lords Büro. Kurz schickte er ein Stoßgebet zum Himmel, dass der Prez auch schon dort war. Doch das war er eigentlich immer. Lord lebte nicht nur für den Club, er lebte auch im Club. Sein eigenes Haus sah er vermutlich nur ein paar Mal im Jahr.
Energisch klopfte er an die Tür und musste auch nicht lange auf eine Antwort warten. Als er mit Feather den Raum betrat sah Lord von dem Bildschirm seines Laptops hoch und zog verwundert die Augenbrauen zusammen. Er sagte nicht direkt etwas. Stattdessen lehnte er sich zurück und verschränkte seine muskulösen Arme vor der Brust. Lord war inzwischen achtundvierzig Jahre alt, acht Jahre älter als Flame, dennoch war er noch immer eine beeindruckende Erscheinung. Das entging auch Feather nicht, denn sie schien förmlich neben Flame zu schrumpfen.

„Wie ich sehe hast du deinen letzten Auftrag lebend überstanden“ sagte Lord schließlich, woraufhin Flame knapp nickte „Erklärst du mir dann auch wen du mitgebracht hast?“ Auffordernd nickte er in Feathers Richtung. „Das ist die Frau, die im Milieu Fragen gestellt hat“ erklärte er zunächst, woraufhin Lord die Frau merkbar überrascht ansah. „Das erklärt aber nicht, warum sie gefesselt in meinem Büro steht Bruder. Ist sie so gefährlich?“
„Außerdem ist sie Aim“ sprach Flame unbeeindruckt weiter. Sichtbar überrascht riss Lord die Augen auf und starrte für einige Momente sprachlos zwischen Flame und Feather hin und her, ehe er seine Sprache wiederfand. „Ich muss zugeben, dass ich mir Aim ein wenig anders vorgestellt hatte“ sagte er schmunzelnd. Fast rechnete Flame damit, dass Feather einen kratzbürstigen Kommentar abgeben würde, doch zu seinem Erstaunen blieb sie still. Wahrscheinlich hatte sie begriffen wen sie da vor sich hatte und das es eindeutig besser für sie war still zu bleiben.
Seufzend erhob Lord sich schließlich von seinem Platz und ging an den beiden vorbei zur Tür. Sekunden später hatte er das Büro ohne ein Wort verlassen. „Was passiert jetzt?“ hörte er Feather seine fragen. Am liebsten hätte er einen Arm um ihre Schultern gelegt und sie beruhigend an sich gedrückt, doch er unterdrückte diesen Impuls. „Das kann ich dir nicht genau sagen“ antwortete er leise und angespannt. Im Augenwinkel sah er wie sie nickte und hörte ihr leises Seufzen. Es klang ein wenig als würde sie aufgeben...
Schon kurz darauf kam Lord gefolgt von Viking und Circus wieder zurück. „Bringt sie in den Keller“ wies er die beiden an. Flame hatte eigentlich gehofft, das Lord sie in einem Obergeschoss unterbringen würde, doch fürs erste würde er es akzeptieren müssen.
Mit wachsendem Unmut beobachtete er wie die beiden sie aus dem Büro brachten. Feather blieb still und startete keinen Versuch sich zu wehren. Das war gut für sie... dennoch gefiel es ihm nicht.
„Setzt dich Flame“ hörte er Lord sagen, der inzwischen schon wieder hinter seinem Schreibtisch platz genommen hatte „Ich werde die übrigen Member benachrichtigen. In einer Stunde wird ein Gottesdienst stattfinden. Dann wirst du uns erklären warum zur Hölle du einen verdammten Sniper in unser Clubhaus geschleppt hast.“

~


Es war wohl die längste Stunde in Flames Leben. Lord hatte ihn zum Warten in den Schankraum geschickt und darüber war er alles andere als traurig. So war er wenigstens dem stechenden Blick seines Präsidenten nicht länger ausgesetzt gewesen. Dafür musste er sich mit neugierigen Brüdern auseinandersetzen. Auch nicht besser. Flame kippte einen Kaffee nach dem anderen in sich hinein und ignorierte jeden Versuch ihn anzusprechen vehement. Irgendwann ließen sie es bleiben, doch da war er schon bis obenhin mit Koffein vollgepumpt. Keine gute Voraussetzung für den anstehenden Gottesdienst, besonders da er im Mittelpunkt stehen würde. Darauf hatte er überhaupt keine Lust.
Immer wieder fragte er sich wie es Feather unten im Keller wohl ging. Ob Viking und Circus sie gut behandelt hatten? Ja, da war er sich sicher. Cir konnte zwar manchmal ein ungehobelter Spinner sein, dafür war Viking ein laufender Teddybär. Ein Teddy der aussah wie eine Mischung aus Rocker und Wikinger. Er würde nicht zulassen, dass Circus Dummheiten beging.
„CHURCH. JETZT!“ Hallte irgendwann Preachers Stimme durch den Schankraum und Flame zuckte unweigerlich zusammen. Mit einem Seufzen erhob er sich von seinem Platz und ging langsam nach hinten. Er fühlte sich wie auf dem Weg zum Schafott, dabei hatte er eigentlich gar nichts zu befürchten. Er hatte seinen Auftrag erfüllt, Feather nicht...
„Alles okay?“ fragte plötzlich sein Sohn Fire neben ihm. Flame drehte seinen Kopf zur Seite und begegnete seinem besorgt aussehenden Paar brauner Augen, die seinen so unglaublich ähnlich sahen. Matt schüttelte er den Kopf und setzte seinen Weg einfach fort. Nichts war okay, doch er konnte nicht darüber sprechen. Um ehrlich zu sein verstand er das Problem selbst nicht einmal.
Es dauerte einige Minuten bis sich alle Member auf ihre Plätze verteilt hatten und Stille eingekehrt war. Mit einem Seufzen sah Lord einmal in die Runde. Nicht jeder Platz war besetzt, aber das war bei so kurzfristig einberufenen Gottesdiensten nichts ungewöhnliches. Einige hatten Aufträge zu erledigen, die nicht verschoben werden konnten. Doch es waren sicherlich auch ein oder zwei dabei, die die Nachricht schlichtweg verpennt hatten. Die würden sich im Anschluss aber ein gehörigen Anschiss von Lord abholen dürfen, denn sie hatten immer erreichbar zu sein.
„Es werden sicherlich noch nicht alle mitbekommen haben, aber Flame hat sich gestern wieder um eine Lageradresse dieses verfickten Clans gekümmert“ begann Lord schließlich, als er die Aufmerksamkeit aller Anwesenden hatte „Zu meiner Überraschung hat er uns dann aber ein Geschenk mitgebracht.“ Auffordernd sah Lord ihn an und Flame seufzte gequält. „Aim“ sagte er schlicht und fuhr sich mit einer Hand übers Gesicht. „Dein Ernst?“ kam es daraufhin beinahe entsetzt von Caretaker. Flame nickte knapp. Noch immer wusste er nicht so recht wie er das alles in Worte fassen sollte.
„Du willst mir jetzt aber nicht sagen, dass sie... Aim ist oder?“ fragte Circus fassungslos. Ja, das konnte Flame verstehen. Feather sah eigentlich ziemlich harmlos aus. „Etwa die Frau, die er gerade hier reingebracht hat?“ kam es von einem anderen Bruder „War die am Freitag nicht auch schon mal hier?“ „Stimmt. Mir kam sie auch irgendwie bekannt vor.“ „Hast du sie nicht sogar mit nach oben genommen Bruder?“
Stöhnend legte Flame den Kopf in den Nacken und starrte an die dunkle Zimmerdecke. Um ihn herum wurde wild spekuliert, bis Lord mit einem genervten „RUHE“ dazwischenfuhr. Flame konnte den Blick seines alten Freundes auf sich brennen spüren, doch er nahm sich einige Sekunden Zeit ehe er den Blick wieder senkte. „Ich glaube du musst hier mehr erklären, als ich angenommen hatte, Bruder.“
Ja, das befürchtete er auch...
„Ja, bei der Frau handelt es sich um Aim, dem Sniper von dem Care und Chaser uns am Freitag erzählt haben. Sie ist außerdem auch die Frau, die in der letzten Zeit unangenehme Fragen in der Stadt gestellt hat.“ Gemurmel war zu hören und Flame wartete einen Moment ehe er weitersprach. „Es stimmt auch, dass sie am Freitag hier im Clubhaus war. Ihre Suche nach Information hat sie hierher gebracht.“ „Wie genau lautete ihr Auftrag? Wusste sie da bereits, dass du das Ziel warst?“ fragte Care dazwischen. Wenn Flame seinen Blick richtig deutete war dem Enforcer die Bemerkung nicht entgangen, die ein Bruder vorab losgelassen hatte. Die, dass er sie mit nach oben genommen hatte.
„Ihr Auftrag lautete denjenigen zu finden, der für die Brände verantwortlich ist. Das ist ihr aber zunächst nicht gelungen. Die letzte Adresse war eine Falle. Ein Lager war es nicht, dafür...“ „Dafür sollte Aim da auf den ahnungslosen Rocker warten und ihn erschießen“ schlussfolgerte Care kopfschüttelnd „Verdammt hinterhältig, aber wie wir alle sehen lebst du noch Bruder.“ „Ja, so sieht es aus“ murmelte Flame kopfschüttelnd. Er konnte es selber noch gar nicht glauben...
„Also hat sie dich nicht erschossen, weil...?“ fragte Preacher skeptisch, woraufhin einige Member tatsächlich anfingen zu lachen. „Weil er sie gefickt hat“ prustete Shade amüsiert und Cash fügte hinzu: „Das dein Schwanz dir mal das Leben retten würde, Mann.“ Flame war das Gerede unangenehm, doch er hielt die Klappe. Immerhin hatten seine Brüder recht. Hatte er Feather nicht in der Nacht zuvor kennengelernt und sie gevögelt, hätte sie ihn wohl einfach erschossen.
Fragend sah Lord ihn daraufhin an, scheinbar wollte sein Prez eine Bestätigung dafür, dass die wilden Vermutungen der Member stimmten. Mit einem ergebenen Seufzen nickte er schließlich. Lord schien das zu reichen und er rief die übrigen wieder zur Ruhe.
„Im Grunde ist es auch egal warum sie ihn nicht erschossen hat. Sie hat es nicht getan und darüber sollten wir dankbar sein. Ich habe mir in der vergangenen Stunde schon einige Gedanken darüber gemacht was wir jetzt machen werden und mir kam eine Idee. Wir wollen wieder unserer Ruhe vor diesen Wichsern und sie wollen ihren Sniper zurück. Wir werden ihnen also einen Handel vorschlagen.“ „Du willst dir ihnen also zurückgeben, wenn sie sich im Gegenzug aus unserem Revier verpissen?“ brummte Wood, wobei man ihm nicht ansehen konnte was er von dieser Idee hielt. Auch in den übrigen Gesichtern war wenig Zustimmung zu sehen.
Flame gefiel diese Idee auch nicht, aber wohl aus ganz anderen Gründen als den übrigen Membern. Er wusste, dass Feather nicht freiwillig für den Clan arbeitete. Es war ihm noch immer ein Rätsel warum sie es überhaupt tat, doch dies würde er auch wohl auch nie herausbekommen können. Doch wenn er diesen Umstand bedachte – würde der Clan dem Handel überhaupt zustimmen? Würden sie freiwillig aufgeben, nur um sie zurückzubekommen? Klar, Aim war verdammt gut, beinahe eine Legende, doch sie war nicht unersetzbar. Außerdem schien sie mehr Probleme mit ihrem Gewissen zu haben, als es für einen Killer üblich war. Flame hielt jedoch lieber die Klappe.
„Hältst du das für eine gute Idee Lord?“ warf Hill nachdenklich ein „Was ist, wenn sie nicht geht, sondern sich anschließend fröhlich auf Devil-Jagd begibt?“ „Das würde doch unweigerlich zu Krieg führen“ warf Preacher ein „Hältst du diesen Clan für so blöd? Ich denke nicht, dass sie das tun würden.“ „Ich gebe Preacher recht. Sie werden sich eine andere Stadt suchen und dort versuchen woran sie hier gescheitert sind“ sagte Lord und ein sadistisches Grinsen erschien auf seinem Gesicht „Mit etwas Glück versuchen sie sich im Gebiet der Bastards breit zu machen und sie schlachten sich am Ende gegenseitig ab. Dann wären wir zwei Probleme auf einmal los.“
Kollektives Lachen war zu hören, doch Flame verdrehte nur die Augen. Ihm war nicht nach Lachen zumute, auch wenn diese Überlegung definitiv etwas für sich hatte. Der Hell's Bastards MC war ein verfeindeter Club, mit dem die Devil's schon immer Probleme hatten. Der Gedanke diese und den Clan loszuwerden war amüsant, doch er hatte gerade andere Probleme. Die Sorge um Feather war nur eine davon...
„Also gut, wir stimmen ab. Wer ist dafür, dass wir ihnen diesen Handel vorschlagen?“
Es wunderte Flame nicht, das auf Lords Frage hin die meisten Arme nach oben gingen. Zwar blieb ein gewisses Risiko, dennoch wollten die meisten wohl diese Chance nutzen wieder Ruhe in die Stadt zu bringen.
Flames Arm blieb jedoch unten. Zwar wollte auch er, dass der Clan sich endlich wieder zurückzog, doch er machte sich Sorgen um Feather. Was würde ihr passieren, wenn sie zurückkehrte?
Lord bemerkte seine Zurückhaltung, sagte dazu jedoch nichts. Als die Abstimmung beendet war schickte Lord Caretaker und die beiden Sergeant at Arms, Shadow und Shade, in den Keller um mit Aim zu sprechen.
Flame blieb mit einem unguten Gefühl zurück. Er machte sich keine Sorgen darum, dass seine Brüder ihr etwas antun würden, doch Feather war eine Kämpferin – eine Kratzburste. Was wenn sie beschloss ihre Krallen wieder auszufahren?
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