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(Dìonadair Gàidhlig #3) Soul Defender

von xscullyx
GeschichteRomance, Freundschaft / P18 / Het
04.11.2021
05.12.2021
9
26.321
4
Alle Kapitel
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Dieses Kapitel
2 Reviews
 
25.11.2021 1.370
 
Evan hat in einer Band gespielt, wow. Ich habe eher an Football gedacht, oder an irgendeinen anderen Sport. Aber Gitarre? Er steckt voller Überraschungen und erstaunt mich jedes Mal aufs Neue. Und er ist ganz anders, als ich ihn mirimmer vorgestellt habe. Irgendwie dachte ich bis vor kurzem, er sei mehr wie Connor, vielleicht eher der Aufreißer. Aber es hat sich herausgestellt, dass es komplettandersherumist und mein werter Ex-Verlobter der Casanova ist, der eine Bitch nach der Nächsten flachlegt. Mittlerweile bin ich nicht mehr traurig oder enttäuscht, sondern anscheinend im Stadium der Wut angekommen. Ja, ganz genau: ich bin wütend.

Ich atme tief durch und stelle den Krug mit der selbstgemachten Limonade auf ein Tablett und stelle zwei Gläser dazu, um das Ganze ins Wohnzimmer zu tragen und auf dem Tisch vor dem Sofa abzustellen, auf dem Evan es sich gemütlich gemacht hat. Als ich mich auf das Polster sinken lasse, reicht er mir eines der Sofakissen und ich schiebe es mir dankendin den Nacken, um mich bequem hinzulegen. Meine Haare habe ich zu einem nachlässigen Dutt gebunden, damit sie morgen früh nicht ein einziger riesiger Knoten in meinem Nacken sind.

„Und? Was schauen wir?“, wende ich mein Gesicht Evan zu und lächle. „Actionfilm? Romanze? Komödie? Drama?“

„Ich dachte an einen Horrorfilm“, antwortet er und ich ziehe eine Augenbraue nach oben. „Ich habeihnschon gestartet und auf Pause gestellt. Er soll richtig gruselig sein und hat gute Bewertungen.“

Oh nein. Ausgerechnet ein Horrorfilm soll es sein? Für mich Angsthasen? Vermutlich ist das keine gute Idee, aber ich will auch kein Spielverderber sein. In besonders schlimmen Szenen kann ichnochimmer die Augen heimlich schließen und vorsichtigschauen,ob es vorbei ist und ich wieder normal schauen kann. Im schlimmsten Fall täusche ich einfach vor zu schlafen und hoffe, dass er mich weckt und den Film abschaltet oder allein zu Ende schaut. Irgendwas wird mir schon einfallen.

„Toll, ich liebe Horrorfilme“, grinse ichund schicke ein Stoßgebet in den Himmel. „Dann lass uns den Filmabend beginnen, hm?“

Evan startet den Film und ich versuche entspannt neben ihm zu liegen,dem Film nicht zu viel Aufmerksamkeit zu schenken und meine Gedanken schweifen zu lassen. Zum Beispiel, dass ich mir noch ein paar Rezepte schicken lassen muss, um den Gourmet neben mir zu bekochen. Immerhin habe ich nun eine Möglichkeit gefunden ihm zu danken. Geld möchte ich ihm nicht anbieten, denn ich denke, er würde sowieso ablehnen und mich fürverrückt halten. Immerhin hat er mir von sich ausdiesesAngebot gemacht bei ihm wohnen zu können und mir in Ruhe etwasEigeneszu suchen. In seiner Position würde ich dann auch keine Miete oder ähnliches haben wollen.

Mein Blick wandert zum Fernseher und ich zucke merklich zusammen, als eine Fratze eingeblendet wird. Ich kneife die Augen zusammen und kann meinen Puls in den Ohren Rauschen hören. Langsam zähle ich bis fünf, öffne meine Augen wieder und werfe einen unauffälligen Seitenblick auf Evan, der michprüfend anschaut, aber nichts sagt und sich auch sonst nicht regt. Hat er bemerkt, dass ich Horrorfilme eigentlich nicht leiden kann und mich fürchte? Hoffentlich nicht. Immerhin war es keingruseligerMoment, sondern eher ein überraschendes Szenario. Während ich darüber nachdenke, wie ich aus der Nummer wieder rauskomme, zwinge ich mein Augenmerk wieder auf den Handlungsstrang des Films und halte die Luft an, als das Mädchen in der gruseligen alten - und vor allem dunklen - Villa, über die regungslose Gestalt steigt, welche am Boden liegt, die kurz vorher mit einem Hieb eines Eisenschürhakens zu Boden gestreckt wurde.

Gerade als ich wieder aufatmen will, packt der Kerl das Mädchen am Fußknöchel und reißt sie zu sich auf den Boden, was mich zu einem erschrockenen Quietschen bringt und mich gleichzeitig dieHände vor mein Gesicht schlagen lässt. Mein Herz schlägt mir wild bis zum Hals und ich merke, wie mein Atem stoßweise geht, so sehr hat mich die Handlung überrumpelt. Heute Nacht werde ich bei Licht schlafen, oder überhaupt kein Auge zu bekommen. Ich sollte mir so etwas nicht anschauen. Nicht gut. Überhaupt nicht gut.

„April, alles okay?“, bringt mich Evans vertraute Stimme wieder in die Gegenwart und ich atme einmal tief durch, um michwieder zu beruhigen. „Warum hast du nicht gesagt, dass du solche Filme nicht magst? Wir hätten etwas anderes anschauen können.“

„Entschuldige, ich… Ich bin ein wenig zart besaitet. Das liegt nicht zwingend an dem Genre, sondern liegt mir wohl im Blut. Undeigentlich mag ich solche Filme, vertrage sie jedoch nicht sogroßartig. Vermutlich hätte ich es dir sagen sollen, aber ich wollte dir die Freude nicht verderben und…“, erkläre ich mich und er unterbricht mich mit einem Kopfschütteln.

„Du brauchst dich ganz und gar nicht bei mir dafür zu entschuldigen, nur weil du schreckhafter als andere Menschen auf der Welt bist. Es ist etwas vollkommenNatürlichessich so zu erschrecken.“

„Trotzdem“gebe ich kleinlaut von mir und fahre mir mit beiden Händen über die Stirn in Richtung Haaransatz. „Nun habe ich dir den Film versaut.“

„Hast du nicht. Wir schauen einfach was anderes. Such du aus, ich schaue mir alles an was du willst“, lächelt er mich ermutigend an und hält mir auffordernd die Fernbedienung entgegen. „Trau dich. Ich weiß du willst es.“

Er weiß du willst es? Redet er noch von einer Filmauswahl, oder hat er ganz andere Gedanken?

Hör auf damit. Evan ist nicht an mir interessiert, immerhin gibt es da einen Ehrenkodex unter Männern. Eine Art ungeschriebenes Gesetz. Man macht sich nicht an die Ex eines Kumpels heran. Und schon gar nicht an die Frauen, mit denen man lange verlobt war und die man zu heiraten gedachte.

Aber Connor ist nicht mehr Evans bester Freund. Und du nicht mehr mit diesem Idioten verlobt oderzusammen. Der Trottel hat dich verarscht und eines seiner Bückstückegevögelt,bis sie schwanger geworden ist. Und so wie die Trulla aussieht, bekommt sie in Kürze schon ihr Baby. Dessen Vater dein Ex-Verlobter ist. Also – warum genau sollte er an dir keinInteresse haben oder entwickeln?

Weil…

„April?“, reißt er mich aus meinem inneren Zwiegespräch und ich hebe meinen Blick, um ihm in die Augen zu schauen und festzustellen, dass es das schönste Braun ist was ich je bei einem Mann gesehen habe. „Du bist ganz weit weg gerade, ist dir nicht gut?“

Er klingt besorgt und ich bin erstaunt darüber unddassich es bemerke. Kann man uns bereits als so etwas wie Freunde bezeichnen, oder wäre es dafür noch zu früh?

„Doch, doch. Alles in bester Ordnung. Ich habe nur…ich war nur ein wenig in Gedanken“, erwidere ich verwirrt. „wegen des Films… also der Auswahl des neuen Films meine ich.“

„Okay. Hast du dich denn entschieden?“

Wieder antworte ich ihm nicht direkt und er setzt sich auf und legt seine warmen großen Händeauf meine nackten Schultern, denn ich trage aktuell einTrägertop,weil es einfach bequemer ist. Sofort bin ich wieder im Hier und Jetzt und blinzle ein paar Mal, bevor ich ihn in den Fokus rücke. Seine Augen scannen mein Gesicht und ich hoffe, ich werde nun nicht rot oder verziehe mein Gesicht. Nicht auszumalen, wenn ich seltsam schaue oder er denkt, ich würde mich unwohl in seiner Nähe fühlen, weil ich ihn kaum kenne.

„Hey“, spricht er mich sanft an und ich ertrinke fast in seiner Besorgnis. „Ist wirklichalles okay?Redemit mir, ich höre dir jederzeit zu und bin für dich da.“

„Aber, Evan… du…“

„Ich?“, hakt er nach, als mein Gestammelin den Sandenverläuft.

„Du tust bereits so viel für mich. Ich kann doch nicht einfach…. Das geht doch nicht…“

„Komm malher“, zieht er mich in seine Arme und hält mich an seine Brust gedrückt in den Armen.

Seine wohlige Wärme umhüllt mich wie ein Kokon und ich unterdrücke ein zufriedenes kleines Seufzen, um ihn nicht zu verschrecken. Er will für mich da sein und ich willnicht den Anschein erwecken, ihn als Notnagel zu benutzen und mich an ihn heran schmeißen zu wollen. Denn das ist überhaupt nicht der Plan. Stattdessen lasse ich meine Augen zufallen und lehne meine Wange an seine Schulter, lasse mich ein wenig gehen und von ihm emotional auffangen, denn in mir tobt ein Gefühlssturm der sich am ehesten als zornig-verletzt beschreiben lässt und mich mehr als nur aufwühlt. Meine Gedanken fahren Achterbahn und ich schwanke zwischen ‚mir geht es gut‘ und ‚Das Leben ist scheiße‘, was echt anstrengend ist.
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