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Flüsterton

von lila-lida
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P16 / MaleSlash
Jungkook V
04.11.2021
19.01.2022
23
49.317
20
Alle Kapitel
167 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
28.11.2021 1.822
 
Hallo ihr Lieben,

geht's euch gut?

Da sind wir mit einem neuen Kapitel (mit dem Vanna hoffentlich zufrieden sein wird ;))

Erst einmal an dieser Stelle natürlich wieder vielen DAnk für die Reviews an Ayasha, Vanna und SmaragdFee :)

Ich wünsche euch einen schönen ersten Advent, einen schönen Sonntag und einen tollen Start in die Woche,

Lida


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~*~


Kapitel 6


~*~




Jungkook

Es ist noch ziemlich früh, als ich aufwache. Im Schlaf habe ich mein Bein zwischen Jins geschoben, sein Arm liegt locker über meiner Hüfte, meine Stirn ist gegen seine Brust gelehnt. Ich erlaube mir, eine Weile so liegen zu bleiben und muss zugeben, dass ich mich wohl fühle. Beschützt. Ich weiß nicht, wann ich mich das letzte Mal so sicher und geborgen gefühlt habe. Mit BTS? Das muss schon eine ganze Weile her sein.

Unerwarteterweise fällt es mir schwer, aufzustehen. Ich würde gerne noch eine Weile so liegen bleiben und Schutz in Jins Armen suchen, aber je länger ich warte, desto eher werden die anderen aufstehen und herumwuseln.

Ich hätte aber gerne meine Ruhe beim Training. Ich mag es nicht, wenn alle im Trainingsraum sind, laut sind und herumalbern. Am liebsten bin ich allein, dann kann ich mich fokussieren.

Also schäle ich mich vorsichtig aus Jins Umarmung und springe schnell in meine Trainingsklamotten.

Das Gute am Dorm ist, dass uns ein ganzer Raum voller Trainingsgeräte zur Verfügung steht und das werde ich jetzt ausgiebig nutzen.

Ich werfe mir ein Handtuch über die Schulter, greife nach meinem Handy – auf das ich mir die Demoversion von Butter gezogen habe – und dem Songtext. Es ist noch ganz still im Haus, als ich die Küche betrete und mir eine Wasserflasche aus dem Kühlschrank nehme. Mein Blick fliegt über die Fächer, die mit unseren Namen beschriftet sind sowie die gemeinsame Abteilung.

Ich bin wirklich zurück im Dorm-Leben. Dabei habe ich es geliebt, dass ich tun und lassen konnte, was ich wollte. Ob ich morgens um sechs die Musik laut gedreht habe oder abends um acht auf dem Sofa eingeschlafen bin. Das war alles ganz allein meine Sache.

Jetzt muss ich wieder Rücksicht nehmen auf die Jungs, die von nun an wieder 24/7 in meiner unmittelbaren Nähe sein werden und mit denen ich mich so schlecht verstehe, wie noch nie zuvor.

Ich habe Freiheit gewollt, mehr Abstand. Mehr Platz um mich auszuleben und jetzt bin ich wieder einen Schritt zurückgegangen und kann den Jungs gar nicht mehr entgehen, selbst wenn ich will. Ich kann nicht jedes Mal solange in meinem Zimmer hocken, bis sich jemand erbarmt mir etwas zu essen zu bringen.

Ob ich will oder nicht, ich werde an den gemeinsamen Essen teilnehmen müssen. Ich werde Taehyung viel zu viel sehen und ich weiß nicht, wie ich das aushalten soll.

Wenn wir uns in der Firma sehen, dann haben wir immer etwas zu tun. Wir haben einen Schedule, dem wir folgen, wir stehen immer unter Zeitdruck. Aber hier im Dorm, wenn ich mit ihm auch noch meine Freizeit verbringen soll? Soll ich jedes Mal aufstehen, wenn er ins Wohnzimmer kommt? Ich kann nicht ständig den Raum verlassen, oder?

Ich schiebe die große Tür zum Trainingsraum auf und steure auf das Laufband zu. Mit dem Butter-Demo auf Repeat starte ich das Training.

Je mehr ich das Lied höre, desto mehr gefällt es mir. Es macht mir gute Laune. Man kann gar keine schlechte Laune haben, wenn man Butter hört. Und wenn das erstmal unsere eigenen Stimmen sind und nicht mehr die Stimme des Demo-Sängers, wird das bestimmt noch ein bisschen besser.

Nach einer Weile wechsle ich vom Laufband auf die Hantelbank. Gerade als ich mich daraufgelegt habe, geht die Tür auf und ich höre allzu bekanntes fröhliches Geplapper. Ich hatte gehofft, dass es mindestens noch eine Stunde dauern würde, bis hier jemand auftauchen würde. Im besten Fall, dass niemand so ambitioniert ist, den Raum gleich nach der ersten Nacht zu nutzen.

Aber nicht nur, dass sie mir einen Strich durch die Rechnung machen müssen. Es sind auch noch Taehyung und Jimin. Wunderbar.

Ihr Gespräch verstummt abrupt, weil sie die Musik hören. Von der Tür aus kann man die Hantelbank nicht sehen, deswegen wissen sie noch nicht, dass ich hier bin. Obwohl … ich bin die wahrscheinlichste Option.

„Jungkook-ah?“, fragt Jimin auch tatsächlich in den Raum hinein.

„Ja“, antworte ich und fische nach meinem Handy, um die Musik auszuschalten. Dann ist das Training wohl für heute beendet.

Ich rutsche von der Hantelbank und trete um die Ecke herum.

„Guten Morgen. Das Studio gehört ganz euch.“ Ich versuche mich an einer neutralen Stimme, den Blick auf Jimin gerichtet, sicherlich nicht auf Taehyung. Der schert sich sowieso nicht um mich. Sein Blick scannt die Trainingsgeräte im Raum und vermutlich ist er froh, wenn ich endlich verschwunden bin.

„Du musst doch nicht gehen, nur weil wir auftauchen. Das ist doch albern.“

„Oh nein, deswegen gehe ich ja gar nicht. Ich bin fertig“, lüge ich und tupfe mir mit meinem Handtuch den Schweiß vom Gesicht. Taehyung verlässt derweil schweigend den Platz neben Jimin und steuert auf das Laufband zu. Ohne mich eines Blickes zu würdigen, steigt er darauf und beginnt sein Training. Das muss man ihm lassen. Ignorieren kann er gut. Wenn Jimin nicht mit mir reden würde, würde ich glatt meine Existenz in Frage stellen.

„Wirklich. Dein ganzes Programm?“

„Ja.“

Jimin glaubt mir kein Wort. Er weiß ja auch, wie lange ich morgens trainiere und wann ich aufgestanden sein müsste, um wirklich fertig zu sein.

„Vielleicht willst du dann noch eine Runde machen?“

„Nein. Ich … geh unter die Dusche.“

Ich muss mit Jimin reden, ich weiß das. Ich muss mich bei ihm entschuldigen, weil ich ihn so angefahren habe, weil ich gedacht habe, er hätte Taehyung von der 97-Line erzählt. Das kann ich aber ja nicht vor Taehyung. „Kannst du … können wir kurz reden? Unter vier Augen?“

„Sicher.“ Jimin wirft seine Wasserflasche und sein Handtuch auf das nächste Trainingsgerät und folgt mir dann nach draußen.

Ich werfe noch einen Blick zu Taehyung, aber der läuft bereits auf dem Laufband, den Rücken zu uns und Kopfhörer in den Ohren.

„Ich wollte mich bei dir entschuldigen, weil ich dir vorgeworfen habe, Taehyung etwas erzählt zu haben, wegen des 97-Liner-Treffens. Ich … hab nicht geahnt, dass ich so blöd bin, das Video in den BTS-Chat zu stellen.“

„Schon okay.“ Natürlich ist es okay. Jimin ist nicht nachtragend, ist er nie. Er ist zu gut für diese Welt. Und wenn ich mich nicht entschuldigt hätte, hätte er mir das auch nicht übelgenommen. Es wäre einfach gewesen, aber damit kann ich nicht umgehen. Wenn ich Mist baue, dann entschuldige ich mich auch.

„Danke.“ Eigentlich will ich mich abwenden, aber da legen sich Finger um mein Handgelenk. Nicht besonders fest, aber ich bleibe stehen.

„Rede mit Tae, ja?“, sagt Jimin leise. Als ob er Angst hätte, Taehyung könnte uns hören, dabei ist die Tür geschlossen.

„Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist.“ Wirklich nicht. Wir haben doch vorgestern gesehen, was dabei herauskommt, wenn Taehyung und ich miteinander reden. Wir sind alle wieder im Dorm gelandet. Dass die anderen noch keine Lynchjustiz an uns begangen haben, wundert mich eigentlich. Es kotzt mich schon an, wieder hier zu sein, wie muss es erst Jin, Namjoon, Hobi oder Yoongi gehen?

Sie alle waren froh, in eigene Wohnungen ziehen zu können. Und jetzt sind sie alle wieder hier, weil die beiden Maknaes Mist gebaut haben.

Vielleicht sollte ich mich gar nicht so darüber aufregen, dass ich ständig behandelt werde, wie ein Baby, wenn ich mich so benehme. Ich hätte anders auf Taehyungs Wut reagieren sollen.

Es ist vermutlich das Beste, wenn wir einfach gar nicht miteinander reden und die Zeit im Dorm absitzen. Benehmen, nichts zu Schulden kommen lassen, solange bis Bang PD uns wieder von der Leine lässt. Wie lange das wohl sein wird? Ich traue ihm zu, dass er uns monatelang hier versauern lässt.

„Wollt ihr ewig so weiter machen?“, fragt Jimin. „Ihr seid solche Dickschädel. Was sollen wir mit euch machen? Euch in einen Raum sperren, bis ihr euch endlich ausgesprochen habt?“

Bei der Vorstellung wird mir fast schlecht. Allein mit Taehyung in einem Raum, aus dem ich nicht rauskomme? Das würde alles noch viel schlimmer machen.

„Glaub mir, es ist besser für alle, wenn ich mich einfach von Taehyung fernhalte.“ Es ist traurig, dass das die Wahrheit ist. Genau zu wissen, dass ein klärendes Gespräch die Lage noch verschlimmern würde, liegt mir wie ein schwerer Stein im Magen.

Taehyung erträgt mich jetzt ja schon nicht. Wenn er wüsste, dass ich in ihn verliebt bin …

Jimin will mir widersprechen, er hat den Mund schon geöffnet, doch als sich unsere Blicke treffen, entdeckt er etwas, was ihn nicht aussprechen lässt, was er sagen wollte.

„Jungkook … weinst du?“

„Schwachsinn.“ Ich entziehe ihm meine Hand. „Ich schwitze.“ Ich reibe mir mit seinem Handtuch durch das Gesicht und lasse Jimin einfach stehen. Das fehlt mir gerade noch, dass ich auch noch auffliege. Gerade bei Jimin. Der erzählt am Ende noch Taehyung was los ist. Und dann?

Ich will gar nicht herausfinden, wie Taehyung darauf reagieren würde, dass ich in ihn verliebt bin, wenn er mich jetzt schon kaum ertragen kann. Er hat ja sogar die grundlegende Kommunikation eingestellt. Er begrüßt mich nicht mal mehr.

Vielleicht würde Jimin mir aber auch nur erklären, warum es eine blöde Idee ist, Gefühle für Taehyung zu haben und dass ich aufpassen soll, weil ich die Band gefährde. Das will ich auch nicht hören.

Als ich die Küche betrete, werkelt Jin bereits herum, um Frühstück zu machen. Das Bild ist so vertraut, dass es mir trotz der schlechten Laune sofort ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Jin und Yoongi haben uns jahrelang mit Essen versorgt. Jin war dabei immer verantwortlich für das Frühstück. Meine Tage haben vermutlich öfter mit einem Frühstück begonnen, das Jin gemacht hat, als mit einem von meiner Mutter.

„Guten Morgen.“ Er lächelt mich breit an. „Gut geschlafen.“

„Ja. Danke.“ Ich werfe einen kurzen Blick in die Pfanne. „Hoddeok?“, frage ich und als ich meine Hand ausstrecke, haut Jin mir tatsächlich auf die Finger. „Nimm deine verschwitzten Griffel bloß aus meinem Essen“, knurrt er, klingt aber dabei nicht so böse, wie die Worte es vermuten lassen. „Du bekommst was, wenn alle was bekommen.“

„Keine Sonderbehandlung? Aber ich bin doch sein Kookie.“ Ich schiebe die Unterlippe vor.

„Das funktioniert vielleicht bei deinen Fans, Jungkook-ah, aber sicher nicht bei mir.“

Zum Schmollen nehme ich noch meinen besten Dackelblick dazu, aber Jin schnaubt bloß und schüttelt den Kopf. „Du kannst nicht immer weiter Sonderbehandlungen bekommen“, schmettert er meinen Versuch unbarmherzig ab. „Mach, dass du unter die Dusche kommst. Du stinkst.“

Liebevoll, wie immer. Grinsend mache ich einen Schritt zurück, nur um blitzschnell um Jin herumzugreifen und mir einen fertigen Pancake vom Stapel zu klauen.

„Danke, Hyung“, rufe ich, während ich vor ihm fliehe.

„Du kleiner Mistkäfer!“, brüllt Jin mir hinterher.





Sonntag, 28.11.2021
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