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Flüsterton

von lila-lida
GeschichteDrama, Romance / P16 / MaleSlash
Jungkook V
04.11.2021
28.11.2021
7
15.106
8
Alle Kapitel
23 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
25.11.2021 1.447
 
Hallo ihr Lieben,

da bin ich wieder :) Mit einem etwas kürzeren Kapitel, aber dafür einem, das ich persönlich sehr mag :) Ich hoffe, euch gefällt es auch.

An dieser Stelle auch noch ein großes Dankeschön für die Reviews an jasbir, Ayasha, Vanna und SmaragdFee.

Viel Spaß mit dem neuen Kapitel,
Lida


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~*~


Kapitel 5


~*~



Jungkook

Missmutig lasse ich mich auf das Bett fallen, in dem ich gehofft hatte, nicht so schnell wieder in aller Regelmäßigkeit zu schlafen. Das Dorm haben wir als Station genutzt. Hin und wieder haben wir hier übernachtet, manchmal wegen Terminen, manchmal weil hier gedreht worden ist – zum Beispiel als wir die Grammy-Nominierungen geschaut haben.

Big Hit hat unserer Bitte vor einigen Monaten nachgegeben, dass wir unsere eigenen Apartments beziehen dürfen. Solange es unsere Beziehung untereinander nicht gefährdet.

Nach dem Streit, den Taehyung gestern begonnen hat, sehen sie wohl unsere Beziehung gefährdet und wir sind mit sofortiger Wirkung zurück ins Dorm verfrachtet worden. Nicht nur Taeyhung und ich, sondern wir alle sieben.

Meine Klamotten hängen im Schrank, meine Playstation habe ich an den Fernseher angeschlossen. Es ist ätzend.

Die anderen sitzen unten in der Küche zusammen, aber ich kann mich nicht dazu aufraffen, mich dazu zu setzen. Dass ich das nicht ewig machen kann, ist mir klar. Ich habe Hunger und das werde ich nicht ewig aushalten. Aber vielleicht so lange bis die anderen im Bett sind. Dann kann ich mich hinunterschleichen und mir Ramen warm machen.

Für den Moment lehne ich mich gegen die Wand in meinem Rücken und mache mit meinem Handy ein Foto vom Raum. Dieses Foto schicke ich an Dong-min.

Back to dorm life.

Seine Antwort kommt schnell und besteht aus lauter Smileys, die ungefähr so traurig gucken, wie ich mich fühle. Eigentlich würde ich jetzt in seiner Küche sitzen, mit ihm ein Bier trinken. Stattdessen bin ich vermutlich der einsamste WG-Bewohner in Seoul.

Ich überlege, ob ich ihn anrufen soll, als es an meine Tür klopft. Nun, tot stellen wird wohl nicht viel bringen. Wo soll ich schon sein?

„Ja?“

„Ich bin’s. Jin.“

„Komm rein.“

Die Tür öffnet sich einen Spalt und ein besorgtes Gesicht erscheint. „Alles okay mit dir?“

Ich zucke die Achseln und wende den Blick ab. Was soll ich denn sagen? Dass es schon lange nicht mehr okay ist? Dass ich manchmal nicht weiß, warum ich mir das alles überhaupt antue, wenn ich dann so von Taehyung behandelt werde?

Jin betritt den Raum und tritt die Tür mit einem Fuß hinter sich zu, aber erst als er sich zu mir aufs Bett setzt, bemerke ich, dass er ein Tablett mitgebracht hat, mit lauter Essen. „Ich dachte, du hast vielleicht Hunger.“

Überrascht mustere ich die Auswahl auf dem Tablett. Hähnchen, Ramen, Kalguksu, zwei Flaschen Wasser, Süßigkeiten und sogar eine Flasche Bananenmilch. „Danke“, sage ich leise und ziehe das Tablett näher heran. Es riecht so gut.

Mein Magen knurrt verlangend. „Isst du mit mir?“

„Ich habe gegessen, aber ich sehe dir dabei zu, wie du das alles verputzt.“ Jin rutscht neben mich und lehnt sich ebenfalls an die Wand. „Worauf wartest du? Hau rein.“

Das lasse ich mir nicht zweimal sagen. Ich balanciere das Tablett auf meinen Oberschenkeln und weiß gar nicht so genau, wo ich anfangen soll.

Eine Weile schweigen wir, während ich esse. Aber als das Hähnchen vertilgt ist und die Ramen sich dem Ende neigen, mustert Jin mich von der Seite. „Jungkook“, setzt er an und ich hebe den Blick.

Die Besorgnis, die mich aus seinen braunen Augen anfunkelt, habe ich nicht erwartet und sie lässt mich hart schlucken.

„Der Streit gestern mit Taehyung … Ihr beide solltet dringend miteinander reden. Und ich hoffe, dass wir jetzt alle wieder hier sind, wird euch dazu bringen, genau das zu tun. Seit Monaten wird euer Verhältnis immer schlimmer und wir haben zu lange zugeguckt.“

Ich weiß nicht, ob es etwas gebracht hätte, wenn die anderen uns zu Aussprachen gezwungen hätten. Ich hätte Tae doch niemals die Wahrheit sagen können – kann ich immer noch nicht.

Wir sollten wieder zu einem neutralen Verhältnis zurück, das sehe ich ein. Dass wir wenigstens normal miteinander reden können, wenn wir miteinander arbeiten, muss einfach sein. Butter wird uns die nächsten Monate beschäftigen und es wird sich nicht vermeiden lassen, dass wir viel Zeit miteinander verbringen. Jetzt noch mehr als vorher. Zusammen arbeiten, zusammen wohnen. „Das ist doch nicht eure Schuld“, erwidere ich und da legt Jin einen Arm um meine Schultern.

„Vielleicht doch. Wir haben nichts gemacht, wir hätten etwas tun sollen.“ Sanft zieht er mich zu sich und auch wenn ich mich im ersten Moment verkrampfe., lasse ich es doch zu und lehne den Kopf gegen seine Schulter.

„Was geht in deinem Kopf vor?“, fragt er mich leise, als ich nichts sage. Jin dreht den Kopf, ich spüre seine Lippen an meiner Stirn. „Weißt du noch, als wir Trainees waren?“, fragt er unvermittelt. „Wenn du Heimweh hattest und es nicht sagen wolltest? Du wolltest nie Schwäche zeigen, weil du gedacht hast, als der Jüngste, müsstest du noch härter sein, als wir.“

Ja, daran kann ich mich erinnern. Die anderen waren gut darin, ihre Emotionen und Gefühle mitzuteilen, aber ich nicht.

„Manchmal hast du mich nachts geweckt und wir sind ins Wohnzimmer gegangen. Dann haben wir uns auf den Boden gelegt, eine Decke über uns ausgebreitet und du bist immer ganz darunter gekrochen. Du hast dich an mich gekuschelt und dann hast du geredet. In die Decke hinein. Ich habe nie verstanden, warum du das gemacht hast, aber ich glaube, das waren die ehrlichsten Gespräche, die wir je geführt haben.“

Als ich den Kopf hebe, bemerke ich das traurige Lächeln, das seine Lippen umspielt und ich kann gar nicht anders, als es zu kopieren. Ja. So ist es damals gewesen. Jin war der einzige, mit dem ich meine Gefühle geteilt habe und das auch nur in die Anonymität der Dunkelheit hinein. Er hat mich niemals darauf angesprochen, wenn es hell war.

„Ja“, sage ich schließlich leise und meine Stimme fühlt sich rau an. „Das weiß ich noch.“

„Lass uns das versuchen, Jungkook-ah.“

Bevor ich antworten kann, hat er das Tablett auf den Nachttisch gestellt und streckt sich nach dem Lichtschalter. Das Licht geht aus und es ist fast komplett dunkel im Raum. „Komm schon“, flüstert Jin in die Stille hinein und ich lasse mich darauf ein. Ich krieche zu ihm, lasse mich von ihm in den Arm nehmen, die Stirn gegen seine Brust gelehnt und unter eine Decke gehüllt, die er über uns ausgebreitet hat.

Eine warme Hand streicht über meinen Rücken und als ich die Augen schließe, ist es fast, als wäre ich wieder 14 Jahre alt. Jin zwingt mich zu nichts, er schweigt mit mir und die streichelnde Hand auf meinem Rücken tut so gut.

Ich weiß nicht, wann mich das letzte Mal ein Mitglied von BTS so berührt hat. Ich fühle mich wohl und plötzlich so viel weniger verloren. Es ist ein anderes Gefühl als vorgestern mit Dong-min. Denn Jin gehört viel tiefer verwurzelt in mein Leben. Als ich 14 Jahre alt war und aufgeben wollte, weil ich meine Familie zu sehr vermisste, hat er mich ins Auto gesetzt und mich zu seiner Familie gebracht. „Es ist nicht das gleiche“, hat er damals gesagt, „aber es ist vielleicht ein kleiner Ersatz.“

Noch heute habe ich ein enges Verhältnis zu seiner Mutter. Wenn Jin nicht gewesen wäre, wäre ich heute nicht bei BTS.

Trotz der Dunkelheit fällt es mir schwer, zu reden. Die Worte zu finden, die ich sagen will. Ich kann nicht so reden, wie bei Dong-min und dabei ziehe ich nicht einmal in Betracht, Taehyung zu erwähnen. Jedenfalls nicht im Bezug auf die Gefühle, die ich für ihn habe.

Aber Jin drängt mich zu gar nichts. Er fragt nicht. Er hält mich einfach nur fest und streichelt meinen Rücken und ich weiß, wenn ich überhaupt nichts sage, wird er mir das nicht übelnehmen.

„Du hast dich so weit von uns entfernt“, sagt er irgendwann leise in die Stille hinein. Seine Stimme ist ruhig, kein bisschen anklagend. „Ich bin froh, dass du das hier zulässt.

„Danke, dass du da bist.“ Das ist alles, was ich sage. Ich finde keine Worte um mich zu erklären und Jin verlangt es auch nicht. Es reicht uns beiden, dass wir diese Nähe teilen, die wir schon lange verloren geglaubt haben. Zumindest für heute Abend ist das so.

Ich muss Jin auch nicht bitten, bei mir zu bleiben. Wir gehen nacheinander ins Badezimmer und machen uns bettfertig und danach kommt er mit mir in mein Zimmer und legt sich wieder zu mir ins Bett.

Eng aneinander gekuschelt schlafen wir irgendwann ein.




Donnerstag, 25.11.2021
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