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Flüsterton

von lila-lida
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P16 / MaleSlash
Jungkook V
04.11.2021
13.05.2022
41
92.877
48
Alle Kapitel
374 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
17.11.2021 2.381
 
Hallo ihr Lieben,

erst einmal: entschuldigung. ich habe euch da auf die falsche Fährte geführt und das vollkommen unabsichtlich. Ich hab mich selbst mit den vlives verwirrt. Und wenn ihr das im Februar geschaut habt, war das leider das Falsche. Ich war mir sicher, er hat's auch mit blauen Haaren gesungen. Bestärkt von einem Video auf youtube, das zwar "At my worst" im Titel hat, Kookie das aber nicht singt, kann ich nur sagen, Komplettversagen meinerseits :D

Das Lied, um das es hier geht, hat er im März-vlive gesungen. Sorry :(

Lieben Dank an Vanna und Jasbir für die Reviews :)

Ich wünsche euch viel ... hm ... Spaß (ist eigentlich das falsche Wort) mit diesem Kapitel.

Lida

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~*~


Kapitel 3


~*~



Jungkook

„Alles okay?“, fragt Dong-min und mustert mich besorgt. Die Melodie von At my worst spielt weiter, aber ich habe immer noch nicht den Arm gehoben.

Dieses Lied ist … Liebeskummer wegen Taehyung zusammengepresst auf 2:50 Minuten.

„Ich …“ Okay. Jungkook, du kannst das. Den Idol-Modus abrufen, wenn es sein muss, kann ich immer. „Ich war in Gedanken.“ Eher wohl in anderen Welten, aber das sage ich nicht laut. Stattdessen nehme ich Yugyeom die Fernbedienung ab und starte das Lied von vorne. Hauptsache ich erlange die Gewalt über die Situation zurück.

Dong-mins Handy ist noch immer auf mich gerichtet.

Aber das kann ich ausblenden.

Ich schließe die Augen und konzentriere mich auf die Musik. Taehyung erscheint vor meinem inneren Auge und ich versuche mich einfach darauf einzulassen. Die Trauer und die Wut nicht zuzulassen. In der echten Welt kann ich ihn nicht haben, aber in meiner Vorstellung schon.



If you stay forever, let me hold your hand
I can fill those places in your heart no one else can
Let me show you love, oh, not pretend
I'll be right here, baby, you know it's sink or swim




Ich lege so viel Gefühl in meine Stimme, dass mich kurz der Gedanke streift, ob es zu viel ist. Ob es seltsam wirkt. Doch angestachelt durch den Alkohol fühle ich mich so mutig, dass es mir egal ist.

Meine Augen sind noch immer geschlossen. Taehyungs Bild so deutlich vor mir, dass ich es fast für real halten könnte.

Und sein Gesichtsausdruck ist nicht so abweisend, wie heute Nachmittag, sondern er lächelt, während ich für ihn singe.

Als das Lied endet und ich die Augen öffnen muss, krampft sich mein Bauch zusammen. Dieser Blick, den Taehyung nur in meiner Vorstellung für mich hat, tut weh, aber die Augen zu öffnen, in die Realität zu schauen und den Blick verloren zu haben, ist noch schlimmer.

„Sicher, dass alles okay ist?“ Dong-min steht ganz nah vor mir, ich habe gar nicht gemerkt, dass er zu mir gekommen ist. Sein Blick liegt besorgt auf mir. „Chingu …“

„Vielleicht sollte ich …“ Ich räuspere mich unvermittelt. Meine Stimme ist viel zu hoch. „Gehen. Es ist schon spät.“

Dong-min tauscht einen Blick mit BamBam und Yugyeom und im nächsten Moment sind sie beide auf den Beinen.

„Wir machen uns mal auf den Heimweg.“

„Alles klar.“ Dong-min legt einen Arm um meine Schulter. „Jungkook bleibt heute Nacht bei mir.“

Ach ja?

Dong-min verabschiedet BamBam und Yugyeom an der Tür, dann kommt er zurück zu mir ins Wohnzimmer und schiebt mich in Richtung des Bads. Widerworte lässt er gar nicht erst zu – oder den logischen Einwurf, dass ich nur eine Treppe nach oben laufen muss, um zuhause zu sein – stattdessen überwacht er, wie ich mich wasche, gibt mir ein Paar seiner Shorts und ein T-Shirt, damit ich mich umziehen kann und zieht mich dann mit sich in sein Schlafzimmer.

Ich bin zu aufgewühlt, um etwas in Frage zu stellen und als er zu mir unter die Decke kriecht und einen Arm um mich legt, kann ich nicht leugnen, dass die Nähe guttut. Ich habe in letzter Zeit wenig Nähe zugelassen.

„Willst du mir erzählen, was so schlimm ist?“, fragt er leise, nachdem er das Licht ausgeschaltet hat.

In völliger Dunkelheit starre ich in Richtung der Decke, während sich das Bett um sich selbst dreht.

Als Kind habe ich meinem Bruder immer in der Dunkelheit Geheimnisse erzählt. Wenn es dunkel war, hatte es immer so eine beruhigende Wirkung auf mich. Er konnte mich dabei nicht ansehen, ich konnte seine Reaktion nicht sehen. Gerade fühle ich mich wieder so. Als ob ich der Dunkelheit einfach alles anvertrauen könnte, was ich sonst niemals laut aussprechen würde.

„Ich bin verliebt“, flüstere ich. Selbst der Alkohol kann mich nicht dazu verführen, diese Worte laut zu sagen. Ein verliebtes Idol ist schon ein Problem. Aber ein Idol, das in ein Bandmitglied verliebt ist? Wenn das durch die Presse gehen würde, wäre BTS Geschichte.

„Verliebt sein ist in unserem Beruf immer schwierig“, meint Dong-min vage.

So kann man das wohl auch ausdrücken.

„Und was willst du tun?“

„Lieder über unerfüllte Liebe schreiben?“, schlage ich sarkastisch vor und Dong-min dreht sich daraufhin zu mir, während ich noch immer auf seinem Arm liege. Er legt die Stirn an meine Wange.

Was soll ich denn auch sonst machen? Es ist ja nicht so als hätte ich viele Möglichkeiten. Ich kann es Taehyung sagen, ja. Und dann? Wird die Situation zwischen uns noch schwieriger und wirkt sich auf die Band aus? So wie es jetzt ist, ist es nicht gut, aber händelbar. Ich kann damit umgehen und auch wenn ich weiß, dass die anderen genervt davon sind, dass ich distanziert bin, ist es noch auf einem Level, das sie noch akzeptieren können.

„Ist es keine Option es ihm zu sagen?“

„Wie könnte ich es ihm …“ Moment. „Woher weißt du, dass es ein Er ist?“, fragte ich mit belegter Stimme. Das ist ein Geheimnis. Ich habe niemandem erzählt, dass ich Männer mag. Wie könnte ich auch?

„Dein Gesichtsausdruck, wenn Taehyung-sunbaenims Name fällt … ich wusste es nicht sicher, ich hab es nur …“ Mein Gesichtsausdruck? Was habe ich denn für einen Gesichtsausdruck? Ich dachte eigentlich, dass ich mich vollkommen unter Kontrolle habe.

„Bin ich so offensichtlich?“ Dass er sogar weiß, dass es Taehyung ist, erschreckt mich. Ich dachte, niemand würde mir auf die Schliche kommen. Und wenn ich es schon nicht verstecken kann, wenn ich über Taehyung rede, wie ist es denn dann, wenn ich mit ihm rede?

Dong-min küsst mich auf den Haarschopf. „Nein. Ich glaube nicht. Ich sehe dich nur sehr oft und bekomme viel mit. Und jedes Mal wenn du von BTS redest ändert sich dein Gesichtsausdruck, wenn du Taehyung-sunbaenim erwähnst. Du bist mit mir allein lockerer, als wenn andere dabei sind.“

Das stimmt. Wenn ich bei Dong-min bin, kann ich einfach ich sein. Die Anspannung des Tages fällt sofort von mir ab, wenn ich über seine Türschwelle trete. Früher einmal ist Taehyung mein Safe Space gewesen. Heute ist es Dong-min.

„Findest du es schlimm?“

„Dass du in Taehyung verliebt bist?“, fragt Dong-min. „Na ja, mir wäre lieber, du hättest dir jemanden ausgesucht, der dir weniger wehtut, aber wo die Liebe hinfällt, hm?“

„Nein, ich meine … dass ich Männer mag.“

Jetzt schnaubt Dong-min empört. „Natürlich nicht.“ Er zieht mich ein bisschen näher. „Versuch jetzt zu schlafen. Okay? Ich bin da.“

Ich nicke und schmiege meinen Rücken gegen Dong-mins Brust. Es ist schön so. Gehalten zu werden und neben jemandem in den Schlaf zu driften, der sich wirklich um mich sorgt.



~*~




Als ich am nächsten Morgen aufwache bin ich allein und mein Kopf hämmert wie verrückt. Das ist wirklich nicht schön, aber die Reue kommt wohl ein bisschen zu spät. Das muss ich jetzt wohl aushalten. Ich taste neben mich, aber Dong-mins Bettseite ist leer und kalt.

Mein Blick fällt auf den Nachttisch. Dort stehen eine Flasche Wasser, eine Packung Schmerztabletten und ein Zettel, der gegen die Wasserflasche lehnt.



Guten Morgen,

ich musste los, wir haben heute Training. Ich wollte dich schlafen lassen. Nimm eine Schmerztablette. Frühstück steht in der Küche. Bleib solange du willst und wenn du gehst, zieh einfach die Tür hinter dir zu.

Wenn du heute Abend vorbeikommen willst, ich bin am 8 wieder zuhause.



Dong-min ist großartig. Erleichtert rutsche ich zum Bettrand und spüle eine Schmerztablette mit einer halben Flasche Wasser hinunter. Der Geschmack in meinem Mund ist widerlich und das obwohl ich mir gestern die Zähne geputzt habe.

Am liebsten würde ich mich gleich wieder hinlegen, aber der Blick auf die Uhr verrät mir, dass bereits fast Mittag ist und vielleicht sollte ich doch lieber wach werden.

Eine Runde laufen gehen, wäre vielleicht ganz gut um den Kopf frei zu bekommen.

Aber erstmal schleife ich mich in die Küche, nasche vom bereitgestellten Frühstück, bevor ich mich auf den Weg in meine Wohnung mache.

Gerade als ich meine Tür öffnen will, höre ich Schritte auf dem Flur. Ich drehe mich um, halb in der Erwartung, Jimin zu treffen, der direkt gegenüber wohnt, aber nein. Taehyung steht vor mir. Ausgerechnet. Anscheinend hat er die Nacht bei Jimin verbracht.

Irritiert blinzle ich. Das ist nicht gut.

Mein Kopf hämmert zu stark, als das ich einen Gedanken fassen könnte.

Taehyung mustert mich von oben bis unten – und ich werde mir bewusst, dass ich immer noch Dong-mins Klamotten anhabe – dann verzieht er das Gesicht. „Hast wohl eine Menge Spaß gehabt letzte Nacht“, kommentiert er. „Wenn du es nicht mal nach Hause geschafft hast.“

Was soll ich darauf sagen? Ich zucke bloß die Achseln, weil mir keine schlagfertige Antwort einfällt, dann schließe ich meine Wohnungstür auf. Ich kann das jetzt nicht. Mich mit ihm streiten.

„Sind deine 97-Liner mittlerweile schon wichtiger als BTS?“, fragt Taehyung weiter und es liegt so viel Groll in der Stimme, dass ich gar nicht anders kann, als mich verwundert umzudrehen. Normalerweise redet er mit mir in einer Mischung aus Desinteresse und Unterkühlung. Diese offensichtliche Wut ist das deutlichste Zeichen einer Emotion, das ich seit langem von ihm bekommen habe und ich weiß nicht, wie ich das einordnen soll.

Noch wichtiger ist aber, woher er das überhaupt weiß. Ich habe es niemandem auf die Nase gebunden, dass ich mich mit Dong-min und den anderen treffen würde … außer Jimin. Natürlich. Jimin hat es vermutlich brühwarm weitererzählt.

„Was?“

„Du hast die Frage schon verstanden.“

„Ich wüsste nicht, was dich das angeht. Muss ich dir Rechenschaft dafür ablegen, mit wem ich meine Freizeit verbringe?“

„Jimin hat dich auch eingeladen. Du ziehst sie also eindeutig vor.“

„Jimins Einladung kam später als die Einladung von Dong-min“, gebe ich zurück. Mein Kopf tut zu weh für so einen Unsinn. Ich stoße die Tür auf. „Außerdem wird es dir doch recht gewesen sein, dich nicht mit mir abgeben zu müssen. Du hattest doch auch so eine Menge Spaß, oder etwa nicht?“

„Und? Du hast dich doch auch nicht vor einen Bus geworfen, um so fertig auszusehen“, antwortet Taehyung so laut, dass jetzt Jimins Tür auffliegt und dieser im Rahmen steht und uns entgeistert mustert.

„Seid ihr bescheuert?“, zischt er. „Ihr schreit ja das ganze Haus zusammen.“

„Er hat angefangen.“ Wenigstens darin sind wir uns wohl einig, als wir das beide gleichzeitig sagen und auf den jeweils anderen deuten.

„Mir doch egal. Ihr benehmt euch wie Kindergartenkinder. Kommt rein und dann redet endlich mal vernünftig miteinander.“

„Nein.“ Wieder sind wir uns einig.

„Aber gut zu wissen, dass du überhaupt nichts für dich behalten kannst“, fahre ich Jimin an, der mich daraufhin verwundert anschaut. Wenn er seine Klappe gehalten hätte, würde Taehyung mich jetzt nicht so blöd von der Seite anmachen.

„Jungkook-ah …“

„Spar es dir.“ Bevor Jimin etwas sagen kann, betrete ich meine Wohnung und werfe die Tür hinter mir ins Schloss. Was bildet Taehyung sich eigentlich ein? Ignoriert mich in Grund und Boden und wenn ich mich mit Leuten treffe, die mich mögen, fühlt er sich beleidigt?

Das kann doch nicht sein Ernst sein.

Genervt lasse ich mich auf mein Sofa fallen und schalte den Fernseher an. Ein Videospiel wird die schlechte Laune und die Kopfschmerzen mit Sicherheit vertreiben.

Und genau deswegen verbringe ich die nächste Stunde alleine auf meinem Sofa – ignoriere Jimins Klopfen an meiner Tür. Das geht solange gut, bis ich mein Handy aus der Hosentasche ziehe und einen Blick darauf werfe.

Ich öffne die Kakao-App. Ich habe lediglich ein paar Benachrichtigungen im 97-Liner-Chat.

Ich öffne den Gruppenchat. Da ist aber nichts Wichtiges zu finden. Ein paar Fragen, wie der Abend war, wann wir uns noch einmal alle treffen können. Mehr nicht.

Moment mal.

Wo ist das Video, das ich gestern Abend gesendet habe?

Mir kommt ein schrecklicher Gedanke. Hastig öffne ich den BTS-Chat und da ist es. Scheiße.

Oh scheiße.

Das Dynamite-Video habe ich tatsächlich an BTS gesendet. Das hatte ich nicht gewollt. Ich wollte keinen meiner Hyungs mit der Nase darauf stoßen, dass ich mich mit der 97-Line abgeschossen habe. Sie mögen unsere Treffen sowieso nicht besonders, seit wir letztes Jahr so negativ aufgefallen sind. Jetzt haben sie auch noch ein Beweisvideo davon, wie ich betrunken singe. Wundervoll.

Sekundenlang schwebt meine Hand über dem Display, bevor ich es wage, das Video abzuspielen.

BamBam und Yugyeom wie sie sich alle Mühe geben, die Töne zu verhunzen. Mein ausgelassenes lautes Lachen, in meinen Ohren klingt es im verkaterten Zustand fast schon hysterisch. Dann ruckelt das Handy herum, ich gebe es wohl an Dong-min weiter, denn im nächsten Moment tauche ich selbst im Bild auf. Rote, glühende Wangen, leicht zerzauste Haare, das Lachen ist nicht von meinen Lippen zu bekommen und ich singe mit den beiden.

Gesehen haben das Video alle. Geantwortet hat aber keiner. Taehyung würde sowieso nicht antworten, das ist klar. Jimin hat normalerweise immer etwas zu sagen, wenn etwas lustig ist, das kann eigentlich nur bedeuten, er ist wirklich enttäuscht gewesen.

Die anderen vier haben ebenso geschwiegen. Auch das war allerdings zu erwarten. Ich kann mir vorstellen, dass mein Video für wesentlich mehr Unmut sorgt, als Taehyungs. Erstens schon deshalb, weil es mit der 97-Line ist und nicht mit BTS. Zweitens, weil ich überhaupt ein solches Video habe. Drittens, weil mein Verhalten derzeit sowieso zu wünschen übriglässt.





Mittwoch, 17.11.2021






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At my worst - Jeon Jungkook


So, jetzt habt ihr das erste Mal erlebt, wie Tae und Kookie direkt miteinander reden (abgesehen vom Prolog). Und? Was denkt ihr so? Wer ist schlimmer? :D
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