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Flüsterton

von lila-lida
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P16 / MaleSlash
Jungkook V
04.11.2021
13.05.2022
41
92.877
43
Alle Kapitel
374 Reviews
Dieses Kapitel
12 Reviews
 
15.01.2022 2.210
 
Hallo ihr Lieben,

da sind wir wieder. Ich hoffe, ihr habt ein schönes Wochenende? :)

Lieben Dank für die Reviews an NatiBTSArmy, Taekook, Everybodysaylalalala, KpopTime, Maggyxx, jasbir, Ayasha, annaromantika, Only-Hope, freelover, LiNsDeVilLaDy und Vanna.

Ich wünsche euch ein schönes restliches Wochenende und viel Spaß mit dem neuen Kapitel.

Lida



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~*~


Kapitel 21


~*~




Jungkook

Unser Choreograph Seongdeuk muss ein ziemliches Problem mit mir haben. Vielleicht habe ich ihn in einem früheren Leben einmal umgebracht. Oder er nimmt mir noch übel, dass ich 2014 einmal öffentlich darum gebeten habe, dass er seine Choreografien nicht ständig ändert und wir mit dem Training wieder von vorne beginnen müssen.

Ich weiß nicht, was es ist, aber es muss etwas Furchtbares gewesen sein, anders kann ich mir die Choreografie nicht erklären, die er uns von Background-Tänzer*innen vorstanzen lässt.

Ich zähle drei Tänzerinnen. Und ich kenne keine von ihnen. Ob eine von ihnen Taehyungs … was auch immer … ist? Nein. Darüber sollte ich wirklich nicht nachdenken müssen.

Die ganze Situation wird auch nicht besser, als ich realisiere, dass gleich in meiner ersten Strophe, die mit „Breakininto your heart like that“ endet, ich eine Interaktion mit Tae haben soll.

Er soll mich antippen, wir sollen uns in die Augen sehen und dann greift er sich ans Herz.

Ich dachte nicht, dass ich einmal froh darüber sein könnte, dass ich nicht am Tanztraining teilnehmen darf, aber hier sitze ich zwischen Jin und Yoongi und überlege, wie ich es schaffen soll, für den Rest der Butter-Ära nicht tanzen zu dürfen.

Als ich mich 2018 während der Konzerttour verletzt habe und einen Großteil der Konzerte auf einem Stuhl sitzen musste, habe ich es gehasst. Nach jedem Konzert habe ich geweint, weil ich es schrecklich gefunden habe, dass ich ARMY so enttäusche.

Jetzt im Moment ist das eine erstrebenswerte Lösung. Wie viele Monate müsste ich wohl tanztechnisch unbrauchbar sein? Vier, fünf? Länger? Ich glaube länger, um ganz sicher zu gehen.

Ob sie mir noch einen zweiten Flug vom Laufband durchgehen lassen würden?

„Legen wir los“, sagt Seongdeuk und klatscht in die Hände. Alle Tänzer*innen verschwinden, außer natürlich das Jungkook-Double, die mich ja schließlich ersetzen muss.

Ob meine Stylistin so gut ist, dass sie die Tänzerin so schminken kann, dass sie aussieht wie ich und ich einfach hinter der Bühne stehe und singe? Das hat bei anderen auch schon funktioniert. Zumindest in irgendeinem K-Drama, das ich mal gesehen habe.

„Brauchst du noch etwas?“, fragt Jin, als er aufsteht, um sich vom Tanztraining quälen zu lassen.

„Nein.“

„Etwas zu trinken?“

„Nein. Hör auf dich drücken zu wollen.“

Er streckt mir die Zunge heraus und ergibt sich dann aber in sein Schicksal.

„Hey.“ Tae tritt zu mir. „Brauchst du noch irgendwas?“, fragt er und mustert mich besorgt.

Ich schüttle den Kopf. Ich mag seine Fürsorge, aber sie tut mir nicht gut.

Ich habe mir ein paar Tage erlaubt, zu träumen. Jetzt, da ich weiß, dass er sich mit einer Frau trifft, verbiete ich es mir. Ich versuche jeglichen Gedanken an Taehyung sofort zu unterbinden. Versuche ihn neutral zu betrachten. Natürlich gelingt es mir nicht, aber jetzt muss ich wirklich schaffen, von ihm loszukommen, ansonsten gehe ich daran kaputt.

Die ganze Zeit sehe ich beim Tanztraining zu und versuche mir die Schritte einzuprägen, die mich betreffen. Aus dem Sitzen fällt mir das wesentlich schwerer als üblich. Ich muss die Schritte sofort umsetzen, hier zu hocken und mir eine Choreografie auf diese Art merken zu müssen, ist wirklich nichts für mich.

Und es hilft auch nicht, dass diese Tänzerin Tae die ganze Zeit anlächelt. Selbst wenn er das nicht erwidert, weil er vollkommen konzentriert auf die Choreografie ist, frage ich mich doch immer wieder, ob sie es ist.

Es fühlt sich an, wie eine Ewigkeit, bis das Tanztraining für beendet erklärt wird.

Die Tänzerin schließt zu Tae auf, der gerade nach einer Wasserflasche gegriffen hat und lehnt sich zu ihm.

Es ist eine ungewöhnlich vertraute Geste und damit ist mir auch klar, dass ich mir die Frage nicht länger stellen muss, ob sie es sein könnte oder nicht. Sie ist es.

Ich wende mich sofort ab und trete auf Jimin zu. Wenn ich nicht hinsehe, kann es auch nicht wehtun.

Vielleicht sollte ich hinsehen, damit es sich auch in die letzte dumme Faser meines Herzens brandmarkt. Taehyung ist verliebt.

Sieh es dir an, Jungkook. Und versteh es endlich, du Idiot.

„Was macht der Arm?“, fragt Jimin.

„Wehtun“, antworte ich und versuche mich auf ihn zu konzentrieren. Doch als sein Blick zur Seite huscht, hinüber zu Taehyung und der Tänzerin, kann ich nicht anders. Ich sehe hin.

Sie stehen sich gegenüber, Taehyung lächelt und sie streicht sich durch die Haare, eine Hand legt sich auf seinen Arm, als sie ihm etwas sagt. Er nickt.

Vielleicht machen sie die nächste Verabredung aus.

„Jungkook?“

„Hm?“ Ich wende mich Jimin zu, auch wenn es mir schwer fällt, den Blick von Taehyung loszueisen.

„Ich hab gefragt, ob wir uns einen Iced Americano holen wollen.“

Ich weiß, dass Jimin mich mag. Er hat mich immer gemocht und wir haben uns immer gut verstanden. Busan, unsere Heimatstadt hat uns immer verbunden und wir haben schon unzählige Fahrten nach Busan gemeinsam verbracht. Ich mag Jimin sehr, aber eigentlich ist er meist mit Tae zusammen. Solange es den Keil zwischen Tae und mir gab, waren es eher die beiden, die Zeit miteinander verbracht haben. Ich habe das Jimin nie übelgenommen. Er hat sich nie in unserem Streit aufgehalten und dass er eher Zeit mit seinem besten Freund verbringt als mit mir, ist ja völlig klar. Er hat aber immer wieder versucht, mich einzubinden. Warum sollte ich ihm also irgendetwas vorwerfen?

Wieso er jetzt aber ausgerechnet mich fragt, hinüber in die Cafeteria zu gehen, erschließt sich mir aber dennoch nicht.

„Ich … okay?“

„Schön. Ich geh nur schnell unter die Dusche.“

„Okay.“

Während die anderen alle nach und nach unter der Dusche verschwinden, warte ich also hier auf Jimin.

„Wie findest du die Choreo?“, fragt mich Seongdeuk, der als einziger noch im Tanzsaal ist.

„Gut. Passt super zum Song.“ Ich bin froh, abgelenkt zu werden.

„Sobald du die Erlaubnis vom Arzt hast, wieder zu trainieren, werde ich Einzelstunden mit dir machen, damit du die verlorene Zeit aufholen kannst. Mach dir also nicht zu viele Gedanken.“ Er kennt mich gut, das muss ich ihm lassen. Natürlich mache ich mir Gedanken, aber die Aussicht auf Einzelstunden beruhigt mich tatsächlich etwas. Ich bin schnell darin, Choreografien zu lernen.

„Jungkook-ah?“

Ich drehe mich um, als ich Taes Stimme höre. Er steht im Tür zum Trainingsraum, die Haare noch feucht nach dem Duschen. Der senfgelbe Pullover und die Jeans lassen vermuten, dass sein Schedule für heute beendet ist.

„Ja?“

„Kann ich …“ Sein Blick fällt auf Seongdeuk, dann verstummt er.

Unser Choreograf versteht den Wink mit dem Zaunpfahl sofort und zieht sich zurück, während Tae den Saal betritt und in wenigen Schritten bei mir ist. „Kannst du mir helfen?“

„Wobei?“

Er hält mir das Textblatt von Butter hin.

„Englisch?“

„Nein.“ Er wirft wieder einen Blick zu Seongdeuk, der uns demonstrativ ignoriert, dann greift er unvermittelt nach meiner unverletzten Hand und zieht mich mit sich. Kurz komme ich ins Straucheln, dann lasse ich mich einfach mitziehen.

Ich rechne nicht damit, dass er mein persönliches Studio ansteuert. Doch es wird wohl seinen Grund haben, also gebe ich den Code ein, um die Tür ins Golden Closet zu öffnen.

Als die Holztür hinter uns ins Schloss fällt und wir allein sind, weiß ich allerdings nicht, wie ich das finden soll. Immer wieder, wenn ich mich dazu entschließe, Abstand zu ihm suche, ende ich mit ihm in einem Raum.

„Also, was ist das Problem?“

„Die hohen Töne“, sagt Tae unvermittelt. Damit habe ich nicht gerechnet. Ja, Butter ist hoch. Und Taes Stimme ist eher tief, aber dass Butter ihm Schwierigkeiten machen würde, hatte ich nicht erwartet. Es ist ja nicht das erste Mal, dass er hoch singen muss.

Dennoch will ich ihm natürlich helfen. Wir haben beide nichts mehr auf dem Schedule und so haben wir eine Menge Zeit, uns gemeinsam mit Butter auseinanderzusetzen.

Ich helfe ihm, an seinen hohen Tönen zu arbeiten. Er hat keine Angst vor den Studioaufnahmen, sagt er, sondern vor den Liveauftritten.

„Wenn ich es nicht live singen kann, habe ich ja auch keinen Grund, auf die Bühne zu gehen.“

Diese Argumentation kann ich nachvollziehen. Ich weiß noch, wie viel Respekt Euphoria mir eingebläut hat und wie lange ich daran gearbeitet habe, bis mich der Gedanke, den Song live auf der Bühne zu singen, nicht mehr in Panik versetzt hat.

Deswegen arbeite ich weiter mit Tae daran. Es ist wichtig, mit Selbstsicherheit auf die Bühne zu treten, ansonsten bringt es überhaupt nichts.

Wir lassen uns einen Snack in mein Studio bringen und während wir gemeinsam da sitzen, fühle ich mich das erste Mal richtig entspannt in Taes Nähe. Irgendwann liegt der Songtext vergessen in der Ecke und wir reden über unsere Trainee-Zeit. Es ist so schwer gewesen, damals und trotzdem denken wir oft mit Wehmut daran zurück.

Würde ich den ganzen Weg noch einmal gehen wollen? Ja. Auch wenn ich mir wünschte, dass wir es manchmal einfacher gehabt hätten, aber auf der anderen Seite, sind wir heute da, wo wir jetzt sind, so stark, wie wir jetzt sind, weil wir das alles durchgestanden haben. Gemeinsam.

Ich blicke von meinem Essen auf und Tae mustert mich. „Was ist denn?“

„Ich dachte nur gerade, wo wir uns so alles durchgekämpft haben. Wir sieben gegen den Rest der Welt.“

„Ja, so ist es früher wirklich gewesen.“

Ich weiß nicht, ob Tae damit etwas sagen will oder ob es unabsichtlich war. Aber er hat schon Recht. Heute ist es nicht mehr ganz so.

Es sollte aber so sein. Ich muss wirklich wieder viel mehr dafür tun, dass es wieder so ist. Dass Tae und ich uns wieder besser verstehen, hat schon sehr viel geholfen. Und das Zusammenleben mit den anderen im Dorm auch.

Ich habe das Gefühl, dass es langsam wieder besser wird. Vielleicht ist es noch nicht wieder richtig gut und wir brauchen noch etwas Zeit, aber es fühlt sich nicht mehr alles ganz so falsch und gezwungen an.

Nach unserem gemeinsamen Essen widmen wir uns noch einmal Butter, aber es ist noch nicht zu allzu spät, als Tae das Textblatt zur Seite legt. „Ich glaube, das hat wirklich geholfen.“

„Das freut mich.“ Ich lehne mich auf meinem Stuhl zurück. „Ich … hast du Lust, dass wir … etwas trinken gehen?“, frage ich. Wo der Mut herkommt, kann ich nicht sagen, aber ich habe die letzten Stunden mit Tae genossen und es hat sich nicht gezwungen angefühlt. Deswegen würde ich gern den Abend mit ihm verbringen, doch Tae schüttelt den Kopf, wenn er auch bedauernd aussieht.

„Ich bin noch mit Soomin verabredet.“

Soomin heißt sie also. Ich weiß nicht, ob ich gut finde, dass sie einen Namen hat. Dass ich sie kenne. Ich will, dass sie einfach irgendwer ist und auf keinen Fall ein Name. Oder ein Gesicht.

„Oh … okay. Klar.“ Ich setze mein bestes Lächeln auf. „Dann wünsche ich dir viel Spaß.“

„Danke.“

Tae beginnt, seine Sachen zusammenzupacken und ich bin kurz versucht ihm aus dem Studio zu folgen, aber dann entscheide ich mich dagegen. Ich sollte mich ablenken. Nicht schon wieder im Dorm hocken, während er zu seinem Date geht.

„Fährst du nicht heim?“

„Nein, ich glaube, ich starte ein Vlive. Ich bleibe noch ein bisschen hier.“

„Okay.“ Tae nickt. „Aber zeig ihnen nicht deinen verletzten Arm.“

„Auf keinen Fall.“ Ich bin ja nicht verrückt. Ich will live gehen, weil ARMY mich ablenken wird. Wenn Tae das schon nicht tut, sie tun es und sie werden mir zeigen, dass sie mich lieben und dann werde ich mich besser fühlen.

„Dann mache ich mich auf den Weg.“

„Okay.“ Ich hebe die Hand zum Abschied, aber ich habe nicht damit gerechnet, dass Tae mich fest in seine Arme ziehen würde.

Ich bin wie erstarrt. Nur kurz, weil mein Kopf trainiert darauf ist, in Extremsituationen zu handeln, und das hier ist nichts anderes als eine Extremsituation. Wir verstehen uns besser, aber deswegen heißt das aber nicht, dass wir uns ständig berühren oder umarmen.

Es gibt unterschiedliche Arten von Umarmungen. Es gibt die, die für die Kamera sind und es gibt ganz echte Umarmungen. Das hier ist eine echte.

„Danke nochmal für deine Hilfe“, sagt Tae an meinem Ohr und ich glaube, ich muss sterben. Seine Nähe, sein Geruch, seine Berührung, seine Stimme, sein alles.

Ich will mich an ihn klammern und ihn nie wieder loslassen. Niemals wieder.

Ich liebe dich, denke ich und ich wünschte, er könnte meine Gedanken einfach hören. Ich liebe dich, ich liebe dich, ich liebe dich.

„Gern“, höre ich mich sagen und ich lasse von ihm ab, als er die Umarmung löst.

„Viel Spaß mit ARMY.“

„Viel Spaß mit Soomin.“

Tae streckt mir einen Daumen entgegen und verlässt dann mein Studio. Und ich? Ich starte währenddessen ein Vlive. Wenigstens von ARMY bekomme ich die Liebe, die ich mir wünsche.





Samstag, 15. Januar 2021





BTS Rooftop Confessions:
Jungkooks Beschwerde beginnt bei 3:11, aber das ganze Video ist sehenswert :D

Die Info, dass Tae Schwierigkeiten mit den hohen Tönen bei Butter hatte, stammt aus den Vogue/GQ Interviews aus der Januar 2022 Ausgabe.

Jungkooks Vlive
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