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Flüsterton

von lila-lida
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P16 / MaleSlash
Jungkook V
04.11.2021
13.05.2022
41
92.877
42
Alle Kapitel
374 Reviews
Dieses Kapitel
12 Reviews
 
12.01.2022 2.310
 
Hallo ihr Lieben,

wie geht's euch? Ich war heute wesentlich länger im Büro, als ich gewollt hatte und ich bin gerade erst (21:50 Uhr) mal auf dem Sofa gelandet. Ich sende euch noch ein neues Kapitel, aber ich habe es noch nicht geschafft, alle Reviews zu beantworten, aber das kommt noch :) Jetzt gerade will ich nur noch in mein Bett fallen.

Ein großes Danke für die Reviews an jasbir, Taekook , NatiBTSArmy, KpopTime, Maggyxx, LiNsDeVilLaDy, Vanna, SmaragdFee, Ayasha, annaromantika, Suse  und Only-Hope. Ihr seid so toll und zaubert mir in meinen stressigen Alltag jedesmal ein Lächeln (wenn ihr mich nicht gerade jagen wollt).

Ich wünsche euch einen schönen Abend,
Lida


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~*~


Kapitel 20


~*~




Jungkook

Jin gibt sich die größtmögliche Mühe. Sein Zimmer sieht aus wie ein Liebeskummer-Rettungsboot. Er hat Süßigkeiten hergebracht, Softdrinks, Bier und Eis.

Sein Bett ist so voller Kissen, dass ich gar nicht weiß, ob wir auch noch dort hineinpassen. Gefühlt die Hälfte der Kissen sind RJs in allen möglichen Formen und Größen.

„Jin-Hyung …“ Ich bin sprachlos und hab keine Idee, was ich eigentlich genau sagen soll, aber glücklicherweise muss ich das nicht wissen, denn Jin treibt mich jetzt in Richtung des Bettes und ich gehe fast unter in den ganzen Kissen, als ich mich darauf fallen lasse.

„Hm“, macht Jin, der vor dem Bett stehen geblieben ist. „Vielleicht sind es ein paar Kissen zu viel.“

„Vielleicht“, bestätige ich und muss lachen. Es tut gut, weil es so unverfälscht und ungeplant aus mir herausgekommen ist. Ich dachte nicht, dass ich heute noch dazu fähig sein würde, zu lachen. Und kaum streift mich dieser Gedanke, vergeht mir das Lachen auch schon wieder.

Taehyung ist seit über einer Stunde weg. Er ist sicherlich schon bei ihr angekommen.

Gemeinsam werfen wir die Hälfte der Kissen vom Bett und Jin kommt zu mir. Ich kuschle mich an seine Seite, während er Netflix öffnet. Ich habe so das dumpfe Gefühl, dass er auch schon einen Film ausgewählt hat und tatsächlich … Call me by your name.

Ausgerechnet.

„Nicht den“, sage ich leise.

„Aber ich dachte …“ Ich weiß, was Jin sich gedacht hat. Er hat sich gedacht, ein Liebeskummer-Film über zwei Männer würde mir helfen. Es ist nur so, dass ausgerechnet dieser Film …

Taehyung und ich haben ihn gesehen. Damals, als wir uns noch wirklich gut verstanden haben. Bevor ich mich in ihn verliebt habe oder zumindest bevor mir bewusst war, dass ich es getan habe.

Tae hatte sich Hals über Kopf in diesen Film verliebt und ich habe idiotischerweise angenommen, dass er Männer mögen könnte. Als ob man schwul sein müsste, wenn man sich einen Film über eine gleichgeschlechtliche Beziehung ansieht.

Dann müsste ich ja auch furchtbar hetero sein, da die meisten Filme, die ich in meinem Leben gesehen habe, heterosexuelle Paare beinhalten. Ansonsten hätte ich wohl nicht viele Filme in meinem Leben schauen können. Nicht einmal Iron Man.

„Nicht den, Hyung. Wirklich nicht.“

„Oh, ich dachte …“

„Ich weiß, was du dachtest.“ Ich taste nach der Fernbedienung und begebe mich auf die Suche. Netflix ist schließlich voller Filme. Meine Entscheidung fällt letztlich aber dann auf einen, den ich schon oft gesehen habe. Die Avengers.

Einfach nur ein Action-Film und kein Geschnulze weit und breit.

Natürlich weiß ich, dass Jin nicht unbedingt begeistert ist von dieser Art von Filmen, aber da muss er jetzt durch. Schließlich geht es ja dabei darum, mich abzulenken.

Na gut, Jin wollte mich dazu bringen, den Liebeskummer zu durchleben, das ist mir auch klar.

„Was denkst du, was sie gerade machen?“, frage ich nach einer Weile, als der Film schon Fahrt aufgenommen hat und ich den Kopf auf Jins Brust gelegt habe und mich von ihm kraulen lasse.

„Kookie, mach das nicht …“

„Ich kann nicht anders.“ Kann ich wirklich nicht. Ich versuche es, ich versuche mit aller Kraft mich auf diesen Film zu konzentrieren, aber es ist unmöglich. Immer wieder taucht Tae in meinen Gedanken auf. Die Vorstellung davon, wie er mit dieser Frau isst, lacht. Wie sie gemeinsam trinken. Wie sie sich küssen.

Ich kämpfe die Tränen zurück, aber Jin hört mich schniefen und dann stoppt er den Film.

„Es tut mir leid.“

„Was?“, frage ich und setze mich auf. Ich drehe ihm den Rücken zu, aber Jin ist sofort auf den Knien und umarmt mich fest von hinten.

„Wir haben uns gefragt, wann es bei dir so weit sein würde. Dass du dich verliebst, dass du ausgehen willst. Dass dieser Tag nie gekommen ist, hat uns gewundert, aber du warst immer so verbunden mit der Arbeit, dass wir es nicht weiter hinterfragt haben. Wir hätten aufmerksamer sein müssen.“

„Nicht jeder will unbedingt ausgehen und heiraten und Kinder haben.“ Mir hat immer das Bedürfnis dazu gefehlt, diese Dinge zu erleben. Dating. Was für eine unangenehme Situation und ich habe wirklich keine Idee, warum man sich selbst so etwas antun sollte. Ich wüsste vermutlich überhaupt nicht, worüber ich reden sollte. Das Konzept des Kennenlernens – das ist einfach nichts für mich. Ich rede nicht gern, wenn mir jemand fremd ist. Erst wenn ich Vertrauen zu jemandem aufgebaut habe, fühle ich mich wohl und öffne mich.

Warum es also Spaß machen soll, mit einer fremden Person an einem Tisch zu sitzen und Small-Talk zu halten, konnte mir noch niemand glaubhaft erklären.

„Nein. Das stimmt. Aber du hast dich verliebt und niemand hat es mitbekommen. Ich hätte dir ein Happy End für diese Verliebtheit gewünscht, weißt du?“

Ich lehne mich in Jins Umarmung und nicke. Natürlich weiß ich das. Jin würde mir alles Glück der Welt wünschen, wie könnte ich das nicht wissen? „Ihr habt doch alle nicht viel Glück mit der Liebe gehabt. Warum sollte es mir da besser gehen?“, frage ich.

„Wir hatten aber wenigstens eine Zeitlang Glück. Wir hatten eine schöne Zeit bei Dates oder in den Beziehungen, wie kurz sie auch gewesen sind. Aber du hast das nicht. Du hast nur Trauer.“

„Wenn er morgen zurückkommt und glücklich ist, dann kann ich mich immerhin darüber freuen.“

„Du hättest aber selbst verdient glücklich zu sein.“

Ich zucke die Achseln. Momentan bin ich das nicht. Glücklich. Das liegt zum Teil an Tae, aber auch daran, dass ich nicht auf die Bühne kann. Ich will so gern Konzerte geben, auf Tour gehen, die Fans vor mir haben mit ihnen interagieren. Stattdessen verbringen wir Tag für Tag für Tag zu siebt. Wir interagieren nur mit Kameras.

Ich habe Korea eine Ewigkeit nicht verlassen. Alles was ich sehe, ist Seoul. Jeden Tag Seoul und immer den gleichen Bereich der Stadt. Mein Zuhause, den Dorm, Big Hit.

„Jungkook, ich meine es ernst. Wir machen uns alle Sorgen um dich.“

„Ich kann es doch nicht abstellen, Hyung. Wenn ich könnte, würde ich.“

„Ich weiß. Ich weiß doch“, murmelt Jin in mein Ohr, während er mich weiter festhält. Und er lässt mich den Rest des Abends nicht mehr los bis wir irgendwann eng aneinander gekuschelt einschlafen.



~*~




Als ich am nächsten Morgen mit Jin zum Frühstück gehe, wuseln Yoongi und Hobi noch durch die Küche, während Namjoon und Jimin am Tisch sitzen und Kaffee in sich hineinschütten.

Mein Blick fliegt zur Garderobe. Taes Mantel ist nicht da. Er ist noch nicht wieder zurück.

Mir wird schlecht. Vielleicht habe ich immer noch ein bisschen gehofft, dass das Date nicht gut gelaufen wäre und er wieder zurückkommt. Aber er hat die Nacht mit ihr verbracht.

Jin, der meinem Blick gefolgt ist, streicht mir über die Haare und sieht mich bedauernd an, aber er sagt nichts. Kann er ja auch nicht, schließlich weiß niemand anderes von meinen Gefühlen.

Ich setze mich auf meinen Platz und trinke den Tee, den Jin mir hinstellt.

„Alles okay?“, fragt Namjoon mich.

„Ja. Mir tut der Arm nur ziemlich weh“, lüge ich und würde mich am liebsten in meiner Teetasse ertränken.

„Vielleicht gehst du nochmal zum Arzt, wenn wir bei Big Hit sind.“

Ich antworte darauf nicht, nehme lieber einen tiefen Schluck Tee, als mir auffällt, dass Jimin mich intensiv mustert.

Ich will gerade fragen, was das soll, da geht die Tür auf und Tae betritt den Dorm. Er tritt die Schuhe im Eingangsbereich von den Füßen und hängt den Mantel an der Garderobe auf. Sein breites Grinsen ist unverkennbar. Ich weiß was das bedeutet, ich habe dieses Grinsen schon oft gesehen, von verschiedenen Membern und es bedeutet immer dasselbe. Sex Talk.

„Na, scheint wohl ein guter Abend gewesen zu sein“, meint Hobi und Tae grinst daraufhin noch eine Spur breiter und lässt sich auf seinen Platz neben Jimin fallen.

„Es war richtig schön.“

Alle sehen ihn an, aber er sieht nicht so aus, als würde er das weiter ausführen wollen. Okay. Das wars jetzt? Es war richtig schön, mehr bekommen wir nicht?

Das ist ja noch schlimmer, als es sich in allen Einzelheiten anhören zu müssen, denn das jagt meine Fantasie geradezu zu Höchstleistungen.

„Seit wann lässt du dir alles so aus der Nase ziehen?“

„Wir haben gegessen, geredet, was soll ich denn sagen?“

„Die ganze Nacht lang geredet. Muss ja ein intensives Gespräch gewesen sein“, kommentiert Jimin das bissig. Das kenne ich gar nicht von ihm. Die beiden sind doch eigentlich ein Herz und eine Seele und wenn der eine ein Date hatte, war der andere bisher auch immer am meisten daran interessiert.

Doch dann erinnere ich mich, dass Jimins Verabschiedung gestern daraus bestanden hat, Taehyung Idiot zu nennen, also vermutlich haben sich die beiden gestritten, bevor Taehyung gegangen ist. Ich weiß nicht warum und ich werde mich hüten zu fragen.

Man sollte nicht versuchen, zwischen die beiden zu kommen, wenn sie sich verstehen, aber wenn sie sich streiten, wäre das tödlich.

„Vielleicht war es das ja“, schießt Taehyung jetzt zurück in Jimins Richtung.

„Schön für dich.“ Jimin sieht so aus, als ob er gerne mehr sagen würde, er diesen Streit aber nicht vor uns allen mit Taehyung ausfechten will. Das ist wohl auch schlau von ihm. Dann würde es am Ende gezwungen sein, das in der Gruppe mit Taehyung auszudiskutieren und das wird er nicht wollen.

„Was willst du denn genau hören?“, fragt Taehyung, der jetzt wirklich genervt von Jimin zu sein scheint. „Wir hatten fantastischen Sex. Die ganze Nacht. Zufrieden.“

Bevor jemand etwas sagen kann, verlässt Taehyung den Raum.

In meinem Kopf fahren die Gefühle Achterbahn. Einerseits ist da die Eifersucht, die mich fast um den Verstand bringt, aber andererseits tut Tae mir leid, weil er gerade noch so glücklich gewesen ist und Jimin es ihm so gründlich verhagelt hat, auch wenn ich nicht weiß, wieso.

Ich entscheide es nicht bewusst, als ich aufstehe und Tae die Treppe nach oben folge. Ich möchte für ihn da sein, gerade weil Jimin das nicht ist. Und es ist egal, dass mir dieses Gespräch das Herz brechen wird.

Er hat die Tür zu seinem Zimmer offenstehen lassen und steht gerade vor seinem Kleiderschrank, vermutlich um sich umzuziehen.

„Tae. Ist alles in Ordnung?“

Er zuckt zusammen, hat wohl nicht damit gerechnet, dass ihm jemand folgt. Dass ich ihm folge.

„Kookie“, sagt er, dann wendet er sich wieder seinen Klamotten zu. „Ja. Alles in Ordnung.“

„Ich … ich hoffe wirklich, dass dein Abend schön war“, sage ich und bleibe im Türrahmen stehen.

„Tust du das?“ Er fragt das so komisch, dass ich nicht genau weiß, wie ich reagieren soll. Ahnt er etwas?

Nein. Gott, nein, ich hoffe nicht.

„Natürlich. Trefft ihr euch wieder?“

„Ich denke schon. Sie ist wirklich lieb, witzig und … schön. Ich wäre wirklich blöd, wenn ich sie nicht wiedersehen würde.“

Entgegen meines Fluchtinstinkts, wage ich mich ins Zimmer hinein und steuere auf das Sofa zu. Taehyung folgt mir mit Blicken und da er sich über meine Anwesenheit nicht beschwert, nehme ich auf dem Sofa Platz.

Er wendet mir wieder den Rücken zu und streift sein Hemd ab, auf dessen Kragen ich den Abdruck eines Lippenstifts entdecke.

Doch ich bin zu abgelenkt, um mich darauf zu konzentrieren. Sprachlos betrachte ich seinen nackten Rücken, die glatte Haut, die so weich sein muss. Wie wäre es wohl, ihn dort zu berühren? Ihn zu streicheln.

Seinen Nacken zu küssen.

Sie weiß es. Sie weiß, wie es ist, ihn zu berühren, von ihm berührt zu werden. Geküsst zu werden.

Sie weiß, wie Tae sich anfühlt.

Sie hat alles, was ich haben will und Taes Lächeln nach zu urteilen, als er sich zu mir umdreht, will er sie ebenso sehr.

Ich hoffe wirklich, er will mir jetzt nichts über diese Nacht erzählen. Diese Sexgespräche unter Männern habe ich noch nie verstanden. Vielleicht weil ich nie Sex hatte. Ich habe ja nicht einmal jemanden geküsst.

Obwohl … wenn ich mit Tae Sex haben würde … würde ich das dennoch nicht jedem in allen Details auf die Nase binden wollen. Das ist doch eine so intime Sache.

Ich weiß nicht, ob ich Sex in meinem Kopf zu einer größeren Sache aufbaue, als sie ist, aber manche Dinge können doch wirklich einfach zwischen zwei Menschen bleiben.

„Keine Sorge, Kookie. Irgendwann taucht auch die Richtige für dich auf.“

Die Richtige? Er findet … sie ist die Richtige?

„Ja“, höre ich mich sagen. „Wahrscheinlich.“

Ich habe mal in einem Artikel über Hundeerziehung gelesen, man solle die Nase des Welpen in den Urin drücken, wenn er in die Wohnung gepinkelt hat. Das soll ihn davon abhalten, das noch einmal zu tun. Mir kam das immer ziemlich bestialisch vor.

Aber jetzt gerade weiß ich genau, wie sich so ein Welpe fühlen muss. Tae hat mir mehr als deutlich gemacht, dass ich aufhören muss, über ihn zu fantasieren. Das führt nirgendwo hin.

„Wann seht ihr euch wieder?“

„Ich weiß es noch nicht.“

„Wir haben ja bald ein paar Tage frei“, höre ich mich sagen, idiotisch wie ich bin.

„Stimmt.“ Taehyung sieht mich an, sieht mir direkt in die Augen und er lächelt. Er lächelt so glücklich, dass die Schmetterlinge in meinem Bauch aufgeregt flattern. Ich wünschte, ich wäre der Grund für dieses Lächeln.






Mittwoch, 12. Januar 2022
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