Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

fires in november || ʸᵒᵒⁿᵐⁱⁿ

Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
J-Hope Jimin Jungkook RM Suga V
01.11.2021
15.01.2022
13
83.113
15
Alle Kapitel
26 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
15.01.2022 5.653
 
┌──── ⋅⋅⋅ ────┐
chapter 12: jealousy
└──── ⋅⋅⋅ ────┘


track no. 12 ♫
Run by BTS


ES WAR NICHT ZU LEUGNEN, dass das nächtliche Gespräch in der Küche irgendwas verändert hatte. Und das nicht nur von Jimins Seite. Jedenfalls war jener nach diesem Mal sicher, dass er es sich nicht einbildete, dass Yoongi ihm aus dem Weg ging. Besonders bei ihren folgenden Fanmeetings in Tokyo und Osaka sowie der Nordamerika-Highlight-Tour mit ihrem Mode-Sponsor Community 54 war dies mehr als deutlich zu spüren. Der Rapper verbrachte so gut wie all seine sozialen Momente mit Seokjin, Namjoon oder Hoseok und wenn Jimin es einmal wagte, sich dazuzugesellen, fand er immer bald eine Ausrede, um sich irgendwo anders hin zu verziehen.

Kaum waren sie zurück in Seoul, klopfte auch schon der Oktober an der Tür und kündigte den hereinbrechenden Herbst mit erträglichen Temperaturen und sich langsam färbendem Laub an. Erst ab Jimins Geburtstag, an dem Yoongi ihm kommentarlos eine Instax-Mini-Polaroid-Kamera mit zwei Filmen als Geschenk auf dem Bett platzierte, bekam er das Gefühl, dass es besser wurde. Als hätte der Rapper ihm damit viel mehr gesagt: „Lass uns diesen ganzen Mist einfach vergessen und weitermachen wie zuvor, okay?“

Jimin war dankbar und niedergeschlagen zugleich. Er hatte das Gefühl, dass ihm dieses ganze Chaos so langsam wirklich an die Substanz ging, er aber gleichzeitig keine Möglichkeit hatte, sich irgendwie selbst zu retten. Als Yoongi ihn größtenteils ignoriert hatte, war ihm etwas Zeit geblieben, um zur Ruhe zu kommen. Sich wieder mehr auf sich selbst zu konzentrieren und sich von den ungesunden Gefühlen gegenüber seinem Hyung zu lösen. Doch nun, mit diesem wirklich außergewöhnlich schönen Geschenk, war das Loch in seiner Brust irgendwie wieder ein bisschen aufgerissen.

Von da an suchten Jimin die Gedanken wieder öfter heim. So auch an einem der ersten Novembertage, die er auf der Arbeit in den BigHit-Büros verbrachte. Gerade war wieder sehr viel los. Die letzten Vorbereitungen für ihr viertes Mini-Album The Most Beautiful Moment in Life, Pt. 2 liefen und man setzte riesige Hoffnungen in das Comeback, das auf den 30. des Monats angesetzt war.

Jimin kam gerade von einer der letzten Abstimmungen mit dem Stylistenteam. Die Kostüme für den anstehenden Videodreh von ihrer Single Run hatten angepasst werden müssen und man hatte ihm eröffnet, dass seine Haare noch einen Tick orangener als beim letzten Mal gefärbt werden würden. Im gleichen Ton, den die Blätter der Bäume draußen auf den Straßen längst angenommen hatten. Irgendwie gefiel es Jimin, obwohl er eigentlich froh gewesen war, nach seiner langen Bunthaar-Phase wieder seit Kurzem Braun zu tragen. Doch ein neues Album verlangte neue Visuals. Und das Kupfer hatte den Fans offenbar mehr als zugesagt. Dazu kam, dass er ARMY natürlich auch etwas bieten wollte…wenn er dies schon nicht mit neuen Erfolgen bei seiner Diät tun konnte, die er momentan aus Zeitgründen wieder sehr schleifen ließ.

Nun war er auf dem Weg zum Gesangstraining. Der Weg dorthin stellte schon einen fast automatisierten Prozess für ihn dar und er hätte ihn wahrscheinlich auch fast schon gedankenlos hinter sich gebracht…wäre da nicht ein verdächtig nach einem Lachen klingendes Geräusch aus dem Bangtan Room gewesen, das ihn beim Passieren innehalten ließ.

Jimins Herzfrequenz erhöhte sich augenblicklich. Das war keine Stimme, die er kannte und je darin wahrgenommen hatte. Schon alleine deswegen, weil sie weiblich war.

Ehe der Sänger sich versah, hatte er sich näher an die Tür gestellt und ein Ohr gespitzt. Erneut dieses Lachen…begleitet von einer tiefen Stimme. Eine, die Jimin dafür umso besser kannte. Und die Kombination, die sich daraus ergab, sorgte dafür, dass sich sein Magen einmal komplett um die eigene Achse drehte. Gefolgt von einer Kurzschlussreaktion, die er im klaren Zustand wohl nie so heraufbeschworen hätte.

Yoongi und die fremde Frau verstummten augenblicklich, als Jimin die Tür aufriss. Es handelte sich bei ihr um eine zierliche Gestalt. Ihre dunklen Haare trug sie als Bob und ihr Gesicht war ausgesprochen hübsch – gekennzeichnet durch ihre großen Hundewelpenaugen und volle Lippen, die gerade vor Schreck ein wenig geöffnet waren.

„Ach, du bist’s nur“, schnaufte Yoongi und war, ehe sich der Sänger versah, auf ihn zugeeilt, um ihn vollends in den Raum zu ziehen. Kurz darauf hatte er die Tür wieder geschlossen.

„I-ist das…ist das einer deiner…?“, stotterte die Frau, die sogar noch jünger als Jimin wirkte.

„Ja, das ist Jimin“, erklärte der Rapper unbekümmert und legte ihm dabei sogar eine Hand auf die Schulter. Jimin zuckte unter der Berührung zusammen.

„Wer ist das?“, entfuhr es ihm barscher, als er es zunächst beabsichtigt hatte und mied dabei jeden Blick zu der Fremden.

Yoongi zog die Augenbrauen hoch. „Park Soohyun. Eine Freundin von mir.“

„Und was macht sie…hier?

Jimin konnte sich nicht ganz erklären, was ihn in diesem Moment so rasend machte. Nun endlich genau jener Person gegenüberzustehen, über die er sich schon seit Monaten den Kopf zerbrochen hatte? Oder die Tatsache, dass Yoongi sie hierhergebracht hatte? In ihren Bangtan Room?

„Sie ist Trainee bei Music K Entertainment. Wir kennen uns durch eins der Seminare 2012, als du noch nicht bei uns warst. Sie produziert auch und wir arbeiten gerade zusammen an etwas. Da ihr das Equipment fehlt, habe ich sie hierher eingeladen. Genug Informationen?“

Yoongi schien nicht gerade angetan von Jimins Verhalten, das hörte man aus jeder Silbe und man sah es an dem defensiven Blick, den sein Gesicht nun schmückte. Mit den blonden Haaren wirkte er so viel herrischer…doch der Sänger ließ sich nicht davon einschüchtern. In seiner Brust kochte es siedend heiß und aus irgendeinem unerfindlichen Grund wollte er nichts von dem glauben, was ihm gerade erzählt worden war.

„Weißt du…ich war wenigstens ehrlich. Damals mit Yelim.“

Wer war dieser zur Arroganz tendierende Fremde, der gerade seine Lippen benutzte? Okay, eigentlich wusste Jimin ganz genau, wer er war. Er brauchte sich selbst nichts vorzumachen.

„Was…soll das jetzt heißen?“, sprach Yoongi gefährlich langsam und verschränkte die Arme vor der Brust.

„Du weißt genau, was das heißen soll. Einfach lächerlich, dass mir damals noch ein so riesiger Vorwurf daraus gemacht wurde, aber du darfst seit Monaten, nein, Jahren deine geheime Affäre haben, ohne dass auch nur irgendein Hahn danach kräht. Und jetzt besitzt du auch noch die Frechheit, sie mit hierher zu schleppen? In unseren Bandraum?! An unseren Computer, auf dem unter anderem unsere Aufnahmen sind, die nicht an die Öffentlichkeit kommen dürfen? Ich wette mal mit dir, das Management weiß nicht, dass sie hier ist, oder? Ach, was frag ich überhaupt. Natürlich weiß es niemand. Keiner hätte das jemals erlaubt!“

Jimin hatte sich so sehr in Rage geredet, dass seine Stimme manchmal sogar gefährlich ins Straucheln gekommen war. Immer noch wagte er es nicht, zu der Frau namens Soohyun zu sehen. Er konnte sich nicht damit konfrontieren, wie sehr er sie mit diesen Worten mitverletzt haben musste. Irgendwie…war das ja auch der Zweck gewesen. Er wollte sie spüren lassen, wie sehr er sie dafür hasste, dass sie das hatte, was er eigentlich wollte. Doch ein Teil von ihm konnte sie auch nicht verurteilen…nicht dafür, Min Yoongi zu lieben. Wer wäre er, um ihr das zu verübeln?

Soohyun machte zaghaft einen Schritt in den Raum hinein. „I-ich glaube, hier liegt ein Mi–“

„Nein, lass mich das klären!“, unterbrach sie der Rapper sofort und stellte sich dabei direkt vor sie, als hätte er plötzlich die Befürchtung, Jimin könnte sie angreifen. „Bist du jetzt komplett übergeschnappt?! Was redest du hier für eine Scheiße?“

„Ich soll Scheiße reden?!“, schnaubte der Jüngere hysterisch. „Jetzt tu nicht so, als hättest du mir nicht genug Andeutungen gemacht. Dass du verliebt bist. Und du vergisst, dass ich euer Telefonat mitbekommen habe! Dazu dürfte ja wohl jedem hier bekannt sein, wie unfassbar du Gefühlskram hasst, also muss es mich eigentlich auch gar nicht wundern, warum du im Gegensatz zu mir mit Samthandschuhen angefasst wirst.“

„Du verdrehst Tatsachen, Jimin-ah! Ich habe es dir bereits gesagt und Soohyun kann dir auch bestätigen, dass –“

„Hör auf zu leugnen, dass du sie fickst!! Hör endlich auf, mich anzulügen!“

Jimin zitterte inzwischen am ganzen Körper und er konnte nicht verhindern, dass ihm zwei vereinzelte Tränen entwischten. Schnell wischte er sie weg, ballte die Hände zu Fäusten und kämpfte mit aller Macht gegen den Drang an, nicht einfach komplett zu explodieren.

Yoongi starrte ihn unterdessen an, als sähe er sich plötzlich seinem schlimmsten Feind gegenüber. Sein Blick zeugte von nichts als verstörtem Unglauben und Ärger. Für einige Sekunden sagte er nichts, als müsste er das, was Jimin ihm gerade an den Kopf geworfen hatte, erst einmal richtig verarbeiten. Dann jedoch öffnete er langsam den Mund und begann mit erstaunlich ruhiger Stimme zu sprechen.

„Du denkst, du kennst mich…aber eigentlich hast du keine Ahnung, Jimin-ah.“

Die Worte trafen den Sänger wie ein gezielter Schuss mitten ins Herz.

„Beruht auf Gegenseitigkeit“, brachte er mit letzter Kraft hervor und machte einen Schritt rückwärts. „Ich denke, ich werde jetzt mal besser Bescheid geben, dass unbefugte Personen im Büro sind. So kurz vor dem Comeback können wir uns das absolut nicht leisten.“

„Das traust du dich nicht…“

„Du wirst ja sehen, Hyung. Also schau besser, dass ihr es bei einem Quickie belasst, sobald ich weg bin.“

Ohne eine Antwort abzuwarten, machte Jimin auf dem Absatz kehrt, riss die Tür wieder auf, nur um sie so fest er konnte hinter sich zuzuschlagen.


~ ❉᯽❉ ~


Jimins Hände klammerten sich an das Handy in seinem Schoß, das im Stand-by die missmutig dreinblickende Spiegelung seines Gesichts zeigte. Die orangenen Haare stachen trotz der schwarzen Bildschirmfarbe klar heraus. Und diese bissen sich wunderbar mit der roten Lederjacke, in die man ihn bereits gesteckt hatte.

Eigentlich war er sehr gut in den 15. November gestartet. Der erste Drehtag zu ihrem Title-Track Run stand heute an und Jimin konnte es kaum erwarten, dem Bangtan Universe mehr Szenen beizufügen. Die Visuals erinnerten leicht an jugendliche Punker und das war es auch, was sie heute darstellen sollten. Allerdings hatte niemand berücksichtigt, dass man ihm besser keinen Min Yoongi mit in den Van hätte packen sollen, der sie zur ersten Film-Location kutschierte.

Die Members waren auf drei Wägen aufgeteilt worden und Jimin hatte das Pech gehabt, genau mit der Person eingeteilt zu werden, die seit gut drei Tagen nicht mehr mit ihm redete. So war es kein Wunder, dass auch jetzt nichts als die träge Trott-Musik und das kaum hörbare Summen des Fahrers den Wagen erfüllte.

Jimin hatte Yoongi nicht verpfiffen. Natürlich hatte er das nicht. Allerdings hatte er sich gut eine halbe Stunde in der Toilette eingeschlossen und sich die Seele aus dem Leib geheult, bis dann schließlich ein besorgter Taehyung ihm deswegen fast die Tür eingetreten hätte. Er hatte keine Fragen gestellt, sondern Jimin einfach nur in den Arm genommen. Seit der Sache in der Karaoke-Bar mied er es ohnehin tunlichst, auch nur ein falsches Wort zu äußern.

Nun, drei Tage später, ging es Jimin wieder besser. Nun ja…einigermaßen. Die Tatsache, dass Yoongi ihn seit ihrem Streit wie einen stinkenden Luftzug behandelte, überschattete die ganze Geschichte mit Soohyun. Der Sänger war traurig, wütend und voller Reue in einem. Nach dem, was er sich nun alles zusammengereimt hatte, wollte er dem Älteren nach wie vor nicht glauben, dass zwischen dem Trainee und ihm nichts lief…dafür war sie zu hübsch. Gleichzeitig ging es ihm miserabel, weil er so unfassbar aus der Haut gefahren war.

In diesem Moment starrte Yoongi gerade aus dem Autofenster. Jimin wollte eigentlich nicht zu ihm sehen, doch er erwischte sich trotzdem immer wieder dabei. Wie konnte man es ihm auch verübeln? Die Haare des Rappers erstrahlten seit gestern in einem frischen, grünlichen Minz-Ton, der ihn zusammen mit dem Undercut, den Doc Martens, der zerfetzten Jeansjacke und dem weißen Shirt mehr als nur cool aussehen ließ. Und Jimin hatte noch nie eine Farbe so sehr an ihm gemocht wie diese.

„Ich werde heute mal ausnahmsweise so tun, als wärst du nicht das größte Arschloch auf diesem Planeten gewesen“, sagte Yoongi plötzlich kalt, ohne sich dabei umzudrehen. „Sie werden rund um die Uhr filmen und auch überall die Bangtan-Bomb-Cams haben. Das Letzte, was wir gebrauchen können, sind irgendwelche Anomalien.“

„K-klar“, presste Jimin hervor, der vor Schreck fast sein Handy fallen gelassen hatte. „I-ich meine…Ja, ist wohl das Beste…“

Erneut kehrte Stille zwischen ihnen ein, während die Landschaft an ihnen vorbeizog. Sie fuhren gerade aus dem dicht besiedelten Teil Seouls heraus, hinein in die kleineren Vorstädte. Jimin fühlte sich plötzlich noch unwohler als vor dem Zeitpunkt, an dem Yoongi gesprochen hatte. Jimin musste irgendwas sagen…irgendwas

„Ich…ich habe euch nicht verpfiffen…Hyung.“

Ach, was du nicht sagst.“

„Ich war…wirklich ziemlich arschig.“

Ein Grunzen.

„Ich…ehm…es tut mir…echt leid, okay? Ich wollte dich nicht so anfahren.“

Aber ich hasse dich immer noch dafür, dass du das mit Soohyun leugnest. Jeder blinde Fisch merkt, dass da was zwischen euch ist.

„Schön, dass du das nicht wolltest.“

Jimin schluckte. „W-was auch immer das zwischen euch ist…Es geht mich nichts an.“

Ja, es geht mich nichts an, aber ich will trotzdem, dass du es mir verdammt nochmal sagst. Es macht mich verrückt, klar?! Das hier tu ich nur, weil ich es nicht ertrage, dass du mir böse bist!

Yoongi schnaubte und drehte ihm zum ersten Mal seit dem Einsteigen den Kopf zu. „Du bist manchmal wirklich…so unfassbar blöd, Jimin-ah. Einfach unfassbar blöd.“

„…Blöd-blöd oder dumm-blöd?“

„Beides auf einmal.“

Yoongis Lippen zeigten keine Regung eines Lächelns, jedoch beruhigte es Jimin ungemein, dass die Härte aus seinen Zügen verschwunden war. Gerade wirkte er einfach nur unfassbar träge und müde. Und die Visagistinnen würden ihn für die Ringe unter seinen Augen wie immer verfluchen. Dabei fand Jimin diese nicht einmal unschön. Sie waren irgendwie ein Teil von ihm.

Die beiden sprachen die komplette restliche Fahrt nicht weiter, doch es war deutlich spürbar, dass sich der größte Teil der Anspannung gelöst hatte, als sie endlich aus dem Wagen stiegen. Ihr erster Dreh fand an einem alten Rangier-Bahnhof voller Güterwaggons statt und das trübe Wetter, das sich durch einen wolkenverhangenen Himmel auszeichnete, spiegelte irgendwie perfekt die melancholische Stimmung wider. Ob nun die des Musikvideos oder die, die Jimins Kopf vereinnahmte.

Obwohl sie gerade eine Art „Film“ erstellten, verschwammen für ihn zeitweise die Szenen zwischen Dreh und Realität. Besonders wenn sie bei ihrer Reise von Location zu Location immer wieder zum hemmungslosen Rennen aufgefordert wurden. Sie rannten und rannten und rannten. Und manchmal hätte sich Jimin am liebsten Yoongis Hand geschnappt und wäre weitergelaufen. Immer weiter, obwohl die Regie sie längst zum Zurückkommen aufgefordert hatte…

Doch dann gab es auch jene Momente, in denen Jimin gedanklich alleine weiterrannte. In denen ihn Geistesblitze wie innerliche Panikattacken trafen und er sich immer nur ganz kurz fragte, wie lange er diese Situation noch überleben würde. Wie lange würde er es schaffen, ein Teil von BTS zu sein, ohne einzugehen wie eine Pflanze, der man das Licht verweigerte? Würde je der Zeitpunkt kommen, dass die Situation mit Yoongi sich löste? Oder würde er irgendwann endgültig daran zerbrechen? Würde sein Lebenstraum letztendlich daran kaputtgehen, dass er sich in sein verdammtes Bandmitglied verliebt hatte?

„Du siehst ein bisschen fertig aus. Ist alles okay?“, fragte ihn Hoseok, als sie gerade eine der Sprint-Szenen in einem prägnant gefliesten Tunnel hinter sich gebracht hatten. Zeitgleich zu seiner Frage hielt er Jimin eine Wasserflasche unter die Nase, die dieser dankend annahm.

„Passt schon. Bin nur müde.“

In Wahrheit hatte er zu viel Zeit damit verbracht, zu träumen und in andere Sphären abzutauchen. Als wäre das Bangtan-Universe plötzlich eine Parallelwelt, in der mehr möglich wäre. Eine, in der keine Park Soohyun existierte. Keine Fans, die einen dauerhaft beobachteten…Ein Zufluchtsort.

„Wir fahren, sobald es dunkel wird, wieder in die Stadt rein, hab‘ ich gehört“, erklärte Hoseok, als könnte er ihn damit irgendwie ermutigen und schenkte ihm dazu ein ehrliches Lächeln. „So wie ich das verstanden habe, sind da weniger Sprint-Szenen geplant. Besser so. Ich wette mit dir, Jinnie-hyung schafft höchstens noch drei Runden, bis er einfach rekapituliert und seine ganze Karriere hinwirft.“

Hoseok hob den Finger, um keckernd zu Jin zu deuten, der sich gerade nach Luft schnappend halb auf dem Boden kugelte, doch Jimins Augen wanderten wie automatisch an einen anderen Punkt. Da, wo sie so gut wie immer hinwanderten, wenn sie gerade nichts Besseres zu tun hatten.

Dumm nur, dass Min Yoongi ihn dieses Mal volle Breitseite erwischte…oder war es wirklich so?

Jimin war schon drauf und dran gewesen, seinen Blick wieder wegzulenken, wäre ihm nicht in letzter Sekunde aufgefallen, dass der Rapper das gleiche vorzuhaben schien. Er hatte viel schneller den Kopf wieder weggedreht…War etwa er derjenige gewesen, der Jimin schon vorher angestarrt hatte?!

Ein unangenehmes Ziehen machte sich in seinem Magen breit. Ob er ihn wohl angeschaut und überlegt hatte, ob er ihm jemals verzeihen würde? Ob er je wieder ein freundschaftliches Verhältnis mit dem Sänger wollte?

Letztendlich war es komplett irrelevant. Es brachte Jimin nichts, sich weiter darüber den Kopf zu zerbrechen. Dass nun schon die ersten kamen und Geht’s-dir-gut-Fragen stellten, war ein eindeutiges Zeichen für ihn, dass er sich zusammenreißen musste…und zwar jetzt sofort. Allerdings hatte er dabei nicht die Rechnung mit Taehyung gemacht.

Das schlechte Gewissen, das Jimin bezüglich seines besten Freunds beherrschte, sollte einen neuen Höhepunkt erreichen, als dieser ihm in einer kleinen Drehpause auf Nadeul Island einen Becher mit heißer Schokolade brachte. Taehyung machte sich nach wie vor Vorwürfe wegen der Kuss-Aktion, das wusste Jimin. Die kleinen Gesten, die er ihm seitdem entgegenbrachte, sprachen Bände.

„Das wäre echt nicht nötig gewesen“, murmelte er, als er den dampfenden Becher von ihm entgegennahm.

„Du sahst aus, als könntest du das gebrauchen“, erwiderte Tae achselzuckend und ließ sich direkt neben ihm nieder. „Der Streit mit Yoongi-hyung macht dir echt zu schaffen, oder?“

Jimin verschluckte sich halb an der Schokolade, die ein Glück kalt genug war, um ihm nicht den Mund zu verbrennen. „W-woher weißt du…?“

„Ach, komm schon. Jeder weiß es. Auch wenn keiner fragt, was genau los ist. Wenn ihr beiden streitet, liegt das einfach in der Luft.“

Taehyung warf ihm einen erwartungsvollen, aber auch von Vorsicht behafteten Seitenblick zu. Jimin unterdessen versuchte abzuwägen, ob es schlau war, ihm von den Hintergründen des Streits zu erzählen. Schließlich veranlasste sein schlechtes Gewissen ihn dazu, es zu tun…wenn auch in abgespeckter Form.

„Naja…Es hat da…einen kleinen Zwischenfall auf der Arbeit gegeben…Er hatte…nun ja…eine Frau bei sich im Bangtan Room. Und ich habe ihm angedroht, ihn zu verpfeifen, weil es mich so wütend gemacht hat. Ich habe überreagiert, ich weiß…aber er hat einfach irgendeine fremde Person in unseren Bangtan Room gebracht…Ist das nicht irgendwie nachvollziehbar, dass ich so reagiere?“

Jimin traute sich nicht, zu seinem besten Freund zu sehen. Dieser jedoch genierte sich weiterhin nicht, ihn direkt zu mustern. Auch wenn er sich mit seiner Antwort Zeit ließ.

„Bist du…wirklich nur deswegen sauer geworden?“

Er schluckte bitter. „Klar, logisch. Wieso hätte ich denn sonst sauer sein sollen?“

„Nun ja, also…“ Taehyung stockte, ehe er hörbar ausatmete und den Kopf schüttelte. „Ich frag dich das ein allerletztes Mal, okay? Bitte sei mir nicht böse, ich mach mir nur Sorgen um dich…aber ist das, was du für Yoongi-hyung fühlst, wirklich nur freundschaftlich? Weil ich muss dir ehrlich sagen…ich kauf‘s dir nach wie vor nicht ab. Das auf der Toilette ergibt jetzt auch viel mehr Sinn, nach dem, was du gerade erzählt hast…und ich weiß genau wie du tickst. Dir wäre es viel zu peinlich, es zuzugeben. Ich weiß, die Aktion, die ich nach den ISAC gebracht habe, war scheiße und das tut mir nach wie vor auch unfassbar leid…Aber ich will für dich da sein, okay? Und das kann ich nicht, wenn du mir nicht die Wahrheit sagst.“

Jimins Hände klammerten sich so fest um den Pappbecher, dass er Gefahr lief, diesen zu zerdrücken. Ihm war schlecht. Unfassbar schlecht.

„Komm schon, Chim…Magst du ihn auf diese Weise? Du musst es auch nicht laut sagen, okay? Ein Kopfschütteln oder Nicken reichen mir auch…“

Jimins Kopf bewegte sich. Ruckartig. Von oben nach unten. Nicht von links nach rechts.

„Oh Jiminie…“ Taehyung legte ihm einen Arm um die Schulter und lehnte seinen Kopf an seine Schläfe. „Ich würde ja jetzt gerne rumbrüllen, ich hab’s die ganze Zeit gewusst…aber das würde ich dir aus Nettigkeit gerne ersparen.“

„Das wird sich schon wieder einkriegen“, würgte Jimin mühsam hervor und zwang sich zu einem gequälten Lächeln. „Es ist…wirklich nichts Ernstzunehmendes…“

„Willst du es schon wieder herunterspielen?“

„Tae…Alleine die Umstände machen es unmöglich, dass es je mehr als eine…lächerliche Gefühlsverwirrung sein wird.“

Sein bester Freund seufzte. „Was auch immer…Ich bin froh, dass du es endlich zugegeben hast. War ja nicht auszuhalten, dir bei…was auch immer das sein sollte, zuzusehen. Und dass du auf das Mädel eifersüchtig warst, war mir gerade auch von der ersten Sekunde an bewusst.“

„Ist okay, ich hab‘ so langsam verstanden, dass du eigentlich Taelock Holmes bist.“

Taehyung strahlte an seiner Schulter. „Endlich erkennst du es an! Nee, aber mal ernsthaft…Das war einfach so offensichtlich eine Ausgeburt von Jealous Jimin, die da mit Yoongi diesen absolut unnötigen Streit angefangen hat. Ich will gar nicht wissen, was für einen Mist du ihm da wahrscheinlich an den Kopf geworfen hast.“

„Nein, willst du wirklich nicht…“

„Und so wie ich dich kenne, wirst du auch weiterhin nicht auf meinen Ratschlag hören und mit ihm reden?“

„Exakt.“

So überzeugt Jimin dies auch in diesem Moment sagte…so wenig hatte er eine Ahnung, was an diesem Tag noch alles auf ihn zukommen würde. Gerade musste er sich aber erst einmal mit dem Gedanken anfreunden, dass er es nun nach so vielen Abstreitereien endlich vor seinem besten Freund zugegeben hatte. Komischerweise fühlte es sich absolut nicht so befreiend an wie ihr Gespräch in Los Angeles damals. Verbunden mit dem Druck des Drehs, der nach wie vor um sie herum stattfand, war dies eigentlich einer der denkbar schlechtesten Zeitpunkte gewesen, um darüber zu sprechen. Aber jetzt war es nun mal passiert. So plötzlich wie unerwartet. Wie irgendwie fast alles in Jimins Leben.


~ ❉᯽❉ ~


„Ja, perfekt, Jimin-ssi. Winkel das Bein noch etwas mehr ab. Und den Arm noch etwas mehr verdrehen. Es soll nach einer richtigen Schnapsleiche aussehen…Und pass auf deine Hand auf. Nicht, dass Yoongi-ssi dir noch drauftritt.“

Jimins Herz hämmerte so laut in seiner Brust, dass er davon überzeugt war, dass es den Betonboden unter seinem Rücken zum Beben brachte. Über ihm flimmerte Mintgrün, als sich ein gewisser Rapper wieder etwas von ihm entfernte. Jimins Blick durfte ihm nicht folgen. Das Kamerateam rief bereits „Action!“

Es dauerte keine paar Sekunden, als das laute Trampeln von Doc Martens in seinen Ohren dröhnte und Yoongis ganzer Oberkörper sich plötzlich über ihn beugte. Aus seinem Mund ragte der Stiel eines Lollis und sein Gesicht wurde von der Seite in das goldene Nachtlicht der Gasse getaucht. Er legte den Kopf etwas schief, als wollte er sich um Jimins Lage vergewissern. Gleichzeitig erschien das typische professionelle Lächeln in seinen Mundwinkeln, mit denen er die Fans regelmäßig um den Finger wickelte. Taehyung musste sich bestimmt gerade irgendwo im Hintergrund einen Ast abgrinsen…

„CUT! Das war schon gut, aber jetzt nochmal mit etwas mehr Elan, Yoongi-ssi.“

Jimin nutzte seine paar Sekunden Ruhe, um erneut tief durchzuatmen. Diese Szene machte ihn jetzt schon fix und fertig. Und das, obwohl er nur blöd herumliegen und einen alkoholisierten Jugendlichen mimen musste. Es war so unangenehm, direkte Interaktionen mit Yoongi zu spielen. Der neckende Blick, den er ihm dabei schenkte, war nur Show…und das machte alles noch so viel bitter-süßer.

Der Sänger war hin und hergerissen. Konnte er zulassen, seinem Kopf einen kleinen Ausschweifer zu erlauben? Nur für diese Szene? Wie gerne würde er sich einfach vorstellen, es wäre echt…Wie gerne würde er –

„Was machst du da, du Punk? Steh auf und geh nach Hause!“

Jimin blinzelte ein wenig auf, als er Yoongis Silhouette über sich zu fixieren versuchte. Er lachte. Und plötzlich griff er mit einer Hand sogar nach Jimins roter Lederjacke, um ihn wenig zu rütteln, nachdem er ihm so schrill und pseudo-betrunken diesen dämlichen Satz ins Gesicht gebrüllt hatte. Als er den Blick des Jüngeren bemerkte, wurde sein Lachen noch etwas lauter…konnte das wirklich nur gespielt sein?

Yoongis Augen logen nicht. Zumindest hätte Jimin sein ganzes Hab und Gut darauf verwettet, dass sie das in diesem Moment nicht taten.

Sie drehten die Szene erneut. Wieder und wieder. Ganze neun weitere Male sprang Yoongi in all seiner Coolness über Jimin, um ihn zu wecken. Bis er ihm am Schluss sogar die Hand reichte, um ihm vom Boden aufzuhelfen, als der Regisseur endlich zufrieden war.

„Gut gespielt“, murmelte Jimin leise und fuhr sich nervös durch die orangenen Haare, als das Kamerateam sich für die nächsten Szenen rigoros auf Taehyung und Jeongguk stürzte.

Yoongi, der gerade mit einer Coordi-Noona noch eine kleine Aufnahme für die Behind-the-Scenes-Bangtan-Bomb gemacht hatte, musterte ihn verwundert. „Ehm…danke…Du auch, schätze ich…“ Seine Mundwinkel zuckten und er wich seinem Blick aus. „Hattest ja vor ‘ner Weile ein paar ganz gute Übungen dazu…“

Dass es eindeutig scherzhaft gemeint war, reichte Jimin als Bestätigung aus. Das war alles, was er gebraucht hatte, um wieder ruhig durchzuatmen. Yoongi schien das Kriegsbeil fürs Erste wirklich begraben zu haben.

„M-meinst du, wir können kurz…woanders reden?“, fragte er, beschwingt von neuem Mut. „Ich wollte das…also das von heute Morgen…eigentlich nicht so stehen lassen…“

Ein Schatten flog über Yoongis Gesicht, doch er nickte relativ schnell. Kurz darauf schlenderten sie vom Kamerateam und den anderen Members weg. Etwas weiter in das enge Gassenlabyrinth, das in diesen dunklen Abendstunden als eine ihrer letzten Dreh-Locations diente. Die schnuckligen Läden an den Seiten waren längst geschlossen, genauso wie die Fensterläden über ihren Köpfen. Durch die Straßenbeleuchtung fühlte sich alles…ein bisschen surreal an. Als befänden sie sich nicht an der Erdoberfläche, sondern in einem unterirdischen Tunnelsystem.

„Na dann, schieß los“, forderte ihn Yoongi auf, als sie nach einer Weile wie automatisch zum Stehen kamen. Unterdessen lehnte er sich lässig mit dem Rücken an die Backsteinmauer hinter sich.

„Ich…ehm…Ich wollte mich nochmal richtig entschuldigen…“ Jimin atmete tief durch, ehe er es wagte, dem Rapper direkt in die Augen zu sehen. „Ich weiß nicht, was in mich gefahren ist. Ich war nur…“

„…eifersüchtig?“

Jimins Herz setzte für ein paar Schläge aus, während das Wort unaufhörlich und gespenstisch in seinem Kopf echote. Hatte er das wirklich gerade gesagt? Fuck. Er war sowas von am Arsch.

„Ich…was?! Ich und eifersüchtig? Wieso sollte ich denn –“

Er brach mitten im Satz ab, als er Yoongis Miene bemerkte. Sie war komisch. Anders ließ es sich einfach nicht beschreiben.

„Es war nur so ein Gedanke, den ich hatte…Sorry, ich wollte dir nichts unterstellen.“

Er räusperte sich und lehnte den Kopf weiter zurück. Bildete sich Jimin das ein, oder wirkte er plötzlich etwas…unbeholfen?

„Also…nun ja…vielleicht kann man es ja irgendwie Eifersucht nennen, wenn man sieht, dass es…bei jemand anderem besser klappt, als bei einem selbst…“

Meisterhaft formuliert, Park Jimin. Nicht einmal eine Lüge.

„Du denkst also ernsthaft immer noch, dass Soohyun und ich was haben? Dein scheiß Ernst?“

„Du…du brauchst es vor mir echt nicht zu leugnen, Hyung…Ich schwöre dir, ich werde es auch niemand erzählen…“

Ja, schön, dass du zur Einsicht gekommen bist, Junge. Aber reiß dich verdammt nochmal zusammen! Ich kann die Tränen in deinen Augen sehen!!!

„Jiminie…“

Der Sänger zwang sich, den Blick etwas zu heben. Er zitterte inzwischen wieder am ganzen Körper und konnte es nur dadurch verstecken, dass er sich ebenfalls gegen die Backsteinwand hinter sich gelehnt hatte. Es gab ihm ein wenig Halt. Yoongis Stimme jedoch brachte alles zum Wanken. Den Boden, die Häuser, selbst die verdammte Luft.

„Ist schon okay, wirklich…Ich…ich hab‘ dir, bis auf in diese eine Nacht in Tokyo, nie richtig von Yelim erzählt, aber…aber weißt du, ich…ich hab eigentlich aus einem ziemlich beschissenen Grund mit ihr Schluss gemacht und es macht mich bis heute fertig…Ich habe durch sie etwas über mich…herausgefunden…und irgendwie hasse ich diesen Teil an mir so sehr…Es bringt mich um, hörst du, Hyung?! Und…und ich kann einfach nicht darüber reden, weil es niemand verstehen würde…Weil du mich widerlich finden würdest, wenn du…wenn du die ganze Wahrheit…“

Die Worte waren unkontrolliert aus Jimin herausgesprudelt und schlussendlich mündeten sie in Tränen, die ihm in stummen Bächen übers Gesicht flossen. Er war wie erstarrt und konnte nur zusehen, wie die Welt langsam um ihn herum zerbrach.

Yoongi löste sich augenblicklich von der gegenüberliegenden Wand und trat ein paar Schritte auf ihn zu. Seine Augen waren ungewohnt weit aufgerissen und seine Brauen ein wenig zusammengezogen. Er sah so schön aus in diesem warmen Licht. Jimin wäre am liebsten einfach nach unten abgetaucht, um sich von seinem Anblick nicht weiter fertigmachen zu lassen. Was hatte er nur gerade angerichtet?

„Jiminie…“

Seine Stimme war so leise, dass der Jüngere bei ihrem Klang ein wenig zusammenzuckte. Wenn er sich nicht irrte, hatte sie sogar ein wenig…erstickt geklungen.

„Du hast Yelim…nicht geliebt, oder?“

Er sah Yoongi in die Augen, weil es ihm sein Herz so befahl. „Ich…ich konnte es nicht…Ich hab’s gewollt und versucht, aber…“

Der Wimpernkranz des Rappers zuckte ein wenig und Jimin wusste, dass er diesen Wink mit dem Zaunpfahl nun, nach all jenen vergeblichen in Tokyo, endlich verstanden hatte. Doch Yoongi wich nicht wieder zur gegenüberliegenden Wand zurück. Er blieb einfach an Ort und Stelle stehen, wie angewurzelt.

„B-bitte sag was“, wimmerte Jimin, als er nach einigen Sekunden immer noch keinen Ton von sich gegeben hatte. „Ich w-will nicht, dass du…dass du mich…deswegen h-hasst…“

Yoongis Gesichtsausdruck veränderte sich. In etwas so Schmerzliches, dass es dem Sänger ein eiskaltes Kribbeln durch den Körper jagte. Eines jener Sorte, dass dir kurzzeitig schwarz vor Augen werden ließ.

„Ich könnte dich niemals hassen, Jiminie.“

„I-ich weiß nicht…Es gibt da…noch etwas, das du nicht…über mich weißt…“

Es war der denkbar schlechteste Zeitpunkt, um alles auszupacken. Aber heute war auch der schlechteste Zeitpunkt gewesen, um dasselbe vor Taehyung zu tun. Also warum die Quote nicht gleich auf zwei erhöhen? Gerade brach einfach alles aus Jimin heraus. Der Tag hatte ihn näher an seine Grenzen gebracht, als zunächst angenommen und nun Yoongi hier ganz alleine, abgeschnitten von jeglichen anderen Personen gegenüberzustehen, reichte aus, um sein ohnehin schon viel zu wackeliges Selbstschutzgerüst zum Einsturz zu bringen. All jene Chancen, die er verpasst hatte…sie forderten nun ihren Tribut.

„Warte, Chim. Kannst du mir bevor du weitersprichst…nur eine Frage nochmal beantworten? Dieses Mal bitte…ehrlich?“

Yoongi wirkte verstört und er sah Jimin nicht wirklich an. Trotzdem flogen seine Pupillen hin und her, als würde sich in seinem Kopf gerade etwas zusammensetzen. Seine Hand war dabei halb in der Luft. Als hätte er sie ausgestreckt, um nach etwas zu greifen, aber auf halber Strecke vergessen, was er eigentlich vorhatte.

„N-natürlich…“, antwortete Jimin ihm erstickt. Er hatte solche Angst, dass es ihm vorkam, als würde er jeden Moment an seinem eigenen Atem ersticken.

„…Hat es dich verletzt, als ich mich geweigert habe, dich bei diesem Spiel zu küssen?“

Die Sicht vor seinen Augen, die nach wie vor auf Yoongis gerichtet waren, verschwamm erneut, als die nächste Welle an Tränen ihn überwältigte. Er wusste es. Er wusste alles. Und wenn er es nicht gewusst hatte…dann wusste er es spätestens jetzt.

Innerlich machte Jimin drei Kreuze und schloss mit seinem Leben ab. Nun war es raus und er musste mit den Konsequenzen leben. Yoongis Reaktion ausbaden, die er gerade noch nicht einmal richtig wahrnehmen konnte. Vielleicht wäre es besser, wenn er die Band nach diesem Comeback verlassen würde…Ja, wahrscheinlich gab es wirklich keinen anderen Weg für ihn…Er war eine Gefahr für die Gruppenharmonie. Ein Störfaktor, der alles durcheinanderbrachte. Nach wie vor ein Kind, das sich nicht unter Kontrolle hatte.

Es war die Bewegung in der Luft, die Jimin dazu veranlasste, den Tränenschleier wegzublinzeln. Doch er war letztendlich nicht schnell genug. Das Gewicht traf ihn unvorbereitet und presste ihn fast schon schmerzhaft gegen die unebenen Backsteine hinter sich. Genauso wie kalten Hände, die plötzlich nach seinem Gesicht fassten und seine Haut zum Brennen brachten.

Jimin wusste nicht, wie ihm geschah. Warum Yoongis Nase von einem Moment auf den anderen direkt vor seiner schwebte. Warum er ihn auf diese Weise mit seinem schmächtigen Körper im Schwitzkasten hielt. Kurz war er überzeugt, er würde ihm einfach nur grob die Tränen wegwischen und ihm sagen, er solle sich nicht so anstellen.

Er konnte sich nicht Yoongis fast schon panisch verzerrten Ausdruck erklären. Die Angst in seinem Blick. Das Zittern in seinen Fingern, die sich fast schon schmerzhaft an seinen Kiefer krallten…

…und erst recht nicht seine Lippen, die gleich darauf mit Jimins kollidierten.


~ ❉᯽❉ ~


꧁  author's note  ꧂


THERE'S NOT GOING TO BE A HARD CUT IN THE NEXT CHAPTER, I SWEAR.
that's the first kiss, so we're going to enjoy this in every. little. detail :3

Aber wie dem auch sei, eigentlich wollte ich euch hiermit nur darüber informieren, dass ich den Wochenrhythmus bei dieser Story auf zwei Wochen verlängere. Grund dafür ist meine BTS-Gang-AU RENEGADES, die ich ausschließlich auf Wattpad hochlade. Wer sie noch nicht kennt, ist herzlich eingeladen, vorbeizuschauen :3 Nächsten Samstag geht es dann dort weiter.

(Ich hatte es schonmal erwähnt, aber es lohnt sich auch, dort durch fires in november zu blättern, ich male zu jedem Kapitel ein individuelles Banner)
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast