Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Gemeinsam gemein und einsam

von Fela
Kurzbeschreibung
GeschichteDrama, Romance / P12 / Het
Blaise Zabini Draco Malfoy Hermine Granger Pansy Parkinson Parvati Patil
31.10.2021
06.11.2021
3
3.845
3
Alle Kapitel
1 Review
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
31.10.2021 1.309
 
A/N: Ich habe mich mal wieder an ein neues Projekt gewagt, das vom klassischen „Stadt, Land, Fluss“ inspiriert wurde. Passend zum Buchstaben P entschiedenen mussten sechs verschiedene Vorgaben erfüllt werden. Eigentlich sollte das hier mal ein Oneshot werden - eigentlich. Doch weil sich die Geschichte ein wenig verselbstständigt hat, gibt es nun drei Kapitel Pansy-Pavarti-Power. Hier geht es zum Projekt „Stadt, Land, Harry“ von EmmaLisa. Vielen Dank an dich!

P wie Pansy, Pavarti, Madam Puddifoot’s, Pustelpuder, Petrificus Totalus, Pinguin

Happy Halloween!


***


Gemeinsam gemein und einsam

Zur Grausamkeit zwingt bloße Liebe mich.
William Shakespear, Hamlet


Das Ende einer Affäre

Es war noch früh am Morgen, als ich die Große Halle betrat. Dicke Wolkenberge hingen tief unter der magisch verzauberten Decke, und wurden von der aufgehenden Sonne rosig gefärbt. An den langen Haustischen saßen vereinzelt Schüler und frühstückten. Wie die anderen trug ich bereits meine Schuluniform und hatte mein Haar zu einem hohen Zopf gebunden. Ich setzte mich an den Gryffindor-Tisch, nahm mir eine Scheibe Toast und gähnte. Vor mir erschien eine Tasse Kaffee, die ich dankbar näher zu mir zog.

„Hi Draco!“, hörte ich Daphne Greengrass am Nachbartisch rufen. Ich sah auf. Draco Malfoy kam mit großen Schritten auf den Slytherin-Tisch zu. Dort angekommen ließ er den Blick durch die große Halle gleiten. Für einen kurzen Augenblick blieben seine grauen Augen an mir hängen, ehe Daphne seine Aufmerksamkeit erneut auf sich zog. Er setzte sich zu ihr und Blaise Zabini. Ich wartete darauf, dass er noch einmal zu mir herübersah, aber das tat er nicht.

Ich nippte an meinem Kaffee und versuchte den kleinen Stich zu ignorieren, den sein offensichtliches Desinteresse mir versetzte. Ich nahm mir gerade eine Scheibe gerösteten Toast als sich zwei perfekt manikürte Hände rechts und links von mir auf den Tisch stützten. Ich brauchte nicht einmal aufzublicken, um zu wissen, wer da vor mir stand.

„Hey, Pansy“, begrüßte ich das Mädchen, das über mir aufragte, und ließ mein Toast sinken. Pansy trug eine gestärkte weiße Bluse und der Rock ihrer Schuluniform war so kurz, als hätte sie sich seit der dritten Klasse keinen neuen mehr gekauft. Vielleicht hatte sie sich ihre Röcke aber auch unerlaubterweise kürzen lassen. So viel war sie in den letzten Jahren nun auch nicht gewachsen.

„Na, hattest du einen schönen Sommer?“, fragte sie betont unbekümmert.

„Ging so“, antwortet ich, ihren gleichmütigen Ton nachahmend. Bei Pansy war man besser vorsichtig. Ich kannte sie inzwischen seit mehr als fünf Jahren und hatte sie schon oft mit anderen Mädchen reden hören. Sie hatte so eine Art an sich, freundlich und interessiert zu wirken, während sie direkt hinter der fröhlichen Fassade ziemlich fies sein konnte. Aber es war praktisch unmöglich, sie deswegen zur Rede zu stellen. Sie verstand es meisterhaft, anderen Leuten einzureden, sie seien einfach nur paranoid.

„Ich habe den Sommer auf dem Landsitz meiner Eltern verbracht“, sagte Pansy und lächelte. „Daphne und Blaise sind mich dort besuchen gekommen, nur Draco hatte leider keine Zeit. Aber erzähl’, was hast du gemacht?“

Ich sah Pansy skeptisch an. Meinte sie das wirklich ernst, oder gehörte das zu einem ihrer kleinen Spielchen. Egal was es war, ich hatte dafür eindeutig noch nicht genug Kaffee getrunken. „Was willst du, Pansy?“

„Lief da was zwischen dir und Draco?“, fragte Pansy unverblümt.

Ich starrte Pansy einen Augenblick lang an. „Wie bitte?“

„Ich würde gerne wissen, ob zwischen dir und Draco Malfoy etwas gelaufen ist“, wiederholte Pansy zuckersüß und sah mich herausfordernd an. „Während der Sommerferien.“

Ich verzog genervt das Gesicht. Ich hatte geahnt, dass das früher oder später passieren würde. „Zwischen mir und Malfoy lief nichts und jetzt sei bitte woanders eifersüchtig. Der Unterricht fängt gleich an, und vorher möchte ich noch in Ruhe meinen Kaffee trinken.“

Doch anstatt sich wieder an den Tisch der Slytherins zu verziehen, ließ sich Pansy auf den freien Platz mir gegenüber fallen und schnappte sich einen Apfel.

„Blaise hat gesagt, ihr zwei hättet euch den Sommer über ziemlich oft getroffen. Stimmt das?“, fragte Pansy und biss krachend in den Apfel. Ich hoffte sehnlichst, dass es sich um einen vergifteten Schneewittchen-Apfel handelte. Aber nachdem Pansy mich auch nach dem zweiten Bissen noch abwartend ansah und nicht tot umkippte, gab ich schließlich nach.

„Ja, vielleicht haben wir uns ein paar mal getroffen.“ Und wenn schon, es waren schließlich Sommerferien gewesen, und ich hatte mir vorgenommen, das Beste daraus zu machen. „Und, was willst du jetzt machen? Mein Make-Up gegen Pustelpuder austauschen oder mir jedes Mal einen Petrificus Totalus auf den Hals hexen, sobald ich auch nur in die Nähe von Malfoy komme?“

„Nein keine Sorge, ich weiß, dass Draco dich direkt nach den Ferien abserviert hat.“ Pansy schob ihr Kinn vor und strich sich das glatte braune Haar hinter die Ohren.

„Und was soll dann das Ganze?“ Wenn sie mir einfach nur meine Laune verderben wollte, hatte sie das gerade geschafft.

Pansy grinste bedeutungsvoll und lehnte sich vertraulich zu mir hinüber. „Ich wollte nur sicher gehen, dass wir beide im selben Boot sitzen.“

Ich runzelte die Stirn. „Wenn du nicht sofort sagst, was du von mir willst, hast du gleich einen Petrificus am Hals.“

„Schon gut“, erwiderte Pansy ungerührt. „Komm einfach am Samstag um drei in Madam Puddifoot’s Café, dann erkläre ich es dir.“

„Aha“, sagte ich, nicht gerade begeistert von ihrem Vorschlag.

Pansys Augen verengten sich. „Wie – Aha?“, fragte sie. Offenbar hatte sie sich mehr Begeisterung von mir erhofft, denn ihre Verärgerung über mein offensichtliches Desinteresse sprang ihr förmlich aus dem Gesicht.

„Ich weiß nicht, Pansy. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass du alles tun würdest, nur um Draco zurückzugewinnen. Woher weiß ich, dass das kein mieser Trick von dir ist?“

„Warum sollte es ein mieser Trick von mir sein?“

Ich schnaubte. „Jeder weis, wie du mit Mädchen umspringst, die es auch nur wagen, Draco anzuschauen.“

„Was habe ich dir denn bitte getan?“ Pansy sah mich entgeistert an. „Du kannst manchmal echt ganz schön fies sein.“ Sie biss ein letztes Mal in ihren Apfel. „Naja, ich muss jetzt sowieso gehen. Wir sehen uns dann am Samstag.“ Sie stand vom Tisch auf, schnappte sich ihre Bücher und stolzierte aus der Großen Halle, das spitze Kinn hochmütig erhoben.

Ich schenkte mir noch eine Tasse Kaffee ein, gab vier Stück Würfelzucker hinein und rührte heftig darin herum. Pansy konnte einen wirklich fertig machen. Ich trank meinen Kaffee aus und stand dann ebenfalls auf. Auf dem Weg aus der Großen Halle begegnete ich Draco. Für einen kurzen Moment liefen wir schweigend nebeneinander her. Ich sah zu ihm hinüber, zögerte jedoch, ihn anzusprechen. Seit wir nach Hogwarts zurückgekehrt waren, hatten wir kaum ein Wort miteinander gewechselt und auch jetzt fiel mir nichts ein, was ich hätte sagen können.

„Draco?“, fragte ich zaghaft als wir die Eingangshalle erreichten.

„Ach du“, begrüßte er mich kühl.

„Sag mal, Draco“, begann ich und zupfte den grauen Rock meiner Schuluniform über meinen Oberschenkeln zurecht. „Kannst du mir bitte erklären, wieso du nicht mehr mit mir redest?“

„Ich rede nicht nicht mehr mit dir“, sagte Draco. „Du hörst doch, dass ich jetzt gerade mit dir rede.“

„Reden kann man das ja wohl kaum nennen“, sagte ich und konnte nicht verhindern, dass meine Stimme vorwurfsvoll klang. „Also, was ist los? Hat Pansy was über mich gesagt?“

Draco stöhnte entnervt auf. „Ich muss jetzt in den Unterricht“, sagte er und beschleunigt seine Schritte.

„Verstehe“, sagte ich leise und ging langsam hinter ihm her zu meiner ersten Unterrichtsstunde.

Da war er wieder, der salzige Geschmack von Tränen hinten in meiner Kehle. Ich spürte, wie meine Unterlippe zu zittern begann und schluckte ein paar mal hart, um meine aufsteigenden Tränen zurückzuhalten. Ich wusste, dass das keine besonders gute Taktik war. Wenn ich nicht aufpasste, würde mich irgendwann eine ganze Flutwelle von Tränen einfach überrollen und ich würde nicht mehr aufhören können zu weinen. Doch soweit würde ich es nicht kommen lassen.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast