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Roberts Lieblingsfest

Kurzbeschreibung
GeschichteLiebesgeschichte / P12 / Gen
Bibi Blocksberg Dr. Eichhorn
31.10.2021
25.11.2021
6
10.476
4
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31.10.2021 1.941
 
Als es am späten Nachmittag des 31.10. an Roberts Haustür klingelt, öffnet er mit einen freundlichen Lächeln. Er hat schon darauf gewartet, dass, wie jedes Jahr, die Kinder klingeln kommen um nach Süßem zu fragen. Doch vor seiner Tür stehen überraschenderweise keine verkleideten Kinder, sondern dort steht Bibi Blocksberg.

"Oh, Hallo. Ich hatte heute zwar mit kleinen frechen Hexen gerechnet, aber dass du bei mir klingelst überrascht mich nun doch." begrüßt Robert die junge Frau auf seiner Türschwelle witzelnd. "Ha ha. Sehr witzig Robert. Aber ich bin nicht hier um Süßes zu fordern." erwidert sie gut gelaunt. "Was verschafft mir denn dann die Ehre?" will Robert wissen. "Naja, ich brauche Unterschlupf." sagt Bibi. "Ich glaube, das solltest du etwas genauer ausführen, aber komm doch erstmal rein." meint Robert und tritt zur Seite um Bibi in den Flur zu lassen und sie anschließend in seine Wohnung zu führen, wo sie es sich auf dem Sofa bequem machen. "Hübsch hast du es hier." sagt Bibi, die sich in der geräumigen und ordentlichen Wohnküche umgesehen hat. "Stimmt ja, du warst noch nie hier oben, oder?" erwidert Robert. Bibi schüttelt den Kopf. "Nein, immer nur unten in deiner Praxis." sagt Bibi. "Was uns zu meiner Frage, nach dem Grund deiner Anwesenheit zurück bringt." wirft Robert ein. "Ich habe beschlossen einen Überraschungsbesuch bei den Martins zu machen, aber als ich da angekommen bin, war auf dem Martinshof niemand und alles war verschlossen. Also bin ich zum Schloss geflogen und da habe ich dann erfahren, dass die Martins mit Alex und dem Grafen nach Rotenbrunn zum Musical vom Phantom der Oper gefahren sind. Dagobert hat mir zwar angeboten im Schloss zu warten, aber ich kann mir bessere Abendgestaltungen vorstellen als alleine im Schloss rum zu hocken, also bin ich ins Dorf geflogen und als ich gesehen habe, dass bei dir Licht brennt, dachte ich ich schaue einfach Mal vorbei." erzählt Bibi munter. "Gut, dann herzlich willkommen. Willst du was trinken?" gibt Robert in bester Gastgebermanier von sich.

So stehen Bibi und Robert wenig später in der Küchenecke und warten darauf, dass das Wasser kocht und Robert die Früchte-Kräuter-Teemischung aufbrühen kann. "Ich wollte mir später gefüllten Ofenkürbis machen. Willst du vielleicht so lange bleiben und mir dabei Gesellschaft leisten?" fragt Robert, während er das kochende Wasser in die Teekanne gießt. Die Selbstverständlichkeit mit der Robert sie als Gast bei sich aufnimmt lässt Bibi lächeln. Es war eine gute Idee den Abend bei ihm zu verbringen. Bibi mochte Robert ja schon immer sehr gerne und er hat ihr auch immer, bei all ihren Aufeinandertreffen, das Gefühl gegeben, dass sie ihm sympatisch ist. Dennoch war sie sich, auch wenn sie es sich nicht anmerken lassen hat, nicht sicher, ob sie ihn einfach so überfallen und bei ihm klingeln sollte. Doch wie er da so lässig und entspannt lächelnd mit dem Tee hantiert, gibt ihr das Gefühl, dass sie ihn nicht stört, ja, dass er sich sogar über ihre Anwesenheit zu freuen scheint. Das beruhigt Bibi ungemein und so nimmt sie seine Einladung gerne an.

Gerade als Bibi und Robert es sich mit zwei dampfenden Tassen Tee auf dem Sofa gemütlich gemacht haben, klingelt es wieder an der Tür. "Das werden jetzt aber wirklich die ersten Kinder sein, die von Tür zu Tür ziehen." sagt er, während er aufsteht und sich auf den Weg nach unten macht. Bibi erhebt sich ebenfalls und folgt ihm zögernd. Auf dem Treppenabsatz bleibt sie stehen. Von dort aus kann sie sehen, wie Robert die Tür öffnet. Vor ihm stehen drei Kinder, alle mit selbstgemachten Kostümen. Ein Löwenkostüm, offenbar aus einer gelben Fleecedecke gefertigt und zwei Bettlakengespenster. "Süßes oder Saures!" rufen die drei im Chor. "Na, da gebe ich lieber Süßes, als das ihr euch sauer an mir rächt." sagt Robert gutmütig lachend. "Aber zuerst, lasst euch doch Mal anschauen." fordert er, woraufhin sich die drei sichtlich stolz um die eigene Achse drehen. "Ihr seht toll aus, richtig zum fürchten." findet Robert, womit er die drei zum Lächeln bringt. "Die Kostüme haben wir uns selbst überlegt und Mama hat uns sogar beim Nähen mit der Nähmaschine helfen lassen!" berichtet das älteste Mädchen im Bettlakenkostüm strahlend. "Wow! Das habt ihr toll gemacht." lobt Robert. Dann dreht er sich um, greift einen Korb vom Anmeldetresen seiner Praxis und hält ihn den Kindern hin, damit sie sich etwas Süßes daraus nehmen können. Die Kinder bedanken sich artig, Robert sagt ihnen, dass sie ihre Eltern grüßen sollten und wünscht ihnen noch viel Spaß, dann ziehen die Kinder weiter und Robert schließt die Tür.

Als er die Treppe hoch gestiegen ist, trifft er oben auf eine breit lächelnde Bibi. "Was?" will er wissen. "Nichts. Es war nur niedlich, dich eben zu beobachten." sagt Bibi und die beiden gehen nebeneinander her zurück ins Wohnzimmer. "Du scheinst Halloween zu mögen." stellt Bibi fest. Robert zuckt mit den Schultern. "Nicht unbedingt. Eigentlich bin ich kein besonders großer Fan davon. Aber ich mag es, wie fröhlich und unbeschwert die Kinder sind. Und wie sie sich freuen, wenn man ihnen Komplimente zu ihren Kostümen macht. Hier bei uns sind sie zum Großteil nämlich noch selbst gemacht und die Kleinen sind entsprechend stolz darauf." sagt Robert. "Und wie war das als du ein Kind warst? Bist du da auch so freudestrahlend um die Häuser gezogen wie die drei da eben?" will Bibi neugierig wissen, während sie wieder auf dem Sofa Platz nehmen. Robert schüttelt den Kopf. "Nein. Überhaupt nicht. Verkleiden war nicht so meins. Also ich hatte schon Verkleidesachen früher. So Hüte, ausrangierte Kittel von meinen Vater und Umhänge und so was. Mit denen habe ich auch sehr gerne gespielt, dann war ich Cowboy, Geist, Ritter und was weiß ich noch alles, aber mich verkleiden zu müssen, weil das eben alle so machen, das war nicht meins. Und dann auch noch einfach so unangemeldet bei irgendwelchen Leuten im Ort zu klingeln, das lag mir überhaupt nicht. Da habe ich immer gerne den anderen Kindern den Vortritt gelassen." erzählt Robert ihr bereitwillig. Bibi muss bei der Vorstellung, wie klein Robert, unwillig in ein Kostüm gesteckt, einen halben Schritt hinter anderen Kindern steht und 'Süßes oder Saures' ruft, schmunzeln. "Und wie ist es mit dir? Bist du ein Halloween Fan?" möchte nun Robert seinerseits wissen. "Ich weiß nicht. Ich mag die Stimmung gerne. Dieses etwas gruselige, aber auch spaßige irgendwie. Aber als ich klein war, da konnte ich das alles immer nicht verstehen. Ich fand es blöd, dass sich Leute als Hexen verkleidet haben und dass sie dann immer hässlich, alt und bedrohlich aussehen wollten, mit Warzen und so was. Ich kenne nun Mal viele Hexen und auch wenn einige sich komisch kleiden mit Hut und Umhang, so sind die meisten doch ganz normal aussehende Frauen. Zuerst fand ich die Kostüme dann beleidigend, aber später habe ich es mit Humor genommen. Oft genug habe ich mich dann selber als Gruselhexe wie aus dem Märchen verkleidet und dann hat Halloween mir auch Spaß gemacht, gerade im Teenageralter, wo ich dann immer mit Freunden gefeiert habe. Einmal ja sogar ganz ohne Erwachsene bei Alex im Schloss. Das war schön. Aber für mich ist es ein Fest für Kinder. Ich würde jetzt nicht unbedingt auf eine Halloweenfeier gehen wollen. Da geht es mir inzwischen wie dir und verkleiden mag ich nicht mehr." berichtet Bibi. Robert, der ihr aufmerksam zugehört hat lächelt sie nun an. "Dann lieber gemütlich Ofenkürbis essen und die vorbeikommenden Kinder mit Süßigkeiten zufrieden stellen?" fragt er sie schmunzelnd. "Ja, genau so stelle ich mir einen schönen Halloweenabend vor." bestätigt Bibi zufrieden. "Ich mir auch und wenn man dabei noch unverhofft so nette Gesellschaft bekommt, macht es denn Abend gleich noch viel schöner." sagt er und lächelt Bibi an. Dieses Lächeln ist so umwerfend ehrlich, dass es beginnt in Bibis Bauch zu Kribbeln.

Später stehen Bibi und Robert einträchtig neben einander in der Küche und bereiten das Essen vor. Während Robert den Kürbis aushöhlt, scheidet Bibi Zwiebeln klein und brät sie mit Hackfleisch in einer Pfanne an. Dann vermischen sie die Fleischmasse mit dem Kürbisfleisch, würzen alles mit Salz, Pfeffer und Zitrone, füllen es in den Kürbis, geben geriebenen Käse zum überbacken drauf und stellen das Ganze in den Ofen. Nun heißt es warten. "Wenn Halloween nicht unbedingt deins ist, was war denn dann dein Lieblingsfest?" will Bibi neugierig von Robert wissen. Der denkt nur kurz über die Frage nach, dann hat er seine Antwort schon gefunden. "Abgesehen von den Klassikern wie Weihnachten, Ostern und Geburtstag ist es wohl der Sankt Martins Tag." sagt er. "Die vielen bunten Laternen, das Martinshörnchenteilen, überall Fackeln... Das fand ich toll. Warst du schon Mal zu Sankt Martin hier in Falkenstein?" fragt Robert. Bibi schüttelt verneinend den Kopf. "Dann solltest du unbedingt Mal dabei sein. Als Kind ist es natürlich noch Mal was ganz anderes, aber der Laternenumzug verliert auch als Erwachsener seinen zauber nicht ganz. Finde ich zumindest. Wie lange willst du eigentlich jetzt in Falkenstein bleiben? Übernächsten Donnerstag ist ja schon der 11.11. da könntest du die Martinsfeier gleich Mal miterleben, wenn du dann noch da bist." schlägt Robert vor. "Das passt gut. Ich habe nämlich zwei ganze Wochen Urlaub und die wollte ich eigentlich komplett hier verbringen. Aber so wie du von dem Laternenumzug schwärmt, wäre ich dafür sogar extra nach Feierabend her geflogen. So weit ist es ja nicht." antwortet Bibi. "Ja, aber wenn du hier bist, dann kannst du die ganze Vorbereitung miterleben. Viele Freiwillige backen Martinshörnchen und am Samstag vor Sankt Martin gibt es im Gemeindesaal ein großes gemeinsames Fackeln und Laternen basteln. Die können da immer jede helfende Hand gebrauchen" erzählt Robert. "Lass mich raten... Du bist da dann auch dabei?" fragt Bibi. Robert nickt. "Wenn ich es einrichten kann, immer." sagt er nur. "Gut. Ich bin dabei." beschließt Bibi und Robert lächelt ihr fröhlich zu.

Wenig später sitzen die beiden am Tisch und lassen sich ihren Kürbis schmecken. Dabei unterhalten sie sich über alle möglichen Themen. Bei einem Blick auf die Uhr stellt Bibi fest, wie schnell die Zeit vergangen ist, ohne dass sie es gemerkt hat. Auch wenn sie immer wieder von vorbei kommenden Kindern unterbrochen wurden, war es ein sehr schöner Abend. Mit Robert hat Bibi nicht ein Mal das Gefühl gehabt, dass ihnen die Gesprächsthemen ausgehen. Alles fühlt sich so leicht an mit ihm und dennoch bleibt ihre Unterhaltung nicht nur oberflächlich. Bibis Herz beginnt zu hüpfen, als sie unauffällig den hübschen großen Mann ihr gegenüber mustert, der gerade die Reste seines Essens zusammenkratzt. Und das ist der Moment, in dem ihr etwas klar wird: ihre alte Schwärmerei für Robert ist offenbar nicht in geringsten vorbei. Im Gegenteil. In ihrem Bauch kribbelt es so heftig wie noch nie. Und vor ihr liegen zwei ganze Wochen Falkenstein und das Sankt Martinsfest, das Robert so sehr mag. Das ist doch eine gute Möglichkeit heraus zu finden, woran sie bei ihm ist. Denn so, wie er sie heute Abend manchmal angesehen und angelächelt hat, scheint er in ihr zumindest nicht mehr das kleine Mädchen von früher zu sehen. Vielleicht sieht er in ihr eine Freundin, vielleicht aber auch mehr. Und das will Bibi herausfinden. Das nimmt sie sich ganz fest vor.
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