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Feuer und Flamme

GeschichteDrama, Liebesgeschichte / P18 / MaleSlash
Alexander "Alec" Lightwood Magnus Bane
29.10.2021
05.12.2021
22
48.478
9
Alle Kapitel
51 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
25.11.2021 2.089
 
Hallo ihr Lieben,

hier nun der nächste und vermutlich vorletzte Teil dieser Katastrophe.
Ich danke herzlichst für die lieben Reviews und freue mich sehr, dass diese Geschichte so guten anklang zu finden scheint.

Liebe Grüße
RoseInTheDark
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Ein lautes Krachen und ein erstickter Schrei durchbrachen das Zwielicht am Fuße des Abhanges. Dann folgte ein sehr viel leiseres, erleichtertes Seufzen. Vorsichtig zog Alec einen Ast unter dem Körper seines Bruders hervor.
„Bleib noch einen Moment liegen.“ meinte er leise und schob seine Hand erneut unter die Schutzjacke in Jace's Rücken. Behutsam tastete er ein weiteres Mal die Wirbelsäule ab, gab leichten Druck auf die Wirbel und die Muskulatur. Wieder zuckte sein Bruder leicht, aber bei weitem nicht mehr so heftig wie zuvor. Als er seine Hand zurück zog, warf er einen kurzen Blick darauf. Kein Blut an seinen Fingern, um so besser.
„Okay, versuch dich langsam auf die Seite zu drehen. Der Nerv braucht ein bisschen, um sich davon zu erholen. Warte, ich helfe dir.“
Er griff nach der Schulter und dem Oberschenkel seines Bruders und zog ihn langsam auf die Seite. Ein leises Stöhnen kam von Jace, als dieser sich schließlich in eine etwas bequemer Lage brachte.
„Das ist herrlich wieder frei durchatmen zu können.“
Doch Alec nickte nur, die Hand noch immer an der Schulter des Jüngeren, die Finger leicht in die dicke Jacke gekrallt.. Er war froh, dass es Jace soweit gut ging, doch das Ganze hatte alte Erinnerungen an die Oberfläche geholt.
„Du musst echt besser auf dich aufpassen...“ murmelte er, dennoch hörte sein Bruder ihn. Misstrauisch blickte dieser auf und versuchte sich aufzusetzen.
„Alec, was ist los?“
Mit einem Seufzen half der Ältere ihm und stützte ihn, schüttelte dann aber leicht den Kopf.
„Ich... hab mich nur an was erinnert. Alles gut. Wichtig ist nur, dass du in Ordnung bist.“
Er lehnte sich vor und ließ ihre Helme aneinander stoßen. Doch noch immer sah sein Bruder ihn mit hochgezogener Augenbraue an.
„Später... okay? Lass uns erst mal sehen, dass wir hier wieder raus kommen.“
Jace kniff die Augen zusammen. So war es meistens. Alec sprach nur selten über die Dinge, die ihn beschäftigten und beunruhigten. Aber... im Moment hatte er recht.
„Einverstanden. Und wie kommen wir hier raus?“
„Eigentlich müsste gleich Hilfe kommen...“
Der Dunkelhaarige stockte und hob eine Hand an sein Gesicht. Er hatte doch gerade etwas gespürt. Das Gefühl eines Wassertropfens auf seiner erhitzten Haut. Ungläubig streckte er die Hand aus und da war es wieder. Er bezweifelte, dass es anfangen würde zu Regnen, auch wenn das wirklich ein Segen wäre. Sofort war Alec auf den Beinen und entfernte sich ein paar Schritte vom Hang, um hinauf zu schauen.
„Jace...“
Seine Stimme klang... zittrig, mit einer Spur von Panik und das ließ den Jüngeren aufschauen.
„Beweg deinen Arsch und komm auf die Füße!“
Das war keine Bitte. Und die Tatsache, dass er sofort zurückgeeilt kam und nach ihrer Ausrüstung griff, verdeutlichte dies.
„Na los, hoch mit dir!“
Alec wurde lauter, während sein Bruder sich auf die Knie zwang und sich hoch stemmte. Fast sofort ergriff der Ältere den Arm des anderen und zerrte ihn von den Büschen und dem Hang weg. Jetzt konnte auch Jace den roten Schein des Feuers über ihnen sehen. Wie war das denn passiert? Wie hatte das Feuer hinter sie laufen können? Die eigentliche Feuersbrunst lag doch auf der gegenüberliegenden Seite.
„Der Schlauch...“
Jace wollte gerade zurück laufen, doch der andere hielt ihn zurück.
„Zu spät, der liegt oben schon im Feuer.“

Seinen noch leicht taumelnden Bruder weiter hinter sich her ziehend, versuchte Alec sich so weit es ging von dem brennenden Hang zu entfernen.
„Lightwood für Rescue Pumper 67.“
Doch im Funk antwortete ihm nur Schweigen.
„Lightwood an irgendeine Feuerbekämpfungseinheit im State Forest.“
Wieder nichts. Verdammte Berghänge, hier draußen brauchten sie fast schon Sichtkontakt um kommunizieren zu können. Eilig sah er sich um, sie brauchten einen Ausweg. Dem Feuer würden sie nicht davon laufen können, zumindest nicht für lange. Jace war noch nicht wieder ganz fit und er war selbst erschöpft und müde. Ganz zu schweigen davon einen Hang schneller zu erklimmen als die Flammen. Gab es in der Nähe ein Flussbett? Irgendeine Wasserquelle, die sie zu Fuß erreichen könnten? Er erinnerte sich nicht. Aber vermutlich nicht, denn sonst hätte der Truck eine Wasserversorgung aufgebaut. Aus Eile wurde Hektik.
„Alec?“
Die Stimme seines Bruders alarmierte ihn noch zusätzlich und er sah zurück.
Das Bild, das sich ihm bot war eigentlich wunderschön. Hier unten, in diesem langgezogenen Tal zwischen den brennenden Berghängen wirbelte die Luft, kalt und warm vermischte sich, die Flammen verbrannten Sauerstoff und neue Luft musste nachströmen. Diese Luftwirbel rissen glimmende Funken mit sich, die wie tausende kleine Feuerfeen umher tanzten und umher sprangen. Untermalt wurde dieses Schauspiel vom roten Schein der Flammen am Abendhimmel, der die Umgebung ist ein dämonisch wirkendes Zwielicht tauchte. Wie gesagt, eigentlich wunderschön und absolut tödlich. Denn mit jedem Funken, der sich auf dem trockenen Gehölz niederließ, konnte sich ein neuer Brandherd entzünden.
„Fuck...“
Die beiden Männer sahen sich einen kurzen Moment an, ehe sie weiter rannten...

So tief er konnte zog Hank den Helikopter über die Berghänge, ohne sich selbst zu gefährden. Eigentlich sollte er schon gar nicht mehr fliegen, da es bald schon zu dunkel sein würde. Aber er würde auch sehr viel schneller am Einsatzort sein, als die losfahrenden Fahrzeuge. Außerdem hatte er von oben einfach die bessere Übersicht. Schon aus der Ferne konnte er durch den dichter werdenden Rauch das bunte Lichterspiel des Löschwagens erkennen, dem sich langsam die Flammen von unterhalb des Hanges näherten.
„Helikopter 9 für Rescue Pumper 67. Ihr solltet zusehen, dass ihr da weg kommt.“
„Hier 67, wir sind gleich weg. Helikopter 9, kannst du unsere Jungs sehen?“
Hank zog eine Schleife und ließ seinen Scheinwerfer über den Talboden unterhalb des Fahrzeugs gleiten.
„Bisher nicht 67, aber ich suche weiter.“
Viel Hoffnung hatte er nicht, wie er sich selbst eingestehen musste. Aber solange sich das Gebiet unter ihm noch nicht völlig in einen Hexenkessel verwandelt hatte, würde er nicht aufgeben.
Plötzliches Knistern und Rauschen im Funk ließ ihn aufmerksam werden. Dann herrschte einen Moment Stille.
„Lightw...nn mich jema...ren?“
Es war definitiv jemand da unten, nur wo? Die kleinen Funkeinheiten an den Einsatzjacken waren kaum stark genug sich in diesem Gebiet unter normalen Bedienungen zu verständigen. Noch einmal zog er eine Kurve. Tiefer konnte er nicht gehen, sonst würde die Thermik des Feuers den Auftrieb der Rotoren brechen.
„Helikopter 9 für die Leute im Tal, kommen.“
Knistern und Rauschen antwortete ihm, also versuchte er es erneut. Diesmal folgte ein dreimaliges Klacken im Funk. Hank atmete auf, irgendjemand hörte ihn da unten. Jetzt musste er sie nur noch finden und sich einen Weg überlegen ihnen zu helfen. Er hatte zwar knapp 500 Liter Wasser dabei, aber die konnte er ihnen auch nicht einfach so auf die Köpfe fallen lassen.

Sie konnten das typische Geräusch von Rotorblättern hören, das flappende Geräusch war unverkennbar. Doch sehen konnten sie den Hubschrauber nicht, aber sie hatten auch nicht die Zeit stehen zu bleiben und sich umzuschauen. Sie mussten weiter laufen, so schnell es eben ging und so viel Distanz wie möglich zwischen sich und das um sich greifende Feuer bringen. Den Funkspruch des Helikopters hatten sie gehört, doch keiner von ihnen hatte noch genug Atem übrig, um antworten zu können. Also hatte Jace einfach nur dreimal den Sprechknopf seiner Funkeinheit gedrückt und gehofft, dass der Pilot verstand. Alec hingegen hatte sich den Arm seines Bruders über die Schulter gelegt und stützte ihn, da dessen Beine noch immer etwas wackelig und schwach waren.
Sie wussten beide, dass sie nicht schnell genug waren und sie wussten, dass sie so langsam eine Entscheidung treffen mussten. Entweder sie versuchten weiter vor dem Feuer zu fliehen oder sie versuchten sich einzugraben. Beten mussten sie so oder so. Von Vorteil wäre es jedoch, wenn der Pilot ihre Position wüsste. Deshalb blieb Alec nun doch stehen und griff schwer atmend nach seiner Handlampe.
„Blickfunktion...“ keuchte er und Jace nickte.
Nur wenige Augenblicke später liefen sie wieder los, doch diesmal mit den blinkenden LED-Lichtern auf ihren Rücken. Wer sagte denn dass die Trageschlaufen nur für die Crash-Rettung taugten.
„Hier Helikopter 9, ich sehe euch.“ kam auch nur wenige Momente später. „Könnt ihr euch eingraben?“
„Ja..“ keuchte Alec in den Funk und stolperte fast über eine Wurzel.
„Gut, etwa 30 Meter vor euch wird die Vegetation weniger. Sobald ihr fertig seid, werfe ich Wasser ab und versuche euch aufzunehmen.“
Damit war die Entscheidung getroffen. Der Ältere festigte seinen Griff um die Hüfte seines Bruders und zog ihn weiter und auch Jace kratzte zusammen was er noch an Kraft hatte.
Schritt für Schritt, Meter für Meter kämpften sie sich voran, bis sie schließlich den Streifen erreichten, den der Pilot ihnen gemeldet hatte. Kurz sah Alec sich um. Ein ausgetrocknetes Flussbett vielleicht, aber er konnte es nicht genau sagen. Vorsichtig ließ er seinen Bruder zu Boden gleiten und ließ dann das Ausrüstungspaket fallen. Eilig entfernte er den Gurt und rollte die Decken auf. Im Aufspringen griff er nach einem Spaten und klappte ihn auf.
„Behalt' die Umgebung im Auge!“  meinte er zu Jace, dann fing er an zu graben. Er musste nicht sonderlich tief, nur weit genug, dass zwei Körper darin Platz hatten und sie sich mit den Decken abdecken konnten.
„Herondale für Helikopter 9, wie viel Zeit haben wir?“
„Nicht viel, der Wind treibt die Flammen in eure Richtung. Ich schätze nur ein paar Minuten.“
„Verstanden.“
Auch er griff nach dem zweiten Spaten und hievte sich wieder auf die Knie. Sein unterer Rücken schmerzte noch immer und das Gelaufe hatte dem nicht gerade Abhilfe verschafft. Aber er würde nicht untätig herumsitzen, also buddelte er ebenso.

Immer Näher kam das Tosen und Rauschen und damit auch Rauch und Qualm. Hank konnte noch immer die blinkenden Lichter am Boden sehen, aber genauso auch das näher kommende Feuer. Er konnte schon jetzt vereinzelte Flammen nahe bei den beiden Männern sehen. Viel Zeit blieb nicht mehr und wenn die Hauptfront sie erst einmal erreicht hätte, würde auch er nicht mehr viel ausrichten können.
„Macht schon....“ murmelte er mehr zu sich selbst. Dann sah er blinkendes Lichterspiel in Rot und weiß von der anderen Seite näher kommen.
„Helikopter 9 für Einheiten auf der Shephard Road.“
„Tanker 6.“
„Löschzug 54 für Heli 9, hast du die Männer in Sicht?“
Hank atmete erleichtert auf, auch wenn das noch nicht die Rettung war. Die Fahrzeuge waren gerade erst auf das andere Ende der Straße gebogen und würden noch einige Minuten brauchen bis sie an der richtigen Stelle wären. Aber immerhin waren da gerade knapp 15 tausend Liter Wasser auf Rädern unterwegs – für den gesamten Brand nicht viel, aber womöglich Ausschlag gebend für die beiden da Unten. Schnell gab er die Informationen weiter, die er hatte und was an Vorgehen geplant war. Ebenso informierte er die Männer über das Eintreffen der Einheiten.
Doch es gab keine Zeit zu vertrödeln und das wussten sie alle ganz genau.
Hank konnte sehen wie immer mehr Flammen um die Männer herum aufflackerten, ausgelöst durch den Funkenflug. Dafür konnte er sie jetzt deutlicher im Zwielicht erkennen.
„Das Erdloch ist ausgehoben.“ kam schließlich der erlösende Funkspruch. Er konnte sehen wie die beiden die Decken so vorbereiteten, dass sie nur noch hinunter schlüpfen mussten. Dann schlossen sie ihre Jacken bis ganz hoch zum Kragen und verschlossen die Riegel, setzten sich Fluchthauben auf und zogen ihre Handschuhe an. Zuletzt klappten sie die Nackenschürzen ihrer Helme herunter. Dann half der eine dem anderen sich mit dem Gesicht nach unten in die Kuhle zu legen und warf eine der Decken über ihn. Dann erst kniete er sich selbst in die geschaffene Vertiefung und zog eine zweite Decke über seine Schultern.
„Heli 9, wir sind soweit.“
„Verstanden, viel Glück.
„Danke.“ war die schwache Antwort, ehe der Mann sich auf den Bauch gleiten ließ und die Löschdecke ganz über sich zog.
Und jetzt lag es bei Hank und seinen Flugkünsten. Schnell drehte er ab und gewann etwas an Höhe. Er musste seinen Anflug korrigieren und den richtigen Zeitpunkt abpassen um seine Ladung abzuwerfen. Aber er musste darauf achten die Hauptlast nicht direkt auf die Männer abzuwerfen, die Wucht des fallenden Wassers würde sie töten - auch wenn die Oberflächenspannung mit ein wenig Schaummittel reduziert war. Aber er musste genauso dafür sorgen, dass die Flammen, welche die beiden umgaben, gelöscht wurden.
Und dann gab es kein zurück mehr, der Helikopter brauste über das Tal hinweg und Hank löste den Mechanismus zum Ablassen des Wassers aus...
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