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Kurzbeschreibung
KurzgeschichteRomance, Freundschaft / P12 / MaleSlash
Lando Norris
27.10.2021
27.10.2021
1
3.503
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27.10.2021 3.503
 
Max said, he misses his Papaya Boy... das war mein Stichwort :)
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Max seufzte. Blind tastete er nach dem Handy auf seinem Nachttisch und aktivierte das Display. Halb vier in der Nacht. Verdammt.
Genervt drehte Max sich auf die andere Seite, doch er fand einfach keine bequeme Schlafposition. Eigentlich hatte er die in dieser Nacht noch überhaupt nicht gefunden. Stattdessen wälzte er sich im Halbschlaf hin und her, mehr und mehr genervt von sich selbst.

Normalerweise hatte er keine Schlafprobleme mehr. Als er damals mitten in der Saison in der Formel 4 aufhören hatte müssen, war er auch so gewesen. Unruhige Nächte, müde und genervte Tage.
Doch dann war irgendwann Lando aufgetaucht. Obwohl er ihn seit Kindertagen kannten, hatten sie in den letzten Jahren nicht mehr so viel Kontakt gehabt. Beide waren sie mit ihrer eigenen Rennkarriere beschäftigt gewesen und da sich ihre Rennserien nicht überschnitten hatten, waren sie so oft in verschiedenen Zeitzonen und anderen Orten auf der Welt gewesen, dass ein regelmäßiger Kontakt irgendwann eingeschlafen war.

Doch dann hatte Max die Saison frühzeitig beenden müssen und Lando war einer der ersten gewesen, der ihm geschrieben hatte.
„Hey, alles gut bei dir?“ Max konnte sich noch genau an diese eine Nachricht erinnern, die auf einmal in seinem Postfach aufgetaucht war. Sie hatten mehr geschrieben, angefangen, miteinander zu zocken und schließlich war es irgendwann zur Gewohnheit geworden, dass Max in Lando’s Twitch Streams aufgetaucht war und sie gemeinsam streamten. Manchmal mit Dan, manchmal ohne ihn, aber meistens hatten Max und Lando auch nach den Twitch Sessions noch weiter gespielt oder einfach weiter über Discord miteinander geredet.

Dann war Quadrant gekommen und Max’ spontaner Umzug in Landos Villa. Und jetzt? Jetzt lag er hier in seinem Bett, in Landos Haus, das inzwischen auch sein Haus war. Ihr gemeinsames Haus, auch wenn es natürlich nach wie vor Lando gehörte. Trotzdem hatte Lando von vorn herein klar gemacht, dass sie hier gemeinsam wohnten und Max genau dieselben Rechte hatte, wie er.
Max liebte Lando insgeheim dafür, dass er nie auch nur eine Sekunde ein Thema daraus gemacht hatte, dass er der Superstar war, der erfolgreiche Formel 1 Fahrer mit der riesigen Fanbase, während Max schon in der Formel 4 gescheitert war.

Max hatte ein paar Mal versucht, sich bei Lando für das zu bedanken, was er für ihn getan hatte, aber das lies dieser nicht zu. Dabei hatte Lando ihn im Grunde gerettet.
Max war nach seiner verkorksten Formel 4 Saison tief gefallen.So tief, dass er am Ende selbst nicht mehr gewusst hatte, wie er aus seinem eigenen geschaffenen Loch wieder herauskommen sollte.
Er hatte die Tage schlecht gelaunt Zuhause verbracht, bis seine Mutter ihn sogar zu einem Besucht beim Psychologen gedrängt hatte.
Ohne Erfolg.

Erst dieser Junge mit dem frechen Lachen und den wirren, dunkelbraunen Locken hatte es geschafft, ihn wirklich aus diesem Loch zu holen. Er hatte Max nie in Frage gestellt. Keine Minute, keine Sekunde lang. Max war für Lando einfach Max. Es war völlig unwichtig, wieso er gerade kein Cockpit hatte, er war nie auch nur ein einziges Mal Thema gewesen. Stattdessen hatte Lando ihn wie selbstverständlich in alles eingebunden was er neben der Rennstrecke tat. Hatte ihn ungefragt angerufen, wenn er einen Stream geplant hatte und ihn dazu geholt, hatte ihn zum Golfen geschleppt, eine Sportart von der Max zuvor absolut sicher gewesen war, sie niemals selbst ausüben zu wollen.
Mit Lando machte es Spaß. Mit Lando machte alles Spaß, war alles besser, einfacher, leichter und das, obwohl sie bei weitem nicht nur Blödsinn machten, Gold spielten und Warzone zockten.

Im Gegenteil, Max hatte schnell gelernt, seinen Freund auch als ernsthaften Gesprächspartner zu schätzen. Lando war klug, ruhig und reflektiert, eine Eigenschaft, die Max oft fehlte.
Lando wusste meistens genau was er sagen und tun musste, um Max aufzuheitern und zum Lachen zu bringen und der war ihm unendlich dankbar dafür, auch wenn er ihm das so noch nie gesagt hatte.

Jetzt allerdings war Lando am anderen Ende der Welt. Normalerweise waren Lando und Max auch dann fast ständig in Kontakt, wenn Lando unterwegs war. Meistens telefonierten sie sogar nach einer Trainingssession oder Quali. Früher hatten Max ewige Analysen von Fahrstilen, Strecken und Bremswegen genervt, mit Lando machte es Spaß, stundenlang darüber zu diskutieren, wer bei einem Unfall einen Fahrfehler gemacht hatte, was die richtige Reifenstrategie für den nächsten Tag sein würde, oder  ob ein Überholmanöver an einer bestimmten Stelle nun möglich oder doch zu riskant war.
Jetzt, wo Lando in den USA war, waren diese langen Gespräche weggefallen. Die Zeitverschiebung machte es schwierig, Zeit zu finden und die ganzen Medientermine und Einladungen, die Lando in den Tagen vor und nach dem Rennen hatte, machten es nicht besser.
Meistens schickte Lando einen ganzen Schwung Bilder, bevor er ins Bett ging, dann, wenn bei Max gerade Zeit für ein spätes Frühstück war.
Max hatte dagegen wenig zu erzählen. Er verbrachte die Tage meistens damit, mit den anderen Mitgliedern von Quadrant neuen Content zu planen, doch darüber war Lando ohnehin informiert.
Inzwischen war er eine knappe Woche in den USA und langsam stellte sich bei Max wieder dieses Gefühl ein, nutzlos und ein Versager zu sein.

Er sah Lando, wie er von den Fans gefeiert wurde, Basketball und Footballspiele besuchte, andere berühmte Leute traf, Interviews gab und von den Medien als neues Supertalent gelobt wurde, während er selbst mit seiner Rennkarriere im letzten Jahr keinen einzigen Schritt weitergekommen war.
Seine Fanbase hatte sich vergrößert, aber auch das hatte er hauptsächlich Lando zu verdanken, denn wenn er ehrlich war, würde ihn auch heute noch kaum jemand kennen, hätte Lando ihn nicht damals unter seine Fittiche genommen.


Eine Sirene irgendwo auf der Hauptstraße riss Max aus seinen Gedanken.
Einem Impuls folgend griff er nach seinem Handy und öffnete den Chat mit Lando.
„Hey“, tippte er und schickte es ab, ohne nachzudenken. Lando war aktuell in Los Angeles, dort war es gerade erst früher Abend.
Soweit sich Max erinnern konnte, hatte Lando ein Dinner Date mit ein paar Leuten seiner Crew, allerdings wohl erst in ein oder zwei Stunden.
Tatsächlich kam die Antwort unmittelbar.
„Wieso bist du wach?“
Max lachte leise und schrieb „Wieso nicht?“ zurück.
Es dauerte kurz, bis Lando antwortete. „Weil du morgen viel zu tun hast oder eher heute.“
„Gibt Kaffee“.
Max konnte förmlich vor seinem inneren Auge sehen, wie Lando die Augen verdrehte. Kaffee gehörte neben Sushi zu den Lebensmitteln, mit denen man ihn jagen konnte.
„Kaffee ist eklig und bitte und man bekommt davon nichts als Herzrasen“, kommentierte er gerne, wenn Max mit seiner dritten Tasse Morgens vor dem Laptop saß.
Promt folgte auch ein Gif von einer kopfschüttelnden Katze, die Max abermals zum Lachen brachte.
„Ernsthaft, wieso bist du wach?“
Er seufzte, als er den Nachsatz las. Warum war er wach? Eigentlich war die Antwort ganz simpel, aber irgendetwas hielt ihn zurück, das Lando einfach so zu schreiben.
Vermutlich würde er ihn für völlig bescheuert halten.
„Keine Ahnung. Kann nicht schlafen“, antwortete er stattdessen. Wieder dauerte es ein paar Minuten bis Lando antwortete und Max war tatsächlich schon halb weggedämmert, als sich das Handy mit leisem Vibrieren meldete.
„Wieso? Alles okay?“
Max lächelte halb in die Dunkelheit. Lando schien sich tatsächlich Gedanken um seinen Schlafrhythmus zu machen. Soviel Interesse an seiner Person war Max eine ganze Zeit lang nicht mehr gewöhnt gewesen. Nachdem er sich von seiner damaligen Freundin getrennt und aus der Formel 4 ausgeschieden war, hatte er sich mehr oder weniger unbewusst von allen Freunden und auch seiner Familie zurückgezogen und hatte eigentlich nur auf Twitch ernsthaft Kontakt zu anderen gehabt.
Erst Lando hatte ihn wieder aus seinem Schneckenhaus geholt.

Bevor er groß darüber nachdenken konnte, hatte er eine Antwort an Lando abgeschickt.
„Vermutlich vermisse ich dich einfach.“
Max starrte einen Moment auf den Bildschirm und erwartete halb, dass Lando ihm einfach nicht antworten und sie nie darüber reden würden. Sein Finger schwebte schon über dem Menü, um auf „Nachricht löschen“ zu drücken und zu hoffen. Lando hätte es einfach noch nicht gelesen, da kam eine Antwort.
Sie bestand nur aus vier Worten und löste ein seltsam ziehendes warmes Gefühl in Max’ Magengegend aus, dass sich irgendwie schmerzhaft und schön zugleich anfühlte.

„Ich vermisse dich auch.“
Es dauerte ein paar Sekunden, dann kam noch eine weitere Nachricht.
„Und jetzt schlaf, damit du morgen fit bist!“



Tatsächlich hatte Max nach dem Chat mit Lando noch ein paar Stunden geschlafen. Gut und fest. Lando hatte diese erstaunliche Wirkung also auch tatsächlich noch am anderen Ende der Welt.
Trotzdem gähnte Max als er mit seiner zweiten Tasse Kaffee zu seinem PC ging und sich auf den Stuhl fallen ließ.
Sein Handy meldete sich mit einer Erinnerung, dass er in fünfzehn Minuten eine Call mit dem Quadrant Management hatte.
Lando hatte sich seit ihrem kurzen Gespräch nicht mehr gemeldet und als Max ihm jetzt ein Bild von seiner Kaffeetasse schickte, kam es nicht an.
Vermutlich schlief er, immerhin war es jetzt bei Lando mitten in der Nacht, während er hier mit seinem Morgenkaffee saß, oder sein Handy war ausgegangen, weil er wieder einmal vergessen hatte, es über Nacht anzustecken.
Max musste bei dem Gedanken grinsen, wie die arme Charlotte irgendwann an seine Hotelzimmertür klopfen würde oder über das Zimmertelefon anrufen musste, weil ihr Schützling nicht an sein Handy ging.
Das war schon ein oder zweimal vorgekommen, auch wenn Lando gerne behauptete, Charlotte würde das nur erzählen, um ihn zu ärgern.

Lando würde, soweit er wusste, den Tag mit Media Terminen für McLaren verbringen, sodass er vermutlich auch tagsüber nicht viel von ihm hören würde. Bei diesem Gedanken verlor sich ein Teil seiner Motivation für den Tag. Für später war ein Videodreh mit den Jungs und Ria angesetzt und er freute  sich auf sein Team, trotzdem war es nicht dasselbe, wenn Lando nicht dabei war.
Er verstand sich mit jedem Einzelnen wirklich gut, aber es fehlten die vertrauten Gesten und Blicken zwischen ihm und Lando, die Insider- Witze die auf irgendwelchen dummen Aktionen vom Vorabend beruhten und die Art, die Lando ihm einen Arm um die Schultern legte, wenn sie einen Schnitt auf der Kamera ansahen.

Ein kurzer Blick auf sein Handy sagte ihm, dass die Nachricht immer noch nicht angekommen war. Max unterdrückte den Impuls, sich Sorgen zu machen. Lando war am anderen Ende der Welt, beschäftigt mit einem vollen Terminplan. Es gab absolut gar keinen Grund, sich Sorgen zu machen.
Trotzdem machte sich über dem Tag hinweg eine gewisse Unruhe breit. Lando hatte sich auch bis Mittag nicht gemeldet und auch eine zweite Nachricht über einen anderen Nachrichtendienst wurde nicht zugestellt.
Als Max beim Videodreh die anderen fragte, zuckten die nur lapidar die Schultern. Sie hatten sowieso nicht täglichen Kontakt mit Lando und da alle wussten, dass er die Tage nach dem US Grand Prix noch in Los Angeles bleiben würde, hatte auch keiner großen Kontakt erwartet.

Max versuchte den Gedanken an Lando zu verdrängen, aber so richtig wollte es nicht funktionieren.
Als das Video abgedreht und Max auf dem Weg zu seinem Auto war, um nach Hause zu fahren, wurde es schon langsam dunkel und vor allem kalt.
Gerade als er sein Handy anstecken wollte, vibrierte es. Lando.
„Was machst du gerade?“
Max hob eine Augenbraue. Stundenlang war er einfach verschollen und dann so eine Frage aus dem Nichts? Das war absolut untypisch für Lando. Irgendetwas stimmte hier nicht.
„Bin auf dem Heimweg vom Quadrant Videodreh.“
Landos Antwort kam prompt. „Kannst du bei Oliver vorbei fahren? Er hat was für mich und ich kann es ja nicht selbst abholen.“

Max war immer noch irritiert. Es war kein Problem, bei Oliver vorbei zu fahren, sein Haus lag quasi auf dem Weg, nur knapp 15 Kilometer von Landos entfernt, trotzdem war die Bitte seltsam. Lando war ohnehin nicht Zuhause, was nütze es ihm, wenn Max nun abholte, was auch immer Oliver für ihn hatte.
Doch er hatte ohnehin nichts Besseres zutun. Zuhause wartete nur ein leeres Haus auf ihn, Dan hatte ihm für heute Abend zum gamen ebenfalls abgesagt, weil seine neue Freundin da war und so hatte er ohnehin eine Menge Zeit.
„Kann ich machen“, schrieb er mit einer Hand am Lenkrad und halb auf den Bildschirm schielend zurück und konnte gerade noch einem Auto auf der Gegenfahrbahn ausweichen, als er zu weit auf dessen Spur hinüber driftete. Er hob entschuldigend die Hand, als der andere wütend auf die Hupe drückte und ließ das Handy in die Mittelkonsole fallen.
Den Rest des Weges zu Olivers Haus legte er zurück, ohne noch einmal auf sein Handy zu blicken. Er wusste, dass er nur knapp einen Unfall vermieden hatte.
Dieser verflixte Junge mit den braunen Locken machte ihn schon völlig verrückt.
Als er das Auto in Olivers Zufahrt parkte, lag das Haus still und verlassen da. Es brannte kein Licht und Max blieb einen Moment irritiert im Wagen sitzen.
Es sah nicht aus, als wäre jemand Zuhause. Er traute Lando durchaus zu, Oliver nicht vorher gefragt zu haben, ob er überhaupt Zuhause war, damit Max „was auch immer“ abholen konnte.
Schulterzuckend stieg er aus und ging zur Haustür hinüber, während er erst eine Nachricht an Lando tippte, ob Oliver überhaupt gefragt hatte, ob er daheim war und dann an Oliver, dass er vor der Tür stand.
Er wollte gerade den Klingelknopf drücken, da legten sich ihm von Hinten zwei Arme um den Hals.

Max konnte es nicht verhindern, er schrie auf und versucht reflexartig, sich aus dem Griff zu befreien. Sein Herz raste und er spüre, wie ihm die Hitze in den Kopf schoss. Verdammt, was sollte das hier? Kurz schossen ihm Vorstellung von Entführung, Mord und Totschlag durch den Kopf, da schlangen sich die Arme noch fester um ihn und Max nahm den Geruch seines Angreifers war. Er hätte ihn überall erkannt. Überall, aus tausenden von Menschen.

„Sag mal, bist du eigentlich bescheuert?“, fluchte er und wand sich aus dem Klammergriff. Dieses Mal wandte er mehr Kraft an und der andere ließ ihn los. Max drehte sich um und stieß Lando vor die Brust, sodass dieser ein paar Schritte zurück stolperte.
„Du blöder Vollidiot hast mich fast zu Tode  erschreckt“, schimpfte Max und auf Landos Gesicht spiegelte sich Überraschung, Schreck und ein Haus Belustigung.

„Ich hab jetzt nicht damit gerechnet, dass du hier einen halben Herzinfarkt kriegst“, sagte er dann fast ein bisschen kleinlaut und senkte den Blick. Max starrte ihn an, als wäre er eine Fata Morgana. Es ging nicht in seinen Kopf, wieso Lando hier war, obwohl er in den USA hätte sein sollen. Dass er gerade gedacht hatte, er würde hinterrücks von einem Einbrecher angegriffen werden und dann stand auf einmal die Person vor ihm, die er die ganzen letzten Tage so vermisst hatte.
„Hey man, ich wollte dich überraschen, tut mir leid“, sagte Lando und sah dabei so treuherzig bedröppelt aus, dass Max nicht anders konnte, als zu lachen. Ein bisschen hysterisch, weil ein Puls immer noch bestimmt bei 150 war und seine Hände ein bisschen zitterten.
„Du bist so ein Idiot“, murmelte er dann und streckte eine Hand aus.
Lando ergriff sie und Max zog ihn in eine Umarmung. Lando grinste und schlang ihm die Arme um den Hals. Diesmal von vorne und nicht unerwartet von hinten aus der Dunkelheit.
„Wirklich, du hättest mich fast umgebracht“, murmelte Max in Landos Hoodie. Der eigentlich sein Hoodie war, wie er in einem Nebengedanken feststellte. Er hatte nicht einmal gemerkt, dass Lando ihn mitgenommen hatte.
„Das ist mein Hoodie“, sagte er mit einem leisen Grinsen in der Stimme und Lando lachte, das Gesicht halb in Max’ Jacke vergraben.
„Ich hab dich eben vermisst“, nuschelte er in den Stoff und löste sich dann von Max.
„Was machst du hier?“, fragte dieser schließlich. Er sah kein Auto und Oliver war offensichtlich tatsächlich nicht Zuhause.
„Du bist heute schwer von Begriff, oder?“, fragte Lando grinsend und zog einen Schlüssel aus der Hosentasche.
Er schloss die Haustür auf und zog Koffer und Rucksack aus dem Gang, die beide dort hinter der Tür gestanden hatten.
Max sagte nichts, er sah Lando nur an, bis sich ihre Blicke trafen.
„Nein, ernsthaft“, meinte er dann leise. Lando erwiderte seinen Blick ein paar Sekunden, dann warf er sich den Rucksack über eine Schulter und ging auf Max zu, bis er so nahe vor ihm stand, dass sich ihre Nasenspitzen beinahe berührten.
Für einen Moment umschlossen Landos Hände Max’ Gesicht.
„Nochmal für Dumme: Max Fewtrell, ich habe meine zwei Tage Media abgesagt und auf hierher verlegt, weil ich dich vermisst habe.“
Lando sagte das, als wäre es das Normalste auf der Welt. Als müsste es einfach so sein, als gehörte es so, als gäbe es gar keine andere Möglichkeit.
„Okay“, murmelte er nur leise und Lando lächelte, dann griff er nach Max Hand, während er mit der anderen den Koffer hinter sich herzog.
„Lass uns nach Hause fahren“, sagte er.


„Ich kann es immer noch nicht so ganz glauben“, sagte Max, als sie aus der Garage hinüber in den Wohnbereich gingen. Lando lachte. Er hatte die ganze Fahrt über vom Rennwochenende erzählt und Max hatte es genossen, seine Stimme zu hören, ihm einfach zuzuhören.
Er hörte niemandem so gerne zu wie Lando. Er hatte so eine unaufgeregte und gleichzeitig malerische Art, zu erzählen, dass Max sich immer wieder erwischte, wie er sich darin verlor, während er sich bei anderen oft schwer tat, wenn sie von etwas erzählten, bei dem er nicht selbst dabei gewesen war.
Lando hätte ihm Stundenlang die Umlaufbahn von Planeten um die Sonne beschreiben können und er hätte ihm zugehört.
Während Lando seinen Koffer achtlos im Gang stehen ließ, grinste er zu Max hinüber. „Da siehst du mal wie lieb ich dich habe“, sagte er mit einem Zwinkern und streifte sich die Schuhe von den Füße.

Max erwiderte nichts. Er hatte genug damit zu tun, das warme Gefühl in seiner Magengegend zu ignorieren.
Lando fuhr sich durch die Haare, die nach einem langen Flug immer noch ein bisschen wirrer und lockiger waren, als sonst.
„Hast du das vorher geplant?“
„Vor was?“, fragte Lando unschuldig und ließ sich im Wohnzimmer aufs Sofa fallen.
Max setzte sich neben ihn und zog die Füße an. „Vor unserem Chat mitten in der Nacht.“
„Bei mir war es mitten am Tag“, korrigiere Lando ihn und Max warf ihm ein Kissen an den Kopf. „Depp. Ich meine, ob du geplant hast herzukommen. Wenn du nämlich deine Termine abgesagt hast, nur weil ich dich damit genervt habe, dass ich nicht schlafen kann, dann…“
Weiter kam er nicht. Lando hatte das Kissen zurückgeworfen und ihn damit voll im Gesicht getroffen.

„Max?“, fragte Lando dann und der schob das Kissen zur Seite und hob eine Augenbraue.
„Hm?“
„Ich bin zurückgekommen, weil ich dich vermisst habe. Weil es sich scheiße angefühlt hat, eine ganze Welt von dir entfernt zu sein und nicht einmal mit dir telefonieren zu können. Weil ich mir bei jeder lustigen oder nervigen Sache, die passiert ist, gedacht habe, dass ich sie dir erzählen möchte und mir dann eingefallen ist, dass du entweder gerade schläfst, oder arbeitest. Ich bin zurückgekommen, weil ich dieses Zuhausegefühl vermisst habe, dass ich hier habe, seit du eingezogen bist. Nur deswegen, du Blödmann!“

Er stieß Max den Ellenbogen in die Seite, dann schlang er ihm die Arme um den Hals und Max vergrub den Kopf im weichen Stoff von Landos Pullover. Er roch nach Lando, nach Minze und ein bisschen nach Flughafen und Flugzeug.
„Ich hab dich vermisst“, murmelte er halblaut in Landos Ohr und konnte spüren, wie sich dessen Gesicht zu einem Grinsen verzog.
„Mal sehen, ob du das auch noch sagst, wenn ich morgen früh über deinen Kaffee schimpfe.“
Sie grinsten sich an und Max spürte, dass er heute Nacht definitiv besser schlafen würde.

Ein paar Stunden später beugte Max sich über den schlafenden Lando, um den Laptop abzuschalten und herunterzufahren. Lando hatte von der letzten Folge der Serie, die sie geschaut hatten, nicht mehr viel gesehen. Irgendwann hatte er sich zu Max herumgedreht, sich halb in dessen Arm gekuschelt und war wie selbstverständlich innerhalb von wenigen Minuten eingeschlafen. Seine Locken hatten ihn am Kinn gekitzelt.
Als Max den Laptop neben dem Bett auf den Boden legte und mit der Hand nach dem Schalter der Nachttischlampe tastete, öffnete Lando die Augen halb und blinzelte Max an.
„Max?“, sagte er, noch im Halbschlaf und fast lautlos.
„Hm?“
„Ich schlafe heute hier, okay?“, nuschelte Lando und zupfte an Max’ Tshirt wie als Aufforderung, sich wieder neben ihn zu legen.
„Okay“, murmelte Max und ließ sich von Lando wieder unter die Decke ziehen.
Besitzergreifend legte Lando einen Arm über Max’ Brust und lehnte den Kopf an seine Schulter.
„Schlaf gut“, brummte er noch leise, bevor er wieder einschlief.
Dieses Mal wäre Max am Liebsten die ganze Nacht wach geblieben, nur damit dieses Gefühl, Lando so nah neben sich zu wissen, so lange wie möglich andauern würde, doch im Gegensatz zur Nacht zuvor, hatte er dieses Mal keinerlei Probleme beim Einschlafen.
Das Letzte was er spürte, waren Landos weiche Locken an seinem Hals, als dieser sich im Schlaf noch ein bisschen enger an ihn kuschelte.
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